Schokolade: Ungesund oder gut fürs Herz?

Im Kakao stecken Substanzen, die Herz und Gefäße fit halten sollen. Dürfen wir also ohne schlechtes Gewissen Schokolade genießen?

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 08.01.2020

Eine Tafel Schokolade am Tag und Ihr Herz bleibt gesund – so eine Aussage hören Sie sicher gerne. Tatsächlich haben Wissenschaftler diesen Zusammenhang in Studien getestet. Die Teilnehmer mussten jeden Tag 100 Gramm Schokolade essen. Die Forscher beobachteten die Effekte auf Herz und Kreislauf und waren begeistert: Ihrer Meinung nach sank das Risiko für gefährliche Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich.

Doch kann eine Tafel Schokolade täglich wirklich gesund sein? Unser Experte sagt: Nein! In der Süßigkeit steckt zu viel Zucker und Fett. "100 Gramm Milchschokolade enthalten ungefähr 530 Kilokalorien", sagt Professor Wolfram Delius, Kardiologe aus München. Damit decken Sie bereits rund ein Viertel Ihres täglichen Energiebedarfs von zirka 2000 Kilokalorien*. Die Deutsche Herzstiftung schreibt: Eine Tafel zusätzlich zur normalen Kost und Sie wiegen nach zwei Wochen ein Kilogramm mehr. 

Das Gesunde an Kakao

Doch warum wird die süße Köstlichkeit überhaupt als gesundheitsfördernd angepriesen? In Kakao kommen sogenannte Flavanole vor, die die Blutgefäße elastischer machen und leicht blutdrucksenkend wirken. Flavanole zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und erweitern in Labortests die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck abnimmt – allerdings ist der Effekt vergleichsweise gering.

Die meisten Flavanole stecken in dunkler Schokolade. Denn sie enthält mindestens zirka 60 Prozent Kakaomasse. Inzwischen gibt es Sorten, die aus bis zu 90 Prozent Kakao bestehen. In Milchschokolade findet sich weniger davon – schon ab 25 Prozent Kakaoanteil dürfen Hersteller von Milchschokolade sprechen. Weiße Schokolade ist frei von Kakao, in ihr kommt nur Kakaobutter vor – also das Fett der Kakaobohne.

Info: Wie wird Kakao hergestellt?

Kakao wird aus dem Kakaobaum gewonnen, der in den Tropen wächst. Die Früchte enthalten zahlreiche Samen – die Kakaobohnen. Gären sie, verfärben sich die Samen braun-violett. Anschließend werden sie geröstet, wobei die dunkelbraune Farbe entsteht und sich Aromastoffe bilden. Nach dem Röstvorgang werden die Kakaobohnen gemahlen. Aus der so entstandenen Kakaomasse lässt sich zusammen mit weiteren Zutaten Schokolade herstellen. Die Masse können Lebensmittelkonzerne auch zu Kakaopulver verarbeiten. Dafür entfernen sie einen Teil der Kakaobutter – sie entölen den Kakao.

In Kakao finden sich nicht nur reichlich Flavanole. Er enthält auch größere Mengen Magnesium, Eisen und Kalzium. Des Weiteren kommt Beta-Karotin sowie die Vitamine E, B1, B2 und Niacin vor. Koffein steckt ebenfalls in Kakao, allerdings deutlich weniger als in Kaffee.

Kleine Mengen Schokolade sind erlaubt

Studien deuten darauf hin, dass schon kleine Mengen Bitterschokolade positive Effekte auf den Blutdruck haben können. Mit kleiner Menge meinen Forscher sieben bis 20 Gramm. Das ist – wenn überhaupt – eine Rippe, nicht eine ganze Tafel. Mehr vergönnen die Experten Schokoladen-Liebhabern nicht – zu viele Kalorien, zu viel Zucker und Fett.

Außerdem kann sich in Kakao Cadmium befinden. Die Substanz kann den Nieren schaden und gilt sogar als krebserregend. Cadmium kommt natürlicherweise in der Erdkruste vor und gelangt zum Beispiel durch Zigarettenrauch und verschiedene Lebensmittel in den Körper. "Insbesondere Edelkakaosorten aus Südamerika können relativ viel Cadmium enthalten", sagt Dr. Gisela Olias vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München. Der Grund: Die Kakaopflanzen wachsen dort auf vulkanischen Böden, die von Natur aus reich an Cadmium sind. Seit Januar 2019 gelten in der EU verpflichtende Cadmium-Grenzwerte für Schokoladenprodukte. Sie sind allerdings abgestimmt auf einen eher moderaten Schokoladenkonsum. Daher empfehlen Experten: Schokolade – vor allem dunkle Sorten – nur in Maßen genießen.

Fazit: Sie dürfen sich ein bis zwei Stückchen Schokolade gönnen, wenn Sie Lust auf Süßes haben. Ob Sie Ihrem Herz damit etwas Gutes tun, bleibt allerdings vorerst ungeklärt. "Ob der langfristige Verzehr von Schokolade wirklich der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugt, ist wissenschaftlich nicht belegt", erläutert Delius.

 

* Der angegebene Energiebedarf ist ein Durchschnittswert für einen Erwachsenen mit geringerer körperlicher Aktivität. Der genaue Bedarf hängt von Alter, Geschlecht und körperlicher Aktivität ab