Dieser Artikel gibt den Wissensstand zum angegebenen Datum wieder. Er wird regelmäßig aktualisiert.

Mit dem Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA nun den vierten Covid-19-Impfstoff in der EU zugelassen.

Das Präparat hat dabei eine Besonderheit: Es muss nur einmal verabreicht werden. Damit unterscheidet es sich von den drei bislang in der EU zugelassenen Impfstoffen, die zwei Dosen benötigen. Entwickelt wurde der Impfstoff in den Niederlanden vom Tochterunternehmen Janssen.

Kostenloser Download

Unser Flyer zu den bisherigen drei Impfstoffen AstraZeneca, BionTech und Moderna zum Herunterladen

Kostenloser Download

Hier die englische Version des Flyers

Worin sich die vier Impfstoffe noch unterscheiden und was alle gemeinsam haben, lesen Sie im Folgenden:

Wie unterscheiden sich die Impfstoffe?

Die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Sie brauchen als Grundlage ein Virus, um Informationen in den Körper zu schleusen. Bei Johnson & Johnson ist es ein unschädlich gemachtes menschliches Schnupfenvirus. Es enthält genetisches Material eines Oberflächeneiweißes, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Die Körperzellen des Geimpften bilden mit Hilfe der Bauanleitung das Eiweiß, der Körper entwickelt eine Immunantwort.

Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna dagegen sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. "m" steht für messenger (Bote), "RNA" für Ribonukleinsäure. Hier ist die mRNA die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Sie gelangt mit Hilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann ebenfalls das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Wie gut wirken die Impfstoffe?

Die vektorbasierten Modelle müssen sich den neuartigen mRNA-Impfstoffen in dieser Hinsicht etwas geschlagen geben:

Der Impfstoff von Johnson & Johnson bietet laut Produktinformation der EMA einen rund 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19-Verläufen - gemessen 28 Tage nach Verabreichung. Vor schweren bis lebensbedrohlichen Erkrankungen ist der Geimpfte laut EMA nach dem gleichen Zeitraum mit 85 Prozent geschützt.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) liegt die Wirksamkeit des Mittels von AstraZeneca nach einer zweiten Impfung unter Einhaltung eines Abstands von 12 Wochen zwischen den beiden Impfdosen bei bis zu 80 Prozent.

Höher liegen die Ergebnisse laut RKI bei den mRNA-Präparaten: Hier berichtet das Institut von etwa 95 Prozent Wirksamkeit.

Wie oft wird geimpft?

Das Präparat von Johnson & Johnson muss nur einmal verabreicht werden.

Alle drei weiteren in der EU zugelassenen Impfstoffe erfordern zwei Impfungen. Hier empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse: Bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sollte ein Abstand von sechs Wochen zwischen den beiden Impfstoffdosen liegen. Beim Vektor-basierten Impfstoff von AstraZeneca ein Abstand von zwölf Wochen.

In der Regel sollten beide Impfungen immer mit dem selben Präparat gemacht werden, rät das Robert Koch-Institut (RKI). Bei einem Wechsel des Präparats könne die volle Wirksamkeit derzeit nicht gewährleistet werden, teilt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit.

Eine Ausnahme bietet der Impfstoff von AstraZeneca: Aufgrund möglicher Nebenwirkungen (siehe nächsten Abschnitt) sollen in Zukunft nur noch Menschen über 60 Jahre diesen Impfstoff erhalten. Wer jünger als 60 Jahre ist und eine erste Impfung mit AstraZeneca erhalten hat, soll nach Empfehlung der STIKO zwölf Wochen später einen mRNA-Impfstoff zur zweiten Impfung erhalten.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Dem RKI zufolge waren bislang Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost die nach den Impfungen am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen. Im Allgemeinen waren sie aber schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab. Laut RKI können bei mRNA-Präparaten wie bei allen anderen Impfstoffen "in sehr seltenen Fällen" allergische Sofortreaktionen bis hin zum Schock oder andere auch bisher unbekannte Komplikationen nicht ausgeschlossen werden.

Der Mythos von den Impftoten

Nebenwirkungen der Corona-Impfung

Nach einer Corona-Impfung gibt es mitunter unangenehme Reaktionen, in sehr seltenen Fällen auch...

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung auch für Menschen mit Immunschwäche - also zum Beispiel bei HIV-Infektionen, Krebserkrankungen oder nach Organtransplantationen. "Wenngleich Personen mit geschwächtem Immunsystem möglicherweise nicht so gut auf den Impfstoff ansprechen, bestehen keine besonderen Sicherheitsbedenken", heißt es auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA.

Beim Impfstoff von AstraZeneca wird momentan untersucht, ob er in sehr seltenen Fällen Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen, sogenannte Sinusvenenthrombosen, auslösen kann. Das Paul-Ehrlich-Institut weist darauf hin, dass sich Personen, die den Covid-19-Impfstoff AstraZeneca erhalten und mehr als drei Tage nach der Impfung Beschwerden haben, unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben sollten. Diese Beschwerden können zum Beispiel starke und anhaltende Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Beinschwellungen oder punktförmige Hautblutungen sein.

Die EU-Kommission will bei den nächsten Bestellungen für Corona-Impfstoffe vor allem auf die neuartige mRNA-Technologie setzen, die etwa Biontech/Pfizer und Moderna nutzen. Dies bedeute aber nicht, dass Hersteller wie Astrazeneca und Johnson & Johnson bei künftigen Verträgen bereits aus dem Rennen seien oder deren Verträge nicht verlängert würden.

Schützen die Impfstoffe auch vor Varianten des Virus?

Das AstraZeneca-Vakzin schützt vor der britischen Mutante, Zweifel gibt es jedoch an der Wirksamkeit gegen die südafrikanische Variante. Man könne den Impfstoff gegebenenfalls anpassen, teilten Pfizer und Biontech mit. Moderna will unter anderem die Wirkung einer zusätzlichen Auffrischungsdosis testen.

Südafrika setzt nun auf das Präparat von Johnson & Johnson. Dessen Wirksamkeit gegen die dort vorherrschende Variante B.1.351 sei belegt, hieß es. Der Impfstoff soll auch bei der brasilianische Variante P.1 einen Schutz bieten.

Wie werden die Impfstoffe gelagert?

Ein großer Vorteil bei Johnson & Johnson und AstraZeneca ist, dass man sie bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad Celsius über Monate lagern kann. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wird dagegen bei rund minus 70 Grad aufbewahrt. Doch er bleibt auch zwei Wochen lang bei minus 25 bis minus 15 Grad Celsius stabil. Beim Moderna-Impfstoff muss es mit etwa minus 20 Grad nicht ganz so kalt sein.

Impfstoff Entwicklung Forschung Labor Corona Virus

Die wichtigsten Fakten zur Corona-Impfung

Welche Impfstoffe gegen Covid-19 sind bereits zugelassen, wie funktionieren mRNA-Impfstoffe? Wieviele Menschen...

Quellen:

Europäische Kommission, Kommission lässt vierten COVID19-Impfstoff in der EU zu, Stand: 12.03.21. Online: https://ec.europa.eu/germany/news/20210312-johnson-johnson-impfstoff_de (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Robert Koch-Institut: Fragen zur COVID-19-Impfempfehlung, Stand 1.4.21. Online: www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Liste_STIKO_Empfehlungen.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Robert Koch-Institut: COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ). Stand 1.4.21. Online: www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Robert Koch-Institut: Wirksamkeit und Sicherheit. Stand 1.4.21. Online: www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Liste_Wirksamkeit_Sicherheit.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Paul-Ehrlich-Institut; CO­VID-19-Impf­stof­fe. Stand 1.4.21. Online: www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/covid-19/covid-19-node.html (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Dagan, N., Barda, N., Kepten, E., et al. (2021). BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine in a Nationwide Mass Vaccination Setting. New England Journal of Medicine. Online: https://doi.org/10.1056/nejmoa2101765 (zuletzt abgerufen: 06.04.21)

Public Health England: Public Health England vaccine effectiveness report. Stand: März 2021. Online: https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/971017/SP_PH__VE_report_20210317_CC_JLB.pdf (zuletzt abgerufen: 06.04.21)