Multiple Sklerose (MS): Diagnose

Um die Diagnose Multiple Sklerose zu sichern, muss der Arzt Symptome, Verlauf und Untersuchungsergebnisse gemeinsam betrachten. Eine Magnetresonanztomografie des Gehirns liefert oft wichtige Informationen
aktualisiert am 18.09.2017

Bevor die Diagnose MS sicher ist, muss der Arzt verschiedene Untersuchungen vornehmen

Thinkstock/Wavebreak Media

Erster Ansprechpartner ist oft der Hausarzt. Er wird bei Bedarf zum Spezialisten, üblicherweise zum Nervenfacharzt (Neurologen) überweisen.

Um die Beschwerden einordnen zu können, erfragt der Arzt zunächst ausführlich die Krankengeschichte (Anamnese). Er erfasst aktuelle und frühere Beschwerden, dokumentiert Vorerkrankungen und verschafft sich einen Überblick über eingenommene Medikamente, Allergien und Erkrankungen in der Familie.

Danach folgt eine eingehende neurologische Untersuchung. Der Arzt überprüft Beweglichkeit, Koordination, Gleichgewicht und Sinnesorgane.

Aus weiteren Untersuchungen wie Hirnaufnahmen und Nervenwasseruntersuchung (Genaueres dazu weiter unten) erhält der Arzt oft entscheidende Hinweise. Ganz wichtig ist der Ausschluss anderer möglicher Ursachen für die Beschwerden.

Blutuntersuchung

Bei Verdacht auf eine Multiple Sklerose ist der Nachweis bestimmter Laborwerte vor allem nötig, um andere Krankheiten als mögliche Ursache auszuschließen. Derzeit gibt es noch keinen Bluttest, der eine MS beweisen könnte. Übliche Blutparameter wie Blutbild, Leber- und Nierenwerte sowie Entzündungsmarker verändern sich durch eine Multiple Sklerose nicht.

Liquordiagnostik: Untersuchung des Nervenwassers

Um Nervenwasser zu gewinnen, führt der Arzt zwischen dem zweiten und fünften Lendenwirbel eine dünne Hohlnadel ein (Lumbalpunktion). Er entnimmt etwas Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis), das im Labor analysiert wird. Typischerweise finden sich vermehrt bestimmte Eiweißkörper darin (nervenwasserspezifische oligoklonale Banden). Die Anzahl der Entzündungszellen ist oft leicht erhöht.

So läuft eine Lumbalpunktion ab

Lumbalpunktion (Liquorpunktion)

Eine Lumbalpunktion zapft Nervenwasser ab für die Untersuchung im Labor »

MRT-Bild eines Gehirns mit MS: Die hellgrauen Flecken sind Entzündungsherde

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Bildgebende Untersuchungen: MRT

Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) kann der Arzt Bilder des Gehirns anfertigen. Die MRT verwendet keine Röntgenstrahlen, sondern arbeitet mit starken Magnetfeldern. Der Patient ist bei der Untersuchung also keinen Röntgenstrahlen ausgesetzt.

Auf den Hirnaufnahmen sind bei 85 Prozent der Patienten mit Multipler Sklerose bereits im Frühstadium Veränderungen feststellbar, die auf Entzündungsherde schließen lassen. In fortgeschrittenen Stadien ist das bei fast allen Patienten der Fall. Bei manchen neurologischen Funktionsstörungen wird zusätzlich das Rückenmark untersucht.

Kernspintomografie des Kopfes

MRT: Ablauf der Kernspintomografie

Die Technik kann die Organe des Körpers detailliert darstellen und macht viele krankhafte Veränderungen sichtbar »

Spezielle Nervenuntersuchungen

Die Leit- und damit Funktionsfähigkeit von Nervenbahnen kann mittels sogenannter evozierter Potenziale bestimmt werden. Vereinfacht gesagt stimuliert der Arzt dabei ein Sinnesorgan oder einen Nerv durch einen äußeren Reiz. Das löst im Gehirn ein Signal aus, das mit Elektroden messbar ist (elektrisches Potenzial). Bei etwa 75 Prozent der Patienten mit MS tritt diese Reizantwort verzögert auf, die Reaktionsstärke ist vermindert.

Mit visuell evozierten Potenzialen (VEP) misst der Arzt die Impulsleitung über den Sehnerv. Akustisch evozierte Potenziale (AEP) geben Hinweise auf Störungen im Hörnerv, des Kleinhirns sowie der zum Gehirn hinführenden Nervenbahnen. Durch somatosensibel evozierte Potenziale (SEP) lässt sich die Berührungsempfindlichkeit bestimmter Abschnitte des Körpers (typischerweise Hände und Füße) und deren Impulsleitung zum Gehirn bestimmen.

McDonald-Kriterien: Wann steht die Diagnose fest?

Für die Diagnose nutzen Ärzte die sogenannten McDonald-Kriterien (aktuelle Fassung 2010): Die Diagnose Multiple Sklerose gilt demnach als gesichert, wenn die ärztliche Untersuchung eine räumliche und zeitliche Verteilung der Krankheitszeichen und Symptome ergibt. Dies kann unter anderem erfüllt sein, wenn sich ein zweiter Erkrankungsschub im Abstand von mindestens einem Monat ereignet und / oder sich in einer Kontroll-MRT-Untersuchung des Gehirns im Vergleich zur Voraufnahme ein oder mehr neue sogenannte Herde zeigen.

Im Einzelfall kann die Diagnose MS jedoch auch nach dem ersten Erkrankungsschub gestellt werden – wenn sich in der MRT-Untersuchung Zeichen von mehreren frischen und älteren Herden zeigen. Zusätzlich existieren weitere Konstellationen, bei denen der Arzt die Diagnose MS stellen kann.

Manchmal sind die Untersuchungsergebnisse zunächst mehrdeutig oder nicht alle Diagnose-Kriterien erfüllt. Dann kann sich die Sicherung der Diagnose hinziehen. Keinesfalls dürfen andere Krankheiten als mögliche Ursache der Symptome übersehen werden. Ergänzende Untersuchungen sind deshalb wichtig. So sollte beispielsweise ein Augenarzt das Auge und die Sehfunktion prüfen, falls der Verdacht auf eine Entzündung des Sehnervs besteht. Lassen sich die Symptome durch eine andere Erkrankung besser erklären, spricht das gegen die Diagnose MS.

Wichtig: Andere Ursachen ausschließen

Bevor die Diagnose Multiple Sklerose feststeht, müssen zahlreiche andere Krankheiten als Ursache ausgeschlossen werden, welche die Beschwerden ebenfalls erklären könnten: Neben infektiösen Erkrankungen (Syphilis, Borreliose, HIV) kommen andere entzündliche Prozesse infrage, wie Gefäßentzündungen oder Autoimmunerkrankungen des Bindegewebes (Kollagenosen). Auch entzündlich-demyelinisierende Erkrankungen wie zum Beispiel die Neuromyelitis optica oder die akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) sind zu bedenken, ebenso Stoffwechselkrankheiten und psychische Leiden.


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