Blut am After / aus dem Darm: Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm

Austritt von Blut aus dem Darm: Das kommt vor allem bei Divertikeln (Aussackungen) des Dickdarmes vor. Was sonst noch verantwortlich sein kann, und wie es weitergeht
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2016

Bei über 60-jährigen Patienten sind Dickdarmdivertikel eine der häufigsten Ursachen für Blutungen aus dem Darm

Jupiter Images GmbH/BrandX

In diesem Kapitel geben wir Ihnen einen Überblick über die nachfolgend gelisteten Krankheiten, die als mögliche Ursachen von Darmblutungen infrage kommen können:

  • Dickdarmdivertikel
  • Darmpolypen
  • Mastdarmkrebs
  • Darmentzündungen: Mastdarmentzündung (Proktitis und mehr), Dickdarmentzündung (infektiöse Kolitis / Enterokolitis), Darmentzündungen durch Antibiotika, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, Mastdarmgeschwür, Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis
  • Dünndarm: Meckel-Divertikel, Tumoren, Invagination

Divertikel: Ausstülpungen im Darm und was dabei passieren kann

W&B/Swen Sallwey

Dickdarmdivertikel: Grübchen in der Darmwand

Divertikel sind Ausstülpungen im Darm an Stellen, wo Blutgefäße durch die Darmwand ziehen. Hier ist die Darmmuskulatur schwächer.

Divertikel kommen sowohl im Dünndarm (siehe unten, Abschnitt: Meckel-Divertikel), vor allem aber im Dickdarm vor. Hier sind es meist sogenannte Pseudodivertike. Dabei stülpt sich nur die Schleimhaut durch die Muskellücke nach außen vor. Sackt hingegen die gesamte Darmwand an der Schwachstelle durch, spricht man von kompletten Divertikeln. Der Mastdarm bleibt üblicherweise von Divertikeln ausgespart.

Reizlose Divertikel verursachen meist keine Beschwerden. Mitunter kommt es nahrungsabhängig zu Bauchschmerzen, vor allem im linken Unterbauch, die nach Darmentleerung wieder abklingen. Der Arzt kann die Ausstülpungen im Dickdarm zum Beispiel bei einer Darmspiegelung feststellen. Die sogenannte Divertikulose, also das Vorhandensein von Divertikeln, nimmt im Alter zu: Mehr als jeder zweite über 70 Jahren ist davon betroffen. Bereiten sie stärkere Beschwerden, etwa aufgrund einer Entzündung (symptomatische Divertikulitis), liegt eine Divertikelkrankheit vor.

Obwohl die Divertikel hauptsächlich den unteren Dickdarm auf der linken Bauchseite – und hier das S-förmige Sigma – betreffen, ereignen sich Divertikelblutungen eher im ersten Teil des Dickdarmes. Er heißt Zökum, ist der eigentliche Blinddarm und liegt im rechten Unterbauch. Divertikel sind dort meist etwas größer, gewissermaßen komplett, und damit auch kräftiger durchblutet.

Divertikel – ob Divertikulose oder Divertikulitis – gelten als häufigste Ursache für Darmblutungen, insbesondere starke. Auslösend sind unter anderem erhöhter Druck im Darminneren und Dehnung des betroffenen Darmabschnitts, etwa bei chronischer Verstopfung. Weitere Risikofaktoren für eine Divertikelblutung: Gefäßerkrankungen wie die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Bluthochdruck und regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente, etwa entzündungshemmender Arzneien wie sogenannte Cox-Hemmer oder nicht steroidale Antirheumatika.

Symptome: Divertikelblutungen ohne weitere Krankheitskomplikationen sind schmerzlos, können aber erheblich sein – mitunter so stark, dass ein Notfall vorliegt. Häufig bluten sie nur vorübergehend und kommen von selbst wieder zum Stillstand. 

Diagnose und Therapie: Der oder die Betroffene soll in eine Klinik gebracht werden. Häufig kommt die Blutung nach Ruhigstellung des Darmes durch vorübergehende künstliche Ernährung von selbst zum Stillstand. Wenn die Umstände es erlauben, wird der Arzt eine Darmspiegelung durchführen, um die Blutungsquelle zu lokalisieren und sie, falls möglich, gleich zu stillen. Im selben Zug kann er andere mögliche Darmerkrankungen ausschließen. Bei stärkerer Blutung wird häufig eine Gefäßdarstellung mittels Kathetertechnik und Röntgen oder Computertomografie (Angiografie) angestrebt. Ein Katheter ist ein dünnes, langes Röhrchen aus Kunststoff, über das Medikamente, feine Instrumente oder auch Ballons zum Auffalten am Zielort platziert werden können. So ist mittels Katheter eine Blutstillung möglich, indem das Gefäß verschlossen wird.

Wenn dies nicht gelingt oder es wiederholt blutet, ist in der Regel eine Operation nötig. Falls die Blutungsquelle verborgen bleibt, wird möglicherweise ein größerer Darmabschnitt entfernt. Dabei kann der natürliche Darmausgang meist erhalten bleiben.

! Wichtig für Betroffene: Sie sollten einen erhöhten Blutdruck sowie einen unausgeglichenen Zucker- und Fettstoffwechsel regulieren sowie den Darm regelmäßig entlasten. Alles dies kann mit einer gesunden, faserreichen und ausgewogenen Ernährung klappen. Dabei kommen viel Gemüse und Obst, regelmäßig Fisch, in Maßen Fleisch oder Fleischprodukte, insgesamt weniger tierisches, dafür mehr gutes qualitätvolles Fett (etwa kaltgepresstes Leinöl oder kaltgepresstes Olivenöl) auf den Teller. Auch bei Süßigkeiten und Alkohol gilt es Maß zu halten. Dagegen brauchen die Gefäße und der Darm ausreichend körperliche Bewegung, am besten täglich.

Bei deutlichen Arteriosklerosrisiken wird der Arzt Medikamente für das Herz-Kreislauf-System und den Fettstoffwechsel verordnen, um die Gefäße besser zu schützen und die Durchblutung zu verbessern. Bei gleichzeitig erhöhter Blutungsgefahr wird er gegebenenfalls jedoch abwägen, die Behandlung anzupassen. Darüber sollten die zuständigen Fachärzte – Magen-Darm- und Herzkreislaufspezialisten – miteinander abgestimmt entscheiden.

Ausführliche Informationen im Ratgeber "Divertikel im Darm / Divertikulitis".

Polypen: Pilzförmige Geschwülste

Darmpolypen sind Geschwülste der Darmschleimhaut. Insbesondere Polypen vom Typ der Adenome gelten als Krebsvorläufer. Ihre Entfernung ist effektive Krebsvorbeugung.

Polypen sind vielfältig: Sie können leicht erhaben oder knollen- bis pilzartig gewölbt sein, breitbasig aufsitzen oder an einem Stiel hängen. In feingeweblicher Hinsicht gibt es hyperplastische und entzündliche Schleimhautpolypen, polypartige Veränderungen unterhalb der Schleimhaut, Hamartome und schließlich neoplastische Polypen: die genannten Adenome. Bei den Adenomen existieren wiederum mehrere Formen. Einige neigen in unterschiedlichem Maße zu Unregelmäßigkeiten im Zellaufbau (Dysplasien). Mit der Zeit können sie auch entarten.

Insbesondere Adenome im Dickdarm können gehäuft oder in großer Zahl (Polyposis) – weit über hundert oder gar tausend – auftreten. Das beruht auf erblichen Genveränderungen und birgt ein hohes Krebsrisiko schon in jüngeren Jahren. Zu den entsprechenden Erbkrankheiten wie familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und nicht polypöser Darmkrebs Typ HNPCC siehe Abschnitte "Krebsfrüherkennung" im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Polypen können übrigens im gesamten Magen-Darm-Trakt vorkommen.
Symptome: Im Allgemeinen bereiten Darmpolypen keine Beschwerden. Oft werden sie überhaupt erst bei der Darmspiegelung (Rektoskopie oder Koloskopie) festgestellt, sei es im Rahmen der Krebsfrüherkennung und / oder weil beim Stuhlbluttest (siehe wiederum Kapitel "Diagnose; Krebsfrüherkennung") "verborgenes" (okkultes) Blut nachgewiesen wurde. Große Polypen oder Polypen in großer Zahl können allerdings Stuhlunregelmäßigkeiten oder Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl verursachen.
Diagnose: Der Arzt erkennt Polypen bei der Darmspiegelung (Endoskopie, hier: Rektoskopie, Sigmoidoskopie und Koloskopie).
Therapie: Ein Polyp wird in der Regel vollständig entfernt und feingeweblich aufgearbeitet. Seine Größe entscheidet darüber, ob dies gefahrlos bei der Darmspiegelung möglich ist. Die weitere Therapie richtet sich nach der feingeweblichen Art und dem Risikoprofil des Polypen. Dazu gehört auch die Zahl vorhandener und entfernter Polypen sowie ihre Größe.

Enthält ein Darmpolyp Krebszellen, so hängt das weitere Vorgehen davon ab, ob die Geschwulst mit einem ausreichenden Anteil gesunden Gewebes abgetragen wurde und das Tumorstadium niedrig ist. Dafür gibt es das Kürzel pT1; p bedeutet nach Abtragung oder Operation feingeweblich vom Pathologen bestätigt. T1 heißt, dass nur ein kleiner Tumor vorliegt und dieser nur ganz geringfügig über die Darmschleimhaut hinaus in das darunterliegende Gewebe gewachsen ist, ohne Beteiligung der Lymphgefäße. Auch sollten die Zellen möglichst ausgereift sein. Andernfalls schließt sich ein weiterer Eingriff an. Auch die nachfolgenden Kontrollen sind abhängig vom individuellen Befund.

Krebsfrüherkennung durch Darmspiegelung kann Leben retten

Caro/Oberhäuser

Krebs des Mastdarmes

Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) betrifft das durchschnittlich 16 Zentimeter lange Endstück des Darmes ab der Grenze zur Afterhaut aufwärts, der Dickdarmkrebs alle höher gelegenen Abschnitte des Dickdarmes (Kolons). Sichtbares Blut kommt bei Mastdarmkrebs deutlich häufiger vor als bei Dickdarmkrebs.

In Deutschland ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und Frauen. Ein Drittel (etwa 27.000 Menschen) erkranken an Mastdarmkrebs, zwei Drittel an Krebs im übrigen Dickdarmbereich. Ab 50 Jahren nimmt die Häufigkeit der Erkrankung zu. Risikofaktoren für (nicht erblichen) Dickdarm- und Mastdarmkrebs (kolorektales Karzinom) sind fettreiche, ballaststoffarme, fleischbetonte Ernährung, deutliches Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes mellitus Typ 2, Veranlagung, Rauchen und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (siehe unten). Zu den selteneren, wenn auch zunehmend diagnostizerten Ursachen gehören sogenannte neuroendokrine Tumoren des Mastdarmes.
Symptome: Leitsymptome sind Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl, schmerzhafter und häufiger Stuhldrang, Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, später Entleerung eines bleistiftdünnen Stuhls, ungewollter Gewichtsverlust, eventuell auch Kreuzschmerzen und Fieber.
Diagnose: Ganz vornean stehen die Austastung des Enddarms und die endoskopischen Darmuntersuchungen (Rektoskopie, Koloskopie) mit Entnahme von Gewebeproben aus auffälligen Veränderungen, ferner Blutuntersuchungen. Ergibt der Befund Darmkrebs, so schließt sich eine weitere Diagnostik zur Feststellung des Krankheitsstadiums an. Dabei kommen unter anderem eine Röntgenuntersuchung der Lungen und eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches zum Einsatz. Bei Mastdarmkrebs wird auch eine Comptertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Beckenorgane durchgeführt, um die Situation am Entstehungsort zu überprüfen. Bei sehr kleinen Tumoren kann zu diesem Zweck eine Endosonografie genügen.
Therapie: Sie richtet sich nach der Größe und Lage des Tumors – tiefer, mittlerer oder hoher Sitz im Mastdarm–, nach dem Krankheitsstadium und genauen Profil der Tumorzellen und ob eine erbliche Neigung zu Polypen oder Polyposis beziehungsweise Darmkrebs (siehe Abschnitt "Darmpolypen" weiter oben) vorliegt.

Den Tumor entfernt der Arzt nach Möglichkeit vollständig, je nach Stadium einschließlich umgebenden Gewebes (Gekröse) und Lymphbahnen. Ziel ist stets, den natürlichen Darmausgang zu erhalten. Hierbei sind vor allem der Mindestanteil gesunden Gewebes, das sicherheitshalber mitentfernt werden kann, und die Schließfähigkeit am Darmausgang ausschlaggebend.

Kleine, lokal begrenzte Tumoren mit günstigem Profil lassen sich endoskopisch abtragen (siehe wiederum oben unter "Darmpolypen"). Falls dies nicht möglich ist, kann grundsätzlich über einen offenen Eingriff oder auch via Bauchspiegelung (laparaskopisch) operiert werden. Eventuell legt der Chirurg bei der Operation ersatzweise einen inneren Auffangbeutel für den Darminhalt, einen sogenannten Pouch (siehe weiter unten) an. Sind jedoch Sicherheitsabstand und Kontinenzfunktion nicht gesichert, muss der Chirurg nach Entfernung des unteren Darmanteils einen künstlichen Darmausgang anlegen.

Der kann manchmal auch zur vorbergehenden Entlastung sinnvoll sein, wenn im zweiten Schritt operiert wird. Größere Krebsgeschwülste werden nämlich häufig zunächst mit einer Bestrahlungsbehandlung, eventuell zusätzlich eine Chemotherapie, verkleinert und erst dann operiert. Die kombinierte Behandlung noch vor der Operation mit Strahlen- und Chemotherapie gehört heute zu den Therapiestandards bei Mastdarmkrebs. Ab und zu kann der Tumor dadurch sogar zum Verschwinden gebracht werden. Zuverlässige Kenntnisse und Prognosen über die weitere Entwicklung in diesen Fällen gibt es aber noch nicht.

In anderen Fällen wird nach entsprechender Vorbehandlung operiert und danach eine weitere Chemotherapie angeschlossen. Manchmal geht der Arzt aber auch umgekehrt vor, stellt also die Operation den anderen Maßnahmen – Strahlen- und Chemotherapie – voran. Inzwischen werden als Arzneistoffe zur Behandlung von Mastdarmkrebs teilweise auch sogenannte Biologicals, zum Beispiel gentechnisch hergestellte Antikörper, eingesetzt.


Eingehender informieren Sie die Ratgeber "Mastdarmkrebs" und "Dickdarmkrebs".

Mastdarmentzündung ("Enddarmentzündung", Proktitis)

Entzündungen im Bereich des Mastdarmes betreffen im Allgemeinen häufiger Männer als Frauen. Oft ist auch der Analkanal mit einbezogen. Infolge der Entzündungen kann es zum Austritt von Blut aus dem Darm kommen.

Eine Proktitis beruht hauptsächlich auf folgenden Problemen:

- Infektionen: vor allem Geschlechtskrankheiten und weitere sexuell übertragene Infektionen

- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)

- Geschwächte Immunabwehr

- Örtliche Reizungen: Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen

- Behandlungsfolgen: Vorausgegangene Strahlentherapie; Medikamente, etwa Antibiotika oder entzündungshemmende Mittel; operative Ausschaltung eines Darmabschnitts

- Verletzungen (zum Beispiel durch traumatisierende Sexualpraktiken)

In den nachfolgenden Abschnitten mehr dazu.

  • Infektionen (hier vor allem durch Analverkehr): Dabei geht es um Geschlechtskrankheiten wie Tripper (Gonorrhoe; der Erreger heißt Neisseria gonorrhoeae), Syphilis (harter Schanker oder Lues; der verantwortliche Keim ist Treponema pallidum), weicher Schanker (Ulcus molle, es wird durch das Balterium Haemophilus ducreyi ausgelöst) und Lymphogranuloma inguinale oder venereum (Infektion durch bestimmte Chlamydia-trachomatis-Bakterien). Zu den sexuell übertragenen Infektionen zählen insbesondere Feigwarzen (Kondylome, Erreger sind humane Papillomviren (HPV)) sowie Infektionen mit Herpes-simplex-Viren (HSV, Herpes genitalis) und Aids- beziehungsweise HI-Viren (humane Immuninsuffizienz-Viren, HIV). Auch Pilzerkrankungen und Befall mit speziellen Erregern gehören in diese Rubrik. Die genannten Infektionen erstrecken sich meist auf den ersten 16 Zentimetern des Mastdarmes, können aber manchmal auf den sich anschließenden S-förmigen Dickdarm (Sigma genannt) übergehen.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn: Hier kommt vor allem die Colitis ulcerosa – etwa in Form einer Proktitis ulcerosa – als Ursache von Entzündungen und Blutungen aus dem Darm infrage, seltener auch die Crohn-Krankheit. Bei Morbus Crohn durchsetzt die Entzündung oft die gesamte Darmwand; es können sich Fisteln bilden. Das sind krankhafte Gangverbindungen, die zwischen Hohlorganen entstehen, blind im Gewebe enden oder sich zur Haut hin öffnen können. In der Regel passiert das im Analbereich. Mögliche Blutungsquellen sind das umgebende entzündete Darmgewebe und die Fistelausgänge (siehe jeweils Abschnitt "Darmentzündungen, Absatz: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten).
  • Geschwächte Immunabwehr, zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie, kann dazu führen, dass eine bakterielle Proktitis auftritt. Manchmal entwickelt sich dann ein Mastdarmgeschwür (siehe unten) – eine mögliche Blutungsquelle.
  • Örtliche Reizung: Nicht selten lösen arzneiliche Bestandteile in Zäpfchen, Pflege- und Gleitmitteln, im Toilettenpapier und in Kondomen Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen aus. Die Folge kann zum Beispiel eine Proktitis sein.
  • Strahlentherapie: Nach einer äußeren oder inneren Strahlenbehandlung des Beckenraums oder der Nierengegend kann bei manchen Patienten innerhalb von drei bis 24 Monaten, im Durchschnitt nach einem Jahr, eine chronische Enddarmentzündung (sogenannte Strahlenproktitis) oder eine strahlenbedingte Dickdarmentzündung  (Strahlenkolitis) auftreten. Zeitnah zur Bestrahlung ist auch eine akute Entzündung der Darmschleimhaut möglich. In beiden Fällen kann es zu Blutungen kommen. Ist die Darmwand stärker geschädigt, können sich Verengungen und Fisteln bilden. Das Risiko eines Darmverschlusses ist erhöht. Eine akute Strahlenkolitis /-proktitis klingt häufig nach einiger Zeit wieder ab. Unterschiedliche Medikamente (siehe unten) können die Heilung unterstützen.
  • Operative Ausschaltung eines Darmabschnitts und Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Diversionskolitis): In der Folge kann sich in dem ausgeschalteten Bereich, zum Beispiel im Enddarm, eine Entzündung mit Blut- und Schleimabgang entwickeln (siehe ebenfalls unten, Abschnitt "Darmentzündungen").
  • Innerliche Behandlung mit Medikamenten als Ursachen: Antibiotika, Entzündungshemmer wie nicht steroidale Antirheumatika und andere Arzneistoffe können eine Proktitis wie auch eine Dick- oder Dünndarmentzündung nach sich ziehen. Bei der sogenannten Antibiotika-Kolitis spielt ein Erreger namens Clostridium difficile eine wichtige Rolle. Er überwuchert die normale Darmflora und kann ein möglicherweise schweres Krankheitsbild auslösen. Die Entzündung betrifft meist den unteren Dickdarm und / oder Mastdarm. Mehr dazu wiederum im Abschnitt "Darmentzündungen" weiter unten. Auf Verletzungsmechanismen geht dieser Beitrag nicht näher ein.

Symptome bei Proktitis allgemein: Die Patienten bemerken eitrigen und / oder blutigen Ausfluss aus dem Darm und klagen über krampfartige Schmerzen beim Stuhlgang, sogenannte Tenesmen. Sie haben den Eindruck, den Darm nicht richtig entleeren zu können. Gleichzeitig kommt es zu dauerndem Stuhldrang. Ist der After mit einbezogen, entwickeln sich auch hier häufig Entzündungen, außerdem Ausschläge und Juckreiz. Nennenswerte Blutungen oder blutige Durchfälle können auch zu einer Blutarmut mit deutlicher Hautblässe, körperlicher Schwäche, Kurzatmigkeit und Schwindelbeschwerden führen. Falls eine sexuell übertragene Infektion oder Geschlechtskrankheit vorliegt, sind unterschiedlichste weitere Symptome möglich, bei Tripper anfangs etwa Lymphknotenschwellungen, nicht juckende Hautausschläge an verschiedenen Körperstellen einschließlich Handflächen und Fußsohlen, Veränderungen der Mundschleimhaut, Fieber, Muskelschmerzen und vieles mehr.

Diagnose: Sie ergibt sich meist aus dem Beschwerdebild und der körperlichen Untersuchung des Anal-, eventuell auch des Intimbereiches. Mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" in diesem Beitrag. Auf eine Geschlechtskrankheit können häufig bestimmte Hautveränderungen anal und genital – zum Beispiel auch bei Untersuchung des Partners – oder, je nach Krankheitsbild, andere Begleitsymptome hinweisen. Zudem kommen dem Arzt weitere Analysen zu Hilfe. Sie reichen von mikroskopischen oder labortechnischen Untersuchungen aus einem Abstrich oder einer Gewebeprobe über mikrobiologische Untersuchungen des Stuhls und den Nachweis von Bakteriengiften (Toxinen) bis zu speziellen Bluttests.

Therapie: Maßgeblich ist die Ursache. Falls zum Beispiel ein bakterieller Erreger festgestellt wird, so wird der Arzt eine Therapie mit einem passenden Antibiotikum einleiten. Eine ausgeprägte Proktitis bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn behandelt der Arzt mit Medikamenten, die Immunreaktionen und Entzündungsprozesse unterdrücken. Die Arzneien werden eingenommen oder gespritzt (in die Blutbahn, in den Muskel oder unter die Haut). Zusätzlich eine entzündungshemmende örtliche Behandlung mit Zäpfchen, Rektalschaum oder Einläufen (Klysmen) sinnvoll sein. Bei milder Proktitis genügt die lokal wirksame Therapie häufig (mehr zur Therapie siehe Abschnitt "Darmentzündungen – Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten). Hartnäckige Crohn-Fisteln geht der Chirurg möglichst nur so weit an, dass die Verschlussfähigkeit am Darmausgang, die Kontinenz, erhalten bleibt. Nicht immer gibt es hier jedoch die optimale Lösung.

Auch die Strahlenproktitis spricht meist auf entzündungshemmende Zäpfchen oder Einläufe an. Wenn die Entzündung abklingt, bessert sich meist auch eine entzündlich bedingte Blutarmut. Einen Eisen- oder Vitaminmangel können entsprechende Präparate ausgleichen helfen. Blutungen lassen sich gegebenenfalls auch mittels Laser oder anderer Techniken im Rahmen der Darmspiegelung stillen. Bei schweren Entzündungen muss der Mastdarm gegebenenfalls operiert werden. Falls eingenommene Präparate allergische Erscheinungen auslösen oder entzündliche Nebenwirkungen am Darm verursachen, wird der Arzt sie absetzen.

Achtung: Vom Arzt verordnete Therapien bei mutmaßlichen Problemen nicht in Eigenregie ändern, sondern den behandelnden Arzt kontaktieren.

Mastdarmgeschwür

Geschwüre im Mastdarm (Rektum) beruhen auf ganz unterschiedlichen Ursachen. Es sind auch stärkere Blutungen möglich.

Ein einzelnes Mastdarmgeschwür, ein sogenanntes solitäres Ulcus recti simplex, kann durch Auflagedruck extrem harter Kotballen bei chronisch verstopften, meist auch bettlägerigen Patienten entstehen. Weitere Ursachen eines Mastdarmgeschwürs sind Verletzungen, etwa bei Einläufen, ein Mastdarmvorfall oder -prolaps, eine bösartige Veränderung oder eine Mastdarmentzündung (Proktitis, etwa auch bei Colitis ulcerosa, siehe oben und weiter unten).

Symptome: Die Betroffenen beobachten häufig Absonderungen von Schleim und Blut aus dem Darm. Eine neu aufgetretene Verstopfung oder schmerzhafte, eventuell unvollständige Darmentleerungen können auf eine Darmverengung hindeuten. Spontan oder bei der Untersuchung kann auch ein Mastdarmvorfall sichtbar werden. Es kann zu einer plötzlichen, schwallartigen Blutung aus einer Arterie am Boden des Geschwürs kommen: Notfall!

Diagnose und Therapie: Eine akute Mastdarmblutung muss schnellstmöglich durch endoskopische Maßnahmen im Rahmen der Rektoskopie zum Stillstand gebracht werden: mit Einspritzen gefäßverengender Medikamente oder durch Clips, die das blutende Gefäß verschließen. Andernfalls ist eine Notoperation nötig. Zur Sicherung der Diagnose – außerhalb eines solchen Notfalls – wird der Arzt immer einen kompletten proktologischen Untersuchungsgang einschließlich Tastuntersuchung, Enddarmspiegelung und gegebenenfalls weiteren Diagnoseschritten wie Endosonografie durchführen. Dabei wird er auch Gewebeproben aus einem Darmgeschwür entnehmen. Es geht hier vor allem darum, eine bösartige Veränderung, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung oder eine Entzündung anderer Ursache (siehe oben) auszuschließen. Ein Mastdarmvorfall kann klinisch und durch Spezialuntersuchungen wie zum Beispiel die Defäkografie nachgewiesen werden. Sie ist inzwischen auch als Magnetresonanz-Defäkografie möglich.

Konservative Maßnahmen, die eine Entzündung bekämpfen und zur Stuhlregulierung beitragen, können ein Geschwür durchaus zur Abheilung bringen. Bei einem Mastddarmvorfall oder zum Beispiel auch einem Geschwür in einer Darmeinstülpung und erheblichen Beschwerden wie oben beschrieben ist im Allgemeinen eine Operation angezeigt.

Der Dickdarm ist die Fortsetzung des Dünndarmes und umgibt diesen wie ein Rahmen

W&B/Arne Schulz, W&B/Astrid Zacharias

Darmentzündungen, Schwerpunkt Dickdarm

Verschiedene Ursachen führen zu Entzündungen im Darm und zu Blutungen. Häufig geht es um den Dickdarm. Aber auch die anderen Darmabschnitte können betroffen sein. 

Auslösend sind in erster Linie bestimmte Darminfektionen, in zweiter Linie chronische Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder der Morbus Crohn. Schließlich können Entzündungen in ausgeschalteten Darmbereichen (Diversionskolitis) und "künstlichen" Darmreservoirs (Pouchitis) ab und zu mit Blutungen einhergehen.

Symptome bei Darmentzündungen: Außer Blutungen sind allgemeine Krankheitszeichen wie Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, Störungen des Allgemeinbefindens, eventuell auch Fieber typisch. Mögliche Komplikationen: Darmlähmung oder -durchbruch und Bauchfellentzündung, also ein "akuter Bauch", Kreislaufprobleme bis hin zum Schock. Besonderheiten je nach Ursache nachfolgend.

Infektiöse Kolitis / Enterokolitis

Enterokolitis bedeutet Schleimhautentzündung des Darmes. Als erregerbedingte und mit blutigen Durchfällen verlaufende Darmentzündungen kommen in erster Linie Erkrankungen durch Keime wie Campylobacter jejuni, Shigellen,  enterohämorrhagische Escherichia (E.) Coli-Bakterien (EHEC) sowie Amöben und bei immungeschwächten Patienten Cytomegalieviren in Betracht. Mitunter lösen im Krankenhaus aufgefangene Keime eine Darmentzündung aus.

  • Campylobacter jejuni: Die "Campylobacter-Enteritis", also die Darmentzündung durch den Keim Campylobacter jejuni, ist inzwischen zur häufigsten bakteriellen Durchfallerkrankung in Europa aufgestiegen. Der Erreger verursacht Lebensmittelinfektionen, häufig auch einen sogenannten Reisedurchfall. Quellen sind vor allem keimverunreinigtes, unzureichend erhitztes Geflügel, Fleisch, ferner Rohmilch und daraus hergestellte Produkte. Hauptsaison ist die Sommerzeit. Möglich ist auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder über Haustiere. Als Komplikationen sind eine rheumatische Gelenkentzündung möglich oder, wenn auch nur selten, ein ernstes neurologisches Krankheitsbild mit Nervenentzündungen und Lähmungen, ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom.
    Symptome:
    Manche Infektionen verlaufen ohne Beschwerden. Zwischen der Infektion und ersten Symptomen liegen meist zwei bis fünf Tage. Anfangs kommt es zu Krankheitsgefühl, Fieber, Kopfschmerzen Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, dann tritt plötzlich wässriger oder blutiger Durchfall auf. Auch nach Abklingen der Beschwerden können die Erreger noch ausgeschieden werden.
    Diagnose:
    Sie ergibt sich aus der Bestimmung des Erregers im Stuhl und dem Nachweis von typischen Erregermerkmalen, sogenannten Antigenen.
    Therapie:
    Die Behandlung ist überwiegend symptomatisch: Verloren gegangene Flüssigkeit und Blutsalze werden ersetzt. Patienten mit erhöhtem Risiko, etwa bei Abwehrschwäche, oder mit schwerem Krankheitsverlauf, wozu blutiger Durchfall zweifelsohne gehört, behandelt der Arzt in der Regel mit einem Antibiotikum. Für Eltern betroffener Kinder besteht Informationspflicht gegenüber Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten; Meldepflicht gilt auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist.
  • Shigellen (Shigellose, bakterielle Ruhr oder Dysenterie): Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Aufenthalten in subtropischen oder tropischen Ländern mit schlechtem Hygienestandard auf. Auch in Massenquartieren besteht Infektionsgefahr. Quellen sind verkeimtes Wasser und mit dem Erreger verunreinigte Lebensmittel. Die Übertragung erfolgt als Schmierinfektion; Infizierte – ob akut erkrankt oder symptomlos – scheiden den Erreger mit dem Stuhl aus. Es gibt vier verschiedene Erregerarten. Die Variante A (Shigella dysenteriae) ist wegen ihres Giftes, wiederum ein Shigatoxin (siehe weiter unten: EHEC), die aggressivste. Es ist für die ein bis zwei Tage nach Infektion einsetzenden massiven Durchfälle und die Begleitsymptome verantwortlich, da es sowohl als Körpergift wirkt als auch die Darmschleimhaut direkt schädigt. Außerdem kann es ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) auslösen (siehe ebenfalls EHEC). Die Erreger können im Darm verweilen und daher längere Zeit, oft bis zu vier Wochen, ausgeschieden werden.
    Symptome:
    Zwischen Ansteckung und den ersten Symptomen liegen nur wenige Tage. Die Betroffenen leiden besonders bei schwerem Verlauf an heftigen Bauchkrämpfen und Fieber. Die Durchfälle sind stark ausgeprägt und mit Blut, Eiter und Schleim versetzt. Die Blutungen können erheblich sein. Als Komplikation drohen bei schwerer geschwüriger Darmentzündung ein Darmdurchbruch, außerdem Austrocknung, Kreislaufkollaps, Krämpfe, Koma.

    Diagnose:
    Reise-Durchfallerkrankungen erklären sich im Allgemeinen von selbst. Der Erregernachweis erfolgt in einem Abstrich vom Enddarm oder einer speziell aufbereiteten Stuhlprobe. Solange der Darm sich nicht der Shigellen entledigt hat, ist der Betreffende infektiös. Meldepflicht (auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist).
    Therapie:
    Ersatz des Flüssigkeits- und Salzverlustes und Gabe von Antibiotika, falls möglich gemäß Austestung des Erregers aus einer Stuhlprobe.

  • Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)-Bakterien: Die Übertragung der E.coli-Erreger erfolgt von Tier zu Mensch, zum Beispiel bei direktem Kontakt mit infizierten Wiederkäuern, von Mensch zu Mensch (es gibt auch beschwerdefreie Keimträger), über verkeimtes rohes Fleisch, zum Beispiel Lammfleisch oder streichfähige Rohwurst, rohe Milch und daraus hergestellte Produkte. Es gibt zahlreiche EHEC-Typen. Manche sind nicht nur sehr ansteckend, sondern zugleich sehr robust und können Kälte oder Magensäure standhalten. Da sie sich in der Umwelt lange halten, sind sie auch über rohes Gemüse oder Salat übertragbar. Verunreinigte Badegewässer sind ebenfalls Infektionsquellen. Problematisch sind Bakterienstämme (sogenannte STEC), die bestimmte Gifte namens Shigatoxine bilden (die Abkürzung STEC steht für Shigatoxin produzierende Escherichia coli).
    Symptome:
    Nicht alle EHEC-Infektionen machen sich durch Beschwerden bemerkbar: Sie können durchaus symptomlos verlaufen. Ansonsten dauert es zwischen Infektion und Auftreten erster Symptome etwa zwei bis zehn Tage. Es kommt zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und wässrigen Durchfällen. Diese können sehr massiv, schließlich mit Blut versetzt (blutiger Stuhl) und von Bauchkrämpfen begleitet sein, teilweise auch mit Fieber einhergehen. Solche schweren Krankheitsverläufe treten häufiger bei abwehrgeschwächten oder älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern, teilweise auch vermehrt bei Frauen auf und können gefährliche Komplikationen nach sich ziehen. Gefürchtet sind vor allem Schädigung der Blutplättchen und Blutkörperchen sowie Immunphänomene, die zu Blutarmut, Nierenschwäche oder -versagen und neurologischen Störungen führen können (sogenanntes hämolytisch-urämisches Syndrom, kurz HUS).
    Diagnose:
    Angestammte E.coli-Bakterien gehören zur normalen Keimflora im Dickdarm. Entscheidend ist eine ausgewogene Erregervielfalt. Vermehren sich bestimmte EHEC-Bakterien, können sie durch eigene Zellgifte krankmachende Wirkungen auf den Menschen entfalten. Dabei geht es vor allem um die sogenannten Shigatoxine. Ihr Nachweis nach Isolierung des Erregers aus dem Stuhl oder Bestimmung der Bakteriengene, die den Code für das Shigatoxin enthalten, ist beweisend. Bei HUS wird zusätzlich eine Antikörperbestimmung im Blut durchgeführt. EHEC-Infektionen sind meldepflichtig (auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist). Darum kümmern sich die verantwortlichen Ärzte.
    Therapie:
    Im Vordergrund steht zunächst eine symptomatische Therapie, was unter anderem bedeutet, erlittene Verluste an Flüssigkeit und Blutsalzen auszugleichen. Die Behandlung bestimmter E.coli-Infektionen mit bestimmten Antibiotika ist bei schweren Durchfällen inzwischen eine Option. Gerade bei den Risikogruppen – ältere Menschen, Kinder – ist unbedingt eine rechtzeitige Therapie nötig. Eventuell müssen die Betroffenen in der Klinik behandelt werden, denn jede ausgeprägte Darminfektion kann bei ihnen schnell einen gefährlichen Lauf nehmen.
  • Amöben (Amöbenruhr): Amöben sind Parasiten, und die von ihnen verursachte Infektionskrankheit ist eine meldepflichtige Krankheit. In tropischen und subtropischen Regionen, begünstigt durch schlechte hygienische Verhältnisse, tritt diese Parasitose am häufigsten auf. Gelegentlich zeigt sie sich aber auch in gemäßigten Klimazonen Europas. Infektionsquellen sind verunreinigtes Trinkwasser und verkeimte Lebensmittel. Für die aggressive Erscheinungsform mit einer geschwürigen Dickdarmentzündung ist Entamoeba histolytica verantwortlich. Über den Stuhl werden die Amöben als sogenannte Zysten ausgeschieden. Diese können in der Außenwelt überdauern und sind dann eine Infektionsquelle. Nur ein Fünftel der Betroffenen erkrankt mit Symptomen. Wenn die Infektion chronisch wird, kann die Darmentzündung fortbestehen, immer wieder aufflammen und mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung oder Blinddarmentzündung verwechselt werden. Als Komplikation kann sich bei der Amöbenruhr ein schweres Krankheitsbild mit massiver Darmaufblähung (toxisches Megacolon, siehe auch bei "Colitis ulcerosa" weiter unten) und einem Durchbruch, also ein akuter Bauch, entwickeln. Auch ein Amöbenabszess ist möglich.
    Symptome:
    Zwischen Infektion und Symptomen liegen eine bis vier Wochen. Es treten dann mit Schleim und Blut versetzte Durchfälle auf, die Ärzte mitunter als himbeergeleeartig beschreiben. Dazu kommen Bauchschmerzen, mitunter auch Fieber.
    Diagnose:
    Der Erreger lässt sich mikroskopisch bei der Stuhluntersuchung oder in einer Gewebeprobe aus dem Darm nachweisen. Darüberhinaus ist die Bestimmung des Erreger-Antigens möglich. Mittels Nachweises dieses Erbmaterials kann die krankmachende Variante "histolytica" am sichersten erkannt werden. Je nach Verlauf kommen auch Blutuntersuchungen und Stuhlanalysen auf andere Erreger in Betracht.
    Therapie:
    Wirksam ist zum Beispiel der Arzneistoff Metronidazol. Ergänzend kann ein Kontaktamöbizid sinnvoll sein, um den Erreger vollständig auszuschalten. Ein Kontaktamöbizid ist ein Antibiotikum, welches nach der Einnahme nur im Darm wirkt. Der Therapieerfolg wird durch Stuhluntersuchungen überprüft.

  • Cytomegalie-Kolitis: Das Cytomegalie-Virus (CMV) gehört zu den Herpes-Viren. Die CMV-Kolitis zählt zu den häufigsten opportunistischen Infektionen im Verdauungstrakt bei Aids-Patienten. Opportunistische Infektion bedeutet, dass Erreger bei Immunschwäche leichtes Spiel haben und es dann zu Infektionen kommt, die bei guter Immunabwehr nicht oder nur höchst selten auftreten. Die CMV-Kolitis kann sich grundsätzlich bei jeder maßgeblichen Abwehrschwäche entwickeln, zum Beispiel auch bei einer das Immunsystem unterdrückenden Therapie oder einer Chemotherapie. Bei einer CMV-Kolitis bildet sich eine geschwürige Dickdarmentzündung. Die Darmwand kann sich durch die entzündliche Schwellung verdicken. Auch eine Blinddarmentzündung kann auftreten. Außerdem schwellen meist Lymphknoten im Bauch an.
    Symptome:
    Bauchschmerzen, Fieber, blutige Durchfälle. Es handelt sich meist um ein schweres Krankheitsbild. Im Rahmen der Aids-Erkrankung sind weitere Symptome möglich.
    Diagnose:
    Blutuntersuchungen auf Erregermaterial (sogenannte Polymerase-Chain-Reaction, kurz PCR) und feingeweblich untersuchte Gewebeproben (Immunhistochemie), die bei einer Koloskopie gewonnen werden, sind wegweisend. Bei der Spiegelung selbst zeigt sich optisch eine Darmentzündung mit Geschwüren. Therapie: Therapeutisch wirksam sind Anti-Virus-Medikamente, meist auch in Kombination mit einem Antikörperpräparat, einem Hyperimmunglobulin.
  • Darmentzündung infolge Antibiotika-Therapie, pseudomembranöse Kolitis, Clostridium difficile: Eine nachhaltige Behandlung mit Antibiotika kann die natürliche Vielfalt (Flora) der Darmbakterien angreifen. Davon profitiert häufig ein Keim namens Clostridium difficile, der eigentlich bei Erwachsenen nur sehr selten im Darm weilt. Bei Krankenhaus-Patienten, die mit Antibiotika behandelt wurden, steigt die Keimbesiedlung schon auf bis zu dreißig Prozent. Der Erreger zählt daher zur "Krankenhaus-Flora". Falls es ihm gelingt, sich im menschlichen Darm zu vermehren, kann er auch eine Darmentzündung verursachen. Bei besonders aktiven Bakterien droht ein schweres Krankheitsbild. Es wird durch Clostridiengifte, die Toxine A und B, ausgelöst. Toxin A steigert die Ausscheidung von Körpersalzen und Wasser, Toxin B attackiert die Darmwand und zerstört die Darmschleimhaut. In der Folge kommt es zu starken, wässrigen Durchfällen. Vor allem im Bereich des Enddarms bilden sich großflächige Wundauflagerungen, sogenannte Pseudomembranen. Die Darmwand ist stark geschwollen.
    Symptome:
    Schon zu Beginn der Antibiotikatherapie, manchmal aber auch erst einige Wochen später, treten die ersten Beschwerden auf: Bauchschmerzen und Durchfall. Verstärkte wässrige Durchfälle, die mit Blut oder Schleim versetzt sind und mit Bauchkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen einhergehen, können den Übergang in eine pseudomembranöse Kolitis anzeigen. Der Flüssigkeitsverlust kann bedrohlich sein, ebenso Komplikationen wie Darmdurchbruch und Bauchfellentzündung.
    Diagnose:
    Praktisch jedes Antibiotikum kann eine Darmentzündung auslösen. Besonders bekannt dafür sind aber Arzneistoffe wie Clindamycin, Ampicillin und die Cephalosporine. Neben einem "verdächtigen" Medikament weisen auch die klinischen Befunde auf die Diagnose hin: die Symptome und – bei der körperlichen Untersuchung – ein deutlich druckschmerzhafter linker Unterbauch. Auch Zeichen des Flüssigkeitsverlusts wie trockene, schlaffe Haut und Kreislaufschwäche passen zum Krankheitsbild. Die Ultraschalluntersuchung des Darmes lässt eine durch die Entzündung geschwollene, verdickte Darmwand erkennen.
    Bei Verdacht auf eine jegliche Darmentzündung wird das Verdauungsorgan in der Regel auch endoskopisch untersucht. Dabei sieht der Arzt bei einer beliebigen Kolitis eine entzündlich veränderte Schleimhaut, auf der sich eventuell kleinere Geschwüre gebildet haben. DEione pseudomembranöse Kolitis kennzeichnen massive, blutige entzündliche Auflagerungen. Auch Gewebebiopsien spiegeln die starke Entzündung wider. In Stuhlproben finden sich die Clostridien-Gifte. Erst drei negative Stuhltests schließen die Infektion aus.
    Therapie:
    Als ersten Schritt setzt der Arzt das verantwortliche Antibiotikum ab. Insbesondere bei schweren Verlaufsformen (Meldepflicht) wie der pseudomembranösen Kolitis müssen die Flüssigkeits- und Salzverluste ausgeglichen werden: in der Regel in der Klinik. Als Arzneimittel gegen Clostridien kommen zum Beispiel Metronidazol und Vancomycin zum Einsatz. Es gibt aber auch Bakterien, die nicht darauf ansprechen (Resistenz). Dann suchen die Ärzte nach Alternativen. Nach Abklingen der Erkrankung und erfolgreichem Nahrungsaufbau können Joghurt und Hefepräparate dazu beitragen, die physiologische Darmflora zu stärken und das Rückfallrisiko zu verringern.

Ultraschall: Auch bei Verdacht auf eine Darmentzündung oft aufschlussreich

Thinkstock/Hemera

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Manche Darmentzündungen verlaufen chronisch, häufig auch in Schüben: beschwerdefreie Zeiten wechseln sich mit mehr oder weniger beschwerlichen Krankheitsphasen ab. Die beiden wichtigsten Krankheitsbilder hier: Morbus Crohn (Crohn-Krankheit) und Colitis ulcerosa (Cu).

Am häufigsten erkranken junge Menschen im dritten Lebensjahrzehnt. Die eigentliche Ursache ist bei beiden Darmerkrankungen unbekannt. Unter anderem spielen  wohl Umweltfaktoren und Veranlagung eine Rolle. Inzwischen wurden vielfach Gene identifiziert, die ein erhöhtes Risiko mit sich bringen, an Crohn oder Cu zu erkranken.

Den Auftakt bildet eine Fehlregulation im Magen-Darmtrakt, nämlich eine Barrierestörung der Schleimhaut. Sie macht den Darm anfälliger für schädliche Einflüsse. In der Folge kommt es zu einer chronischen Entzündung, die jedoch bei Crohn und Cu unterschiedlich verläuft. Mitunter ist eine Magen-Darminfektion (infektiöse Gastroenteritis) vorausgegangen. Zigarettenrauchen beeinflusst beide Erkrankungen gegensätzlich: Während das Cu-Risiko sinkt, steigt das Crohn-Risiko.

  • Morbus Crohn: Die Crohn-Krankheit kann sich auf den gesamten Verdauungstrakt erstrecken – vom Mund bis zum After. Alle Wandschichten der erkrankten "Hohlorgane" werden erfasst. Typisch für die Crohn-Krankheit ist das Nebeneinander gesunder und kranker Darmbereiche. Ein Drittel der Betroffenen hat erhebliche Probleme im Anorektalbereich aufgrund von Fisteln, Abszessen, Rissen (Fissuren; mehr dazu im Kapitel "Ursachen im Analbereich") oder einer Einengung (Stenose) des Analkanals. Die Fisteln können sich zur Haut oder benachbarten Organen wie Scheide und Blase hin öffnen. Wenn sie erstmals auftreten, ist das durchaus ein Verdachtsmoment für eine Crohn-Krankheit. Während bei dem einen Betroffenen der Dünndarm und / oder Magen erkrankt, ist es beim anderen der Dickdarm (Kolitis); beim nächsten ist praktisch der gesamte Darm betroffen.
  • Bei den meisten Patienten konzentriert sich die Entzündung auf das Endstück des Dünndarms am Übergang zum Dickdarm beziehungsweise Blinddarm. Das ist das sogenannte terminale Ileum, daher auch die Bezeichnung Ileitis terminalis Crohn. Außerdem kann die Erkrankung auch andere Organe erfassen, etwa die Augen, Gelenke, Haut oder Gallengänge in der Leber. Die chronische Entzündung im Körper wie auch mögliche chronische, wenn auch oft unterschwellige Blutverluste können unter anderem eine Blutarmut auslösen. Dazu kann auch ein entstehender Nährstoff- und Vitaminmangel beitragen.

    Symptome:
    Leitsymptome sind Durchfälle und krampfartige Bauchmerzen. Patienten mit Crohn-Veränderungen im Analbereich leiden oft unter Fisteln oder Abszessen. Dabei kann Blut am After oder im Stuhl erscheinen. Zugleich liegen nicht selten Hämorriden vor, was die Diagnose erschweren kann, da die Symptome ähnlich sind.
    Bei höchstens einem Prozent der Erkrankten kommen massive Blutungen aus dem Darm vor. Ansonsten treten blutige Durchfälle vergleichsweise selten auf. Häufiger entwickeln sich Darmverschlüsse durch Darmverengungen. Auch Abszesse sind möglich. Bei der Ileitis terminalis stehen kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch im Vordergrund. Zusammen mit dem oftmals begleitenden Fieber und einer eventuell tastbaren Schwellung lässt dies mitunter eine Blinddarmentzündung vermuten. Auch andere Organe können miterkranken. Die Augen können unangenehm entzündet und gerötet sein (vgl. Beiträge Sehstörungen und Rotes Auge (hier: Abschnitte Iritis / Uveitis)). Mögliche Begleitsymptome außerdem: Gelenkschmerzen und -schwellungen infolge einer Gelenkentzündung (Arthritis), Kreuzschmerzen, Gewichtsverlust.

    Diagnose:
    Siehe dazu die allgemeinen Informationen im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Bei der Darmspiegelung zeigen sich unter anderem landkartenartig angeordnete Geschwüre, das sogenannte Pflastersteinrelief, und stippchenartige Blutungen auf der Schleimhaut. Auch in Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel oder weiteren bildgebenden Untersuchungen – von der Sonografie der Bauchorgane über eine spezielle Form der Endoskopie (Videokapselendoskopie) oder Magnetresonanztomografie des Dünndarms bis zur Computertomografie – lassen sich krankheitstypische Darmwandveränderungen nachvollziehen. Blutanalysen können ergänzende Informationen liefern. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus verschiedenen Abschnitten des Verdauungstraktes (Stufenbiopsien) oder beispielsweise auch aus Fisteln sichern die Diagnose teilweise. Andere miterkrankte Organe untersuchen die jeweils zuständigen Fachärzte. Verläuft eine als Crohn-Kolitis bewertete Darmentzündung sehr schwer oder spricht nicht auf die üblichen Medikamente an, wird der Arzt eine spezielle Darminfektion wie zum Beispiel durch das Bakterium Clostridium difficile oder das Cytomegalie-Virus (CMV, siehe jeweils weiter oben) ausschließen.

    Therapie:
    Medikamente, die bei fortbestehenden Symptomen oder Erkrankungsschüben eingesetzt werden, sind entzündungshemmende Arzneistoffe. Diesbezüglich am bekanntesten ist Kortison. Zur Behandlung einer Crohn-Dickdarmentzündung bietet sich auch Sulfasalazin (hier: Mesalazin) an, ein entzündungshemmender Arzneistoff. Außerdem kommen Medikamente wie Azathioprin oder Methotrexat zum Einsatz – indem sie das Kortison allmählich ablösen, das nur befristet angewandt werden soll. Diese Möglichkeit kann zum Beispiel bei ausgedehntem Befall des Dünndarmes oder neu aufflammenden Beschwerden nach einer Kortisonbehandlung infrage kommen. Weitere Möglichkeit: sogenannte Biologicals (biotechnisch hergestellte Antikörper). Sie haben zum Beispiel ihren Platz bei "kortisonpflichtigen" Krankheitserscheinungen, die auf Kortison aber nicht ansprechen, etwa eine schwere Dickdarmentzündung im Schub oder ausgeprägte Analfisteln.

    Mit allen diesen Optionen, teilweise auch in kombinierter Form, gelingt es heute meist, die Beschwerden unter Kontrolle zu bringen und die Häufigkeit von Komplikationen zu senken. Manche, doch längst nicht alle Patienten mit Crohn-Krankheit benötigen eine mehrjährige Therapie, zum Beispiel mit Azathioprin.

    Der Arzt wird bei den Kontrolluntersuchungen auf mögliche Nebenwirkungen der Medikamente achten und die Therapie bei Bedarf gegebenenfalls umstellen. Schwere Komplikationen wie massive Darmblutung, Darmverschluss durch einen narbig verengten entzündeten Darmabschnitt (Striktur oder Stenose) oder ein Darmdurchbruch machen eine Operation nötig. Dabei wird versucht, möglichst sparsam und darmschonend vorzugehen. Bei kurzer Engstelle bietet sich zum Beispiel manchmal eine endoskopische Aufdehnung an. Wichtig: Die Verengung muss diagnostisch gut abgeklärt sein.

    Wichtig:
    Patienten mit Morbus Crohn sollten von Spezialisten in entsprechenden Zentren behandelt werden. Das gilt insbesondere auch für chirurgische Eingriffe. Und: Betroffene haben teilweise ein erhöhtes Risiko für Krebs (zum Beispiel Darmkrebs, falls der Dickdarm erkrankt ist). Daher raten Ärzte ab einer bestimmten Krankheitsdauer zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen (vgl. weiter unten: Krebsfrüherkennung bei Colitis ulcerosa).

    Ernährung bei Crohn-Krankheit:
    Eine spezielle Diät gibt es nicht. Die Ernährung hängt davon ab, wie akut die Erkrankung gerade ist. Wenn die Lage einigermaßen stabil ist, gilt die Regel: Erlaubt ist, was bekommt. Meistens läuft das auf eine leichte Vollkost, die auch genügend Ballaststoffe bietet, heraus. Trinknahrungen können helfen, Gewichtsverluste schneller wieder wettzumachen. Eine Laktose- beziehungsweise milchzuckerfreie Ernährung ohne Milch beziehungsweise Milchprodukte ist bei entsprechender Unverträglichkeit sinnvoll. Rauchverzicht senkt bei der Crohn-Krankheit das Risiko eines erneuten Schubes. Während einer akuten Entzündungsphase hat sich eine ballaststoffarme Ernährung bewährt.

    Falls vorübergehend eine künstliche Ernährung über die Blutbahn notwendig wurde, tastet man sich anschließend wieder Schritt für Schritt an die zuvor vertragene Kost heran. Ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel wird durch entsprechende Präparate ausgeglichen. Auch einem Kalzium- und Vitamin-D-Mangel wird der Arzt gegensteuern. Besonders wichtig ist das bei einer Kortisontherapie, da sie das Osteoporoserisiko erhöht.

Weitere Informationen, auch zur Therapie, finden Sie im Ratgeber Morbus Crohn.

  • Colitis ulcerosa (Cu): Im Gegensatz zu Morbus Crohn, der die gesamte Darmwand erfasst, ist bei der Cu hauptsächlich die Schleimhaut betroffen. Die Veränderungen breiten sich kontinuierlich und flächenhaft aus. Es bilden sich Geschwüre, die mit Eiweißschlieren belegt sind, und Abszesse in den Schleimhautschluchten (Kryptenabzesse). Im weiteren Verlauf wird die Schleimhaut bis auf Reste mit polypenähnlichen Inseln zerstört. Im Extremfall verliert der Darm seine Kontur und wird gewissermaßen zu einem Rohr. In dem verkümmerten, aber reichlich mit Entzündungszellen durchsetzten Gewebe können sich neue, genetisch leicht veränderte Zellen bilden (sogenannte Zell-Dysplasien, siehe auch Abschnitt "Polypen" weiter oben). Sie können mit der Zeit in entartete Zellen übergehen. Die Cu beginnt immer im Mastdarm und setzt sich nach oben fort. Entweder beschränkt sie sich dann auf den linksseitigen Dickdarm, oder sie befällt das gesamte Organ. Wie bei der Crohn-Krankheit, aber doch seltener, können auch Organe wie die Augen, Gelenke einschließlich der kleinen Wirbelgelenke und die Haut erkranken. Entzündliche Veränderungen der Gallengänge in der Leber (sogenannte primär sklerosierende Cholangitis) kommen dagegen häufiger vor als bei Morbus Crohn.

    Symptome:
    Leitsymptome sind schleimig-blutig Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen, vor allem vor dem Stuhlgang. Die Betroffenen verlieren an Gewicht. Erkrankte Kinder wachsen schlechter. Die Entzündung kann schubartig und fiebrig verlaufen, zwischendurch aber wieder vollständig zum Stillstand kommen. Ein Schub kann durch körperliche oder psychische Belastungen ausgelöst werden. Andere Patienten haben ständig mehr oder weniger ausgeprägte Beschwerden. Als Komplikation sind starke Darmblutungen, eine massive Entzündung mit Blutvergiftung, eine Darmüberblähung mit Gefahr des Durchbruchs und der Bauchfellentzündung – ein
    "toxisches Megakolon" – möglich. Dank der Behandlungsmöglichkeiten kommt das heute zum Glück nur noch selten vor.

    Diagnose:
    Sie beruht auf den im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" beschriebenen Möglichkeiten. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus der Darmschleimhaut sind obligatorisch. Der Arzt entnimmt sie im Rahmen der Koloskopie, bei der er sehr gründlich sowohl den Mastdarm als auch das Endstück des Dünndarms (terminales Ileum) begutachtet. Mithilfe der hochauflösenden Sonografie lässt sich die Darmwand beurteilen. Blutuntersuchungen lassen Entzündungszeichen oder indirekt Hinweise auf eine begleitende Gallengangsentzündung erkennen. Auch im Stuhl lassen sich Entzündungsparameter bestimmen. Weitere Analysen dienen dem Aussschluss einer Darminfektion (infektiöse Kolitis, siehe oben).

    Krebsfrüherkennung bei Cu:
    Bei Colitis-ulcerosa-Patienten steigt das Krebsrisiko mit der Dauer und Ausdehnung der Krankheit. Patienten mit einem ausgedehnten Befall zum Beispiel empfehlen Experten acht Jahre nach Auftreten der ersten Symptome alle ein bis zwei Jahre eine Darmspiegelung zur Kontrolle. Diejenigen, die zugleich eine chronische Entzündung der kleinen Gallengänge in der Leber haben, sollten sich jährlich untersuchen lassen: Bei ihnen ist das Risiko für Gallengangs- und Darmkrebs erhöht, sodass der Arzt beide Bereiche sorgfältig im Blick behalten wird. Auch nach weiträumiger Entfernung des Darmes oder Anlage eines Pouches (siehe unten) wird der Arzt die Betroffenen regelmäßig überwachen.

    Therapie:
    Bei mäßig ausgeprägter Krankheit ist die Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure-Präparaten (5-ASA oder Mesalazin, das entsprechende Retardpräparat) angezeigt. Der Arzneistoff kann die Entzündung unterbinden und weiteren Schüben vorbeugen. Er wird zur Langzeitbehandlung eingesetzt und ist auch in Form von Zäpfchen, Rektalschaum und Einläufen (Klysmen) zur örtlichen Behandlung einer Proktitis ulcerosa verfügbar. Die Kombination von Einläufen und Einnahme hat sich auch bei einer Colitis ulcerosa des linksseitigen Dickdarmes (linksseitige Colitis ulcerosa) bewährt. 5-ASA kann das durch die Erkrankung erhöhte Krebsrisiko senken. Ein weiteres Mittel, das eventuell infrage kommt, wenn 5-ASA nicht vertragen wird, heißt E. coli-Nissle-Präparat. Bei schweren Formen ist (zusätzlich) Kortison notwendig. Immunsuppressiva wie zum Beispiel Azathioprin oder 6-Mercaptopurin, sogenannte Calcineurininhibitoren wie Ciclosporin oder Tacrolimus oder auch Biologicals in Form von speziellen Antikörpern (sogenante Anti-TNF-Antikörper und Antikörper mit anderer Zielrichtung) sind hier weitere Therapieoptionen.

    Im Allgemeinen befürworten Ärzte nach Abklingen der Krankheitszeichen bei Colitis ulcerosa eine längere Erhaltungstherapie, etwa mit 5-ASA, manchmal auch mit einem Immunsuppressivum wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin. Im akuten Schub kann zudem eine vorübergehende künstliche Ernährung über Sonden oder über die Blutbahn notwendig sein, um den Darm komplett zu entlasten.

    Bei Komplikationen wie schweren Blutungen oder dem "toxischen Megakolon" (siehe oben) ist zunächst eine Notfalloperation mit Anlage eines künstlichen Darmausgangs unvermeidlich. Der Dickdarm wird teilweise entfernt. Wenn die Lage sich wieder beruhigt hat, wird im zweiten Schritt die Mastdarmschleimhaut weggenommen und eine Verbindung zwischen Darmausgang und Dünndarm unter Einbau eines Dünndarmreservoirs, ein sogenannter Pouch, angelegt. Die Operation heißt etwas umständlich "Proktokolektomie mit kontinenzerhaltender ilioanaler Pouchoperation", da hierbei der Schließmuskel am Darmausgang und somit der natürliche Verschluss (die Kontinenz) erhalten bleibt. Sie lässt sich im Rahmen einer offenen Bauchoperation oder auch minimal invasiv, ähnlich wie eine Bauchspiegelung, durchführen. Außerhalb einer Notlage kann der Eingriff zur passenden Zeit (elektiv) stattfinden. Dies kommt infrage, wenn bei einem Patienten der gesamte Dickdarm betroffen ist, die medikamentöse Therapie jedoch nicht genügend hilft, oder wenn eine Tendenz zur Krebsentwicklung besteht, zum Beispiel bei nachgewiesenen Zellveränderungen (Dysplasien).

    Prinzipiell gehen Ärzte davon aus, dass die Betroffenen nach Entfernung des Dickdarms geheilt sind. Dennoch sind nach der Operation wegen eines erhöhten Krebsrisikos am Pouchrand regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

    Ernährung:
    Eine Ernährungsberatung ist wichtig, um sich nicht aus Sorge vor möglichen Unverträglichkeiten zu einseitig zu ernähren und in eine Mangelsituation zu geraten. Bei Eisen-, Mineralstoff- oder Vitaminmangel wird der Arzt entsprechende Präparate verordnen. Ansonsten siehe oben bei Morbus Crohn. Techniken der Stressbewältigung können dazu beitragen, Schüben vorzubeugen. Viele Betroffene fühlen sich durch den Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen im Umgang mit der Krankheit besser gewappnet (im Internet: www.dccv.de; www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten).

Ausführlicher informiert Sie der Ratgeber "Colitis ulcerosa".

Sonderfälle: Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis

  • Diversionkolitis: Darunter versteht man eine Entzündung in einem operativ ausgeschalteten Darmabschnitt unterhalb eines künstlichen Darmausgangs. "Diversion" bedeutet eigentlich Umleitung. Wird ein künstlicher Darmausgang (Stoma) am Dünndarm (Ileostoma) oder Dickdarm (Kolostoma) angelegt, wird der übrige Darmabschnitt unterhalb "geschont". Dies ist entweder eine endgültige Therapie oder eine Zwischenlösung, um den erkrankten Bereich vorübergehend ruhigzustellen und Entzündungen schneller zum Abklingen zu bringen. Warum sich aber in dem ausgeschalteten Bereich, etwa dem Mastadrm- oder Rektumstumpf, manchmal eine Entzündung, eine sogenannte Diversionskolitis, entwickelt, ist noch ungeklärt.

    Symptome:
    Oft fehlen Beschwerden. Manchmal können aber schon kurz nach der Operation oder erst Jahre später (bei definitivem Stoma) Symptome auftreten, etwa Austritt von Schleim und Blut aus dem künstlichen Darmausgang. Auch Bauchschmerzen, die in den Rücken oder Unterbauch ausstrahlen können, Blähungen und Völlegefühl sind mögliche Beschwerden.


    Diagnose:
    Mittels Darmspiegelung oberhalb und unterhalb des Stomas lässt sich sowohl der ausgeschalteten als auch der arbeitende Darm begutachten. Der Arzt entnimmt dabei gegebenenfalls Gewebeproben für die feingewebliche Untersuchung.

    Therapie:
    Falls möglich, macht der Chirurg die Umleitung zum passenden Zeitpunkt operativ wieder rückgängig. Damit klingt die Entzündung in der Regel von alleine ab. Andernfalls wird er bei Bedarf eine Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA), Kortison und auch kurzkettigen Fettsäuren über Einläufe einleiten. Kurzkettige Fettsäuren fallen im gesunden Darm mit ausgeglichener Keimflora natürlicherweise beim Abbau von Stärke und Eiweiß an. Sie sind ein wichtiger Nährstoff für die Zellen der Darmschleimhaut. Unter anderem können sie bei einer Diversionskolitis im Darm vermindert sein, was neben fehlenden mechanischen Reizen offenbar einen Teil der Entzündung im stillgelegten Darmabschnitt ausmacht.
  • Pouchitis: Ein Pouch, wörtlich Beutel, ist ein vom Chirurg aus Darmschlingen aufgebautes Reservoir, das den entfernten Mastdarm gewissermaßen ersetzt. Es kann sich akut oder chronisch entzünden. Einen Pouch legen Chirurgen zum Beispiel an, wenn der gesamte Dickdarm zum Beispiel wegen einer schweren Entzündung bei einer Colitis ulcerosa oder einer Familären Polyposis (FAP, siehe Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") entfernt werden musste. Eine oft gewählte Konstruktion ist der ilioanale Pouch – eine Verbindung zwischen Dünndarm und After über ein beutelartiges Gewinde aus mehreren miteinander verbundenen Darmschlingen. Der erhaltene Anus sichert den Darmverschluss, die Kontinenz. Es gibt beim Pouchdesign zahlreiche Varianten. Die Entzündung im Pouch ist eine Langzeitkomplikation, die erst Monate nach der Operation auftritt. Im Falle einer Vorerkrankung wie Colitis ulcerosa, bei der das Risiko einer Pouchentzündung offenbar etwas erhöht ist, wird vermutet, dass die Grunderkrankung selbst der Auslöser ist, obwohl die Betroffenen nach der Operation in der Regel als geheilt gelten. Daneben werden weitere Ursachen angenommen, etwa eine Störung der bakteriellen Darmflora und Infektionen mit speziellen Erregern. Wenn eine Entzündung im Pouch länger als drei Monate besteht, gilt sie als chronisch.

    Symptome bei Pouchitis:
    Schon
    beim normalen Pouch ist die Stuhlfrequenz erhöht. Im Vergleich dazu nehmen die Entleerungen bei Pouchitis noch zu. Es kommt also regelrecht zu Durchfällen, außerdem zu einem quälenden ständigen Stuhldrang, Schmerzen und Krämpfen bei den Entleerungen (Tenesmen) sowie Absonderung von Blut und Schleim. Selten kann sich Fieber einstellen.
  • Cuffitis: Ein Cuff ist die schmale, ringförmige Manschette von Enddarmschleimhaut oberhalb der Pouchnaht am After. Eine Entzündung hier (Cuffitis) tritt häufig schon kurze Zeit nach dem Eingriff auf. Dabei kann es ebenfalls bluten. Als Ursache gilt zurückgelassene, im Rahmen der Grundkrankheit Colitis ulcerosa entzündete Darmschleimhaut des Mastdarmes. Infrage kommen eventuell auch örtliche Komplikationen durch technische Besonderheiten bei dem Eingriff oder bestimmte vorausgegangene Medikamentenbehandlungen.

    Symptome:
    Die Beschwerden sind ähnlich wie bei Pouchitis, zusätzlich besteht oft Juckreiz im Analbereich.


    Diagnose
    (Pouchitis, Cuffitis): Die Krankengeschichte des Patienten ist dem Arzt in der Regel bekannt. Hilfreich sind sodann die Angaben zu den Beschwerden, die sich auch anhand eines Fragebogens präzisieren lassen. Es folgen die Austastung des Darmausgangs und eine Darmspiegelung (Pouch-Endoskopie). Dabei begutachtet der Arzt die Schleimhaut des Pouches und / oder Cuffs optisch und entnimmt Gewebeproben (dieses Vorgehen gilt für Pouchitis und Cuffitis). Bei hartnäckiger Pouchitis kann auch eine bakteriologische Untersuchung von Stuhlproben notwendig sein. Besteht Verdacht auf ein Leck, eine Fistelöffnung oder einen Abszess, kommen weitere bildgebende Diagnoseschritte, etwa eine Röntgenuntersuchung oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.

    Therapie (Pouchitis, Cuffitis):
    Eine akute Pouchitis lässt sich meistens mit bestimmten Antibiotika (Metronidazol, Ciprofloxazin) und sogenannten Probiotika behandeln. Das sind Präparate mit Kulturen von Milchsäurebakterien für den Darm. Letztere haben auch bei der chronischen Pouchitis ihren Platz. Manchmal setzt der Arzt 5-Aminosalicylsäure (5-ASA beziehungsweise Mesalazin, insbesondere auch bei Cuffitis) oder Kortison in örtlich anwendbarer Form ein. Bei schwerer Ausprägung der Pouchitis ist ein Medikament notwendig, welches das Immunsystem unterdrückt. Falls die medikamentöse Therapie überhaupt nicht greift, muss der entzündete Pouch entfernt und ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Einstülpung (Invagination) des Darmes

Überbewegliche Darmabschnitte können sich bei sehr starker Darmtätigkeit ineinander stülpen. Dabei können auch Darmblutungen auftreten. Dies kommt hauptsächlich bei Säuglingen und Kleinkindern vor.

Neben Blinddarmentzündungen sind Invaginationen des Dünndarmes bei Säuglingen und Kleinkindern ein häufiger Grund für einen "akuten Bauch". Meist schiebt sich Dünndarm in den Anfang des Dickdarms. Auch bei einem Meckel-Divertikel (siehe nachfolgend) kann es dazu kommen. Bei Erwachsenen sind es andere Auslöser, zum Beispiel Dünndarmtumoren (mehr dazu weiter unten). Die Beschwerden zeigen bei ihnen aber eine größere Bandbreite, Blutungen spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Symptome: Die kleinen Patienten entwickeln aus heiterem Himmel die Zeichen eines akuten Bauches: starke Bauchschmerzen (Koliken), Erbrechen, der Bauch ist angespannt. Im rechten Unterbauch kann eine walzenartige Verdickung tastbar sein. Eine "johannisbeergeleeartige" Darmblutung ist verdächtig für einen fortgeschrittenen Verlauf  – es ist Gefahr im Verzug.

Diagnose und Therapie: Das Kind muss sofort in die Kinderklinik. Dort stellt der Arzt die Diagnose aufgrund der körperlichen Untersuchung und einer Sonografie. Oft lässt sich die Einstülpung mechanisch über einen Einlauf mit Kontrastmittel oder Einbringen von Wasser und Luft in den Darm lösen. Eine Operation ist (im Gegensatz zu erwachsenen Patienten) nicht nötig, wenn die Therapie früh genug einsetzt und zum Beispiel kein Meckel-Divertikel (siehe nächster Abschnitt) oder eine akute Blinddarmentzündung dahinter steckt.

Meckel-Divertikel

Die Meckel-Divertikel genannte Ausstülpung des Dünndarmes ist ein Überbleibsel aus der Embryonalzeit. Solche Divertikel können verschiedene Formen haben und sich entzünden. Wenn die enthaltene Schleimhaut zum Beispiel aus versprengten Zellen des Magens oder der Bauchspeicheldrüse besteht, die Verdauungssäfte bilden, kann es zu Geschwüren und Blutungen kommen.

Meckel-Divertikel liegen etwa einen halben Meter vor der Mündungsstelle des Dünndarmes in den eigentlichen Blinddarm (in den unteren Dickdarmpol auf der rechten Körperseite, auch Zökum genannt). Divertikelentzündungen betreffen am häufigsten Kinder – Jungen doppelt so häufig wie Mädchen. Mit zunehmendem Alter der Kinder machen diese Dünndarmausstülpungen seltener Beschwerden, im Erwachsenenalter kaum mehr, obwohl die Anlage zum Beispiel bei einer Operation noch auffindbar sein kann. Das Divertikel kann aber auch zu einem Darmverschluss führen oder sich in den Darm hineinstülpen (Invagination, siehe oben).

Symptome: Ein Meckel-Divertikel kann symptomlos sein und als Zufallsbefund bei einem Baucheingriff, etwa einer Blinddarmoperation, entdeckt werden. Es kann aber auch zu einer Komplikation mit Beschwerden kommen: Das Divertikel kann sich entzünden und zu Schmerzen im rechten Bauch, Übelkeit und Brechreiz führen. Wenn sich Geschwüre entwickeln, sind Blutungen mit sichtbaren Blutabgängen oder dunkler Verfärbung des Stuhles (sogenannter Teerstuhl) möglich.

Diagnose: Der Arzt tastet den Bauch ab, untersucht ihn mit Ultraschall und überprüft auch das Blut. Die wichtigste Zweitdiagnose ist bei den genannten Beschwerden eine Binddarmentzündung. Die Diagnose ergibt sich bei einer Bauchspiegelung (Laparaskopie). Diese führt ein Kinderchirurg durch.

Therapie: Kann der Arzt bei der Laparoskopie die Diagnose eines Meckel-Divertikels als Ursache der Beschwerden / der Blutung stellen, wird er das Gebilde laparaskopisch auch gleich entfernen (Divertikulektomie).

Dünndarmtumoren

Geschwülste kommen im Dünndarm deutlich seltener vor als im Dickdarm. Die Tumoren sind häufiger gut- als bösartig. Beschwerden bereiten sie meist erst ab einer bestimmten Größe.

Wie es zu Dünndarmtumoren kommen kann, ist noch weitgehend unklar. Ausnahmen: erbliche Polypen-Erkrankungen (mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") und Morbus Crohn, der mit einem erhöhten Krebsrisiko, unter anderem für Dünndarmkrebs, einhergeht. Zu den gutartigen Dünndarmtumoren gehören unter anderem die polypenartigen Adenome (siehe Abschnitt "Polypen" weiter oben), die in der Schleimhaut wachsen.

Doch können auch die anderen Darmgewebe – Muskulatur der Darmwand, Fett- und Bindegewebe, Nerven und Gefäße – gutatige wie bösartige Tumoren hervorbringen. Sogenannte gastrointestinale Stromatumoren (GIST) sind bösartige Gebilde, die sich aus bestimmten Darmzellen entwickeln und zum Teil mit bestimmten Genveränderungen einhergehen, zum Beispiel des sogenannten Tyrosinkinase-Rezeptors KIT. Sie können im Übrigen nicht nur im Dünndarm, sondern auch im Magen oder Dickdarm wachsen. Dies gilt auch für bösartige Tumorformen wie die Karzinoide oder neuroendokrinen Tumoren. Außer an den genannten Stellen können diese Geschwülste zum Beispiel auch in der Bauchspeicheldrüse oder im Enddarm sitzen. Ein kleiner Teil der Karzinoide sondert bestimmte Hormone ab, was besondere Beschwerden verursacht.

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bauch, mitunter vor allem im mittleren Bauch, Übelkeit, Erbechen, Gewichtsverlust und Blut aus dem Darm. Ab einer bestimmten Größe kann die Geschwulst den Darm verlegen, sodass es zum Darmverschluss kommt. Karzinoide / neuroendokrine Tumoren können unter anderem Durchfälle, anfallsartige Hitzewallung, Rötungen im Gesicht und am Hals, Herzrasen, Magengeschwüre und Störungen des Zuckerstoffwechsels verursachen.

Diagnose: Dazu tragen einmal die Angaben des Betroffenen über die Entwicklung der Symptome bei. Die körperliche Untersuchung durch den Arzt und verschiedene apparative Maßnahmen, die er veranlasst, können die Diagnose sichern: Ultraschalluntersuchungen des Bauches, eine Spiegelung des oberen Magen-Darm-Trakts, die Kontrastdarstellung des Dünndarms (auch als Computertomografie), sodann spezielle Formen der Magnetesonanztomografie und der Endoskopie wie Hydro-MRT und Videokapselendoskopie (dabei wird eine Kapsel mit eingebauter Minikamera verschluckt). Manchmal führt erst eine Röntgen-Gefäßdarstellung zum Ziel. Bei einem mutmaßlichen Karzinoid können bestimmte Laboranalysen den Arzt auf die Spur führen.

Therapie: In erster Linie werden Dünndarmtumoren operativ entfernt. Im Einzelfall setzen Ärzte spezielle Medikamente ein. So zum Beispiel bei einem GIST mit nachgewiesener Veränderung des Tyrosinkinase-Gens KIT sogenannte Tyrosinkinase-Inhibitoren, bei anderen bösartigen Formen eine Chemotherapie oder Medikamente, die in die krankhafte Hormonbildung eingreifen.


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