Rot, voll und verführerisch – so wünschen sich viele Frauen ihren Mund. Dank kosmetischer Tricks und Lippenpflege ist dies kein unerreichbares Ziel. Bemalte Lippen steigern die sexuelle Attraktivität. Ihre zarte Haut ist siebenmal so empfindlich wie die der Fingerkuppen. Die Lippen bilden eine erogene Zone. Voll zum Einsatz kommen sie beim Küssen. Das Gehirn schüttet dann Botenstoffe aus, die wie Drogen wirken. Der Speichel enthält anregende Lockstoffe, die das Verlangen steigern.

Doch nicht nur zum Küssen ist der Mund da. Wir atmen, sprechen, schmecken und essen auch mit ihm. Er ist wesentlich an der Mimik beteiligt und neben den Augen die ausdruckstärkste Gesichtpartie. Im Zusammenspiel mit Kehlkopf und Nase ermöglicht er die Lautgebung und das Sprechen.

Die Mundhöhle begrenzen nach vorne die Lippen, seitlich die Wangen, nach oben der harte und weiche Gaumen und nach unten der Mundboden. In sie eingebettet liegt die bewegliche Zunge, ein von einer Schleimhaut überzogener Muskelkörper. Die Zunge hilft beim Sprechen, testet Geschmack und Beschaffenheit von Speisen und unterstützt beim Kauen und Schlucken.

Beginn des Verdauungstrakts

Anatomisch gehört der Mund zu den Verdauungsorganen. Jeder Bissen muss die Mundhöhle passieren. Dies wird bei Entzündungen der Mundschleimhaut, Mundsoor (Pilzbefall der Mundschleimhaut), Lippenherpes oder Aphten (kleine, weiße schmerzhafte Flecken auf der Mundschleimhaut) schmerzhaft bewusst.

Die Verdauung startet mit den Zähnen. Schneide- und Eckzähne teilen die Nahrung in schluckbare Brocken, die die Backenzähne dann zermalmen und mit Speichel zu einem Brei mischen. Die Speichel-Enzyme beginnen bereits mit der Verdauung und spalten pflanzliche Stärke in kleine Stücke.

Unzählige von Mikroben

Jeder Milliliter Speichel enthält außerdem Millionen von Mikroorganismen. Auch Schleimhäute, Zahnzwischenräume und Zunge sind von unzähligen Keimen besiedelt. Die Mundflora genannte Mikrobengemeinschaft hilft bei Verdauung und Immunabwehr. Manche der Bakterien sind gefährlich. Sobald sie Zucker erhalten, greifen sie die Zähne an und können Karies verursachen. Andere lösen Zahnfleischentzündungen oder Paradontitis aus.

Mundgeruch entsteht vor allem durch Keime, die auf der Zunge sitzen. Deren große rauhe Oberfläche bietet ideale Besiedlungsmöglichkeiten. Die Mikroben zersetzen dort hängengebliebene Nahrungsreste und bilden übelriechende Schwefelverbindungen.

Mikroorganismen gelangen nicht nur über die Nahrung, sondern auch über die Atemluft in den Mund. Bevor diese in die Lunge strömt, wird sie gereinigt. Die Rachenmandeln, die Gaumenmandeln und die Zungenbälge bewachen den Eingang zur Luftröhre und halten Krankheitserreger fest. Sie enthalten spezielle Abwehrzellen, die Lymphozyten, die Antikörper produzieren, um die Eindringlinge zu bekämpfen.

Auch wir selbst können unseren Körper bei der Abwehr unterstützen. Eine gute Mundhygiene und eine sorgfältige Zahnpflege beugen Infektionen im Mundbereich und Zahnproblemen langfristig vor.

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