Nachtschweiß – Ursachen: Krebs- und Bluterkrankungen

Nachtschweiß kann unter anderem ein frühes Symptom einiger Tumore sein. Er tritt vor allem bei Lymphdrüsenkrebs und Leukämie auf, sowie bei verwandten Bluterkrankungen wie der Myelofibrose

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 22.12.2016

Erkrankungen des Blutes und Lymphgewebes erfordern detaillierte Untersuchungen


Lymphome, Tumore des Lymphsystems: Nächtliches Schwitzen mit Fieber und Gewichtsverlust

Neben dem Blutgefäßsystem durchzieht das Lymphsystem den ganzen Körper. Die Lymphbahnen transportieren wichtige Stoffe, nehmen Stoffwechselprodukte auf, auch Krankheitserreger. Lymphgefäße, Lymphflüssigkeit und Lymphknoten bilden mit dem Knochenmark, der Milz und dem Thymus das lymphatische System. Die Lymphflüssigkeit, die Lymphe, befördert unter anderem die Lymphozyten, weiße Blutkörperchen, in das Blut. Diese werden in Knochenmark, Milz, Thymusdrüse und Lymphknoten gebildet und spielen eine grundlegende Rolle für das Immunsystem. In den Lymphknoten wird die Lymphe gleichsam gefiltert und von Schadstoffen und Krankheitskeimen gereinigt. Lymphknotenschwellungen haben verschiedene Ursachen.

In den einzelnen Organen des Lymphsystems können Zellen auch unkontrolliert wachsen und Schwellungen oder Tumore entstehen. Verantwortlich dafür sind vielfältige Faktoren, äußere Einflüsse, innere Veränderungen und Fehlsteuerungen. Solche Wucherungen, Lymphome, sind gut- oder bösartig. Bösartige (maligne) Krebszellen verbreiten sich mitunter über das Lymphsystem und befallen somit auch andere Organe.

Bei den insgesamt eher seltenen malignen Lymphomen unterscheiden die Mediziner zwei Hauptgruppen: die Hodgkin Lymphome (Hodgkin-Krankheit, Morbus Hodgkin, Lymphgranulomatose) und die Non-Hodgkin-Lymphome. Sie entwickeln sich in vier Stadien und weisen unterschiedliche Symptome auf.

Konkrete Ursachen lassen sich oft nicht ermitteln. Aids-Erkrankungen und andere Virusinfektionen, etwa durch das Epstein-Barr-Virus (infektiöse Mononukleose), stehen als Risikofaktoren bei Hodgkin-Lymphomen in Verdacht. Ebenso können Behandlungen mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, oder der Umgang mit bestimmten Chemikalien, unter anderem in Holzschutz- und Insektenvernichtungsmitteln, das Erkrankungsrisiko erhöhen. Bei Non-Hodgkin-Lymphomen spielen möglicherweise angeborene oder erworbene Immunschwächen, Bestrahlungsfolgen sowie ebenfalls Infektionen mit Viren und anderen Erregern eine Rolle.

Symptome: Bei Hodgkin-Lymphomen fallen anfangs häufig geschwollene, nicht schmerzhafte Lymphknoten am Hals auf. Sie können auch über dem Schlüsselbein, unter den Achseln oder in den Leisten auftreten. Manche Betroffene leiden zunächst nur unter Allgemeinsymptomen, die durch starkes nächtliches Schwitzen, Fieberwellen über 38 Grad sowie unerwünschten Gewichtsverlust gekennzeichnet sind (sogenannte B-Symptome). Leistungsabfall, Juckreiz, Atembeschwerden, Druckgefühl hinter dem Brustbein, Reizhusten, Bauchschmerzen und Durchfälle können dazukommen. Typisch ist mitunter der sogenannte Alkoholschmerz. Hier schmerzen die erkrankten Lymphknoten nach Alkoholgenuss.

Non-Hodgkin-Lymphome verursachen zunächst ebenfalls schmerzlose Lymphknotenschwellungen. Manchmal treten auch nur allgemeine Beschwerden auf, wie Müdigkeit, Übelkeit, Sodbrennen, Appetitlosigkeit. Die sogenannten B-Symptome, Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust können ebenfalls Anfangszeichen sein. Weitere Krankheitsmerkmale sind möglicherweise erhöhte Infektanfälligkeit, Blutungsneigung, Hautveränderungen, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen.

Diagnose: Richtungweisend sind für den Arzt zunächst die Krankengeschichte und die geschilderten Symptome – hier unter anderem die B-Symptome. Es folgt eine erste körperliche Untersuchung, bei der der Arzt etwa geschwollene Lymphknoten und eventuell eine vergrößerte Leber oder Milz tastet. Zu den sich anschließenden Tests gehören verschiedene Blutuntersuchungen sowie eine Lymphknotenbiopsie. Hierzu wird ein verdächtiger Lymphknoten entnommen und feingeweblich (histologisch) im Labor untersucht. Meist lassen sich dabei schon für die jeweilige Erkrankung charakteristische Zellen erkennen.

Röntgenaufnahmen vom Brustkorb, Ultraschallbilder von Hals und Bauchraum und gegebenenfalls Computertomografien können Organ- und Gewebeveränderungen einschließlich erkrankter Lymphknoten darstellen. Ergänzend ist oft eine Knochenmarkbiopsie notwendig. Bei Bedarf kommen weitere Maßnahmen dazu, etwa eine Skelettszintigrafie oder Untersuchungen durch spezielle Fachärzte. Nuklearmedizinische Verfahren wie zum Beispiel eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sind besonderen Fragenstellungen vorbehalten.

Bei Frauen ist vor Beginn der Behandlung gegebenenfalls ein Schwangerschaftstest angezeigt. Besteht noch Kinderwunsch, werden Fachärzte die betroffenen Frauen speziell beraten, welche Maßnahmen es gibt, um die Fruchtbarkeit zu erhalten. Zudem ist es möglich, entnommene Eizellen durch Tiefgefrieren zu konservieren (Kryokonservierung). Erkrankte Männer können ebenso Spermien einfrieren und zur Sicherheit aufbewahren lassen. Die Therapie kann, muss sich aber nicht immer, auf die Zeugungsfähigkeit auswirken.

Therapie: Hodgkin-Lymphome haben heute in der Regel gute Heilungschancen. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und nach dem jeweiligen Untertyp bei den Non-Hodgkin-Lymphomen. Strahlen- und Chemotherapie stehen hierbei im Vordergrund, da die Krebszellen sehr sensibel darauf reagieren. Die Behandlung erfolgt in dafür spezialisierten Zentren. Sie richtet sich nach bestimmten festgelegten Vorgaben, sogenannten Therapieprotokollen. Zur Therapie gehören auch laufend Kontrolluntersuchungen, etwa von Herz- und Lungenfunktion.

Ausführlich informiert Sie der Ratgeber Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Krankheit, Morbus Hodgkin).

Chronische lymphatische Leukämie

Eine weitere bösartige Erkrankung des Lymphsystems ist die chronische lymphatische Leukämie. Sie zählt zu den Non-Hodgkin-Lymphomen, aber auch zu den Leukämie-Erkrankungen (siehe unten). Hier sind die Krebszellen nicht nur im lymphatischen System, sondern auch im Blut vorhanden. Sie betrifft vor allem ältere Menschen.
Zu den Symptomen zählen geschwollene Lymphknoten, Leber- und Milzvergrößerungen sowie, vor allem später, B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust), Müdigkeit und Infektanfälligkeit.
Die Diagnose erfolgt über Bluttests und bildgebende Verfahren. Behandelt wird die Erkrankung meist nur bei ausgeprägten Beschwerden oder in einem fortgeschrittenen Stadium, in der Regel mit Medikamenten.

Leukämie: Nachtschweiß als frühes Zeichen

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Leukämie als Blutkrebs bezeichnet. Der Fachbegriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet "weißes Blut". Die vergleichsweise seltenen Krebserkrankungen entstehen allerdings nicht direkt im Blut, sondern in den Bereichen, in denen die Blutkörperchen gebildet werden, wie Knochenmark und Lymphsystem (siehe auch oben). Bei einer Leukämie verändern sich die weißen Blutkörperchen oder Blutzellen, sie teilen sich und wachsen unkontrolliert, noch bevor sie ausgereift sind. Damit sind sie auch nicht in der Lage, die ihnen zugedachten Aufgaben zu übernehmen. Darüber hinaus nehmen sie gesunden Blutzellen den Platz oder verhindern deren Reifung. Die Folgen sind unter anderem eine erhöhte Infektanfälligkeit, Blutungsneigung oder Blutarmut. Über das Blut erreichen die kranken Zellen auch andere Organe. Das Lymphsystem, die Leber- und Nierenfunktion oder das Gehirn können in Mitleidenschaft gezogen werden.

Es gibt unterschiedliche Formen der Leukämie – je nachdem von welchen Zellen die Krebsentwicklung ausgeht. Die Erkrankung kann akut einsetzen oder chronisch verlaufen. Die Ursachen sind nicht genau geklärt. Erbfaktoren spielen möglicherweise eine Rolle, ebenso Viren und äußere Einflüsse durch radioaktive Strahlung, Chemotherapien oder Giftstoffe wie Benzol. Auch kann eine Leukämie sich infolge anderer Bluterkrankungen, zum Beispiel einer Osteomyelofribrose (siehe unten), entwickeln.

Leukämien treten gehäuft bei Kindern (akute lymphatische Leukämie) und dann wieder bei älteren Menschen (akute myeloische Leukämie, chronische myeloische Leukämie) auf. In den folgenden Abschnitten geht es vorrangig um Erkrankungen bei Erwachsenen. Zwischen Leukämien und Lymphomen, den Non-Hodgkin-Lymphomen (siehe oben), gibt es Überschneidungen.

Symptome: Bei einer akuten Leukämie setzen die Symptome relativ kurzfristig ein. Die ersten Beschwerden können in kennzeichnenden Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Nachtschweiß bestehen. Eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, Hautentzündungen, Pilzbefall wie Soor, Blässe, Müdigkeit, Atemnot, eine verstärkte Neigung zu blauen Flecken und Nasenbluten sind weitere mögliche Krankheitszeichen. Manche Betroffene haben geschwollene Lymphknoten, leiden unter Kopfschmerzen, Hautjucken, Knochenschmerzen, Zahnfleischentzündungen oder Lähmungserscheinungen.

Eine chronische Leukämie beginnt in der Regel schleichend, es können vier bis sechs Jahre vergehen bis die beschriebenen Allgemeinsymptome sich allmählich zeigen. Ein Druckempfinden im linken Oberbauch deutet auf eine vergrößerte Milz hin. Im weiteren Verlauf treten dann möglicherweise Sehstörungen, Sodbrennen und Rückenschmerzen auf, eventuell auch dauerhaftes Fieber und Gewichtsverlust.

Diagnose: Ersten Aufschluss gibt dem Arzt ein Blutbild. Die genaue Diagnose beruht auf umfangreichen Untersuchungen des Blutes und des Knochenmarks. Aus dem Knochenmark wird eine kleine Probe durch eine Punktion oder eine Biopsie entnommen. Je nach Leukämieform lassen sich reife und unreife Blutzellen in unterschiedlicher Verteilung erkennen. Die Zellen werden anhand spezieller Untersuchungen genauer charakterisiert. Meist kommen noch andere Blutwerte dazu. Außerdem untersuchen Fachärzte die Hirnflüssigkeit (Lumbalpunktion).

Weitere Untersuchungsmaßnahmen stellen Ultraschalluntersuchungen des Bauches und der Lymphknoten sowie eventuell eine Computertomografie dar. Damit lassen sich vergrößerte Lymphknoten und Beeinträchtigungen innerer Organe noch präziser erfassen. Gegebenenfalls ist zudem eine Kernspintomografie angezeigt.

Therapie: Nach der Diagnose werden die Ärzte so rasch wie möglich mit der Therapie beginnen. Die Behandlung liegt in Händen von Spezialisten (Hämato-Onkologen) und erfolgt in entsprechenden Zentren. Sie richtet sich danach, welche Leukämieform vorliegt. Für die Therapie gibt es festgelegte unterschiedliche Therapieprotokolle, die jeweils verschiedenen Faktoren wie Krankheitstyp, Risiko, Verlauf, Alter des Patienten mit einbeziehen. Frauen und Männer mit Kinderwunsch erhalten vorher eine gesonderte Beratung. Eventuell erweist es sich auch als sinnvoll, Eizellen oder Spermien tiefgefroren zu konservieren (Kryokonservierung, siehe oben).

Die Behandlung der akuten Leukämie besteht in erster Linie in einer entsprechend abgestimmten Chemotherapie, die in verschiedene Phasen eingeteilt ist und zu einer vollständigen Normalisierung des Blutbildes führen kann.

Außerdem ist es wichtig, den Erkrankten, besonders in der Anfangsphase der Behandlung, vor zusätzlichen Infektionen zu schützen. Das geschieht mit unterstützenden Therapien, die auch dazu dienen, möglichen Komplikationen und Behandlungsfolgen vorzubeugen beziehungsweise diese zu behandeln. Hierzu gehören neben Antibiotika unter anderem eventuell Bluttransfusionen sowie Wachstumsfaktoren zur Bildung neuer weißer Blutkörperchen.

In der Therapie der chronischen myeloischen Leukämie nehmen spezielle Krebsmittel, sogenannte Tyrosinkinase-Inhibitoren, inzwischen eine zentrale Rolle ein. Manchmal werden Kombinationen mit weiteren Medikamenten, etwa Interferone, eingesetzt. In fortgeschrittenen Stadien kann auch eine Chemotherapie infrage kommen.

Unter bestimmten Voraussetzungen erwägen die Ärzte darüber hinaus je nach Leukämieform, Krankheitsrisiko und Alter des Erkrankten auch eine Stammzelltransplantation.

Lesen Sie mehr dazu in den Ratgebern "Akute Leukämie" und "Chronische myeloische Leukämie".

Myelofibrose: Nächtliches Schwitzen, oft verbunden mit Oberbauchschmerzen

Eine den Leukämien verwandte Erkrankung, die auch in eine Leukämie übergehen kann, ist die Myelofibrose oder Osteomyelofibrose. Sie stellt eine eigenständige Krankheit (idiopathische Myelofibrose) dar oder tritt als Folge einer anderen, das Knochenmark betreffenden Krankheit ein (sekundäre Myelofibrose). Bei dieser Form der Knochenmarkerkrankung verändern sich Blutstammzellen. Es vermehrt sich Bindegewebe (Fibrose) im Knochenmark, und blutbildendes Gewebe vernarbt. Die normale Blutbildung wird gestört, unreife Blutzellen gelangen ins Blut, und Blutzellen bilden sich in Milz und Leber. Das führt zu Blutarmut sowie einer vergrößerten Milz und Leber.

Die Ursachen der idiopathischen Form sind weitgehend unbekannt. Genetische Veränderungen, Alterungsprozesse oder der Einfluss von Giftstoffen und radioaktiven Strahlen könnten als Risikofaktoren infrage kommen. An Osteomyelofibrose erkranken häufiger Menschen im Alter zwischen 60 und 65 Jahren.

Symptome: Zu Beginn bereitet die Erkrankung oft keine Beschwerden. Erst wenn die gestörte Blutzellenproduktion weitere Ausmaße annimmt, treten erste Symptome in Form von unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, mitunter Fieber auf. Dazu kommen häufig Schmerzen oder Druckgefühl im linken Oberbauch, Blässe, Kurzatmigkeit. Eine vermehrte Neigung, Thrombosen zu entwickeln, kann im Anfangsstadium auffällig sein. Gelenkschmerzen, Blutungsneigung und erhöhte Infektionsanfälligkeit können im weiteren Verlauf dazukommen.

Diagnose: Die Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme sowie eine vergrößerte Milz und damit verbunden ein Druckgefühl im linken Oberbauch geben dem Arzt wichtige Hinweise. Das Blutbild zeigt in der Frühphase meist eher uncharakteristische Veränderungen mit vermehrten weißen Blutkörperchen und Blutblättchen. In einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung treten dann typische Blutbilder auf. Ergänzend veranlassen die Ärzte einen Gentest.

In Ultraschalluntersuchungen lässt sich feststellen, ob und wie stark Milz und Leber vergrößert sind. Es folgen in der Regel eine Knochenmarkpunktion und eine Beckenkammbiopsie. Das entnommene Knochenmark wird genau untersucht. Dabei können die Ärzte veränderte Zellen und Bindegewebsanteile erkennen und andere Knochmarkerkrankungen ausschließen. Zu weiteren möglichen Untersuchungen gehören Röntgenaufnahmen des Rumpfes sowie eine Computertomografie.

Therapie: Die Behandlung liegt in Händen von Fachärzten für Bluterkrankungen, Hämatologen, die auf solche Erkrankungen spezialisiert sind. Die Ärzte behandeln meist erst, wenn Krankheitszeichen und Blutbildveränderungen eintreten. Für die Therapie stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Bluttransfusionen können bei einer schweren Blutarmut angezeigt sein. Stellt die vergrößerte Milz ein wesentliches Problem dar, kann es sein, dass sie operativ entfernt wird. Es gibt inzwischen auch Wirkstoffe, sogenannte JAK1- und JAK2-Inhibitoren, die bewirken, dass eine krankhaft vergrößerte Milz wieder kleiner wird. Als weitere Maßnahmen kommt möglicherweise eine Strahlentherapie infrage, die ebenfalls eine zeitweise Abnahme der Milzgröße bewirkt. In einigen Fällen ziehen die Spezialisten eine Stammzelltransplantation in Betracht, vor allem bei jüngeren Betroffenen.