Herzlichen Dank, dass Sie so schnell für mich Zeit hatten. Lange hat man nichts von Ihnen gehört. Jetzt könnte Ihnen ein Comeback bevorstehen. Fühlen Sie sich bereit?

Voll und ganz. Ich habe mich nie hängen lassen. Tief in meinem Baumwollfasern wusste ich immer, dass meine Zeit nicht vorbei ist. Im Augenblick soll ich vor allem beim Energiesparen helfen. Weniger duschen – das finden aber auch Hautärzte nicht ohne.

Das überrascht mich. Gründliche Hygiene ist doch auch für die Haut wichtig.

Richtig. Aber denken Sie wirklich, dass dieses ständige Duschen gesund ist? Heute stellen sich viele Menschen ja morgens und abends eine geschlagene Viertelstunde unter dampfend heißes Wasser. Dabei schrubben sich dann noch mit Schaum und Duschgels den Schutzmantel ihrer Haut weg.

Ein Mantel auf der Haut? Bitte klären Sie mich auf.

Haben Sie noch nie etwas vom Säureschutzmantel der Haut gehört? In dem größten Organ Ihres Körpers sitzen winzige Drüsen, die unter anderem Fettsäuren ausscheiden. Diese legen sich wie ein Schutzfilm um Ihren Körper und wehren Krankheitserreger ab.

Beim ständigen, heißen Duschen kann dieser durchlässig werden. Außerdem waschen Sie sich nicht nur schädliche Bakterien ab, sondern auch nützliche Mitbewohner, die auf Ihrer Haut leben.

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Auf meiner Haut lebt etwas? Ich glaube, ich möchte jetzt sofort duschen.

Seien Sie froh, wenn es dort wuselt. Sie würden sonst sofort krank. Nicht nur Ihre Haut, auch Ihr Darm, Ihre Lungen, ja alle Flächen Ihres Körpers, die mit der Außenwelt direkten Kontakt haben, sind mit Milliarden von Mikroben besiedelt. Vor allem mit Bakterien. Diese verhindern, dass bösartige Erreger den Platz einnehmen und erfüllen auch sonst wichtige Aufgaben. Die Forschung hat in jüngster Zeit viel darüber gelernt.

Und Duschen führt zu einem Massensterben?

Das nun nicht. Der Bakterienmix auf Ihrer Haut ist zäh und stellt sich schnell wieder ein. Aber fest steht: Ständige Warmduscher tun Ihrer Haut nichts Gutes – vor allem, wenn diese empfindlich und trocken ist.

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Sie raten also zur Katzenwäsche. Aber ist das nicht eklig?

Sie halten mich wohl für einen „Waschlappen“, der in Sachen Hygiene nichts zustande bringt. All die Jahre im Wäscheschrank habe ich mich über das Schimpfwort geärgert, in dem sich zeigt, wie wenig Sie mir und meinen Kollegen zutrauen. Aber damit ist es ja vielleicht jetzt vorbei! Vielen Dank, Herr Kretschmann. Wer uns richtig einsetzt, muss nämlich keine Sorge haben zu müffeln.

Langsam erinnere ich mich wieder. Als ich noch ein Kind war, habe ich mich auch mit einem Waschlappen gewaschen. Manchmal schrubbte mir meine Mutter den Rücken, bis er rot war.

Und sehen Sie: Es hat Ihnen nicht geschadet. Wichtig für eine gute Körperhygiene ist es vor allem Hände, Füße und die Achseln gut zu waschen, wenn nötig mit etwas ph-hautneutraler Seife oder Waschlotion.

Für den Rest des Körpers reicht oft klares Wasser. Zumindest für Büromenschen wie Sie. Beim Tippen werden sie ja wohl kaum stark ins Schwitzen geraten.

Oh, unterschätzen Sie den Stress in meinem Beruf nicht. Zum Beispiel, wenn man völlig überraschend ein Interview führen muss. Haben Sie noch ein paar Tipps für unsere Leserinnen und Leser?

Wenn Sie pingelig sind, rate ich dazu, einfach noch einen meiner Kollegen hinzuzuziehen. Den einen Waschlappen verwenden Sie dann für die obere und den anderen für die untere Körperhälfte. Falls sie einen Waschlappen für den Bereich zwischen den Beinen verwenden – Sie verstehen schon – geben Sie ihn sofort zur 60-Grad-Wäsche. Bei dem Kollegen für den Oberkörper reicht gut auswaschen, an einem warmen, trockenen Ort aufhängen und alle paar Tage bei 60 Grad in die Waschmaschine.

Und wenn ich morgens ohne Dusche einfach nicht wach werde?

Einfach kurz die Beine kalt abduschen. Natürlich nur, wenn keine Krankheiten wie Herz-Kreislaufleiden dagegensprechen. Das wirkt Wunder und trainiert auch noch ihre Venen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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