Eigentlich klingt es mehr als zufriedenstellend: Rund 95 Prozent aller Schulanfänger in Deutschland sind gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Allerdings – der Impfschutz gegen viele Infektionen ist nicht von Dauer.

Warum müssen Impfungen aufgefrischt werden?

"Auffrischimpfungen sind nötig, da die Menge der schützenden Antikörper mit der Zeit abnimmt", erklärt Dr. Christian Schönfeld, Impf­experte am Tropeninstitut der Berliner Charité. Doch mit zunehmendem Alter sinkt die Impfquote deutlich, wie die Zahlen der DEGS-1-Studie, die das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) erhoben hat, zeigen.

So sind ungefähr ein Viertel der Menschen zwischen 18 und 79 Jahren nicht mehr ausreichend gegen Tetanus geimpft, knapp die Hälfte hat keinen genügenden Schutz gegen Diphtherie, und nur jeder Zehnte aus dieser Altersgruppe ist noch immun gegen Keuchhusten. Der Grund: Viele Menschen denken schlicht und einfach nicht daran. "Leider werden auch nicht alle von ihren Ärzten gezielt auf Impfungen angesprochen oder aufgefordert, ihre Impfbücher beim nächsten Besuch mitzubringen", sagt Dr. Schönfeld.

Wie oft brauche ich eine Auffrischung?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Erwachsenen Auffrisch­impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten im Abstand von zehn Jahren. "Dieser Zeitraum hat sich als praktikabler Mittelwert erwiesen", sagt Professor Gérard Krause, Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Wie lange die Wirkung einer einzelnen Impfung tatsächlich vorhalte, sei nämlich individuell unterschiedlich.

Meistens wird eine Kombinationsimpfung verwendet, die  gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten gleichzeitig wirkt.  Einzelimpfungen seien kaum noch auf dem Markt, so Dr. Schönfeld.

Noch besser sind Vierfach-Impfstoffe, die zusätzlich Antikörper  gegen Kinderlähmung (Polio) enthalten. Zwar gilt die  Infektionskrankheit als weitgehend ausgerottet, doch in manchen Ländern  Asiens und Afrikas tritt sie immer wieder auf. So empfiehlt die  Impfkommission eine Polio-Auffrischung, wenn Reisen in betroffene Länder  geplant sind und die letzte Impfung gegen Kinderlähmung mehr als zehn  Jahre zurückliegt. "Solange Polio nicht ausgerottet ist, wird weiterhin  geimpft werden müssen", meint Gérard Krause.

Was mache ich, wenn ich eine Impfung vergessen habe?

Liegen mehr als zehn Jahre zwischen den Impfungen, muss nicht wieder neu mit der Impfung begonnen werden. Eine verspätete Auffrischung kann den Impfschutz wieder herstellen – allerdings ist der Körper in der Zwischenzeit eben nicht gegen die Erreger geschützt, so Professor Krause.

Eindeutig ist: Allgemein auf einen Impfschutz zu verzichten, ist    lebensgefährlich. So können Tetanus-Erreger bereits bei    Bagatellverletzungen wie Schürfwunden bei der Garten­arbeit in den    Körper eindringen und dort tödliche Giftstoffe produzieren.

Auch    Diphtherie ist eine Krankheit, die noch lange nicht besiegt ist. Die    schwere Infektion des Atemtrakts tritt in Deutschland zwar sehr selten    auf, wird aber manchmal aus dem Ausland eingeschleppt. Menschen,    die in Entwicklungsländer reisen,  können die Krankheit   nach Europa bringen. Tückisch dabei: Manche  Infizierte zeigen keine   Symptome, können aber ungeimpfte Menschen in  ihrer Umgebung anstecken.

Keuchhusten wird ebenfalls häufig unterschätzt, er gilt noch immer als    typi­sche Kleinkinderkrankheit. "Die Infektion tritt aber nicht nur bei    Kindern auf", warnt Christian Schönfeld. Eine lang anhaltende Immunität nach einer überstandenen Erkrankung gebe es nicht. Besonders  empfiehlt   er Erwachsenen eine Auffrischung, wenn sie Kontakt zu  kleinen Kindern   haben.

Welche Impfungen sind sonst noch wichtig für Erwachsene?

Pneumokokken: Menschen ab 60 Jahren rät die Impfkommission zu einer Impfung gegen die Erreger der Lungenentzündung. Bei bestehenden Immundefekten sind zwei Impfungen auch bei Unter-60-Jährigen und eine Auffrischung im Abstand von sechs Jahren erforderlich.

Masern: Eine Impfung wird allen Erwachsenen empfohlen, die nach 1970 auf die Welt kamen, bei denen der Impfstatus unklar ist oder die höchstens eine Impfung in ihrer Kindheit hatten.

Grippe: Die Grippeschutzimpfung sollten alle Menschen ab 60 Jahren sowie bestimmte chronisch Kranke in Anspruch nehmen. Ratsam ist sie unter anderem auch für alle, die beruflich mit vielen Menschen in Kontakt kommen oder mit immungeschwächten Patienten zu tun haben sowie für Schwangere. Die Impfung muss jedes Jahr aufgefrischt werden, um gegen neu auftretende Virusstämme wirksam zu sein.

Gürtelrose: Auch für diese Erkrankung empfiehlt die Impfkomission allen Menschen ab 60 Jahren eine Impfung. Personen mit Grundkrankheiten, die das Risiko erhöhen oder Immunschwäche sollten sich bereits ab einem Alter von 50 Jahren impfen lassen.

Sonstige: Bestimmte Personengruppen können auch von Impfungen gegen Hepatitis A und B, gegen die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) oder andere Erkrankungen profitieren. Lassen Sie sich vom Arzt beraten.

Einen Überblick über alle Impfempfehlungen der STIKO können Sie hier herunterladen:

Erfahren Sie mehr über das Thema Impfen:

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Impfungen für Kinder und Erwachsene

Wie funktioniert eine Impfung eigentlich? Wir oft muss man auffrischen? Was zahlt die Kasse? Antworten auf häufige Fragen rund um das Thema Impfen sowie der Impfkalender der Ständigen Impfkomission