Wie sinnvoll sind Wasserfilter?

Sie sollen Schadstoffe und Kalk entfernen. Außerdem schmecke Tee ganz anders. Was Hersteller bewerben, beurteilen Verbraucherschützer kritisch

von Michael Aust, aktualisiert am 26.03.2018

Frisch eingeschenkt: Wasserfilter haben Vor- und Nachteile


Es gibt sie als Kanne für den Tisch, als in die Armatur integrierte Kartusche oder als Membran, die fest am Rohr installiert wird: Der Markt für Wasserfilter ist groß und die Preise reichen von 20 bis mehreren Tausend Euro. Alle Anbieter werben damit, dass ihre Produkte das Leitungswasser von unerwünschten Chemikalien säubern: Erwähnt werden in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide, Rückstände von Medikamenten oder in alten Leitungen steckende Schadstoffe wie Blei oder Asbest.

"Filtert 99,99 Prozent aller Bakterien aus dem Trinkwasser" bewirbt zum Beispiel ein Hersteller seine Tischwasserfilter. Ein anderes Unternehmen erklärt auf seiner Webseite, seine Filter spülten "geruchs- und geschmacksstörende Stoffe und Kalk" aus dem Wasser und machten damit aus Tee "ein pures Geschmackserlebnis".

Wie funktionieren Wasserfilter?

Tatsächlich können Filtersysteme verunreinigtes Wasser von Schadstoffen befreien und weicher machen. Dazu nutzen die Modelle unterschiedliche Techniken. Umkehrosmose-Filter etwa, die zwischen Rohr und Wasserhahn geschaltet werden, pressen das Leitungswasser durch eine nur in eine Richtung durchlässige Membran.

"Tischfilter sind meist Kombinationen von Aktivkohle und sogenannten Ionentauschern", erklärt Tristan Jorde, Umweltexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. Letztere binden im Trinkwasser gelöste Ionen an sich und tauschen sie im Gegenzug gegen andere Teilchen gleicher Ladung aus. "Auf diese Weise werden zum Beispiel positiv geladene Calcium- oder Magnesium-Ionen – also Kalk – entzogen und durch positiv geladene Natriumionen ersetzt."

Filter entzieht dem Wasser Mineralstoffe

Wer bei der Zubereitung von Tee oder Kaffee besonders weiches Wasser haben möchte, dem könnten Tischfilter durchaus helfen, sagt Jorde. Allerdings müsse man wissen, dass manche Tischwasserfilter nur eine sehr unbefriedigende Entkalkungsleistung aufweisen. Außerdem, dass das Wasser durch das Filtern seine mineralischen Nährstoffe verliere und zudem die Gefahr einer Verkeimung besteht, selbst wenn die Filterkartuschen regelmäßig getauscht werden oder gar unsachgemäß behandelt werden. Den Keimen sollen zugesetzte Siberionen entgegenwirken, was aber nur begrenzt hilft und das Wasser unnötig mit Silberionen belastet.

Ein Problem, das auch der Stiftung Warentest negativ auffiel, als sie im Mai 2015 neun Tischwasserfilter einer eingehenden Prüfung unterzog. Die besten Modelle bekamen ein "befriedigend", zwei schnitten sogar "mangelhaft" ab. Der Grund: Sie konnten die Wasserhärte nicht verlässlich verringern. Zudem ließ laut den Prüfern der Weichmacher-Effekt bei vielen Modellen rasch nach. Ein Filter gab sogar selbst einen Stoff ab, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein – das Gerät wurde nach dem Test vom Hersteller aus dem Verkauf genommen.

Bei vielen Wasserfiltern lagerten sich schon nach kurzer Zeit Keime ab – weshalb man Tischfilter laut Warentest immer im Kühlschrank aufbewahren sollte. Das Fazit des Tests war ernüchternd: "Frisch aus dem Hahn gezapftes Leitungswasser ist nicht nur günstiger als mit einem Tischfilter gefiltertes, sondern zum Teil auch sicherer."

Uran und Asbest im Trinkwasser?

Was die Sicherheit angeht, sehen Filter-Produzenten die Gesundheit dagegen eher vom Konsum ungefilterten Wassers bedroht. Ein Hersteller warnt auf Anfrage vor gefährlichen Stoffen wie Uran und Asbest sowie laxen Grenzwerten, mit denen Umweltbehörden die Gefahr aus dem Wasserhahn kleinrechneten.

Fragt man bei Behörden und Wasserversorgern, was dran ist an solchen Warnungen, bekommt man eine klare Antwort: "Aus gesundheitlicher Sicht muss Trinkwasser in Deutschland im Haushalt nicht nachbehandelt werden", sagt Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Deutsches Trinkwasser hat sehr gute Qualität

Das Trinkwasser, das aus deutschen Wasserhähnen fließe, sei eines der am besten geprüften Lebensmittel und bedürfe keiner weiteren Aufbereitung. Das bestätigt auch das Umweltbundesamt (UBA), das regelmäßig die Qualität des Trinkwassers in Deutschland prüft. In ihrem letzten "Trinkwasserbericht" bekam das Wasser aus dem Hahn die Note "sehr gut".

"Die im Bericht zusammengestellten Daten belegen, dass mindestens 99 Prozent der Trinkwasserproben die Anforderungen und Grenzwerte für die mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparameter eingehalten haben, für viele dieser Parameter waren es sogar 99,9 bis 100 Prozent der Proben", heißt es in dem im Februar 2015 vom UBA gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Bericht. Werden die Grenzwerte überschritten, erfolgt normalerweise eine entsprechende Aufbereitung des Wassers. Oder die Verbraucher erhalten Informationen, wie sie sich verhalten sollen.

Auch Verbraucherschützer Tristan Jorde hält Wasserfilter deshalb nur in Ausnahmefällen für nötig. Ein Einsatz könne zum Beispiel übergangsweise sinnvoll sein, wenn die Rohre im eigenen Haus bleihaltig sind – laut Experten ist das immer noch in älteren Häusern in bestimmten Regionen vor allem Nord- und Mitteldeutschlands der Fall.

Blei in alten Wasserrohren

Blei wird schon in geringer Dosis mit verschiedenen Erkrankungen und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern in Verbindung gebracht, zuletzt wurde der Grenzwert 2013 auf zehn Mikrogramm pro Liter abgesenkt. "Wer den Verdacht hat, dass Leitungen in seinem Haus Blei enthalten, sollte beim Vermieter nachfragen – oder selbst mal unter die Spüle gucken", rät Jorde. "Wenn man mit einem Geldstück an der Leitung kratzt und eine silbrige Verfärbung hervorruft, hat man Blei." Eine Wasseranalyse gibt Aufschluss darüber, ob das Wasser mit Blei belastet ist.

Überhaupt sollte man sich bei Fragen zur Zusammensetzung des Trinkwassers an seinen Versorger wenden. BDEW-Geschäftsführer Weyand empfiehlt: "Die Adresse findet sich auf der Wasserabrechnung. Wer zur Miete wohnt, kann die Adresse bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung erfragen." Eine Analyse des Trinkwassers könne kostenpflichtig sein. Werden die Grenzwerte im Haushalt laut zertifiziertem Analyselabor nachweislich überschritten, besteht Handlungsbedarf: Für die Qualität bis zur Übergabestelle (Wasserzähler) ist der Wasserversorger verantwortlich. Sollten die Wasserrohre im Haus schuld sein, muss der Hauseigentümer sanieren.