Wenn der Nacken schmerzt: Ein Zeichen der Überlastung?

Bis der Nacken streikt, hat er oft schon viel weggesteckt – mehr jedenfalls, als uns bewusst ist. Die unangenehm ziehenden oder bohrenden Schmerzen: Vielleicht nur die Spitze des Eisbergs? Auch wenn der kalte Luftzug tags zuvor auf der Reise oder die Sonderschicht am Computer plausible Auslöser sein mögen: Vermutlich haben wir uns schon lange überfordert, und zwar von Kopf bis Fuß.

Denn: Hauptursachen für Nackenschmerzen sind Haltungsprobleme und überlastete Muskeln im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich. Auf Dauer verkürzen und verhärten sie sich, sind bei Druck auf typische Stellen äußerst schmerzhaft.

Schon eine geringfügige Zusatzbelastung, auch Stress, kann genügen, und die mühsam beibehaltene Balance kippt. Schmerzen können Fehlhaltungen verstärken und diese wiederum den Schmerz verfestigen – ein Teufelskreis entsteht. Eine Blockade wie der akute Schiefhals kann sogar zum Innehalten zwingen.

Teufelskreis: Überlastung und Schmerz

Schmerzen gehören behandelt. Auch um zu vermeiden, dass sie zu Nervenveränderungen führen und dabei eine Art Schmerzgedächtnis entsteht (siehe Grafik). Es gibt viele Möglichkeiten, um einzugreifen. Was Sie selbst dazu beitragen können, lesen Sie am Ende dieses Beitrags.

Wenn Schmerzen sich verselbstständigen, wird es schwieriger, sie in den Griff zu bekommen. Sie können chronisch werden

Wenn Schmerzen sich verselbstständigen, wird es schwieriger, sie in den Griff zu bekommen. Sie können chronisch werden

Nackenschmerzen: Akut oder chronisch?

Akut sind Nackenschmerzen, die bis zu drei Wochen dauern. Wenn sie nach einem beschwerdefreien Monat wieder aufflammen, auch wiederholt, werden sie als wiederkehrend (rezidivierend) bezeichnet. Halten Nackenschmerzen länger als etwa drei Monate an, gelten sie als chronisch. Wie bei Rücken- oder Kreuzschmerzen unterscheiden Ärzte bei Nackenschmerzen auch, ob eine spezifische Ursache vorliegt oder ob es sich um nicht spezifische Beschwerden handelt. Hier sind normalerweise keine weiteren Untersuchungen notwendig.

Kurzüberblick Nackenschmerzen

So viele Ursachen Nackenschmerzen auch haben können: Ein ernster  Hintergrund ist mit unter ein Prozent die Ausnahme.

  • Hauptursache: Verspannte Muskeln und Verschleiß

Bei weitem an erster  Stelle der Ursachen stehen überlastete, verspannte Muskeln – lästig, aber überwiegend harmlos. Mitunter können die  Verspannungen auch einen psychischen Hintergrund haben. Darauf kann,  muss aber nicht, zum Beispiel eine begleitende depressive Verstimmung hinweisen (siehe weiter unten).

Mit zunehmendem Alter kommt es zu Verschleiß – fachsprachlich: degenerativen  Veränderungen – an der Halsiwrbelsäule. Dann sind ebenfalls oder erstmals  Beschwerden wie Schmerzen und Einschränkungen bei Bewegungen des Halses  möglich.

Einschränkend muss aber hinzugefügt werden, dass ein gewisser Verschleiß im Laufe des Lebens normal ist.  Würde man zum Beispiel bei allen Menschen über fünfzig Jahren die  Halswirbelsäule röntgen, käme eine Menge auf den ersten Blick  Krankhaftes dabei heraus – auch bei jenen, die sich wohlfühlen oder keine Beschwerden haben. Verschleiß am Skelett ist also  keineswegs immer gleichbedeutend mit Schmerzen.

  • Selten: Ernste körperliche Erkrankungen als Auslöser von Nackenschmerzen

Mit vermehrter Muskelanspannung können beispielsweise neurologische Krankheitsbilder wie die sogenannten zervikalen Dystonien einhergehen. Dystonie bedeutet so viel wie "Fehl-Anspannung". Sind einzelne Körperbereiche betroffen, handelt es sich um fokale Dystonien. Durch  krankhaft überaktive Hals- und Nackenmuskeln etwa kommt es zu unwillkürlich  ausgelösten ungewöhnlichen Kopfstellungen. Je nach Art und Richtung der  Bewegungen lassen sich verschiedene Formen unterscheiden. Die Ursachen  dieser Dystonien sind ganz unterschiedlich. Mehr dazu weiter unten im  Abschnitt "Schiefhals".

Nackenschmerzen: Fibromyalgie, Rheuma, Infektionen & Co.

Ein Fibromyalgiesyndrom geht mit erheblichen (Muskel-) Schmerzen einher. Der Nacken ist hier nur eine von mehreren Schmerzzonen am  Körper. Die Ursachen sind noch unklar (siehe unten).

Infektionen im Kopf- und Halsbereich, rheumatische Krankheiten sowie  einige Tumor- und Knochenerkrankungen zählen wiederum zu den seltenen  Ursachen von Nackenschmerzen. In der  Folge kann es zu akuten oder  chronischen Beschwerden kommen. Je nach  Ursache treten neben  Nackenschmerzen meist weitere Symptome auf, etwa Fieber,   eingeschränkte Beweglichkeit des Kopfes, ein Gefühl der Steifigkeit   oder aber Instabilität der Halswirbelsäule, Schmerzen in anderen   Bereichen des Bewegungssystems, Schluckbeschwerden und anderes mehr.

Akute Nackenschmerzen: Ein Notfall?

Akute starke Schmerzen im Kiefer, Arm, Rücken oder Nacken können mitunter auch Anzeichen für einen Herzinfarkt oder eine akute Erkrankung der Hauptschlagader (akutes Aortensyndrom) sein. Eine spezielle Form des Schlaganfalls, die das Kleinhirn betrifft (Kleinhirninfarkt), kann unter anderem mit Nackenschmerzen, starken Schwindelanfällen und erheblichen Gangstörungen einhergehen. Wichtig: Alarmieren Sie bei solchen Symptomen wie auch bei hohem Fieber, Benommenheit oder nach einer plötzlichen Ohnmacht mit ungewöhnlichen Schmerzen im Kopf oder Oberkörper umgehend den Notarzt (Notruf Rettungsleitstelle: 112). Dies gilt natürlich auch bei Verletzungen des Kopfes und der (Hals-)Wirbelsäule.

  • Verletzungen

Tatsächlich sind bei Nackenschmerzen Verletzungen der Halswirbelsäule recht häufig im Spiel. An  den Kopf-Hals-Gelenken,  an den unterhalb davon liegenden Halswirbeln  und ihren Gelenken, an  Bändern und Bandscheiben sind komplizierte  Schäden, teils auch mit schwerwiegenden  neurologischen Folgen, möglich.

Dagegen gehört das  unkomplizierte Schleudertrauma am Hals (auch Dezelerationstrauma oder  Distorsion) in der Regel – trotz anfangs  oft starker Schmerzen – zu  denjenigen Verletzungen, die nicht  schwerwiegend sind und zudem eine  sehr gute Prognose haben.

Mehr Informationen zu den Auslösern von Nackenschmerzen weiter unten im Abschnitt   "Nackenschmerzen: Mögliche Ursachen" und im daran sich anschließenden Text.

  • Eng verknüpft: Nacken und Psyche

Dass anhaltende Nackenschmerzen auf die  Stimmung schlagen  können, ist nicht verwunderlich. Dennoch: Vielfach zeigen sich  Depressionen auch mit körperlichen Symptomen, etwa  Schmerzen des  Bewegungssystems, eben auch Nackenschmerzen, sodann Schlafstörungen, Müdigkeit und vieles mehr. Wichtig: Gehen Sie bei einer mutmaßlichen Depression unbedingt zum Arzt Ihres Vertrauens, denn es gibt Hilfen.

Vorab: Wer übernimmt Diagnose und Therapie?

Erster Ansprechpartner bei   Nackenschmerzen ist in der Regel der Hausarzt. Strahlen die Schmerzen in   den Arm aus, kribbelt es dort, sind auch das Berührungsempfinden und   die Beweglichkeit am Arm, Hand oder Fingern, am Fuß oder Bein   beeinträchtigt, ist unverzüglich ein Neurologe gefragt. Bei Bedarf wird   er einen Orthopäden hinzuziehen. Die zuständigen Fachärzte entscheiden   dann über weitere Diagnoseschritte.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. So weh ein "nur gestresster" Nacken mit akut verspannten Muskeln tun kann, so absehbar erholt er sich auch wieder. Ein kurzzeitig  eingenommenes Schmerzmittel (siehe auch unten: Abschnitt "Nackenschmerzen:  Therapie") kann die Schmerzen lindern helfen. Lassen Sie sich dazu auch  in der Apotheke beraten und beachten Sie die Hinweise in der  Packungsbeilage. Ärzte empfehlen oft, bald mit sanften Bewegungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung zu beginnen. Unbedingt anzuraten ist eine Arbeitsplatzgestaltung nach  ergonomischen Gesichtspunkten.

Die großen Rückenmuskeln reichen bis zum Nacken (Schemazeichnung)

Die großen Rückenmuskeln reichen bis zum Nacken (Schemazeichnung)

Teilweise können Entspannungsverfahren hilfreich sein, etwa bei stressbedingten   Muskelverspannungen oder bei Spannungskopfschmerzen, die häufig im   Nacken beginnen (siehe unten, Abschnitt: "Nackenschmerzen: Therapie").

Anhaltende Schmerzen trotz umfangreicher Schmerzbehandlung und / oder Anzeichen einer Nervenschädigung am Hals, etwa durch einen – hier eher   seltenen – Bandscheibenvofall oder eine Verengung des Wirbelkanals im Bereich der Halswirbelsäule (Spinalkanalstenose),  machen eine Operation häufig unumgänglich. Das gilt auch bei  Instabilität  der Halswirbelsäule  beziehungsweise an den Kopfgelenken,  zum Beispiel  infolge einer  rheumatischen Erkrankung oder Verletzung.

Regelmäßige Lockerungsübungen können Muskelverspannungen vorbeugen

Regelmäßige Lockerungsübungen können Muskelverspannungen vorbeugen

Nackenschmerzen: Ursachen auf einen Blick

Zu möglichen Ursachen oder Krankheitsbildern bei Nackenschmerzen gehören:

Sehr häufig oder recht häufig:

  • Muskelverspannungen (mit Abstand häufigste Ursache!), etwa der "Handynacken"
  • Degenerative Erkrankungen des Bewegungssystems: Schäden der  Bandscheiben und Wirbelkörper (Chondrose und Osteochondrose) der  Halswirbelsäule, Bandscheibenvorfall, degenerative Instabilität,  Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Arthrose, auch  Facettengelenkarthrose), Bildung knöcherner Sporne an den Wirbeln  (Spondylose) oder Verkalkung von Bändern, dadurch Einengung des  Wirbelkanals oder von Zwischenwirbellöchern
  • Psychische Faktoren
  • Krankheiten innerer Organe: Herzkranzgefäßerkrankung, auch koronare  Herzkrankheit (Angina pectoris, Herzinfarkt), Erkrankungen der  Hauptschlagader des Körpers (Aorta), der Speiseröhre, der Lungen
  • Fibromyalgiesyndrom (chronische Schmerzkrankheit)
  • Verletzungen: Muskelzerrungen, Beschleunigungsverletzungen wie das  Schleuder- oder sogenannte Dezelerationstrauma der Halswirbelsäule;  Wirbelbrüche oder -verrenkungen, Bänderrisse, Schädigungen /  Verlagerungen der Bandscheiben, traumatisch bedingte Instabilität

Seltener oder sehr selten:

  • Fokale zervikale Dystonien (seltene Bewegungsstörung mit  unwillkürlichen Kopfbewegungen durch länger anhaltende  Muskelkontraktionen, die auch schmerzhaft sein können)
  • Nacken-Zungen-Syndrom (selten; ausgelöst durch verschleißbedingte  Veränderungen an der Halswirbelsäule: Schmerzen am Nacken und  Hinterkopf, Missempfindungen und vorübergehendes Pelzigkeitsgefühl einer  Zungenhälfte bei plötzlichem Kopfdrehen)
  • Infektionen: der Wirbel, Bandscheiben, der Halsweichteile (Abszess) oder der Gehirnhaut
  • Rheuma und andere entzündliche Erkrankungen des Bewegungssystems wie die Bechterew-Krankheit  (ankylosierende oder axiale Spondyloarthritis), eine Polymyalgia  rheumatica, Knochenstoffwechselkrankheiten wie beispielsweise  Osteoporose
  • Geschwulst- und Tumorerkrankungen
  • Gehirnblutung (Subarachnoidalblutung; Notfall: extrem starke Kopf- und Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit, eventuell Bewusstlosigkeit bei Anstieg des Hirndrucks), Kleinhirninfarkt
  • Nackenschmerzen als Teilsymptom des sogenannten Spannungs-Kopfschmerzes;  mitunter auch in zeitlichem Zusammenhang mit einem Migräneanfall möglich

Schmerzarten am Nacken

Nach der Entstehung lassen sich Nackenschmerzen in vier großen Gruppen zusammenfassen. Dem folgt die anschließende Beschreibung der wichtigsten Arten von Nackenschmerzen. Dabei geht es um:

  • Mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen
  • Nicht mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen
  • Übertragungsschmerzen
  • Nackenschmerzen mit psychischem Hintergrund
Dauernd auf Sendung? Auch das Handy kann die Nackenmuskeln überfordern

Dauernd auf Sendung? Auch das Handy kann die Nackenmuskeln überfordern

Mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen

Diese große Gruppe von Nackenschmerzarten ist die häufigste, und Schmerzen im Nacken durch Muskelverspannungen stehen hier an erster Stelle. Zum anderen sind Verschleiß und Verletzungen der Halswirbelsäule, etwa das Schleudertrauma, sowie der Schiefhals (Torticollis) bedeutsame Ursachen. Allerdings ist Verschleiß bis zu einem gewissen Grad eine normale Entwicklung. Er erklärt längst nicht alles, was den Nacken plagt. Mehr dazu unten im Abschnitt "Weitere Ursachen mechanisch bedingter Nackenschmerzen".

Vorsichtig geschätzt hat mindestens zehn Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben mit verspannungsbedingten Nackenschmerzen zu tun, viele Betroffene mehrmals oder anhaltend. Dabei kommt es mitunter auch zu einem mehr oder weniger steifen Nacken. Denn in ihrer Funktion gestörte Muskeln verkürzen sich und können die Mechanik am Hals empfindlich beeinträchtigen. Die Rede ist hier  hier auch von  myofaszialen oder   funktionellen, unspezifischen  Beschwerden. Die Schmerzen sind meist auf einer Seite zu spüren. Häufig strahlen sie auch in den Hinterkopf, in die Schulter  oder den oberen Rücken aus. Fehlhaltungen können begünstigend sein, die Muskeln verspannen sich noch mehr. So entsteht leicht ein Teufelskreis.

Beispiel Handynacken: Die typische, nach vorne geneigte Haltung bei Handy- oder Tabletnutzung belastet die Halswirbelsäule bis zu fünfmal mehr als normale Körperpositionen mit erhobenem Haupt. Da kommen nämlich schnell bis zu 30 Kilogramm Extralast zum Tragen. Bei einer durchschnittlichen Handynutzung von etwa vier Stunden täglich bedeutet das Schwerstarbeit für die Wirbelsäule. Verschleiß ist programmiert.

Der Arzt stellt die Diagnose in der Regel  klinisch, also aufgrund  der Krankengeschichte (Anamnese) und des körperlichen Untersuchungsbefundes. Die  Schmerzen klingen nach einfachen Maßnahmen (siehe Abschnitt "Nackenschmerzen: Therapie"  weiter unten) meist wieder ab. Andernfalls wird der Arzt die Diagnose überprüfen.

Früher oder später kommen Verschleißerscheinungen (degenerative Veränderungen, teilweise Verkalkungen) an der Halswirbelsäule hinzu. Sie können, müssen aber nicht, ihrerseits Muskelverspannungen auslösen oder diese verstärken. Der Verschleiß betrifft häufig harte, knöcherne Strukturen, vor allem Wirbel und die kleinen Zwischenwirbelgelenke, wie auch weiche Anteile des Bewegungssystems: vor allem die Bandscheiben – sie beginnen übrigens schon in jungen Jahren zu "altern" –, Bänder, Sehnen, Gelenkkapseln.

Verschleißprobleme am Hals

Mit dem Älterwerden summieren sich oft haltungsbedingte Beschwerden, etwa durch jahrelange Schreibtisch- (PC-) oder Überkopftätigkeit (etwa Malerarbeit), sodann Muskelverspannungen sowie Verschleiß an Bandscheiben (Chondrose und Osteochondrose) und Wirbeln (Spondylose). Die Bandscheiben verlieren an Elastizität und Höhe. Dadurch kann es zu einer latenten Instabilität kommen. Im Gegenzug können sich Wirbelkanten vermehrt aufwerfen oder Sporne bilden – der neu angesetzte Knochen ist ein Versuch der Stabilisierung.

Allerdings sind der Folge auch entzündliche Veränderungen an den verschiedenen Kontaktstellen innerhalb der Wirbelsäule möglich: etwa zwischen Bandscheiben und Wirbeln (aktivierte Osteochondrose) oder an den kleinen Gelenken zwischen den Wirbeln, den sogenannten Facettengelenken. Nach Ruhephasen wird dann zum Beispiel häufig ein Steifigkeitsgefühl im Nacken verspürt. Wichtig: Hält das Gefühl der Versteifung im Rücken / Nacken morgens länger als 30 Minuten an, sollten man sich beim Arzt genauer untersuchen lassen.

Zudem treten häufig Nackenschmerzen auf, die auch in die Schulter ausstrahlen können. Der Arzt nennt das pseudoradikulär. Dies bedeutet, dass die Beschwerden nicht von gereizten Nervenwurzeln am Rückenmark ausgehen, was eher noch die günstige Variante ist. Dazu Folgendes: Die Nervenwurzeln treten paarig auf beiden Seiten im Wirbelkanal aus dem Rückenmark aus. Eine Wurzel (motorisch) liegt weiter vorne und schickt auszuführende Befehle an Organe, etwa Muskeln. Die andere Wurzel (sensibel) liegt weiter hinten und leitet Empfindungen aus dem Körper ans Gehirn weiter. Beide Wurzeln einer Seite vereinigen sich zum Rückenmarksnerv (Spinalnerv). Am  Hals bilden Spinalnerven die Reihe C 5 bis C 8 für Schulter, Brust, Hand und Arm. C steht für cervikal  (auch zervikal) und bezieht sich auf die entsprechenden Etagen  oder Segmente des Halsmarks. Jeder dieser C-Nerven ist also in einem bestimmten Bereich an Schulter, Arm und Hand für die Motorik und für Gefühlsempfindungen (Sensibilität) zuständig.

Manchmal engen knöcherne Veränderungen an Wirbeln den Wirbelkanal seitlich ein. Dann entstehende Symptome – Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühle, Kältegefühl, Muskelschwächen oder Lähmungen, also neurologische Defizite oder Ausfälle – beruhen auf beengten Nervenwurzeln (= radikulär). Der Arzt kann bei der Untersuchung in etwa feststellen, ob ein radikuläres Symptombild vorliegt (bei solchen Einengungen im Halswirbelbereich können die Schmerzen auch geringer ausgeprägt sein als die anderen Symptome). Doch können Gefühlsstörungen wie Kribbeln manchmal auch pseudoradikuläre Schmerzen begleiten.

Die Unterscheidung des Arztes zwischen pseudoradikulär und radikulär ist wichtig, da insbesondere bei Verdacht auf ein radikuläres Symptombild genauere Untersuchungen erfolgen müssen (siehe unten: "Nackenschmerzen: Diagnose").

Verschleiß kann verschiedene Probleme nach sich ziehen. Häufig sind es sogenannte Syndrome, das heißt mehrere Symptome gleichzeitig. Drei Beispiele:

  • 1. Akutes oder chronisches Nacken-Arm- oder Schulter-Arm-Syndrom (Radikulopathie = Nervenwurzelleiden, auch Halswirbelsäulensyndrom, zervikobrachiales Syndrom oder zervikales Wurzelsyndrom): Es löst einen "Nackenschuss" (Zervikalgie oder Zervikobrachialgie), den Hexenschuss am Hals, aus. Dieser kann relativ schnell wieder vergehen, manchmal aber auch für längere Zeit ein unangenehmer Begleiter sein. Falls verlagertes Bandscheibengewebe der Auslöser ist, findet dieses   sich meist seitlich und bedrängt so Nervenwurzeln ab C 5.   Bandscheibenvorfälle kommen jedoch an der Halswirbelsäule insgesamt   deutlich seltener vor als an der Lendenwirbelsäule.

    Symptome: Neben heftigen Nackenschmerzen mit erheblicher Muskelverspannung sind Schmerzausstrahlungen in Richtung Schulter und Arm möglich. Schmerzen können auch fehlen. Verdächtige Anzeichen für eine  Nervenwurzelreizung sind vor allem auch Muskelschwäche, Gefühlsstörungen  und Kältegefühl an bestimmten Stellen am Arm – von der Schulter bis zu  einzelnen Fingerspitzen kann jede Etage betroffen sein. Die Beschwerden  können zeitweise wieder vergehen und dann erneut, eventuell auch  verstärkt auftreten. Manchmal stellen sie sich nach besonders intensiven  Arbeitsphasen am Computer ein oder nach anderen übermäßigen – auch  plötzlichen – Belastungen der Halswirbelsäule. In der Nacht  können sie sich verstärken, eventuell auch bei Husten und Niesen oder  Wenden des Kopfes zur betroffenen Seite. Die Betroffenen versuchen  mitunter, dem Schmerz durch bestimmte Kopfhaltungen auszuweichen.
  • 2. Hals-Kopf-Syndrom (zervikozephales Syndrom): Dabei verursachen verschiedene Veränderungen an der Halswirbelsäule positionsabhängig Nackenschmerzen bis in den Hinterkopf sowie Durchblutungsstörungen im hinteren Kopfbereich. Diese können sich beispielsweise als Schwindel, Ohrensausen oder Augenflimmern äußern. Auch vegetative Symptome wie etwa Schwitzen an der Handinnenfläche sind möglich.

    Nur selten entwickelt sich ein sogenanntes Nacken-Zunge-Syndrom. Kennzeichnend  sind hier anfallsartige Schmerzen am Hinterkopf und im Nacken bei  plötzlichem Kopfdrehen. Dazu entsteht ein Gefühl, als ob eine  Zungenhälfte "eingeschlafen" ist. Zugrunde liegt vermutlich eine  Veränderung im Bereich des Kopfgelenkes, wodurch die obere Nervenwurzel C  2 gereizt wird.
  • 3. Halsmark-Syndrom (zervikomedulläres Syndrom, Myelopathie = Rückenmarksleiden): Dieses eher seltene Krankheitsbild geht mit unterschiedlichen Schädigungen bis hin zu Quetschungen des Rückenmarks im Halsbereich einher. Es entsteht entweder dadurch, dass Bandscheibengewebe sich in der Mittellinie zum Wirbelkanal hin etwas vorwölbt (Protrusion) oder vorfällt (Prolaps) und das Halsmark bedrängt. Oder wenn Knochenvorsprünge an den Wirbeln den Wirbelkanal immer mehr einengen (Fachbegriff: zervikale Spinalkanalstenose). Das kann auch durch das Zusammenwirken von verlagertem Bandscheibengewebe, verdickten Bändern an der Wirbelsäule und angebauten Knochen geschehen.

    Symptome: Eine akute Quetschung führt zur mehr oder minder ausgeprägten  Querschnittlähmung an Armen und Beinen. Sie ist ein Notfall und muss  innerhalb weniger Stunden operativ behoben werden. Langsamer sich  entwickelnde Schäden können Funktionsstörungen der Beine, etwa  Gangstörungen, sodann der Hände verursachen, etwa beim Greifen, Schreiben und anderen feinmotorischen  Bewegungen. Nach und nach können aber ebenfalls ernste Probleme wie eine Querschnittlähmung entstehen. Achtung: Nächtliche Schmerzen und eine Muskelschwäche im Schulter-Arm-Bereich sind auch bei Reizzuständen und Entzündungen in der Umgebung des Schultergelenks möglich (insbesondere, wenn man auf der entsprechenden Seite liegt).

 

! Achtung: Kurzfristiges Kribbeln und Taubheitsgefühle am Arm, die bald wieder abklingen, können mitunter nur eine Frage der Schlafposition sein. Wenn es ständig auftritt, sollte ein Arzt das überprüfen.

Füsse

Kribbeln und Taubheitsgefühle

Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen, Füßen und anderen Körperstellen kann auf Nervenprobleme oder Durchblutungsstörungen hindeuten – oder auf psychische Ursachen

Schleudertrauma der Halswirbelsäule

Verletzungen der Halswirbelsäule gehören ebenfalls zu den Ursachen für mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen. Wegen des großen Bewegungsspielraums der Halswirbelsäule kommen hier  Beschleunigungsverletzungen häufig vor.

  • Ein Beispiel  ist das Schleudertrauma,  auch Dezelerationstrauma der Halswirbelsäule genannt: Verletzung durch  abrupten Stopp einer schnellen Bewegung. Sofern keine größeren  Verletzungen, etwa von Wirbeln oder Bandscheiben vorliegen, entspricht  es praktisch einer Zerrung an der Halswirbelsäule. Die indirekt  einwirkenden Kräfte, die den Kopf erst nach hinten und dann nach vorne  werfen, sind zum Beispiel typisch für Auffahrunfälle.

    Symptome: Stunden oder Tage nach dem Ereignis  entwickeln bei einem (einfachen) Schleudertrauma meist sehr starke  Nackenschmerzen, eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der  Halswirbelsäule (steifer Hals), häufig auch Kopfschmerzen. Die Nackenschmerzen können in Schulter oder Arme ausstrahlen. Bei Bewegungen können sie sich verstärken.Daher nehmen viele Patienten eine Ausweich- oder Schonhaltung ein ("Schiefhals", siehe unten). Manche Betroffenen verspüren in der akuten Phase Übelkeit und Schwindel. Letzterer hält manchmal noch längere Zeit an.

    Etwa ein Fünftel der Betroffenen hat nach einem Jahr immer noch  Probleme mit dem Hals, meistens wegen Muskelverspannungen. Verschleiß  kann, muss aber nicht – als Verletzungsfolge – vorzeitig einsetzen oder  sich verstärken. Umgekehrt können Verletzungen bestehende  Verschleißprobleme verschärfen, sodass es beispielsweise in der Folge zu  einem Nacken-Arm-Syndrom (siehe oben) kommt. Oft ist es unmöglich,  Ursache und Wirkung voneinander zu trennen und die Beschwerden zu  objektivieren. Die gute Nachricht: Studien haben gezeigt, dass zum  Beispiel Betroffene, die angemessen von der Harmlosigkeit des  Beschwerdebildes informiert wurden und sich schnelle Besserung  versprachen, sich tatsächlich früher erholten als jene, die in der Folge  mit chronischen Schmerzen rechneten.

Akuter Schiefhals und unwillkürliche Bewegungsstörungen (Dystonien)

  •  Ein akuter schmerzhafter Schiefhals kann eine Extremform der  Muskelverspannung am Nacken sein. Bei Erwachsenen kann es zum Beispiel  ganz plötzlich durch eine Fehlbeanspruchung, "Zug" oder infolge eines  Schleudertraumas am Hals (siehe oben) dazu kommen.
  • Auch Seh-, Hör- oder Gleichgewichtsprobleme können zu einer  verdrehten oder schiefen Kopfhaltung führen. Auf Dauer sind dann  ebenfalls verspannungsbedingt Schmerzen möglich.

! Info: Zeichnet sich bei einem akuten Schiefhals unklarer Ursache nach  höchstens drei    Tagen keine Besserung ab, sollte ein Arzt hinzugezogen  werden, bei weiteren akuten Beschwerden natürlich umgehend.

  • Andere mögliche, wenn auch seltene Ursachen des Schiefhalses sind neurologische Störungen, zum Beispiel sogenannte fokale zervikale Dystonien,  früher Torticollis spasmodicus genannt. Fokale Dystonien bezeichnen  Bewegungs- und Haltungsstörungen eines Körperbereiches, hier am Hals  (zervikal). Bei einem Teil der Dystonien ist die Ursache unbekannt  (Fachbegriff: idiopathisch oder primär), es wird aber eine genetische  Komponente angenommen. Vermutlich liegt die Störung in einem bestimmen  Gehirnbereich, wo die Motorik gesteuert wird. Die zervikale Form die  häufigste.

    Symptome fokale zervikale Dystonie: Sie zeigt sich erstmals  im mittleren Erwachsenenalter, meist zwischen dem 30. und 50.  Lebensjahr. Zu Beginn kommt es häufiger zu starken  Muskelverspannungsschmerzen. Die unwillkürliche Bewegungsstörung  entsteht dadurch, dass Muskeln sich wiederholt und langsam  zusammenziehen. Manchmal treten aber auch rascher wechselnde  Muskelaktionen, sogenannte Myoklonien oder Zuckungen, auf. Auch Zittern gehört häufiger zu den Begleitsymptomen. Bei den oft sehr bizarr  anmutenden Bewegungen des Halses / Kopfes gibt es  beispielsweise solche  mit einer Dreh-, einer Rückwärts (Retro-) und  einer  Seitwärtskomponente.

    Prognose, Therapie: Das  Krankheitsbild wird als vergleichsweise günstig eingeschätzt. Neurologen  können nach Diagnosestellung mit örtlichen Injektionen von  Botulinum-Toxin helfen.
  • Mitunter können auch bestimmte Medikamente, zum Beispiel  Phenothiazine   (einige werden als Psychopharmaka eingesetzt), eine  Dystonie auslösen.

Weitere Ursachen mechanisch bedingter Nackenschmerzen

  • Die Nackensteifigkeit bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis)  entsteht durch reflexhafte Anspannung der Nackenmuskeln. Sie ist hier  jedoch eine zwanghafte "Schonhaltung" infolge der erheblichen Schmerzen,  die von der empfindlichen Hirnhaut ausgehen.
  • Auch bei  einem Abszess im hinteren Rachenraum (Retropharyngealabszess, siehe  unter  "Schwellung am Hals", Kapitel "Abszesse") kann es aufgrund von Schmerzen reflexartig zu einem  steifen Hals kommen.
  • Schilddrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium kann dazu führen, dass umliegendes Gewebe    geschädigt oder bedrängt wird und es dann, mechanisch bedingt, zu   Schmerzen im Hals- und Nackenbereich kommt. Zusätzlich können  vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich schuld daran sein. Sie können wiederum zahlreiche Ursachen haben.

Nicht mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen

Für diese Nackenschmerzart kommen verschiedene Ursachen infrage, die  das Bewegungssystem (mit-)betreffen. Dabei geht es in erster Linie um  Erkrankungen innerer Organe oder des Bewegungssystems selbst.

Rheuma: Sammelbegriff für vielfältige Krankheiten

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind systemische Krankheitsbilder, bei denen der Nacken meist nur eine der mitbetroffenen Körpergegenden ist: Systemisch bedeutet,  dass mehrere Organe erkranken können.

Beispiele hier:  die rheumatoide Arthritis (auch Rheuma; entzündliche Schädigung von Anteilen der oberen Halswirbelsäule, eventuell Instabilität) oder auch  die Bechterew-Krankheit und verwandte Krankheitsbilder mit Verknöcherungen und Versteifungen an  der Wirbelsäule. Dabei geht es um sogenannte  ankylosierende oder  axiale Spondyloarthritis beziehungsweise seronegative   Spondylarthropathien (kurz: SPA, mehr dazu im Kapitel "Bechterew &  Co." im  Beitrag "Schmerzen im Gesäß/Kreuz").

Zum anderen kommen bei Systemkrankheiten entzündliche Muskelschmerzen vor, zum Beispiel bei der sogenannten Polymyalgia rheumatica.  Diese  Erkrankung tritt hauptsächlich nach dem 50. Lebensjahr auf und  betrifft  Frauen deutlich häufiger als Männer.

Außer den Muskelschmerzen  im  Nacken-, Schulter- oder Hüftbereich und auffallender  Morgensteifigkeit  kann es zu schmerzhaften Entzündungen an den  Schultergelenken, ferner an  den Brustbein-Schlüsselbeingelenken sowie  an den  Handgelenken kommen. Damit sind jeweils entsprechend  lokalisierbare Schmerzen verbunden. Zugleich liegt  als systemische  Komponente oft eine entzündliche Gefäßerkrankung (Vaskulitis, hier:  sogenannte  Riesenzellarteriitis) vor.

Weitere Erkrankungen des Bewegungssystems, die den Nacken mitbetreffen können

Bei Nackenschmerzen sonst noch mögliche Ursachen reichen von Erkrankungen des Skeletts wie zum Beispiel der Osteoporose und eigenständigen (nicht rheumatischen) Muskelkrankheiten über bakterielle Entzündungen der Bandscheiben (Diszitis) oder Wirbel  (Spondylitis; beides eher selten) bis hin zu bösartigen Veränderungen.

Insgesamt fügen sich die Nackenschmerzen dann meist in eine Reihe  ernster Symptome ein, etwa deutliche Schmerzen am Rücken oder an den  Schläfen (Schläfen-Kopfschmerz), Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, Beschwerden an mehreren Gelenken und Skelettverformungen (eventuell auch durch spontane Brüche bedingt). 

Nackenschmerzen bei Migräne und anderen Kopfschmerzarten

Schließlich können Nackenschmerzen mitunter auch bei Spannungskopfschmerzen oder in zeitlichem Zusammenhang mit einer Migräne-Attacke  auftreten. Nicht immer lassen sich diese Kopfschmerzarten genau  voneinander abgrenzen.

Der Spezialist kann hier jedoch anhand der  Schmerzbeeinflussung durch verschiedene Faktoren und Medikamente  weiteren Aufschluss erhalten.

Übertragungsschmerzen am Nacken?

Dabei spielen unter anderem sogenannte  Triggerpunkte, schmerzhafte Stellen in  verspannten und verhärteten Muskeln, eine Rolle. Das Konzept: Triggerpunkte senden  Signale an nahe gelegene Schmerzempfänger (Nozizeptoren). Deren Meldungen erreichen auch Schaltstellen im Rückenmark, die noch andere Schmerzquellen registrieren, etwa innere Organe "in Not". Da die Signale gebündelt im zentralen Nervensystem (Rückenmark, Gehirn) nach bestimmten Prinzipien weiterverarbeitet werden, "verschwimmt" teilweise die genaue Quelle.

Übertragungsschmerzen werden also durch  bestimmte Nervenverschaltungen  nicht direkt am Ursprung, sondern weiter weg im Körper wahrgenammen.

Durch anhaltend aktive Schmerzempfänger ständig im Bewusstsein aufrechterhalten, kann der wahrgenommene Schmerz sich  verändern und festsetzen. Teilweise wird so aus einem zunächst  nozizeptiven ein neuropathischer, gewissermaßen von "leidenden Nerven"  ausgehender Schmerz.

Ein anderes Beispiel für Übertragungsschmerzen ist die Möglichkeit, dass bei krankhaften Vorgängen in einigen inneren Organen   Schmerzen  am  Rücken, zwischen den Schulterblättern oder im Nacken  auftreten.  Dazu kann es etwa bei einem Herzinfarkt kommen.

Neben anderen Warnsymptomen – häufig handelt es sich ja um  Akutsituationen bis hin zu Notfällen – mag der Umstand, dass solche  Schmerzen nicht von Bewegungen zum Beispiel des Halses abhängen, ein  Hinweis in die richtige Richtung sein.

Schmerzkrankheit Fibromyalgiesyndrom

Leitsymptom sind oft peinigende (Muskel-)Schmerzen in verschiedenen    Körperbereichen, darunter im Nacken. Die Betroffenen leiden zudem unter    verschiedenen anderen Symptomen, zum Beispiel nicht erholsamer  Schlaf,  Müdigkeit, körperliche und seelische Erschöpfung. Auch über   Morgensteifigkeit,  Konzentrations-  und Antriebsschwäche,   Wetterfühligkeit oder Schwellungen von Händen, Füßen und im Gesicht klagen sie häufiger.

Die Ursache ist noch nicht bekannt. Diskutiert werden Zusammenhänge  mit einer genetischen Veranlagung. Offenbar kommt es zu einer Schädigung  kleiner Nervenfasern. Ärzte sprechen dann von neuropathischen Schmerzen. Manchmal entwickelt sich ein  Fibromyalgiesyndrom im Anschluss an eine andere Erkrankung,  beispielsweise eine körperliche Verletzung oder ein seelisches Trauma,  eine Operation oder ein orthopädisches Krankheitsbild.

Prof. Nurcan Üçevler, Uniklinik Würzburg

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Eine Depression ist komplex – die Depression gibt es nicht

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Nackenschmerzen mit psychischem Hintergrund

Nacken-, Rücken- und Kreuzschmerzen wurzeln auch oft in der Psyche,  oder die Psyche greift irgendwann in das Schmerzgeschehen ein. So  fördert zum Beispiel starker Stress im Beruf oder auch in der  Partnerschaft Verspannungen, die sich unter anderem leicht auf den  Nacken niederschlagen können.

Wie auch immer: Psychisch verstärkt können sich Schmerzen verändern,   leider aber auch im Körper oder Kopf festsetzen. Dass seelische oder   sogenannte psychosoziale Faktoren – man könnte auch sagen: die   individuelle Persönlichkeit – mit darüber entscheiden, ob ein Rücken-   oder Nackenschmerz chronisch wird, ist seit langem bekannt.

Das soll   nicht heißen, dass hier immer bewusste Gedanken und Reaktionen Einfluss   nehmen. Bei psychischen Erkrankungen nämlich, etwa bei Depressionen,   können Schmerzen am Bewegungsapparat sogar das einzige Symptom sein,   während die psychische Grundstörung selbst verborgen bleibt und sich   auch dem Betroffenen selbst nicht erschließt.

Sodann gibt es auch psychisch geprägte (psychogene)   Weichgewebeschmerzen. Es sind subjektiv sehr stark erlebte Schmerzen im   Bereich von Sehnen, Muskeln, Nerven (Neuralgien) und Bindegewebe.   Krankhafte Veränderungen des Bewegungssystems sind zwar oft vorhanden,   erklären aber nicht das Ausmaß der emotional verstärkten Beschwerden.   Auch hier spielen psychosoziale Faktoren oft eine wichtige Rolle.

Röntgenaufnahmen & Co.: Halswirbelsäule im Fokus

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Nackenschmerzen: Diagnose

Grundsätzlich zuständig ist zunächst einmal der Hausarzt oder Orthopäde. Wenn nötig, werden Ärzte anderer Fachrichtungen hinzugezogen, etwa ein Neurologe oder Internist, eventuell mit weiterer Spezialisierung als Rheumatologe oder Endokrinologe (also ein Facharzt für innere Erkrankungen sowie Rheuma oder für hormonelle Störungen). Wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, ist eventuell auch ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (beziehungsweise für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder ein ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut) der richtige Ansprechpartner.

Unkomplizierte Nackenschmerzen mit vorwiegender Muskelverspannung diagnostiziert der Arzt klinisch. Das heißt, dass ihm das Beschwerdebild, die Krankengeschichte und der körperliche Befund bei fehlenden weiteren Symptomen vorerst aussagekräftig genug erscheinen. Bei der körperlichen Untersuchung stehen der Körperbau, die Beweglichkeit des Kopfes, Halses, der Schultern, Arme und der übrigen Gelenke im Mittelpunkt.

Der Arzt beurteilt den Spannungszustand der Muskeln, die Muskelkraft, die Muskelreflexe, die Berührungsempfindlichkeit. Er prüft, ob bestimmte Bewegungen des Kopfes oder Armes schmerzauslösend sind. Außerdem kontrolliert er, ob die Wirbelsäule beim Beklopfen irgendwo schmerzt oder ob sich bestimmte Punkte finden lassen, von denen bei sanftem Tastdruck Schmerzen ausgehen. Sodann kontrolliert er auch Mund und Rachen und erkundigt sich (sofern er den Patienten nicht selbst betreut) nach eingenommenen Medikamenten, etwa auch Kortison. Außerdem aufschlussreich: ein Schmerzfragebogen, den der Patient vom Arzt erhält und ausfüllt.

Bei Auffälligkeiten oder Komplikationen und je nach Ausprägung der dann vorhandenen Symptome werden mehr oder weniger dringlich weitere Schritte notwendig sein. Dies gilt vor allem bei:

  • Von Anfang an sehr starken Schmerzen, nicht abklingenden oder zunehmenden Schmerzen
  • Weiteren dringend abklärungs- und behandlungsbedürftigen Situationen wie Muskelschwäche, Gefühlsstörungen, Schwindel, Sehstörungen
  • Notfällen wie Lähmungen, Bewusstseinsstörungen, hohes Fieber, Krämpfe, Verdacht auf Herzinfarkt, Kollaps oder Schock
  • Verletzungen

Die weiterführende Diagnostik umfasst dann bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie zur Schichtbilddarstellung der (Hals-)Wirbelsäule, gegebenenfalls auch des Halses oder Kopfes, eventuell Untersuchungen der Gefäße am Hals mit dem Farbdoppler (Duplexsonografie), ferner Blutuntersuchungen, kardiologische Diagnoseverfahren und eine Untersuchung beim Neurologen. Wer dann letztlich die Therapie in die Hand nimmt, hängt von den jeweiligen Untersuchungsergebnissen ab. Geht es um eine Operation an der Wirbelsäule, fällt diese Aufgabe je nach Krankheitsgeschehen einem Neurochirurgen, orthopädischen Chirurgen oder Unfallchirurgen zu.

Beim Fibromyalgiesyndrom (siehe Abschnitt "Fibromyalgiesyndrom: Neuropathisch?" weiter oben) sind objektivierbare Zeichen noch nicht für die Diagnose etabliert. Daher ist diese nicht einfach zu stellen und bedarf des Experten, etwa eines Schmerztherapeuten. Angesichts der Symptomenvielfalt sind aber zunächst meist Fachärzte für Innere Medizin, Orthopädie und Neurologie gefragt, um andere Krankheiten auszuschließen.

Dies gilt auch für psychisch bedingte oder mitverursachte Weichgewebeschmerzen.

Brücke zum Üben: Manchmal hilft vorab etwas Wärme gegen verspannte Muskeln

Brücke zum Üben: Manchmal hilft vorab etwas Wärme gegen verspannte Muskeln

Nackenschmerzen: Therapie

Verspannungsbedingte Nackenschmerzen klingen meist von alleine nach wenigen Tagen bis Wochen wieder ab. Ein kurze Zeit eingenommenes einfaches Schmerzmittel wie zum Beispiel ein entzündungshemmendes Medikament in niedriger Dosierung (nicht steroidales Antiarheumatikum), sodann Auflegen von Wärmepackungen bei nicht entzündlichen Schmerzursachen können die Genesung beschleunigen. Andere in Entzündungsprozesse eingreifende Arzneimittel setzt der Arzt als Behandlung ein, wenn er eine entzündlich-systemische Krankheitsursache der Beschwerden feststellt. Die Wahl der Medikamente hängt jeweils von der genauen Diagnose ab.

Physikalische Anwendungen wie Strom- oder Ultraschallbehandlungen (Elektrotherapie) und Massagen verordnen Ärzte heute zurückhaltend. Die genannten Anwendungen können die Durchblutung und Stoffwechselprozesse im Gewebe fördern und entspannend wirken. Gelockerte Muskeln werden besser durchblutet, was Schmerzen lindern helfen kann. Aussagekräftige Studienergebnisse zur gründlichen Nutzenbewertung fehlen allerdings.

Halskrawatten (Zervikalstützen, Cervicalorthesen) gibt es zu verschiedenen Zwecken: Ruhigstellung, Mobilisierung, Stabilisierung der Halswirbelsäule (HWS). Nach einem einfachen Schleudertrauma beispielsweise ist man von entsprechenden Modellen zur Stabilisierung weitgehend abgekommen, da inaktive Muskeln nur weiter geschwächt werden. Mögliche Einsatzgebiete zur Ruhigstellung (Immobilisierung) sind bestimmte Arten von Instabilitäten an der HWS, etwa bei entzündlichen Schädigungen im Rahmen axialer Spondyloarthropathien wie der Bechterew-Krankheit oder bei andersartigen Entzündungen von Wirbeln. Ausführungen, bei denen schrittweise auch eine Mobilisierung möglich ist, können bei bestimmten Verletzungen der HWS, etwa stärkeren Distorsionen, hilfreich sein.

Physiotherapie (Übungsbehandlung) wird der Arzt vor allem bei subakuten oder chronischen Schmerzen verordnen, etwa für Patienten, die mehr als vier Wochen unter Nackenschmerzen leiden. Verspannte Muskeln sind verkürzt und sollten daher gedehnt und gekräftigt werden. Dann sind sie bald auch wieder beweglicher. Durch passende Übungen ist dies sanft, aber gezielt möglich. Überhaupt ist in die Therapie wörtlich viel aktive Bewegung gekommen. Die Physiotherapie ist nicht nur bei unspezifischen, funktionellen Nackenschmerzen wichtig, sondern zum Beispiel auch bei Krankheitsbildern, die in die Gruppe der Arthrosen oder aber Spondyloarthropathien gehören wie etwa die Bechterew-Erkrankung. Nebenbei kann man lernen, die Haltung zu optimieren. Auch meditative Bewegungstherapien eignen sich teilweise gut, zum Beispiel bei Fibromyalgiesyndrom.

Zu den Entspannungsverfahren gehört auch die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Mit Anspannungs- und Entspannungsübungen soll der Betroffene Tiefenentspannung erfahren und so zu mehr Ruhe zu kommen. Biofeedback ermöglicht es, den Spannungszustand von Muskeln und die Hauttemperatur zu messen und die Daten zur Erfolgskontrolle beim bewussten Entspannen einzusetzen.

Bei einer überlagernden Depression können psychotherapeutische Therapieansätze, eventuell kombiniert mit einem Antidepressivum, zum Einsatz kommen. Dies sollten Sie mit Ihrem Hausarzt, Orthopäden oder einem Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie klären.

Chirotherapie oder Manuelle Medizin findet im Halsbereich eher zurückhaltend Anwendung. Chiro- oder Manualtherapeuten setzen Weichteiltechniken, Manipulation und Mobilisation, außerdem eine sogenannte neuromuskuläre Therapie ein. Vor einer Manipulation am Hals müssen auf jeden Fall kritische  Veränderungen an der Wirbelsäule und eine Reihe weiterer Gegenanzeigen ausgeschlossen werden. Man sollte immer nur den kundigen Arzt oder Physiotherapeuten nach ärztlicher  Verordnung an den Hals heranlassen.

Bei einer Bechterew-Erkrankung der Wirbelsäule soll zum Beispiel keine Manipulationstechnik angewandt werden. Ein sinnvolles Einsatzgebiet kann zum Beispiel eine schmerzhafte Muskelverspannung sein, etwa als "akuter Schiefhals" ohne bestehende Schäden der Halswirbelsäule. Vorsichtig-mobilisierende Verfahren, möglichst immer in Verbindung mit einer Übungsbehandlung, sollen gemäß einer Leitlinie (siehe Abschnitt "Fachliteratur") manipulierenden Maßnahmen vorgezogen werden.

Zu den mobilisierenden Techniken gehört unter anderem die sogenannte postisometrische Relaxation. Dabei dehnt der Physio- oder Manualtherapeut zu behandelnde Muskeln im Zustand der Entspannung, die auf eine Anspannung gegen gezielten Widerstand folgt.

Liegt den Nackenschmerzen eine andere Erkrankung zugrunde, so behandelt der Arzt diese so gezielt wie möglich.

Verspannungen am Hals lösen: Sanft mit dem Kopf Widerstand gegen den Druck der Hand ausüben, dann die Seite wechseln

Verspannungen am Hals lösen: Sanft mit dem Kopf Widerstand gegen den Druck der Hand ausüben, dann die Seite wechseln

 Tipps für einen entspannteren Nacken

  • Finden Sie innerlich Abstand zum "kranken" Nacken, nehmen Sie ihn an und richten Sie den Blick zuversichtlich nach vorne.
  • Wärmeanwendungen, etwa mithilfe von Rotlicht, durchblutungsfördernden Salben oder Wärme-Pflastern (Wirkstoffe sind beispielsweise Nonivamid, Cayenne-Pfeffer; Beratung in der Apotheke empfehlenswert) können unter anderem bei schmerzhaften Muskelverspannungen und -zerrungen hilfreich sein. Fragen Sie dazu auch Ihren Arzt und Apotheker.
  • Vermeiden Sie Überlastungen, aber auch übertriebene Schonung wie etwa Bettruhe.
  • Beginnen Sie langsam mit leichten Übungen zur Muskeldehnung unter Anleitung eines/r Physiotherapeuten/in, die Sie dann regelmäßig fortführen und steigern.
  • Korrigieren Sie gegebenenfalls Ihre Haltung unter Anleitung eines/r Physiotherapeuten/in, und lernen Sie, wie Sie Ihren Hals entspannen können.
  • Stress sollten Sie so gut wie möglich meiden, abbauen oder ausgleichen.
  • Arbeiten Sie in einer wirbelsäulenfreundlichen Sitzposition (ergonomischer Arbeitsplatz, regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen nicht vergessen).
  • Meiden Sie Zugluft und Feuchtigkeit, schützen Sie Nacken und Hals vor Kälte.
  • Wählen Sie eine optimale Matratze, und sorgen Sie eventuell auch für einen flachen Ausgleich der Nackenwölbung.
  • Eine Fehlsichtigkeit (siehe unter Spezial: "Augen") sollten Sie korrigieren lassen.

Weitere Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie von Nackenschmerzen finden Sie außerdem im Beitrag "Rückenschmerzen" in den Kapiteln "Andere Ursachen: spezifisch", "Therapie: spezifisch" und "Selbsthilfe".

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Fachliteratur zu diesem Ratgeber

Grifka J,  Kuster M (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Auflage, Berlin-Heidelberg Springer-Verlag, 2011

Robert-Koch-Institut, Berlin (Hrsg.): Rückenschmerzen, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53, Dez. 2012

Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. (Herausgeber): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms; 2. Aktualisierung, 2017; AWMF-Register Nr. 145/004, S3-Leitlinie.
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-004l_S3_Fibromyalgiesyndrom_2017-12.pdf (Abgerufen am 30.05.2019)

Patientenversion der wissenschaftlichen Leitlinie:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-004p_S3_Fibromyalgiesyndrom_2017-03.pdf

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Pressemitteilung Fibromyalgie - Organische Ursache:
https://www.dgn.org/presse/pressemitteilungen/2616-fibromyalgie-organische-ursache-statt-psychisches-problem-was-koennen-patienten-nun-erwarten (Abgerufen am 30.05.2019)

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Dystonie. In: Extrapyramidalmotorische Störungen, Leitlinie Nr. 030/039, 2012. Online: https://www.dgn.org/component/content/article/45-leitlinien-der-dgn-2012/2389-ll-11-2012-dystonie.html?q=zervikale+dystonie (Abgerufen am 30.05.2019)

Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und der beteiligten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften und weiterer Organisationen: Langfassung zur S3-Leitlinie "Axiale Spondylarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen", AWMF-Leitlinien Register Nummer 060/003, November 2013. Online:https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/060-003l_S3_Axiale_Spondyloarthritis_Morbus_Bechterew_2013-11.pdf (Abgerufen am 28.03.2018)

Nackenschmerzen. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), DEGAM-Leitlinie Nr. 13, AWMF Register Nr. 053/007, Stand: Juni 2016 bis Juni 2021. Online:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-007.html (Abgerufen am 30.05.2019)

Hansraj KH: Assessment of stresses in the cervical spine caused by posture and position of the head. Surg Technol Int. 2014 Nov; 25:277-9 (Abgerufen am 28.03.2018)

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