Mit Omikron und ihren Subtypen von BA.1 bis BA.5 hat sich eine Corona-Variante international ausgebreitet, gegen die selbst Geimpfte und Genesene keinen optimalen Schutz haben. Der für das Virus empfängliche Teil der Bevölkerung hat sich damit im Vergleich zur Lage mit der Delta-Variante wieder vergrößert. Die Folge waren auch für Deutschland erst einmal Neuinfektionszahlen auf Rekordhöhe. Längst ist nicht alles über die Variante bekannt – einige Fragen und Antworten:

Was macht Omikron so besonders?

Die Variante hat auffällig viele Erbgutveränderungen an Schlüsselstellen. Mehr als 30 Mutationen betreffen das sogenannte Spike-Protein, mit dem das Virus menschliche Zellen entert. Von Omikron wiederum gibt es zahlreiche Unterlinien, die sich ebenfalls noch einmal teils erheblich unterscheiden. So weist die bis vor kurzem in Deutschland vorherrschende Sublinie BA.2 mehr als 50 Veränderungen im Vergleich zum zur Beginn der Omikron-Welle für den größten Teil der Infektionen verantwortlichen Subtyp BA.1 auf.

Das Problem gerade bei den Abweichungen im Spike-Protein: Die bisherigen Impfstoffe sind auf das Spike-Protein des Coronavirus vom Pandemiebeginn ausgerichtet. Verändert sich ein Virus so, dass Antikörper von Genesenen und Geimpften weniger gut ansprechen, nennen Fachleute dies Immunflucht. Genau das ist bei Omikron der Fall.

Daneben gebe es Hinweise unter anderem aus genetischen Analysen, dass Omikron per se ansteckender sei als Delta, sagte Modellierer Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität Berlin. Allein die Immunflucht könne die Wachstumsraten nicht erklären. Zudem könnte sich Omikron auch hinsichtlich der Symptome leicht von Varianten wie Delta unterscheiden. Erste Studienergebnisse lassen darauf schließen, dass Omikron-Erkrankte auch unter Appetitlosigkeit oder Nachtschweiß leiden könnten.

Frau liegt schlaflos im Bett

Nachtschweiß

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Die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, so es denn welche gibt – scheint bei Omikron möglicherweise im Mittel etwas kürzer zu sein als bei der Deltavariante. Bei Ausbruchsuntersuchungen in Norwegen und Amerika fand sich eine mittlere Inkubationszeit von drei Tagen.

Mit welchem Schutz können Geimpfte noch rechnen?

Bei der Frage nach der Impfwirkung müsse man zwischen dem Schutz vor einer Infektion und dem Schutz vor einer schweren Erkrankung unterscheiden, sagt Immunologe Carsten Watzl der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Der reine Schutz vor Ansteckung mit Omikron wird mit den jetzigen Impfstoffen immer suboptimal sein“, so der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Aber: „Die Impfstoffe tun trotzdem, was sie sollen: Sie schützen vor schweren Verläufen und das sehen wir aktuell bei Omikron.“

Nach der Grundimmunisierung – also nach zwei Impfungen oder beim Vakzin von Johnson&Johnson nach einer Impfung – lasse der Schutz vor Ansteckung bei Omikron recht schnell nach, sagt Sebastian Ulbert, Impfstoffexperte vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie. Vor schwerer Erkrankung schütze hingegen wohl schon die Grundimmunisierung weiterhin recht gut, so Ulbert.

Was bringt ein Booster?

Mit der Auffrischimpfung können Antikörperspiegel zum Schutz vor Ansteckung zwar wieder angehoben werden, der Schutz ist nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht perfekt.

Die Booster-Impfung verbessert den Schutz vor Ansteckung aber zumindest für die erste Zeit nach der Impfung deutlich, weil wieder mehr Antikörper gebildet werden. Auch der Schutz vor einer schweren Erkrankung wird mit der Auffrischung wieder erhöht.

Wird der Booster-Booster nötig?

Immunologe Watzl zufolge braucht es derzeit noch engmaschigen Impfschutz, weil es das wichtigste Ziel sei, die Virusverbreitung einzudämmen. Schließlich seien noch nicht alle ausreichend vor schweren Verläufen geschützt, „weil wir noch diese Impflücke haben“. Mit Blick in die Zukunft sei aber der Schutz vor schweren Verläufen das primäre Ziel – und der lasse viel langsamer nach. Bei Menschen aus Risikogruppen könnten dann zwar regelmäßige Booster sinnvoll bleiben. Bei jüngeren und gesunden Menschen sei künftig aber vorstellbar, dass keine regelmäßige Auffrischungsimpfung mehr nötig sei, solange sich das Virus nicht gravierend verändere.

Israelische Daten zur vierten Impfung hatten gezeigt, dass sie zwar einen erneuten Anstieg der Antikörper bringt. Der sei zwar „gut, aber nicht ausreichend“, hatte Studienleiterin Gili Regev zu den vorläufigen Ergebnissen gesagt. Man sei kurz nach der vierten Impfung wieder auf demselben Antikörper-Stand wie kurz nach der dritten – und es könne nicht das Ziel sein, sich etwa alle vier Monate erneut gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Die Stiko empfiehlt eine vierte Impfung für bestimmte Risikogruppen wie

  • Personen über 70 Jahren
  • Menschen ab fünf Jahren mit einer Immunschwäche
  • Bewohnerinnen in Pflegeeinrichtungen
  • Personal in medizinischen und Pflegeeinrichtungen mit direktem Kontakt zu Patienten oder Bewohnerinnen

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Wie schwer verlaufen Omikron-Infektionen?

Insgesamt sieht es nach Daten aus mehreren Ländern so aus, als riefe die Omikron-Variante im Vergleich zur Delta-Variante weniger schwere Infektionen hervor. Dazu trägt aber teilweise sicher auch der Impfschutz bei. Offenbar geht die Infektion tendentiell eher häufiger mit Halsschmerzen einher und dafür seltener mit Geruchs- oder Geschmacksverlust als eine Infektion mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2. Eine dreimalige Impfung kann das Risiko für eine Krankenhauseinweisung aufgrund von Covid-19 weiter senken. In welchem Maß eine Infektion mit der Omikron-Variante zu Langzeitfolgen führt, ist bislang unklar.

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Schlagen Schnelltests auch bei Omikron an?

Der Großteil der in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests sind nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) auch zum Nachweis der Omikron-Variante geeignet. Generell können Schnelltests eine Infektion nur dann entdecken, wenn zum Testzeitpunkt eine hohe Viruslast besteht. Dies gilt für Omikron ebenso wie für andere Varianten.

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte bereits Ende des Jahres 2021 Angaben zu den in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests veröffentlicht und diese anschließend aktualisiert. Die große Mehrheit dieser Tests schlage auf ein Protein des Virus an, das von den Omikron-Mutationen vergleichsweise wenig betroffen sei, hieß es. Dabei handelt es sich um das sogenannte Nukleo- oder kurz N-Protein. Die Prüfergebnisse sind auf den Seiten des PEI im Internet einsehbar. Zu den neuere Omikron Varianten BA.4 und 5 ist bisher auch nichts anderes bekannt.

Wie steht es um Kinder, wenn sie sich mit Omikron infizieren?

Erste Berichte über schwere Verläufe bei kleinen Kindern unter fünf Jahren haben sich bisher offenbar nicht bestätigt. Die Rate der Kinder und Jugendlichen, die wegen SARS-CoV-2 ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen, scheint bei Omikron eher niedriger zu sein und die Aufenthaltsdauer geringer als bei den vorangegangenen Varianten.

Was raten Experten gegen Omikron?

Die Welle flachhalten: Das ist das Motto, das viele Wissenschaftler und die WHO ausgeben. Auf die Kombination von Maßnahmen komme es an: „Do it all. Do it consistently. Do it well (Macht alles. Macht es konsequent. Macht es gut)“, sagte WHO-Chef Ghebreyesus. Das Impfen allein werde kein Land aus dieser Krise bringen. Es brauche zusätzlich etwa Masken, Abstand, Lüften, Handhygiene.

Quellen

Robert Koch-Institut: SARS-CoV-2: Virologische Basisdaten sowie Virusvarianten. Online: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Virologische_Basisdaten.html (abgerufen am 28.06.2022)

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