Halsschmerzen: Selbsthilfe, Therapie

Die meisten Halsschmerzen sind nach wenigen Tagen vorbei. Meist genügen einfache Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 03.01.2018

Hausmittel helfen dem wunden Hals

W&B/Brigitte Sporrer

Therapieplanung ... selbstverständlich wird der Patient aktiv mit einbezogen

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Ärztliche Behandlung: Pro & Contra?

Von Ärzten mitgeteilte Erfahrungen in Klinik und Praxis belegen:

  • Halsschmerzen sind überwiegend durch einen Virusinfekt bedingt.
  • Sie sind dann meistens nach zwei bis drei Tagen abgeklungen.
  • Die große Mehrheit der Patienten ist in der Regel nach fünf Tagen beschwerdefrei.

Daher erübrigt sich in diesen leichten Fällen meist eine ärztliche Therapie. Darin stimmen heute viele Mediziner überein – etwa Hals-Nasen-Ohrenärzte und Kinderärzte, aber auch Allgemeinärzte. Ohnehin sind Antibiotika bei reinen Virusinfekten wirkungslos. Aber auch im Falle einer leichten Streptokokkenangina ist ein Antibiotikum bei Menschen mit normaler Immunabwehr und ohne vorausgegangene medizinische Besonderheiten nicht routinemäßig notwendig, wenngleich wegen kleiner Vorteile auch vertretbar. Mehr dazu im Abschnitt "Ärztliche Therapie" weiter unten.


Lutschpastillen mit pflanzlichen Wirkstoffen können Halsschmerzen lindern

Thinkstock/BananaStock

So helfen Sie sich bei unkomplizierten Halsschmerzen selbst

Die meisten Patienten empfinden Hausmittel als lindernd und wohltuend, etwa Gurgeln mit Salzwasser, Lutschen von Eiswürfeln und Halswickel. Viele Betroffene achten auch auf eine ausreichende Trinkmenge (wenn medizinisch nichts dagegen spricht), besonders bei Fieber, und bevorzugen eine weiche, nicht reizende Kost in der Akutphase. Sie schonen sich ein oder zwei Tage, sorgen für eine gut befeuchtete Luft in der Wohnung und rauchen nicht.

In der Apotheke werden rezeptfreie pflanzliche Mittel in Form von Tees, Gurgellösungen, Tropfen, Saft und Pastillen angeboten. Enthaltene Wirkstoffe stammen unter anderem aus Arnika, Isländischem Moos, Kamillenblüten, Kapland-Pelargonie, Lindenblüten, Salbeiblättern, Thymian. Sie können die Genesung unterstützen. Auch gibt es Lutschtabletten mit einem entzündungshemmenden Effekt und Rachensprays oder Mundspüllösungen mit örtlich betäubender beziehungsweise schmerzlindernder Wirkung (Rachentherapeutika). Sogenannte Immunstimulanzien mit Extrakten aus Sonnenhut (Echinacea spec.), Lebensbaum (Thuja orientalis) oder Färberhülse (Baptisia australis) finden in der Selbstmedikation ebenfalls Verwendung. Beliebt sind auch homöopathische Mittel.

Kurzfristig kann bei Bedarf ein Schmerzmittel wie Paracetamol oder ein entzündungshemmendes Mittel, zum Beispiel Ibuprofen oder ein anderes, nicht steroidales Antirheumatikum (Abkürzung dieser Medikamente: NSAR oder NSAID), helfen. Dazu sollte man sich jedoch vom Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Bei Kindern und Jugendlichen oder in der Schwangerschaft gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, über die man sich ebenfalls informieren sollte. Weitere Hinweise im Krankheitsratgeber "Erkältung".


Mann trinkt Tee

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Nehmen Sie Ihr Medikament wie verordnet ein, klären Sie mögliche Nebenwirkungen mit dem Arzt ab

W&B/Martin Ley

Ärztliche Therapie bei Halsschmerzen

An der Notwendigkeit einer antibiotischen Therapie bei leichten Fällen mit Streptokokkenangina (siehe eingangs oben) scheiden sich oft die Geister. Ein Antibiotikum kann den Krankheitsverlauf etwas verkürzen, im Schnitt um sechzehn Stunden, mal mehr, mal weniger. Dem stehen Nachteile wie mögliche Nebenwirkungen und das Risiko resistenter Keime gegenüber. Resistent bedeutet, dass Erreger bei einem bedrohlicheren Infekt dem dann notwendigen Antibiotikum standhalten könnten.

Der Arzt wird die Therapiemöglichkeiten bei den ratsuchenden Patienten kritisch abwägen und die Vor- und Nachteile erklären. Sich eingehend ärztlich beraten zu lassen, ist also auf jeden Fall empfehlenswert. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Kinderärzte sehen eine Antibiotikumtherapie bei nachgewiesener oder hochwahrscheinlicher Streptokokkenagina nach wie vor als durchaus gerechtfertigt, aber nicht als Automatismus an. Aktuelle Behandlungsoptionen sind in einer Leitlinie zusammengefasst (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Fachliteratur").

Falls sich bei Halsschmerzen von Anfang an oder im weiteren Verlauf ein schwereres Krankheitsbild abzeichnet, ist auf jeden Fall der Arzt gefragt. Zu den Hinweisen auf einen komplizierten Verlauf gehören zum Beispiel:

  • Starke, zunehmende oder wiederkehrende Schmerzen
  • Ausgeprägte, zunehmende oder wiederkehrende Schluckbeschwerden
  • Starker Husten, oder ziehende, pfeifende Atmung, mithin Luftnot
  • Länger als einen Tag hohes Fieber (über 39°C) oder weniger hohes Fieber, das jedoch mehr als zwei bis drei Tage anhält oder erneut auftritt 

Über weitere Warnzeichen bei Halsschmerzen und wann man bei Fieber den Arzt hinzuziehen sollte, mehr im Kapitel "Halsschmerzen: Überblick".

Bei ausgeprägten bakteriellen Rachenentzündungen ist ein Antibiotikum unerlässlich. Beispielsweise geht es bei einer Streptokokken-A-Tonsillitis mit maßgeblichen Beschwerden (siehe Kapitel: "Halsschmerzen: Infektionen sind die führenden Ursachen" und Kapitel "Halsschmerzen: Diagnose"), bei Scharlach, bakterieller Kehldeckelentzündung oder Angina Plaut Vincent nicht "ohne".

Wann eine Entfernung oder Teilentfernung der Mandeln bei oder nach Mandelentzündungen ansonsten sinnvoll ist, diskutieren Hals-Nasen-Ohrenärzte momentan über die oben genannte neue Leitlinie zur Therapie von Mandelentzündungen hinaus eingehend. Sie sind mit dem Eingriff jedenfalls heute zurückhaltender, entscheiden sehr gründlich von Fall zu Fall und bestimmen derzeit die Vorgehensweisen neu. Eine mehrmals pro Jahr auftretende antibiotikumpflichtige Streptokokken-A-Tonsillitis mit weiteren Wiederholungen im Folgejahr – die "Schnittstelle" lautet: ab sechs mal – gehört zu den klaren Optionen für eine Mandeloperation.

Bei bestimmten Allergien kann eine gezielte "Allergie-Impfung" (auch Hyposensibilisierung oder spezifische systemische Immuntherapie genannt) teilweise länger anhaltende Erfolge erzielen. Die Neigung zur Allergie bliebt jedoch bestehen. Bei Bedarf blockieren antiallergisch wirkende Arzneimittel die Beschwerden. Die auslösenden Allergene sollten Betroffene nach Möglichkeit meiden.

Liegt eine Immunschwäche und in der Folge zum Beispiel eine Infektion mit dem Zytomegalie-Virus (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Hauptursachen sind Infektionen") vor, so werden spezielle virushemmende Medikamente eingesetzt. Auch gegen die HIV-Infektion gibt es heute wirksame Medikamente. Zwar ist die Krankheit noch nicht heilbar, aber sie lässt sich durch die weiterentwickelte Therapie immer besser unter Kontrolle halten.

Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit) behandelt der Arzt mit sogenannten Protonenpumpenhemmern. Sie hemmen die Säureproduktion im Magen. Allgemeinmaßnahmen helfen zusätzlich: eine angepasste Lebensführung und Meiden möglicher Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht und Alkoholkonsum.

Die Therapie einer Schilddrüsenentzündung richtet sich nach der auslösenden Ursache (mehr jeweils im Kapitel "Halsschmerzen: Allergien, andere Krankheiten, Reizstoffe als Ursachen").

Bösartige Tumoren im Rachenbereich therapieren Krebsmediziner nach den entsprechenden Vorgaben und Leitlinien.


Bei einer akuten Grunderkrankung kann eine Behandlung in der Klinik ratsam sein

Thinkstock/Stockbyte

Komplikationen und Notfälle bei Halsschmerzen

Dazu gehören vor allem Mandelabszesse, eine Kehldeckelentzündung mit Atemnot (Epiglottitis), ein Krupp, das Kawasaki-Syndrom, eine Agranulozytose, sodann starke Schluckbeschwerden und Bauchschmerzen, etwa bei einem Pfeifferschen Drüsenfieber, und nicht zuletzt ein möglicher Herzinfarkt. Bei all diesen Krankheitsbildern (siehe auch Kapitel: "Halsschmerzen: Komplikationen") ist umgehend eine stationäre Behandlung notwendig.
Mandelabszesse werden mit Antibiotika therapiert, außerdem punktiert, gespalten und drainiert oder operativ behandelt (zum Beispiel sogenannte Abszess-Tonsillektomie: Entfernung der vereiterten Mandel und Entleerung des Abszesses). Auch bei einer Agranulozytose werden die Betroffenen mit Antibiotika behandelt. Eventuell erhalten sie zusätzlich Medikamente (sogenannte Wachstumsfaktoren), die das Knochenmark anregen, weiße Blutkörperchen zu bilden. Das mutmaßlich auslösende Arzneimittel setzt der Arzt selbstverständlich ab oder tauscht es, wenn möglich, gegen ein anderes Medikament aus.

Bei einem rheumatischen Fieber und einer Poststreptokokken-Glomerulonephritis hängt es vom Zustand des Patienten ab, ob eine Einweisung in die Klinik geboten ist, es erscheint aber in der Akutphase ebenfalls ratsam.



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