Dieser Artikel gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder. Er wird regelmäßig nach den neuesten Kenntnissen aktualisiert.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist für die Menschheit vergleichsweise neu. Erst vor gut einem Jahr gab es erste Fälle beim Menschen. Unser Immunsystem muss sich erst dagegen wappnen und Impfstoffe benötigen in ihrer Entwicklung viel Zeit. Inzwischen haben verschiedene Länder Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt, wie die durch das Virus ausgelöste Erkrankung heißt. Wir stellen die wichtigsten für Deutschland vor.

Welche Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 sind schon zugelassen?

Am 21.12.2020 wurde von der Europäischen Kommision für den erste Impfstoff eine bedingte Zulassung erteilt. Es ist der mRNA-Impfstoff BNT162b2 von BioNTech/Pfizer, der in Deutschland entwickelt wurde. In der EU wird er unter dem Namen "Comirnaty" vermarktet.

Am 06.01.2021 erfolgte eine weitere bedingte Zulassung eines Impfstoffes in der EU. Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen mRNA-Impfstoff des US-Unternehmens Moderna.

Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca erhielt Ende Januar die Zulassung. Er war damit der dritte in der EU zugelassene Impfstoff gegen COVID-19. Momentan ist er in Deutschland nur zur Impfung von Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Am 15. März wurde die Impfung mit AstraZeneca in Deutschland ausgesetzt, da es zu diesem Zeitpunkt in sieben Fällen (bei etwa 1,6 Millionen verabreichten Impfdosen) im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung zur Entwicklung einer Sinusvenenthrombose (Hirnvenenthrombose) gekommen war. Nach Bewertung der Fälle durch die EMA (Europäische Arzneimittelagentur, European Medicines Agency) wurde die Impfung mit AstraZeneca wieder aufgenommen. Aufgrund einiger weiterer Fälle von Sinusvenenthrombosen gilt seit 01. April 2021 in Deutschland eine geänderte Impfempfehlung: In der Regel soll AstraZeneca nur noch Menschen ab 60 gespritzt werden.

Das Paul-Ehrlich-Institut weist darauf hin, dass Personen, die den COVID-19-Impfstoff AstraZeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen - zum Beispiel mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen – sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben sollten.

Mitte März erhielt auch ein vierter Impfstoff die Zulassung von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA: das Präparat des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson. Dieser Impfstoff muss im Vergleich zu den drei anderen Imfpstoffen nur einmal verabreicht werden. Das Unternehmen verzögert nun jedoch den Marktstart des Impfstoffes in Europa, weil auch bei diesem Impfstoff Berichte über Sinusvenenethrombosen eingegangen sind. (dazu auch der Abschnitt „Welche Nebenwirkungen sind derzeit bekannt?“)

Was ist eine mRNA-Impfung?

Bei einer mRNA-Impfung verabreicht man einem Menschen gezielt bestimmte Teile des Coronavirus-Genoms in Form einer Boten-RNA. Dadurch bilden sich in dessen Körper bestimmte, für das Coronavirus typische Eiweiße, die zwar harmlos sind, gegen die der Körper aber sofort Antikörper bildet. Man leitet damit den menschlichen Körper quasi an, seinen eigenen Impfstoff zu produzieren. Auf diese Weise ahmt man also die natürliche Virusinfektion nach und aktiviert den körpereigenen Abwehrmechanismus, ohne eine Ansteckung zu riskieren. Was genau im Körper bei der mRNA-Impfung passiert, erklärt unser Video:

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Wie wirksam sind die mRNA-Impfstoffe?

Nach derzeitigem Kenntnisstand sind etwa 95 von 100 geimpften Menschen sieben bis vierzehn Tage (je nach Impfstoff) nach der zweiten Impfung vor Covid-19 geschützt. Wie lange der Impfschutz anhält, ist momentan noch nicht bekannt. Vermutlich scheiden Geimpfte, wenn sie sich trotz Impfung mit SARS-CoV-2 infizieren sollten weniger Viren aus als Ungeimpfte. Dennoch ist laut Robert Koch-Institut davon auszugehen, dass man sich trotz Impfung infizieren kann und dann auch das Virus ausscheidet. Deshalb sollten auch Menschen mit Impfschutz weiterhin auf die Hygieneregeln achten.

Welche Nebenwirkungen sind derzeit bekannt?

Bekommt man eine Impfung, setzt sich das Immunsystem danach mit dem Impfstoff auseinander. Das kann zu sogenannten Impfreaktionen an der Einstichstelle führen, wie Schmerzen und Rötung. Es kann auch zu weiteren Nachwirkungen im Körper kommen, zum Beispiel zu einem leichten Grippegefühl und zu Erschöpfung. Das ist Ausdruck der Immunantwort des Körpers.

Die mRNA-Impfstoffe können laut Paul-Ehrlich-Institut nach derzeitigen Erkenntnissen unter anderem zu Schmerzen an der Einstichstelle, zu Erschöpfung, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Magen-Darm-Problemen führen. Diese Beschwerden sollten nach wenigen Tagen wieder verschwinden. In einzelnen Fällen ist es zu schweren allergischen Reaktionen gekommen.

Beim Impfstoff von AstraZeneca traten neben Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber und Erschöpfung in sehr seltenen Fällen Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen, sogenannte Sinusvenenthrombosen, im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auf.

Wer wird gerade in Deutschland geimpft?

Als erste sollen Personengruppen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe die Impfung erhalten - sowie Gruppen, die beruflich besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu Risikogruppen haben. Konkret sind das:

  • Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen
  • Menschen über 80 Jahre
  • medizinisches Personal, das die Hochrisikogruppen betreut oder selbst ein hohes Risiko hat, sich mit dem Coronavirus anzustecken

Die Impffortschritte sind je nach Region unterschiedlich. Auch Menschen über 70, Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen Krebsleiden bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Schwangeren oder Pflegebedürftigen werden beispielsweise teilweise schon geimpft.

Wie viele Menschen wurden in Deutschland schon geimpft?

Eine Karte des Robert Koch-Instituts gibt an, wieviele Prozent der Menschen in den Bundesländern schon eine Erstimpfung und Zweitimpfung gegen das Coronavirus erhalten haben.

Weitere Zahlen und Statistiken rund um den Fortlauf der Massen-Impfung finden Sie auch unter dem Impfdashboard des Gesundheitsministeriums, unter anderem zu den täglich verabreichten Impfdosen und Impfstoff-Lieferungen.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat die Smartphone-App SafeVac 2.0 entwickelt, damit Geimpfte digital Auskunft darüber geben können, wie sie die Impfung vertragen haben. Somit können Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv dazu beitragen, weitere Erkenntnisse über COVID-19-Impfstoffe zu gewinnen.

Wie soll die Impfung beim Hausarzt ablaufen?

Seit dem 6. April 2021 werden Menschen nicht mehr nur in Impfzentren, sondern auch in hausärztlichen Praxen geimpft. Wie diese die Impfung beziehungsweise die Terminvergabe organisieren, ist jeder Praxis selbst überlassen. So können die Ärztinnen und Ärzte gezielt mit den Patientinnen und Patienten Termine ausmachen, die in einer hohen Priorisierungsgruppe stehen und bei denen ein schwerer Krankheitsverlauf wahrscheinlich ist.

Da der Impfstoff bisher noch nicht ausreichend zur Verfügung steht, sollen sich auch die hausärztlichen Praxen an die aktuell geltende Priorisierung halten. Auch die Anzahl an Impfdosen, die eine Praxis pro Woche erhält, ist zu Beginn noch begrenzt.

Mehr dazu hören Sie in unserem Corona-Podcast:

Weitere Impfstoff-Kandidaten

Verschiedene Impfstoffkandidaten befinden sich noch in der Entwickung oder Erprobung. Sie alle folgen letzlich einem ähnliche Ansatz: Unserem Immunsystem werden einzelne, nicht ansteckende Teile von Sars-CoV-2 präsentiert (sogenannte Antigene). Die Hoffnung ist, dass der Körper eigene Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Bestandteile des Virus bildet und damit das eigene Immunsystem wappnet. Die unterschiedlichen Impfstoff-Kandidaten nutzen dabei verschiedene Ansätze:

mRNA-Impfstoffe

Neben den beiden zugelassenen mRNA-Impfstoff von BioNTech und Moderna gibt es noch ein weiteres deutsches Biotechnologieunternehmen aus Tübingen, welches denselben Ansatz verfolgt.

Für dessen Impfstoff hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA ein schnelles Prüfverfahren gestartet. Mit einer Zulassung wird etwa im Juni gerechnet.

Verändertes Virus als Impfbasis (Vektorviren)

Bei den bereits zugelassenen Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson ist ein harmloses Virus, das nicht krank macht, mit Bruchstücken des Corona-Virus gekoppelt. Dieses Prinzip nennt sich Vektor-Impfstoff. Die Forschenden des DZIF (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung) und Wissenschaftler an der Ludwig Maximillian Universität in München (LMU) arbeiten ebenfalls an Vektor-Impfstoffen. Der Plan: Wenn man das veränderte ungefährliche Virus einem Menschen als Impfung verabreicht, kann dieser zwar nicht erkranken - das Immunsystem bildet aber dennoch Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Corona-Teile des "Impfvirus". So lernen die Immunzellen das neue Virus kennen und merken es sich als Ziel. Diese Antikörper könnten die Betroffenen künftig vor einer Infektion mit dem "echten" Coronavirus schützen.

Totimpfstoffe (inaktivierte Viren)

Mehrere Unternehmen arbeiten weltweit am klassischen Impfverfahren gegen Corona mit Totimpfstoffen. Hierfür werden inaktive, "tote" Sars-CoV-2 Viren verwendet. Sie wurden zuvor so verändert, dass sie sich nicht mehr vermehren können. Diese inaktivierten Viren werden vom Körper als "fremd" erkannt wodurch die eigene Immunreaktion in Gang gesetzt wird, lösen aber keine Erkrankung mehr aus.

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Weitere Impfstoff-Forschung

Tests von weiteren Impfstoffkandidaten am Menschen laufen weltweit. Mehrere Studien hierzu finden sich auch in Deutschland. Laut WHO befinden sich aktuell 88 Impfstoffkandidaten in klinischer und 184 Kandidaten in prä-klinischer Erprobungsphase (Stand 15.04.2021).

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Quellen:

      • Paul-Ehrlich-Institut: Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on er­teilt Zu­las­sung des CO­VID-19-Impf­stoffs von Bi­oN­Tech/Pfi­zer für die Eu­ro­päi­sche Uni­on. Online: https://www.pei.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2020/201221-europaeische-kommission-erteilt-zulassung-covid-19-impfstoff-biontech-pfizer-eu.html (abgerufen am 13.04.2021)
      • Paul-Ehrlich-Institut: Aus­schuss für Hu­manarz­nei­mit­tel CHMPemp­fiehlt be­ding­te Zu­las­sung für den CO­VID-19-Impf­stoff von Astra­Zene­ca. Online: https://www.pei.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2021/210129-chmp-empfiehlt-bedingte-zulassung-covid-19-impfstoff-astrazeneca.html (abgerufen am 13.04.2021)
      • Robert-Koch Institut: Mitteilung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch Institut, Beschluss der STIKO zur 4. Aktualisierung der COVID-19 Impfempfehlung und die dazugehörige wissenschaftliche Begründung, STIKO-Empfehlung zur COVID-19 Impfung (Aktualisierung vom 1. April 2021). Online: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/16_21.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 13.04.2021)
      • Europäische Kommission: Johnson & Johnson: Kommission lässt vierten COVID-19 Impfstoff in der EU zu. Online: https://ec.europa.eu/germany/news/20210312-johnson-johnson-impfstoff_de (abgerufen am 13.04.2021)
      • Paul-Ehrlich-Institut: FAQ - Temporäre Aussetzung COVID-19-Impfstoff AstraZeneca. Online: https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/meldungen/faq-temporaere-aussetzung-astrazeneca.pdf?__blob=publicationFile&v=2 (abgerufen am 13.04.2021)
      • Paul-Ehrlich-Institut: Sicherheitsbericht, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19. Online: https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsberichte/sicherheitsbericht-27-12-bis-02-04-21.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (abgerufen am 13.04.2021)
      • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Corona-Schutzimpfung in Arztpraxen - Hinweise zu Organisation und Aufklärung, Stand 02.04.21. Online:https://www.kbv.de/media/sp/COVID-19-Impfung_PraxisInfo_Organisation_Aufklaerung.pdf (abgerufen am 06.04.21)
      • Paul-Ehrlich-Institut, Das Paul-Ehr­lich-In­sti­tut in­for­miert – Vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung der Imp­fung mit dem CO­VID-19-Impf­stoff Astra­Zene­ca, Stand 15.03.21. Online: https://www.pei.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2021/210315-voruebergehende-aussetzung-impfung-covid-19-impfstoff-astra-zeneca.html;jsessionid=06A07CCF519F86B5F0D630CB0952A355.intranet241 (abgerufen am 13.04.21)
      • Bundesministerium für Gesundheit: Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Impfung. Online: https://www.zusammengegencorona.de/impfen/wirksamkeit-und-sicherheit/#faqitem=94a94d12-e24e-5e78-9d53-ecc6b7e79dc2 (Abgerufen: 13.04.21)
      • Paul-Ehrlich-Institut: FAQ Coronavirus. Online: https://www.pei.de/DE/service/faq/faq-coronavirus-inhalt.html (Abgerufen: 06.04.21)
      • Robert Koch Institut, COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ). Stand 09.04.2021 Online: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html (abgerufen am 13.04.2021)
      • Robert Koch Institut, Fragen zur COVID-19-Impfempfehlung, Stand 01.04.2021, Online: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Liste_STIKO_Empfehlungen.html (abgerufen am 06.04.2021)
      • Paul-Ehrlich-Institut, COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ), Stand
      • World Health Organization, Draft landscape of COVID-19 candidate vaccines, Stand 09. September 2020. Online: https://www.who.int/publications/m/item/draft-landscape-of-covid-19-candidate-vaccines (abgerufen am 15.04.2021)