Regen kann töten – das begriffen viele Menschen in Deutschland spätestens nach der Flutkatastrophe im Ahrtal: Im Sommer 2021 fiel durch das Tief Bernd so viel Wasser im Westen des Landes, dass etwa 186 Menschen durch die darauffolgenden Fluten starben. Auch die Versorgung war teilweise durch die Flutkatastrophe gefährdet: Hunderttausende waren in ­einigen Regionen von Stromausfällen betroffen. In anderen fiel die Wasserversorgung oder das Handynetz aus. Gleichzeitig musste die Polizei gegen Plünderer ausrücken, die das Chaos ausnutzten.

Experten warnen vor Extremwetterereignisse

Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes war der Starkregen im Ahrtal mindestens ein Jahrhundertereignis. Also ein Ereignis, dass theoretisch nur einmal alle hundert Jahre oder seltener vorkommt. Doch Studien sowie Expertinnen und Experten warnen. Die Menschen sollten sich auf solche und andere Katastrophen vorbereiten. Denn Starkregen- und andere Extremwetterereignisse können infolge des Klimawandels in Zukunft öfter vorkommen.

Das sagt auch Dr. Inke Schauser. Sie arbeitet beim Umweltbundesamt und beschäftigt sich mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen auf Deutschland. „So ex­treme Starkregenereignisse wie im Ahrtal kann es in Deutschland theoretisch überall geben“, sagt sie. „Da ist keiner davon ausgenommen.“ Schauser nennt als Beispiele vergangene Ereignisse wie das Unwetter in Münster 2014, die Sturzflut in Braunsbach 2016, Überflutungen in Berlin 2017.

Klimawandel begünstigt Waldbrände und Pandemien

Doch das ist nur eine Gefahr von vielen, mit denen Menschen rechnen sollten. Eine weitere droht durch Hitzewellen. „Es wird aufgrund der weltweiten Erwärmung auch in Deutschland einen weiteren Anstieg der Hitzetage geben“, sagt Schauser. Zwar wäre es falsch, die Hitze als Ursache von Waldbränden zu nennen: Urheber ist meist der Mensch – absichtlich oder unabsichtlich. Allerdings kann das heiße und trockene Wetter Brände begünstigen. Wer in der Nähe eines Waldes wohnt, sollte darum immer darauf vorbereitet sein, sein Heim evakuieren zu müssen.

Ihre Checkliste: Das sollten Sie u. a. lagern

  • Getränke z. B. Wasser für zehn Tage
  • Lebensmittel für zehn Tage (Nudeln, Nüsse, Hülsenfrüchte etc.)
  • Campingkocher (z. B. Spiritus/Gas)
  • Hygieneartikel (Seife, Zahnbürste, Toilettenpapier, Müllbeutel etc.)
  • Hausapotheke plus Medikamente, die man ständig nimmt
  • Wichtige Dokumente
  • Bargeld
  • Taschenlampe, Kerzen, Feuerzeug plus Reservebatterien
  • Notwerkzeug plus Taschenmesser, Dosenöffner
  • Kurbelradio (batterieunabhängig)
  • evtl. Ersatz-Handy
  • Wolldecke/Schlafsack
  • Warme Kleidung
  • Heizgelegenheit, Brennstoffe

Der Klimawandel kann zudem die Wahrscheinlichkeit von Pandemien erhöhen. Schon die Corona-Pandemie zeigte, welche Folgen das haben kann: Plötzlich standen viele wegen Hamsterkäufen vor leeren Regalen. Und abseits vom Klimawandel warnen Sicherheitsexpertinnen und -experten regelmäßig vor Strom- oder Wasserversorgungsausfällen durch kriminelle Hackerangriffe. Alle von uns sollten sich darum auf den Ernstfall vorbereiten. Dazu riet Mitte 2022 zum Beispiel Innenministerin Nancy Faeser (SPD). Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mahnt seit Jahren, Notvorräte oder Notgepäck vorzubereiten.

Getränke und Nahrung für 14 Tage im Haus haben

Das bedeute zwar nicht, dass Deutschland nicht für Katastrophen gewappnet sei, wie Schauser erklärt: „Wir haben eine relativ gute Ausgangslage“, so die Expertin. Das BBK weist aber in einem Informationsdokument darauf hin: „Bei einer großflächigen und sehr schweren Katastrophe können die Rettungskräfte nicht überall sein. Wenn Sie sich und Ihren Nachbarn selbst helfen können, sind Sie im Vorteil. Es kommt dann auf jeden Einzelnen an.“

Wer für den Notfall gerüstet sein will, sollte verschiedene Dinge zu Hause haben: Das BBK rät zu Nahrung und Getränken für zehn Tage. Pro Person sollten Sie etwa 14 Liter Flüssigkeit je Woche lagern – wie Wasser oder Fruchtsäfte. Für Hygiene sollten Sie extra Wasser beiseitestellen. Als Lebensmittel eignen sich lang haltbare und nahrhafte Dinge in Dosen oder Einmachgläsern. Am besten lagern Sie etwas mehr, sodass Sie im Notfall auch Nachbarn helfen können.

Notgepäck griffbereit halten

Achten Sie auf eine gefüllte Hausapotheke. Mit einem Campingkocher können Sie bei Stromausfall kochen. Um in diesem Fall informiert zu bleiben, rät das BBK zu einem batteriebetriebenen oder einem Kurbelradio. Wichtige Dokumente sowie Notgepäck sollten Sie immer griffbereit haben, falls Sie plötzlich das Haus verlassen müssen. Ins Notgepäck gehören Dinge wie (warme) Kleidung, Medikamente, Taschenmesser, Erste-Hilfe-­Ausrüstung oder Ess­geschirr. Auch wichtig: Laden Sie die Warn-App NINA auf Ihr Smartphone. Diese benachrichtigt Sie bei einem Notfall in der Nähe.

Wer solche und andere Tipps befolgt, ist zwar persönlich auf kommende Katastrophen vorbereitet. Laut Umweltexpertin Schauser reiche es aber nicht, nur Klimaanpassung zu betreiben. Stattdessen bräuchte es mehr Prävention, damit die Situation nicht schlimmer wird. „Wir brauchen Klimaschutz und einen Schutz der Ökosys­teme“, sagt sie. „Das ist es, was wir von unseren Entscheidungsträgern fordern sollten.“


Quellen:

  • Gespräch mit Dr. Inke Schauser

  • World Weather Attribution: Heavy rainfall which led to severe flooding in Western Europe made more likely by climate change. https://www.worldweatherattribution.org/... (Abgerufen am 27.09.2022)
  • Umweltbundesamt: Klimafolgen Deutschland. https://www.umweltbundesamt.de/... (Abgerufen am 27.09.2022)
  • NABU: Warum brennen unsere Wälder?, Wenn menschliche Unvernunft und Trockenheit zusammentreffen. https://www.nabu.de/... (Abgerufen am 27.09.2022)
  • Ley J: #Faktenfuchs: Wie Waldbrände und Klimawandel zusammenhängen. https://www.br.de/... (Abgerufen am 27.09.2022)
  • Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik : Einschätzung der aktuellen Cyber-Sicherheitslage in Deutschland nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. https://www.bsi.bund.de/... (Abgerufen am 27.09.2022)
  • Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2021. https://www.bsi.bund.de/... (Abgerufen am 27.09.2022)
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen. https://www.bbk.bund.de/... (Abgerufen am 27.09.2022)
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Meinepersönliche Checkliste. https://www.bbk.bund.de/... (Abgerufen am 27.09.2022)
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