So finden Sie einen guten Tierarzt

Geht es dem Haustier schlecht, möchten Besitzer schnell zum Tierarzt. Lesen Sie hier, woran Sie eine gute Praxis erkennen und wie es sich mit den Kosten für die Behandlung des treuen Begleiters verhält

von Ute Essig, 22.06.2018

Krankes Familienmitglied: Wenn das Haustier leidet, scheuen Viele weder Aufwand noch Kosten


Wie erkennt man einen qualifizierten Tierarzt, dem man sein krankes Haustier guten Gewissens anvertrauen kann? "Neben der fachlichen Kompetenz, die zum Beispiel auch die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen einschließt, sollte ein liebevoller Umgang mit dem Tier selbstverständlich sein", sagt Dr. Petra Sindern, Vizepräsidentin des Bundesverbands praktizierender Tierärzte. 

Der Mediziner sollte sich Zeit für Tier und Halter nehmen und sich zunächst die Beschwerden ausführlich schildern lassen. Anschließend wird er das kranke Tier behutsam und gründlich untersuchen. Dazu gehört zum Beispiel, dass er die Herztöne abhört, den Bauch abtastet und ins Maul schaut. Der Arzt wird dem Besitzer die Untersuchungen erklären und nach seiner Diagnose die Behandlungsmaßnahmen, die Dosierung und die möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten sowie die Erfolgsaussichten der Therapie erläutern.  

Saubere Praxisräume, kurze Wartezeiten und kompetente Helfer

Doch nicht nur der Mediziner selbst spielt eine Rolle für das Wohlbefinden seiner Patienten und ihrer Menschen. Saubere, helle und freund­lich gestaltete Praxisräume mit angenehmer Atmosphäre wirken seriös und vermitteln sowohl Zwei- als auch Vierbeinern ein Gefühl der Sicherheit und Seriosität. Eine möglichst kurze Wartezeit hilft, Stress bei Mensch und Tier zu vermeiden. Manche Praxen achten auch darauf, dass Hunde und Katzen in den Warteräumen nicht aufeinandertreffen. 

Idealerweise steht dem Arzt in seiner Praxis ein Team von geschulten Helfern zur Verfügung, das die Terminkoordination übernimmt, beim Anlegen von Wundverbänden hilft oder bei einer Blutentnahme assistiert. Von Vorteil ist auch eine moderne technische Ausstattung. Damit kann der Tierarzt genauer untersuchen und schneller die richtige Dia­gnose stellen. Ein eigenes Labor, das Blut- und Urintests zeitnah auswertet, erspart ebenfalls längere Wartezeiten bis zur Diagnosestellung. Doch nicht nur die Ausstattung, auch die Erfahrung zählt, wie Sindern betont. "Ein guter Tierarzt weiß, wo die eigenen Grenzen liegen und wer weiterführende Therapien anbietet."

Alarmsignale: Wann Sie schnell zum Tierarzt sollten

 

  • Der kleine Liebling trinkt und frisst nicht mehr? Wenn Haustiere die Nahrungsaufnahme verweigern, weist das auf eine Erkrankung hin. 
  • "Wichtige Krankheitszeichen, bei denen man noch am selben Tag eine Tierarztpraxis aufsuchen sollte, sind vermehrter Durst bei normaler Außentemperatur, Erbrechen (mehr als einmal) sowie wässriger oder blutiger Durchfall", sagt Dr. Petra Sindern. Sie ist Vizepräsidentin des Bundesverbands praktizierender Tierärzte sowie Tierärztin in Neu Wulmstorf bei Hamburg.
  • Auch bei aufgetriebenem Leib, Atemnot, Lähmung, fauligem Geruch aus dem Maul und jeder Art von Schmerzäußerung sollten Tierbesitzer professionelle Hilfe suchen. 
  • Das gilt natürlich auch bei Unfällen, Biss- oder Kampfverletzungen oder dem Verdacht auf eine Vergiftung.

Hohe Kosten: Die Behandlung beim Tierarzt kann teuer sein

Sowohl bei schweren akuten Krankheitsbildern als auch bei chronischen Verläufen entstehen bisweilen Behandlungskosten in Höhe von einigen Hundert bis weit über tausend Euro. Wer sich ein Haustier zulegt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die gesundheitliche Versorgung des vierbeinigen Freundes mit den Jahren ins Geld gehen kann. Am besten legt man jeden Monat für krankheitsbedingte Zusatzausgaben etwas auf die hohe Kante. 

Eine spezielle Tierkrankenversicherung lohnt sich allerdings eher selten, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu bedenken gibt. Oft seien Standardleistungen dabei nicht abgedeckt.

Gebührensätze prüfen

Die Kosten für Untersuchungen, Behandlungen und Arzneien muss man in der Regel unmittelbar nach dem Praxisbesuch vor Ort begleichen. Sie richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Die ­Mediziner rechnen den ein- bis dreifachen Satz ab.

Informieren Sie sich vorab über die Einzelheiten in der jeweiligen Praxis. Auf der Online-Seite der Bundestierärztekammer lassen sich Beispielfälle von Honorarberech­nungen einsehen. Höhere Kosten entstehen, wenn die medizinische Versorgung beim Pa­­tienten zu Hause erfolgt oder man die Dienste des ­Tierarztes außerhalb der regulären Sprechzeiten in Anspruch nimmt, ­also beispielsweise nachts, am Wochenende oder im Notdienst.

Das können Sie selbst für die Gesundheit Ihres Haustiers tun 

Dass ihr vierbeiniger Liebling möglichst lange gesund bleibt, haben Herrchen und Frauchen zum Teil selbst in der Hand. 

  • Eine gesunde und ausgewo­gene Ernährung, genug Auslauf, Kontakt mit Artgenossen sowie eine regelmäßige Fell-, Ohren- und Augenpflege halten den Vierbeiner fit. 
  • In der Hausapotheke sollten Sie Material für die Wundversorgung vorhalten, etwa für den Fall, dass sich Ihr Hausgenosse an der Pfote verletzt. Auch eine Zeckenzange gehört hinein. "Die beste Vorbeugung gegen diese Parasiten ist, das Tier regelmäßig zu kontrollieren", rät Dr. Heidi Kübler, Vorsitzende der Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin. Hunde sucht man am besten nach jedem Spaziergang ab.  
  • Vor einem Befall mit Zecken schützen spezielle Präparate, die Sie entweder beim Tierarzt oder in der Apotheke erhalten. Wer auf Chemie verzichten will, findet dort auch Produkte mit ätherischen Ölen. "Weil die Hundenase sehr empfindlich ist, sollte man allerdings zuerst testen, wie der Vierbeiner darauf reagiert", empfiehlt Kübler.  
  • Medikamente aus dem Humanbereich sind für Tiere tabu. Expertin Sindern warnt: "Ohne ausdrückliche ärztliche Anweisung sollten Tiere nie mit Arzneien der Halter behandelt werden."