Zungenbrennen

Wenn die Zunge ständig schmerzt, kommen verschiedene, auch krankhafte Faktoren infrage. Die Erklärungsmuster bleiben oft unbefriedigend. Trotzdem gibt es Hilfen

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 10.12.2018
Geschmackssinn

Zungenbrennen: Betrifft Frauen bis zu siebenmal mehr als Männer


Zungenbrennen: Dauerqual im Mund

Ein quälender, brennender Schmerz auf der Zunge, manchmal auch drumherum im Mund. Und das immer wieder, mindestens zwei Stunden täglich, manchmal den ganzen Tag lang, zum Teil auch tagsüber zunehmend. Dauer: mehr als drei Monate. Dazu veränderte Geschmacksempfindungen und das Gefühl von Mundtrockenheit.

So lässt sich das unangenehme Zungen- und Munschleimhautbrennen beschreiben. Das Merkwürdige dabei: Die Zunge sieht häufig normal aus.

Für Zungenbrennen kennen Ärzte auch Begriffe wie chronisches orales Schmerzsyndrom,  orale Dysästhesie, Glossodynie, Glossalgie oder Burning Mouth Syndrome (engl. für Syndrom des brennenden Mundes). Was ist bloß los mit der Zunge?

Farbige Zunge mit den verschiedenen Geschmackszonen

Kurzporträt vorab: Die Zunge – ein Allroundtalent

Die Zunge ist nicht nur Spezialist für Aromen – süß, sauer, salzig, bitter, würzig (umami) –, sondern extrem berührungsempfindlich und wendig. Der mit einer speziellen Schleimhaut überzogene, dreidimensional bewegliche Muskel ist grundlegend bedeutsam für das Sprechen, Essen, Schlucken, Saugen und ja, Küssen. Die Zungenmandel ist Teil der Körperabwehr. Bestimmte Sinneszellen der Zunge registrieren deren Positionen im Mund und die Stellung der Kiefer im "Raum".

Das Wunderwerk hat zudem Eingang in viele Weltsprachen gefunden, etwa als Symbol für Verständigung, leider auch für das Gegenteil, wenn wir mit Engelszungen oder spitzer Zunge reden. Auch an der Körpersprache partizipiert die Zunge in unmissverständlicher Weise.

Was hinter Zungenbrennen stecken kann

Wenn die Zunge anhaltend wehtut, schlechten Geschmack vermittelt, gefurcht ist, sehr rau oder fleckig aussieht, dann wird das Wunderwerk zur Quelle des Unbehagens.

Es kommt nun darauf an, zu erkennen, ob eine eigenständige Störung ohne weitere Grunderkrankung (primäres Zungenbrennen) vorliegt oder ob eine andere Krankheit, die sich gezielt behandeln lässt (sekundäres Zungenbrennen), die Ursache ist.

  • Zungenbrennen als eigenständiges Krankheitsbild (primäre Form)

- Zungenbrennen in der oben beschriebenen Form betrifft etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen, Frauen bis zu siebenmal mehr als Männer, meist nach den Wechseljahren. Es ist in der Tat sehr unangenehm, aber nicht besorgniserregend, sofern die Diagnose umsichtug gestellt wurde. Die gute Nachricht: Bei einem Drittel bis zur Häfte der Betroffenen kann ein primäres Zungenbrennen spontan wieder verschwinden!

Neurologen haben in speziellen Untersuchungen bei Patienten mit Zungenbrennen teilweise Veränderungen feinster sensibler Nervenfasern festgestellt. Es sind hier aber noch viele Fragen offen.

Als belastend erlebte körperliche Veränderungen oder Einschnitte, etwa der Beginn der Wechseljahre, fallen manchmal mit dem Auftreten der Beschwerden zusammen. Die Wechseljahre sind eine normale hormonelle Umstellung im Leben jeder Frau. Sie gelten nicht als Ursache von Zungenbrennen.

Die Tatsache, dass die Geschlechtshormonspiegel fortan im Tiefststand bleiben, und womöglich damit verbundene Gesundheitsstörungen werden als unterschiedlich belastend erlebt. Viele Frauen kommen gut durch diese Lebensphase. Bei starken, mutmaßlich damit verbundenen Beschwerden ist der Frauenarzt (Gynäkologe) der richtige Ansprechpartner.

Psychische Faktoren wie etwa vermehrte Ängstlichkeit, Schlafstörungen oder Anspannung gelten jebenfalls nicht als Ursachen, allenfalls als begünstigende Faktoren.

Das Krankheitsbild ist früher bei den sogenannten somatoformen Schmerzstörungen eingeordnet worden. Somatoform bedeutet, dass ein körperliches Beschwerdebild, das die Betroffenen mindestens ein halbes Jahr lang anhaltend belastet und im Alltag relevant einschränkt, trotz sorgfältiger Untersuchungen vom Arzt nicht hinreichend körperlich erklärt werden kann. 

Symptome: Meist werden die Schmerzen in den vorderen zwei Dritteln der Zunge, an der Spitze und auch an den Rändern verspürt. Das Brennen kann auch die Schleimhaut der Wangen, des Gaumens und der Lippen mitbetreffen. Manche Speisen, etwa Saures und Pikantes, können die Beschwerden verstärken.
Häufig kommt es auch zu ständig bitterem oder metallischem Geschmack oder beidem. Auch können bestimmte Geschmacksrichtungen wie süß oder sauer verstärkt oder vermindert wahrgenommen werden (im Fachjargon heißen diese Veränderungen Dysgeusie).
Die (gefühlte) Mundtrockenheit lässt sich zwar meist nicht sicher mit entsprechenden Tests der Speichelfunktionen nachvollziehen. Eine im Einzelfall veränderte Speichelzusammensetzung könnte aber das Geschmacksempfinden beeinflussen.
Oft besteht eine gewisse Tagesrhythmik mit stärkerer Ausprägung der Beschwerden am Abend. Zur Dauer der Beschwerden siehe oben.

! Wichtig: Primäres Zungenbrennen ist eine Ausschlussdiagnose. Das heißt: Vorher sollte der Arzt mögliche Krankheitsursachen ausgeschlossen haben. Auch mögliche begleitende Störungen sind dabei zu berücksichtigen, zum Beispiel:

- Zähneknirschen (Bruxismus), meist in der Nacht: Betroffene selbst merken davon nichts, ihre Bettnachbarn dagegen schon. Hinweise sind außerdem abgeschliffene Kauflächen des Zahnschmelzes oder Brüche in Keramik-Überkronungen. Manchmal bilden Stress, Ängste, Vereinsamung und Depressionen den Hintergrund. Manche Patienten beißen auch tagsüber die Zähne ständig zusammen. Zu den Folgen gehören vermeintliche Ohrenschmerzen, Muskelverspannungen im Kieferbereich, Fehlstellungen und Entzündungen an den Kiefergelenken, Phänomene wie Knacken, Reiben. Schmerzhafte Fehlfunktionen im Zahn- und Kieferbereich nennen Mediziner auch craniomandibuläre Dysfunktion. Neben einer Aufbissschiene können entspannungstherapeutische Maßnahmen helfen. Mehr dazu in den Ratgebern "Zähneknirschen in der Nacht" und "Gesichtsschmerzen", Kapitel: "Fehlfunktionen im Zahn- und Kieferbereich":

- Die Zunge schiebt sich beim Schlucken vor (sie rutscht sichtbar zwischen die Zähne = sogenannte myofunktionelle Störung). Bei dieser Störung der Mundfunktion verändern sich das Mundprofil, das Schluckmuster und die Aussprache, zum Beispiel von Lauten wie s, sch, t, d. Wenn die Zunge im Kindesalter ständig gegen nach vorne verlagerte Zähne (etwa als Folge von gewohnheitsmäßigem Daumenlutschen) oder in eine Lücke zwischen den oberen und unteren Frontzähnen stößt, entwickelt sich ein falsches Schluckmuster (mehr dazu im Beitrag "Sprachstörung: Wann ist eine Therapie nötig?" auf www.baby-und-familie.de).

Bei Kindern bis etwa vier Jahren ist das Zungevorschieben normal, es verliert sich dann, im selben Maße reift der Schluckvorgang aus. Manchmal bleibt das Problem bis ins Erwachsenenalter bestehen und kann auch mit Zungenbrennen kombiniert sein.

- Landkartenzunge (Lingua geografica) und Faltenzunge (lingua plicata): Die Landkartenzunge fällt durch unterschiedlich große, rote, teils brennende Abschilferungen mit weißem Rand auf. Sie können mal mehr, mal weniger vorhanden sein, kommen und gehen. Die Faltenzunge zeigt sich meist mit einer zentralen Längsfurche im oberen und mittleren Teil der Zunge. Von der Vertiefung können weitere Einkerbungen in seitlicher Richtung ausgehen. Die Ausprägungen sind individuell sehr verschieden. Offenbar haben beide Veränderungen eine gemeinsame genetische Ursache. Sie sind prinzipiell harmlos, können aber optisch und wegen des oft vorhandenen Zungenbrennens sehr störend sein.

  • Zungenbrennen bei anderen Erkrankungen (sekundäre Form)

Die Mundhöhle: Ort und Spiegelbild vieler Krankheiten

Im Mund tummeln sich Keime, auch potenziell krankmachende. Außerdem kommt die Mundhöhle mit vielen Stoffen aus der Umwelt in Berührung – nicht zuletzt Arzneimitteln, die direkt durch die Mundschleimhaut aufgenommen oder geschluckt werden. Somit ist das Gewebe hier vielfältigen, nicht immer nur angenehmen Reizen ausgesetzt und könnte plötzlich abwehrend reagieren. Mögliche Folgen: Schmerzhafte Entzündungen und Schmerzen bei fortgesetztem Kontakt mit dem Stoff. Diesen herauszufinden, ist allerdings nicht immer einfach.

Auch zahlreichen Krankheiten liefert der Mund eine "Bühne". Einige kommen ebenfalls als Auslöser von sekundärem Zungenbrennen in Betracht. Allerdings treten in der Regel dann noch weitere, für die Grunderkrankung mehr oder weniger typische, sichtbare Symptome auf: unbedingt ein Anlass, bald zum Arzt zu gehen.

- Mund- und Zahnprobleme: Hier gibt es viele naheliegende Auslöser von Schmerzen und anderen Beschwerden im Mund.

Dazu gehören Karies, Reizzustände bei schlecht sitzenden Prothesen, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen oder -geschwüre, auch infolge einer Strahlen- oder Chemotherapie (sogenannte orale Mukositis), Unverträglichkeiten von Zahnersatzmaterial oder Mundpflegemitteln. Bei Zahnpasten geht es meist um enthaltene Konservierungs- und Aromastoffe, Farbstoffe, Bindemittel, wasserbindende Stoffe, Abrasiva (Schleifmittel) und Detergenzien (Emulgatoren und Benetzungsmittel).

Allergien auf oder Unverträglichkeiten von Nahrungsmittel(n) – relevant sind zum Beispiel Haselnuss, Apfel, Karotte, Sellerie, Fisch –, sodann Pilzbefall bei Abwehrgeschwächten (Mundsoor: weiße Beläge, rötlich entzündete Stellen), der Lichen ruber mucosae, blasenbildende Erkrankungen der Haut beziehungsweise Schleimhäute oder eine Leukoplakie gehören zu den Hautkrankheiten, die den Mund ebenfalls (mit-)betreffen und zu Zungenbrennen führen können. Nicht zu vergessen: die verschiedenen Arten von Aphthen.

Gelegentlich entpuppt sich eine krankhaft veränderte Stelle der Mundschleimhaut als Krebs oder eine Vorstufe davon.

Innere Erkrankungen als Ursachen von Zungenrennen und Schmerzen im Mund: Auch hier ist das Spektrum groß

- Infrage kommen beispielsweise hormonelle Störungen, etwa der Schilddrüse, und Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2). Bei Diabetes kann es zu Schädigungen im Bereich von Nerven kommen (diabetische Neuropathie).

- Nicht selten liegt eine Verdauungskrankheit vor, beispielsweise die Refluxkrankheit (gastroösophageale Refluxkrankheit, engl. abgekürzt GERD) oder eine Darmerkrankung.

- Mitunter lassen sich schmerzhafte oder brennende Veränderungen im Mund auf eine Autoimmunerkrankung wie Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, systemische Sklerodermie oder eine andere systemische Krankheit wie Amyloidose zurückführen.

- Gelegentlich ist eine Zungenentzündung mit Zungenbrennen Zeichen eines Vitaminmangels. Ein Beispiel dafür ist die Möller-Hunter-Glossitis bei Blutarmut infolge eines Vitamin B12-Defizits. Auch Vitamin-B6-Mangel, etwa infolge Mangelernährung und Alhokolüberkonsum, Folsäure-, Zink- oder Eisenmangel kann mit Zungenbrennen einhergehen. Eisenmangel wiederum kommt unter anderem bei einer Zöliakie (glutensensitive Enteropathie) vor.

- Eine begleitende Mundtrockenheit kann auch auf Flüssigkeitsmangel und Austrocknung hinweisen. 

Neurologische Störungen, seelische Erkrankungen, Schmerzkrankheit Fibromyalgiesyndrom

- Auf der Liste möglicher Ursachen von Zungenbrennen stehen außerdem neurologische Erkrankungen. Dazu gehören die Multiple Sklerose und andere Auslöser von Neuropathien. Neuropathien beziehen sich hier auf Schädigungen von Hirnnerven, die Mund und Zunge sensibel versorgen. Ein Beispiel dafür ist die Trigeminusneuropathie. Der Drillings- oder Trigeminusnerv ist zusammen mit dem Glossopharyngeusnerv für die sensiblen Empfindungen der Zunge zuständig, wozu auch Schmerzwahrnehmungen gehören. Brennende Schmerzen, zugleich aber auch Taubheitsgefühle im Versorgungsgebiet des Nervs im Gesicht sind mögliche Hinweise. Die gestörte Gefühlswahrnehmung kann unbehandelt unter anderem schwere Horrnhautschäden zur Folge haben.

Massive, attackenartige Schmerzen nur auf einer Seite der Zunge oder einseitig im Mund könnten ansonsten auf eine Trigeminusneuralgie hinweisen. Mehr dazu im oben schon genannten Beitrag "Gesichtsschmerzen" auf unserem Gesundheitsportal.

- Selten kommt ein sogenanntes Nacken-Zunge-Syndrom vor. Plötzliches Kopfdrehen löst hier anfallsartig Schmerzen im Bereich des Hinterkopfes und Nackens aus. Dazu kommt ein Gefühl, als ob eine Zungenhälfte eingeschlafen ist. Zugrunde liegen vermutlich Veränderungen am Kopfgelenk, die eine hier verlaufende Nervenwurzel reizen.

- Manchmal liegt eine Depression oder eine komplexe Störung wie das Fibromyalgiesyndrom vor.

Ist ein Medikament schuld?

- Häufig im Zusammenhang mit Zungenbrennen genannte Medikamente sind zum Beispiel ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker, die bei Herz- und Gefäßkrankheiten eingesetzt werden, außerdem einige Psychopharmaka (etwa aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva).

Zungenbrennen: Diagnose

Zungenbrennen begegnet unterschiedlichsten Fachärzten, an die sich Betroffene wegen des hohen Leidensdrucks und der oft frustrierend schwierigen Behandlung wenden. Dem Hausarzt oder Arzt des Vertrauens, der den Patienten, seine Lebensgeschichte und Gesundheitsprobleme gut kennt, fällt hier eine wichtige lenkende Rolle zu. Dazu gehört auch, dass er überprüft, welche Medikamente der Patient aktuell einnimmt, um eine mögliche Arzneimittelnebenwirkung als Ursache auszuschließen.

Er berät, stellt oft die Diagnose oder auch eine Verdachtsdiagnose und koordiniert das weitere Vorgehen, etwa die Überweisung an einen anderen Facharzt. Im Vorfeld können verschiedene orientierende Blutuntersuchungen sinnvoll sein, etwa ein Blutbild, Blutzuckerwerte, Nierenwerte, eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion, der Ausschluss eines Vitaminmangels.

Wenn Zungenbrennen zusammen mit Schleimhautveränderungen im Mund auftritt, ist je nach Befund – etwa bei Problemen mit dem Zahnersatz oder einer Zahnspange – ein Zahnarzt oder ein Kieferorthopäde gefragt. Bei Allergieverdacht ist ein Allergologe die richtige Adresse.

Geht es um eine Hautkrankheit, hat der Hautarzt neben der Blickdiagnose zum Beispiel die Möglichkeit, einen Abstrich unter dem Mikroskop zu untersuchen und eine Erregerkultur anlegen zu lassen. Das Ergebnis ergibt zusammen mit klinischen Befunden meist die Diagnose. Bei Bedarf wird eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen. Diese analysiert ein Pathologe dann genauer im Hinblick auf feingewebliche Veränderungen. Für Veränderungen im Mund-, Kiefer- und Gaumenbereich, die operativ behandelt werden müssen, sind Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen zuständig.

Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Ohr- beziehungsweise Mundspeicheldrüsen ist ein Hals-Nasen-Ohrenarzt gefragt. Sollte keine organische Ursache erkennbar sein, ist zu überlegen, ob ein Facharzt für Neurologie oder aber Psychotherapie (etwa ein Psychiater oder Arzt für Psychosomatik mit psychotherapeutischer Ausbildung) beziehungsweise ein psychologischer Psychotherapeut als Ansprechpartner für eine diagnostische Beratung in Betracht kommt.

Zungenbrennen: Therapie

Eine Krankheit der Haut oder Mundschleimhaut, ein Problem im Zahn- oder HNO-Bereich oder eine andere Grunderkrankung als Ursache der Beschwerden im Mund wird der jeweils zuständige Arzt so gezielt wie möglich behandeln. Dann sollte auch das Zungenbrennen wieder abklingen oder sich zumindest bessern. So kann der HNO-Arzt zum Beispiel prüfen, ob der Einsatz von künstlichem Speichel angebracht ist.

Bei Diabetes geht es um eine optimale Blutzuckereinstellung und je nach Begleitproblem um eine gezielte symptomatische Therapie. Bei Mundsoor kann das zum Beispiel eine Suspension mit pilztötenden Bestandteilen zum Auftragen auf die Mundschleimhaut sein.

Spezielle Medikamente wie bestimmte Antidepressiva oder Antiepileptika, die in unterschiedlicher Weise auf das Nervensystem einwirken können, und Substanzen wie zum Beispiel Pramipexol wird der Arzt (Neurologe, Schmerztherapeut) nur in besonderen Fällen einsetzen.

Hilfen für die Psyche

Lässt sich ein begleitendes psychisches Problem oder eine tiefergreifende seelische Störung ausmachen, kann eine psychologische Therapie, etwa ein Entspannungsverfahren oder eine kognitive Verhaltenstherapie, helfen oder stabilisierend wirken.

Das sind aber nur Beispiele, im Bereich der Psychologie wie auch Psychotherapie gibt es verschiedene Behandlungswege. Das sollte der/die Betroffene, wenn er/sie eine solche Therapie ins Auge fassen möchte, mit dem Hausarzt besprechen.

Auch die Krankenkasse und die entsprechenden ärztlichen Berufsverbände können mit Informationen weiterhelfen.

Zähne putzen

Praktische Tipps bei Zungenbrennen

Es besteht wie gesagt grundsätzlich die Möglichkeit, dass das Zungenbrennen nach gewisser Zeit wieder von selbst abklingt. Einiges können Sie unterstützend selber tun:

- Gute Mundpflege ist immer wichtig und trägt zum Wohlbefinden bei. Wählen Sie jedoch milde Mittel und lassen Sie sich dazu auch von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

Örtlich angewendete Mundschleimhauttherapeutika, beispielsweise entzündungshemmende oder die Schleimhaut betäubende Lösungen, können die Beschwerden lindern helfen. Sie sollten allerdings frei von alkoholischen Komponenten sein.

Auch Extrakte aus Heilpflanzen, die reizlindernde Schleimstoffe enthalten, sind oft hilfreich. Infrage kommen etwa Tees aus Malvenblättern, Lindenblüten oder Eibischwurzeln, oder Tinkturen oder Gele zum Auftragen, zum Beispiel mit Aloe vera.

- Prüfen Sie jedoch, ob Sie in letzter Zeit ein Pflegeprodukt verwendet haben, das Sie womöglich nicht gut vertragen. Lassen Sie es eine Zeit lang weg und notieren Sie sich Ihre Beobachtungen. Falls Sie von einem Allergologen untersucht werden, richten Sie sich natürlich nach den Vorgaben, die er Ihnen gemacht hat.
- Genügend trinken: Grundsätzlich, bei Mundtrockenheit allemal, werden ausreichende Trinkmengen empfohlen (altersabhängig für herz- und nierengesunde Menschen mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag), wobei auch Tees der genannten Art vorteilhaft sind. Manchmal hilft Lutschen von Eiswürfeln oder geeigneter Pastillen. Bei Patienten mit einer Herz- oder Nierenerkrankung wird der Arzt die empfohlene Trinkmenge individuell anpassen.
- Leben Sie auch sonst gesünder: Setzen Sie auf eine gesunde Ernährung mit frischem Obst, soweit für die Mundschleimhaut verträglich, und viel Gemüse. Stark gewürzte Speisen oder saure Lebensmittel, beispielsweise Zitrusfrüchte und Ananas, ebenso Nüsse, sollten Sie wegen der möglichen Reizwirkung lieber weglassen, natürlich auch Nahrungsmittel, gegen die Sie bekanntermaßen oder mutmaßlich allergisch sind. Im letzteren Fall empfiehlt sich eine genauere Überprüfung durch einen Allergologen. Auch Essig sowie Alkohol und Nikotin als Genussmittel besser meiden.
- Regelmäßige körperliche Bewegung kommt dem Befinden bestimmt zugute. Der Schlaf verbessert sich, und alles in allem treten auch die unangenehmen Empfindungen im Mund bei mehr Wohlbefinden eher in den Hintergrund.

Ratgeber Zungenbrennen: Fachliteratur

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2018, Köln Gerd Herold

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM) – Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), zusammen federführend, und weitere Fachgesellschaften: S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden. AWMF-Reg.-Nr. 051/001, Stand: 07/2018. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051_0111_S3_Funktionelle_Koerperbeschwerden_2018-11.pdf (Abgerufen am 10.12.2018)

HNO-Ärzte im Netz (herausgegeben vom Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte e.V.): Was ist Zungenbrennen?
Online: https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/zungenbrennen/was-ist-zungenbrennen.html (Abgerufen am 10.12.2018)

Deutsche Gesellschaft für Zahn-Mund-Kieferheilkunde (DGZMK) e.V.: DGZMK -Patienteninformation: Zungen- und Mundschleimhautbrennen. Stand: 6/2016.
Online: https://www.zahnmedizinische-patienteninformationen.de/documents/10157/903264/Zungen-und_Schleimhautbrennen/df96b7be-b002-4f20-8f59-629f971a21ca?version=7.1&previewFileIndex=0 (Abgerufen am 10.12.2018)

Klingelhöfer J, Berthele A: Klinikleitfaden Neurologie.  6. Auflage,  München Elsevier Urban & Fischer 2017

Mumenthaler M, Mattle H: Neurologie. 13. Auflage, Stuttgart New York Thieme Verlag 2012

Wichtig:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.