Syphilis – Kurz erklärt

Syphilis ist eine hochansteckende Geschlechtskrankheit, die in den letzten Jahren in Deutschland wieder vermehrt vorkommt. Sie verläuft in typischen Stadien, angefangen mit einer schmerzlosen Schwellung an der Eintrittsstelle des Erregers, in der Regel am Geschlechtsorgan. Die Krankheit kann über Monate und Jahre voranschreiten, in späteren Stadien kann es zu lebensgefährlichen Entzündungen der Gefäße kommen und zu einer Gehirnbeteiligung.

Je früher Syphilis entdeckt wird, desto eher hat die Krankheit noch keine Folgeschäden verursacht. Sie lässt sich meist gut mit dem Antibiotikum Penicillin behandeln.

Was ist Syphilis?

Verursacht wird die Geschlechtskrankheit Syphilis von einem schraubenförmigen Bakterium namens Treponema pallidum. Das Bakterium – und damit die Infektion – wird vor allem durch Geschlechtsverkehr übertragen: Es dringt durch winzige Lücken in der Schleimhaut oder Haut ein, diese Stellen werden auch Eintrittspforte genannt.

Die Krankheit verläuft oft chronisch und in mehreren typischen Stadien. Zunächst kommt es am Ort der Übertragung, also vor allem an den Geschlechtsorganen, zu einer schmerzlosen harten Schwellung. In späteren Stadien haben sich die Erreger im Körper ausgebreitet und können für Hautausschläge, Schwellungen und auch zu lebensgefährlichen Entzündungen innerer Organe und Gefäße führen.

Ursachen, Risikofaktoren, Häufigkeit

Syphilis ist eine typische Infektionskrankheit: Das verantwortliche Bakterium namens Treponoma pallidum breitet sich bei einem Erkrankten aus und infiziert von hier aus – vor allem über Geschlechtsverkehr, aber auch eine Übertragung über die Plazenta zum ungeborenen Kind ist möglich. Insbesondere in den frühen Stadien sind die Bakterien hochinfektiös: Geschlechtsverkehr mit einem aktiv an Syphilis erkrankten Partner führt in etwa 30 Prozent der Fälle zu einer Infektion.

Rund 8000 Fälle gibt es derzeit pro Jahr in Deutschland. „Vor zehn Jahren waren es nur halb so viele. Manch einer glaubte, Syphilis werde bald verschwinden. Aber leider ist das Gegenteil der Fall, die Zahl der Infektionen nimmt seit Jahren deutlich zu“, sagt Dr. Anja Potthoff, Leiterin des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum. Männer sind 14 Mal so oft betroffen wie Frauen, meist liegt das Erkrankungsalter zwischen 20 und 49 Jahren.

„In den letzten 20 Jahren war die Syphilis weitestgehend bei Männern, die Sex mit Männern haben zu finden, nun immer häufiger auch bei Heterosexuellen. Sind Frauen infiziert und sind sie schwanger, dann kann das zu einem großen Risiko für die Entwicklung des Kindes werden“, sagt Professor Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (bekannt als: Deutsche STI-Gesellschaft).

Symptome und Diagnose

In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung gibt es in der Regel keine Symptome.

Anschließend kommt es zu einem schmerzlosen Geschwür, auch „harter Schanker“ oder „Ulcus durum“ genannt, das meist innerhalb von sechs Wochen narbig abheilt.

Dieses Anzeichen und auch die weiteren Symptome der Syphilis richten sich grundsätzlich nach dem Stadium, in dem sich die oder der Kranke gerade befindet (siehe Abschnitt unten: „Verlauf“). In den späteren Stadien kann es zu einer Vielzahl von Beschwerden kommen, darunter etwa Hautausschläge, Flecken im Mund-Nasen-Bereich und später gummiartig verhärtete Knoten (siehe Abschnitt: „Verlauf“).

Liegt ein Verdacht auf Syphilis in einem frühen Stadium vor, lässt sich die Infektion über einen Abstrich aus einer Hautläsion nachweisen: im Labor kann anhand einer molekularmedizinischen Analyse der Probe dann die Diagnose Syphilis gestellt werden. Ein negativer Probentest schließt eine Syphilis aber nicht sicher aus.

Zusätzlich gibt es verschiedene Bluttests, die bei einem negativen Probentest und in späteren Stadien zum Einsatz kommen. Dabei werden in einem ersten Test bestimmte Antikörper gegen das Bakterium analysiert. „Bei diesem ersten Test erfährt man zunächst, ob man jemals an einer Syphilis erkrankt war oder nicht. Es kann also auch sein, dass der Test positiv ist, aber man gar keine aktive Syphilis mehr hat“, erklärt Potthoff. In einem weiteren Bluttest kann dann bestimmt werden, ob eine bereits ausgeheilte Infektion oder eine aktive, behandlungsbedürftige Syphilis vorliegt. Im letzteren Fall wird in der Regel sofort eine Behandlung eingeleitet.

Doch Voraussetzung für all dies ist, dass der Arzt weiß, wonach er sucht. „Vor allem in den späteren Stadien kann es eine Reihe verschiedener seltener Symptome geben, die nicht mehr jeder Arzt kennt, weil die Syphilis vor 20 Jahren sehr selten war“, sagt Brockmeyer. Nicht nur deshalb sollte jeder, der ein kleines Geschwür hat im Genitalbereich oder im Mund, möglichst zügig sicherheitshalber den Arzt oder die Ärztin aufsuchen. Das gilt auch für einen Hautausschlag, der länger andauert.

Verlauf

Eine aktive Syphilis-Infektion hat einen typischen Verlauf. Er lässt sich in verschiedene Stadien einteilen:

1. Stadium: Primäre Syphilis, auch Lues I genannt:

Ungefähr ab der dritten Woche nach Infektion macht sich die Syphilis meist in Form einer schmerzlosen Schwellung (Ulcus durum) bemerkbar. Es ist Ausdruck davon, dass sich die Erreger an der Eintrittsstelle vermehrt haben. Außerdem breiten sie sich in die Lymphknoten in der Nähe aus, die dann häufig ebenfalls schmerzlos geschwollen sind.

Direkte Beschwerden hat man in diesem Stadium keine, lediglich die Schwellungen können auffallen. Gerade bei Frauen oder im Analbereich wird dieses Stadium oft gar nicht bemerkt.

2. Stadium: Sekundäre Syphilis, Lues II:

Die sekundäre Syphilis beginnt 8 bis 12 Wochen nach der Infektion. In dieser Phase breiten sich die Erreger im Körper aus – der Körper wiederum antwortet mit einer Aktivierung des Abwehrsystems. Dies kann sich an verschiedenen Stellen auf der Haut zeigen.

Typische Symptome: Es kann zu einem Hautausschlag insbesondere an den Hand- und Fußinnenflächen kommen. Im Bereich der Geschlechtsorgane und anal können nässende, breit aufsitzende, hochansteckende Knötchen und Verdickungen der Haut entstehen. In der Fachsprache werden sie „Condylomata lata“ genannt, sie sind typisch für das 2. Stadium der Syphilis.

Latente Syphilis, Lues latens:

Insbesondere nach dem 2. Stadium, aber auch nach anderen Stadien, kann es zu einer monate-, jahre- oder gar lebenslangen Ruhephase kommen. Die Erreger befinden sich dann zwar noch im Körper, aber sie machen keine Beschwerden.

Von diesem Stadium ausgehend kann die Erkrankung irgendwann wieder aktiv werden und sich fortsetzen, es kann aber auch zu einer Spontanheilung kommen, bei der die Erreger aus dem Körper verschwinden.

3. Stadium: Tertiäre Syphilis, Lues III:

Zum 3. Stadium kommt es frühestens ungefähr 12 Wochen nach der Infektion, es kann auch erst nach Jahren auftreten. Der Körper entwickelt hier eine späte entzündliche Reaktion auf den Erreger, die verschiedene Folgen haben kann.

Die Abwehrzellen bilden langsam wachsende Knötchen in der Haut, Schleimhaut und sogar im Knochen, in der Fachsprache werden sie „Gummen“ genannt. Sie fühlen sich beim Betasten gummiartig an und können bis zu mehrere Zentimeter groß werden.

Im Gefäßsystem kann es zu einer Entzündung kleiner und mittelgroßer Arterien kommen, die häufig zu einer Aussackung (Aneurysma) insbesondere der Hauptschlagader führen können. Das kann lebensgefährlich werden, wenn sie sich immer weiter vergrößert oder einreißt.

4. Stadium, Lues IV, Neurosyphilis:

Befällt der Erreger auch das zentrale Nervensystem – also Gehirn und Rückenmark –, kann es auch dort zu einer Gegenreaktion des körperlichen Abwehrsystems kommen, mit schwerwiegenden und weitreichenden Folgen.

Zu den möglichen Ausprägungen dieser Neurosyphilis gehören Schlaganfälle, Taubheit vor allem in den Beinen, Schmerzattacken in Bauch und Beinen, Hirnhautentzündung und Krampfanfälle. „Seh- und Hörstörungen können Warnsymptome sein, bei denen eine Neurosyphilis ausgeschlossen werden muss“, sagt Potthoff.

Bei einem längeren Befall durch die Syphilis-Erreger kann es auch zu einer Veränderung von Psyche und Persönlichkeit bis hin zur Demenz kommen.

Behandlung und Vorbeugung

Syphilis wird mit dem bewährten Antibiotikum Penicillin behandelt, das mit einer einmaligen Spritze verabreicht wird. „Vor allem im ersten Jahr nach der Infektion lässt sich die Syphilis mit Penicillin sehr gut behandeln“, sagt Potthoff. Die Erreger im Körper werden in der Regel vollständig beseitigt. Auch in späteren Stadien ist Penicillin wirksam, allerdings kann es sein, dass man dann mehrere Dosen braucht. Bei einer Penicillin-Allergie kann auch auf ein anderes Antibiotikum, insbesondere auf Doxicyclin, ausgewichen werden.

Nur in seltenen Fällen kann es zur sogenannten Jarisch-Herxheimer-Reaktion kommen, bei dem das Abwehrsystem äußerst stark auf den Zerfall der Syphilis-Erreger reagiert. Die Reaktionen sind Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Blutdruckabfall. Durch die Gabe von Kortison kann sie unterdrückt werden, deshalb geben Mediziner vorsichtshalber immer auch Kortison bei der Syphilis-Behandlung.

Das Infektionsrisiko senken kann man wie bei anderen Geschlechtskrankheiten auch: Mit einem Kondom oder mit Lecktüchern. „Das Kondom vermindert die Übertragungswahrscheinlichkeit deutlich“, sagt Brockmeyer. Ein ebenso einfacher wie wirksamer Schutz vor einer Geschlechtskrankheit, die in Deutschland derzeit wieder im Kommen ist.

Quellen:

S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Syphilis. Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG). Stand: 2021.

Robert-Koch-Institut: Syphilis, RKI-Ratgeber für Ärzte. Robert-Koch-Institut

S1-Leitlinie Neurosyphilis. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand: 2020.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.

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