Aerosole atmet man schon beim normalen Sprechen aus. Sie sind deutlich kleiner als Tröpfchen und bleiben länger in der Luft. Es kann mehrere Stunden dauern, bis sie zu Boden oder auf eine andere Oberfläche gesunken sind. Damit spielen sie nach momentanem Wissenstand eine wichtige Rolle bei der Übertragung von SARS-CoV-2.

Aerosole: Der Unterschied von Drinnen und Draußen

Draußen an der frischen Luft ist die Übertragung wohl kein großes Problem. "Aerosole mit Viren haben hier genügend Platz und durch Luftströmungen genügend Bewegung, um sich im Nu zu verteilen. Die Konzentration sinkt dann sehr schnell auf einen unbedenklichen Wert", erklärt Professor Andreas Wille vom Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg. Weil Aerosole von der Luft im Freien sehr schnell so stark verdünnt werden, ist das Ansteckungsrisiko deutlich kleiner, die Gefahr wird gewissermaßen weggeweht.

Anders sieht es in geschlossenen Räumen aus: Wird die Raumluft hier nicht laufend erneuert oder gefiltert, bleiben auch die Aerosole lange in der Luft. Geht beispielsweise eine Person mit Covid-19 in ein Restaurant, dann kann sie theoretisch – abhängig von der Raumgröße und der Lüftung – alle Gäste dort anstecken, selbst solche, die am anderen Ende des Raums sitzen oder sogar erst dann kommen, wenn sie schon wieder gegangen ist.

Eine saubere Raumluft mit entsprechend wenigen Aerosolen ist demnach einer der Schlüssel, um die Verbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen. Doch wie gelingt es, die Konzentration in der Raumluft gering zu halten oder zu verringern? Hier fünf (technische) Möglichkeiten:

1. Klimaanlagen mit speziellen Filtern (HEPA-Filter)

Klimaanlagen haben heute üblicherweise auch einen Filter. "Leider sind die Aerosole sehr klein, so dass viele Standardfilter nichts nützen", sagt Privatdozent Dr. Frank-Albert Pitten, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin und Geschäftsführer des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle. Nur sehr hochwertige Filter, auch HEPA-Filter genannt, entfernen die Aerosole ziemlich zuverlässig aus der Luft. "Sie sind für Klimaanlagen in OP-Sälen in Krankenhäusern und in Flugzeugen gesetzlich vorgeschrieben", sagt Pitten.

Für Flugreisende kann das ein Stück weit beruhigend sein, eine komplette Entwarnung bedeutet es aber nicht: Weil Menschen konstant mit ihrer Atemluft auch Aerosole ausatmen, kursieren die Teilchen – wenn auch in niedriger Konzentration – immer in der Raumluft. Und sie können das Infektionsrisiko durch direktes Anhusten oder beim langen Unterhalten über kurze Distanz nicht verringern.

Abseits von Flugzeugen und Krankenhäusern könne man aber davon ausgehen, dass eher wenige Anlagen mit den hochwertigen Filtern ausgestattet sind, so Pitten. "Sie sind nicht nur teuer in der Anschaffung. Weil die Luft auch mit viel Kraft gewissermaßen durchgedrückt werden muss, verbrauchen Klimaanlagen mit diesen Filtern auch spürbar mehr Energie", sagt der Hygieniker und Umweltmediziner.

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2. Desinfektion mit UV-C-Strahlung

Die UV-Desinfektion ist eine andere Möglichkeit, virenbeladene Aerosole in der Raumluft unschädlich zu machen: Die kurzwellige UV-C-Strahlung deaktiviert die Viren in kurzer Zeit. Die Methode wird bereits seit mehreren Jahrzehnten vor allem in der Trinkwasserreinigung und in der Industrie eingesetzt. Doch die Strahlung ist auch für den Menschen schädlich, sie muss also zu Zeiten eingesetzt werden, in denen keine Personen in der Nähe sind.

Diese Einschränkungen erlauben natürlich auch nur eine eingeschränkte Nutzung in "normalen" geschlossenen Räumen wie Geschäften oder Restaurants. „An manchen Stellen ist das Konzept der offenen UV-Desinfektion sicher sinnvoll, aber die große, breitflächig einsetzbare Lösung ist es sicher nicht", sagt Andreas Wille.

Etwas vielversprechender sind sogenannte geschlossene UV-Desinfektionssysteme. Hier wird die Luft eingesaugt in ein geschlossenes System, man kann sich das als eine Art Box vorstellen, und dort mit UV-Strahlung desinfiziert. Sie ähneln damit im Grunde einer Klimaanlage mit HEPA-Filter. Noch sind aber nur wenige solcher geschlossenen UV-Desinfektionssysteme im Einsatz.

3. CO2-Messgeräte für Schulen

Kohlendioxid (CO2) ist ein guter ⁠Indikator⁠, um die Luftqualität in einem Raum zu messen. Wenn in geschlossenen Räumen viele Personen sitzen, kann sich CO2 in der Raumluft ohne Lüften rasch anreichern. Mit einem CO2-Messgeräte kann diese Konzentration ermittelt werden. Zwar lässt eine erhöhte CO2-Konzentration keine Aussage über virushaltige ⁠Aerosole⁠ zu. Aber sie deutet darauf hin, dass zu lange nicht gelüftet wurde und daher auch viele Aerosole durch einen Raum schweben.

 4. Vernebler mit Desinfektionsmittel

Dass Desinfektionsmittel mit Verneblern versprüht werden, sind Bilder, die wir eigentlich nur aus dem Ausland kennen. Infrage kommen etwa Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochloridlösung. "Alle diese Substanzen können für Menschen gefährlich sein, unter anderem deshalb kommen sie als breit angewandte als Desinfektionsmethode kaum infrage", sagt Frank-Albert Pitten.

5. Lüften

Am praktikabelsten, um die Luft von Viren zu befreien, ist ganz alltäglich und unkompliziert: ausreichend häufiges und gründliches Lüften! Da sind sich die Fachleute einig.

"Um die Konzentration der Aerosole in der Raumluft zu senken und so einen Verdünnungseffekt zu erzielen, ist es immer nützlich, für einen Luftaustausch zwischen Raumluft und Außenluft zu sorgen. Und genau das geschieht beim Lüften", sagt Wille. Das gelte überall: zu Hause ebenso wie im Büro, im Geschäft, in der Praxis. Wenn man sich mit mehreren Menschen in Gebäuden aufhalten muss, dann immer Fenster auf!

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