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Seit November 2021 sind von der Europäischen Arzneimittelkommision EMA mehrere Medikamente zur Behandlung von Covid-19 zugelassen worden (Notfallzulassung). Unter anderen auch sogenannte monoklonale (auch antiviral genannte) Antikörper. Ziel ist es, dass diese Antikörper das Corona-Virus erkennen und an dessen Bindungsstellen binden, um ein Eindringen in die Zielzellen frühzeitig zu stoppen.

Hierzu zählen die beiden gleichzeitig zu verabreichenden Antikörper Casirivimab/Imdevimab (REGN-CoV-2) der US-Firma Regeneron, sowie zwei weitere Einzelpräparate: Sotrovimab der Firma GSK/Vir Biotechnology und Regdanvimab des Herstellers Celltrion.

Was sind Antikörper?

Das Immunsystem ist essentiell bei der Abwehr von Infektionen. Unterschieden werden die humorale und die zelluläre Immunantwort. Für die Bildung von Antikörpern ist vor allem die humorale Immunantwort verantwortlich.

Vereinfacht dargestellt passiert dabei folgendes im Körper: Wird eine fremde Substanz (Antigen) im Körper entdeckt, bilden spezielle Zellen (B-Lymphozyten) Antikörper. Diese binden an das Antigen, so dass es zur Bildung eines Antigen-Antikörper-Komplexes kommt. Dieser Mechanismus wird auch Schlüssel-Schloß-Prinzip genannt - denn genau ein bestimmter Schlüssel (Antikörper) passt exakt zu einem bestimmten Schloß (Antigen). Diese Antigen-Antikörper-Komplexe (auch Immunkomplexe genannt) rufen eine Reihe von weiteren Zellen des Immunsystems auf den Plan und werden am Ende von spezialisierten Fress-Zellen (Phagozyten) aufgenommen und zerstört.

Dringt ein Erreger in den Körper ein, so gibt es mehrere Stellen auf seinem Antigen, wo Antikörper binden können, sogenannte Epitope. Gegen jede dieser Antigen-Stellen bildet unser Immunsystem dann auch Antikörper. Da dabei viele verschiedene Antikörper herauskommen, die aber alle gegen den gleichen Erreger helfen, nennt man solche Antikörper auch polyklonal (vielförmig).

Therapieansatz bei Sars-CoV-2: Künstliche monoklonale Antikörper

Bei den künstlich im Labor hergestellten Antikörpern gibt es nur einen Typ, sie sind alle genau gleich. Daher spricht man auch von monoklonalen Antikörpern.

1975 wurde das Verfahren zur Herstellung von monoklonalen Antikörpern (auch "MAB", englisch: monoclonal Antibodies) entwickelt. Seit Jahren kommen monoklonale Antikörper zur Krebs- oder Immuntherapie zum Einsatz. Zum Beispiel auch zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen. Seit dem Auftreten von Sars-CoV-2 wird intensiv daran geforscht, ob auch antiinfektiöse - gegen die Infektion wirksame - Antikörper bei der Therapie von Covid-19 helfen können.

Die Herstellung von monoklonalen Antikörpern erfolgt im Labor. Als Vorlage werden Antikörper genommen, welche aus dem Blut von Genesenen gewonnen wurden und sich im Labor als besonders Effektiv gegen das Spike-Protein erwiesen haben. Diese werden dann „nachgebaut“, im Labor noch optimiert und in Zellkulturen vervielfacht.

Die monoklonalen Antikörper können direkt gegen bakterielle oder virale Bestandteile (Antigene) gerichtet sein und dadurch den Eintritt des Erregers in die Zelle verhindern. Bei Sars-CoV-2 richten sich die monoklonlalen Antikörper direkt gegen das Spike-Protein. Sie binden dort und verhindern so, dass das Virus mit dem Spike-Protein an spezielle Bindungsstellen (ACE-Rezeptoren) andocken kann. So kann das Virus nicht mit der Zielzelle verschmelzen und sein Erbgut einschleusen. Dadurch kann sich das Virus nicht weiter vermehren.

Auch unser Immunsystem (siehe Abschnitt "was sind Antikörper") bildet bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 eigene Antikörper gegen das Corona-Virus. Dieser Vorgang braucht allerdings Zeit, circa ein bis zwei Wochen. Die Medikamente könnten daher bei Krankheitsbeginn zum Einsatz kommen, um schon am Anfang der Infektion viele Antikörper zur Verfügung zu haben und dadurch die Viren unschädlich zu machen. Dadurch wird die sogenannte Viruslast vermindert und der Krankheitsverlauf gemildert.

Der Film zeigt, wie Antikörper-Medikamente wirken und bei einer Covid-19-Erkrankung helfen können

Für wen eignet sich die Antikörper-Therapie?

Ziel der Antikörper-Therapie ist es, Risikopatienten vor einem möglichen schweren Verlauf von Covid-19 zu schützen. Dafür müssen die Medikamente in einer frühen Phase eingesetzt werden. Ist es bereits zu einem schwerem Verlauf gekommen, scheinen sie nicht mehr zu wirken oder sogar zu einer Verschlechterung zu führen. Wie hoch die Wirksamkeit bei der Omikron-Variante ist, muss allerdings noch weiter untersucht werden. Ursprünglich wurden die Antikörper gegen das Spike-Protein der vorherigen Varianten entwickelt. Erste Untersuchungen bei Sotorvimab stimmen aber eher optimistisch, wohingegen Casirivimab/Imdevimab und Regdanvimab eine deutliche geringere Wirksamkeit aufweisen könnten.

  • Sotrovimab: Für diesen monoklonalen Antikörper liegt eine Notfallzulassung für Personen ab 12 Jahren vor, welche bisher keine Sauerstoffgabe benötigen, aber ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Es erfolgt eine einmalige Gabe über die Vene (intravenös, i.v) als Infusion innerhalb der ersten fünf Tage nach Symptombeginn.
  • Casirivimab/Imdevimab: Das Kombinationspräparat von Roche kann sowohl zur Vorbeugung (Prävention) als auch zur Behandlung (Therapie) einer Covid-19 Erkrankung zum Einsatz kommen. Die Zulassung bezieht sich auf Personen ab 12 Jahren. Es kann über eine Vene (i.v) als Infusionslösung gegeben oder unter die Haut gespritzt (subkutan) werden. Hierfür genügt eine einmalige Gabe. Soll es vorbeugend als schützender Effekt vor einem zu erwartetem schweren Verlauf gegeben werden, wenn man nachweislich Kontakt zu einer infizierten Person hatte, sind mehrfache Gaben in einer anderen Dosierung notwendig.
  • Regdanvimab: Zugelassen ist der Antikörper für erwachsene Patienten, welche das Risiko für einen schweren Verlauf haben aber noch keinen Sauerstoff benötigen. Es erfolgt eine einmalige Gabe über die Vene (intravenös, i.v) als Infusion innerhalb der ersten sieben Tage nach Symptombeginn.

Zwischen den verschiedenen Medikamenten gibt es Unterschiede. So wirken sie an unterschiedlichen Stellen des Spike-Proteins. Für das Kombinationspräparat liegt eine Zulassung zur Vorbeugung und Therapie vor, während die Einzelpräparate nur zur Therapie zugelassen sind. Auch in der Art wie sie verabreicht werden können gibt es Unterschiede. Die Einzelpräparate dürfen nur über die Vene verabreicht werden, die Kombinationspräparate können in die Vene oder auch unter die Haut gegeben werden.

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Gibt es Nebenwirkungen?

Die Notfallzulassung in Amerika gab es erst im November 2020. Daher ist diese Therapieoption mit monoklonalen Antikörpern noch recht neu. Entsprechend wenig ist über die Nebenwirkungen bekannt. Bei Casirivimab/Imdevimab kam es unter anderem zu:

  • Überempfidlichkeitsreaktionen
  • Kopfschmerzen
  • Schüttelfrost
  • oder Fieber kommen

Bei Sotrovimab wurde als häufigste Nebenwirkung (ein bis zwei Patienten von 100) von Überempfindlichkeitreaktionen (allergische Reaktion) berichtet.

Quellen:

vfa, Therapeutische Medikamente gegen die Coronavirusinfektion Covid-19. Online: https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/therapeutische-medikamente-gegen-die-coronavirusinfektion-covid-19 (abgerufen am 30.01.2022)

DAZ, Sotrovimab: Wirkung auch gegen Omikron, Drittes Corona-Antikörperpräparat für die EU, 20.12.2021. Online: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/12/20/drittes-corona-antikoerperpraeparat-fuer-die-eu (abgerufen am 30.01.2022)

DAZ, Antikörper gegen SARS-CoV-2, EMA-Zulassungsempfehlung für Casirivimab/Imdevimab und Regdanvimab, 12.11.2021. Online: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/11/12/ema-zulassungsempfehlung-fuer-casirivimab-imdevimab-und-regdanvimab (abgerufen am 30.01.2022)

Paul-Ehrlich-Institut, Coronavirus und COVID-19. Online: https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/coronavirus-inhalt.html?cms_pos=5 (abgerufen am 30.01.2022)

European Medicines Agency, 2021. EMA/720729/2021, EMEA/H/C/005676. Xevudy (Sotrovimab) Übersicht über Xevudy und warum es in der EU zugelassen ist. Online: https://www.ema.europa.eu/en/documents/overview/xevudy-epar-medicine-overview_de.pdf (abgerufen am 30.01.2022)