Was ist Durchfall überhaupt?

Durchfall (Diarrhö) wird durch die Stuhlfrequenz und -beschaffenheit bestimmt. Schon im Normalfall ist beides von Mensch zu Mensch verschieden. Während der eine ständig mit Verstopfung kämpft oder froh ist, wenn er alle zwei Tage Stuhlgang hat, geht ein anderer täglich zu diesem Zweck zur Toilette.

Besonders groß ist die Variationsbereite bei Babys: Fünfmal am Tag Stuhlgang bis einmal alle fünf Tage ein großes Geschäft ist ganz normal. Obwohl viele Betroffene überzeugt sind, Durchfall zu haben, erfüllt etwa ein dünner oder breiiger Stuhl allein noch nicht die Kriterien dafür. Voraussetzung ist, dass mehrfach am Tag – mindestens dreimal – Stühle verminderter Konsistenz entleert werden. Meistens ist das Stuhlvolumen und -gewicht dabei erhöht.

Verdauungstrakt in Aufruhr? Meist geht es ja schnell vorbei

Verdauungstrakt in Aufruhr? Meist geht es ja schnell vorbei

Dünnflüssigen Stuhl kennt eigentlich jeder. Kommt Erbrechen dazu und geht es einem dabei allgemein nicht so gut, steckt häufig eine Magen-Darm-"Grippe" oder ein Magen-Darm-Infekt dahinter. So elend man sich dabei fühlt, so schnell ist man meistens auch wieder auf den Beinen: Ein, zwei Tage Schonkost, dazu viel trinken, und das Ganze ist ausgestanden.
Doch es kann auch anders kommen. Bei starkem Durchfall verliert der Körper große Mengen Wasser, Salze und Verdauungssäfte über den Darm, wenn nicht gegengesteuert wird. Ohne Behandlung besteht die Gefahr der Austrocknung (Dehydratation). Vor allem bei Älteren und Kindern kann das rasch passieren und auch bedrohlich werden.

Nährstoffaufnahme im Darm: Teamwork der Verdauungsorgane

(interaktive Grafik)

Die Stationen der Verdauung

Um mehr zu erfahren, bitte auf die Punkte 1 bis 7 tippen

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Über den Daumen gepeilt: Wo im Darm könnte die Ursache liegen?

Je nachdem, wie der Stuhl beschaffen ist, lässt sich grob abschätzen, wo sich die Quelle des Übels befinden könnte. Sehr wässrige und voluminöse, möglicherweise schaumige Stühle, eventuell noch unverdaute Nahrungsreste enthaltend, lassen auf den Dünndarm schließen. Zeigt sich Stuhl wiederholt in kleinen Mengen, eventuell mit Blut- oder Schleimauflagerungen und vermehrtem Stuhldrang, kann das Problem im Dickdarm beziehungsweise Enddarm liegen.

Wie kommt es zu Durchfall?

Im Wesentlichen sind zwei Mechanismen verantwortlich:
- Entweder gibt der Darm infolge einer Entzündung vermehrt Wasser und Salze, eventuell auch Schleim und Blut ab. Die damit verbundene, sekretorisch genannte Diarrhö hört durch Fasten nicht auf. Dazu kommt es zum Beispiel, wenn Viren oder Bakterien im Spiel sind.

- Oder es verbleiben Stoffe im Darm, etwa Stärke und Fett aus der Nahrung, die Flüssigkeit binden und zu einer osmotischen Diarrhö führen. Osmose bedeutet, dass es zu einem Verdünnungseffekt im Darm kommt. Diese Art Durchfall hört nach Fasten auf. Auslöser kann hier zum Beispiel eine Aufnahmestörung von Kohlenhydraten wie Fruchtzucker oder Milchzucker sein (siehe wiederum Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)").

Durchfall: Akut oder chronisch?

Mediziner unterscheiden bei Durchfall zwischen einer akuten (bis zu zwei Wochen Dauer), einer anhaltenden (zwei bis vier Wochen Dauer) und einer chronischen Diarrhö (Dauer von mehr als vier Wochen).

Hinter dem plötzlich einsetzenden und meist nur wenige Tage dauernden akuten Durchfall steckt fast immer eine Infektion mit Krankheitserregern, am häufigsten Viren oder Bakterien. Typisches Beispiel ist der Reisedurchfall. In unkomplizierten Fällen erübrigen sich ärztliche Untersuchungen hier in aller Regel.

Gut zu wissen ...

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Bei anhaltendem oder chronischem Durchfall kommen verschiedene, mitunter auch ernsthafte Krankheiten als Ursache infrage. Natürlich beginnt auch eine chronische Durchfallerkrankung irgendwann einmal mehr oder weniger akut. Die Symptome sind hier jedoch meist über mehr als zwei bis vier Wochen, wiederholt oder in Schüben vorhanden. Zwischendurch können sie wieder abklingen.

Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung wie die Colitis ulcerosa beispielsweise kann anfangs eine akute Darminfektion nachahmen. In anderen Fällen sind die Darmbeschwerden eine Frage der Ernährung und bessern sich, wenn etwa Brot und Brötchen, Kekse und Müsli, Nudeln, Pizza und das Bier vom Speisezettel verschwinden. Zu vermuten steht, dass hier zum Beispiel eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) oder eine Weizenunverträglichkeit (genauer: Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizen­unverträglichkeit, auch ATI-Sensitivität) dahintersteckt. Aber diese Vermutungen bedürfen natürlich der Klärung.

Durchfall: Rechtzeitig zum Arzt

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Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Eine Diarrhö, die akut in sehr heftiger Form, anhaltend oder chronisch auftritt (siehe vorhergehender Abschnitt), ist mehr als nur eine lästige Unregelmäßigkeit. Konkret: Wenn Durchfall länger als drei Tage dauert oder sehr ausgeprägt ist, bitte einen Arzt hinzuziehen. Geht es um ein Baby, ein Kleinkind oder einen älteren Menschen, holen Sie den Kinderarzt beziehungsweise Arzt schon früher. Bei Fieber, starken Bauchschmerzen und Erbrechen ist umgehend bis notfallmäßig ärztliche Betreuung gefragt. Dasselbe gilt, wenn der Stuhl sehr blutig ist, ebenso natürlich bei Verdacht auf eine Vergiftung.

Neben den Fragen des Arztes zur Krankengeschichte (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung sind mitunter auch gezielte Untersuchungen angesagt: Stuhl- und Blutuntersuchungen, eine Darmspiegelung, andere technische Diagnoseverfahren (siehe Kapitel ").

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Durchfall "plus...": Begleiterscheinungen, Folgeprobleme

Kommt es zu massiven, breiigen, fettglänzenden, schlecht wegspülbaren Stühlen, ist das nicht ganz dasselbe wie Durchfall. Aber normal ist es auch keinesfalls. Vielmehr kann es sich um sogenannte Fettstühle handeln. Dazu kommt es, wenn die Fettverdauung gestört und die Fettausscheidung im Stuhl erhöht ist. Definitionsgemäß ist das der Fall, wenn täglich mehr als sieben Gramm Fett ausgeschieden werden. Ärzte sprechen dann von Steatorrhö.

Dass Fettstühle ebenso wie chronische, wässrige Durchfälle auf die Dauer Folgeprobleme verursachen können, ist nicht verwunderlich. Je nach zugrunde liegender Erkrankung kann es nämlich passieren, dass neben Fetten weitere Nährstoffe – Kohlenhydrate, Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente – unzureichend aufgenommen werden. Ärzte sprechen dann von einem Malassimilationssyndrom. Dabei sind vielfältige Beschwerden und Störungen möglich. Wachstumsprobleme bei Kindern, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schwellungen, Muskelschwäche, Missempfindungen und Blutarmut sind nur einige davon.

Ursächlich infrage kommen zum Beispiel Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Darmerkrankungen wie Morbus Cohn, die auch zum Verlust von Gallensäuren führen, eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder die Zöliakie mit Glutenunverträglichkeit (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)").

Akute, heftige (Brech-)Durchfälle können wegen des Flüssigkeitsverlusts zu Austrocknung (Dehydratation) führen, erst recht bei Fieber. Damit steigt das Risiko von Kreislaufstörungen, Thrombosen und Embolien (Blutgerinnsel, die zum Beispiel in eine Lungenader geraten und sie verstopfen können), Nierenversagen und Schock.

Durchfall kann auch im Wechsel mit Verstopfung auftreten. Der Arzt wird solchen Beschwerden immer genau nachgehen, um beispielsweise eine chronische Darminfektion, etwa mit Amöben, einen Reizdarm oder eine Geschwulsterkrankung des Darms auszuschließen. Bei einem Reizdarm ist der Darm übrigens nachts im Allgemeinen friedlich, es treten also keine nächtlichen Durchfälle auf.

Nach infektiösen Durchfallerkrankungen durch Keime wie Campylobacter, Salmonellen, Shigellen oder Yersinien kann sich unter anderem eine rheumaähnliche Gelenkentzündung entwickeln.

Typhus ist ein Beispiel für eine Infektion, die zahlreiche Organe erfasst. Als solches ist sie eine Allgemeininfektion, die bei unzureichender Behandlung lebensbedrohlich werden kann. Erreger sind Typhus-Salmonellen. Ein typisches Symptom seitens des Darms sind die "erbsbreiartigen" Durchfälle. Die Erkrankung wird überwiegend auf Auslandsreisen (ohne Impfschutz) erworben, derzeit am häufigsten in Indien.

Weiteres Problem bei Durchfall: Er kann die Aufnahme von Medikamenten aus dem Darm stören.

Fazit: Alles dies ist Grund genug, rechtzeitig zum Arzt zu gehen.

Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane

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Neben den Fragen des Arztes zu möglichen Infektionsquellen (Essen, Durchfallerkrankungen bei Familienmitgliedern, im persönlichen Umfeld, am Arbeitsplatz), und zur Krankengeschichte (Anamnese) sowie der körperlichen Untersuchung sind mitunter auch gezielte Untersuchungen angesagt: Stuhl- und Blutuntersuchungen, Untersuchungen von Essensresten, eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches, gegebenenfalls auch eine Darmspiegelung und andere technische Diagnoseverfahren (siehe Kapitel ").

Durchfall: Die wichtigsten Ursachen auf einen Blick

Ursachen von akutem Durchfall (1):

  • Akute Darminfektionen einschließlich Reisedurchfall
  • Lebensmittelvergiftung
  • Pilzvergiftung
  • Vergiftung mit Chemikalien

Ursachen von akutem Durchfall (2):

  • Angst, Stress
  • Koffein, Tein
  • Medikamente (zum Beispiel Abführmittel, alle Antibiotika, weitere Arzneimittel)
  • Gefäßverschluss des Darms
  • Strahlenbehandlung (akute Strahlenkolitis)

 Ursachen von chronischem Durchfall (1)*:

Ursachen von chronischem Durchfall (2)*:

  • Reizdarm
  • Entzündete Darmdivertikel (Divertikulitis)
  • Chronischer Alkoholmissbrauch
  • Durchblutungsstörungen des Darms (ischämische Kolitis)
  • Tumoren und Polypen
  • Durchfall nach Magen-Darm-Operationen
  • Strahlenbehandlung (chronische Strahlenkolitis)
  • Hormonell aktive Tumoren
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • Nebennierenrindenunterfunktion
  • Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2
  • Arzneimittel (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen akut (2)")

*Eine Nahrungsverwertungsstörung (Malassimilationssyndrom), eventuell mit Fettstühlen (Steatorrhö), ist bei vielen hier genannten Krankheiten und Umständen möglich.

Die Liste beansprucht keine Vollständigkeit. Weitere Kapitel in diesem Beitrag informieren Sie näher über die hier gelisteten Ursachen sowie über Diagnose und Therapie bei Durchfall.

Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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