Was lässt Menschen unheimlich wirken?

Forscher haben untersucht, welche Eigenschaften einen Menschen als nicht ganz geheuer erscheinen lassen. Gruselig wirken zum Beispiel Clowns – genauso wie Menschen, die wenig Mimik zeigen oder merkwürdige Gesten machen

von Xenia Schleuning, aktualisiert am 15.04.2016

Wann genau etwas als unheimlich erscheint, ist schwer zu erklären – es ist weniger erschreckend als Angst, aber doch einschüchternder als komisch. Man weiß es erst, wenn man es sieht. Doch damit wollten sich die US-amerikanischen Wissenschaftler des Knox College Francis McAndrew und Sara Koehnke nicht zufrieden geben und untersuchten das Phänomen in ihrer aktuellen Studie "On the nature of creepiness".

Bisherige Studien zeigten, dass eine unheimliche Situation nicht nur unangenehm und verwirrend ist, sondern tatsächlich auch zu körperlichen Symptomen führt, die dem Frieren am nächsten kommen. Schon die Herkunft des Wortes schaurig, das neben unheimlich und gruselig das englische Wort "creepy" vielleicht am besten übersetzt, wird vom Duden als "Schauder hervorrufend" erklärt. Das altertümliche Wort Schauder aber kann sich sowohl auf ein plötzliches Gefühl von Kälte, als auch Angst beziehen. "Es läuft einem kalt den Rücken herunter" würden wir heute wohl eher sagen.

Die Unsicherheit macht uns Angst

Doch wann finden wir einen Menschen unheimlich? Untersucht haben McAndrew und Koehnke dies, indem sie vor allem durch einen Facebook-Aufruf 1341 Leute online befragten, wie unheimlich sie verschiedenste Eigenschaften, Aussagen oder Berufe einschätzten. Ganz oben auf ihrer Liste landet der Clown. Selbst ohne den Stephen King-Klassiker "Es", in dem ein Clown kleine Kinder tötet, ist vielen Menschen vermutlich unwohl, wenn sie nicht einschätzen können, was sich hinter einer Maske verbirgt.

Wenig besser ergeht es Tierpräparatoren und Bestattungsunternehmern: Menschen, die sich ohne Berührungsängste alltäglich mit dem Tod beschäftigen, erscheinen einem nicht geheuer. Und wenn Sex-Shop-Besitzer sehr intime Aspekte des Lebens plötzlich in Einkaufsstraßen verlegen, haben auch sie es laut der Studie schwer, durch spontane Sympathie aufzufallen.

Die zwei Forscher fanden weiter heraus, dass uns sehr ungewöhnliche Merkmale oder schwer einzuschätzende Verhaltensweisen verunsichern und in Habachtstellung versetzen. Dazu zählen äußere Erscheinungen wie sehr lange Finger, blasse Haut oder ein komisches Grinsen. Aber auch in unpassenden Momenten zu lachen, sich die Lippen viel zu lecken oder ein Gespräch immer wieder in eine Richtung, vor allem Sex, zu lenken, lässt die meisten leicht erschaudern.

Welche Eigenschaften uns an Menschen gruseln

Männer sind unheimlicher als Frauen

Da über drei Viertel der Teilnehmer Frauen waren, wurden sexuelle Anspielungen oder eine Übertretung der Privatsphäre, sei es im Verhalten oder einem Kommentar, auch als stark gruselig bewertet. Und Männer wurden von über 90 Prozent der Befragten als unheimlicher eingeschätzt als Frauen.

Fast noch interessanter ist das Ergebnis, dass die Befragten nicht glaubten, unheimliche Menschen führten Böses im Schilde. Auch vermuteten die Studienteilnehmer, dass ein unheimlicher Mensch nicht weiß, dass er unheimlich wirkt. Aber dass eine Gefahr von unheimlichen Gesellen ausgehen könnte, wollten die Befragten auch nicht ausschließen.