Diabetes Ratgeber

Wer hat Anspruch auf die Corona-Auffrischimpfung?

Laut Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums hat grundsätzlich jeder Anspruch auf eine Auffrischimpfung, auch Booster-Impfung genannt. Das heißt unter anderem: Auffrischimpfungen sind kostenlos, genauso wie die Grundimmunisierung.

Die Booster-Impfungen laufen bereits. Allerdings ist das Vorgehen in verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedlich. Mancherorts wird schon jetzt jeder geimpft, dessen Grundimmunisierung mindestens sechs Monate zurückliegt. Anderswo werden Impftermine priorisiert vergeben – etwa nach dem Alter und oder bestimmten Risiken wie schwerwiegenden Vorerkrankungen.

Wer eine Auffrischimpfung haben möchte, sollte darum darauf vorbereitet sein, dass er unter Umständen länger auf einen Termin wartet. Am besten, man erkundigt sich über Behörden, Medien oder die hausärztliche Praxis, was in der Heimatregion gilt.

Wem rät die Stiko zur Auffrischimpfung?

Menschen, die zur Grundimmunisierung den Einmal-Impfstoff von Johnson und Johnson (manchmal auch Janssen-Impfstoff genannt) erhalten haben, sollten sich ab vier Wochen nach dieser Impfung nachimpfen lassen. Der Grund: Neue Studien haben gezeigt, dass der Einmal-Impfstoff nicht so gut gegen die inzwischen vorherrschende Delta-Variante des Corona-Virus hilft, wie die anderen zugelassenen Impfstoffe. Für alle anderen Personen ab 18 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Institut (Stiko) eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, in der Regel sechs Monate nach der letzten Impfung der Grundimmunisierung. Eine Verkürzung des Impfabstands auf fünf Monate könne im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden. Die Empfehlung zur Boosterimpfung gilt auch für Schwangere ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel.

Vorrangig bei der Auffrischungsimpfung sind laut Stiko jedoch bestimmte Personengruppen. Dies gilt für:

  • Menschen im Alter ab 70 Jahren
  • Alle Bewohner von Pflegeinrichtungen, auch wenn sie jünger sind als 70 Jahre
  • Pflegepersonal und andere Tätige, die bei der Arbeit im Pflegebereich direkten Kontakt mit Pflegebedürftigen haben, die entweder alt sind oder ein erhöhtes Risiko für eine schwere Covid-19 Erkrankung haben
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt
  • Personen mit einem geschwächten Immunsystem

Die Impfkommission hält es für besonders wichtig, dass diese Personengruppen möglichst rasch eine Auffrischimpfung erhalten.

Keine Auffrischimpfung benötigen momentan all jene Menschen, die bereits eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben – sofern es medizinisch sicher nachgewiesen ist, dass sie Corona hatten. Nach der Infektion bleibt der Immunschutz lange hoch.

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Mit welchem Impfstoff erfolgen Booster-Impfungen?

Zur Auffrischung erhalten alle Impfwilligen einen mRNA-Impfstoff (von BionTech/Pfizer oder Moderna) – auch dann, wenn zur Grundimmunisierung ein Vektorimpfstoff (AstraZeneca oder Johnson und Johnson) eingesetzt wurde oder wenn die Grundimmunisierung mit Impfstoffen verschiedener Klassen erfolgte: beispielsweise zunächst mit AstraZeneca und die Zweitimpfung mit BionTech. Wer bereits bei der Grundimmunisierung einen mRNA-Impfstoff erhalten hat, soll zur Auffrischung wieder einen mRNA-Impfstoff erhalten. Es muss aber nicht der gleiche sein wie bei der Grundimmunisierung.

Zwei wichtige Ausnahmen: Alle Geimpften, die jünger sind als 30 Jahre erhalten zur Auffrischung ausschließlich den mRNA-Impfstoff von BionTech/Pfizer. Und ebenso erfolgt eine Auffrischimpfung bei allen Schwangeren mit BionTech/Pfizer. Der Grund für diese Vorgaben: Jüngere Menschen - überwiegend junge Männrt - erkranken nach einer Impfung mit mRNA-Impfstoffen in seltenen Fällen an einer Herzmuskel- und/oder Herzbeutelentzündungen (Myokarditis und Perikarditis). Das passiert beim Impfstoff von BionTech/Pfizer seltener als bei Moderna. Darum wird aus Sicherheitsgründen bei Jüngeren nur noch BionTech/Pfizer benutzt. Für Menschen ab 30 Jahren gibt es solche Unterschiede im Risiko nicht. Insgesamt verlaufen Entzündungen am Herzen, die mit der Impfung zusammenhängen, überwiegend mild. Das teilt die Stiko mit.

Wie bekomme ich einen Termin für eine Corona-Impfung?

Sowohl für eine Grundimmunisierung als auch für die Auffrischimpfung gilt: Wenden Sie sich direkt an Hausärzte sowie Betriebsärzte. Zunehmend werden auch Impfzentren wieder eröffnet und man kann sich dort manchmal spontan impfen lassen. Insgesamt geht jedes Bundesland bei der Terminvergabe eigenständig vor. Ob es lokale Impfaktionen, zum Beispiel am Marktplatz, gibt, ob ältere Personen per Post eine Einladung zur Auffrisch-Impfung erhalten, ob mobile Impf-Teams in Pflegeheime kommen: Das alles erfahren Sie bei Ihren lokalen Behörden und über die lokale Presse – und ebenso, was Sie tun sollten, um einen Impftermin zu erhalten.

Was kann die Wirksamkeit der Corona-Impfung bei Diabetes beeinflussen?

Je besser ein Diabetes eingestellt ist, desto besser wirkt wahrscheinlich die Corona-Impfung. Hinweise auf so einen Zusammenhang erbrachte eine Studie aus Italien mit 478 Teilnehmern. Es zeigte sich, dass die Immunantwort umso schwächer ausfällt, je höher der Langzeitzuckerwert HbA1c zum Zeitpunkt der Impfung ist. Ab HbA1c-Werten über sieben Prozent war die Impfwirkung geringer. Doch die Immunantwort lässt sich offenbar kurz nach einer Corona-Impfung noch positiv beeinflussen: Laut Studie verbesserte sich die Immunreaktion, wenn der Diabetes in den ersten zwei Wochen nach einer Impfung besser eingestellt wurde.

Menschen mit einem höheren Langzeitzuckerwert (HbA1c ≥ 7,5%) zählen bereits seit Beginn der Corona-Pandemie zu den Risikogruppen, für die Experten eine Corona-Impfung für besonders nötig halten. Die Bundesregierung bezeichnet in ihrer Impfverordnung höhere HbA1c-Werte als "Diabetes mellitus mit Komplikationen". Wenn es jetzt um die Booster-Impfung geht, sollten Betroffene – sofern ihnen nicht unmittelbar ein Auffrisch-Termin vorgeschlagen wird – mit ihrem Arzt besprechen, welches Vorgehen sinnvoll ist.

Warum verlief die Corona-Impfung zunächst stufenweise?

Als der Impfstoff knapp war, wurde er zunächst so verteilt, dass die Menschen, die am stärksten durch Covid-19 bedroht sind, zuerst geimpft und geschützt wurden. Derzeit ist Impfstoff in ausreichender Menge vorhanden, sodass sich jeder Impfbereite sehr zeitnah eine Grundimmunisierung geben lassen kann. Auch für Auffrischimpfungen steht momentan genug Impfstoff zur Verfügung. Schwierigkeiten gibt es eher bei der Terminvergabe.

Wie läuft die Corona-Impfung ab?

Inzwischen können Sie eine Corona-Impfung auch mit vielen anderen Impfterminen verbinden – etwa mit der jährlichen Impfung gegen Influenza, die echte Grippe. Gemäß der Stiko muss nun kein zweiwöchiger Abstand mehr zwischen einer Covid-19-Impfung und einer anderen Impfung mit einem Totimpfstoff mehr eingehalten werden. Zu den Impfungen mit Totimpfstoffen zählen neben der Influenzaimpfung z.B. die Impfstoffe gegen Tetanus, Hepatitis A und B, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Keuchhusten, Pneumokokken- und Meningokokken.

Wer mehrere Impfungen in einem Aufwasch erledigen möchte, erhält die Injektionen jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen. Dabei ist zu beachten, dass Impfreaktionen wie zum Beispiel Schmerzen auftreten können. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfungen wird dadurch – laut Stiko – nicht geringer. Solange die Covid-Impfung sehr neu war hatte die Stiko einen Impfabstand von 14 Tagen empfohlen. Nun hält sie das auf Grund der Datenlage nicht mehr für nötig.

Der Ablauf einer Grundimmunisierung richtet sich nach dem Impfstoff, den Sie beim ersten Impftermin erhalten erhalten. Derzeit nutzt Deutschland zwei sogenannte m-RNA-Impfstoffe von BionTech und Pfizer sowie von Moderna. Außerdem sind zwei sogenannte Vektorimpfstoffe in Verwendung: überwiegend von AstraZeneca und manchmal von Johnson und Johnson. Beim verhältnismäßig selten verwendeten Impfstoff von Johnson und Johnson reicht eine Impfung als Grundimmunisierung. Sonst sind zur Grundimmunisierung zwei Spritzen in einem bestimmten zeitlichen Abstand nötig, um den bestmöglichen Impfschutz zu erzielen.

Der Impfstoff der Firmen BionTech und Pfizer soll nach mindestens 21 Tagen erneut verabreicht werden. Beim Moderna-Impfstoff erhält man die zweite Dosis nach mindestens 28 Tagen. Stiko rät dazu, auf keinen Fall mehr als 42 Tage zwischen der ersten und der zweiten Impfung vergehen zu lassen. Beim AstraZeneca-Impfstoff soll die zweite Immunisierung ab vier Wochen nach der ersten Impfung unabhängig vom Alter mit mRNA-Impfstoff erfolgen.

Der AstraZeneca-Impfstoff kommt seit 31.3.2021 nur noch bei Menschen ab 60 Jahren zum Einsatz. Wer noch keine 30 Jahre alt ist, erhält laut einem Beschlussentwurf der Stiko eine Grundimmunisierung in Zukunft ausschließlich mit dem m-RNA-Impfstoff von BionTech/Pfizer.

Menschen, die bereits eine SARS-CoV-2-Infektion hinter sich haben, sollen frühestens ein halbes Jahr nachdem die Infektion diagnostiziert wurde, erstmals gegen Corona geimpft werden – und dabei nur eine Dosis erhalten. Eine Auffrischimpfung brauchen sie momentan nicht.

Erklärvideo zu mRNA-Impfstoffen

Was sollte ich als Diabetiker noch beachten?

Menschen mit Diabetes leiden überdurchschnittlich oft auch an Erkrankungen, gegen die sie Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien, umgangssprachlich Blutverdünner) einnehmen. Falls Sie diese Medikamente einnehmen, sollten Sie das Impfteam vorab darüber informieren, damit es Sie mit einer besonders feinen Nadel impft, die das Nachbluten minimiert.

Wichtig ist, dass man nach der Impfung mindestens zwei Minuten mit einer Kompresse Druck auf die Impfstelle ausübt. Menschen, die schon einmal allergisch auf eine Impfung, ein Medikament oder ein bestimmtes Lebensmittel reagiert haben, sollten dies dem Impfteam mitteilen, besonders wenn es sich um eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie bis hin zum Kreislaufschock) gehandelt hat. In der Regel ist eine Impfung dennoch möglich. Zur Sicherheit erfolgt im Anschluss jedoch eine längere vorübergehende Überwachung (bis zu 30 Minuten). Die Mitarbeiter in den Impfzentren und Arztpraxen sind dafür ausgebildet und ausgerüstet, hier im Notfall richtig helfen zu können.

Schwere allergische Reaktionen, die ärztlicher Hilfe bedurften, sind bisher im Rahmen einer Corona-Impfung nur in seltenen Fällen aufgetreten. Falls nach der Gabe der ersten Impfung doch eine schwere allergische Reaktion auftritt, sollte die zweite Impfdosis nicht verabreicht werden.

Menschen, die einige bis 16 Tage nach der Impfung mit AstraZeneca Symptome wie starke Kopfschmerzen bekommen oder punktförmige blaue Flecken unter der Haut feststellen, sollten sofort einen Arzt aufsuchen.

Vor allem junge Menschen unter 30 Jahren sollten in den ersten 14 Tagen nach einer Corona-Impfung auf Symptome achten, die auf eine Entzündung am Herzen hindeuten können: Atemnot bei Anstrengung, Herzrasen, Herzstolpern (Rhythmusstörungen), Herzschmerzen, unerklärliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit, körperliche Schwäche. Bei einem Verdacht sollten sie einen Arzt aufsuchen.

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