Trotz intensiver weltweiter Forschung ist die Ursache der MS bislang nicht eindeutig verstanden. Vieles spricht für eine Kombination aus begünstigenden Erbanlagen sowie Umwelteinflüssen, die zu einer Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems führt. Möglicherweise müssen mehrere Faktoren gleichzeitig vorliegen, damit die Erkrankung auftritt.

Ist Multiple Sklerose vererbbar?

MS ist keine "klassische Erbkrankheit", die von den Eltern an das Kind weitergegeben wird. Das Risiko für Kinder eines MS-erkrankten Elternteils auch eine MS zu bekommen ist im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung gering erhöht (circa 2 Prozent vs. 0,1 Prozent). Damit gibt es Hinweise, dass erbliche Faktoren die Entstehung einer MS begünstigen. So verteilt sich die Krankheit nicht gleichmäßig über alle Bevölkerungsgruppen und Länder, sondern kommt regional und in verschiedenen ethnischen Gruppen unterschiedlich häufig vor. In der medizinischen Praxis berichtet ungefähr jeder fünfte MS-Betroffene von blutsverwandten Angehörigen, die ebenfalls an Multipler Sklerose erkrankt waren oder sind. Die genetischen Ursachen dafür sind unklar. Erblich bedingte Merkmale weißer Blutkörperchen könnten zum Beispiel eine Rolle spielen.

Multiple Sklerose und Sonneneinstrahlung

Das Interesse am Thema Sonneneinstrahlung und MS entwickelte sich aus der Erkenntnis, dass das MS-Risiko mit höheren Breitengraden zunimmt. In Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung wie Afrika und großen Teilen Asiens sind weniger Patienten betroffen als in weiter nördlich und südlich gelegenen Gebieten. Je stärker die Sonneneinstrahlung, desto besser kann der Körper normalerweise Vitamin D bilden. Je weniger Tageslicht die Menschen abbekommen, desto weniger Vitamin D stellt der Organismus tendenziell her.

Forscher nehmen an, dass die Weichen für eine spätere MS bereits in der Kindheit gestellt werden. Untersuchungen an Auswanderern aus Gebieten mit hohem MS-Risiko in Gebiete mit niedrigem MS-Risiko zeigten: Die Gefahr an einer MS zu erkranken, korreliert mit dem Alter bei der Auswanderung. Emigriert ein Mensch erst im Erwachsenenalter, behält er das Erkrankungsrisiko des verlassenen Landes. Wandert er schon als Kind aus, übernimmt er das Erkrankungsrisiko des neuen Ziellandes.

Für Vitamin D konnten experimentell zahlreiche immunmodulatorische und entzündungshemmende Effekte gezeigt werden. Die meisten MS-Patienten haben einen Vitamin D-Mangel, in einigen Fällen lag dieser bereits bei Geburt vor. Zusätzlich wurde gezeigt, dass höhere Vitamin-D-Spiegel mit einem niedrigeren Risiko, an einer MS zu erkranken, assoziiert sind. Auch könnten höhere Vitamin-D-Spiegel mit einer geringeren Krankheitsaktivität einhergehen. Dennoch ist es heute noch nicht klar, ob der veränderte Vitamin-D-Spiegel bei MS-Patienten Folge oder Ursache der Erkrankung ist. Auch sollte man mit der Sonneneinstrahlung vorsichtig umgehen: mit zunehmender Sonnenexposition steigt das Hautkrebsrisiko.

Multiple Sklerose und Lebensstil

Raucher erkranken 1,5mal häufiger an Multipler Sklerose als Nichtraucher. Zunehmend mehr rückt auch ein möglicher Zusammenhang zwischen Ernährung, Darmflora und Multipler Sklerose in den Fokus. In Laborversuchen stellten Wissenschaftler fest, dass die Darmflora an der Entstehung einer MS beteiligt sein könnte.

Multiple Sklerose und Infektionen

Ein eindeutiger "MS-Erreger" ließ sich bislang nicht identifizieren. Verschiedene Krankheitserreger (zum Beispiel Epstein-Barr-Virus, Herpes-Viren) stehen aber in Verdacht, eine Multiple Sklerose auslösen zu können. Womöglich "verwechselt" das Immunsystem fatalerweise körpereigenes Gewebe wie die Hüllschicht der Nervenfasern mit den Keimen – und attackiert es. Aber, wichtig zu wissen: MS ist keinesfalls eine ansteckende Erkrankung!

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