Warum ist eine Grippe so gefährlich?

Mit einer Grippe ist nicht zu spaßen. In schweren Fällen oder bei Risikopatienten kann die Influenza sogar tödlich verlaufen. Was macht die Erkrankung so heikel?
von Dr. Katharina Kremser, aktualisiert am 09.03.2017

Eine Influenza kann selbst junge Menschen für eine Woche ans Bett fesseln

F1online/Ojo Images

Der Kopf und die Glieder schmerzen, man fühlt sich schwach, die Stirn brennt vor Fieber – eine Grippe (Influenza) ist unangenehm, das weiß, wer sie einmal durchgemacht hat. Aber ist sie auch gefährlich? Wir erklären, was an der Grippe so heimtückisch ist und wer sich besonders in Acht nehmen muss.

Eine Grippe kann schwer und manchmal sogar tödlich verlaufen

"Die Influenza ist eine Viruserkrankung, die den ganzen Körper betrifft und selbst junge, gesunde Menschen für eine Woche mit schwerem Krankheitsgefühl ans Bett fesseln kann," betont Dr. Silke Buda von der Abteilung für Infektionsepidemiologie am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Schwere und tödliche Verläufe sind normalerweise selten.

Aber obwohl es eine vorbeugende Impfung gibt, Medikamente und zahlreiche intensivmedizinische Möglichkeiten, sterben praktisch jedes Jahr Menschen in Deutschland an Grippe. Die Zahl der Todesfälle schwankt von Jahr zu Jahr. Bei schweren Grippewellen können es nach Schätzungen schon einmal 20.000 sein, während die Zahl in anderen Saisons bei Null liegt. "Wie viele Todesfälle es gibt, hängt unter anderem davon ab, wie die Grippeviren beschaffen sind, die im jeweiligen Jahr im Umlauf sind," so Silke Buda.

Schwere Krankheitsverläufe, die im schlimmsten Fall auch tödlich enden können, treten vor allem in den sogenannten Risikogruppen auf: Dazu gehören zum Beispiel Menschen, die älter als 60 sind, Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Immundefekten oder chronischen Herz- oder Lungenleiden. Aber auch Schwangere sind häufiger von schweren Verläufen betroffen.

Gefürchtete Komplikationen bei einer Influenza

Bei Grippeerkrankten können nicht nur durch das Influenzavirus selbst Komplikationen entstehen, etwa eine schwere Lungenentzündung. "Als Komplikation einer Grippe tritt diese aber vor allem bei Pandemien auf, wenn ein "neues" Influenzavirus im Umlauf ist." Auch eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Gehirns (Enzephalitis) können lebensbedrohliche Folgen einer Grippe sein.

Häufiger sind jedoch andere Komplikationen: "Influenzaviren machen auf der Atemwegsschleimhaut quasi den Weg frei für andere Erreger wie Pneumokokken oder Staphylokokkus aureus," erläutert Silke Buda. So haben es diese Krankheitserreger leichter und lösen ihrerseits zum Beispiel Lungen- oder Mittelohrentzündungen aus. "Gerade bei Menschen, die ein geschwächtes oder nicht mehr so gut funktionierendes Immunsystem haben, kann eine Grippe Komplikationen mit schweren Krankheitsverläufen hervorrufen", so Buda. "Zudem kann eine Grippeerkrankung mit hohem Fieber einhergehen. Das belastet das Herz-Kreislaufsystem sehr stark." Für manchen Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Vorschäden zu stark.

Eine Grippe kann man immer wieder bekommen

Was das Influenzavirus ebenfalls tückisch macht: Bei seiner Vermehrung verändert es sich und seine Oberfläche immer wieder. Meist sind es nur kleine Veränderungen, aber diese können die Bestandteile des Virus betreffen, die für die Erkennung durch das menschliche Immunsystem wichtig sind. Das kann dazu führen, dass die bereits gegen ein bestimmtes Grippevirus gebildeten Schutzmaßnahmen unserer Körperabwehr versagen und wir erneut erkranken.

Wer einmal eine Grippe durchgemacht hat, ist also gegen dieses bestimmte Virus geschützt – das Virus der nächsten Grippesaison kann aber schon wieder ganz anders aussehen. Daher können wir mehrfach in unserem Leben an Grippe erkranken. "Und deswegen muss auch die Grippe-Impfung jährlich an die Erreger angepasst werden, die gerade im Umlauf sind," erklärt Silke Buda.

Risikogruppen wie zum Beispiel Diabetiker, Menschen ab dem Alter von 60 Jahren oder mit chronischen Erkrankungen der Atemwege oder des Herzkreislaufsystems sollten sich ebenso wie Personen mit chronischen Leber- und Nierenkrankheiten daher am besten jedes Jahr vor Beginn der Grippesaison – also etwa im Oktober – impfen lassen. Für Schwangere gilt eine Impfempfehlung ab dem zweiten, in bestimmten Fällen auch schon im ersten Schwangerschaftsdrittel. Ob Sie zu den Personen gehören, für welche die Ständige Impfkommission eine Immunisierung empfiehlt, kann Ihnen Ihr Arzt sagen. Üblicherweise übernehmen in diesem Fall die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Impfung.


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