In diesem Kapitel geben wir Ihnen einen Überblick über die nachfolgend gelisteten Krankheiten, die als mögliche Ursachen von Darmblutungen infrage kommen können:

  • Dickdarmdivertikel
  • Darmpolypen
  • Darmkrebs (vor allem Mastdarmkrebs, aber auch Dickdarmkrebs: Kolorektale Karzinome)
  • Darmentzündungen: Mastdarmentzündung (Proktitis und mehr), Dickdarmentzündung (infektiöse Kolitis / Enterokolitis), Darmentzündungen durch Antibiotika, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, Mastdarmgeschwür, Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis
  • Dünndarm: Meckel-Divertikel, Tumoren, Invagination
Divertikel: Ausstülpungen im Darm und was dabei passieren kann

Divertikel: Ausstülpungen im Darm und was dabei passieren kann

Dickdarmdivertikel: Grübchen in der Darmwand

Divertikel sind Ausstülpungen im Darm an Stellen, wo Blutgefäße durch die Darmwand ziehen. Hier ist die Darmmuskulatur schwächer.

Divertikel kommen im Dünndarm (siehe unten, Abschnitt:  Meckel-Divertikel), vor allem aber im Dickdarm vor. Hier sind es meist sogenannte Pseudodivertikel. Dabei stülpt sich nur die Schleimhaut durch die  Muskellücke nach außen vor. Sackt die gesamte Darmwand an der Schwachstelle durch, spricht man von kompletten  Divertikeln.

Reizlose Divertikel verursachen meist keine Beschwerden. Mitunter kommt es anhängig vom Essen zu Bauchschmerzen, vor allem im linken Unterbauch, die nach Darmentleerung wieder abklingen.

Der Arzt kann die Ausstülpungen im Dickdarm zum Beispiel bei einer Darmspiegelung feststellen. Die sogenannte Divertikulose – dabei häufen sich Divertikel stellenweise  – nimmt im Alter zu: Mehr als jeder zweite über 70 Jahren ist davon betroffen. Bereiten sie stärkere Beschwerden, etwa aufgrund einer Entzündung (symptomatische Divertikulitis), liegt eine Divertikelkrankheit vor.

Obwohl die Divertikel hauptsächlich den unteren Dickdarm  auf der linken Bauchseite – und hier das S-förmige Sigma – betreffen (der Mastdarm bleibt üblicherweise ausgespart),  ereignen sich  Divertikelblutungen eher im Anfangsteil des Dickdarms. Er heißt Zökum, ist der eigentliche Blinddarm und liegt im rechten  Unterbauch. Divertikel sind dort meist etwas größer, gewissermaßen komplett, und damit auch  kräftiger durchblutet.

Divertikel – ob Divertikulose oder Divertikulitis – gelten als häufigste Ursache für Darmblutungen, insbesondere starke. Auslösend sind unter anderem erhöhter Druck im Darminneren und Dehnung des betroffenen Darmabschnitts, etwa bei chronischer Verstopfung. Weitere Risikofaktoren für eine Divertikelblutung: Gefäßerkrankungen wie die  Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Bluthochdruck und regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente, etwa entzündungshemmender Arzneien wie sogenannte Cox-Hemmer oder nicht steroidale Antirheumatika.

Symptome: Divertikelblutungen ohne weitere Krankheitskomplikationen sind schmerzlos,  können aber erheblich sein – mitunter so stark, dass  ein Notfall vorliegt. Häufig bluten sie nur vorübergehend und kommen von selbst wieder zum Stillstand. 

Diagnose und Therapie: Der oder die Betroffene soll in eine Klinik gebracht werden. Häufig kommt die Blutung nach Ruhigstellung des Darmes durch vorübergehende künstliche Ernährung von selbst zum Stillstand.

Wenn die Umstände es erlauben, wird der Arzt eine Darmspiegelung durchführen, um die Blutungsquelle zu lokalisieren und sie, falls  möglich, gleich zu stillen. Im selben Zug kann er andere  mögliche Darmerkrankungen ausschließen.

Bei stärkerer Blutung wird häufig eine  Gefäßdarstellung mittels Kathetertechnik und Computertomografie (Angiografie) angestrebt. Ein Katheter ist ein dünnes,  langes Röhrchen aus Kunststoff, über das Medikamente, feine  Instrumente oder auch Ballons zum Auffalten am Zielort platziert werden können. So ist mittels Katheter eine  Blutstillung möglich, indem das Gefäß verschlossen wird.

Wenn dies nicht gelingt oder es wiederholt blutet, ist in der Regel eine Operation nötig. Falls die Blutungsquelle verborgen bleibt, wird möglicherweise ein größerer  Darmabschnitt entfernt. Dabei kann  der natürliche Darmausgang meist erhalten bleiben.  

! Wichtig für Betroffene: Eine gesunde, faserreiche und ausgewogene Ernährung kann die Darmtätigkeit unterstützen und die Gefäße schonen. Dabei haben Gemüse und Obst (Empfehlung: fünf Portionen täglich) Vorrang vor Fleisch, verarbeiteten Fleischprodukten, fetten und salzigen Speisen und Süßigkeiten. Auch ausreichend körperliche Bewegung, eine halbe bis eine Stunde täglich, tut dem Darm gut. Die Flüssigkeitsaufnahme sollte ebenfalls stimmen. Richtwert: mindestens eineinhalb Liter täglich (bei Herz- und Nierenkrankheiten mit dem Arzt besprechen). Rauchverzicht und Zurückhaltung beim Alkohol sind der Gesundheit grundsätzlich förderlich.

Bei deutlichen Arterioskleroserisiken wird der Arzt Medikamente für das Herz-Kreislauf-System und  den Fettstoffwechsel verordnen, um die Gefäße noch besser zu schützen und die Durchblutung zu verbessern. Bei gleichzeitig erhöhter Blutungsgefahr wird er gegebenenfalls jedoch abwägen, die Behandlung anzupassen. Darüber sollten die zuständigen Fachärzte – Magen-Darm- und Herzkreislaufspezialisten – zusammen entscheiden.

Ausführliche Informationen im Ratgeber "Divertikel im Darm / Divertikulitis".

Darmdivertikel

Divertikulitis: Entzündete Darmdivertikel

Als Darmdivertikel werden Ausstülpungen der Darmschleimhaut an strukturell schwachen Stellen – wie zum...

Darmpolypen: vielfältige Geschwülste

Darmpolypen sind Geschwülste der Darmschleimhaut. Insbesondere Polypen vom Typ der Adenome gelten  als Krebsvorläufer. Ihre Entfernung ist effektive Krebsvorbeugung.

Polypen sind vielfältig: Sie können leicht erhaben oder knollen- bis pilzartig gewölbt sein, breitbasig aufsitzen oder  an einem Stiel hängen. In feingeweblicher Hinsicht gibt es hyperplastische und entzündliche  Schleimhautpolypen, polypartige Veränderungen unterhalb der  Schleimhaut, Hamartome und schließlich neoplastische Polypen:  die genannten Adenome.

Bei den Adenomen existieren wiederum mehrere Formen. Sie neigen in  unterschiedlichem Maße zu Unregelmäßigkeiten im Zellaufbau (Dysplasien). Mit der Zeit können sie auch entarten.

Insbesondere Adenome im Dickdarm können gehäuft oder in großer Zahl (Polyposis) – weit über  hundert oder gar tausend – auftreten. Das beruht auf erblichen  Genveränderungen und birgt ein hohes Krebsrisiko schon in jüngeren Jahren. Zu den  entsprechenden Erbkrankheiten wie familiäre adenomatöse Polyposis  (FAP) und nicht polypöser Darmkrebs, Typ HNPCC, siehe Abschnitte "Krebsfrüherkennung" im Kapitel  "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Polypen können übrigens im gesamten Magen-Darm-Trakt vorkommen.

Symptome: Im Allgemeinen bereiten Darmpolypen keine Beschwerden. Oft werden sie überhaupt erst  bei der Darmspiegelung festgestellt, sei  es im Rahmen der Krebsfrüherkennung und/oder weil beim Stuhlbluttest (siehe  wiederum Kapitel "Diagnose; Krebsfrüherkennung") Blut nachgewiesen wurde. Fortgeschrittene Polypen oder Polypen in großer Zahl können allerdings Stuhlunregelmäßigkeiten, auch  Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl, verursachen.

Diagnose: Der Arzt erkennt Polypen bei der Darmspiegelung (Endoskopie:  Rektoskopie, Sigmoidoskopie und Koloskopie).

Therapie: Ein Polyp wird in der Regel vollständig  entfernt und feingeweblich aufgearbeitet. Seine Form und Größe entscheidet  darüber, ob dies gefahrlos bei der Darmspiegelung möglich erscheint.

Das weitere Vorgehen richtet sich nach der Lage im Darm, der feingeweblichen Analyse und dem dabei ermittelten Risikoprofil des Polypen. Dazu gehört auch die Zahl vorhandener und  entfernter Polypen sowie ihre Größe.

Enthält ein Darmpolyp Krebszellen, so hängt die anschließende Behandlung unter anderem davon ab,  welches Tumorstadium vorliegt und ob das Gebilde vollständig abgetragen wurde. Das Tumorstadium wird anhand ergänzender Untersuchungen bestimmt. Die nachfolgenden  Kontrollen richten sich nach der genauen Diagnose und durchgeführten Therapie.

Darmspiegelung (schematisch)

Darmspiegelung (schematisch)

Darmkrebs (Kolorektales Karzinom)

Mastdarmkrebs betrifft das durchschnittlich 16  Zentimeter lange Endstück des Darms, Dickdarmkrebs alle höher gelegenen Abschnitte des Dickdarms (Kolons).  Sichtbares Blut kommt bei Mastdarmkrebs deutlich häufiger vor als bei  Dickdarmkrebs.

In  Deutschland ist Darmkrebs eine der führenden Krebserkrankungen. Jährlich erkranken etwa 64.000 Menschen daran. Ab 40 bis 50  Jahren steigt die Häufigkeit an. Hauptrisikofaktoren sind Polypen (Adenome, insbesondere erbliche Formen). Ballaststoffarme Ernährung, Verzehr von viel rotem Fleisch und daraus verarbeiteten Produkten, deutliches Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum und  chronisch entzündliche Darmerkrankungen (siehe unten) sind weitere Risikofaktoren.

Symptome: Frühe Symptome fehlen bei Darmkrebs meist. Leitsymptome im weiteren Verlauf sind Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl, Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, später Entleerung eines bleistiftdünnen Stuhls, ungewollter Gewichtsverlust, eventuell auch Kreuzschmerzen, Müdigkeit und Fieber. Blutbeimischungen im Stuhl sowie schmerzhafter und häufiger Stuhldrang können bei Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) häufiger vorkommen als bei Krebs im übrigen Dickdarm. Es sind aber keine spezifischen Symptome, da sie auch bei anderen Enddarmerkrankungen auftreten können.

Diagnose: Bei der Abklärung der Beschwerden stehen die Austastung des Enddarms und endoskopische Darmuntersuchungen wie eine Koloskopie mit Entnahme von  Gewebeproben aus auffälligen Veränderungen im Vordergrund. Ergibt der Befund Darmkrebs, sind weitere Untersuchungen notwendig, um das Krankheitsstadium und entsprechend die Therapie festzulegen. Sie beinhalten eine Blutanalyse, Röntgenaufnahmen der Lungen und eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches, bei Mastdarmkrebs außerdem eine Rektoskopie sowie eine Comptertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Beckenorgane, um die nähere Umgebung zu überprüfen. Bei sehr kleinen Mastdarmtumoren im Frühstadium kann dazu auch eine Endosonografie genügen.

Therapie (Beispiel: Mastdarmkrebs): Sie richtet sich nach der Größe und Lage  des Tumors – tiefer, mittlerer oder hoher Sitz im Mastdarm –, nach dem Krankheitsstadium und genauen Profil der Tumorzellen.

Der Chirurg entfernt den erkrankten Darmabschnitt möglichst komplett – einschließlich der versorgenden Blutgefäße, Lymphbahnen und einer bestimmten Anzahl von Lymphknoten.

Ziel ist, das für die Heilung notwendige Ausmaß des Eingriffs ("Radikalität") bestmöglich mit dem Erhalt der  natürlichen Schließfähigkeit  am Darmausgang, das heißt Schonung der zuständigen Muskeln und Nervenbahnen, in Einklang zu bringen. Vorrang hat natürlich immer die Sicherheit.

Dabei spielt der  Mindestanteil gesunden  Gewebes, das mitentfernt werden kann (Sicherheitsabstand), eine wichtige Rolle. In den Entscheidungsprozess über das empfehlenswerte Vorgehen wird der Patient selbstverständlich von Anfang an mit einbezogen.

Es stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, auch mittels Bauchspiegelung (laparoskopisch, sogenannte Schlüssellochchirurgie). Manchmal sind größere Bauchschnitte oder ein zusätzliches Vorgehen von unten, über den Damm, notwendig.

Wenn der natürliche Darmausgang geschont werden kann, der Mastdarm ansonsten aber tief weggenommen werden muss, kann ersatzweise eine innere Auffangvorrichtung  für den  Darminhalt aus Darmschlingen, ein sogenannter Pouch (siehe weiter unten), aus körpereigenem Gewebe (Darmschlingen) angelegt werden.

Sind jedoch Sicherheitsabstand und Kontinenzfunktion nicht gesichert,  muss der Chirurg nach Entfernung des unteren Darmanteils einen künstlichen  Darmausgang (Stoma) schaffen.

Dieser kann manchmal auch zur vorübergehenden Entlastung sinnvoll sein, wenn erst im zweiten Schritt die eigentliche Krebsoperation stattfindet oder um Komplikationen abzuwenden. Krebsgeschwülste im Mastdarm, auch größere, werden inzwischen zunächst meist mit einer Bestrahlungsbehandlung, häufig auch kombiniert mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie), verkleinert und erst dann operiert.

Diese kombinierte  Behandlung noch vor der Operation (neoadjuvante Therapie) gehört heute zu den Therapiestandards bei Mastdarmkrebs. Teilweise können Tumoren dadurch sogar zum Verschwinden gebracht werden, sodass sie nicht operiert werden müssen.

Ansonsten findet die Operation sechs bis acht Wochen später statt. Bei erhöhtem Risiko für ein Wiederauftreten des Tumors kann sich nach der Operation nochmals eine Radio-Chemotherapie anschließen (adjuvante Therapie).

In bestimmten Fällen wird ohne Vorbehandlung operiert und danach eine (adjuvante) Radio-Chemotherapie oder alleinige Chemotherapie angeschlossen. Hat der Tumor Absiedlungen (Metastasen) in der Lunge oder Leber gebildet, können diese oft operativ entfernt werden.

Dies ist für die Prognose vorteilhaft. In späteren Stadien kommen verschiedene Chemotherapeutika und sogenannte Biologicals zum Einsatz. Patienten mit Mastdarmkrebs sollten möglichst in entsprechenden Tumorzentren behandelt werden.

Eingehender informieren Sie die Ratgeber "Mastdarmkrebs" und "Dickdarmkrebs".

Mastdarm

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Dickdarm und Dünndarm

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Mastdarmentzündung (Enddarmentzündung, Proktitis)

Entzündungen  im Bereich des Mastdarms betreffen im  Allgemeinen häufiger Männer als Frauen. Oft ist auch  der Analkanal mit einbezogen. Infolge der Entzündungen kann es zum Austritt von Blut aus dem Darm kommen.

Eine Proktitis beruht hauptsächlich auf  folgenden Problemen:

  • [15597]Infektionen: vor allem Geschlechtskrankheiten und weitere sexuell übertragene Infektionen;
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Geschwächte Immunabwehr
  • [43843]Örtliche Reizungen: Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen
  • Behandlungsfolgen: Vorausgegangene Strahlentherapie; Medikamente, etwa  Antibiotika oder entzündungshemmende Mittel; operative  Ausschaltung eines Darmabschnitts
  • Verletzungen (zum Beispiel durch traumatisierende Sexualpraktiken)

In den nachfolgenden Abschnitten mehr dazu.

  • Infektionen (hier vor allem durch Analverkehr): Dabei geht es um Geschlechtskrankheiten wie Tripper (Gonorrhoe; der Erreger heißt  Neisseria gonorrhoeae), Syphilis (harter Schanker oder Lues; der verantwortliche Keim ist Treponema pallidum), weicher Schanker (Ulcus  molle, es wird durch das Bakterium Haemophilus ducreyi ausgelöst) und  Lymphogranuloma inguinale oder venereum (Infektion durch bestimmte Chlamydia-trachomatis-Bakterien).

    Zu den sexuell übertragenen Infektionen zählen insbesondere Feigwarzen (Kondylome, Erreger sind bestimmte humane Papillomviren (HPV)) sowie Infektionen mit  Herpes-simplex-Viren (HSV, Herpes genitalis) und Aids- beziehungsweise HI-Viren  (humane Immuninsuffizienz-Viren, HIV).

    Auch Pilzerkrankungen und Befall mit speziellen Erregern gehören in diese Rubrik. Die  genannten Infektionen erstrecken sich meist auf den ersten 16  Zentimetern des Mastdarms, können aber manchmal auf den sich anschließenden S-förmigen Dickdarm (Sigma genannt) übergehen.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn: Hier kommt vor allem die Colitis ulcerosa – etwa in Form einer Proktitis ulcerosa – als Ursache von Entzündungen und Blutungen aus  dem Darm infrage, seltener auch die Crohn-Krankheit. Bei Morbus Crohn durchsetzt die  Entzündung oft die gesamte Darmwand; es können sich Fisteln bilden.

    Das sind krankhafte Gangverbindungen, die zwischen Hohlorganen entstehen, blind im Gewebe enden oder sich zur Haut hin öffnen können. Sehr häufig passiert das im Analbereich. Mögliche Blutungsquellen sind das umgebende entzündete Darmgewebe und die Fistelausgänge (siehe Abschnitt "Darmentzündungen, Absatz: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten).
  • Geschwächte Immunabwehr,  zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie, kann dazu führen, dass eine  bakterielle Proktitis auftritt. Manchmal entwickelt sich dann ein Mastdarmgeschwür (siehe unten) – eine mögliche Blutungsquelle.
  • Örtliche Reizung: Nicht selten lösen arzneiliche Bestandteile in Zäpfchen, Pflege- und  Gleitmitteln, im Toilettenpapier und in Kondomen Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen aus. Die  Folge kann zum Beispiel eine Proktitis sein.
  • Strahlentherapie: Nach einer äußeren oder inneren Strahlenbehandlung des Beckenraums oder der Nierengegend kann bei manchen Patienten innerhalb von drei bis 24 Monaten, im Durchschnitt nach einem  Jahr, eine chronische Enddarmentzündung (sogenannte Strahlenproktitis) oder eine strahlenbedingte  Dickdarmentzündung  (Strahlenkolitis) auftreten. Zeitnah zur Bestrahlung ist auch eine akute Entzündung der Darmschleimhaut möglich.

    In beiden Fällen kann es zu Blutungen  kommen. Ist die Darmwand stärker geschädigt, können sich  Verengungen und Fisteln bilden. Das Risiko eines Darmverschlusses ist  erhöht. Eine Strahlenkolitis /-proktitis klingt häufig nach einiger Zeit  wieder ab, kann aber auch chronisch verlaufen. Unterschiedliche Medikamente (siehe unten) können die Heilung unterstützen.
  • Operative Ausschaltung eines Darmabschnitts und Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Diversionskolitis): In der Folge kann sich in dem  ausgeschalteten Bereich, zum Beispiel im Enddarm, eine Entzündung  mit Blut- und Schleimabgang entwickeln (siehe ebenfalls unten, Abschnitt "Darmentzündungen").
  • Innerliche Behandlung mit Medikamenten als Ursachen: Antibiotika, Entzündungshemmer wie nicht steroidale Antirheumatika und andere Arzneistoffe können eine Proktitis wie auch eine  Dickdarm- oder Dünndarmentzündung auslösen. Bei der  sogenannten Antibiotika-Kolitis spielt ein Erreger namens Clostridium difficile eine  wichtige Rolle.

    Er überwuchert die normale Darmflora und kann ein  möglicherweise schweres Krankheitsbild verursachen. Die Entzündung betrifft  meist den unteren Dickdarm und/oder Mastdarm. Mehr dazu wiederum  im Abschnitt "Darmentzündungen" weiter unten. Auf Verletzungsmechanismen  geht dieser Beitrag nicht näher ein.

Symptome bei Proktitis allgemein: Die Patienten bemerken eitrigen und / oder blutigen Ausfluss aus dem Darm und klagen über krampfartige Schmerzen beim  Stuhlgang, sogenannte Tenesmen. Sie haben den Eindruck, den  Darm nicht richtig entleeren zu können. Gleichzeitig kommt es zu dauerndem quälenden Stuhldrang. Ist der After mit einbezogen, entwickeln sich auch hier häufig  Entzündungen, außerdem Ausschläge und Juckreiz. Nennenswerte Blutungen oder  blutige Durchfälle können auch zu einer Blutarmut mit deutlicher Hautblässe, körperlicher Schwäche, Kurzatmigkeit und Schwindelbeschwerden führen. Falls eine sexuell übertragene Infektion oder Geschlechtskrankheit vorliegt, sind unterschiedliche weitere Symptome möglich, bei Tripper anfangs etwa  Lymphknotenschwellungen, nicht juckende Hautausschläge an verschiedenen Körperstellen einschließlich Handflächen und  Fußsohlen, Veränderungen der Mundschleimhaut, Fieber, Muskelschmerzen  und vieles mehr.

Diagnose: Sie ergibt sich meist aus dem Beschwerdebild und der körperlichen Untersuchung des Anal-, eventuell auch des Intimbereiches. Mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" in diesem Beitrag. Auf eine  Geschlechtskrankheit können häufig bestimmte Hautveränderungen anal und  genital – zum Beispiel auch bei Untersuchung des Partners – oder, je  nach Krankheitsbild, andere Begleitsymptome hinweisen.

Weitere mögliche Analysen reichen von mikroskopischen Untersuchungen aus einem Abstrich oder einer Gewebeprobe über mikrobiologische und weitere Tests aus Stuhlproben bis zu Bluttests.

Therapie: Maßgeblich ist die Ursache. Falls zum Beispiel ein bakterieller Erreger festgestellt wird, so wird der Arzt eine Therapie mit einem passenden  Antibiotikum starten.

Eine ausgeprägte Proktitis bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn behandelt der Arzt mit Medikamenten, die Immunreaktionen und Entzündungsprozesse unterdrücken. Zusätzlich kann eine entzündungshemmende örtliche Behandlung mit  Zäpfchen,  Rektalschaum oder Einläufen (Klysmen) sinnvoll sein.

Bei milder Proktitis genügt die lokal wirksame Therapie häufig (mehr zur Therapie siehe Abschnitt  "Darmentzündungen – Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten).

Hartnäckige Crohn-Fisteln geht der Chirurg  möglichst nur so weit an,  dass die Verschlussfähigkeit am  Darmausgang, die Kontinenz, erhalten  bleibt. Nicht immer gibt es hier jedoch die optimale Lösung.

Auch die Strahlenproktitis spricht meist auf entzündungshemmende Zäpfchen oder Einläufe an. Wenn die Entzündung abklingt, bessert sich meist auch eine entzündlich bedingte Blutarmut. Einen Eisen- oder Vitaminmangel können entsprechende  Präparate ausgleichen helfen.

Blutungen lassen sich gegebenenfalls auch  mittels Laser oder anderer Techniken im Rahmen der Darmspiegelung stillen. Bei schweren Entzündungen muss der Mastdarm gegebenenfalls  operiert werden.

Falls eingenommene Präparate allergische Erscheinungen  auslösen oder entzündliche Nebenwirkungen am Darm verursachen, wird der  Arzt sie absetzen.

Achtung: Vom Arzt verordnete Therapien bei mutmaßlichen Problemen nicht in Eigenregie  ändern, sondern den behandelnden Arzt kontaktieren.

Mastdarmgeschwür

Geschwüre im Mastdarm (Rektum) beruhen auf ganz unterschiedlichen Ursachen. Es sind auch stärkere Blutungen möglich.

Ein  einzelnes Mastdarmgeschwür, ein sogenanntes solitäres Ulcus recti  simplex, kann durch Auflagedruck extrem harter Kotballen bei chronisch  verstopften, meist auch bettlägerigen Patienten entstehen. Weitere  Ursachen eines Mastdarmgeschwürs sind Verletzungen, etwa bei Einläufen, ein Mastdarmvorfall oder  -prolaps, eine bösartige Veränderung oder eine Mastdarmentzündung  (Proktitis, etwa auch bei Colitis ulcerosa, siehe oben und weiter unten).

Symptome: Die Betroffenen beobachten häufig Absonderungen von Schleim und Blut aus dem Darm.  Eine neu aufgetretene Verstopfung oder schmerzhafte, eventuell  unvollständige Darmentleerungen können auf eine Darmverengung hindeuten.  Spontan oder bei der Untersuchung kann auch ein Mastdarmvorfall  sichtbar werden. Es kann zu einer plötzlichen, schwallartigen Blutung  aus einer Arterie am Boden des Geschwürs kommen: ein lebensbedrohlicher Notfall!

Diagnose und Therapie: Eine akute Mastdarmblutung muss schnellstmöglich durch endoskopische Maßnahmen im  Rahmen der Rektoskopie zum Stillstand gebracht werden: mit Einspritzen gefäßverengender Medikamente oder  durch Clips, die das blutende Gefäß verschließen.

Andernfalls ist eine Notoperation nötig. Zur Sicherung der Diagnose – außerhalb eines solchen  Notfalls – wird der Arzt immer einen kompletten proktologischen  Untersuchungsgang einschließlich Tastuntersuchung, Enddarmspiegelung  und gegebenenfalls weiteren Diagnoseschritten wie Endosonografie durchführen.

Dabei wird er auch Gewebeproben aus einem Darmgeschwür  entnehmen. Es geht hier vor allem darum, eine bösartige Veränderung,  eine chronisch entzündliche Darmerkrankung oder eine Entzündung  anderer Ursache (siehe oben) auszuschließen.

Ein Mastdarmvorfall kann  klinisch und durch eine Untersuchung wie zum Beispiel die  Defäkografie nachgewiesen werden.

Konservative Maßnahmen, die eine Entzündung bekämpfen und zur Stuhlregulierung beitragen, können ein Geschwür durchaus zur Abheilung bringen. Bei einem Mastddarmvorfall oder zum Beispiel auch einem Geschwür in einer Darmeinstülpung und erheblichen Beschwerden wie oben  beschrieben ist im Allgemeinen auch außerhalb des Notfalls eine Operation angezeigt (siehe auch Kapitel "Blut am After/aus dem Darm: Ursachen im Analbereich").

Der Dickdarm ist die Fortsetzung des Dünndarmes und umgibt diesen wie ein Rahmen

Der Dickdarm ist die Fortsetzung des Dünndarmes und umgibt diesen wie ein Rahmen

Darmentzündungen, Schwerpunkt Dickdarm

Verschiedene Ursachen führen zu Entzündungen im Darm und zu Blutungen. Häufig geht es um den Dickdarm. Aber auch die anderen Darmabschnitte können betroffen sein. 

Auslösend sind in erster Linie bestimmte Darminfektionen, in zweiter Linie  chronische Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder der Morbus Crohn.  Schließlich können Entzündungen in  ausgeschalteten Darmbereichen (Diversionskolitis) und "künstlichen"  Darmreservoirs (Pouchitis) mit Blutungen einhergehen.

Symptome bei Darmentzündungen: Außer  Blutungen sind allgemeine Krankheitszeichen wie Durchfälle,  krampfartige Bauchschmerzen, Störungen des Allgemeinbefindens, eventuell  auch Fieber typisch. Mögliche Komplikationen: Darmlähmung oder -durchbruch und Bauchfellentzündung, also ein "akuter  Bauch", Kreislaufprobleme bis hin zum Schock. Besonderheiten je nach Ursache nachfolgend.

Infektiöse Kolitis / Enterokolitis

Enterokolitis bedeutet Schleimhautentzündung des Darmes. Als erregerbedingte und mit blutigen Durchfällen verlaufende  Darmentzündungen kommen in erster Linie Erkrankungen durch Keime wie  Campylobacter jejuni, Shigellen,  enterohämorrhagische Escherichia (E.) Coli-Bakterien (EHEC) sowie Amöben und bei immungeschwächten  Patienten Cytomegalieviren in Betracht. Mitunter lösen im Krankenhaus aufgefangene Keime eine Darmentzündung aus.

  • Campylobacter jejuni: Die "Campylobacter-Enteritis", also die Darmentzündung durch den Keim Campylobacter jejuni, ist inzwischen zur häufigsten  bakteriellen Durchfallerkrankung in Europa aufgerückt. Der Erreger verursacht Lebensmittelinfektionen, häufig auch einen sogenannten Reisedurchfall. Quellen sind vor allem  keimverunreinigtes, unzureichend erhitztes Geflügel, Fleisch, ferner Rohmilch und daraus hergestellte Produkte. Hauptsaison ist die  Sommerzeit. Möglich ist auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder über Haustiere. Als  Komplikationen sind eine rheumatische Gelenkentzündung möglich oder, wenn auch nur selten, ein  ernstes neurologisches Krankheitsbild mit Nervenentzündungen und  Lähmungen, ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom.
    Symptome: Manche Infektionen verlaufen ohne Beschwerden. Zwischen  der Infektion und ersten Symptomen liegen meist zwei bis fünf Tage.  Anfangs kommt es zu Krankheitsgefühl, Fieber, Kopfschmerzen Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, dann tritt plötzlich wässriger oder  blutiger Durchfall auf. Auch nach Abklingen der Beschwerden können die Erreger noch ausgeschieden werden.
    Diagnose: Sie ergibt  sich aus der Bestimmung des Erregers im Stuhl und dem Nachweis von  typischen Erregermerkmalen, sogenannten Antigenen.
    Therapie: Die Behandlung ist überwiegend symptomatisch: Verloren gegangene  Flüssigkeit und Blutsalze werden ersetzt. Patienten mit erhöhtem Risiko, etwa bei Abwehrschwäche, oder mit schwerem Krankheitsverlauf, wozu blutiger Durchfall zweifelsohne gehört, behandelt der Arzt in der Regel mit einem Antibiotikum. Für Eltern betroffener Kinder besteht Informationspflicht gegenüber Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten; Meldepflicht gilt auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im  Lebensmittelbereich tätig ist.
  • Shigellen (Shigellose, bakterielle Ruhr oder Dysenterie): Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Aufenthalten in subtropischen  oder tropischen Ländern mit schlechtem Hygienestandard auf. Auch in  Massenquartieren besteht Infektionsgefahr. Quellen sind verkeimtes  Wasser und mit dem Erreger verunreinigte Lebensmittel. Die Übertragung  erfolgt als Schmierinfektion; Infizierte – ob akut erkrankt oder  symptomlos – scheiden den Erreger mit dem Stuhl aus. Es gibt vier  verschiedene Erregerarten. Die Variante A (Shigella dysenteriae) ist  wegen ihres Giftes die aggressivste. Es ist  für die ein bis zwei Tage nach Infektion einsetzenden massiven  Durchfälle und die Begleitsymptome verantwortlich, da es sowohl als  Körpergift wirkt als auch die Darmschleimhaut direkt schädigt. Außerdem  kann es ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) auslösen (siehe ebenfalls EHEC). Die Erreger können im Darm verweilen und daher längere  Zeit, oft bis zu vier Wochen, ausgeschieden werden.
    Symptome: Zwischen Ansteckung und den ersten Symptomen liegen nur wenige Tage.  Die Betroffenen leiden besonders bei schwerem Verlauf an heftigen  Bauchkrämpfen und Fieber. Die Durchfälle sind stark ausgeprägt und mit  Blut, Eiter und Schleim versetzt. Die Blutungen können erheblich sein.  Als Komplikation drohen bei schwerer geschwüriger Darmentzündung ein  Darmdurchbruch, außerdem Austrocknung, Kreislaufkollaps, Krämpfe, Koma.
    Diagnose: Reise-Durchfallerkrankungen erklären sich im Allgemeinen von selbst.  Der Erregernachweis erfolgt in einem Abstrich vom Enddarm oder einer  speziell aufbereiteten Stuhlprobe. Solange der Darm sich der  Shigellen nicht entledigt hat, ist der Betreffende infektiös. Meldepflicht (auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im  Lebensmittelbereich tätig ist; veranlasst zum Beispiel der Laborarzt).
    Therapie: Ersatz des Flüssigkeits- und Salzverlustes und Gabe von Antibiotika, falls möglich gemäß Austestung des Erregers aus einer Stuhlprobe.
  • Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)-Bakterien: Die   Übertragung der E.coli-Erreger erfolgt von Tier zu Mensch, zum Beispiel  bei  direktem Kontakt mit infizierten Wiederkäuern, von Mensch zu Mensch  (es  gibt auch beschwerdefreie  Keimträger), über  verkeimtes rohes Fleisch, zum Beispiel Lammfleisch  oder streichfähige  Rohwurst, rohe Milch und daraus hergestellte  Produkte. Es gibt zahlreiche EHEC-Typen. Manche sind nicht nur sehr  ansteckend, sondern zugleich sehr robust und können Kälte oder  Magensäure standhalten. Da sie  sich in der Umwelt lange halten, sind  sie auch über rohes  Gemüse oder Salat übertragbar. Verunreinigte  Badegewässer sind ebenfalls Infektionsquellen. Problematisch sind  Bakterienstämme (sogenannte STEC), die bestimmte Gifte wie zum Beispiel Shigatoxine bilden (die Abkürzung STEC steht für Shigatoxin  produzierende Escherichia coli).
    Symptome: Nicht  alle EHEC-Infektionen  machen sich durch Beschwerden bemerkbar: Sie  können durchaus symptomlos verlaufen. Ansonsten dauert es zwischen  Infektion und  Auftreten erster Symptome etwa zwei bis zehn Tage. Es  kommt zu Bauchschmerzen, Übelkeit,  Erbrechen und wässrigen Durchfällen.  Diese können sehr massiv,  schließlich mit Blut versetzt (blutiger  Stuhl) und von Bauchkrämpfen  begleitet sein, teilweise auch mit Fieber  einhergehen. Solche schweren  Krankheitsverläufe treten häufiger bei  abwehrgeschwächten oder älteren  Menschen, Säuglingen und Kleinkindern,  teilweise auch vermehrt bei  Frauen auf und können gefährliche  Komplikationen nach sich ziehen.  Gefürchtet sind vor allem Schädigung  der Blutplättchen und  Blutkörperchen mit Blutarmut,  Nierenversagen und neurologischen Störungen führen  können (sogenanntes  hämolytisch-urämisches Syndrom, kurz HUS).
    Diagnose: Angestammte E.coli-Bakterien gehören zur normalen  Keimflora im  Dickdarm. Entscheidend ist eine ausgewogene Erregervielfalt. Vermehren  sich bestimmte EHEC-Bakterien, können sie durch eigene Zellgifte  (Toxine wie das Shigatoxin) krankmachende  Wirkungen haben. Der Toxinnachweis nach Bestimmung des  Erregers in Stuhlproben oder Identifizieren der Bakteriengene, die den Code für das Shigatoxin enthalten, ist beweisend. Bei HUS wird   zusätzlich eine Antikörperbestimmung im Blut durchgeführt.   EHEC-Infektionen sind meldepflichtig (auch bei Verdacht, wenn die   entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist). Darum kümmern  sich die verantwortlichen Ärzte.
    Therapie: Im Vordergrund  steht zunächst eine symptomatische Therapie, was unter anderem bedeutet,  erlittene Verluste an Flüssigkeit und  Blutsalzen auszugleichen. Ärzte erwägen die  Behandlung bestimmter E.coli-Infektionen mit speziellen Antibiotika bei schweren Durchfällen. Gerade bei den  Risikogruppen – ältere Menschen, Kinder – ist  unbedingt eine  rechtzeitige Therapie nötig. Meist müssen die  Betroffenen in der  Klinik behandelt werden, denn jede ausgeprägte  Darminfektion kann bei  ihnen schnell einen gefährlichen Lauf nehmen.
  • Amöben (Amöbenruhr): Amöben sind Parasiten, und die  von ihnen verursachte Infektionskrankheit ist eine meldepflichtige Krankheit. In tropischen und subtropischen Regionen, begünstigt  durch schlechte hygienische Verhältnisse, tritt diese Parasitose am  häufigsten auf. Gelegentlich zeigt sie sich aber auch in gemäßigten  Klimazonen Europas. Infektionsquellen sind verunreinigtes Trinkwasser  und verkeimte Lebensmittel. Für die aggressive Erscheinungsform mit  einer geschwürigen Dickdarmentzündung ist Entamoeba histolytica verantwortlich. Über den Stuhl werden die Amöben als sogenannte Zysten  ausgeschieden. Diese können in der Außenwelt überdauern und sind dann  eine Infektionsquelle. Nur ein Fünftel der Betroffenen erkrankt mit  Symptomen. Wenn die Infektion chronisch wird, kann die Darmentzündung fortbestehen, immer wieder aufflammen und mit einer chronisch  entzündlichen Darmerkrankung oder Blinddarmentzündung verwechselt  werden. Als Komplikation kann sich bei der Amöbenruhr ein schweres  Krankheitsbild mit massiver Darmaufblähung (toxisches Megacolon, siehe auch bei "Colitis ulcerosa" weiter unten) und einem Durchbruch, also ein akuter Bauch,  entwickeln. Auch ein Amöbenabszess ist möglich.
    Symptome: Zwischen  Infektion und Symptomen liegen eine bis vier Wochen. Es treten dann mit  Schleim und Blut versetzte Durchfälle auf, die Ärzte mitunter als himbeergeleeartig beschreiben. Dazu kommen Bauchschmerzen,  mitunter auch Fieber.
    Diagnose: Der Erreger lässt sich mikroskopisch bei der Stuhluntersuchung oder in einer Gewebeprobe  aus dem Darm nachweisen. Darüber hinaus ist die Bestimmung des  Erreger-Antigens möglich. Mittels  Nachweises dieses Erbmaterials kann die krankmachende Variante  "histolytica" am sichersten erkannt werden. Je nach Verlauf kommen auch  Blutuntersuchungen und Stuhlanalysen auf andere Erreger in  Betracht.
    Therapie: Wirksam ist zum Beispiel der  Arzneistoff Metronidazol. Ergänzend kann ein sogenanntes Kontaktamöbizid sinnvoll  sein, um den Erreger vollständig auszuschalten. Ein Kontaktamöbizid ist  ein Antibiotikum, welches nach der Einnahme nur im Darm wirkt. Der  Therapieerfolg wird durch Stuhluntersuchungen überprüft.
  • Cytomegalie-Kolitis: Das Cytomegalie-Virus (CMV) gehört zu den  Herpes-Viren. Die CMV-Kolitis  zählt zu den häufigsten opportunistischen  Infektionen im  Verdauungstrakt bei Aids-Patienten. Opportunistische   Infektion bedeutet, dass Erreger bei Immunschwäche leichteres Spiel  haben  und es dann zu Infektionen kommt, die bei guter Immunabwehr nicht oder  nur sehr selten auftreten. Die CMV-Kolitis kann sich grundsätzlich  bei jeder  maßgeblichen Abwehrschwäche entwickeln, zum Beispiel auch bei  einer das  Immunsystem unterdrückenden Therapie oder einer Chemotherapie. Bei einer   CMV-Kolitis bildet sich eine geschwürige Dickdarmentzündung. Die   Darmwand kann sich durch die entzündliche Schwellung verdicken. Auch   eine Blinddarmentzündung kann auftreten. Außerdem schwellen meist  Lymphknoten  im Bauch an.
    Symptome: Bauchschmerzen,  Fieber, blutige  Durchfälle. Es handelt sich meist um ein schweres  Krankheitsbild. Im  Rahmen der Aids-Erkrankung sind weitere Symptome  möglich.
    Diagnose: Blutuntersuchungen auf Erregermaterial  und feingeweblich   untersuchte Gewebeproben (Immunhistochemie), die bei einer Koloskopie  gewonnen werden, sind  wegweisend. Bei der Spiegelung selbst zeigt sich eine  Darmentzündung mit Geschwüren.
    Therapie: Wirksam sind  Anti-Virus-Medikamente, meist auch in  Kombination mit einem  Antikörperpräparat, einem Hyperimmunglobulin.
  • Darmentzündung infolge Antibiotika-Therapie, pseudomembranöse Kolitis, Clostridium difficile: Eine nachhaltige Behandlung mit Antibiotika kann die natürliche Vielfalt (Flora) der  Darmbakterien angreifen. Davon profitiert häufig ein Keim namens  Clostridium difficile, der eigentlich bei Erwachsenen nur sehr selten im  Darm anzutreffen ist. Bei Krankenhaus-Patienten, die mit Antibiotika behandelt  wurden, steigt die Keimbesiedlung schon auf bis zu dreißig Prozent. Der  Erreger zählt daher zur "Krankenhaus-Flora". Falls es ihm gelingt, sich  im menschlichen Darm zu vermehren, kann er auch eine Darmentzündung  verursachen. Bei besonders aktiven Bakterien droht ein schweres  Krankheitsbild. Es wird durch Clostridiengifte, die Toxine A und B,  ausgelöst. Toxin A steigert die Ausscheidung von Körpersalzen und  Wasser, Toxin B attackiert die Darmwand und zerstört die  Darmschleimhaut. In der Folge kommt es zu starken, wässrigen  Durchfällen. Vor allem im Bereich des Enddarms bilden sich großflächige Wundauflagerungen, sogenannte Pseudomembranen. Die Darmwand ist stark geschwollen.
    Symptome: Schon  zu Beginn der Antibiotikatherapie, manchmal aber auch erst  einige Wochen später, treten die ersten Beschwerden auf: Bauchschmerzen  und Durchfall. Verstärkte wässrige Durchfälle, die mit Blut oder Schleim  versetzt sind und mit Bauchkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen  einhergehen, können den Übergang in eine pseudomembranöse Kolitis anzeigen. Der  Flüssigkeitsverlust kann bedrohlich sein, ebenso Komplikationen  wie Darmdurchbruch und Bauchfellentzündung.
    Diagnose: Praktisch jedes Antibiotikum kann eine Darmentzündung auslösen.  Besonders bekannt dafür sind aber solche wie Clindamycin,  Ampicillin und die Cephalosporine. Neben einem "verdächtigen" Medikament  weisen auch die klinischen Befunde auf die Diagnose hin: die Symptome  und – bei der körperlichen Untersuchung – ein deutlich  druckschmerzhafter linker Unterbauch. Auch Zeichen des  Flüssigkeitsverlusts wie trockene, schlaffe Haut und Kreislaufschwäche  passen zum Krankheitsbild. Die Ultraschalluntersuchung des Darmes lässt eine durch die Entzündung geschwollene, verdickte Darmwand erkennen.
    Bei Verdacht auf eine jegliche Darmentzündung wird das Verdauungsorgan in der Regel auch endoskopisch  untersucht. Dabei sieht der Arzt bei einer beliebigen Kolitis eine  entzündlich veränderte Schleimhaut, auf der sich eventuell kleinere  Geschwüre gebildet haben. Eine pseudomembranöse Kolitis kennzeichnen massive, blutige entzündliche  Auflagerungen. Auch Gewebebiopsien spiegeln die starke Entzündung wider. In  Stuhlproben finden sich die Clostridien-Gifte. Erst drei negative Stuhltests schließen die Infektion aus.
    Therapie: Als ersten Schritt setzt der Arzt das verantwortliche Antibiotikum ab. Insbesondere bei schweren Verlaufsformen (Meldepflicht) wie der  pseudomembranösen Kolitis müssen die Flüssigkeits- und Salzverluste ausgeglichen werden: in der Regel in der Klinik. Als Arzneimittel gegen  Clostridien kommen zum Beispiel Metronidazol und Vancomycin zum Einsatz. Es gibt aber auch Bakterien, die nicht darauf ansprechen (Resistenz). Dann suchen die Ärzte nach Alternativen. Nach  Abklingen der Erkrankung und erfolgreichem Nahrungsaufbau können Joghurt  und Hefepräparate dazu beitragen, die physiologische Darmflora zu  stärken und das Rückfallrisiko zu verringern.
Ultraschall des Bauches: Auch bei Verdacht auf eine Darmentzündung oft aufschlussreich

Ultraschall des Bauches: Auch bei Verdacht auf eine Darmentzündung oft aufschlussreich

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa

Manche Darmentzündungen verlaufen chronisch, häufig auch in Schüben: beschwerdefreie Zeiten wechseln sich mit mehr oder weniger beschwerlichen Krankheitsphasen ab. Die beiden  wichtigsten Krankheitsbilder hier: Morbus Crohn (Crohn-Krankheit) und Colitis ulcerosa (Cu).

Am  häufigsten erkranken junge Menschen im dritten Lebensjahrzehnt. Die eigentliche Ursache ist bei beiden Darmerkrankungen unbekannt. Unter anderem spielen wohl Umweltfaktoren und Veranlagung eine Rolle.  Inzwischen wurden vielfach Gene identifiziert, die ein erhöhtes  Risiko  mit sich bringen, an Crohn oder Cu zu erkranken.

Den Auftakt bildet eine Fehlregulation im Magen-Darmtrakt: eine Barrierestörung der Schleimhaut. Sie macht den Darm anfälliger für schädliche Einflüsse. In der Folge kommt es zu  einer chronischen Entzündung, die jedoch bei Crohn und Cu unterschiedlich verläuft. Mitunter ist eine Magen-Darminfektion (infektiöse Gastroenteritis) vorausgegangen. Zigarettenrauchen  beeinflusst beide Erkrankungen gegensätzlich: Während  das Cu-Risiko  sinkt, steigt das Crohn-Risiko.

  • Morbus Crohn: Die Crohn-Krankheit kann sich auf den gesamten Verdauungstrakt erstrecken – vom  Mund bis zum After. Während bei dem einen Betroffenen der Dünndarm  und / oder Magen  erkrankt, ist es beim anderen der Dickdarm (Kolitis). Alle Wandschichten der erkrankten  "Hohlorgane" im Verdauungstrakt werden erfasst.

    Typisch für die Crohn-Krankheit ist das  Nebeneinander gesunder und kranker Abschnitte. Ein Drittel der Betroffenen hat erhebliche  Probleme im Anorektalbereich, meist aufgrund von Fisteln, Abszessen (mehr dazu im Kapitel "Ursachen im Analbereich") oder einer Einengung (Stenose) des Analkanals.

    Die Fisteln können sich zur Haut oder benachbarten Organen wie Scheide und Blase hin  öffnen. Wenn sie erstmals auftreten, ist das zumindest ein Verdachtsmoment für eine Crohn-Krankheit.

Bei den meisten Patienten konzentriert sich  die Entzündung auf das Dünndarmende am Übergang zum  Dickdarm beziehungsweise Blinddarm. Das ist das sogenannte terminale Ileum, daher auch die  Bezeichnung Ileitis terminalis Crohn.

Außerdem kann die  Erkrankung andere Organe erfassen, etwa die Augen, Gelenke, Haut oder Gallengänge in der Leber. Die chronische Entzündung im Körper wie auch mögliche chronische, wenn auch oft unterschwellige  Blutverluste können unter anderem eine Blutarmut auslösen. Dazu kann auch ein entstehender Nährstoff- und Vitaminmangel beitragen.

Symptome: Leitsymptome sind Durchfälle und  krampfartige Bauchmerzen. Patienten mit Crohn-Veränderungen im  Analbereich leiden oft unter Fisteln oder Abszessen. Dabei  kann Blut am After oder im Stuhl erscheinen. Zugleich liegen nicht selten Hämorriden vor, was die Diagnose erschweren kann, da die Symptome ähnlich sind.

Bei höchstens einem  Prozent der Erkrankten kommen massive Blutungen aus dem Darm vor.  Ansonsten treten blutige Durchfälle vergleichsweise selten auf. Häufiger  entwickeln sich Darmverschlüsse durch Darmverengungen. Auch Abszesse sind möglich. Bei der Ileitis terminalis stehen  kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch im Vordergrund.

Zusammen mit dem oftmals begleitenden Fieber und einer eventuell tastbaren Schwellung lässt dies mitunter eine Blinddarmentzündung vermuten. Auch andere Organe  können miterkranken. Die Augen können unangenehm entzündet und gerötet sein (vgl.  Beiträge Sehstörungen und Rotes Auge (hier: Abschnitte Iritis / Uveitis)). Mögliche Begleitsymptome außerdem: Gelenkschmerzen und -schwellungen durch eine Gelenkentzündung (Arthritis), Kreuzschmerzen, Gewichtsverlust.

Diagnose: Siehe dazu die allgemeinen Informationen im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Bei  der Darmspiegelung zeigen sich unter anderem landkartenartig angeordnete  Geschwüre und stippchenartige  Blutungen auf der Schleimhaut. Auch in Röntgenaufnahmen mit  Kontrastmittel oder weiteren bildgebenden Untersuchungen – von  der Sonografie der Bauchorgane über eine spezielle  Form der  Endoskopie (Videokapselendoskopie), eine  Magnetresonanztomografie oder eine Computertomografie des Dünndarms – lassen sich krankhafte Veränderungen der Darmwand nachvollziehen.

Blutanalysen können ergänzende Informationen liefern. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus verschiedenen Abschnitten des Verdauungstraktes (Stufenbiopsien) oder beispielsweise auch aus Fisteln sichern die Diagnose teilweise.  

Andere miterkrankte Organe untersuchen jeweils zuständige Fachärzte. Verläuft eine als Crohn-Kolitis bewertete Darmentzündung sehr schwer oder spricht nicht auf die üblichen Medikamente an, wird der Arzt eine spezielle Darminfektion wie zum Beispiel durch das Bakterium Clostridium difficile oder das Cytomegalie-Virus (CMV, siehe jeweils weiter oben) ausschließen.

Therapie: Medikamente, die bei fortbestehenden Symptomen oder Erkrankungsschüben  eingesetzt werden, sind entzündungshemmende Arzneistoffe. Diesbezüglich am bekanntesten ist Kortison. Zur Behandlung einer Crohn-Dickdarmentzündung bietet sich auch Sulfasalazin (hier: Mesalazin) an, ein    entzündungshemmender Arzneistoff.

Außerdem kommen Medikamente wie Azathioprin oder Methotrexat zum Einsatz –  indem sie das Kortison allmählich ablösen, das möglichst nur befristet  angewandt werden soll. Sie können zum Beispiel bei  ausgedehntem Befall des Dünndarms oder bei neu aufflammenden Beschwerden  nach einer Kortisonbehandlung infrage kommen.

Weitere Möglichkeiten: verschiedene Biologicals (biotechnisch hergestellte Antikörper). Sie haben zum Beispiel ihren Platz bei "kortisonpflichtigen" Krankheitserscheinungen, die auf Kortison aber nicht ansprechen, etwa eine schwere Dickdarmentzündung im Schub oder ausgeprägte Analfisteln.

Mit allen diesen   Optionen, teilweise auch in kombinierter Form, gelingt es heute meist, die Beschwerden unter Kontrolle zu   bringen und die Häufigkeit von Komplikationen zu senken. Manche, doch längst nicht alle Patienten mit Crohn-Krankheit benötigen eine mehrjährige Therapie.

Der Arzt wird bei den   Kontrolluntersuchungen auf mögliche Nebenwirkungen der Medikamente   achten und die Behandlung bei Bedarf gegebenenfalls umstellen. Schwere   Komplikationen wie massive Darmblutung, Darmverschluss durch einen   narbig verengten entzündeten Darmabschnitt (Striktur oder Stenose) oder ein  Darmdurchbruch machen eine Operation nötig.

Dabei wird versucht, möglichst   sparsam und darmschonend vorzugehen. Bei kurzer Engstelle bietet sich zum Beispiel manchmal eine endoskopische Aufdehnung an. Wichtig: Die Verengung muss unbedingt ausreichend abgeklärt sein, um eine bösartige Veränderung auszuschließen.

Wichtig: Patienten mit Morbus Crohn sollten von Spezialisten in entsprechenden Zentren behandelt werden. Das gilt insbesondere auch für chirurgische Eingriffe. Und: Betroffene haben teilweise ein erhöhtes  Risiko für Krebs (zum Beispiel Darmkrebs, falls der Dickdarm erkrankt ist). Daher raten Ärzte ab einer bestimmten Krankheitsdauer zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen (siehe weiter unten: Krebsfrüherkennung bei Colitis ulcerosa).

Ernährung bei Crohn-Krankheit: Eine spezielle Diät gibt es nicht. Die Ernährung hängt davon ab, wie  akut die Erkrankung gerade ist. Wenn die Lage einigermaßen stabil ist,  gilt die Regel: Erlaubt ist, was bekommt. Meistens läuft das auf eine leichte Vollkost, die auch genügend Ballaststoffe bietet, heraus.  Trinknahrungen können helfen, Gewichtsverluste schneller wieder  wettzumachen. Eine Laktose- beziehungsweise milchzuckerfreie Ernährung ohne Milch oder Milchprodukte (beziehungsweise mit laktosefrei aufbereiteten Produkten) ist bei Laktose-Unverträglichkeit sinnvoll. Rauchverzicht senkt bei der Crohn-Krankheit das Risiko eines  erneuten Schubes. Während einer akuten Entzündungsphase hat sich eine ballaststoffarme Ernährung bewährt.

Falls vorübergehend eine künstliche Ernährung über  die Blutbahn notwendig wurde, tastet man sich anschließend wieder  Schritt für Schritt an die zuvor vertragene Kost heran. Ein  Vitamin- oder Mineralstoffmangel wird durch entsprechende Präparate  ausgeglichen. Auch einem Kalzium- und Vitamin-D-Mangel wird der Arzt  gegensteuern. Besonders wichtig ist das bei einer Kortisontherapie, da  sie das Osteoporoserisiko erhöht.

Weitere Informationen, auch zur Therapie, finden Sie im Ratgeber Morbus Crohn.

Frau mit Bauchschmerzen

Morbus Crohn: Symptome, Ursachen, Therapie

Morbus Crohn ist eine Krankheit, die meist den Darm betrifft und dort zu einer chronischen Entzündung führt....

  • Colitis ulcerosa (Cu): Im Gegensatz zu Morbus Crohn, der alle Schichten der Darmwand erfasst, ist bei  der Cu hauptsächlich die Schleimhaut betroffen. Die Veränderungen  breiten sich kontinuierlich und flächenhaft aus.

    Es bilden sich  Geschwüre, die mit Eiweißschlieren belegt sind, und Abszesse in den  Schleimhautschluchten (Kryptenabzesse). Im weiteren Verlauf wird die  Schleimhaut bis auf Reste mit polypenähnlichen Inseln zerstört. Im  Extremfall verliert der Darm seine Kontur und wird gewissermaßen zu  einem Rohr.

    In dem verkümmerten, jedoch mit Entzündungszellen  durchsetzten Gewebe können sich neue, veränderte Zellen  bilden (sogenannte Dysplasien oder Neoplasien, abgekürzt IEN) siehe auch Abschnitt "Polypen" weiter oben). Sie können mit der  Zeit in entartete Zellen übergehen.

    Die Cu beginnt immer im Mastdarm und setzt sich nach oben  fort. Entweder beschränkt sie sich dann auf den linksseitigen Dickdarm,  oder sie befällt das gesamte Organ.

    Wie bei der Crohn-Krankheit, aber  doch seltener, können auch Organe wie die Augen, Gelenke einschließlich  der kleinen Wirbelgelenke und die Haut erkranken. Entzündliche  Veränderungen der Gallengänge in der Leber (sogenannte primär sklerosierende Cholangitis, PSC) kommen dagegen  häufiger vor als bei Morbus Crohn.

    Symptome: Leitsymptome sind schleimig-blutig  Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen, vor allem vor dem Stuhlgang.  Die Betroffenen verlieren an Gewicht. Erkrankte Kinder wachsen  schlechter. Die Entzündung kann schubartig und fiebrig verlaufen,  zwischendurch aber wieder zum Stillstand kommen. Andere Patienten haben ständig mehr oder weniger ausgeprägte  Beschwerden.

    Ein Schub  kann durch körperliche oder psychische Belastungen ausgelöst werden.  Als Komplikationen sind starke Darmblutungen, eine massive  Entzündung mit Blutvergiftung, eine Darmüberblähung mit Gefahr des  Durchbruchs und der Bauchfellentzündung – ein "toxisches Megakolon" – möglich. Dank der Behandlungsmöglichkeiten kommt das heute zum Glück nur noch selten vor.

    Diagnose: Sie beruht auf den im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" beschriebenen  und diese ergänzenden Möglichkeiten. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus der  Darmschleimhaut sind obligatorisch. Der Arzt entnimmt sie im Rahmen der Koloskopie, bei der er sehr gründlich sowohl den Mastdarm als auch das  Endstück des Dünndarms (terminales Ileum) begutachtet.

    Mithilfe der hochauflösenden Sonografie lässt sich die Darmwand beurteilen.  Blutuntersuchungen lassen Entzündungszeichen und indirekt Hinweise auf  eine begleitende Gallengangsentzündung erkennen. Auch im Stuhl lassen sich spezielle Entzündungsparameter bestimmen. Weitere Analysen  dienen dem Ausschluss einer Darminfektion (infektiöse Kolitis, siehe oben).

    Krebsfrüherkennung bei Cu: Bei Colitis-ulcerosa-Patienten steigt das Risiko für Darmkrebs mit der Dauer und Ausdehnung der Krankheit.

    Daher empfehlen Experten den Patienten ab dem achten Jahr nach Auftreten der ersten Symptome eine Darmspiegelung zur Kontrolle. Bei Fehlen weiterer Besonderheiten und Risikofaktoren (niedriges Risiko), wie nachfolgend beschrieben, genügt es, die Koloskopien anschließend alle vier Jahre zu wiederholen.

    Falls die Colitis ulcerosa mäßig stark ausgeprägt ist, sollten Darmspiegelungen alle zwei bis drei Jahre stattfinden. Ein dementsprechend mittelgradig erhöhtes Krebsriko liegt beispielsweise auch vor, wenn ein erstgradig Verwandter im Alter von über 50 Jahren an Darmkrebs erkrankte. Auch dann sollten Cu-Patienten sich alle zwei bis drei Jahre koloskopieren lassen.

    Bei ausgedehnter Erkrankung, nachgewiesenen Krebsvorstufen in Gewebeproben aus dem Darm (sogenannte Dysplasien/IEN, siehe oben), bei Darmverengungen oder einer begleitenden chronischen Entzündung der kleinen Gallengänge in der Leber (PSC) oder wenn ein erstgradig Verwandter im Alter von unter 50 Jahren an Darmrebs erkrankte, sollten Patienten mit Colitis ulcerosa den Darm jährlich untersuchen lassen. Falls eine polypenartige Veränderung mit enthaltenen Zellveränderungen (Dysplasien/IEN) komplett abgetragen werden konnte und ansonsten kein weiteren Veränderungen dieser Art im Darm gefunden wurden, sollten ebenfalls jährliche Kontrollspiegelungen stattfinden (jeweils hohes Risiko).

    Hinweis: Ausschlaggebend für die Planung der Kontrolluntersuchungen ist jeweils das Kriterium mit dem höheren Risiko.

    Cu-Patienten mit einer PSC haben ein erhöhtes Risiko sowohl für Krebs in den Gallengängen der Leber als auch für Darmkrebs, sodass der Arzt beide Bereiche sorgfältig im Blick behalten wird. Auch nach weiträumiger Entfernung des Darms oder Anlage eines Pouches (siehe unten) wird der Arzt die Betroffenen regelmäßig überwachen.

    Therapie: Bei mäßig ausgeprägter Krankheit ist die Behandlung mit  5-Aminosalicylsäure-Präparaten (5-ASA oder Mesalazin, das entsprechende  Retardpräparat) angezeigt. Der Arzneistoff kann die Entzündung unterbinden und weiteren Schüben  vorbeugen.

    Er wird zur Langzeitbehandlung eingesetzt und ist auch in  Form von Zäpfchen, Rektalschaum und Einläufen (Klysmen) zur örtlichen Behandlung einer Proktitis ulcerosa verfügbar. Bei schwereren Formen der Proktitis wird zusätzlich Kortison örtlich oder 5-ASA zum Einnehmen eingesetzt.

    Die Kombination von Einläufen oder Schäumen und Einnahme von 5-ASA-Präparaten hat sich auch bei einer Colitis ulcerosa des linksseitigen Dickdarms (linksseitige Colitis ulcerosa) bewährt.Falls die Entzündung nicht auf die Therapie anspricht oder diese nicht vertragen wird, behandeln Ärzte mit Kortison innerlich, also zum Einnehmen.

    Dieses Vorgehen wird auch bei ausgedehnterem Krankheitsbild im Darm praktiziert.

    Nach Abklingen der Krankheitszeichen empfehlen Ärzte eine längere Erhaltungstherapie (etwa zwei Jahre) mit 5-ASA,  wenn die Erkrankung gut darauf reagiert hat (Therapie zur  Erhaltung der sogenannten Remission). Kortison wird nicht zur Langzeittherapie eingesetzt. Für einige Substanzen, insbesondere 5-ASA, ist belegt, dass sie das Risiko für Darmkrebs bei Colitis ulcerosa senken können. Eine gleichzeitige PSC wird mit Ursodesoxycholsäure behandelt. Dieses Mittel kann wiederum das Risiko für bösartige Krankheitsfolgen in den Gallengängen senken.

    Wenn während der Langzeittherapie eine stärkere Behandlung notwendig ist, kommen 5-Aminosalicylsäurepräparate in höherer Dosierung, Biologicals in Form von Anti-TNF-Antikörpern oder Vedolizumab oder aber Thiopurine in Betracht.

    Patienten mit einem schweren Krankheitsschub werden in der Klinik behandelt. Ärzte setzen hier wiederum Kortison ein. Infrage kommen ebenfalls Anti-TNF-Antikörper, außerdem sogenannte Calcineurininhibitoren wie Ciclosporin und das immununterdrückende Medikament Tacrolimus.

    Zudem kann eine vorübergehende künstliche  Ernährung über Sonden oder über die Blutbahn notwendig sein, um den  Darm komplett zu entlasten. Bei Komplikationen wie schweren  Blutungen oder dem "toxischen Megakolon" (siehe oben) ist eine  Notfalloperation mit Anlage eines künstlichen Darmausgangs  unvermeidlich.

    Der Dickdarm wird dabei teilweise entfernt. Wenn die Lage sich  wieder beruhigt hat, wird im zweiten Schritt der Mastdarm bis auf einen Restanteil weggenommen und eine Verbindung zwischen dem dabei verbliebenen Darmausgang und dem Dünndarm unter  Einbau eines Dünndarmreservoirs, ein sogenannter Pouch, angelegt.

    Die  Operation heißt etwas umständlich "Proktokolektomie mit kontinenzerhaltender ilioanaler  Pouchoperation (oder iliopouchanaler Anastomose)", da hierbei der Schließmuskel am Darmausgang und somit  der natürliche Verschluss (die Kontinenz) erhalten bleibt. Sie lässt sich im Rahmen einer  offenen Bauchoperation oder auch minimal invasiv,  ähnlich wie eine Bauchspiegelung, durchführen.

    Wann sonst noch eine OP bei Colitis ulcerosa? Außerhalb einer  Notlage kann der Eingriff zur passenden  Zeit (elektiv) stattfinden. Dies kommt infrage, wenn bei einem Patienten der  gesamte Dickdarm betroffen ist, die medikamentöse Therapie jedoch nicht genügend greift, oder wenn eine Tendenz zur Krebsentwicklung besteht, zum  Beispiel bei nachgewiesenen Zellveränderungen (Dysplasien/IEN), die sich nicht endoskopisch entfernen lassen, und wenn bereits Krebs feststellbar ist.

    Prinzipiell gehen Ärzte davon aus, dass die Betroffenen nach Entfernung des Dickdarms  geheilt sind. Dennoch sind nach der Operation wegen eines erhöhten Krebsrisikos am Pouchrand regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

    Ernährung: Eine Ernährungsberatung ist wichtig, um sich nicht aus Sorge vor   möglichen Unverträglichkeiten zu einseitig zu ernähren und in eine   Mangelsituation zu geraten. Bei Eisen-,  Mineralstoff- oder Vitaminmangel  wird der Arzt entsprechende Präparate  verordnen. Ansonsten siehe oben bei Morbus  Crohn.

    Techniken der  Stressbewältigung können dazu beitragen, Schüben  vorzubeugen. Viele  Betroffene fühlen sich durch den Erfahrungsaustausch  in  Selbsthilfegruppen im Umgang mit der Krankheit sicherer (im   Internet: www.dccv.de; www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich  und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten).

Ausführlicher informiert Sie der Ratgeber "Colitis ulcerosa".

Verdauungstrakt (Schematische Darstellung)

Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa betrifft den Dickdarm. Die Darmschleimhaut entzündet sich, wodurch Geschwüre entstehen....

Sonderfälle: Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis

  • Diversionkolitis: Darunter versteht man  eine Entzündung in einem operativ ausgeschalteten Darmabschnitt  unterhalb eines künstlichen Darmausgangs. "Diversion" bedeutet  eigentlich Umleitung. nach Anlaga eines künstlichen Darmausgangs (Stoma) am Dünndarm (Ileostoma) oder Dickdarm (Kolostoma) wird der übrige Darmabschnitt unterhalb "geschont".

    Dies ist  entweder eine endgültige Therapie oder eine Zwischenlösung, um den  erkrankten Bereich vorübergehend ruhigzustellen und Entzündungen  schneller zum Abklingen zu bringen. Warum sich aber in dem  ausgeschalteten Bereich, etwa dem Mastadrm- oder Rektumstumpf, manchmal eine Entzündung, eine sogenannte  Diversionskolitis, entwickelt, ist noch ungeklärt.

    Symptome: Oft fehlen Beschwerden. Manchmal können aber schon kurz nach der Operation oder erst später (bei definitivem Stoma) Symptome auftreten, etwa Austritt von Schleim und Blut aus dem künstlichen Darmausgang. Auch Bauchschmerzen, die in den Rücken  oder Unterbauch ausstrahlen können, Blähungen und Völlegefühl sind mögliche Beschwerden.

    Diagnose: Mittels  Darmspiegelung oberhalb und  unterhalb des Stomas lässt sich sowohl der ausgeschaltete als auch der  arbeitende Darm begutachten. Der Arzt entnimmt dabei gegebenenfalls Gewebeproben für die feingewebliche Untersuchung.

    Therapie: Falls möglich, macht der Chirurg  die Umleitung zum passenden Zeitpunkt operativ wieder rückgängig. Damit klingt die Entzündung in der Regel von alleine ab. Andernfalls wird er bei Bedarf eine  Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA), Kortison und auch kurzkettigen Fettsäuren über Einläufe einleiten. Kurzkettige  Fettsäuren fallen im gesunden Darm mit ausgeglichener Keimflora  natürlicherweise beim Abbau von Stärke und Eiweiß an. Sie sind ein  wichtiger Nährstoff für die Zellen der Darmschleimhaut. Unter anderem können sie bei  einer Diversionskolitis im  Darm vermindert sein, was neben fehlenden mechanischen Reizen offenbar einen Teil der Entzündung im stillgelegten Darmabschnitt ausmacht.
  • Pouchitis:Ein Pouch, wörtlich Beutel, ist ein vom Chirurg aus Darmschlingen aufgebautes Reservoir, das den entfernten Mastdarm gewissermaßen ersetzt. Er kann sich akut oder chronisch entzünden. Einen  Pouch legen Chirurgen zum Beispiel an, wenn der gesamte Dickdarm zum Beispiel wegen einer  schweren Entzündung bei einer Colitis ulcerosa oder einer Familären Polyposis (FAP, siehe Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") entfernt  werden musste.

    Eine oft gewählte Konstruktion ist der ilioanale Pouch –  eine Verbindung zwischen Dünndarm und After über ein beutelartiges  Gewinde aus miteinander verbundenen Darmschlingen. Der  erhaltene Anus sichert den Darmverschluss, die Kontinenz. Es gibt beim  Pouchdesign zahlreiche Varianten. Die Entzündung im Pouch  ist eine Langzeitkomplikation, die erst Monate nach der Operation  auftritt.

    Im Falle einer Vorerkrankung wie Colitis ulcerosa, bei der das  Risiko einer Pouchentzündung etwas erhöht ist, wird vermutet,  dass die Grunderkrankung selbst der Auslöser ist, obwohl die Betroffenen  nach der Operation in der Regel als geheilt gelten. Daneben sind weitere Ursachen möglich, etwa eine Störung der bakteriellen Darmflora und Infektionen mit speziellen Erregern. Wenn eine Entzündung im Pouch länger als drei Monate besteht, gilt sie als chronisch.

    Symptome bei Pouchitis: Schon beim normalen Pouch ist die Stuhlfrequenz erhöht. Im Vergleich dazu nehmen die Entleerungen bei Pouchitis noch zu. Es kommt also regelrecht zu Durchfällen, außerdem zu einem quälenden ständigen Stuhldrang, Schmerzen  und Krämpfen bei den Entleerungen (Tenesmen) sowie Absonderung von Blut  und Schleim. Auch Fieber kann auftreten.
  • Cuffitis: Ein Cuff ist die schmale, ringförmige   Manschette von Enddarmschleimhaut oberhalb der Pouchnaht   am After. Eine Entzündung hier (Cuffitis) tritt häufig schon kurze Zeit nach dem Eingriff auf. Dabei kann es ebenfalls bluten. Als Ursache gilt zurückgelassene, im Rahmen der Grundkrankheit Colitis ulcerosa entzündete Darmschleimhaut des Mastdarms. Infrage kommen eventuell auch örtliche Komplikationen durch technische Besonderheiten bei dem Eingriff oder bestimmte vorausgegangene Medikamentenbehandlungen.

    Symptome: Die Beschwerden sind ähnlich wie bei Pouchitis, zusätzlich besteht oft Juckreiz im Analbereich.

    Diagnose (Pouchitis, Cuffitis): Die Krankengeschichte des Patienten ist dem Arzt in der Regel bekannt. Hilfreich sind sodann die Angaben zu den Beschwerden, die sich auch anhand  eines Fragebogens präzisieren lassen. Es folgen die Austastung des  Darmausgangs und eine Darmspiegelung (Pouch-Endoskopie). Dabei begutachtet der Arzt die Schleimhaut des Pouches und / oder Cuffs optisch und entnimmt Gewebeproben (dieses Vorgehen gilt für Pouchitis und Cuffitis). Bei hartnäckiger Pouchitis kann auch eine bakteriologische Untersuchung von Stuhlproben notwendig sein. Besteht Verdacht auf ein Leck, eine Fistelöffnung oder einen Abszess, kommen weitere bildgebende Diagnoseschritte zum Einsatz.

    Therapie (Pouchitis, Cuffitis): Eine akute Pouchitis lässt sich meistens mit bestimmten Antibiotika (Metronidazol,  Ciprofloxazin) und sogenannten Probiotika behandeln. Das sind Präparate mit Kulturen von Milchsäurebakterien für den Darm. Letztere haben auch bei  der chronischen Pouchitis ihren Platz. Manchmal setzt der Arzt  5-Aminosalicylsäure (5-ASA beziehungsweise Mesalazin, insbesondere auch bei Cuffitis) oder Kortison in örtlich anwendbarer Form  ein. Bei schwerer Ausprägung der Pouchitis ist ein Medikament notwendig, welches das Immunsystem unterdrückt, zum Beisiel ein Calcineurininhibitor oder ein Bioological. Falls die medikamentöse Therapie überhaupt nicht  greift, muss der entzündete Pouch entfernt und ein künstlicher Darmausgang angelegt  werden.

Einstülpung (Invagination) des Darms

Überbewegliche  Darmabschnitte können sich bei sehr starker Darmtätigkeit ineinander  stülpen. Dabei können auch Darmblutungen auftreten. Dies kommt  hauptsächlich bei Säuglingen und Kleinkindern vor.

Neben Blinddarmentzündungen sind Invaginationen des Dünndarms bei  Säuglingen und Kleinkindern ein häufiger Grund für einen "akuten  Bauch". Meist schiebt sich Dünndarm in den Anfang des Dickdarms.  Auch bei einem sogenannten Meckel-Divertikel kann es dazu kommen. Bei Erwachsenen  sind es andere Auslöser, zum Beispiel Dünndarmtumoren (mehr dazu jeweils weiter unten). Die  Beschwerden zeigen bei ihnen aber eine größere Bandbreite, Blutungen spielen eher eine  untergeordnete Rolle.

Symptome: Die kleinen  Patienten entwickeln aus heiterem Himmel die Zeichen eines akuten  Bauches: starke Bauchschmerzen (Koliken), Erbrechen, der Bauch ist  angespannt. Im rechten Unterbauch kann eine walzenartige Verdickung  tastbar sein. Eine "johannisbeergeleeartige" Darmblutung ist verdächtig auf einen  fortgeschrittenen Verlauf  – es besteht womöglich Lebensgefahr.

Diagnose und Therapie: Das Kind muss notfallmäßig in die Kinderklinik gebracht werden. Dort stellt der Arzt eine Verdachtsdiagnose aufgrund der Angaben der Eltern zur Entwicklung der Beschwerden des Kindes, einer raschen körperlichen Untersuchung und Sonografie. Der Kinderchirurg entscheidet jedoch ohne Zeitverlust über einen Notfalleingriff.

Meckel-Divertikel

Die Meckel-Divertikel genannte Ausstülpung des Dünndarmes ist ein  Überbleibsel aus der Embryonalzeit.  Solche angeborenen Divertikel können verschiedene Formen, auch mit einer Verbindung zum Nabel, haben. Beschwerden, etwa durch eine Entzündung, sind selten. Wenn das Divertikel versprengte Schleimhaut enthält, die Verdauungssäfte bildet, kann es zu  Geschwüren und Blutungen kommen.

Ein Meckel-Divertikel  liegt bei Kindern etwa einen halben Meter (bei Erwachsenen etwa 100 Zentimeter) vor der Mündungsstelle des  Dünndarms in den unteren  Dickdarmpol auf der rechten Körperseite, auch Zökum genannt (der eigentliche Blinddarm). Divertikel verursachen in erster Linie bei Kindern Beschwerden, in bis zu vier Prozent der Fälle kann es schwerwiegenden Symptomen wie einer Darmblutung kommen.

Im Erwachsenenalter kann die in der Regel dann symptomlose Anlage  zum Beispiel bei einer Operation noch auffindbar sein.

Symptome: Ein symptomloses Meckel-Divertikel kann als Zufallsbefund anlässlich einer Darmuntersuchung oder bei einem Eingriff, etwa einer Blinddarmoperation, entdeckt werden. Typische Beschwerden bei Kindern sind Bauchschmerzen,meist in der Nabelgegend oder im rechten (Unter-)bauch, eventuell auch Übelkeit und Brechreiz. Die Beschwerden können zum Beispiel von einem Geschwür im Divertikel ausgehen, das durch versprengtes Drüsengewebe vom Typ Magen oder Bauchspeicheldrüse entstanden ist. Seltene, womöglich lebensbedrohliche Komplikation hier: ein Durchbruch. Manchmal treten ausgeprägte Darmblutungem auf, die auch spontan wieder zum Stillstand kommen können. Schließlich kann das Divertikel zur Folge haben, dass sich Darm  ineinanderstülpt (Invagination, siehe oben). Dabei kann ein  Darmverschluss entstehen (Notfälle: "akuter Bauch").

Diagnose: Der  Arzt tastet den Bauch ab, untersucht ihn mit Ultraschall, überprüft das Blut und veranlasst gegebenenfalls eine Computertomografie oder, je nachdem, wie akut die Sitation ist, eine spezielle Darmdarstellung oder eine szintigrafische Untersuchung, um zum Beispiel die ortsuntypische Schleimhaut nachzuweisen. Zu den Verdachtsdiagnosen gehört auch eine Binddarmentzündung.

Therapie: Kann der Arzt bei der (Notfall-) Laparoskopie oder Bauchoperation die Diagnose eines Meckel-Divertikels als Ursache der Beschwerden / der Blutung stellen, wird er das Gebilde entfernen (Divertikulektomie). Gegebenenfalls benötigt das Kind eine Bluttransfusion.

Dünndarmtumoren

Geschwülste kommen im  Dünndarm deutlich seltener vor als im Dickdarm. Die Tumoren sind häufiger  gut- als bösartig. Beschwerden bereiten sie meist erst ab einer bestimmten  Größe.

Wie es zu Dünndarmtumoren kommen kann, ist noch weitgehend unklar. Ausnahmen: erbliche Polypen-Erkrankungen (mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") und  Morbus Crohn, der mit einem erhöhten Krebsrisiko, unter anderem für Dünndarmkrebs, einhergeht. Zu den gutartigen Dünndarmtumoren gehören unter anderem die polypenartigen  Adenome (siehe Abschnitt "Polypen" weiter oben), die in der Schleimhaut  wachsen.

Doch können auch die anderen Darmgewebe – Muskulatur der  Darmwand, Fett- und Bindegewebe, Nerven, Lymphgewebe und Gefäße – gutatige wie  bösartige Tumoren hervorbringen. Die sogenannten seltenen gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) sind bösartige Gebilde, die sich  aus bestimmten Darmzellen entwickeln. Zum Teil liegen genetische Veränderungen vor, beispielsweise im Gen des sogenannten Tyrosinkinase-Rezeptors  KIT. GIST-Tumoren können nicht nur im Dünndarm, sondern häufiger noch im  Magen, gelegentlich auch im Dickdarm wachsen. Ähnlich verhält es sich bei Tumoren namens Karzinoide oder neuroendokrine Tumoren: Außer in den genannten Organen können diese Geschwülste zum Beispiel auch in  der Bauchspeicheldrüse oder im Enddarm sitzen. Ein kleiner Teil der Karzinoide setzt bestimmte  Hormone frei, was entsprechende Beschwerden zur Folge hat (siehe nachfolgend).

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bauch, mitunter vor allem im mittleren Bauch, Übelkeit,  Erbechen, Gewichtsverlust und Blut aus dem Darm. Ab einer bestimmten  Größe kann die Geschwulst den Darm verlegen, sodass es zum  Darmverschluss kommt.

Karzinoide / neuroendokrine Tumoren können  unter anderem Durchfälle, anfallsartige Hitzewallung, Rötungen im  Gesicht und am Hals, Herzrasen, Magengeschwüre und Störungen des  Zuckerstoffwechsels verursachen.

Diagnose: Richtungweisend ist mitunter schon die Art der Beschwerden des Patienten. Die körperliche Untersuchung durch den Arzt und verschiedene  apparative Maßnahmen, die er veranlasst, können die Diagnose sichern: Ultraschalluntersuchungen des Bauches, eine  Spiegelung des oberen Verdauungstrakts, die Kontrastdarstellung des  Dünndarms (auch als Computertomografie), sodann spezielle Formen der  Magnetesonanztomografie und der Endoskopie wie Hydro-MRT und Videokapselendoskopie (dabei wird eine Kapsel mit eingebauter Minikamera  verschluckt). Manchmal führt erst eine radiologische Gefäßdarstellung zum Ziel. Bei einem  mutmaßlichen Karzinoid können unter anderem bestimmte Suchstests (Laboranalysen) und szintigrafische Untersuchungen Aufschluss geben.

Therapie: In erster Linie werden Dünndarmtumoren operativ behandelt. Im Einzelfall setzen Ärzte spezielle Medikamente ein. So zum Beispiel bei einem GIST  mit nachgewiesener Veränderung des Tyrosinkinase-Gens KIT im Tumorgewebe sogenannte  Tyrosinkinase-Inhibitoren, bei anderen bösartigen Formen eine  Chemotherapie oder Medikamente, die in eine krankhafte Hormonbildung  eingreifen.