Deutschland zählt mehr als 350 Kurorte. Sie liegen in schönen Gegenden, verfügen über natürliche Heilmittel und bieten Therapien, die auf diesen basieren. Heilklimatische Kurorte zum Beispiel punkten mit Reiz- oder Schonklima. Zu ihnen gehört etwa Fischen im Allgäu.

Feig, schwach, genusssüchtig, alt, egoistisch: So beschreibt der Schriftsteller Hermann Hesse den typischen "Kurgast" in seinem gleichnamigen Werk. Er verarbeitet darin persönliche Erlebnisse aus zwei Kuren, die er im Frühling und Herbst 1923 im schweizerischen Baden ab­solvierte.

Immer wieder, immer lieber

Hesses Glosse zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild vom damaligen Kurgeschehen. Abgeschreckt hat es den deutsch-schweizerischen Autor aber dennoch nicht. Bis ins hohe Alter zog es ihn einmal jährlich in den Kur­ort nahe Zürich. Er fand dort Linderung für die Ischias- und Gichtleiden, die ihn plagten.

Deutschland zählt mehr als 350 Kurorte. Sie liegen in schönen Gegenden, verfügen über natürliche Heilmittel und bieten Therapien, die auf diesen basieren. Heilklimatische Kurorte zum Beispiel punkten mit Reiz- oder Schonklima. Zu ihnen gehört etwa Fischen im Allgäu.

Auch heute noch sind Kuraufenthalte beliebt – und effektiv. "Viele Patienten sagen, nach einer Kur geht es mir ein halbes Jahr so richtig gut, und kommen immer wieder", berichtet Professor Karl Ludwig Resch, Direktor des FBK Deutsches Institut für Gesundheitsforschung. Die Einrichtung in Bad Elster ist auf Bäderheilkunde und Kurortwissenschaft spezialisiert.

Reizvolle Heilmethoden

Bei einer Kur handelt es sich um eine ganzheitliche Therapie. Wiederholte Reize – etwa mit Wasser, Moor und Luft, mit Kälte und Wärme – sollen bestimmte Reaktionen im Körper auslösen. Ein Beispiel: Kohlensäurebäder bei Menschen mit Bluthochdruck. Der Reiz weitet die Gefäße und verbessert so die Versorgung des gesamten Organismus mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Resch: "Dadurch lernt das Gefäßsystem in einer Weise zu agieren, in der es das lange nicht mehr getan hat. Der Blutdruck sinkt, wenn man die Anwendung zehnmal macht und mit anderen Methoden kombiniert." Die Bäder haben aber nur einen kleinen Effekt, sie können eine Therapie mit Blutdrucksenkern also lediglich ergänzen.

Generell sollen Kuren bewirken, dass der Körper sich anpasst und Fehlregulationen korrigiert. Zum klassischen Kurkonzept gehört zudem ein Ortswechsel – der Aufenthalt in einer Gegend mit besonderen natürlichen Heilmitteln: Thermal-, Mineral-, Meerwasser, Schlamm oder ein gesundes Klima.

Eine Sozialleistung?

Viele Kurorte in Europa hatten ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert. Menschen, die sich die Reise samt Behandlungen leisten konnten, linderten dort ihre Beschwerden. Später bezahlte das Sozialsystem der Bundesrepu­blik Kuren in großem Umfang – bis der Gesetzgeber die Regeln änderte und den Geldhahn zudrehte.

Doch auch heute noch übernehmen die Kassen in bestimmten Fällen die Kosten. "Der Weg dorthin ist ziemlich zäh und aufwendig. Doch wer es wirklich ernst meint, hat immer noch gute Aussichten, sein Ziel zu erreichen", sagt Resch. Vorausgesetzt, man hat ­einen Anspruch und weiß, wie man ihn durchsetzt.

Kneippkurorte bieten Wasserkuren nach Sebastian Kneipp an. Hier in Bad Wörishofen wurde die Therapie entwickelt

Kneippkurorte bieten Wasserkuren nach Sebastian Kneipp an. Hier in Bad Wörishofen wurde die Therapie entwickelt

Hier lesen Sie, was sie über Kuren und die Kostenerstattung wissen müssen und was es bei der Be­­antragung zu beachten gilt.

Praktische Tipps

Unter bestimmten Bedingungen bezahlen die Krankenkassen eine Kur:

1. Die Kur dient der Vorsorge

Das Wort "Kur" wurde schon vor Längerem aus dem Sozialgesetzbuch verbannt. Offiziell handelt es sich um eine "ambulante Vorsorgeleistung in einem anerkannten Kurort". Sie hat das Ziel, "eine Schwächung der Gesundheit zu vermeiden" sowie "Krankheiten zu verhüten und deren Verschlimmerung zu vermeiden". So lauten die Formulierungen im Gesetz. Kuraufenthalte und -behandlungen sollen also vor allem Krankheiten vorbeugen.

Sie unterscheiden sich damit von medizinischen Rehabilitationen, die vor allem bei einer bestehenden Krankheit, nach einer Verletzung oder im Anschluss an eine größere Operation erfolgen. Allerdings werden im allgemeinen Sprachgebrauch auch Rehas oft unter den Sammelbegriff "Kur" gefasst.

2. Der Arzt gibt die Anregung

Zunächst sollte man mit dem Hausarzt besprechen, ob er eine Kur für die richtige Maßnahme hält. "Für den Patienten ist es schwierig zu wissen, was für ihn infrage kommt und worauf er Anspruch hat", sagt Resch.

Befürwortet der Arzt die Behandlung in einem Kurort, bespricht er mit dem Patienten ­therapeutische Schwerpunkte und stellt einen Antrag. Das Formular hat den sperrrigen Namen "Anregung einer ambulanten Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten". Der Arzt kann ­ergänzend einen bestimmten Kurort vorschlagen oder Anforderungen an diesen formulieren.

3. Die Kasse übernimmt die Kosten

Genehmigt die Krankenkasse den Antrag, stellt sie einen Kurarztschein aus. Damit kann der Versicherte Leistungen am Kurort in Anspruch nehmen. Er lässt dafür den Schein dem Kurarzt vor seiner Anreise zukommen. Dieser erarbeitet daraufhin einen Behandlungsplan. Arztkosten werden voll von der Kasse übernommen, Kurmittelkosten zu 90 Prozent. Dazu zählen die Anwendungen, zum Beispiel mit Heilwässern oder -erden.

Die Kosten für die Fahrt, Unterkunft, Verpflegung und Kurtaxe zahlt der Gast selbst. Die Kasse kann ihm dafür einen pauschalen Zuschuss von höchstens 16 Euro pro Tag gewähren. Für chronisch kranke Kinder bis fünf Jahre gilt der Maximalbetrag von 25 Euro.

Heilbäder sind Kurorte mit Mineral- oder Moorheilbädern. Etwa Bad Pyrmont in Niedersachsen

Heilbäder sind Kurorte mit Mineral- oder Moorheilbädern. Etwa Bad Pyrmont in Niedersachsen

Der Anspruch auf Leistungen besteht auch in Kurorten eines anderen Landes der EU. "Allerdings gibt es dort weniger strenge Qualitätsvorgaben und -kontrollen als hierzulande", sagt Resch. Im Ausland muss der Versicherte alle ­Rechnungen zunächst selbst begleichen und dann bei der Kasse einreichen. Zu den Einzelheiten unbedingt vorab erkundigen.

Eine Kur dauert meist drei Wochen und muss spätestens vier Monate nach der Bewilligung beginnen.Andernfalls verfällt der Anspruch. Erwerbstätige sind während der Kur nicht krankgeschrieben, müssen also ihren Urlaub nutzen. Generell gilt eine Sperrfrist von drei Jahren zwischen zwei ambulanten Kuren.

4. Stationär ist eine Alternative

Für manche Versicherte ist eine ambulante Kur nicht durchführbar oder nicht aussichtsreich, etwa bei eingeschränkter Mobilität. Dann besteht die Möglichkeit, eine stationäre Vorsorgeleistung zu beantragen. Bei dieser Form werden Fahrt, Unterkunft und ­Verpflegung bezahlt. Nur die Zuzahlung von zehn Euro täglich muss der Versicherte selbst aufbringen – so wie bei Klinikaufenthalten üblich.

Kurort und Einrichtung werden dem Versicherten von der Kasse zugewiesen. Die von ihr bezahlten Kurleistungen sind die gleichen wie bei der ambulanten Form. Für die stationäre Kur muss der Arbeitnehmer keinen Urlaub nehmen. Hat er sie absolviert, besteht eine ­Sperrfrist von vier Jahren, bis er erneut einen Antrag stellen kann.

5. Wenn die Kasse ablehnt

Dann sollte der Versicherte auf jeden Fall Widerspruch einlegen. Einen ­­Monat hat er dafür Zeit. "Diese sollte man nutzen, um sich Akteneinsicht zu besorgen, um zu verstehen, warum die Kasse den Antrag abgelehnt hat, und um darauf zu reagieren", sagt Ingo Dörr, Geschäftsführer des Arbeitskreises Gesundheit.

Der Widerspruch sollte gut begründet sein, und auch der Arzt sollte darin Stellung beziehen. Lehnt die Krankenkasse auch den Widerspruch ab, bleibt noch die Klage beim Sozialgericht. Oder man wartet ab und stellt nach einiger Zeit nochmals einen Antrag.

6. Nachfragen lohnt sich

"Ob eine Vorsorgeleistung genehmigt wird, ist von Kasse zu Kasse sehr unterschiedlich", sagt Dörr. Einige ­Kassen handhaben das streng, andere freizügiger. Manche schnüren selbst Komplett­pakete für ihre Versicherten. Es lohnt sich also nachzufragen, inwieweit Kuren und andere Vorsorgemaßnahmen finanziell unterstützt werden.

Manche Kassen haben sogar Verträge mit Kureinrichtungen im EU-Ausland und ermöglichen einigen ihrer Versicherten unter bestimmten Bedingungen dort eine Kur. Allerdings muss man auch bei den Kassenangeboten meist den größten Teil der Kosten selbst tragen.

Kosten selbst tragen

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, alles aus der eigenen Tasche zu bezahlen. "Typischerweise fallen in einer Woche medizinische Kosten von 250 bis 300 Euro an. Das ist ungefähr so viel wie ein Skipass", sagt Resch. Wer ein gesundheitliches Anliegen hat, kann also durchaus kuren und bezahlt nicht mehr als für einen anderen Urlaub. Zumal man als Unterkunft eine Pension oder Ferienwohnung wählen kann.

Wer bereits von einer Kur profitiert hat, muss folglich nicht unbedingt drei Jahre warten, um eventuell erneut einen Anteil der Kosten bezahlt zu bekommen. Und Menschen ohne Kurerfahrung können ausprobieren, was ihnen am besten hilft.

"Es gibt einen Mechanismus, der bestens funktioniert, und das ist die Mundpropaganda", sagt Resch. Mittlerweile erfolgt diese zum großen Teil in sozialen Foren des Internets.
Menschen mit ohnehin knapper Urlaubskasse geraten allerdings auch bei einer Kur schnell an ihre finanziellen Grenzen.

Hier finden Sie Informationen zu Kurorten in Deutschland und zu ihren Schwerpunkten:
www.deutscher-heilbaederverband.de
www.baederkalender.de

Lesen Sie mehr:

Ostseeheilbad Zingst

Kurorte: Welches Heilklima wann hilft

Ob Meer oder Gebirge: Eine Kur kann sowohl für chronisch Kranke als auch für Gesunde sehr wohltuend sein. Das jeweilige Klima beeinflusst den Körper auf unterschiedliche Weise. Wie eine Klimakur genau wirkt