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Was ist Nagelpilz?

Nagelpilz, mit dem medzinischen Fachbegriff als Onychomykose (von Onycho = Nagel, Mykose = Pilzerkrankung) bezeichnet, ist eine Pilzinfektion der Nägel. Sie wird in den meisten Fällen durch Fadenpilze, so genannte Dermatophyten, seltener durch Hefe- oder Schimmelpilze verursacht.

Nagelpilzerkrankungen müssen stets ärztlich diagnostiziert werden. Denn im Gegensatz zur Therapie des Fußpilzes ist eine Nagelpilzbehandlung komplizierter und langwieriger.

Ist Nagelpilz gefährlich?

Nagelpilzerkrankungen sind zwar nicht lebensbedrohlich, sollten jedoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wird der befallene Nagel nicht richtig behandelt, besteht das Risiko, dass der Pilz ihn komplett zerstört und zudem die benachbarten Nägel befällt. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch erhebliche Schmerzen verursachen. Die Funktion des betroffenen Fußes oder Fingers kann stark eingeschränkt sein und etwa das Gehen beeinträchtigen. Von den Nägeln kann sich der Pilz auch auf andere Körperbereiche ausdehnen.

Außerdem können Pilzinfektionen des Nagels auch anderen Erkrankungen den Weg ebnen. Denn sie führen zu winzigen Verletzungen am Nagel, die Bakterien und Viren das Eindringen erleichtern.

Ursachen für Nagelpilz

Eine Infektion des Nagels wird meist von Fadenpilzen, allen voran der Art Trichophyton rubrum, hervorgerufen. Seltener sind Hefe- oder Schimmelpilze die Ursache[1]. Fadenpilze, Dermatophyten genannt, finden an der Körperoberfläche geradezu ideale Lebensbedingungen. Denn sie haben es auf Keratin abgesehen: Die Hornsubstanz in Haut, Haaren und Nägeln.

Darüberhinaus begünstigen Feuchtigkeit und Wärme eine Infektion mit Fadenpilzen. Entsprechend bevorzugen sie Regionen wie die Zehenzwischenräume, Leistenbeugen, Hautfalten und Achseln. Nagelpilz ist sehr häufig Folge einer Fußpilzerkrankung, welche sich auf die Nägel ausweitet. Die Eintrittspforte ist meist das Nagelbett im Bereich des freien Nagelrands. Auch eine direkte Infektion der Nägel ist jedoch möglich. Die Ansteckung erfolgt gerne in öffentlichen Bädern, Saunen, Fitness-Studios oder Duschen und Umkleidekabinen von Sportstätten, wo viele Menschen barfuß laufen. Die Pilze werden nämlich über den Kontakt mit Erregern, die sich zum Beispiel in Hautschuppen befinden und dort Tage und Wochen überdauern können, übertragen.

Risikogruppen

Mit den Jahren steigt ganz generell die Gefahr für eine Pilzerkrankung: Bei älteren Menschen kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, die sie anfälliger für eine Infektion machen. Die Durchblutung ist meist schlechter, weil die Gefäße "verkalkt" sind (Arteriosklerose). Bei vielen ist das Immunsystem geschwächt, weil sie an zahlreichen Erkrankungen leiden und vielleicht auch die Abwehr unterdrückende Medikamente einnehmen müssen.

Menschen mit Diabetes sind ebenfalls besonders gefährdet, denn auch sie weisen oft eine Kombination von Risikofaktoren auf: Eine geschwächte Abwehr, Durchblutungsstörungen der Füße und Sensibilitätsstörungen, welche sie zum Beispiel Verletzungen, die eine Eintrittspforte für Erreger sein können, nicht gut wahrnehmen lassen.

Generell haben auch alle, die an Durchblutungsstörungen leiden, ein erhöhtes Risiko, an Fuß- und Nagelpilz zu erkranken. Dasselbe trifft auch auf Menschen zu, die Medikamente einnehmen müssen, welche das Immunsystem unterdrücken.

Sportler und Sportlerinnen gehören ebenfalls zum gefährdeten Personenkreis. Zum einen kommen Menschen, die viel Sport treiben intensiver mit anderen – potenziellen Pilzüberträgern – in Kontakt: In Gemeinschaftsduschen und Umkleidekabinen herrscht ein Klima, das Pilzen gefällt. Zum anderen sorgt das Tragen eines Sportschuhs für pilzfreundliche Bedingungen: Durch die beim Sport erhöhte Schweißabsonderung haben Pilze auf der aufgeweichten Haut ein leichteres Spiel. Das erklärt auch, weshalb unter einigen Berufsgruppen wie Bauarbeitern und Bauarbeiterinnen oder Bergleuten Pilzinfektionen häufiger auftreten.

Nagelplatte Nagelhäutchen Nagelwall Weißer Halbmond Knochen Nagelbett Nagelplatte mittlere Schicht obere Schicht Keratin bildendeZellen Basalzellen Nagelhäutchen Nagelplatte Basalzellen Verhornung Nagelbett Nagelwurzel (Nagelmatrix) Wachstum Keratin bildendeZellen obere Schicht untere Schicht mittlere Schicht Verhornung Nagelwachstumszone Wachstum

Symptome

Der Pilzbefall beginnt meist am vorderen Rand des Nagels. Von hier breiten sich die Pilze über die gesamte Nagelplatte aus und verändern die Struktur des Nagelmaterials: Die Nagelsubstanz, das Keratin, wird dabei langsam aufgelöst, und es bilden sich luftgefüllte Hohlräume. Diese werden als weiße Streifen oder Flecken sichtbar. Der befallene Nagelbereich verdickt und verfärbt sich weißlich bis gelb-braun.

Bei Dermatophyten beginnen die Veränderungen meist am freien Nagelrand. Sind dagegen Hefepilze für die Infektion verantwortlich, zeigt sich die Verfärbung eher am Nagelwall – dort, wo der Nagel herauswächst. Im weiteren Verlauf werden die Nägel rau und brüchig bis krümelig. Die Nagelplatte lockert sich und der Nagel hebt sich sogar teilweise vom Nagelbett ab. Ist die Nagelmatrix ebenfalls betroffen, infiziert sich der neu gebildete Nagel sofort mit dem Pilz.

Typische Symptome von Nagelpilz sind:

• Brüchigkeit der Nägel und Abspaltung einzelner Nagelschichten

• weiße Streifen oder Flecken

• weißliche bis gelblich-braune Verfärbungen

• Verdickung der Nagelplatte

• entzündetes Nagelbett

Nagelpilz: Den Verdacht immer vom Arzt bestätigen lassen.

Nagelpilz: Den Verdacht immer vom Arzt bestätigen lassen.

Diagnose

Der Verdacht auf Nagelpilz sollte immer durch den Nachweis des Pilzes abgesichert werden: Je genauer die Diagnose, desto besser kann der Pilz bekämpft werden. Um den Pilz zu identifizieren, fräst oder schneidet der Arzt oder die Ärztin ein kleines Stückchen vom betroffenen Nagel ab. Die Nagelproben werden anschließend mit Lösungen präpariert. Damit lässt sich unter dem Mikroskop feststellen, ob sich Pilzsporen im Nagel befinden.

Ist auf diese Weise abschließend geklärt, dass es sich tatsächlich um eine Nagelpilzinfektion handelt, legt der Arzt oder die Ärztin mit den Nagelspänen eine Pilzkultur an. Dafür werden die feinen Nagelstückchen auf einen speziellen Nährboden aufgebracht und unter für ein Pilzwachstum geeigneten Bedingungen kultiviert. Wenn sich entsprechende Pilzkolonien entwickelt haben, lässt sich sagen, um welche Art es sich handelt und eine darauf abgestimmte Behandlung einleiten. Alternativ stehen heute auch molekularbiologische Methoden zur Verfügung mit denen die Erbsubstanz des Pilzes rasch nachgewiesen und dieser damit identifiziert werden kann.

Äußerliche Behandlung: Manchmal genügt ein Lack gegen Nagelpilz.

Äußerliche Behandlung: Manchmal genügt ein Lack gegen Nagelpilz.

Therapie: Was hilft gegen Nagelpilz?

Gegen Pilzerkrankungen gibt es bestimmte Mittel, die sogenannten Antimykotika. Sie enthalten Wirkstoffe, die Pilze gezielt abtöten beziehungsweise ihr Wachstum hemmen.

Solange lediglich die oberflächlichen Nagelschichten, weniger als drei Nägel und weniger als die Hälfte des jeweiligen Nagels befallen sind, kann die Infektion noch äußerlich mit Tinkturen und Nagellacken, welche Antimykotika enthalten, behandelt werden. Sind die Pilze jedoch bereits tiefer in den Nagel vorgedrungen, wird auch der nachwachsende Nagel immer wieder von neuem infiziert. In diesem Fall ist eine innerliche Behandlung mit Tabletten oder Kapseln erforderlich. Der pilztötende Wirkstoff erreicht die Nägel dann über die Blutbahn und lagert sich in die Nagelmatrix ein. Zusätzlich sollte, wenn möglich, auch der Nagel mit entsprechenden Mitteln behandelt werden.

Die Auswahl des geeigneten Präparates trifft der Arzt oder die Ärztin anhand der Ergebnisse der Pilzkultur. Ist die Art des Pilzes nicht genau bekannt, können sogenannte Breitspektrum-Antimykotika gewählt werden, welche sich gegen viele verschiedene Pilzsorten zugleich richten.

Bis die Wirkstoffe durch die Nagelschichten gedrungen sind und den Pilz abtöten können, dauert es seine Zeit. Denn zwischen den Nagelschichten liegen luftgefüllte Hohlräume. Darin können Pilzsporen viele Wochen, Monate und sogar Jahre überleben. An sie kommt kein Medikament heran – weder von außen, noch von innen.

Um diese Hohlräume zu durchbrechen, gibt es Salben, die zusätzlich zur äußerlichen und innerlichen Therapie auf den Nagel aufgetragen werden. Sie enthalten Harnstoff in relativ hohen Konzentrationen und sind damit in der Lage, die oberen Nagelschichten aufzulösen. Dadurch können einerseits die Wirkstoffe besser und schneller in die darunter liegenden Nagelschichten eindringen. Andererseits wird damit ein Teil der luftgefüllten Hohlräume, in denen die Pilzsporen sitzen, freigelegt. So können auch diese abgetötet werden. Eine Alternative zu solchen Salben kann es sein, sich vom Arzt die befallenen Nagelschichten mit einer Art kleiner Fräse entfernen zu lassen.

Die Antipilzmittel müssen bei Nagelpilz regelmäßig und vor allem lange genug angewendet werden – bis die Nägel gesund nachgewachsen sind. Und das braucht Zeit. Mit drei Monaten Therapie muss man bei einer Tabletteneinnahme rechnen. Bei einem Pilz-Nagellack kann die Therapie etwa sechs Monate in Anspruch nehmen. Ein begleitender Fußpilz sollte immer mitbehandelt werden.

Wo viele andere barfuß laufen besser Badeschlappen tragen!

Wo viele andere barfuß laufen besser Badeschlappen tragen!

Vorbeugen

Folgende Tipps können dabei helfen, einer Pilzinfektion der Nägel zu entgehen:

  • In öffentlichen Einrichtungen (Saunen, Schwimmbädern, Hotels...) nicht barfuß laufen.
  • Handtücher, Badematten, Socken und Bettwäsche bei Temperaturen über 60°C Grad waschen; noch besser kochen.
  • Gut passende und bequeme Schuhe tragen. Ebenso wichtig wie die richtige Passform ist ein atmungsaktives Material – so wird die Fußfeuchte schnell wieder abgeleitet. Daher Schuhe mit einem atmungsaktiven Obermaterial wie Leder oder moderne Mikrofasern tragen.
  • Turnschuhe nur für die Zeit des Sports anziehen. Möglichst jeden Tag andere Schuhe wählen, damit die einzelnen Paare trocknen können.
  • Socken aus natürlichen Materialien benutzen und täglich wechseln.
  • Die Nägel regelmäßig pflegen.

Einen Diabetes mellitus unbedingt entsprechend behandeln lassen und auf gute Blutzuckerwerte achten – das beugt Komplikationen vor! Menschen mit Diabetes sollten ihren Füßen besondere Aufmerksamkeit schenken und sie regelmäßig auf Veränderungen kontrollieren.

Das sollten Sie beachten, wenn Sie sich bereits angesteckt haben:

  • Wer sich bereits infiziert hat, sollte ein eigenes Handtuch für die Füße beziehungsweise bei Befall der Hände für die Hände benutzen und dieses täglich wechseln. Das Handtuch bei 60 Grad waschen.
  • Geräte wie Nagelschere oder Feile sowie natürlich Hände nach jedem Kontakt mit dem infizierten Nagel sehr sorgfältig reinigen. Ansonsten besteht hochgradige Ansteckungsgefahr für andere Körperregionen.
  • Bei Nagelpilz an den Füßen kann das Waschen der Socken bei mindestens 60° Celsius Pilze abtöten. Zusätzlich kann es für Personen mit Nagelpilz sinnvoll sein, ihre Socken und Schuhe während und nach der Therapie zu desinfizieren, um einer erneuten Infektion vorzubeugen. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt oder der Ärztin! Er oder sie kann ihnen sagen, wann dafür der richtige Zeitpunkt ist und welches Mittel sich eignet. Auch der Apotheker kann dazu beraten.
  • Aus Rücksicht auf die anderen: Nicht barfuß laufen! Weder zuhause, noch in öffentlichen Einrichtungen!

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Unser Experte: Professor Dr. Pietro Nenoff

Unser Experte: Professor Dr. Pietro Nenoff

Beratender Experte

Professor Dr. med. Pietro Nenoff ist Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten und für Laboratoriumsmedizin. Von 1992 bis 2001 leitete er das mykologische Labor der Universitätshautklinik Leipzig. Seit 2002 hat er sich als niedergelassener Laborarzt in eigener Praxis auf Hautpilzinfektionen spezialisiert. Daneben ist er als Hautarzt in Praxen in Leipzig und Markkleeberg tätig. 2006 wurde er zum außerplanmäßigen Professor für Dermatologie an der Universität Leipzig ernannt. Professor Nenoff war an der Erstellung der aktuellen S1-Leitlinie Onychomykose beteiligt.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:

  • [1]

    Nenoff P. et. al. S1-Leitlinie Onychomykose (AWMF-Register-Nr. 013- 003) (2022) verfügbar unter: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013- 003.html

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