Mehr Schnelltests für Heime und Kliniken

Die Bilder von Pflegeheimen, in denen das Coronavirus viele Opfer forderte, sind noch vor Augen. Gerade alte und kranke Menschen sind gefährdet. Minister Spahn setzt auf eine neue Teststrategie

von dpa, 05.10.2020

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Zahl der Corona-Schnelltests für Pflegeheime und Krankenhäuser deutlich erhöhen. Alten- und Pflegeheime sollen ab dem 15. Oktober flächendeckend Corona-Tests durchführen, um Bewohner, Personal und Besucher besser vor dem Virus zu schützen. Ähnliche Regelungen sind für Krankenhäuser, Arzt- und Zahnarztpraxen, Praxen humanmedizinischer Heilberufe oder ambulante Pflegedienste vorgesehen. Das geht aus einem der dpa vorliegenden Entwurf für eine Testverordnung vor, die Spahn jetzt vorgelegt hat, um die Nationale Teststrategie für die kommenden Monate festzulegen. Zuerst hatte der «Spiegel» darüber berichtet.

Schnelltests für Besucher, Personal und Bewohner

Werde in solchen Einrichtungen eine Infektion festgestellt, habe jeder, der in den vorangegangenen zehn Tagen dort gewesen sei, Anspruch auf einen Test, heißt es in dem Referentenentwurf weiter. «Pflegeheime beispielsweise bekommen ein monatliches Kontingent, abhängig von der Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner: bis zu 50 Tests pro Monat stehen rechnerisch pro Bewohner zur Verfügung; eine Einrichtung mit 80 Bewohnern kann so beispielsweise 4000 Tests im Monat im Rahmen ihres eigenen Hauskonzepts nutzen, um Besucher, Personal oder Bewohner aktuell und schnell zu testen.»

Die Finanzierung von Testzentren «führt zu geschätzten Mehrausgaben für den Gesundheitsfonds in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags, abhängig von der Entwicklung des Testgeschehens». Eine Schätzung der Testanzahl insgesamt sei nicht möglich, da Faktoren wie der weitere Verlauf der Corona-Pandemie oder Impfstoff-Kapazitäten nicht abzusehen seien, heißt es in dem Entwurf weiter.

«Schnelltests kommen vor allem für Besucher, Beschäftigte, Bewohner und Patienten von Pflegeheimen und Krankenhäusern in Betracht», sagte Spahn der «Bild am Sonntag». «Damit können wir verhindern, dass sich alte und kranke Mitbürgerinnen und Mitbürger anstecken. Für sie ist die Gefahr von schwerwiegenden Folgen einer Infektion am größten.» Die Frage, wann und unter welchen Bedingungen die Schnelltests von den Krankenkassen bezahlt würden, werde zum 15. Oktober geregelt.

Funktionierende Strategie vor allem in Pflegeheimen notwendig

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnt zur Eile. Über die Hälfte der Menschen, die an Covid-19 gestorben seien, habe in Pflegeheimen gelebt. «Hier wohnt die Risikogruppe auf engstem Raum zusammen. Deshalb ist es überfällig, dass der Gesundheitsminister eine effiziente Teststrategie für die Altenpflege auf den Weg bringt», sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.

In Deutschland gibt es nach seinen Angaben vier Millionen pflegebedürftige Menschen, 900 000 leben in Heimen. «Doch Corona-Tests schützen nicht vor dem Virus. So sind weiterhin ein Hygienegrundschutz und eine funktionierende Kontaktdokumentation notwendig. Nur so ist jederzeit nachvollziehbar, wer mit wem zu tun hatte», forderte Brysch. Das gelte für Pflegebedürftige genauso wie für Pflegekräfte. Schließlich hätten sich die meisten Mitarbeiter untereinander angesteckt und nicht an Pflegebedürftigen.

Das Robert Koch-Institut hat am Sonntag 2279 neue Corona-Infektionen gemeldet, deutlich mehr als die 1411 vom Sonntag der Vorwoche. Wie aus dem am Samstag veröffentlichen Lagebericht des RKI hervorgeht, wurden innerhalb von sieben Tagen 12 954 Infektionen bekannt, im Vergleich zum Vorwochenzeitraum eine Steigerung um 1823. In der Regel sind die veröffentlichten Infektionszahlen an Sonn- und Montagen im Vergleich zu den Vortagen niedriger, was auch daran liegt, dass am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI melden.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 299 237 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 4.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9529. Seit dem Vortag wurden 2 Todesfälle mehr gemeldet.