Kurz erklärt: Was ist eine Depression?

  • Die Depression ist eine verbreitete psychische Krankheit. Sie betrifft mehr als fünf Millionen Deutsche pro Jahr. Schätzungen zufolge erkranken 16 bis 20 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Depression.
  • Zu den wichtigsten Anzeichen zählen eine anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel und Ermüdbarkeit. Eine Depression kann sich allerdings vielfältig zeigen, auch andere Symptome kommen vor.
  • Die Diagnose stellen Fachleute im Gespräch mit den Betroffenen. Eventuell kommen dabei Fragebögen und weitere Untersuchungsverfahren zum Einsatz.
  • Eine Depression ist behandelbar. Die Therapie richtet sich unter anderem nach dem Schweregrad der Erkrankung. Bewährt haben sich je nach individueller Situation Psychotherapie und/oder Medikamente.

Symptome: Wie äußert sich eine Depression?

Wer an einer Depression erkrankt, leidet unter einer anhaltenden tiefen Herabgestimmtheit. Das Ausmaß geht über ein normales Stimmungstief hinaus, das jeder Mensch ab und zu erlebt. Menschen mit einer Depression fühlen sich meist traurig, innerlich leer, mut- und hoffnungslos, alles erscheint auf einmal anstrengend, nichts bereitet mehr Freude. Sie neigen zum Grübeln oder zu Ängsten, fühlen sich oft wertlos. Viele ziehen sich zurück, vernachlässigen soziale Kontakte. Sie können sich schwer konzentrieren und das Denken fällt schwer.

Sogenannte Hauptsymptome der Depression sind:

  • depressive, gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • verminderter Antrieb mit erhöhter Ermüdbarkeit, oft schon nach kleinen Anstrengungen

Außerdem gibt es Neben- oder Zusatzsymptome, die ebenfalls Anzeichen einer Depression sein können:

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle, Gefühle von Wertlosigkeit
  • negativer und pessimistischer Blick auf die Zukunft
  • Selbsttötungsgedanken oder -versuche, Selbstverletzungen
  • Schlafstörungen
  • verminderter oder gesteigerter Appetit

Liegen mehrere Krankheitszeichen über mindestens zwei Wochen vor, könnte es sich um eine Depression handeln. Depressionen zeigen sich aber unterschiedlich. Im Zweifel sollten sich Betroffene immer Hilfe holen. Hinter den genannten Symptomen können außerdem auch andere Ursachen stecken.

Schweregrad der Erkrankung

Je nach Anzahl der Symptome kann es sich um eine leichte, eine mittelgradige oder eine schwere Depression handeln.

Manchmal macht sich eine Depression vor allem durch körperliche Symptome bemerkbar, zum Beispiel Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf- oder Verdauungsbeschwerden, Muskelverspannungen. Solche Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. Findet sich keine organische Ursache, ist eine Depression als Ursache in Betracht zu ziehen.

Symptome einer Depression kommen auch im Rahmen von anderen Störungen vor. Menschen mit einer bipolaren Störung schwanken - vereinfacht gesagt - zwischen zwei Extremen: zwischen depressiven und sogenannten manischen Phasen. Die Betroffenen sind während der Manie oft auffällig euphorisch und energiegeladen, die Stimmung kann gehoben sein, aber auch gereizt-aggressiv, sie neigen zu unüberlegten, impulsiven, teils selbstschädigenden Aktionen, reden viel. Mehr zur bipolaren Störung lesen Sie im Beitrag „Woran man eine bipolare Störung erkennt“. Im Gegensatz zur bipolaren Störung treten bei einer Depression nur depressive Phasen auf. Sie wird deshalb auch unipolare Depression genannt. Depressive Symptome kommen darüber hinaus auch bei vielen anderen psychischen Störungen vor.

Depressive Symptome können auch Zeichen einer sogenannten Dysthymie sein (eine chronische depressive Störung leichterer Ausprägung). Dabei treten dauerhaft depressive Symptome auf, teils über Jahre. Die Beschwerden sind üblicherweise schwächer ausgeprägt als bei einer Depression. Die Betroffenen "funktionieren" oft weiterhin in ihrem Alltag, haben zwischendurch eventuell auch immer wieder bessere Episoden. Dennoch leiden sie unter anhaltenden Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Selbstzweifeln, Konzentrationsstörungen. Manche ahnen gar nicht, dass es sich um eine Krankheit handelt.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet auf ihrer Seite als Hilfestellung einen Selbsttest an. Die Ergebnisse können Hinweise liefern, ob Anzeichen einer Depression vorliegen könnten. Sie stellen aber keine medizinische Diagnose dar:

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/selbsttest-offline

Die interaktive Grafik zeigt mögliche Symptome einer Depression: Mit der Maus auf die Symbole deuten oder mobil einfach antippen, um die Texte anzuzeigen

Innere Leere

Es überwiegt ein Grundgefühl tiefer Herabgestimmtheit, Traurigkeit und innerer Leere. Depressionskranke fühlen sich oft vollkommen mut- und hoffnungslos.

Interesseverlust

Betroffene verlieren die Freude an normalerweise als angenehm empfundenen Dingen. Die Anteilnahme an der gesamten Umwelt schwindet, auch an negativen Aspekten.

Energieverlust

Betroffene haben wenig Energie und Entschlusskraft. Selbst Alltagserledigungen und einfache Entscheidungen fallen ihnen schwer. Sie fühlen sich ständig müde.

Selbstzweifel

Es kommt zu einem starken Verlust an Selbstvertrauen und zu massiven Minderwertigkeitsgefühlen. Negative Gedanken überwiegen.

Schuldgefühle

Schuldgefühle kommen auf und können sich bis zu dem Wahn steigern, die eigene Erkrankung sei eine Bestrafung für vergangenes Fehlverhalten.

Ängste

Angstzustände, Gedanken an den eigenen Tod oder an Suizid treten in schweren Fällen auf. Umgekehrt führen Angsterkrankungen auch sehr oft zu Depressionen.

Konzentrationsschwäche

Die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Betroffene erleben Tätigkeiten als anstrengend und überfordernd, die vor der Erkrankung mühelos zu bewältigen waren.

Ärger

Betroffene zeigen mitunter Symptome wie Gereiztheit, Aggressivität und Ärger-Attacken. Einige haben ihre Impulse schlechter unter Kontrolle und neigen zu Suchtverhalten.

Körperliche Beschwerden

Hinter körperlichen Beschwerden wie z.B. Rücken- und Kopfschmerzen oder Tinnitus kann sich eine Depression verbergen, die unter Umständen gar nicht erkannt wird.

Gewichtsveränderungen

Der Appetit kann abhanden kommen und das Gewicht abnehmen. Andererseits kann durch Bewegungsarmut und Heißhungeranfälle auch das Gewicht zunehmen.

Schlafstörungen

Die häufig sehr ausgeprägten Schlafstörungen können sich äußern mit erschwertem Einschlafen, nächtlichen Wachphasen oder frühmorgendlichem Erwachen.

Libidoverlust

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen kann die Lust auf Sex schwinden. Auftreten können auch Potenzstörungen und Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erleben.

Ursachen: Wie entsteht eine Depression?

Bei den Ursachen der Depression spielen, wie bei allen psychischen Erkrankungen, erbliche Faktoren, aber auch einschneidende Lebensereignisse und belastende Lebensumstände eine wichtige Rolle, ebenso körperliche Einflüsse. Die verschiedenen Auslöser treten in Wechselwirkung zueinander und verstärken sich gegenseitig.

Zu den am besten erwiesenen Ursachen von Depressionen zählen Lebensereignisse, die mit Verlust nahestehender Menschen oder Rollenwechsel zu tun haben. Der Tod einer nahestehenden Person, die Trennung von einem geliebten Menschen, aber auch positive Ereignisse wie die Geburt eines Kindes oder der Bau eines Hauses, ein Umzug oder die Berentung sind manchmal Auslöser für eine Depression. Bei einem Teil der Betroffenen spielen traumatische Erfahrungen vor allem in der Kindheit, aber auch im späteren Leben oder chronische Stress- und Überforderungssituationen eine Rolle.

Grundsätzlich kann jeder Mensch an einer Depression erkranken, und sie kann auch ohne jeden erkennbaren äußeren Einfluss auftreten.

Fachleute gehen davon aus, dass bei einer Depression das Gleichgewicht von bestimmten Hirnbotenstoffen gestört ist. In den meisten Fällen gibt es wahrscheinlich mehr als eine einzige Ursache.

Symptome einer Depression können in Beziehung zu körperlichen Krankheiten stehen wie zu einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, zu Diabetes, Tumoren, Parkinson oder Hormonveränderungen, zum Beispiel in den Wechseljahren. Ob die Depression in solchen Fällen als Reaktion auf die körperlichen Veränderungen entsteht oder sich die Depression auf den Körper auswirkt, lässt sich oft nicht trennscharf feststellen. Auch chronischer, zu hoher Alkoholkonsum kann Depressionen auslösen.

Ein jahreszeitlich bedingter Lichtmangel kann eine sogenannte saisonal bedingte Depression (Winterdepression) begünstigen.

Nach der Geburt eines Kindes erleben manche Mütter eine Wochenbettdepression. Mehr dazu lesen Sie hier:

Diagnose: Wie wird eine Depression festgestellt?

Wer an sich oder anderen Menschen mögliche Zeichen einer Depression bemerkt, sollte nicht zögern, sich helfen zu lassen – beziehungsweise die oder den Betroffenen darin bestärken und unterstützen, sich fundierte Hilfe zu holen. Eine Depression ist eine Krankheit wie andere auch. Betroffene müssen keine Bedenken haben, mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über die beobachteten Beschwerden zu sprechen. Depressionen kommen häufig vor, und es gibt Behandlungsmöglichkeiten.

Erster Ansprechpartner kann die hausärztliche Praxis sein. So können zum Beispiel andere Krankheiten oder Nebenwirkungen von Medikamenten als Ursache der Symptome ausgeschossen werden. Je nach Fall kommen dabei unterschiedliche Untersuchungen infrage. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann an eine geeignete Fachpraxis oder eine spezialisierte Ambulanz verweisen.

Der Facharzt für psychische Erkrankungen ist der Psychiater oder Nervenarzt, oder Arzt für Psychosomatische Medizin. Ärztinnen und Ärzte, die Psychotherapie anbieten, heißen „ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“. Außerdem gibt es zum Beispiel „psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“. Genaueres dazu erfahren Sie im Beitrag „Psychotherapien: Welche es gibt, wann sie helfen“.

Im Video erklärt Dr. med. Nina Buschek, was Angehörige tun können:

Für die Diagnose einer Depression führen Fachleute meist ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen. Dabei wird über die medizinische Vorgeschichte, die Lebenssituation und die aktuellen Beschwerden gesprochen. Auch standardisierte Fragebögen kommen zum Einsatz. So können auch andere beziehungsweise begleitende psychische Störungen und Krankheiten, beispielsweise Zwänge oder Angststörungen, abgegrenzt werden.

In vielen Fällen kann auch der Einbezug von Angehörigen und deren Eindruck von der psychischen Entwicklung der betroffenen Person eine wichtige Informationsquelle darstellen.

Therapie: Was hilft bei einer Depression?

Die Behandlung einer Depression sollte individuell auf die Betroffenen abgestimmt sein. Ziel ist es, die Beschwerden möglichst gut und rasch zu bessern und Rückfällen vorbeugen.

Infrage kommen psychotherapeutische Verfahren, Medikamente (Antidepressiva) und eventuell zusätzliche therapeutische Maßnahmen.

Hilfreich ist oft die gegenseitige Unterstützung in Selbsthilfegruppen. Je nach Situation können unterstützend oder zur Überbrückung von Wartezeiten auf einen Therapieplatz auch digitale Therapieangebote geeignet sein.

Ein Teil der Betroffenen erlebt nur eine einzige depressive Phase und ist danach dauerhaft beschwerdefrei. Manche Menschen haben häufiger wiederkehrende (rezidivierende) depressive Phasen. Einige haben anhaltende Beschwerden.

Die behandelnden Fachleute besprechen und entscheiden üblicherweise gemeinsam mit den Betroffenen, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und was individuell am besten passt. Dabei spielt die Schwere der Depression eine Rolle. Manchmal genügen bei leichten Depressionen wenige therapeutische Schritte und die Beschwerden verschwinden innerhalb der nächsten Wochen fast von alleine wieder. Oft brauchen Betroffene jedoch eine Therapie über einige Monate oder länger. In bestimmten Situationen, etwa bei schweren Depressionen oder bei akuten psychischen Krisen, kann eine stationäre Behandlung in einer Klinik sinnvoll sein. Bei Selbsttötungsgedanken ist eine rasche fundierte Hilfe ganz besonders wichtig.

Hilfe im Notfall

Wenn Sie merken, dass die Situation kritisch wird, lassen Sie sich unbedingt helfen. Wenn Sie ihre ärztliche Praxis nicht erreichen, können Sie zum Beispiel den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 rufen. Er ist dafür da, Ihnen auch mitten in der Nacht zu helfen. Oder Sie wählen direkt den Notruf unter 112.

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch viele Hilfsangebote, bei denen Sie - auch anonym - mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können. Das geht telefonisch, per Mail oder persönlich.

Die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de) ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind

0800 / 111 0 111

0800 / 111 0 222

und 116 123.

Weitere Infos finden Sie hier:

Ein stationäre Therapie in einer Klinik kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn

  • Suizidgefahr besteht
  • die Krankheit so ausgeprägt ist, dass eine ambulante Therapie nicht ausreicht
  • eine ambulante Therapie erfolglos bleibt
  • sich die Krankheit unter der ambulanten Therapie oder der Wartezeit auf einen Therapieplatz ständig verschlechtert
  • die individuellen Lebensumstände den Erfolg einer ambulanten Therapie gefährden würden
  • das Lebensumfeld aktuell sehr belastend ist, so dass Distanz zu diesem Umfeld erforderlich wird
  • Betroffene durch die Erkrankung stark isoliert werden könnten
  • die Gefahr besteht, dass die Depression chronisch wird
  • Therapieerfolge oder der Umgang mit der Erkrankung im Sinne einer Rehabilitation gefestigt werden sollen

Psychotherapie

Eine Behandlung mit psychotherapeutischen Verfahren kann bei Depressionen helfen. Dies betrifft sowohl eine akute depressive Störung, als auch die Vorbeugung nach einer durchgemachten Depression zur Verhinderung von Rückfällen.

Es gibt Hinweise, dass Psychotherapie auch langfristige Wirkungen hat: Die erlernten Strategien helfen, in künftigen Belastungssituationen nicht wieder eine Depression zu entwickeln.

Meist erfolgt die Psychotherapie in Form von regelmäßigen Gesprächen und Übungen. Sie findet entweder einzeln oder auch in Gruppen statt. Ob eine Psychotherapie im individuellen Fall sinnvoll ist, welche Vorteile und möglichen Nachteile damit verbunden sind, und zu welchen Bedingungen die Krankenkasse die Kosten übernimmt, sollten Betroffene mit den behandelnden Fachleuten besprechen.

Es gibt verschiedene Verfahren, zum Beispiel die Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Verfahren oder die systemische Therapie.

Hauptansatzpunkt der Verhaltenstherapie bildet das aktuelle Erleben und Verhalten. Konkret geht es darum, welche aufrechterhaltende Bedeutung es für die depressiven Beschwerden hat. Wichtige Punkte in der Therapie sind:

  • Verhaltensaktivierung: Zu Beginn einer Verhaltenstherapie steht meistens im Vordergrund, eine geregelte Tagesstruktur sicherzustellen, sozialen Rückzug zu überwinden und positive Aktivitäten wieder aufzunehmen.
  • Kognitive Therapie: Darüber hinaus ist die Bearbeitung verzerrter und hinderlicher Gedanken und Einstellungsmuster von zentraler Bedeutung. Dazu zählen beispielsweise perfektionistisch erhöhte Erwartungen an die eigene Leistungsfähigkeit, hinderliche Annahmen über den Wert der eigenen Person, der Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen und die Bewertung eigener Handlungsmöglichkeiten, also der Möglichkeit, selbst auf das eigene Schicksal Einfluss nehmen zu können.
  • Zwischenmenschliches Verhalten: Eine Depression kann gravierende Auswirkungen auf das Sozialverhalten haben. Sehr viele Betroffene neigen beispielsweise dazu, sich von sozialen Aktivitäten zurückzuziehen, zu grübeln und sich selbst und die eigenen Bedürfnisse unterzuordnen. Auch kann eine erhöhte Passivität zu Missverständnissen führen und vom Umfeld als mangelnde Motivation und geringes Interesse an anderen Menschen fehlinterpretiert werden. Dann gilt es, in der Therapie das eigene Verhalten und seine Wirkung im zwischenmenschlichen Bereich zu reflektieren und Verhaltensalternativen zu erproben.
  • Gesunder Lebensstil: Körperliche Bewegung und gesunde Ernährung sollten gefördert werden – zur Verbesserung des Stoffwechsels und als wichtige Voraussetzung für körperliches und psychisches Wohlbefinden.
  • Äußere Faktoren: Zu bedenken sind immer auch aufrechterhaltende äußere Belastungsfaktoren - wie chronische berufliche Überlastung oder ausgeprägte familiäre Konfliktlagen. Sie können zu einer anhaltenden Überlastung und einer oft schleichenden depressiven Entwicklung führen. Betroffene beschreiben das häufig als „Burnout“. Zwar sind solche Faktoren oft nur indirekt mithilfe von Psychotherapie beeinflussbar. Dennoch kann die Unterstützung bei konkreten Problemlösungen und die Erarbeitung neuer Perspektiven einen wichtigen Beitrag zur Behandlung der depressiven Beschwerden leisten.

Tiefenpsychologisch fundierte Verfahren zielen mehr darauf ab, unbewusste Konflikte aufzudecken und zu bewältigen. Die systemische Therapie untersucht vor allem die Rolle von Beziehungsmustern im sozialen Umfeld. Nicht alle Formen der Psychotherapie werden bei Depressionen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Einen grundsätzlichen Überblick über verschiedene therapeutische Verfahren erhalten Sie hier:

Wer eine Psychotherapie in Anspruch nehmen möchte, muss in aller Regel mit Wartezeiten rechnen. Deshalb sollte auch an niederschwelligere Unterstützungsangebote wie Beratungsstellen und fundierte Ratgeberliteratur gedacht werden.

Therapie mit Medikamenten

Ob Medikamente im individuellen Fall sinnvoll sind, sollten Betroffene mit den behandelnden Fachleuten besprechen.

Spezielle Medikamente, sogenannte Antidepressiva, beeinflussen den Stoffwechsel von Nervenbotenstoffen im Gehirn. Fachleute gehen davon aus, dass über diesen Einfluss die Wirkung dieser Medikamente bei Depression vermittelt wird. Die Wirksamkeit von Antidepressiva ist bei Depressionen aller Art belegt. Fachleute empfehlen die Medikamente bei mittelschweren oder schweren Depressionen. Die Entscheidung für eine medikamentöse Behandlung oder für andere Behandlungsverfahren, wie Psychotherapie, sollte immer gemeinsam mit einer Fachfrau oder einem Fachmann getroffen werden. Bei schweren Depressionen wird empfohlen, sowohl Psychotherapie, als auch Medikamente wie Antidepressiva anzuwenden.

Alle Antidepressiva können Nebenwirkungen verursachen, über die die Betroffenen vor Beginn der Therapie von Fachleuten aufgeklärt werden sollen. Zu den Nebenwirkungen der heutzutage am meisten verordneten Antidepressiva zählen in der Anfangsphase oft Unruhe und Übelkeit. Bei langfristiger Anwendung spielen oft andere Nebenwirkungen wie Beeinträchtigung sexueller Funktionen, Gewichtszunahme, manchmal auch Müdigkeit und bei einigen Betroffenen auch Einschränkung des Erlebens von Gefühlen eine Rolle.

Antidepressiva sind keine Medikamente, die süchtig machen in dem Sinne, dass die Betroffenen ein Verlangen entwickeln, diese Medikamente einzunehmen oder die Dosis zu steigern. Allerdings weiß man, dass nach Absetzen der Medikamente Absetzeffekte beziehungsweise Entzugssymptome auftreten können – insbesondere, wenn Medikamente über Jahre genommen werden. Bei der Verordnung eines Antidepressivums ist es daher wichtig, nach einer gewissen Zeit die Wirksamkeit zu überprüfen, den Zeitraum der Anwendung zu planen und das Medikament nur in Ansprache mit den behandelnden Fachleuten abzusetzen.

In der Anfangsphase einer Antidepressiva-Therapie kann insbesondere bei jüngeren Menschen das Selbsttötungsrisiko leicht erhöht werden. Daher ist eine engmaschige therapeutische Betreuung in der Anfangsphase der Therapie besonders wichtig.

Antidepressiva wirken nicht bei allen Betroffenen. Es kann auch vorkommen, dass ein Antidepressivum bei einem Menschen nicht wirkt, aber mit einem anderen Antidepressivum eine Wirkung erzielt werden kann.

Auf die Akutbehandlung folgt eine Erhaltungstherapie. Sie soll einer erneuten Verschlechterung vorbeugen. Insgesamt dauert die Behandlung oft mehrere Monate. In vielen Fällen bleibt es bei einer depressiven Episode. Rückfälle sind jedoch möglich.

Es gibt zahlreiche verschiedene antidepressiv wirksame Präparate unterschiedlicher Hersteller. Einige Beispiele für grundlegende Antidepressiva-Typen sind:

  • TZA und TeZA (trizyklische oder tetrazyklische Antidepressiva)
  • SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)
  • SSNRI (Selektive Serotonin- /Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
  • MAO-Hemmer (nicht-selektive irreversible Monoaminooxidase-Hemmer)

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Medikamenten, zu ihren Wirkungen, Nebenwirkungen und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, sollten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte im Gespräch vermitteln.

Bei leichten, eventuell auch bei mittelschweren Depressionen können speziell dosierte, vom Arzt verordnete Johanniskrautextrakte helfen. Auch bei solchen pflanzlichen Präparaten gibt es allerdings mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine erhöhte Lichtempfindlichkeit.

Gezielte Therapie begleitender Erkrankungen

Da Depressionen sehr häufig gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten, muss dies bei der Diagnosestellung und in der Therapie mitberücksichtigt werden. Beispielsweise sind depressive Episoden sehr häufig eine Folge unbehandelter Angststörungen (zum Beispiel sozialer Phobien), Zwangserkrankungen, Traumafolgestörungen oder rigider Persönlichkeitszüge bis hin zu sogenannten Persönlichkeitsstörungen, welche ebenfalls eine gezielte Psychotherapie erforderlich machen können. Ohne eine Behandlung dieser zusätzlichen Problembereiche wäre das Risiko von Rückfällen bedeutsam erhöht.

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Was können Angehörige tun?

Informieren: Freunde und Familie sollten sich zu Depressionen informieren. Das nimmt die Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit. Vermeiden Sie gute gemeinte Ratschläge wie "Nimm' dich doch mal zusammen". Solche Sätze verharmlosen die Depression und können Schuldgefühle bei Erkrankten verstärken. Unterstützen und bestärken Sie Betroffene dabei, sich therapeutische Hilfe zu holen.

Zuhören: Nehmen Sie Suizidgedanken, auch Andeutungen, immer ernst. Achten Sie auf Alarmzeichen und suchen Sie rasch professionelle Hilfe - bei der behandelnden Praxis oder notfalls auch einfach unter der 112.

Eigene Grenzen kennen: Angehörige sollten realistische Erwartungen an sich selbst haben. Ihre Rolle ist wichtig, sie können Betroffenen immer wieder signalisieren, dass sie da sind und helfen. Doch sie können weder Therapeutinnen oder Therapeuten ersetzen, noch zu jedem Zeitpunkt perfekt funktionieren.

Als Angehörige Hilfe suchen: Betroffenen zur Seite zu stehen, kostet Kraft. Angehörige sollten – falls nötig – selbst Hilfe in Anspruch nehmen. Geeignete Ansprechpartner sind zum Beispiel die behandelnden Fachleute oder Selbsthilfegruppen wie der "Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen".

Beratender Experte

Professor Dr. Ulrich Voderholzer

Professor Dr. Ulrich Voderholzer

Professor Dr. Ulrich Voderholzer ist Ärztlicher Direktor der Schön Klinik / Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee und Experte für Zwangserkrankungen, Essstörungen, Schlafstörungen und Depressionen.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.


Quellen:

Thema Depression








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