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Die Virusvariante Delta legt anteilsmäßig in Deutschland deutlich zu. Im Zeitraum vom 14. bis 20. Juni lag der Anteil der Mutation zum Beispiel im Bundesland Bayern bereits bei 24,6 Prozent, laut Analyse der Laborgemeinschaft Becker&Kollegen. Auch bundesweit hat der Anteil der Delta-Variante bei den entdeckten Coronafällen deutlich zugenommen, siehe:

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Delta-Variante breitet sich rasant aus

Die Neuansteckungen mit SARS-CoV-2 werden in Deutschland zunehmend durch die hochansteckende Delta-Variante...

Der Immunologe Carsten Watzl rechnet damit, dass im Juli die Variante 50 Prozent der Neuinektionen ausmachen und damit bald vorherrschend sein werde. Das Gute sei, dass das auf einem noch niedrigen Inzidenz-Niveau passiere, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie im ZDF. Doch ist die Virusvariante gefährlicher und was bedeutet die Ausbreitung?

Öfter Klinikaufenthalt als bei früheren Varianten?

„Erste Erkenntnisse aus England und Schottland legen nahe, dass es ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinlieferungen geben könnte als bei der Alpha-Variante“, heißt es in einer aktuellen Risikoeinschätzung von Public Health England. Von einer etwa zweifach höheren Hospitalisierungsrate schreibt die Gesellschaft für Virologie.

Als Alpha-Variante (früher: britische Variante) wird die zunächst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 bezeichnet. Einige Regionen zeigten einen Anstieg von Krankenhauseinlieferungen, allerdings ließe sich der nationale Trend noch nicht abschätzen, so die Behörde.

Ob die Delta-Variante allerdings auch zu einer höheren Todesrate führt, ist laut einer Preprint-Studie aus Indien bislang unklar. In Indien könnte demnach auch der zeitweise Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu mehr Toten geführt haben, so die Forscherinnen und Forscher unter anderem des National Centre for Disease Control in Neu Delhi.

Delta-Variante ist deutlich ansteckender

Eindeutige Belege gibt es hingegen bereits dafür, dass die Delta-Variante (früher: indische Variante) wohl deutlich ansteckender ist als die Alpha-Variante. Während für das ursprüngliche Coronavirus angenommen wurde, dass ein Infizierter, wenn keinerlei Corona-Maßnahmen getroffen werden, im Mittel rund drei bis vier andere Menschen ansteckt, waren es für die in Großbritannien entdeckte Variante Alpha bereits rund fünf Ansteckungen. Bei Delta kommen offenbar weitere 40 bis 60 Prozent hinzu. Der Virologe Christian Drosten berichtete von Hinweisen auf noch einmal deutlich erhöhte Viruslasten im Rachen von Delta-Infizierten im Vergleich zu Alpha. Dazu passen Hinweise, wonach die Mutante krankmachender sein könnte.

Die britische Gesundheitsbehörde Public Health England geht aufgrund verschiedener Analysen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer „substanziell erhöhten Wachstumsrate“ aus. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach mit Blick auf den Bericht von „schlechten Nachrichten“ zur Delta-Variante.

„50 Prozent höhere Übertragbarkeit“

Auch eine Preprint-Studie aus Indien beschäftigt sich mit der Delta-Variante. Forscherinnen und Forscher unter anderem des National Centre for Disease Control in Neu Delhi gehen davon aus, dass die Übertragbarkeit um 50 Prozent höher ist als bei der Alpha-Variante.

Die Delta-Variante könne demnach sehr schnelle Ausbrüche verursachen, bei denen sich auch Geimpfte infizieren. In der Studie heißt es, dass frühere Infektionen und unvollständige Impfungen nicht ausreichten, um die Verbreitung der Delta-Variante zu verhindern, wie dies in Delhi gesehen werden konnte.

Wie gut schützt die Impfung?

Die Botschaft aus der Fachwelt ist klar: Wer vollständig geimpft ist, ist auch bei Delta vor schwerer Erkrankung geschützt. So ermittelte die britische Gesundheitsbehörde Public Health England, dass der Pfizer Biontech-Impfstoff zu 96 Prozent vor einer Krankenhauseinlieferung schützt, AstraZeneca zu 92 Prozent. Mit nur einer von zwei Dosen sei der Effekt jedoch nicht so gut.

Das zeigt auch eine in Nature publizierte Studie: In Laborexperimenten seien die nach einer Einzeldosis von Biontech und Astrazeneca gebildeten Antikörper kaum in der Lage gewesen, an die Delta-Mutante zu binden und sie unschädlich zu machen, berichten Forscher um Olivier Schwartz vom Institut Pasteur in Paris. Eine effiziente Reaktion gegen Delta hätten beide Vakzine erst nach der zweiten Dosis hervorgerufen - bei 95 Prozent der Personen (nach einer Dosis: 10 Prozent).

Um die Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland einzudämmen, müssen also möglichst viele Menschen vollständig geimpft sein. Wie viele immune Menschen es für eine Herdenimmunität brauchen würde, darauf gibt es aber keine allgemeingültige Antwort.

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Herdenimmunität schwerer erreichbar

Bei der ursprünglichen Variante von Corona bezifferten Expertinnen und Experten den Schwellenwert bei der Impfrate zunächst auf etwa zwei Drittel der Bevölkerung, um Herdenimmunität zu erreichen. Zugrunde lag die Annahme, dass ein Infizierter im Schnitt drei Menschen ansteckt, wenn keine Maßnahmen in Kraft sind und niemand immun ist.

Doch dann kamen ansteckendere Virusvarianten: Infizierte mit der hierzulande noch vorherrschenden Variante Alpha stecken im Schnitt mehr Menschen an als Infizierte mit Vorgängervarianten. Daher spricht etwa der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, mittlerweile von einem Ziel von über 80 Prozent Geimpften und Genesenen, um weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichten zu können und die Zahl der Ansteckungen pro Infiziertem (R-Wert) dennoch unter 1 zu halten.

Mit der befürchteten Ausbreitung der offenbar noch ansteckenderen, in Indien entdeckten Delta-Variante dürfte sich das Bild wahrscheinlich erneut ändern: Der Immunologe Carsten Watzl geht dann von einer Schwelle von wohl rund 85 Prozent aus - schwer erreichbar, solange es für Kinder unter 12 Jahren keinen zugelassenen Impfstoff und für Minderjährige keine allgemeine Impfempfehlung gebe.

Delta-Plus-Variante in Indien entdeckt

Inzwischen ist in Indien eine weitere Delta-Variante entdeckt worden. Das indische Gesundheitsministerium ist besorgt über die sogenannte „Delta Plus“-Variante und will sie stärker untersuchen. Die Variante soll besonders ansteckend sein und stärker an Lungenzellen binden, hieß es in einer Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums in Neu Delhi. Bislang gibt es aber noch wenige wissenschaftliche Daten.

Bei der auch als B.1.617.2.1 oder AY.1 benannten Variante handelt es sich um die Delta-Variante mit der zusätzlichen Spike-Mutation K417N, die auch in der zunächst in Südafrika entdeckten Beta-Variante vorgekommen ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfolgt «Delta Plus» derzeit als Teil der Delta-Variante. Noch scheint diese Variante nicht weit verbreitet zu sein.