Für Geimpfte mit Auffrischimpfung sollen zusätzliche Tests bei Corona-Zugangsregeln vorerst weitgehend wegfallen. Darauf verständigte sich die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) von Bund und Ländern am Dienstag, nachdem einige Länder schon so vorgehen. Die Erleichterungen beim Zugang nach dem Modell 2G plus sollen aber spätestens nach zwei Monaten überprüft werden, wie der GMK-Vorsitzende, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte.

Konkret geht es um Corona-Regeln nach dem Modell 2G plus - also, wenn bei Zugang nur für Geimpfte und Genesene (2G) auch von ihnen noch ein Test verlangt wird. 2G gilt nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen etwa für Gaststätten, Freizeit- und Kultureinrichtungen - ergänzend können auch noch 2G-plus-Vorgaben dazu kommen. Holetschek erläuterte, dass eine Befreiung 15 Tage nach der Booster-Impfung greifen könne. Die verstärkende dritte Spritze soll in der Regel fünf bis sechs Monate nach der zweiten Impfung gegeben werden.

Ausnahme in Pflegeeinrichtungen

Allerdings soll laut dem Beschluss beim Zutritt in Pflege-Einrichtungen zum Schutz der dortigen besonders verwundbaren Menschen weiterhin auch von Geboosterten zusätzlich ein negatives Testergebnis verlangt werden.

Nach zwei Monaten soll nochmal geprüft werden, ob sich die neuen Regelungen bewährt haben. Gegebenenfalls müssen die Regeln nochmal geändert werden.

Karl Lauterbach erläuterte vor der Beratung mit den Ländern: „Der Verzicht auf die Testung von Geboosterten macht epidemiologisch Sinn.“ Mit einer Auffrischimpfung habe man nur noch ein geringes Risiko, sich zu infizieren - und ein noch geringeres, dass man für andere ansteckend sei. „Somit ist das ein hohes Sicherheitsniveau.“ Die Erleichterungen setzten auch das Signal: „Der dreifache Schutz ist der vollständige Schutz“, sagte Lauterbach nach Teilnehmerangaben in der Runde.

Immunologen gegen Test-Befreiung für Geboosterte

Doch Experten üben Kritik an den neuen Beschlüssen. Eine solche Maßnahme würde dazu beitragen, dass die Omikron-Welle sogar früher kommt“, sagte Prof. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Idee war für die Delta-Variante des Coronavirus sinnvoll, sagte Watzl. Dreifach Geimpfte seien gegen die Delta-Variante so gut geschützt, dass sie kaum noch andere Menschen anstecken. „Aber diese Überlegungen haben sich mit Omikron komplett erledigt.“ Die aktuellen Impfstoffe schützen Watzl zufolge bei Omikron hoffentlich gegen einen schweren Verlauf. „Was sie vermutlich nicht so gut verhindern, ist eine Infektion.“ Es werde also unweigerlich mehr Impfdurchbrüche geben. Das bedeutet, dass Menschen trotz Impfung erkanken. „Wenn wir die Testpflicht jetzt lockern, sehe ich die Gefahr, dass Omikron gerade geboosterte Personen infiziert, die sich aber nie testen lassen müssen, und die dann das Virus munter verbreiten.“

Was für eine irrsinnige Idee in der aktuellen Lage und der aktuellen Gefahr durch Omikron: die Testpflicht abschaffen», twitterte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Sie gibt außerdem zu bedenken, dass Menschen in Pflegeheimen ihren Booster bereits im August erhalten haben. „Da man sich trotz dritter Impfung infizieren kann, wird sich das Problem mit zunehmenden zeitlichen Abstand zur Boosterimpfung verschärfen“, schreibt die Virologin.

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Als „Fehlentscheidung“ bezeichnete auch der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt den Beschluss der Gesundheitsminister. Er betonte ebenfalls, dass dies wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante falsch sei. Außerdem gebe es Impfdurchbrüche auch bei Menschen mit drei Impfungen. Diese zeigten aber oft gar keine Symptome. Wenn man Infektionsketten unterbrechen wolle, sei ein Verzicht auf Tests bei dieser Gruppe keine gute Idee. Außerdem könne er nicht erkennen, dass die Testkapazitäten schon ausgereizt seien.

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