Als Verteidigungswaffe kommen sie heute höchstens noch im Streit zwischen Kindern zum Einsatz. Unsere Fingernägel, entwickelt aus tierischen Krallen, brauchen wir inzwischen nur mehr, um uns bei Juckreiz zu kratzen oder Dinge besser greifen zu können. Und um die Fingerkuppen zu schützen, wenn wir uns stoßen.

Solche mechanischen Einwirkungen sind es unter anderem, die die Nagelplatten aus Keratin wiederum selbst schutzbedürftig machen. Sind sie hohen Belastungen ausgesetzt, bei den Zehennägeln zum Beispiel durch dauerhaft zu enge Schuhe, kann sie das am gesunden Wachsen hindern.

Eine der häufigsten Ursachen für brüchige oder schnell einreißende Nägel ist jedoch zu viel Kontakt mit Feuchtigkeit. Wenn jemand etwa häufig abspült oder Arbeitshandschuhe trägt, in denen die Hände schwitzen.

Anzeichen einer Krankheit?

Auch aggressive Chemikalien in Putzmitteln oder Nagellackentfernern trocknen die Nägel aus und machen sie unelastisch. Dasselbe passiert bei der Verwendung künstlicher Fingernägel oder Gelnägel, die direkt auf die Nagelplatte geklebt werden.

Doch die Veränderungen können auch Symptome für eine ernstere Krankheit sein, für Hautleiden wie Schuppen- oder Knötchenflechte zum Beispiel oder für hormonelle Erkrankungen, etwa der Schilddrüse. Eine Chemotherapie bei Krebs wirkt sich ebenso auf die Nägel aus wie leicht zu behebender Biotinmangel. Werden Nägel plötzlich brüchig oder verfärben sie sich, ist es deshalb immer ratsam, zum Arzt zu gehen.

Je nachdem, in welche Richtung Nägel brechen, sprechen Experten von Onychoschisis, einem lamellenartigen Absplittern quer zum Nagelbett, oder Onychorrhexis. Dann splittern die Nägel längsfaserig auf. „Keine Form ist aber mehr oder weniger besorgniserregend als die andere“, sagt Dermatologe Dr. Jan-Olaf Piontek aus Mechernich, Nordrhein-Westfalen.

Lieber feilen statt knipsen

Für beide Formen gilt: Die Nägel so selten wie möglich Wasser und Chemikalien aussetzen und häufig die Hände eincremen. Auch spezielle Nagelpflegeprodukte, etwa mit Mandel- oder Olivenöl, können helfen. Regelmäßig aufgetragen halten sie die Keratinplatten elastisch.

Beim Kürzen lieber eine scharfe Schere benutzen. Der Knipser quetscht die Nägel stark und kann feine Verletzungen verursachen. Am schonendsten ist eine Glasfeile, die mehr schleift als raspelt. Auf künstliche Nägel und Farblack sollte man besser eine Weile verzichten.

Und natürlich sei es wichtig, eine ursächliche Erkrankung zu behandeln, falls diese hinter den Veränderungen steckt, sagt Piontek. Nagelpilz zum Beispiel ist weitverbreitet. Zu den ersten Anzeichen gehören neben Verfärbungen und Verdickungen auch brüchige Stellen.

Wichtig für eine optimale Therapie: die Bestimmung des Pilzes durch den Hautarzt. Anschließend wird ein Behandlungsplan erstellt. „Ist die Nagelwurzel nicht betroffen, behandelt man etwa mit einem passenden Pilznagellack“, sagt Piontek (siehe Kasten).

Und schließlich spielt auch die Hy­giene eine große Rolle, damit sich die Sporen möglichst nicht weiter ausbreiten.

Hilfe aus der Apotheke

Spezielle Lacke können Nägeln Mineralstoffe zuführen und sie mit einem schützenden Film stabili­sieren. Da sie wasserlöslich sind, am besten vor dem Schlafengehen auftragen.

Auch Ölbäder und Handpackungen mit Heilerde sollen die Nägel elastischer machen.

Rezeptfreie Nagelpilz-Lacke nur bei geringem Befall ausprobieren. Ansonsten gilt: Wer groß­flächige Symptome hat oder Vorerkrankungen, die die Abwehr schwächen (etwa langjährige Diabetiker), geht besser gleich zum Arzt.

Nahrungsergänzungsmittel braucht in der Regel niemand, der sich ausgewogen und gesund ernährt. Am besten den Hausarzt darauf ansprechen.

Welche Krankheiten der Finger- und Fußnägel es neben einem Pilzbefall gibt, lesen Sie auf:

www.apotheken-umschau.de/Nagelkrankheiten