Für den Notfall ist ein kleiner Vorrat an Verbandmaterial und Medikamenten unabdingbar. Das sollten Sie dabei beachten:

Den richtigen Platz finden

Im Badezimmer oder in der Küche bewahren fast zwei Drittel der Deutschen ihre Hausapotheke auf. Das haben Umfragen immer wieder gezeigt. Doch genau an diesen Orten haben Arzneimittel nichts zu suchen. "Aufgrund der Feuchtigkeit und der starken Temperaturschwankungen können die Medikamente Schaden nehmen und ihre Wirkung verlieren. Schlimmstenfalls bilden sich giftige Abbauprodukte", sagt der Apotheker Ingo Müller aus Herten. Besser eignen sich beispielsweise das Schlafzimmer, der Flur oder eine Abstellkammer. Der optimale Aufbewahrungsort für die Hausapotheke solle dunkel, kühl und trocken sein.

Die Kleinsten schützen

Leben Kinder im Haushalt, muss das Schränkchen oder der Koffer, in dem Medikamente und Verbandmittel aufbewahrt werden, unbedingt abschließbar sein. Eine einfache Kiste ins oberste Fach des Schlafzimmerschranks zu stellen, genügt nicht. Kinder sind neugierig und klettern gerne. Werden Tabletten als Spielzeug missbraucht oder gar mit Bonbons verwechselt, kann das böse Folgen haben.

Noch alles drin? Mindestens einmal im Jahr sollte man die Hausapotheke prüfen.

Noch alles drin? Mindestens einmal im Jahr sollte man die Hausapotheke prüfen.

Was in eine Hausapotheke gehört

Die Hausapotheke sollte aus einer Mischung aus Verbandsmaterial, nicht-medikamentösen Hilfsmitteln und Medikamenten bestehen. Die folgende Zusammenstellung bietet Anhaltspunkte, was in eine gut ausgestattete Hausapotheke gehört.

Wichtige Verbandsmittel für die Hausapotheke:

  • Sterile Kompressen; sie decken Wunden keimfrei ab
  • Mullbinden verschiedener Breite fixieren die Kompressen oder ermöglichen Salbenverbände
  • Verbandpäckchen in mehreren Größen sind vor allem für die Erste Hilfe nützlich
  • Heftpflaster befestigen Kompressen und Binden auch direkt auf der Haut
  • Pflasterstrips und Wundschnellverband zur Behandlung kleiner Verletzungen im Alltag. Der Verband kann auf die optimale Größe zugeschnitten werden
  • Verbandwatte ermöglicht das Auspolstern von Verbänden
  • Dreiecktuch zur schnellen Versorgung mit einer Armschlinge
  • Sicherheitsnadeln und Verbandklammern helfen bei der Fixierung von Verbänden
  • Verbandschere für sicheres Zuschneiden und Entfernen von Verbandmaterial

Es gibt Hilfsmittel, bei denen man nicht direkt an die Hausapotheke denkt, wie zum Beispiel Einmalhandschuhe. Aber alles gut an einem Ort verstaut hilft in der akut Situation, weniger Stress zu haben.

Wichtige nichtmedikamentösen Hilfsmittel für die Hausapotheke:

  • Fieberthermometer (digital), am besten mit passender Einweghülle
  • Einmalhandschuhe schützen vor Infektionen
  • Desinfektionsmittel halten Oberflächen und intakte Haut keimarm
  • Splitterpinzette zur Entfernung kleiner Holzsplitter aus der Haut
  • Eine Zeckenzange erleichtert das Entfernen der Tiere, ohne diese zu zerquetschen. Alternativen: Zeckenkarte und -lasso
  • Liste mit Notfall-Rufnummern
  • Erste-Hilfe-Anleitung
  • Kühlkompressen, etwa für Sportverletzungen. Sie sollten im Gefrierfach aufbewahrt werden

Außerdem ist es sinnvoll, immer einen Vorrat an Medikamenten auf Vorrat zu haben, für eine Erkältung oder andere wiederkehrende Krankheiten.

Wichtige Medikamente für die Hausapotheke:

  • Mittel gegen Schmerzen
  • Halsschmerztabletten
  • Mittel gegen Durchfall und Verstopfung
  • Mittel gegen Juckreiz
  • Wunddesinfektionsmittel

Rezeptpflichtiges auslagern

Verschreibungspflichtige Arzneien wie zum Beispiel Blutdruckmittel oder Opiate gehören nicht in die Hausapotheke. Sie darf ausschließlich der Patient einnehmen, dem der Arzt sie verschrieben hat. Die Hausapotheke wird in der Regel von mehreren Personen genutzt. Eine Verwechslung könnte dramatische Folgen haben. Nach Ende der Therapie sollten rezeptpflichtige Medikamente entsorgt und nicht weiter aufbewahrt werden. Übrigens haben auch Tierarzneien sowie Reinigungsmittel oder Chemikalien nichts in der Hausapotheke zu suchen.

Notfall-Nummern notieren

Erstellen Sie eine Liste mit für Sie wichtigen Notfall-Rufnummern. Ganz oben: die 112. "Auch wenn das banal klingt, aber im Notfall kann es durchaus passieren, dass man die einfachste Nummer nicht parat hat", meint Müller. Auch die Nummern des ärztlichen und zahnärztlichen Bereitschaftsdienstes sowie des Apothekennotdienstes gehören auf die Liste. Kleben Sie das Blatt des Türchens Ihrer Hausapotheke. Außerdem ist die Hausapotheke ein guter Ort, um eine Anleitung zur Ersten Hilfe abzulegen.

Wichtige Telefonnummer:

  • Rettungsdienst: 112
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
  • Giftnotrufzentrale: regionale Nummer; welche für Ihre Region gilt finden Sie hier
  • Apotheken-Notdienst: 0800 00 22 8 33

Vollständigkeit prüfen

Mindestens einmal jährlich sollte die Hausapotheke überprüft werden – unter anderem auf ihre Vollständigkeit. Vielleicht wurde ein Medikament schon nahezu aufgebraucht, oder der Bedarf innerhalb der Familie hat sich verändert. In diesem Zuge sollte man auch gleich auf das Haltbarkeitsdatum der Produkte schauen und abgelaufene oder zu lange angebrochene entsorgen.

Verfallsdaten kontrollieren

Nach Ablauf der aufgedruckten Frist haftet der Hersteller nicht mehr für mögliche Schäden. Aber Vorsicht: Verfärbungen oder Verklumpungen, zerbröselte Tabletten oder ungewöhnliche Gerüche können darauf hinweisen, dass das Medikament bereits vor dem Verfallsdatum Schaden genommen hat. Wenn Sie Fehler bei der Aufbewahrung ausschließen können, melden Sie die Beobachtung bitte Ihrem Apotheker. Er kann als Fachmann das Produkt prüfen.

An alle denken

Berücksichtigen Sie bei der Zusammenstellung der Hausapotheke den Bedarf aller Familienmitglieder. So kann es beispielsweise nötig sein, zwei verschiedene Schmerzmittel vorrätig zu haben. "Kontrollieren Sie auch immer, ob die Medikamente noch die richtigen sind", sagt Apotheker Ingo Müller. Zäpfchen für Säuglinge eignen sich für Kleinkinder mit Fieber nicht mehr. Während der Schwangerschaft benötigen Frauen ebenfalls häufig eine andere Medikation als vorher. Mitunter verändern akute oder chronische Erkrankungen den Bedarf. Bekommt ein Familienmitglied zum Beispiel Blutdrucksenker vom Arzt verschrieben, muss aufgrund möglicher Wechselwirkungen vielleicht ein Arzneimittel in der Hausapotheke ausgetauscht werden. Lassen Sie sich dabei unbedingt in der Apotheke beraten.

Packungen beschriften

Welche war noch mal die Salbe gegen Gelenkschmerzen, und welches ist das Brandgel? Arzneimittelnamen sind für Verbraucher nicht immer einfach auseinanderzuhalten, die Packungen sehen sich oft sehr ähnlich. Dann kann es hilfreich sein, die Medikamente zusätzlich gut leserlich zu beschriften. Im Notfall erleichtert das die Suche nach dem richtigen Medikament. Apotheker Müller rät auch dringend dazu, das Anbruchdatum bei Salben, Cremes und flüssigen Zubereitungen auf der Packung zu notieren. Außerdem empfiehlt es sich für unsichere Momente den Beipackzettel aufzubewahren.

Beipackzettel aufbewahren

Achten Sie darauf, dass die Medikamente immer zusammen mit dem Beipackzettel in der Originalverpackung stecken. So sind im Akutfall alle wichtigen Angaben verfügbar. Fehlt ein Beipackzettel, hilft auch in diesem Fall der Gang zur Apotheke: "Wir können die Packungsbeilage bei Bedarf ausdrucken und spezielle Fragen sofort beantworten", sagt Müller.

Geöffnetes aussortieren

Grundsätzlich gilt das Verfallsdatum nur für ungeöffnete Arzneimittel. Einzeln in Blister verpackte Tabletten sollten im Normalfall aber auch geöffnet bis zum aufgedruckten Verfallsdatum verwendbar sein. Anders verhält es sich bei Cremes, Salben, Gelen oder flüssigen Zubereitungen wie Säften und Tropfen. Sie halten nach dem Öffnen nur noch eine bestimmte Zeit. Beispielsweise sind die meisten Augentropfen nur maximal sechs Wochen nach Anbruch verwendbar – und das selbst dann, wenn sie Konservierungsmittel enthalten. Achten Sie dabei stets auf die Angaben in der Packungsbeilage. Falls Sie sich unsicher sind, hilft auch hier die Apothekerin oder der Apotheker.

Richtig entsorgen

Haben Sie alte Medikamente aussortiert? Dann stellt sich die Frage, was Sie damit machen sollen. Keinesfalls dürfen Arzneimittel einfach in der Toilette hinuntergespült werden. Die Kläranlagen halten nicht alles zurück, die Rückstände können die Umwelt belasten. Weil die Entsorgung kommunal unterschiedlich geregelt ist, fragen Sie am besten in Ihrer Stammapotheke nach, wie Sie mit den aussortierten Mitteln verfahren sollen. Oder rufen Sie bei dem für Ihren Wohnort zuständigen Abfallverwertungsbetrieb an. Wichtig: Wenn Sie Medikamente über den Restmüll entsorgen, stecken Sie diese in eine blickdichte Tüte, die sie anschließend verknoten. Geben Sie diese Tüte erst am Abend vor der Müllabfuhr in die Tonne, um zu verhindern, dass etwa Tiere oder spielende Kinder die Arzneimittel herausfischen.

Auto nicht vergessen

Autobesitzer sollten mindestens einmal jährlich einen Blick in den Kfz-Verbandkasten werfen. Entspricht er der aktuellen DIN-Norm? Dann ist auf die Verpackung ein entsprechender Hinweis gedruckt. Ist der Inhalt vollständig und unbeschädigt? Die Verpackung des sterilen Materials kann brüchig werden, der Inhalt verkeimen. Bei überschrittenem Verfallsdatum droht zudem ein Bußgeld. Tauschen Sie im Zweifel den Verbandkasten komplett aus.

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