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Mit dem Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA nun den vierten Covid-19-Impfstoff in der EU zugelassen.

Das Präparat hat dabei eine Besonderheit: Es muss nur einmal verabreicht werden. Damit unterscheidet es sich von den drei bislang in der EU zugelassenen Impfstoffen, die zwei Dosen benötigen. Entwickelt wurde der Impfstoff in den Niederlanden vom Tochterunternehmen Janssen.

Worin sich die vier Impfstoffe noch unterscheiden und was alle gemeinsam haben, lesen Sie im Folgenden:

Wie unterscheiden sich die Impfstoffe?

Die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Sie brauchen als Grundlage ein Virus, um Informationen in den Körper zu schleusen. Bei Johnson & Johnson ist es ein unschädlich gemachtes menschliches Schnupfenvirus. Es enthält genetisches Material eines Oberflächeneiweißes, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Die Körperzellen des Geimpften bilden mit Hilfe der Bauanleitung das Eiweiß, der Körper entwickelt eine Immunantwort.

Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna dagegen sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. "m" steht für messenger (Bote), "RNA" für Ribonukleinsäure. Hier ist die mRNA die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Sie gelangt mit Hilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann ebenfalls das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Wie gut wirken die Impfstoffe?

Der Impfstoff von Johnson & Johnson bietet einen rund 65-prozentigen Schutz vor einer Erkrankung an Covid-19. Der Schutz greift etwa zwei Wochen nach der Impfung.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) liegt die Wirksamkeit des Mittels von AstraZeneca nach einer zweiten Impfung unter Einhaltung eines Abstands von 12 Wochen zwischen den beiden Impfdosen bei bis zu 80 Prozent.

Höher liegen die Ergebnisse laut RKI bei den mRNA-Präparaten: Hier berichtet das Institut von etwa 95 Prozent Wirksamkeit.

Wie oft wird geimpft?

Das Präparat von Johnson & Johnson muss nur einmal verabreicht werden.

Alle drei weiteren in der EU zugelassenen Impfstoffe erfordern zwei Impfungen. Hier empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse: Bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sollte ein Abstand von sechs Wochen zwischen den beiden Impfstoffdosen liegen. Beim Vektor-basierten Impfstoff von AstraZeneca ein Abstand von zwölf Wochen.

In der Regel sollten beide Impfungen immer mit dem selben Präparat gemacht werden, rät das Robert Koch-Institut (RKI). Bei einem Wechsel des Präparats könne die volle Wirksamkeit derzeit nicht gewährleistet werden, teilt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit.

Eine Ausnahme bietet der Impfstoff von AstraZeneca: Aufgrund möglicher Nebenwirkungen (siehe nächsten Abschnitt) sollen in Zukunft nur noch Menschen über 60 Jahre diesen Impfstoff erhalten. Wer jünger als 60 Jahre ist und eine erste Impfung mit AstraZeneca erhalten hat, soll nach Empfehlung der STIKO zwölf Wochen später einen mRNA-Impfstoff zur zweiten Impfung erhalten.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Dem RKI zufolge waren bislang Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost die nach den Impfungen am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen. Im Allgemeinen waren sie aber schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab. Laut RKI können bei mRNA-Präparaten wie bei allen anderen Impfstoffen "in sehr seltenen Fällen" allergische Sofortreaktionen bis hin zum Schock oder andere auch bisher unbekannte Komplikationen nicht ausgeschlossen werden.

Der Mythos von den Impftoten

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung gegen Covid-19

Nach einer Impfung gegen Covid-19 gibt es mitunter unangenehme Reaktionen, in sehr seltenen Fällen auch...

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung auch für Menschen mit Immunschwäche. Wann und wie sie erfolgen sollte, können Betroffene zum Beispiel mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin besprechen.

Beim Impfstoff von AstraZeneca wird momentan untersucht, ob er in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel (Thrombosen) in Hirnvenen, sogenannte Sinusvenenthrombosen, auslösen kann. Das Paul-Ehrlich-Institut weist darauf hin, dass sich Personen, die den Covid-19-Impfstoff AstraZeneca erhalten und mehr als drei Tage nach der Impfung Beschwerden haben, unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben sollten. Diese Beschwerden können zum Beispiel starke und anhaltende Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Beinschwellungen oder punktförmige Hautblutungen sein.

Schützen die Impfstoffe auch vor Varianten des Virus?

Laut Robert Koch-Institut gilt für die Impfstoffe von AstraZeneca, Johnson & Johnson und BionTech/Pfizer, dass diese einen sehr guten Schutz vor symptomatischer Erkrankung durch die britische Variante B.1.1.7 bieten. Gegen die südafrikanische Variante B.1.351 schützen sie nicht so gut, können aber hoffentlich schwere Verläufe trotzdem weitgehend verhindern.

Der Hersteller Moderna veröffentliche Anfang Mai 2021 neue Daten aus einer laufenden Studie zur Impfstoffwirksamkeit nach einer Zweit- oder „Booster“-Impfung. Insbesondere die Wirksamkeit gegen Virusvarianten wurde untersucht. Getestet wurde die Wirksamkeit gegen die Virusvariante B.1.351 aus Südafrika und die Variante P.1 aus Brasilien. Der schon zugelassene Impfstoff wirkte nach der 2. Impfung gut gegen beide Varianten, aber ein neuer, leicht angepasster Impfstoff lieferte noch bessere Ergbnisse.

Wie werden die Impfstoffe gelagert?

Ein großer Vorteil bei Johnson & Johnson und AstraZeneca ist, dass man sie bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad Celsius über Monate lagern kann. Die übrigen Impfstoffe müssen dafür deutlich stärker gekühlt werden.

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Quellen:

Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin vom 22. April 2021, Online: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/16_21.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 03.05.2021)

Europäische Kommission, Kommission lässt vierten COVID19-Impfstoff in der EU zu, Stand: 12.03.21. Online: https://ec.europa.eu/germany/news/20210312-johnson-johnson-impfstoff_de (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Robert Koch-Institut: Fragen zur COVID-19-Impfempfehlung, Stand 1.4.21. Online: www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Liste_STIKO_Empfehlungen.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Robert Koch-Institut: COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ). Stand 1.4.21. Online: www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Robert Koch-Institut: Wirksamkeit und Sicherheit. Stand 1.4.21. Online: www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Liste_Wirksamkeit_Sicherheit.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Paul-Ehrlich-Institut; CO­VID-19-Impf­stof­fe. Stand 1.4.21. Online: www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/covid-19/covid-19-node.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Dagan, N., Barda, N., Kepten, E., et al. (2021). BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine in a Nationwide Mass Vaccination Setting. New England Journal of Medicine. Online: https://doi.org/10.1056/nejmoa2101765 (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Public Health England: Public Health England vaccine effectiveness report. Stand: März 2021. Online: https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/971017/SP_PH__VE_report_20210317_CC_JLB.pdf (zuletzt abgerufen: 06.04.21)