Halsschmerzen: Infektionen sind die führenden Ursachen

Halsschmerzen sind ein typisches Symptom bei Erkältungen. Doch es kommen noch andere, auch ernsthaftere Infektionskrankheiten als Auslöser infrage

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 03.01.2018

Gegen Erkältungsbeschwerden helfen oft einfache Hausmittel


Halsschmerzen betreffen Jung und Alt, meist mehrmals im Jahr. In bis zu 80 Prozent aller Fälle sind Viren die Auslöser. Grippeviren verursachen Halsschmerzen, häufiger noch sind Erkältungsviren schuld.

Daher lohnt ein Blick auf die Krankheitsbilder und Symptome, die diese weltweit aktiven Erreger hervorrufen können.

Tipp: Impfungen schützen im Allgemeinen gut vor den jeweiligen Infektionen. Sorgfältige Hygiene, vor allem regelmäßiges Händewaschen mit Seife, eigene Handtücher und rücksichtsvolles Verhalten bei einer Erkältung trägt dazu bei, das Ansteckungsrisiko zu senken.

Halsentzündungen durch Viren

  • Erkältungsviren vom Typ der Rhinoviren sind für gut ein Viertel bis die Hälfte aller Fälle mit Halsschmerzen verantwortlich. Die Übertragung geschieht meist indirekt über Kontakt – sei es beim freundlichen Händedruck, sei es beim Anfassen von Türklinken oder anderen infizierten Gegenständen. Anschließend reicht man sie an sich selbst weiter: von der Hand in den Mund beziehungsweise die Nase. Erkältungsviren fängt man sich zudem häufig über die Atemluft ein. Erkältungskranke Mitmenschen schleudern beim Niesen, Husten oder Sprechen ohne Maske ungewollt, aber massenweise virushaltige Tröpfchen umher. So gelangen die Erreger je nach Flugroute direkt in den oberen Atemtrakt des Empfängers, wo sie sich schnell vermehren. Hunderte Arten von Rhinoviren treiben vor allem im kalten Winterhalbjahr ihr Unwesen.

    Symptome:
    Halsweh ist ein klassisches Symptom bei Erkältungskrankheiten – im Gespann mit Schnupfen, eventuell auch Fieber (Temperatur ab 38 °C), mäßigem Husten, Kopfweh. Die Symptome sind zwar lästig, aber in der Regel harmlos und nach drei, spätestens fünf Tagen wieder vorbei. Mediziner sprechen von einer "hohen Spontanheilungstendenz".
  • Auch die gefürchteten Grippeviren (Influenza-Viren) spielen bei Halsschmerzen eine herausragende Rolle. Sie sind sehr anpassungsfähig und lösen immer wieder kleinere oder größere Epidemien aus. Es gibt drei übergeordnete Typen: A, B, C, wobei die ersten beiden saisonal auftreten und derzeit am verbreitetsten sind.

    Symptome
    :
    Eine herkömmliche Grippe verläuft ganz unterschiedlich: Das reicht von unbemerkt über leichte, erkältungsähnliche Beschwerden (siehe oben) bis hin zu ausgeprägten Krankheitsbildern, möglicherweise mit tödlichem Verlauf. So manchen erwischt die Grippe eher schleichend, andere trifft es mit Wucht aus voller Gesundheit heraus. Das beginnt mit Frösteln und starkem Krankheitsgefühl. Dazu kann schnell ansteigendes Fieber über 39 °C kommen. Halsschmerzen, trockener Reizhusten, tränende Augen, manchmal Lichtscheu, Schnupfen, Übelkeit, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sind gleichfalls häufige wie lästige Symptome. Auch Erbrechen und Durchfall können auftreten. Manche Betroffenen fühlen sich noch längere Zeit nach der Genesung schlapp und appetitlos. Die Grippe kann anfälliger für andere Infektionen machen. Vor allem chronisch kranke Patienten, etwa Herz- oder Lungenkranke, sind entsprechend gefährdet. An erster Stelle stehen Lungenentzündungen – entweder durch das Grippevirus selbst oder durch Bakterien, die sich nun leichter festsetzen können. Auch eine schon bestehende Lungenerkrankung kann Probleme bereiten. Weitere mögliche Komplikationen sind Herz- oder Gehirnentzündungen. Kinder erkranken im Zuge einer Grippe häufiger an einer Mittelohrentzündung.

    Die Vogelgrippe
    ,
    also die Infektion des Menschen mit speziellen Grippeerregern, etwa des Typs Influenza A H5N1, ist bislang weltweit nur gelegentlich aufgetreten. Bekannt wurde sie vor allem in Südostasien und Ägypten. Zwei Drittel der Betroffenen verstarben allerdings.

    Die Symptome sind relativ ähnlich wie bei der üblichen Grippe. Im Vordergrund stehen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, häufig gefolgt Husten und Atemnot.


    Vorbeugung der Influenza:
    Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin rät Risikogruppen zur Grippe-Impfung. Dazu gehören unter anderem Menschen ab 60 Jahren und solche, die aufgrund bestimmter chronischer Grundleiden wie zum Beispiel Bronchialasthma oder Diabetes vermehrt infektionsgefährdet sind, sodann schwangere Frauen (im Allgemeinen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhtem Erkrankungsrisiko auch schon ab dem ersten Drittel) und Heimbewohner. Wer im Krankenhaus oder Altersheim arbeitet oder beruflich viel mit anderen Menschen zu tun hat, sollte sich ebenfalls impfen lassen. Dies gilt auch für jene, die mit einem Risikopatienten zusammenleben beziehungsweise sich um ihn kümmern.

    Die Impfung deckt das Spektrum der jeweils relevanten Grippeviren ab. Wegen der Wandelbarkeit der Erreger ist sie in der Breite mitunter etwas weniger treffsicher. Jedoch ist ein anteiliger Impfschutz immer noch besser als gar keiner. Der Impfstoff wird jedes Jahr den neuen Entwicklungen bestmöglich angepasst. Zum Aufbau eines ausreichenden Impfschutzes benötigt der Körper etwa zwei Wochen. Für Risikopersonen im Hinblick auf die Vogelgrippe, zum Beispiel Personal in Geflügelhaltungen, steht ebenfalls eine entsprechende Impfung zur Verfügung.
  • Pseudokrupp/Parainfluenzaviren (Paramyxoviren): Diese Viren gehören zu den Erkältungsviren und werden ebenfalls durch infizierte Tröpfchen übertragen. Eine Besonderheit: Sie gehören zu den Auslösern des sogenannten Pseudokrupp (verengende Kehlkopfentzündung oder stenosierende Laryngitis) bei Kleinkindern. Der Pseudokrupp ist eine Entzündung der Schleimhaut des Kehlkopfes. Dabei verengt sich der Atemweg, im Prinzip ähnlich wie bei einer Epiglottitis (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Überblick"), aber das passiert in weniger auf-der-Stelle-lebensgefährlicher Form. Der Pseudokrupp kann auf erkältungsähnliche Symptome als erste Anzeichen des Virusinfektes folgen.

    Manchmal sind beim Pseudokrupp außer dem Kehlkopf (Larynx) auch die unterhalb sich anschließende Luftröhre (Trachea) und die von ihr abzweigenden kleineren Luftwege in der Lunge, die Bronchien, betroffen. Dann liegt eine "Laryngotracheitis" oder gar "Laryngotracheobronchitis" vor, allgemeiner gesagt eine "subglottische Laryngitis" beziehungsweise "Laryngitis subglottica". Glottis ist der Fachbegriff für die Stimmbänder im Kehlkopf, sub- bedeutet unter.
    Und warum überhaupt der Name Pseudokrupp? Er entstand, um das Krankheitsbild vom echten Krupp bei der Diphtherie (siehe weiter unten, Abschnitt: "Halsentzündungen durch Bakterien") abzugrenzen. Diese Krankheit ist heute dank der Impfung selten geworden.

    Typische Symptome bei Pseudokrupp:
    Plötzliche Heiserkeit, bellender Husten, vor allem nachts, pfeifendes, fauchendes Atmen, Atemnot, Unruhe, eventuell leichtes Fieber. In sehr ausgeprägten Fällen besteht allerdings auch hier womöglich Erstickungsgefahr. Beachten Sie eventuelle Alarmzeichen (siehe wiederum im Eingangskapitel "Halsschmerzen: Überblick"). Pseudokrupp-Anfälle können außerdem bei einer Allergie auftreten. Allgemein begünstigend wirken Luftschadstoffe, auch Rauchen in der Umgebung des Kindes.

    Mehr dazu im Beitrag "Pseudokrupp" auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de
  • Auf das Konto bestimmter Adenoviren gehen ausgeprägte, höchst lästige Halsentzündungen bei Schul- und Vorschulkindern.
  • Als Pharyngokonjunktivalfieber ist die Erkrankung zudem mit einer mäßigen Bindehautentzündung eines oder beider Augen, geschwollenen Lymphknoten seitlich vor dem Ohr sowie Fieber gepaart. Mögliche Komplikation ist eine Lungenentzündung. Die Fiebererkrankung tritt gelegentlich epidemisch auf. Erwachsene sind seltener betroffen.
  • Coxsackie-Viren: Auch diese Krankheitserreger infizieren gerne Kinder, meist im Alter unter sieben Jahren. Die Viren werden überwiegend über Schmierinfektionen, seltener über infizierte Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Infektionen mit Coxsackie-Viren treten vorzugsweise in den Sommermonaten auf. Das entsprechende fieberhafte Krankheitsbild heißt Herpangina. Mit Herpes hat es allerdings nichts zu tun.

    Bemerkbar macht es sich neben Fieber mit Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen, Erbrechen, Bläschen und flachen Geschwüren an den Gaumenbögen. Daher wird es manchmal auch vesikuläre Pharyngitis genannt. Der Spuk dauert einige Tage und klingt dann in der Regel folgenlos ab.

    Abzugrenzen ist die ebenfalls durch bestimmte Coxsackie-Viren ausgelöste Hand-Fuß-Mundkrankheit, die unter anderem zu Beschwerden im Hals führen kann. Betroffen sind meist Kinder unter zehn Jahren.

    Symptome:
    Nach ein, zwei Tagen mit Fieber zeigen sich Bläschen im Mund (nicht aber an Lippen, am weichem Gaumen, an den Mandeln), die dann zu flachen kleinen Geschwüren (Aphthen) werden. Wenig später entwickelt sich ein nicht juckender Hautausschlag an den Handinnenflächen, Fußsohlen und im Gesäßbereich. Meist ist die Viruserkrankung innerhalb von zehn Tagen wieder ausgestanden.

    Tipp! Wichtig ist, dass die erkrankten Kinder trotz der Schmerzen im Mund und beim Schlucken genügend Flüssigkeit und Nahrung zu sich nehmen. Gekühlte Speisen, Tees und Säfte kommen meistens gut bei den kleinen Patienten an.
  • Herpes simplex-Virus (HSV-1): Die Erstinfektion mit dem Virus findet meist im frühen Kindesalter durch engen körperlichen Kontakt statt.
    Symptome:
    Der Erreger verursacht unangenehme Mundschleimhaut- und Rachenentzündungen mit schmerzhaften Bläschen (Gingivostomatitis herpetica, klassische Stomatitis aphthosa). Dazu kommen Fieber und Lymphknotenschwellungen am Hals. Nach der ersten Attacke nistet sich der Erreger verdeckt im Körper ein. Bei etwa einem Drittel der Virusträger wird er irgendwann wieder aktiv. HSV-1 entpuppt sich dann als lästiger, bei verschiedensten Gelegenheiten aufblühender Lippenherpes (Herpes labialis). Zu den Ausbrüchen kann es unter anderem durch Auslöser wie Stress, fieberhafte Infektionen ("Fieberbläschen") oder Sonnenbestrahlung ("Herpes solaris") kommen.
  • Das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch (infektiöse) Mononukleose, ist das Werk des Epstein-Barr-Virus (EBV). Übertragen wird es bei engem Kontakt über Speichel. Daher der weitere Name "Kusskrankheit". Bei Kleinkindern verläuft die Infektion meist symptomlos oder höchstens wie eine leichte Erkältung. Bei den hauptsächlich erkrankenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen dagegen zeigt sich das Krankheitsbild meistens als heftige Halsinfektion. Den akuten Symptomen gehen manchmal tagelang leichtes Fieber und ein Leistungsknick voraus. Dann wird klar, warum: Es kommt zu einer Tonsillitis und / oder Pharyngitis mit starken Halsschmerzen, Lymphknotenschwellungen am Hals (vor und hinter dem Ohr), Fieber. Die entzündeten Mandeln können vergrößert und eitrig belegt sein. Weitere Beschwerden bestehen in Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Husten, Kopfschmerzen und Ausschlägen. Dagegen sind Naselaufen und Niesen keine EBV-Symptome! Mitunter vergrößern sich die Leber und Milz, was mit Bauchschmerzen und einer Zunahme des Bauchumfangs einhergehen kann.

    Es sind verschiedene Komplikationen möglich. Unter Umständen lebensbedrohlich wegen starker Blutung: ein spontaner Riss (Ruptur) der Milz. Zu dem seltenen Notfall kann es bei starker Schwellung der Milz kommen. Der Arzt tastet daher den Bauch bei Verdacht auf eine akute EBV-Infektion immer nur sehr vorsichtig ab. Da die Milz ein wichtiges Organ der Immunabwehr ist, versuchen Ärzte sie bei der Akutbehandlung einer Ruptur möglichst zu erhalten.

    Auch nicht ungefährlich: Im Hals kann das weiche Gewebe am Gaumen nebst entzündeter Mandeln so stark anschwellen, dass die Atmung behindert wird. Bei pfeifender Einatmung ist dringend eine Klinikbehandlung angezeigt! Die Betroffenen erhalten unter anderem sofort Kortison.

    Ebenfalls eher selten sind neurologische Komplikationen wie Nerven-, Rückenmarks- und Gehirnentzündungen, außerdem akute Veränderungen des Blutes.

    Meist klingt das Krankheitsbild innerhalb von zwölf bis 18 Tagen ab. Die vergrößerte Milz hinkt dem manchmal hinterher. Daher raten Ärzte Betroffenen mit nachgewiesener EBV-Infektion, für drei bis vier Wochen nach Symptombeginn auf Sport, insbesondere Kampf- und Kontaktsport, sowie schweres Heben zu verzichten. Der Arzt wird die Befunde regelmäßig kontrollieren, bevor er wieder grünes Licht für sportliche Aktivitäten gibt. Zu bedenken ist hier, dass die Erkrankung manchmal länger dauert und über mehrere Wochen mit anhaltendem oder wiederkehrendem Fieber verlaufen kann.

    Noch ein Problem: Bei Behandlung mit bestimmten Antibiotika – Penicillinabkömmlingen namens Ampicillin und Amoxicillin – wegen eines mutmaßlichen Streptokokkeninfektes kann ein starker, juckender Ausschlag auftreten. Eine Streptokokken-A-Pharyngitis/-Tonsillitis gehört zu den Krankheitsbildern, die der Arzt wegen ähnlicher Symptome immer ausschließen wird. Auch Infektionen mit anderen Viren gehören zu den Ausschlussdiagnosen: mit dem Zytomegalie-Virus (CMV, auch humanes Herpesvirus 5 oder HHV5 genannt), mit anderen humanen Herpesviren, HI-Virus (HIV, Erreger der Immunschwächekrankheit Aids) oder auch Parainfluenzaviren (siehe oben).

    Ganz selten verläuft ein Pfeiffer-Drüsenfieber untypisch: Ohne Lymphknotenschwellungen, aber mit stippchenförmigen Rötungen am harten Gaumen. Oder wie eine Hepatitis, gelegentlich dann mit Gelbsucht.

    Im Ratgeber "Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose)" auf www. baby-und-familie.de finden Sie weitere Informationen.
  • HI-(humanes Immunschwäche-)Virus (HIV): Es ist für die HIV-Infektion beziehungsweise Aids-Erkrankung verantwortlich. Halsschmerzen und Schluckbeschwerden können im Rahmen der ersten Symptome etwa zwei bis drei Wochen nach der Infektion, aber auch erneut im späteren Verlauf auftreten.

Als Komplikation einer durch Viren ausgelösten Halsentzündung haben andere Erreger, etwa Bakterien wie Streptokokken A, leichteres Spiel und können eine bakterielle Infektion im Hals verursachen. Dazu nachfolgend mehr.

Halsentzündungen durch Bakterien

  • Streptokokken-A-Infekte: Bakterien, die mit Abstand am häufigsten Halsentzündungen verursachen, sind bestimmte Streptokokken. Die Keime werden verschiedenen Gruppen zugeordnet und diese mit Buchstaben von A bis T gekennzeichnet. Hauptverantwortlich für eine bakterielle Rachenentzündung (Pharyngitis), Angina oder beides (Tonsillopharyngitis) sind sogenannte Streptokokken der Gruppe A (GABHS-Tonsillitis oder kurz "Strep-Angina"; GABHS steht für beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, auch S. pyogenes). Bis zu einem Drittel der Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren machen einen solchen Streptokokkeninfekt durch, meistens im Winter und Frühjahr. Erwachsene erkranken ebenfalls, jedoch weniger häufig und nicht so jahreszeitenbetont. Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, gibt es immer wieder Ausbrüche von "Strep-Infektionen" von Mensch zu Mensch (Tröpfcheninfektion, direkter Kontakt), da die Erreger sehr ansteckend sind.

    Symptome: Zu den Leitsymptomen gehören starke Halsschmerzen, die länger als zwei Tage dauern und in die Ohren ausstrahlen können ("Angina-Halsschmerzen"), dazu Schluckbeschwerden, Mundgeruch, kloßige Sprache, Lymphknotenschwellungen am Hals, außerdem häufig Kopfschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit, bei Kindern auch Bauchschmerzen und Erbrechen. Manchmal sind die Krankheitszeichen auch nur leicht ausgeprägt.

    Diagnose, Therapie:
    Richtungweisende Befunde sind

    -
    Eine gerötete und geschwollene Rachenschleimhaut mit eitriger Absonderung und / oder geschwollene, eitrig belegte Mandeln
    -
    Fieber
    -
    Geschwollene, druckschmerzhafte Lymphknoten am Hals
    -
    Fehlen von Husten 

    Darauf stützen sich im engeren Sinn die Kriterien (sogenannte Centor-Kriterien), die in der Summe eine Streptokokken-Mandelentzündung im Hals mehr oder weniger wahrscheinlich machen können. Sie gelten für Patienten ab 15 Jahren, für jüngere wird ein leicht abgeändertes Schema angewandt. Darauf aufbauend kann der Arzt entscheiden, ob eine Erregerdiagnostik und je nach Ergebnis eine Antibiotikumbehandlung sinnvoll ist. Ärzte wägen hier in jedem Einzelfall genau die möglichen Vor- und Nachteile ab. Mittel der ersten Wahl ist Penicillin. Bei Penicillinallergie oder nicht sicher ausgeschlossenem Pfeifferschen Drüsenfieber eignet sich zum Beispiel alternativ Erythromycin oder ein Cephalosporin. Falls ein Patient eine andere Grunderkrankung hat, die das Risiko für Komplikationen erhöht, steht eine antibiotische Therapie außer Frage.

    Zu den möglichen Krankheitskomplikationen siehe Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag.

    Zurückhaltender als früher handhaben Ärzte heute die Operation der Gaumenmandeln (die Entfernung heißt Tonsillektomie, die Teilentfernung Tonsillotomie). Als sinnvoll wird der Eingriff vor allem bei häufig wiederholten antibiotikumbedürftigen Mandelentzündungen (siehe Kapitel "Halsschmerzen: Selbsthilfe, Therapie"), bei Allergien gegen verschiedene Antibiotika, bei seltenen Komplikationen wie einem Abszess und bei einem bösartigen Tumor der Gaumenmandel – im Kindesalter de facto nicht relevant – angesehen. Eine Entfernung oder Teilentfernung der Mandeln kann auch bei nächtlichen Atemproblemen (Schnarchen und Atemaussetzer, sogenannte Schlafapnoe) durch zu große Mandeln sinnvoll sein.
  • Seitenstrangangina (Pharyngitis lateralis): Das seltene Krankheitsbild diagnostizieren Ärzte manchmal bei Patienten, denen die Mandeln entfernt worden sind: sozusagen eine Art Ersatzangina im Herbst oder Winter mit Schwellung von Lymphbahnen in der hinteren seitlichen Rachenwand. Die Rachen- und Gaumenmandeln bilden zusammen mit den Lymphsträngen (Lymphfollikeln) eine Abwehrkette gegenüber Infektionserregern. Eine Seitenstrangangina tritt mitunter nach einer Erkältung auf. Zu den auslösenden Erregern gehören oft Viren, manchmal auch Bakterien wie Staphylokokken oder Pneumokokken. In den meisten Fällen heilt sie komplikationslos aus. Zu den möglichen Komplikationen gehört eine Mittelohrentzündung.

    Symptome
    sind Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten am Hals, eventuell auch Ohrenschmerzen. Mitunter zeigen sich weiße Stippchen seitlich an der Rachenwand.

    Tipp:
    Bei den genannten Symptomen, insbesondere
    Lymphknotenschwellungen und Ohrenschmerzen, sicherheitshalber zum Arzt.
  • Mischinfektionen - Angina Plaut Vincent: Für Halsschmerzen verantworlich kann auch ein Keimmix aus spindelförmigen Fusobakterien und bestimmten schraubenförmigen Bakterien sein. Sie brauchen einander, um zu überleben, und können prompt krankmachende Wirkungen entfalten. Eines der dadurch ausgelösten, seltenen Krankheitsbilder heißt Angina Plaut Vincent (auch Angina ulcero-membranacea).

    Symptome:
    Dabei entwickelt sich eine geschwürartige (ulzeröse) Mandelentzündung mit Schmerzen und Schluckbeschwerden, meist auf einer Seite im Hals. Das Geschwür zeigt einen grau-grünen Belag (Membran), der zu übelriechendem Mundgeruch führt. Die Betroffenen, häufiger Jugendliche, wirken aber trotz des sehr ausgeprägten Befundes erstaunlich wohlauf, sie haben auch kein Fieber. Die Behandlung erfolgt in leichten Fällen mit einer örtlich verätzenden Therapie mit 10% Silbernitratlösung und sorgfältiger Mundhygiene. Bei Bedarf behandelt der Arzt zusätzlich mit Penicillin, manche Ärzte auch von vornherein. Sollte sich die Heilung dennoch verzögern, sind weiterführenden Untersuchungen notwendig, um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Geschlechtskrankheiten: In weniger als bei einem von hundert Fällen spielen Geschlechtskrankheiten bei der Ursache von Halsschmerzen eine Rolle. Beispiele sind die Gonorrhö und die Syphilis. Beide Krankheiten werden durch Bakterien verursacht. Zu der durch das HI-Virus ausgelösten Infektion mit der möglichen Folge einer Erkrankung an Aids siehe Hinweise im vorhergehenden Abschnitt.

Halsschmerzen und sogenannte Kinderkrankheiten

Viren und Bakterien verursachen auch "Kinderkrankheiten". Im Prinzip können sich auch Erwachsene infizieren, wenn sie nicht ausreichend immun gegen die Erreger sind. Gegen die Mehrzahl gibt es einen Impfschutz. Hier fünf Beispiele:

  • Masern (Morbilli): Das Masernvirus ist hoch ansteckend. Es wird durch direkten Kontakt, etwa mit infiziertem Sekret aus Nase oder Rachen, oder infizierte Tröpfchen in der Luft übertragen. Zur Infektion kommt es, wenn die Erreger über Schleimhäute, meist der oberen Atemwege, seltener die Bindehaut, in den Körper gelangen und sich vermehren.
    Symptome:
    Die Infektion beginnt wie eine Grippe mit hohem Fieber, Schnupfen, trockenem Husten, manchmal auch Halsschmerzen. Die Augen sind aufgrund einer begleitenden Bindehautentzündung sehr lichtempfindlich. Auf der Mundschleimhaut zeigen sich kleine, weiße Flecken (Koplik-Flecken). Die Kinder wirken sehr angeschlagen. Am dritten bis siebten Tag startet der typische Hautausschlag mit bräunlichen bis rosafarbenen, teils ineinanderfließenden Flecken im Gesicht und hinter den Ohren, um sich dann über den ganzen Körper auszubreiten. Solange er vorhanden ist, sind die Kinder ansteckend. Klingt er ab, schuppt sich die Haut oft. Das Fieber sinkt meist zwischen dem fünften und siebten Tag. Die Infektion schwächt vorübergehend die Immunabwehr, sodass die Betroffenen leichter an einer anderen Infektion, etwa durch Bakterien, erkranken können. So kann es zum Beispiel zu einer bakteriellen Mittelohrentzündung kommen. Auch Lungenentzündungen (Pneumonien) sind möglich. Sie können sowohl durch das Masernvirus selbst als auch durch Bakterien entstehen. Bedrohlich ist eine spezielle Form der Masern-Lungenentzündung, die sogenannte Riesenzellpneumonie. Sie tritt vor allem bei Patienten auf, deren Immunsystem durch eine andere Krankheit oder Medikamente unterdrückt ist. Wegen Erstickungsgefahr gefährlich ist der gelegentlich vorkommende Masern-Krupp (Laryngotracheitis). Ein Masern-Kranker mit trockenem, bellendem Husten und pfeifender Einatmung muss umgehend mit ärztlicher Begleitung in die Klinik gebracht werden. An der ebenfalls gefürchteten akuten Gehirnentzündung (postinfektiöse Enzephalitis) erkrankt Schätzungen zufolge immerhin einer von tausend Masernpatienten. Tödlich verläuft die sehr seltene Spätkomplikation SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, zu der es etwa sechs bis acht Jahre nach der Infektion kommen kann.


    Mehr dazu im Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag.

    ! Wchtig – Vorbeugung:
    Die vollständige Impfung schützt als Kombinationsimpfung vor Masern, Mumps und Röteln. Inzwischen treten hierzulande wegen mangelnden Impfschutzes wieder vermehrt Masernausbrüche auf, häufiger auch bei Erwachsenen. Sie sind, falls sie nie Masern hatten, ähnlich ansteckungsgefährdet wie Kinder unter einem Jahr: Die normale Maserngrundimpfung startet im Alter von elf bis 14 Monaten und wird im Alter von 15 bis 23 Monaten vervollständigt. Die zwei Etappen dienen dazu, einen möglichst sicheren Impfschutz zu erreichen, der ein Leben lang anhält. Liegt ein Kind nicht im Plan, wird den Eltern empfohlen, die Impfung baldmöglich zu komplettieren oder die fehlende Teilimpfung nachzuholen.

    Die Masernimpfung wurde 1970 eingeführt. Menschen ab diesem Jahrgang, die nicht sicher wissen, ob sie Masern hatten oder vollständig geimpft wurden, sollten sich impfen lassen, empfiehlt das Robert-Koch-Institut in Berlin. Denn wer sich infiziert hat, kann, bevor der Ausschlag auftritt, unwissentlich schon viele andere ungeschützte Mitmenschen angesteckt haben. Auch ungeborene Babys können sich anstecken. Außerdem sind Babys in der Immunlücke gefährdet. Sie entsteht in dem Zeitfenster zwischen Abstillen und erstem Impftermin, wenn der Nestschutz durch die mütterlichen Antikörper nachlässt, der Herdenschutz durch eine geimpfte Umgebung aber lückenhaft ist. Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt geimpft sein. Ungeimpfte Erwachsene gefährden sich und andere.

    Bei Menschen, die vor 1970 geboren sind, geht man von ausreichendem Antikörperschutz infolge durchgemachter Masern aus. Lassen Sie sich bei Fragen am besten von Ihrem Arzt beziehungsweise Kinderarzt beraten.

    Mehr im Ratgeber "Masern" und unter "Impfungen für Kinder: Kleiner Piks, großer Schutz" auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de
  • Mumps (auch Ziegenpeter oder Parotitis epidemica): Erreger sind sogenannte Paramyxoviren, zu denen auch die weiter oben erwähnten Masern- und Parainfluenzaviren gehören. Anstecken kann man sich wiederum durch infizierte Tröpfchen, seltener durch (etwa mit infektiösem Speichel in Berührung gekommene) kontaminierte Gegenstände.

    Symptome:
    Es beginnt mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und Schmerzen auf einer Halsseite. Dort schwillt die Wange beziehungsweise die Ohrspeicheldrüse an – sie liegt vor dem Ohr. Häufig passiert das auch mit der kleineren Speicheldrüse unter dem Unterkieferwinkel. Der gleiche Ablauf folgt auf der anderen Seite. Ergebnis: Die Ohrläppchen stehen von den dicken Backen ab, es kommt zu Kau- und Schluckschmerzen, Ohrenschmerzen und einem trockenen, kratzenden Hals. Bauchschmerzen können anzeigen, dass auch die Bauchspeicheldrüse im Rahmen der Infektion entzündet ist. Schmerzen im Unterleib (Mädchen) weisen auf eine mögliche Eierstockentzündung hin, Hodenschmerzen (Jungen) auf eine Hodenentzündung.


    Der Ratgeber "Mumps" auf www.baby-und-familie.de beschreibt das Krankheitsbild ausführlich.
  • Scharlach: Bestimmte Streptokokken A-Bakterien (siehe oben) können auch Scharlach verursachen. Im Unterschied zu einer Streptokokken-A-Angina ist der Scharlach eine Allgemeinerkrankung. Das liegt an dem Gift, das diese speziellen Erreger bilden können. Am häufigsten betrifft die Infektion Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren. In Gemeinschaftseinrichtungen kommt sie immer wieder vor. Mediziner nennen das endemisch. Bevorzugte Jahreszeit: Herbst und Winter. Die Ansteckung erfolgt meist als Tröpfcheninfektion.

    Übrigens:
    Scharlach kann man mehr als einmal bekommen, da es unterschiedliche Stämme / Toxine gibt und sich die Immunität nach durchgemachter Erkrankung nur gegen das betreffende Toxin richtet. Allerdings sind Mehrfacherkrankungen eher selten. Eine vorbeugende Impfung ist nicht verfügbar.

    Symptome:
    Es kommt zu einer heftigen Pharyngitis mit stark geröteter Schleimhaut (Enanthem), geschwollenen Mandeln, Halsschmerzen, Lymphknotenschwellungen am Hals, Husten, Schüttelfrost, hohem Fieber und schnellem Puls. Am vierten Tag zeigt sich die Zunge tiefrot, vorher rot gesprenkelt (Himbeer- oder Erdbeerzunge). Viele Kinder haben auch Bauchweh und Brechreiz. Scharlach-Erreger bilden eine Art Giftstoff, der am zweiten oder dritten Krankheitstag den meist juckenden, kleinfleckigen Ausschlag verursachen kann: Ausgehend von den Achseln oder Leisten breitet dieser sich nahezu am ganzen Körper aus. Mund und Nase bleiben jedoch ausgespart (siehe auch Kapitel "Halsschmerzen: Diagnose"). Der Ausschlag geht nach sechs bis neun Tagen zurück. Ein paar Tage später beginnen die Handinnenflächen und Fußsohlen, sich zu schuppen. Die Haut kann sich regelrecht schälen. Dennoch kann der Ausschlag in den nächsten drei Wochen wiederkehren.

    Besondere Verlaufsformen:


    Meist leichter Scharlach: Scarlatinella: Manche Patienten bekommen keinen Ausschlag, da sie nicht auf das Gift reagieren, oder die Krankheit verläuft insgesamt mit nur mäßig ausgeprägten Symptomen. Wichtig hier für die Diagnose ist neben dem Erregernachweis in einer Anzüchtung im Labor (sogenannter Kulturnachweis) unter anderem, dass die Haut sich scharlachtypisch schält.

    Selten: Der lebensgefährliche toxische Verlauf:
    Überflutung des Körpers mit Streptokokkengift. Dabei kommt es zu sehr hohem Fieber, Erbrechen und Durchfall. Außerdem drohen ein Kreislaufkollaps, Krämpfe, ein Delir und Benommenheit. Betroffene müssen intensivmedizinisch behandelt werdenZu möglichen Komplikationen bei Scharlach siehe im Kapitel "Halsschmerzen: Komplikationen" in diesem Beitrag.

    Weitere Informationen im Beitrag "Scharlach" (www.baby-und-familie.de).
  • Diphtherie: Der Erreger heißt Corynebacterium diphtheriae. Die Racheninfektion wird über keimhaltige Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Gefährlich ist das Gift Diphtherietoxin, das aber nicht alle Diphtherie-Erreger bilden. Die typischen Krankheitszeichen der Diphtherie verursachen allerdings auch die Nichttoxinbildner. Die Infektion tritt vor allem im Herbst und Winter auf. In den Industrieländern ist sie dank der Impfung im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter und im Optimalfall auch dank späterer Auffrischimpfungen stark zurückgegangen. Am häufigsten kommt die Rachen- und Mandel-Diphtherie vor. Betroffen kann aber auch der Kehlkopf (Husten, Heiserkeit) sein.

    Symptome:
    Die Infektion beginnt schleichend mit Halsschmerzen, Fieber bis 39 °C und Beschwerden beim Schlucken. Es folgen Heiserkeit, pfeifende Einatmung (Stridor) und bellender Husten (Krupp), Lähmungen am Gaumen, Lymphknotenschwellungen. Die Mandeln weisen einen grau-weißen oder bräunlichen Belag auf, der sich auch weiter im Gaumen und Rachen ausbreiten kann. Beim Versuch, die Beläge vorsichtig mit einem Spatel abzustreifen, blutet es. Typisch ist der süßliche Mundgeruch. Durch die Entzündung und Beläge kann die Schleimhaut im Hals so stark anschwellen, dass es zu bedrohlicher Atemnot kommen kann. Das Diphtherietoxin kann sich im Körper verteilen und lebenswichtige Organe schädigen. Der Erreger muss sofort vor Therapiebeginn in einem Rachenabstrich nachgewiesen, das Toxin in einem Speziallabor bestimmt, der hoch ansteckende Patient schnell isoliert und (natürlich von geimpftem medizinischen Personal) behandelt werden: mit einem Immunserum, das noch im Körper zirkulierendes Toxin neutralisiert, und mit Antibiotika, in erster Linie Penicillin. Bei Komplikationen ist eine intensivmedizinische Behandlung notwendig.

    Maßnahmen zum Infektionsschutz:
    Enge Kontaktpersonen werden mit Nasen-Rachen-Abstrichen untersucht, vorbeugend mit Antibiotika behandelt und sieben Tage ärztlich beobachtet. Symptomlose Träger des Erregers erhalten ein Antibiotikum. Teilgeimpfte Kontaktpersonen werden nachgeimpft. Liegt die letzte Impfung bei ihnen länger als fünf Jahre zurück, wird sie aufgefrischt.
  • Hämophilus influenzae: Gegen diesen Keim, genauer: den Typ Hämophilus influenzae b (Hib) werden Kinder heute geimpft. In früheren Zeiten führte der Erreger bei Kleinkindern unter anderem zu der gefürchteten Kehldeckelentzündung (Epiglottitis; siehe Kapitel "Halsschmerzen: Überblick" in diesem Beitrag). Die damit einhergehende starke Schwellung der Schleimhaut am Eingang des Kehlkopfes behindert den Luftstrom, ohne ärztliche Hilfe drohten die Kinder zu ersticken. Hib kann zum Beispiel auch Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen auslösen.

    Symptome:
    Anfangs Fieber, Halsweh, Probleme beim Schlucken und eine kloßige Sprache. Pfeifendes Einatmen. Wegen der Erstickungsgefahr müssen die Patienten unverzüglich in Begleitung eines Notarztes in eine Klinik eingewiesen werden.

    Zur Therapie gehören Antibiotika.