Im Herbst könnten die Corona-Zahlen wieder steigen. Der Bund hat darum verschiedene Maßnahmen festgelegt, die Infektionen einschränken sollen. Diese gelten von 1. Oktober 2022 bis 7. April 2023.

Doch wie schlimm könnte die Situation tatsächlich werden? Welche Maßnahmen sind geplant? Und wie könnte Impfen helfen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Die drei Szenarien

Wie könnte die Lage im Herbst und Winter 2022/2023 aussehen?

Der ExpertInnenrat der Bundesregierung zu Covid-19 rechnet für den Herbst/Winter 2022/23 mit drei Szenarien: einem günstigsten Szenario, einem Basisszenario und einem ungünstigsten Szenario. Welches eintreten wird, lässt sich momentan nicht sagen.

„Günstigstes Szenario“

Im „günstigsten Szenario“ könnte sich eine neue Virusvariante verbreiten. Von ihr wird angenommen, dass sie sich leichter überträgt als bisherige Omikron-Stämme, dass sie aber auch weniger gefährlich ist, also weniger schwere Krankheitsverläufe bei Älteren verursacht und kaum Gesundheitsbeeinträchtigungen bei immunisierten Erwachsenen. In diesem Szenario wird angenommen, dass dafür andere Infektionskrankheiten im Winter häufiger und schwerer auftreten könnten, weil das Immunsystem drei Jahre lang untertrainiert war. Vor allem, wenn bei einer schwächeren Coronavirusvariante Kontaktbeschränkungen fallen.

„Basisszenario“

Im „Basisszenario“ rechnen die Expertinnen und Experten mit einer Krankheitslast ähnlich derjenigen, die die bisherigen Omikron-Varianten BA.4, BA.5 und BA.2.12.1 hervorgerufen haben. Mit Krankheitslast gemeint sind etwa die Häufigkeit einer Erkrankung, die Sterberate und das Ausmaß an zusätzlich entstehender Behinderung. Es wird angenommen, dass die Winterwelle statt zwei bis drei Monate über einen längeren Zeitraum stattfindet. Es kommt deshalb zu vermehrten Arbeitsausfällen wegen Corona-Infektionen. Als Folge könnte es regional unter anderem zu Kontaktbeschränkungen kommen. Welche Maßnahmen die Länder bei erhöhten Coronazahlen beschließen können, lesen Sie unten.

„Ungünstigstes Szenario“

Beim „ungünstigsten Szenario“ rechnet der ExpertInnenrat mit einer neuen Virusvariante: Die ist nicht nur resistenter gegen den aktuell verfügbaren Impfschutz, sondern auch ansteckender, und löst schwerere Erkrankungen aus. In diesem Szenario wird das Gesundheitssystem durch Covid-Erkrankungen stark belastet, Kontaktbeschränkungen wären eine Option. Das Kleeblatt-Verlegungskonzept könnte reaktiviert werden. Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten in andere Krankenhäuser oder Bundesländer verlegt werden können. Falls dieses Szenario eintritt, könnten erst im Frühjahr 2023 Einschränkungen und Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht aufgehoben werden.

Geplante Schutzmaßnahmen

Das sind verschiedene. Welche das sind, kommt auf die Infektionslage an. Es gibt bundesweit gültige Maßnahmen sowie Maßnahmen, welche die Bundesländer selbst bestimmen können.
Der Maßnahmenkatalog sieht eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht in verschiedenen Bereichen vor: in Fernzügen, Kliniken, Pflegeheimen und Arztpraxen. Kinder zwischen sechs und 13 Jahren sowie Schulpersonal sollen gegebenenfalls OP-Masken tragen. In Kliniken und Pflegeheimen soll man vor Eintritt zudem einen negativen Corona-Test nachweisen müssen. Um den Schutz besonders gefährdeter Pflegebedürftiger zu verstärken, sollen Heime Beauftragte benennen müssen, die sich um Impfungen, Hygiene und Therapien für Erkrankte etwa mit dem Medikament Paxlovid kümmern.
Die Länder sollen vom 1. Oktober 2022 bis 7. April 2023 abgestuft nach Infektionslage weitere Schutzvorgaben anordnen können. In der ersten Stufe können sie zum Beispiel eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie in öffentlich zugänglichen Innenräumen beschließen. Eine Ausnahme von einer Maskenpflicht soll es geben können, wenn man beim Besuch von Kultur-, Freizeit- oder Sportveranstaltungen oder in der Gastronomie einen negativen Test vorzeigt.
Die Bundesländer können in Schulen für Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse und für Beschäftigte eine Maskenpflicht beschließen. Für jüngere Schülerinnern und Schüler und Kinder in Kindertageseinrichtungen kann es eine Testpflicht geben, wenn ein Land das beschließen möchte. Schulschließungen sind laut den neuen Regeln nicht vorgesehen.
Für das Privatleben soll es keine Einschränkungen geben. Auch Lockdowns sind nach den Regeln nicht vorgesehen.
Nein, eine Home-Office-Pflicht ist nicht geplant.

Geforderte Immunisierung

In Deutschland wird mit den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna geimpft, mit dem vektorbasierten Impfstoff von Johnson & Johnson sowie mit dem proteinbasierten Impfstoff von Novavax.
Nach Entscheidung der Ständigen Impfstoffkommission STIKO gilt folgendes: Pfizer/BioNTech ist für alle Menschen ab fünf Jahren empfohlen (für Fünf- bis Elfjährige in eigener Darreichungsform mit angepasster Dosierung). Moderna wird für Menschen ab 30 Jahren empfohlen, Johnson & Johnson für Menschen ab 60 Jahren, Novavax für Menschen ab 18 Jahren.
Als vollständig geimpft gelten nur noch Menschen, die drei Einzelimpfungen erhalten haben. Dabei ist es egal, von welchen Herstellern die Impfstoffe stammen. Allerdings muss es sich um Impfstoffe handeln, die von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen sind. Die dritte Impfung muss mindestens drei Monate nach der zweiten Einzelimpfung erfolgen.
Ja. Eine Infektion mit SARS-CoV-2 wird in der neuen Regelung mit einer Impf-Einzeldosis gleichgestellt. Entscheidend sind also drei nachgewiesene Virus-Kontakte, um vollständigen Impfschutz zu haben. In diesem Sinne gelten drei Ausnahmen:
Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt eine vierte Impfung generell für Personen ab 60 Jahren sowie für Menschen ab fünf Jahren, sofern sie eine Grunderkrankung wie zum Beispiel Diabetes, ein Tumorleiden, Asthma, chronische Lungen- oder Nierenerkrankungen, Immunschwäche oder Herzerkrankungen.
Die STIKO rät primär zu den mRNA-Impfstoffen der Hersteller BioNTech und Moderna. Der Mindestabstand zum vorhergehenden immunologischen Ereignis (Impfung oder Corona-Infektion) soll sechs Monate betragen, in begründeten Einzelfällen ist eine Verkürzung auf vier Monate möglich.
Die STIKO sieht nach vorliegenden Studien für Menschen ab 60 und die genannten Risikogruppen einen erhöhten Schutz vor schweren Covid-19-Erkrankungen und Covid-19-bedingten Todesfällen. In Studien aus Israel mit älteren Menschen waren Personen nach einer vierten Impfung mehr als 60 Prozent besser vor schwerer Covid-Erkrankung und zu 70 Prozent besser vor Covid-Tod geschützt als Personen mit nur drei Impfungen.
Bisher gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts keine verlässlichen – geschweige denn eindeutigen – Daten zu dieser Frage. Insofern gilt: Der beste Schutz vor Long-Covid ist es, sich nicht mit dem Virus zu infizieren.
Bisher gab es nur Impfstoffe, die gegen die ursprüngliche Variante von SARS-CoV-2 entwickelt wurden, den Wildtyp. Seitdem ist das Virus vielfach mutiert zu neuen Varianten, aktuell Omikron mit den vorherrschenden Subvarianten BA.4/BA.5.
Ja. Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen, gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zu prüfen, ob eine Grippe-Impfung für sie ratsam ist. Wer noch keine dritte (oder vierte) Covid-Impfung hat, kann sich Covid- und Grippeimpfung gleichzeitig geben lassen, möglichst an verschiedenen Armen. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob eine Impfung gegen Pneumokokken zur Verhinderung einer Lungenentzündung ratsam ist.
Für Personen jünger als 60 Jahre ohne Grunderkrankung, die bereits drei immunologische Ereignisse (davon mindestens eine Impfstoffdosis) hatten, empfiehlt die STIKO vorerst keine weitere Auffrischimpfung. Diese Personengruppe, heißt es, würde nach derzeitigem Kenntnisstand von einer weiteren Impfstoffdosis nicht nennenswert profitieren. In einer Studie aus den USA mit dreifach Geimpften betrug die Wirksamkeit nach vier Monaten noch immer 78 Prozent – im Vergleich zu nicht geimpften Menschen. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Wirksamkeit auch in den Monaten danach noch immer hoch ist. Das ist aber nur eine vorläufige Erkenntnis.
Personen, die bereits vier immunologische Ereignisse (Impfung oder Corona-Infektion) hatten, rät die STIKO vorerst nicht generell zu einer weiteren Auffrischimpfung. Bei besonders gefährdeten Personen (beispielsweise Menschen ab 80 Jahren) kann es aufgrund einer nachlassenden Leistungsfähigkeit des Immunsystems sinnvoll sein, nach dem vierten immunologischen Ereignis noch eine weitere Impfstoffdosis zu verabreichen. Die Entscheidung sollten Betroffene mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt unter Berücksichtigung des Gesundheitszustands und der Gefährdung individuell treffen.
Entwickelt wurden sogenannte bi- oder trivalente Impfstoffe, die vor mehreren Mutanten des originalen Wuhan-Coronavirus schützen sollen. Mehr Informationen zu den angepassten Impfstoffen finden Sie hier.

Verfügbare Medikation

Wie erhalte ich als an Covid-19-Erkrankter Paxlovid?

Hausärzte können das Corona-Medikament seit Ende August in der Praxis auf Vorrat halten und Patientinnen und Patienten geben. Auch Pflegeheime sollen das Arzneimittel lagern. Für welche Patienten Paxlovid in Frage kommt und wie es wirkt, lesen Sie in diesem Artikel.

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