Die Corona-Impfungen haben begonnen. Für viele Menschen ist damit die Hoffnung verbunden, dass das Leben wieder zur alten, schönen Normalität zurückfindet. Diskutiert wird jetzt über Privilegien für Geimpfte - auch beim Thema Reisen. Werden zum Beispiel nur Geimpfte ein Flugzeug betreten können?

Solche Fragen polarisieren. Dabei wäre es gar nichts Neues, wenn eine Urlauberin oder ein Urlauber nur mit einer bestimmten Impfung in ein Land einreisen darf. Schon lange müssen manche Reisende, die zum Beispiel in gewisse tropische Länder fliegen, ihren Impfausweis dabei haben - ein Dokument, dem 2021 eine größere Aufmerksamkeit zuteil werden dürfte. Zeit also, die wichtigsten Fragen zu beantworten.

Warum braucht man überhaupt einen Impfausweis?

Impfungen brauchen die Menschen nicht in erster Linie für das Reisen. Generell gilt: Wer sich impfen lässt, muss das in seinen Impfausweis eintragen lassen. Ärzte sind dazu verpflichtet, jede Schutzimpfung zu bestätigen, erklärt Michael Ramharter, Leiter der Tropenmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Wenn kein Impfausweis vorliegt, muss eine Impfbescheinigung, also eine schriftliche Bestätigung, ausgestellt werden.

"Es gibt genaue Vorgaben, was alles dokumentiert werden muss", sagt der Infektiologe. Dazu gehören das Datum der Schutzimpfung, die Bezeichnung des Impfstoffs und der Name der Krankheit, gegen die geimpft wurde. Anschließend unterschreibt der Arzt.

Der Reisemediziner Prof. Tomas Jelinek aus Berlin stellt klar: "Die Dokumentation ist wichtig, um zu sehen, welche Impfungen ein Mensch bereits erhalten hat und wann Wiederholungen notwendig sind." Der Impfausweis sei aber auch ein potenzielles Reisedokument. Denn in manchen Ländern sind für die Einreise Impfungen vorgeschrieben.

Welche Bedeutung hat der Impfausweis auf Reisen?

Es gibt in Deutschland sehr unterschiedliche Impfausweise. Wer zum Beispiel in der DDR geboren ist, hat oft einen roten Impfausweis. In Westdeutschland gab es weiße Impfausweise, sagt Tomas Jelinek. Der gelbe Impfausweis wiederum ist dagegen ein international empfohlenes Dokument, das rund um den Globus bekannt ist. Hier sind die Felder für mögliche Pflichtimpfungen für bestimmte Länder auch schon vorgesehen - und es gibt Übersetzungen in mehrere Sprachen.

Zwei Dinge sind zu unterscheiden, wie Michael Ramharter erklärt: Zum einen gibt es vorgeschriebene Impfungen, ohne die man in einzelne Länder nicht ein- oder ausreisen darf. Zum anderen gibt es empfohlene Impfungen - und das betrifft mit Abstand die Mehrzahl der Impfungen. Diese Impfungen sind aus medizinischer Sicht sinnvoll, aber sie sind rechtlich nicht vorgeschrieben und werden auch nicht kontrolliert.

Auch nach diesen empfohlenen Impfungen ist es aber wichtig, sein Impfdokument bei sich zu tragen. Denn passiert im Ausland beispielsweise ein Unfall, kann der Arzt vor Ort Impfungen berücksichtigen und damit eine bessere Diagnose erstellen.

Welche Pflichtimpfungen für Reisende gibt es bereits?

Die bekannteste vorgeschriebene Impfung ist die Gelbfieberimpfung. Zu ihr gibt es von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine ständig aktualisierte Liste von Ländern, die bei ein Einreise einen Impfschutz vorschreiben - ohne ist eine Einreise dort nicht möglich.

Auch andere Impfungen können gesetzlich vorgeschrieben sein. In den vergangenen Jahren war das vor allem die gegen Kinderlähmung (Polio). "Diese Impfempfehlung soll verhindern, dass die Krankheit in andere Länder exportiert wird" erklärt Michael Ramharter, der auch Leiter der Klinischen Forschung am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin ist. Eine andere Pflichtimpfung ist die Meningokokken-Impfung bei Pilgerreisen zum Hadsch oder zur Umra nach Saudi-Arabien.

Was sind die wichtigsten Impfungen für Reisen?

"Zunächst einmal sollte die Grundimmunisierung mit all den Impfungen, die auch in Europa wichtig sind, geprüft und dann gegebenenfalls aufgefrischt werden", rät Michael Ramharter. Für die unterschiedlichen Länder gibt es spezifische Empfehlungen. Bei fast allen Fernreisen notwendig ist der Schutz gegen Hepatitis A. Diese Leberentzündung kommt vor allem in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen vor. "Hepatitis B ist vor allem bei Risiko- und Langzeitaufenthalten empfohlen", sagt Ramharter.

Eine Typhusimpfung zu haben ist vor allem in Süd- und Südostasien sowie bei längeren Aufenthalten in Afrika und Südamerika ratsam. Die Impfung gegen Meningokokken ist wichtig für Menschen, die in die Sahelzone Afrikas reisen - aufgrund des häufigen Auftretens der Bakterien dort wird die Region auch Meningokokken-Gürtel genannt.

Die Tollwutimpfung ist eine Impfung, die sich je nach Land besonders bei Menschen empfiehlt, die lange oder häufig unterwegs sind. Die Grippeimpfung ist in der Grippesaison sinnvoll.

Für europäische und manche asiatischen Reiseziele ist eine Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eine wichtige Reiseimpfung. Die Impfung gegen Japanische Enzephalitis ist in Südostasien für Langzeitaufenthalte oder Personen, die häufig dorthin fliegen, nützlich.

Welche Rolle wird die Corona-Impfung für Reisen spielen?

"Das ist aktuell noch schwer abzuschätzen", sagt Ramharter. Die Impfpflicht für bestimmte Reisendengruppen werde zwar national und international viel diskutiert, aber sie werde eben auch von vielen wichtigen Stellen abgelehnt. "Es spricht viel gegen eine Impfpflicht", sagt Ramharter. Es sei besser, die Leute gut zu informieren und transparent aufzuklären.

Dennoch sei zu erwarten, dass viele Länder den Nachweis der Impfung zur Reisebedingung machen werden, sagt Tomas Jelinek. Genauso werde es sicher auch Fluggesellschaften geben, die Passagiere ohne einen Corona-Impfnachweis nicht an Bord lassen werden.

Wie dieser Nachweis aussehen wird, ist noch offen. "Es ist naheliegend, einfach eine Dokumentation im schon vorhandenen Impfausweis zu machen", sagt Jelinek. Zusätzlich könnte aber auch eine Art von elektronischer Dokumentation verlangt werden, weil diese besser vor Fälschungen geschützt sei.

Was tun, wenn der Impfpass verloren gegangen ist?

"Es kommt relativ häufig vor, dass diese Impfausweise irgendwann einmal verloren gehen", sagt Ramharter. Dann komme es darauf an, herauszufinden, welche Impfungen bereits vorgenommen wurden und welche nicht. "Das wird meistens im Gespräch mit dem Arzt klar."

Im Einzelfall gebe es aber auch die Möglichkeit, konkret nachzuschauen, fügt Reisemediziner Jelinek hinzu. Denn Ärzte sind verpflichtet, die Dokumentation über die Impfung ihrer Patienten für mindestens zehn Jahre aufzuheben. Außerdem könne man manchmal im Blut Antikörper von einer vergangenen Impfung nachweisen.

Fehlt der Nachweis über Impfungen jedoch komplett, gibt es von der Ständigen Impfkommission (Stiko) Empfehlungen für verschiedene Altersgruppen, um dennoch einen guten Impfschutz zu erhalten. "Liegt keine Dokumentation vor, muss man davon ausgehen, dass keine Impfung stattgefunden hat", sagt Ramharter. Daher wird in solchen Situationen dazu geraten, die Impfungen nachzuholen. "Die Risiko-Nutzen-Abwägung ist hier eindeutig auf der Seite des Nutzens", sagt der Infektiologe. Und Jelinek betont: "Man kann nicht überimpfen."

Was gibt es während der Schwangerschaft zu beachten?

Während einer Schwangerschaft wird von sogenannten Lebendimpfstoffen abgeraten. Dazu zählen insbesondere Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und die Gelbfieberimpfung. Es gibt aber auch spezielle Impfungen, die während der Schwangerschaft empfohlen sind. Dazu gehören die gegen Influenza in der Grippesaison und die gegen Keuchhusten. Diese sollte im dritten Trimenon, also ab dem siebten Monat, vorgenommen werden, um das Neugeborene mit zu schützen.

Wo kann ich mich über Reiseimpfungen informieren?

Informationen zu vorgeschriebenen Pflichtimpfungen und empfohlenen Reiseimpfungen erhalten Urlauberinnen und Urlauber zum Beispiel in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes. Diese gibt es für jedes Land.

Das Wichtigste sei einer vernünftige Aufklärung und Abwägung, sagt Tomas Jelinek: "Wir geben keine Impfung, die nicht begründet ist." Wenn ein Reisender in eine Gegend reist, in der es kein Gelbfieberrisiko gibt, brauche er natürlich auch die Impfung dagegen nicht. Letztlich sei das aber immer eine offene Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen müsse.

Wer sich über die Wirkung und Inhaltsstoffe von Impfstoffen genauer informieren möchte, hat verschiedene Anlaufstellen zur Auswahl: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Beispiel bietet ausführliche Informationen für Verbraucher. Das Vaccine Safety Net der WHO klärt unter anderem über die Inhaltsstoffe auf. Die Seiten des Robert Koch-Instituts und der Stiko richten sich zwar eher an Fachleute, sind aber ebenfalls für alle zugänglich.

Speziell zur Impfung gegen Covid-19 hat die WHO nicht nur einen Überblick mit allen relevanten Fragen und Antworten erstellt, sondern publiziert dort auch alle Studienprotokolle zu den verschiedenen Tests und zum aktuellen Forschungsstand.