Müdigkeit – Ursachen: Medikamente

Einige Arzneimittel können müde machen. Müdigkeit rufen vor allem Medikamente hervor, die den Blutdruck, bestimmte Nervenfunktionen und Hormone beeinflussen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.07.2017

Manchmal ist auch ein bestimmtes Medikament für verstärktes Müdesein verantwortlich


Wer sich häufig müde fühlt, sollte sich auch überlegen, welche Medikamente er gerade einnimmt, und mit seinem Arzt darüber sprechen. Müdigkeit kann ein vorübergehender oder dauerhafter Nebeneffekt vieler Arzneistoffe sein. Dabei spielt es meistens eine Rolle, wie lange und in welcher Dosierung Sie ein Medikament einnehmen.

Setzen Sie jedoch kein Medikament, das Ihnen der Arzt verschrieben hat, von sich aus einfach ab, und verändern Sie auch nicht die Dosis, ohne dies mit Ihrem Arzt abgesprochen zu haben. Er wird mit Ihnen möglicherweise den notwendigen Nutzen eines Mittels und die Belastung durch eventuelle unerwünschte Wirkungen abwägen. Oft hilft es schon, die Wirkstoffkombination zu verändern oder einen anderen Wirkstoff auszuwählen. Mit einem bewussten Lebensstil und mit an die Krankheit angepasste Bewegung lassen sich manche Beschwerden zudem abmildern.

Probleme können sich insbesondere auch ergeben, wenn Menschen ohne ärztliche Kontrolle stark wirksame Arzneimittel schlucken oder anwenden, ohne auf mögliche Folgen zu achten.

Arzneimittel, die müde machen können

Dazu gehören vor allem Wirkstoffe, die das Herz-Kreislauf-System, Nervenfunktionen im Gehirn, die Hormonproduktion oder das Immunsystem beeinflussen. Hier nur eine beispielhafte Auswahl:

  • Blutdrucksenker: Müde machen häufig Medikamente gegen Bluthochdruck. In höheren Dosen können das sogenannte Betablocker sein. Infrage kommen auch Alpha-1-Rezeptorenblocker und ACE-Hemmer oder Substanzen wie Clonidin oder Moxonidin.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel: Substanzen aus der Gruppe der Benzodiazepine führen oft zu Müdigkeit am Tage, vor allem wenn sie lang wirksam sind und über längere Zeit eingenommen werden. Benzodiazepine können zudem eine Schlaflosigkeit nach einiger Zeit sogar noch verstärken (siehe dazu Ratgeber "Schlafstörungen", Kapitel: Ursachen: Medikamente, Schlafmittel). Auch andere Beruhigungsmittel (Tranquillanzien) und angstlösende Mittel haben nicht selten Schläfrigkeit und Benommenheit zur Folge.
  • Antidepressiva, Neuroleptika: Bestimmte Medikamente gegen Depressionen aktivieren eher, andere beruhigen. Einige sind vor allem in der Anfangsphase der Behandlung mit teilweise unterschiedlichen, aber meist vorübergehenden Nebenwirkungen verbunden. Müdigkeit ist eine häufige Nebenwirkung der sogenannten trizyklischen Antidepressiva. Neuroleptika sind Medikamente gegen Psychosen und Erregungszustände. Kurzfristig können sie zudem bei Angstzuständen hilfreich sein. Einige Wirkstoffe führen mitunter aber auch zu Schläfrigkeit und depressiven Verstimmungen.
  • Migränemedikamente: Zur Behandlung von Migräneanfällen und zur Vorbeugung setzen Ärzte verschiedene Wirkstoffe ein. Müdigkeit zählt zu den häufigen Nebenwirkungen zum Beispiel von Triptanen.
  • Antihistaminika: Mittel, die gegen Allergien wie Heuschnupfen oder Neurodermitis wirken, machen oft müde. Allerdings kommt dieser Nebeneffekt bei den heute meist eingesetzten Substanzen wie Cetirizin oder Loratadin seltener vor als bei den Mitteln der sogenannten ersten Generation. Dazu gehört zum Beispiel die Substanz Dimenhydrinat, die auch gegen Übelkeit und Erbrechen eingenommen wird.
  • Starke Schmerzmittel: Das sind beispielsweise Opioide wie Morphine und andere. Müdigkeit und Benommenheit sind häufige Nebenwirkungen.
  • Interferone: Diese Medikamente regen das Immunsystem an. Sie können unter anderem zu Müdigkeit und Schläfrigkeit führen.
  • Antiarrhythmika: Einige Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen, die zum Beispiel zur Gruppe der Natriumkanalblocker gehören, können vor allem in höheren Dosierungen neben anderen unerwünschten Wirkungen Müdigkeit, Benommenheit und Schwindel hervorrufen.
  • Krebsmittel: Müdigkeit ist nur eine von vielen möglichen Nebenwirkungen, die etwa zu Chemotherapien eingesetzte Zytostatika haben können (siehe dazu auch Kapitel "Krebs, Fatigue").