Die Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021 verdeutlicht die Notwendigkeit, den menschengemachten Klimawandel deutlich stärker als bisher zu bekämpfen. Innerhalb der EU ist man sich zwar weitgehend einig, dass man bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein will. Die Folgen des Klimawandels aufhalten wird man damit laut Experten nicht - höchstens abmildern. Wie es in Deutschland bis dahin aussehen könnte, zeigen Klimaforscher und andere Fachleute:

Deutlich mehr Hitzetage pro Jahr in Sicht

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat im Auftrag der Deutschen Bahn eine Analyse zu klimatischen Veränderungen in der Bundesrepublik vorgelegt. Demnach wird es hierzulande etwa bis 2060 deutlich mehr Hitzetage und weniger harte Winter geben.

In Zukunft werden lange anhaltende hohe Temperaturen die Menschen vor große Herausforderungen stellen, betont Daniela Jacob. Sie ist Meteorologin und Direktorin des German Institute for Climate Services (Gerics) in Hamburg. «Um 2050 müssen wir damit rechnen, dass die Sommermonate deutlich heißer und trockener sind», so Jacob.

Durch tropische Nächte sinkt die Leistungsfähigkeit

Für den Oberrheingraben bei Karlsruhe lasse sich laut Jakob schon heute projizieren, dass sich dort bis zur Mitte des Jahrhunderts die Zahl der heißen Tage im Vergleich zum Zeitraum von 1970 bis 2000 in etwa verdoppeln werde.

Entgegen der Vorstellung von strahlendem Sonnenschein und Urlaubsatmosphäre kann zu warmes Wetter sehr schlecht für unsere Gesundheit sein. «Wenn die Temperatur auch nachts nicht unter 20 Grad fällt, bedeutet das, dass wir uns nicht richtig ausruhen können und weniger leistungsfähig sind», erklärt Jacob.

Vermutlich mehr Kreislauferkrankungen und Todesfälle

Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig geht davon aus, dass die Hitze das Gesundheitssystem zusätzlich belasten wird. So könne es etwa zu mehr Kreislauferkrankungen kommen.

Frankreich habe zum Beispiel 2003 eine große Hitzewelle gehabt und als Folge dauerhaft hoher Temperaturen damals gut 35 000 zusätzliche Todesfälle. Deutschland sei in dem Jahr weitgehend verschont geblieben, weswegen es hierzulande schlechtere Warnsysteme für Hitzewellen gebe. Bis 2050 werde sich das wahrscheinlich ändern, sagt Marx.

Mehr Gewalt durch heiße Sommer?

Macht Hitze aggressiver? Intuitiv würden viele die Frage wohl bejahen, und auch einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin: In den USA stellten Forscher zum Beispiel fest, dass bei Hitze öfter Berichte über Gewalt in den Zeitungen erschienen als sonst. Bei Experimenten, in denen die Teilnehmer anderen Menschen Elektroschocks verabreichten durften, wurden bei 30 Grad längere Schocks verteilt als bei 23 Grad.

Neue Gefahren: Statischeres Wetter erzeugt Hochwasser

Als Folge des menschengemachten Klimawandels werde Hochwasser mit Blick auf das Jahr 2050 vor allem in Gebieten in Nord- und Westeuropa zunehmend eine Bedrohung darstellen, sagt Ralf Merz.

Der Hydrologe arbeitet am Standort Halle an der Saale des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Diese Entwicklung hänge vor allem mit dem sogenannten Jetstream zusammen. Dieser treibt in der oberen Atmosphäre die Hoch- und Tiefdruckgebiete über Europa hinweg, wie der Wissenschaftler erklärt.

Wegen des Klimawandels habe sich der Strom verändert, sodass Hoch- oder Tiefdruck-Systeme länger an einem Ort stehen bleiben - unter Umständen mit verheerenden Folgen.

Allergien in allen Jahreszeiten

In kalten langen Wintern konnten Pollenallergiker in früheren Jahren aufatmen. Nun blühen Frühblüher wie Hasel und Erle oft schon im Januar. Gleichzeitig verlängert sich die Pollenflugzeit, sodass Allergiker fast das ganze Jahr über geplagt sind. Dazu tragen auch eingeschleppte Pflanzen wie Ambrosia bei.

Mehr von Mücken übertragene Krankheiten

Einheimische Stechmücken übertragen zunehmend gefährliche Krankheitserreger wie das West-Nil-Fieber. Das auslösende Virus wurde wohl von Zugvögeln eingeschleppt, die Mücken übertragen es auf Menschen. 2020 wurde in Deutschland der erste Todesfall durch das West-Nil-Fieber bekannt, vermutlich gibt es auch eine beträchtliche Dunkelziffer.

Weitere Gefahr ernsthafter Erkrankungen droht durch invasive Mückenarten wie die asiatische Tigermücke. Sie könnten in Zukunft Erreger wie Zika-, Chikungunya- oder Dengue-Viren übertragen.