Diabetes Ratgeber

Wann erhalten Menschen mit Diabetes die Corona-Impfung?

Am 07.06.2021 wurde die Impfpriorisierung für die Corona-Impfungen in den meisten Bundesländern aufgegeben. Das heißt für Menschen mit Diabetes: Sie müssen sich wie alle anderen um einen Impftermin kümmern und werden nicht mehr bevorzugt drangenommen. Impfmöglichkeiten bestehen prinzipiell bei Haus- und Fachärzten sowie über Betriebsärzte.

Seit Start der Impfkampagne am 27.12.2020 hatte sich die Dringlichkeit einer Impfung am Alter, aber auch an Vorerkrankungen und an den beruflichen Tätigkeiten orientiert. Dazu waren sogenannte Prioriätsgruppen vorgegeben worden. Bei Diabetes gab es Gründe für eine höhere Dringlichkeit einer Corona-Schutzimpfung, darunter vor allem höhere Langzeitzuckerwerte (HbA1c ≥ 7,5%). Die Bundesregierung bezeichnete in ihrer Impfverordnung diese höheren HbA1c-Werte als "Diabetes mellitus mit Komplikationen".

Inzwischen gilt: Diabetiker werden aber bei der Terminvergabe nicht mehr gegenüber anderen Bundesbürgen – auch nicht gegenüber Gesunden – bevorzugt.

Kein schnellerer Impftermin mehr wegen ihrer Vorerkrankung: Das gilt auch für die Menschen mit Diabetes, die bisher in "Gruppe 3 - Erhöhte Priorität" fielen. Hier waren Menschen mit gut eingestelltem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes eingestuft (HbA1c < 7,5%), die ansonsten gesund sind.

Seit Mitte August ist die Corona-Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut außerdem für alle 12- bis 17-jährigen Kinder und Jugendliche empfohlen. Zuvor war sie in dieser Altersgruppe nur unter bestimmten Voraussetzungen angeraten. Dazu zählte unter anderem ein Diabetes, der nicht gut eingestellt ist. Möglich ist die Impfung junger Menschen derzeit mit den Impfstoffen von BionTech und Pfizer sowie von Moderna.

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Warum verlief die Corona-Impfung zunächst stufenweise?

Der Impfstoff wurde zunächst so verteilt, dass die Menschen, die am stärksten durch Covid-19 bedroht sind, zuerst geimpft und geschützt werden. Ziel ist es, dass so wenige Menschen wie möglich schwer an Covid-19 erkranken oder sterben.

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Wie bekomme ich einen Termin für die Corona-Impfung?

Wenden Sie sich direkt an Hausärzte und eventuell Fachärzte, wie Frauenärzte und HNO-Ärzte sowie Betriebsärzte. Bei der Vergabe der weiterer Impftermine, zum Beispiel bei Impfaktionen, geht leider jedes Bundesland unterschiedlich vor. Wer sich bei so einer Gelegenheit gegen Corona impfen lassen möchte, muss sich daher über die regionalen Medien oder bei seiner Kommune erkundigen.

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Wie läuft die Corona-Impfung ab?

Inzwischen können Sie eine Corona-Impfung auch mit vielen anderen Impfterminen verbinden – etwa mit der jährlichen Impfung gegen Influenza, die echte Grippe. Gemäß der STIKO muss nun kein zweiwöchiger Abstand mehr zwischen einer Covid-19-Impfung und einer anderen Impfung mit einem Totimpfstoff mehr eingehalten werden. Zu den Impfungen mit Totimpfstoffen zählen neben der Influenzaimpfung z.B. die Impfstoffe gegen Tetanus, Hepatitis A und B, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Keuchhusten, Pneumokokken- und Meningokokken.

Wer mehrere Impfungen in einem Aufwasch erledigen möchte, erhält die Injektionen jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen. Dabei ist zu beachten, dass Impfreaktionen wie zum Beispiel Schmerzen häufiger auftreten können. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfungen wird dadurch – laut STIKO – nicht geringer. Solange die Covid-Impfung sehr neu war hatte die STIKO einen Impfabstand von 14 Tagen empfohlen. Nun hält sie das auf Grund der Datenlage nicht mehr für nötig.

Der Ablauf richtet sich nach dem Impfstoff, den Sie bei der ersten Immunisierung erhalten. Derzeit nutzt Deutschland zwei sogenannte m-RNA-Impfstoffe von BionTech und Pfizer sowie von Moderna. Außerdem sind zwei sogenannte Vektorimpfstoffe in Verwendung: überwiegend von AstraZeneca und manchmal von Johnson und Johnson. Beim verhältnismäßig selten verwendeten Impfstoff von Johnson und Johnson reicht eine Impfung als Grundimmunisierung. Sonst sind zur Grundimmunisierung zwei Spritzen in einem bestimmten zeitlichen Abstand nötig, um den bestmöglichen Impfschutz zu erzielen.

Der Impfstoff der Firmen BionTech und Pfizer soll nach mindestens 21 Tagen erneut verabreicht werden. Beim Moderna-Impfstoff erhält man die zweite Dosis nach mindestens 28 Tagen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut rät dazu, auf keinen Fall mehr als 42 Tage zwischen der ersten und der zweiten Impfung vergehen zu lassen. Beim AstraZeneca-Impfstoff soll die zweite Immunisierung mindestens vier Wochen bis höchstens 12 Wochen nach der ersten erfolgen. Außerdem sollen inzwischen alle mit AstraZeneca Geimpften unabhängig von ihrem Alter mit der zweiten Spritze einen mRNA-Impfstoff erhalten. Angesichts der sich rasant ausbreitenden, deutlich ansteckenderen Delta-Variante des Corona-Virus, hält die STIKO inzwischen, wenn möglich, eher kurze Impfabstände für ratsam. Der Grund: Den besten verfügbaren Schutz gegen die Delta-Variante haben erst zweifach geimpfte Personen. Mit einer hohen Zahl an vollständig Geimpften hofft man, die Übertragung der Delta-Variante einzudämmen und eine mögliche vierte Corona-Welle im Herbst 2021 abzudämpfen.

Der AstraZeneca-Impfstoff kommt seit 31.3.2021 nur noch bei Menschen ab 60 Jahren zum Einsatz. Die STIKO hat dies empfohlen und damit auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den sehr seltenen, aber schweren Nebenwirkungen – speziellen Thromboseformen in den Hirnvenen – reagiert. Diese sind 4 bis 16 Tage nach der Impfung ganz überwiegend bei Frauen im Alter unter 60 Jahren aufgetreten; daher die Altersgrenze. Auch der Impfstoff von Johnson und Johnson ist eigentlich nur für Menschen über 60 Jahren empfohlen. Tatsächlich weicht jedoch die Gesundheitsministerkonferenz inzwischen wieder von diesen Empfehlungen ab. Demnach können sich alle Erwachsenen unabhängig vom Alter freiwillig mit AstraZeneca oder Johnson und Johnson impfen lassen, wenn sie entsprechend über mögliche Risiken aufgeklärt wurden. Das reale Impfgeschehen orientiert sich an diesen politischen Vorgaben.

Menschen, die bereits eine SARS-CoV-2-Infektion hinter sich haben, sollen frühestens ein halbes Jahr nachdem die Infektion diagnostiziert wurde, gegen Corona geimpft werden – und dabei nur eine Dosis erhalten.

Wer braucht eine Corona-Auffrischimpfung?

Menschen, die zur Grundimmunisierung den Einmal-Impfstoff von Johnson und Johnson (manchmal auch Janssen-Impfstoff genannt) erhalten haben, sollten sich ab 4 Wochen nach dieser Impfung zusätzlich einmal mit einem mRNA-Impfstoff nachimpfen lassen. Die STIKO empfiehlt das seit Mitte Oktober 2021. Der Grund: Neue Studien haben gezeigt, dass der Einmal-Impfstoff nicht so gut gegen die inzwischen vorherrschende Delta-Variante des Corona-Virus hilft, wie die anderen zugelassenen Impfstoffe.

Seit Mitte Oktober empfiehlt die STIKO außerdem für bestimmte weitere Personengruppen eine Auffrischimpfung der Covid-19 Impfung, frühestens 6 Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung gegen Corona. Diese Empfehlung gilt für:

  • Menschen im Alter ab 70 Jahren
  • Alle Bewohner von Pflegeinrichtungen, auch wenn sie jünger sind als 70 Jahre
  • Pflegepersonal und andere Tätige, die bei der Arbeit im Pflegebereich direkten Kontakt mit Pflegebedürftigen haben, die entweder alt sind oder ein erhöhtes Risiko für eine schwere Covid-19 Erkrankung haben
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt

Die Auffrischung erfolgt bei diesen Personen mit einem mRNA-Impfstoff, auch wenn davor ein anderer Impfstoff verwendet wurde, etwa der von AstraZeneca. Wer bereits bei der Grundimmunisierung einen mRNA-Impfstoff erhalten hat, soll zur Auffrischung möglichst den gleichen erhalten.

Bereits seit September 2021 hatten einige Menschen, die ein hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben, die Möglichkeit erhalten, ihre Impfung aufzufrischen. Allerdings war dies ein regional geregeltes Angebot. STIKO-Empfehlungen gelten bundesweit.

Was sollte ich als Diabetiker noch beachten?

Menschen mit Diabetes leiden überdurchschnittlich oft auch an Erkrankungen, gegen die sie Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien, umgangssprachlich Blutverdünner) einnehmen. Falls Sie diese Medikamente einnehmen, sollten Sie das Impfteam vorab darüber informieren, damit es Sie mit einer besonders feinen Nadel impft, die das Nachbluten minimiert.

Wichtig ist, dass man nach der Impfung mindestens zwei Minuten mit einer Kompresse Druck auf die Impfstelle ausübt. Menschen, die schon einmal allergisch auf eine Impfung, ein Medikament oder ein bestimmtes Lebensmittel reagiert haben, sollten dies dem Impfteam mitteilen, besonders wenn es sich um eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie bis hin zum Kreislaufschock) gehandelt hat. In der Regel ist eine Impfung dennoch möglich. Zur Sicherheit erfolgt im Anschluss jedoch eine vorübergehende Überwachung (bis zu 30 Minuten). Die Mitarbeiter in den Impfzentren und Arztpraxen sind dafür ausgebildet und ausgerüstet, hier im Notfall richtig helfen zu können.

Schwere allergische Reaktionen, die ärztlicher Hilfe bedurften, sind bisher im Rahmen einer Corona-Impfung nur in seltenen Fällen aufgetreten. Falls nach der Gabe der ersten Impfung doch eine schwere allergische Reaktion auftritt, sollte die zweite Impfdosis nicht verabreicht werden.

Menschen, die einige bis 16 Tage nach der Impfung mit AstraZeneca dauerhaft starke Kopfschmerzen bekommen oder punktförmige blaue Flecken unter der Haut feststellen, sollten sofort einen Arzt aufsuchen.

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