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Infografik: Notfall: Blutvergiftung!

Kurz zusammengefasst: Was ist eine Blutvergiftung?

Eine Blutvergiftung beginnt mit einer Infektion, zum Beispiel einer Lungenentzündung oder einer eitrigen Wunde. Das Immunsystem reagiert darauf aber so ungünstig, dass es den Körper schädigt statt ihn zu schützen. Warum das in manchen Fällen passiert, ist unklar.

Auch wenn der umgangssprachliche Begriff daran denken lässt: Mit einer Vergiftung im eigentlichen Sinne hat eine Blutvergiftung nichts zu tun.

Die ersten Anzeichen einer Sepsis sind oft vieldeutig. Charakteristische Symptome sind schnelle, flache Atmung, niedriger Blutdruck und ein beeinträchtigtes Bewusstsein.

Beim geringsten Verdacht auf eine Blutvergiftung sofort Arzt oder Ärztin kontaktieren! Eine Sepsis ist ein Notfall. Der Gesundheitszustand des Betroffenen kann sich schnell dramatisch verschlechtern.

In vielen Fällen muss eine Blutvergiftung auf der Intensivstation behandelt werden. Jedes Jahr sterben hierzulande schätzungsweise rund 80.000 Patientinnen und Patienten an einer Sepsis. Sie zählt zu den häufigsten Todesursachen.

Symptome: Wie erkennt man eine Blutvergiftung?

Vor allem zu Beginn ist eine Blutvergiftung nicht leicht zu erkennen. Die Anzeichen sind vieldeutig und können auch durch andere Krankheiten verursacht sein.

Fieber oder Schüttelfrost können Zeichen einer Infektion sein – eine Sepsis kann aber auch ohne diese Beschwerden vorliegen. Folgende Symptome können ebenfalls auf eine Sepsis hindeuten:

  • Ein nie gekanntes Krankheitsgefühl
  • Feucht-kalte oder bläulich-fleckige Haut
  • Schneller Herzschlag
  • Bewusstseinsveränderung: Der Betroffene wirkt desorientiert, verwirrt, unruhig oder schläfrig
  • Beschleunigte Atmung: Die Atmung ist schnell und flach, oft 20 Atemzüge pro Minute oder mehr
  • Niedriger Blutdruck: Der systolische Blutdruck (der "obere" oder "erste" Wert bei der Blutdruckmessung) liegt bei 100mmHg oder tiefer
  • Die mehrsprachige Sepsis-Checkliste kann helfen, eigene Beschwerden besser einzuordnen

Wichtig: Beim geringsten Verdacht auf eine Blutvergiftung sofort einen Arzt kontaktieren! Für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst die 116 117, für den Notruf die 112 anrufen. Eine Blutvergiftung ist ein Notfall.

Zu den Zeichen der Blutvergiftung können Symptome der jeweils auslösenden Infektion kommen – bei einem Harnwegsinfekt sind das beispielsweise Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, bei einer Hirnhautentzündung Kopfschmerzen und Nackensteife.

Warnsignal: Flecken auf der Haut

Ist die Blutvergiftung Folge einer Hirnhautentzündung durch bestimmte Bakterien (Meningokokken), treten manchmal charakteristische Hauterscheinungen auf: Es bilden sich kleine rote Flecken an vielen Stellen, die zu größeren dunkelroten oder bläulichen Flecken verschmelzen, die so ähnlich aussehen wie ein Bluterguss. Eventuell entstehen blutgefüllte Bläschen.

Roter Strich – Zeichen einer Blutvergiftung?

Verbreitet ist die Annahme, dass ein roter Streifen auf der Haut mit Ausgangspunkt an einer Wunde ein Zeichen für eine Blutvergiftung sei. Das stimmt so jedoch nicht.

Das Symptom deutet auf eine Entzündung der Lymphgefäße hin, eine Lymphangitis. Es ist also kein eindeutiges Zeichen für eine Sepsis, sondern lediglich ein Hinweis auf eine örtliche Entzündung. Ausgangspunkt kann beispielsweise eine kleine Wunde sein, etwa ein infizierter Mückenstich.

Im ungünstigen Fall kann sich aus einer solchen Entzündung allerdings – wie aus jeder Infektion – eine Blutvergiftung entwickeln. Die Lymphangitis sollte deshalb trotzdem rasch ärztlich behandelt werden, damit es möglichst gar nicht erst zu einer Blutvergiftung kommt.

Im Bild zu sehen ist eine Entzündung der Lymphgefäße (Lymphangitis). Entgegen der landläufigen Meinung ist sie nicht gleichbedeutend mit einer Blutvergiftung

Im Bild zu sehen ist eine Entzündung der Lymphgefäße (Lymphangitis). Entgegen der landläufigen Meinung ist sie nicht gleichbedeutend mit einer Blutvergiftung

Ursachen: Wie bekommt man eine Blutvergiftung?

Ausgangspunkt einer Blutvergiftung ist eine Infektion, zum Beispiel ein Harnwegsinfekt, eine Lungenentzündung oder eine infizierte Wunde. Auslöser sind häufig Bakterien, aber auch Pilze, Parasiten oder Viren, wie das Coronavirus SARS-CoV-2.

Normalerweise gelingt es dem Körper, eine solche Infektion in Schach zu halten, so dass sie irgendwann ausheilt. Unter ungünstigen Umständen kann sich jedoch eine Sepsis entwickeln. Warum das genau passiert, ist nicht restlos geklärt. Die entscheidende Rolle spielt nach heutigem Wissen, dass das Immunsystem auf die Infektion unpassend reagiert.

Es ist normal, dass körpereigene Abwehrzellen im Kampf gegen eine Infektion Botenstoffe ausschütten, die weitere Botenstoffe im Körper aktivieren und bestimmte Reaktionen in Gang setzen, die letztlich die Krankheitserreger bekämpfen. Im Falle einer Sepsis entgleist diese Immunantwort jedoch. Folge: Die Gewebedurchblutung, der Kreislauf und der Stoffwechsel geraten aus dem Lot. Lebenswichtige Organe wie Nieren, Herz oder Lunge funktionieren nicht mehr richtig.

Wer ist besonders gefährdet für eine Sepsis?

  • Ein erhöhtes Risiko für eine Blutvergiftung haben Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem. Diese Immunschwäche kann angeboren oder erworben sein, beispielsweise durch chronische Krankheiten wie Diabetes, Krebserkrankungen oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken
  • Besonders gefährdet sind außerdem Frühgeborene und sehr alte Menschen. Aber auch Menschen über 60 Jahre oder Neugeborene zählen zu den Risikopersonen
  • Anfällig für eine Blutvergiftung sind auch Patientinnen und Patienten, die frisch operiert wurden oder auf der Intensivstation behandelt werden müssen
  • Menschen, deren Milz entfernt wurde, haben ebenfalls ein höheres Risiko für eine Blutvergiftung, vor allem durch Bakterien wie Pneumokokken
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Wissenschaftler vermuten, dass auch bestimmte Erbanlagen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einer Sepsis zu erkranken.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Es gibt keinen einzelnen Parameter, der eine Sepsis beweisen kann. Die Diagnose ergibt sich aus den Befunden, insbesondere den Symptomen wie einer Bewusstseinstrübung, einer schnellen Atmung und einem niedrigen Blutdruck.

Bestimmte Blutwerte können auf eine Entzündung hinweisen, zum Beispiel erhöhte Werte für Procalcitonin. Die Zahl der weißen Blutkörperchen weicht oft von der Norm ab, kann erhöht oder erniedrigt sein. Laborwerte können auch anzeigen, wie stark die Blutgerinnung oder die Organfunktion gestört ist. Beispielsweise können die Nierenwerte auffällig sein.

Was ist ein septischer Schock?

Ist der Blutdruck bedrohlich niedrig und bessert sich nicht durch Flüssigkeitsgabe, ist der Laktatwert im Serum aufschlussreich: Erhöhte Werte sprechen dann für einen septischen Schock. Zellfunktion und Gewebedurchblutung sind in diesem Fall besonders stark beeinträchtigt, so dass Organe wie Nieren, Leber, Herz oder Lunge versagen können.

Therapie: Wie wird eine Blutvergiftung behandelt?

Eine Blutvergiftung muss schnell behandelt werden – meistens auf der Intensivstation. Eine spezifische Therapie gegen die Sepsis gibt es nicht. Ärztinnen und Ärzte versuchen, Kreislauf und Stoffwechsel mit Infusionen und Medikamenten zu stabilisieren und die Organfunktionen aufrecht zu erhalten. Eine möglichst rasche Therapie mit Antibiotika und eventuell auch chirurgische Maßnahmen helfen, das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Um einen niedrigen Blutdruck zu behandeln, erhalten Patientinnen und Patienten Flüssigkeit über die Venen. Bei einem septischen Schock kommen zusätzlich Notfallmedikamente zum Einsatz, welche den Blutdruck anheben.

Verschiedene weitere Maßnahmen können erforderlich sein: Der Blutzuckerwert kann beispielsweise entgleisen, so dass die Gabe des Blutzucker senkenden Hormons Insulin nötig wird. Arbeitet die Niere nicht mehr ausreichend, erfolgt eine Blutwäsche (Dialyse). Oft erhalten Erkrankte Sauerstoffgabe und eine Beatmung. Eventuell müssen sie mit Medikamenten für eine Weile in ein künstliches Koma gelegt und künstlich ernährt werden.

Die Infektion bekämpfen

Oft wissen die Ärztinnen und Ärzte nicht , wo die Infektion ihren Ausgang genommen haben könnte. Je nach Fall setzen sie dann bildgebende Verfahren wie Ultraschall-Untersuchungen oder die Computertomographie ein. Auf den Aufnahmen erkennen sie zum Beispiel Flüssigkeits- oder Eiteransammlungen in Körperhöhlen oder Organen – mögliche Hinweise auf den Infektionsherd.

Um Krankheitserreger zu identifizieren, wird noch vor Therapiebeginn Blut abgenommen. Das Blut wird in einem Wärmeschrank aufbewahrt und nach einigen Stunden untersucht (sogenannte Blutkultur). Die Krankheitserreger haben sich dann soweit vermehrt, dass es möglich ist, sie genauer zu bestimmten. So können Ärztinnen und Ärzte testen, welche Medikamente am besten gegen die Krankheitserreger wirken und ob die bereits begonnene Therapie greift. Ist das nicht der Fall, muss die Behandlung angepasst werden. Alternativ können zum Beispiel auch Teile der Erbinformation der Krankheitserreger im Blut nachgewiesen werden. Bei Verdacht auf eine Virusinfektion wird ein sogenannter PCR-Test durchgeführt.

Auch Wundabstriche, Urin-, Gewebe-, Nervenwasser- oder andere Flüssigkeitsproben aus dem Körper können im Labor auf Keime untersucht werden.

Nicht immer lässt sich herausfinden, was die Sepsis ursprünglich ausgelöst hat. Manchmal bleibt die Infektionsquelle unbekannt. Und selbst wenn Keime gefunden werden, sind sie nicht zwingend der Ausgangspunkt der Blutvergiftung. Die Befunde müssen immer im Zusammenhang mit weiteren Untersuchungsergebnissen betrachtet werden.

Finden sich Infektionsherde, werden sie – soweit möglich – entfernt (Fokussanierung). Eventuell kommen dabei chirurgische Maßnahmen zum Einsatz. So werden beispielsweise kontaminierte Implantate ersetzt, Wunden geöffnet und entzündete oder abgestorbene Gewebsanteile herausgeschnitten. Eine Spülung der infizierten Stellen oder eine Flüssigkeitsableitung (Drainage) kann angebracht sein.

Mögliche Folgen einer Blutvergiftung

Patientinnen und Patienten, die eine Sepsis überstanden haben, kämpfen unter Umständen noch Wochen oder Monate mit möglichen Folgen – zum Beispiel mit Muskelschwäche, Bewegungsstörungen oder Nervenschäden. Bestimmte alltägliche Fähigkeiten, wie Gehen oder das Gedächtnis, müssen in manchen Fällen wieder neu erlernt werden.

Nicht zuletzt bedeutet die schwere Erkrankung nicht nur körperlichen, sondern auch psychischen Stress. Viele Betroffene leiden unter einer posttraumatischen Belastungsstörung oder Depressionen.

Die Selbsthilfegruppe Deutsche Sepsis-Hilfe e.V. informiert und versteht sich als Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige. Weitere Informationen finden Sie auch bei der Deutschen Sepsis-Gesellschaft.

Sepsisrisiko senken

Infektionen sollte man ernst nehmen und konsequent behandeln. Wer Infektionen vorbeugt, senkt ebenfalls das Sepsisrisiko. Dabei können helfen:

  • Impfungen entsprechend den aktuellen Empfehlungen
  • Hygienemaßnahmen wie Händewaschen oder bei Bedarf ein Mund-Nasen-Schutz
  • Wunden desinfizieren und die Heilung gut beobachten. Entzündet sich die Wunde oder heilt sie nicht ab, gegebenenfalls einen Arzt oder eine Ärztin hinzuziehen.
  • Chronischen Erkrankungen vorbeugen beziehungsweise diese behandeln
Professor Dr. med. Frank Martin Brunkhorst

Professor Dr. med. Frank Martin Brunkhorst

Beratender Experte

Professor Dr. med. Frank Martin Brunkhorst ist Professor für Klinische Sepsisforschung am Universitätsklinikum Jena, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Er ist Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Sepsis-Hilfe. Seine Forschungsgebiete sind die Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis. Er erhielt 2009 den Paul-Martini-Preis der Paul-Martini-Stiftung für herausragende Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Sepsis.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:

  • Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen: Entwicklung eines Qualitätssicherungsverfahrens „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Sepsis“, Abschlussbericht. https://iqtig.org/... (Abgerufen am 05.09.2023)
  • Global Sepsis Alliance: Sepsis. https://www.global-sepsis-alliance.org/... (Abgerufen am 05.09.2023)
  • Deutsche Sepsis-Hilfe e.V.: Spätfolgen. https://sepsis-hilfe.org/... (Abgerufen am 05.09.2023)
  • Sepsis-Stiftung: Sepsis kennen und erkennen. https://www.sepsiswissen.de/... (Abgerufen am 05.09.2023)
  • Deutschland erkennt Sepsis: Sepsis kann jede:n treffen. https://www.deutschland-erkennt-sepsis.de/... (Abgerufen am 05.09.2023)
  • Fleischmann C, Thomas–Rueddel DO, Hartmann M et al. : Fallzahlen und Sterblichkeitsraten von Sepsis-Patienten im Krankenhaus, Analyse der deutschlandweiten fallpauschalenbezogenen Krankenhausstatistik von 2007 bis 2013.. In: Deutsches Ärzteblatt: 11.03.2016, https://doi.org/...
  • Deutsche Sepsis-Hilfe e.V.: Diagnose. https://sepsis-hilfe.org/... (Abgerufen am 05.09.2023)
  • Marek RM, Köster-Steinebach I, Brunsmann F et al.: Sepsis-Wissen nach überstandener Sepsis: Ergebnisse einer Befragung und Vorstellung einer Entlass-Kurzinformation. https://archiv.monitor-versorgungsforschung.de/... (Abgerufen am 05.09.2023)
  • Pressemappe: „10 Jahre World Sepsis Day – Sepsis muss Priorität werden“ abrufbar unter https://sepsis-stiftung.de/blog/10-jahre-world-sepsis-day-sepsis-muss-zur-prioritaet-werden/ (abgerufen am 05.09.23).

  • Leitlinie unter Federführung der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e.V.: S3-Leitlinie Sepsis - Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge. Leitlinie: 2018. https://register.awmf.org/... (Abgerufen am 04.09.2023)