Brennen beim Wasserlassen

Ursache für Brennen beim Wasserlassen ist meist eine Infektion der Harnwege. Davon abzugrenzen: Reizblase und chronisches Blasenschmerzsyndrom. Was Sie wissen sollten

aktualisiert am 04.07.2018
Frau geht auf Toilette

Brennen beim Wasserlassen und der Drang zur Toilette sind oft die zwei Seiten desselben Übels


Brennen beim Wasserlassen – Überblick

  • Wer ist betroffen? Brennen beim Wasserlassen – Leiden der Frau? Da ist etwas dran, zieht sich doch jede zweite mindestens einmal im Leben einen Harnwegsinfekt zu. Männer erkranken deutlich seltener an einem Harnwegsinfekt.

  • Worum geht es genau? In erster Linie um unkomplizierte Blasenentzündungen. Hauptauslöser sind Kolibakterien aus dem Darm. Begünstigend kann unter anderem häufiger Geschlechtsverkehr sein (Flitterwochen- oder Honeymoon-Zystitis). Bei komplizierten Harnwegsinfekten begünstigen bestimmte Risikofaktoren oder Grundkrankheiten, etwa Diabetes, die Infektion und mögliche Komplikationen.

  • Weitere Symptome wichtig? Wenn die Infektion die unteren Harnwege betrifft, zu denen Blase und Harnröhre zählen, kommt es typischerweise zu Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen (Leitsymptome). Ständiger Harndrang, auch nachts, Schmerzen im Unterleib, unfreiwilliger Harnabgang, verfärbter oder auffallend unangenehm riechender Urin, Fieber (siehe nächster Abschnitt) weisen auf eine Komplikation oder andere Ursachen hin.

  • Bei Infektionen der oberen Harnwege sind die unteren oft mitbeteiligt, so dass Brennen beim Wasserlassen ebenfalls vorkommen kann. Verdächtig hier vor allem: Fieber über 38°C, Schüttelfrost, akute Schmerzen seitlich in der Flanke und/oder im Unterleib.

  • Diagnose: Was der Arzt im Einzelnen untersucht, hängt von mehreren Faktoren ab wie Alter des Patienten, Geschlecht, Krankengeschichte, Begleiterkrankungen, Symptome insgesamt, bestehende Schwangerschaft. Einen unkomplizierten unteren Harnwegsinfekt – eine Blasenentzündung – stellt der Arzt bei (nicht schwangeren) Frauen anhand der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung fest. Wiederholte Harnwegsinfekte (etwa bei nicht schwangeren Frauen) erfordern zudem eine Urinuntersuchung und Ultraschallkontrolle des Harntraktes.

  • Therapie: Unkomplizierte Blaseninfekte klingen bei Frauen meist von selbst wieder ab, eventuell unterstützt durch Haus- und Schmerzmittel (siehe Abschnitt "Tipps zur Selbsthilfe" unten). Eine Kurzzeittherapie mit einem Antibiotikum kann die Dauer der Symptome verkürzen. Mehr dazu, auch zur Therapie bei Männern, im Abschnitt "Brennen beim Wasserlassen: Therapie nach Diagnose".

Was ist eine Reizblase, und was eine interstielle Zystitis?

  • Reizblase (überaktive Blase): Überbegriff für Symptome wie gehäufter Harndrang mit mehr als zehnmaligem Wasserlassen in 24 Stunden und dringlichem (imperativem) Harndrang mit oder ohne Harnverlust (sogenannte Dranginkontinenz).

    Ärzte unterscheiden verschiedene Formen der Reizblase. Brennen beim Wasserlassen ist bei der klassischen Reizblase unbekannter Ursache typischerweise nicht dabei.
  • Interstitielle Zystitis (Abkürzung gemäß Fachbegriff: IC): Gehört zu den sogenannten Beckenschmerzsyndromen: Ständiger Harndrang und unentwegtes Entleeren der Blase, da sie bei zunehmender Füllung schmerzt, hoher Leidensdruck, erhebliche Beeinträchtigung im Alltag. Mehr dazu weiter unten im Text.

Sichtlich unterschiedlich: Untere Harnwege bei Frauen und Männern

Grafik der Harnwege bei Mann und Frau

Brennen beim Wasserlassen: Die wichtigsten Ursachen

Blasenentzündung (Zystitis): Warum sind Frauen so oft betroffen?

Hauptursache ist eine Infektion mit Bakterien, die von außen (unmittelbare Nachbarschaft: Darmausgang) über die anatomisch sehr kurze Harnröhre in die Blase gelangen. In erster Linie sind Keime wie Kolibakterien (Escherichia Coli, kurz: E. Coli) verantwortlich, selten Viren, Parasiten oder Pilze.

Die Erreger führen zu einer Entzündung der Blasenschleimhaut, die der Blasenwand innen aufliegt. Die Blase ist normalerweise keimfrei. Verkühlung oder häufiger Geschlechtsverkehr, etwa mit einem neuen Partner oder bei wechselnden Partnerschaften (sogenannte Flitterwochen- oder Honeymoon-Zystitis), können Blasenentzündungen begünstigen.

Brennen beim Wasserlassen: Was kann es bei Frauen sonst noch sein?

Obwohl Harnwegsinfekte bei Frauen ganz oben auf der Ursachenliste des Symptoms stehen, sind noch andere Gesundheitsprobleme zu bedenken. So besteht zum Beispiel Verwechslungsgefahr mit einer Entzündung der Scheide (Kolpitis oder Vaginitis), die ähnliche Beschwerden bereiten kann. Aber Achtung:

Symptome: Auch bei einer Scheidenentzündung ist das Wasserlassen häufig schmerzhaft. Das Brennen tritt aber vor allem in der Scheide auf. Wichtiges drittes Symptom ist ein auffälliger Ausfluss (anders als das normale Sekret aus der Scheide).

Der Ausfluss kann zum Beispiel auf eine beim Sex übertragene Erkrankung (engl. sexually transmitted diseases, kurz STD) beziehungsweise Geschlechtskrankheit hindeuten. Beispiele: Gonorrhö (GO, Tripper) oder eine Infektion mit Chlamydien.

Auch eine Entzündung der Schamlippen und der Scheide (Vulvovaginitis) kann neben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Jucken im Intimbereich auch Beschwerden beim Wasserlassen auslösen. Infolge des Mangels an weiblichem Geschlechtshormon haben Frauen nach den Wechseljahren häufiger damit zu tun.

Eine Gebärmuttersenkung mit Verlagerung der Blase (Zystozele) bei einer Beckenbodenschwäche bereitet Frauen ebenfalls nicht selten Probleme im unteren Harnwegs- und Intimbereich. Die Blase entleert sich oft nicht vollständig (Restharn).
Zu den damit verbundenen Symptomen gehören: Harnflussstörungen, Infektionen und Brennen beim Wasserlassen

Interstitielle Zystitis: Schmerzhafter Harndrang, Schmerzen im Unterleib

Das so seltene wie vielschichtige Krankheitsbild mit der Abkürzung IC heißt auch chronisches Blasenschmerzsyndrom. Ärzte ordnen es bei den sogenannten Beckenschmerzsyndromen ein.

Symptome: Frauen erkranken ungleich häufiger als Männer, meist im Alter von etwa 40 Jahren. Selten tritt die Erkrankung schon im Kindesalter auf. Die Betroffenen leiden unter ständigem, mit der Zeit äußerst schmerzhaftem Harndrang. Es kommt zu vielfachen Blasenentleerungen, auch kleinster Mengen Urin (siehe Erklärungen ganz oben), und das Tag und Nacht. Im Extremfall verbringen die Patienten Stunden auf der Toilette, um die Blase möglichst leer zu halten.

Mitunter findet sich auch Blut im Urin. Betroffene Frauen leiden manchmal auch unter deutlichen Schmerzen bei der Periode und beim Geschlechtsverkehr. Betroffene Männer klagen auch über Schmerzen bei Ejakulation sowie über Schmerzgefühle im Bereich der Hoden und im Schritt (Dammbereich).

Unterleibsschmerzen

Hintergrund in Kürze: Die Oberfläche der Schleimhaut, die die Blase auskleidet, nimmt aus noch unbekannten Gründen Schaden. Folglich kann Urin in die Blasenwand eindringen und das Muskel- und Nervengewebe reizen. Dann reagiert die Blase noch empfindlicher, und die Gewebeschäden können sich ausweiten. In einigen Fällen kommt es zu einer schweren IC-Verlaufsform mit Entwicklung einer Schrumpfblase.

Teilweise gibt es Verbindungen zu Krankheiten wie Fibromyalgie- und Reizdarmsyndrom, zu Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel bestimmten Schilddrüsenerkankungen, und zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Mitunter geht eine starke Blasenentzündung oder ein Eingriff im Unterleib voraus, bei Frauen beispielsweise eine Gebärmutterentfernung. Bakterien sind nicht unmittelbar auslösend. Allerdings kann es im Zuge der Erkrankung auch zu bakteriell bedingten Blaseninfektionen kommen.

Bestimmte Nahrungsmittel (siehe unten: "Tipps"), Stress, körperliche Aktivitäten wie Sport, Sex, aber auch viel Sitzen, bei Frauen hormonelle Einflüsse (Hormonschwankungen im Menstruationszyklus) können die Beschwerden verstärken.

Richtungweisend für die Diagnose einer IC ist, dass die Beschwerden länger als sechs Wochen bestehen und keine andere organische Ursache vorliegt. So wird der Arzt – in der Regel ein Gynäkologe, Urologe, je nach Umstand auch ein anderer Facharzt – Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden ausschließen müssen. Bei Männern wäre das zum Beispiel ein Prostataleiden, bei Frauen eine Gebärmutter- und / oder Scheidensenkung oder eine Endometriose, bei beiden Geschlechtern unter anderem auch Nervenreizungen durch einen Bandscheibenvorfall.

Spezielle Ursachen von Blasenentzündungen bei Männern und Frauen

Brennen beim Wasserlassen ist manchmal auch bei Entzündungen der Harnwege möglich, die durch spezielle Reize entstanden sind. So kann zum Beispiel eine Bestrahlung der Beckenregion zu einer strahlenbedingten Blasenentzündung (radiogene Zystitis) führen.

Dass es als Nebenwirkung mancher Medikamente oder bei Blasensteinen zu einer Irritation oder Entzündung der Harnwege kommen kann, ist ebenfalls nachvollziehbar.
Symptome, die auf einen Blasenstein hinweisen können: Probleme beim Wasserlassen, etwa stockender Harnfluss, krampfartige Schmerzen im Unterleib zusammen mit verstärktem Harndrang, blutiger Urin. Häufig entwickelt sich im weiteren Verlauf eine Harnwegsinfektion.

Eine Verletzung im Bereich der unteren Harnwege kann ebenfalls zur Folge haben, dass das Wasserlassen schmerzhaft ist.

Mitunter ist für Blasenbeschwerden eine Geschwulstbildung (Tumor) verantwortlich. Gerade wenn keine der bisher genannten Ursachen zutreffen oder ein Warnzeichen wie zum Beispiel Blut im Urin auftritt, wird der Urologe sehr genau nach den Gründen schauen. Die Häufigkeit von Blasenkrebs (Harnblasenkarzinom) zum Beispiel nimmt im höheren Lebensalter zu.

Chronische Entzündungen der Harnblase können die Entstehung von Blasenkrebs fördern. Eine Strahlentherapie im Bereich des Unterleibs kann nach mehreren Jahren zur Entwicklung eines Harnblasenkarzinoms führen.

Zudem ist für bestimmte Arbeitsstoffe ein erhöhtes Harnblasenkarzinomrisiko gesichert (Anerkennung als Berufskrankheit), zum Beispiel in der chemischen Industrie oder Bauindustrie.

! Wichtig: Auch Rauchen von Zigaretten ist ein Risikofaktor für Blasenkrebs.

Ausführliche Infos im Ratgeber "Harnblasenkarzinom".

Brennen beim Wasserlassen: Was kann es speziell bei Männern sein?

Bei jüngeren Männern kommt in erster Linie eine Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostatitis) infrage. Weitere Beschwerden, die dann auftreten können, sind Harnträufeln, Schmerzen im Genitalbereich oder beim Samenerguss. Und: Auch beim Mann legt Ausfluss – ein nicht normales Sekret aus dem Penis – eine sexuell übertragene Infektion nahe.

Brennen beim Wasserlassen – Diagnose

Wenn die Blasenbeschwerden bei Frauen mehr als drei Tage andauern und auch Fieber auftritt, geht es nicht ohne den Arzt. Männer sollten sich grundsätzlich untersuchen lassen.

Für beide Geschlechter gilt das insbesondere bei wiederkehrenden Blasenentzündungen, bei Grundkrankheiten wie Diabetes, Einnahme bestimmter Arzneimittel, die das Immunsystem schwächen oder die Blase reizen können (Beispiele: einige harntreibende Mittel (Diuretika), sodann Psychopharmaka (Medikamente gegen psychische Erkrankungen)), und im höheren Lebensalter.

Schwangere Frauen sollten bei entsprechenden Beschwerden ihren Gynäkologen aufsuchen. Bei Verdacht auf einen unkomplizierten Harnwegsinfekt wird er den Urin bakteriologisch untersuchen, die Schwangere mit einem Antibiotikum behandeln und den Urin danach nochmals kontrollieren.

Ansonsten konzentriert sich die Diagnostik auf eine gezielte Befragung des/der Patienten/in nach den aktuellen Beschwerden, beim ersten Mal auch nach früheren Erkrankungen und Krankheiten in der Familie.

Bei einem unkomplizierten unteren Harnwegsinfekt genügt bei nicht schwangeren Frauen zunächst eine symptombezogene Untersuchung. Bei (jüngeren) Männern nimmt der Urologe auch eine Tastuntersuchung der Prostata über den Darmausgang (rektal) vor. Zudem wird bei ihnen eine Urinuntersuchung empfohlen. Der Urologe wählt die  dafür am besten geeignete Methode aus.

Bei komplizierten oder wiederkehrenden Harnwegsinfekten sollte eine bakteriologische Urinuntersuchung mit Empfindlichkeitstests auf Antibiotika sowie eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege erfolgen. Bei Männern sollte zudem die Prostata untersucht werden. Bei mutmaßlicher STD- oder Geschlechtskrankheit bestätigen unter anderem Abstrichuntersuchungen die Diagnose.

Was bedeutet ein positiver Pilzbefund im Urin? Meistens geht es dabei um Hefepilze wie Candida albicans. Die Pilzart gehören zu den normalen Bewohnern der Haut und Schleimhäute.

Bei Frauen beispielsweise ist ein solcher Befund häufig durch Kontakt der Probe mit der Umgebung des Harnröhrenausgangs bedingt: Pilzbefall der Scheide kann dazu geführt haben. Um zwischen einer Candidabesiedlung und einer Candidainfektion unterscheiden zu können, muss der Arzt eine entzündliche Gewebereaktion (je nachdem in der Blase oder Harnröhre) nachweisen.

Bei Bedarf führen Urologen urodynamische Untersuchungen wie Harndruck- und flussmessungen durch, zum Beispiel bei mutmaßlicher Harnröhrenenge. Auch ein Toilettenprotokoll (Häufigkeit der Blasenentleerung, Fachbegriff: Miktionstagebuch) kann manchmal aufschlussreich sein.

Zur weiterführenden Diagnostik gehören je nach Verdachtsdiagnose noch Röntgenuntersuchungen sowie Verfahren wie eine detaillierte schnittbildgebende Diagnostik (Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Unterbauches), eine Blasenspiegelung, gegebenenfalls mit Gewebeentnahme, bei Frauen auch eine Untersuchung beim Frauenarzt. Kann dieser die Schmerzquelle eindeutig lokalisieren, ist das natürlich für das weitere Vorgehen richtungweisend.

Brennen beim Wasserlassen: Therapie nach Diagnose (Auswahl)

Blasenentzündung bei Frauen

Nach einer Kurzzeitbehandlung mit einem Antibiotikum für ein bis drei Tage gehen die Beschwerden bei solchen unkomplizierten Harnwegsinfekten meist rasch, etwas schneller noch als "ohne", zurück. Das heißt aber auch: Ein Antibiotikum ist kein "Muss".

Tritt wiederholt nach dem Geschlechtsverkehr eine Blasenentzündung auf, ist "alternativ" eine Einmal-Antibiotikatherapie "danach" möglich, wenn der Arzt dies befürwortet.

Bei wiederholten Blaseninfekten kann ansonsten eine Langzeittherapie mit einem Antibiotikum über drei bis sechs Monate angezeigt sein. Vor Beginn dieser längeren Therapie setzen Ärzte teilweise auch Präparate zur Stärkung der Immunabwehr im Harntrakt ein. Wichtig: Ursachenabklärung.

Frauen, die nach den Wechseljahren an wiederkehrenden Blasenentzündungen leiden, wird der Gynäkologe vor einer vorbeugenden Langzeitbehandlung mit einem Antibiotikum eine örtliche Therapie mit einer östrogenhaltigen Salbe für den Intimbereich vorschlagen.

Unterer Harnwegsinfekt bei Männern

Die Behandlung mit einem Antibiotikum ist angezeigt. Das Mittel selbst und die Dauer der Einnahme legt der Arzt entsprechend fest. Auch eine Geschlechtskrankheit wird mit passenden Antibiotika behandelt.

Sprechstunde

Interstitielle Zystitis

Als Medikamente kommen zum Beispiel Pentosan-Polysulfat-Natrium, Antidepressiva in niedriger Dosierung, entzündungshemmende Arzneien, muskelentkrampfende Mittel, andere Schmerzmittel sowie sogenannte Anticholinergika infrage.

Die gereizte und verletzungsanfällige Blasenschleimhaut kann zudem mit Einbringen verschiedener Substanzen in die Harnblase über einen Katheter (ambulante Instillationstherapie) "beruhigt" werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten allerdings nicht.

Um genauen Aufschluss über die Schwere der Erkrankung zu bekommen, findet häufig eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) in Narkose statt. Für die Diagnose wird sie zwar nicht grundsätzlich gefordert. Die Maßnahme kann aber einen therapeutischen Effekt haben: Dehnung der Harnblase während der Narkose (Hydrodistension), gegebenenfalls auch in Kombination mit einer elektrischen Verschorfung entzündeter Gewebebereiche, kann für einige Zeit eine Schmerzlinderung herbeiführen.

Bei Bedarf erfolgt eine umfassendere Schmerzbehandlung, gesteuert durch einen auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt (Schmerztherapeut). Neben einer gezielten medikamentösen Schmerztherapie kommen dabei gegebenenfalls Verfahren wie Regional- und Leitungsanästhesie zum Einsatz, außerdem Akupunktur und Neuraltherapie. Als spezielles physiotherapeutisches Verfahren kommt auch ein Beckenbodentraining mit Biofeedback zum Einsatz (siehe unten, Abschnitt "Tipps"). Allerdings bezahlen die Krankenkassen nicht alle Therapien.

Ein "Blasenschrittmacher" (sakrale Neuromodulation) ist eine Reserveoption. Voraussetzung ist ein kleiner Eingriff, bei dem eine Sonde unter die Haut in der Nähe des Steißbeins gesetzt und an einen elektrischen Impulsgeber angeschlossen wird. Die an umliegende Nerven gerichtete Impulse können die Schmerzsignale überlagern, sodass der Patient sie weniger wahrnimmt.

Bei schwerwiegenden Verlaufsformen mit Übergang in eine Schrumpfblase kann im äußersten Fall eine Operation notwendig werden. Dabei wird ein Großteil der Harnblase entfernt und durch Darmanteile ersetzt.

Steht bei einem Blasenschmerzsyndrom ein psychischer Hintergrund zu vermuten, wird der Arzt einen Psychologen oder Psychotherapeuten hinzuziehen.

Tumoren, zum Beispiel Blasenkrebs

Die aktuellen Therapieempfehlungen sind stadiengerecht in Leitlinien (siehe unten, Fachliteratur) festgelegt. Zum Einsatz kommen operative Maßnahmen, in frühen Stadien Instillationen in die Blase (Einbringen von Chemotherapeutika und sogenanntem BCG (Bacillus Calmette Guérin, ein abgeschwächter Bakterienstamm zum Erzeugen einer Immunaktivierung)), in späteren Stadien eine systemische Chemotherapie und Strahlentherapie.

Frau mit Bauchschmerzen

Brennen beim Wasserlassen: Tipps (vor allem) für Frauen

Empfohlene Hausmittel

Bei wiederholten unkomplizierten Harnwegsinfekten können pflanzliche, die Harnwege desinfizierende Mittel mit Extrakten etwa aus Bärentraubenblättern, Brunnenkresse, Meerrettichwurzel die Behandlung (siehe oben) unterstützen. Brennnessel- und Birkenblätter sowie Goldrutenkraut sind weitere Heilpflanzen, die bei Anzeichen eines leichten Harnwegsinfektes Anwendung finden. Dazu können Apotheken näher beraten.

Empfohlen wird eine ausreichende, aber nicht übertriebene Trinkmenge, normalerweise sollten es etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich sein. Der Grund: Körpereigene antibakteriell wirkende Schutzstoffe sollten nicht zu sehr verdünnt, Keime aber wiederum ausgespült werden. In der akuten Phase verspüren viele Frauen auch Linderung durch Wärmeanwendung.

Beckenbodengymnastik

Was tun bei Beckenbodenschwäche?

Beckenbodentraining, am besten zunächst unter Anleitung eines/r Physiotherapeuten/in, hilft, den Beckenboden zu stärken. Das kann zum Beispiel bei Inkontinenzbeschwerden nach einer Entbindung hilfreich sein. Das Training kann auch dem Fortschreiten einer Gebärmuttersenkung entgegenwirken, diese allerdings nicht beheben. Einen Schritt weiter noch geht das Beckenbodentraining mit Biofeedback. Dabei lernen Betroffene gezielt und mithilfe bestimmter Kontrolltechniken (feed-back über Betasten oder Sonden), wichtige Muskelgruppen des Beckens zu trainieren. Dies sollte unbedingt unter qualifizierter physiotherapeutischer Kontrolle stattfinden. Der Urologe oder Gynäkologe kann hierzu genauer beraten.

Gegebenenfalls Ernährung umstellen

Betroffene können auch ausprobieren, ob es ihnen hilft, wenn sie – teilweise wassertreibende – Reizverstärker wie Kaffee, Colagetränke, Alkohol, scharfe Gewürze und saure Speisen meiden. Ansonsten sollten sie sich aber gesund und abwechslungsreich ernähren: mit gut bekömmlichen Obstsorten und Gemüse in ausreichender Menge, gesunden Fetten, aber nur maßvoll Zucker und Salz täglich.

Das wird zum Beispiel auch Patienten mit interstitieller Zystitis (siehe oben) empfohlen, wenn sie einen entsprechenden Zusammenhang mit ihren Beschwerden beobachtet haben. Sie können sich zu einer geeigneten Ernährung speziell beraten lassen. Behandelnde Ärzte können auch hier weiterführende Ratschläge geben.

Wichtig außerdem: Regelmäßige körperliche Aktivität und aktives Entspannen.

Nicht empfehlenswert

Übertriebene Hygiene im Intimbereich stört das empfindliche Gleichgewicht körpereigener Schutzfaktoren. Dazu gehören maßgeblich die Milchsäurebazillen der Scheide und antimikrobiell wirkende Eiweißstoffe im Bereich der Harnröhrenmündung.

Anwendung nicht-hormoneller Verhütungsmethoden (sogenannte Barrieremethoden) wie Intravaginal-Ovula, mit Spermiziden (wie Nonoxynol-9) beschichtete Diaphragmen oder Kondome und Intrauterin-Spiralen erhöhen das Risiko für Harnwegsinfekte.

Fachliteratur für diesen Ratgeber:

Interdisziplinäre S3 Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, ambulant erworbener bakterieller Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Version 1.1-2, AWMF-Register-Nr. 043/044, Aktualisierung 04/2017. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044k_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf (Abgerufen am 02.07.2018)

Dielubanza EJ: Urinary tract infections in women. Med Clin N Am 2011, 95(1): 27-41. Doi: 10.1016/j.mcna.2010.08.023

S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms, Kurzversion 1.1 – November 2016; AWMF-Registernummer: 032/038OL. Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Blasenkarzinom/LL_Harnblasenkarzinom_Kurzversion_1.1.pdf

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-006l_S1_STI_STD-Beratung_2015-07.pdf

https://www.urologenportal.de/pressebereich/pressemitteilungen/presse-aktuell/dgu-und-ica-deutschland-setzen-meilenstein-erste-leitlinie-zur-diagnostik-und-therapie-der-interstitiellen-zystitis-26032018.html


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Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.