Penis beschneiden? 12 Fragen und Antworten

Erwachsene Männer lassen sich vor allem aus medizinischen Gründen beschneiden. Oft ist eine Vorhautverengung der Grund. Die Potenz leidet normalerweise nicht
von Dr. med. Roland Mühlbauer, 28.08.2015

Malerei auf Sarkophag: Schon im Alten Ägypten wurden Männer beschnitten

Getty Images/De Agostini Picture Library

Bei der Beschneidung des Mannes, medizinisch Zirkumzision genannt, wird die Vorhaut operativ entfernt. Die Vorhaut ist ein beweglicher Hautlappen und umfasst die Eichel des männlichen Gliedes. Weltweit sind etwa 30 Prozent der Männer beschnitten, in Deutschland um die zehn Prozent, in den USA ungefähr 70 Prozent. Professor Christian Stief, Direktor der Urologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, erklärt, wann der Eingriff notwendig ist und welche Folgen er hat.

Herr Stief, warum lassen sich erwachsene Männer beschneiden?

Bei Erwachsenen finden die allermeisten Beschneidungen aus medizinischen Gründen statt. Nur ganz wenige Erwachsene möchten eine Beschneidung aus ästhetischen Gründen, weil sich die Partnerin das wünscht oder weil sie zu einem anderen Glauben konvertiert sind.

Was sind medizinischen Gründe?

Häufigster Grund ist die Vorhautverengung. Viele meiner Patienten geben an, dass sich die Vorhaut ohne ersichtliche Ursache im Lauf der Zeit verengt hat, und die Haut in diesem Bereich bei jeder Säuberung und jedem Geschlechtsverkehr etwas aufreißt. Dadurch entsteht eine Narbe, die mit der Zeit immer ausgeprägter wird. Darüber hinaus kann die Vorhaut ein Keimreservoir darstellen. Deshalb können auch extrem hartnäckige Pilzinfektionen, wiederkehrende Harnwegsinfekte und Entzündungen der Prostata ein Auslöser für den Wunsch einer Beschneidung sein.

Ist bei Infektionen die Beschneidung die erste Option?

Nein, zunächst erfolgt in der Regel ein Behandlungsversuch ohne einen chirurgischen Eingriff. Bei Pilzinfektionen zum Beispiel sollte man zweimal täglich Kamillenbäder vornehmen, danach trocken föhnen und anschließend Salben mit Antipilzmitteln auftragen. Aber es gibt Fälle, bei denen diese Maßnahmen nicht dauerhaft helfen. Gerade bei der Kombination einer Vorhautverengung mit Harnwegsinfekten oder Entzündungen der Prostata läuft es meist auf eine Beschneidung hinaus.

Geht es bei Vorhautverengungen auch ohne Operation?

Wenn sich bei einem Patient die Vorhaut verengt hat, aber bis auf die erschwerte Intimhygiene keine weiteren Probleme auftreten, empfehlen wir, es zunächst mit Salben zu versuchen, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Cortison oder Dexpanthenol.

Ist es auch möglich, die Vorhaut nur teilweise zu entfernen?

Eine Vorhautverengung besteht meist nur aus einem narbigen Schnürring am Ende der Vorhaut. Es gibt deshalb die Möglichkeit, nur diesen Ring zu entfernen und den Rest der Vorhaut zu erhalten. Allerdings bildet sich dann bei jedem fünften bis zehnten Patienten mit der Zeit erneut eine Vorhautverengung.

Empfinden beschnittene Männer anders?

Typischerweise ist die Eichel zwei bis drei Wochen nach der Beschneidung sensibler. Danach gleicht sich das Empfinden dem Niveau vor der Beschneidung an. Auf die Potenz hat die Beschneidung keine Auswirkung. Mir ist auch nicht bekannt, dass es sich für die Partnerin anders anfühlen würde.

Verringert die Beschneidung das Risiko urologischer Erkrankungen?

Ja. Vor allem bei Jungen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten ist eine Beschneidung die Therapie der Wahl. Wahrscheinlich reduziert sie ebenfalls die Zahl der Harnwegsinfekte bei Erwachsenen, allerdings gibt es dazu meines Wissens keine offiziellen Zahlen. Auch das Risiko für eine Krebserkrankung am Penis sinkt nach der Beschneidung. Darüber hinaus stecken sich beschnittene Männer Studien zufolge seltener mit HIV an. Allerdings ist dies natürlich nur ein relativer und kein kompletter Schutz gegen eine Ansteckung!

Zahlen die Krankenkassen den Eingriff?

Bei einer medizinischen Indikation: ja. Wenn keine medizinische Notwendigkeit vorliegt, richten sich die Kosten nach der Gebührenordnung für Ärzte. Je nachdem unter welchen Umständen die Beschneidung stattfindet, ob ambulant oder stationär, ob mit lokaler Betäubung oder Vollnarkose, kann die Operation zwischen 200 und 700 Euro kosten.

Birgt der Eingriff auch Risiken?

Generell treten bei Beschneidungen nur wenige Komplikationen auf. Eventuell geht der Eingriff mit leichten Schmerzen einher, und wie bei jeder Operation kann es in Ausnahmefällen Blutungen, Schwellungen oder Infektionen geben. Weil die Beschneidung fast ausschließlich mit örtlicher Betäubung erfolgt, reagiert der Körper in seltenen Fällen mit einer allergischen Reaktion auf das Betäubungsmittel.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Operation?

Ungeübte Operateure können eventuell zu viel Haut entfernen – also nicht nur die Vorhaut, sondern auch Haut des Penisschafts. Drastisch gesagt hängt dann der Hodensack an der Eichel, und es ist eine aufwändige Hauttransplantation notwendig, um den Fehler zu korrigieren. Wobei auch eine Hauttransplantation den vorherigen Zustand nicht zu hundert Prozent wiederherstellen kann. Patienten sollten vor dem Eingriff nachfragen, wie oft der Arzt Beschneidungen durchführt: 15 oder 20 pro Jahr sollten es schon sein.

Gibt es Ausschlusskriterien für eine Beschneidung?

Bei einer Fehlanlage der Harnröhre, einer sogenannten Hypospadie, benötigen Ärzte die Vorhaut für eine Transplantation, um den Defekt abzudecken und die Öffnung der Harnröhre an die Spitze des Penis zu verlegen. Generell eignet sich die Vorhaut als Reservoir für Hauttransplantationen, zum Beispiel nach Verbrennungen.

Worauf sollten Patienten danach achten?

Sie sollten drei Wochen lang nicht zum Baden gehen oder duschen und keinen Geschlechtsverkehr ausüben sowie zehn Tage lang keinen Sport treiben. Nach jedem Wasserlassen sollte der Patient die betroffene Stelle mit einer Dexpanthenol-Salbe einreiben, dann heilt die Wunde meiner Erfahrung nach deutlich besser ab.


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