Keine Angst vor dem Zahnarzt!

Wer sich vor dem Zahnarzt fürchtet, ist nicht alleine. Die Angst ist weit verbreitet, aber es gibt Hilfsmittel dagegen. Wie sich die Furcht vor dem Bohrer austricksen lässt

von Christian Krumm, 08.07.2019

Eine lähmende Angst vor Schmerzen und vor der betäubenden Spritze hält rund sechs bis acht Prozent aller Deutschen davon ab, Zahnprobleme behandeln zu lassen. Auch regelmäßige Kontrolltermine nehmen sie nicht wahr. Mögliche Folgen: Karies- und Parodontitis, ein schlechter Zustand der Zähne, eventuell sogar deren Verlust.

Mittlerweile weiß man zudem: Ist das Gebiss nicht gesund, kann sich das auf den gesamten Organismus auswirken. Das Ausschwemmen der Bakterien greift die Blutgefäße an, das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall kann steigen. "Auch der Zusammenhang zwischen einer Zahnbettentzündung und Diabetes gilt heute als wissenschaftlich gesichert", sagt Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Experten erwägen außerdem einen Einfluss auf rheumatische Erkrankungen oder Demenzen.

Vollnarkosen sind ein zweischneidiges Schwert

Den ersten Schritt zu einer Behandlung wagen viele Betroffene erst, wenn die Zahnschmerzen unerträglich geworden sind. Meist wünschen sie sich dann eine Vollnarkose.

"Hoch ängstlichen Patienten genügt häufig schon das Versprechen, keine Schmerzen haben zu müssen. Und dieses Versprechen kann man geben", sagt Professor Peter Jöhren, Leiter der Zahnklinik an der Augusta-Kranken-Anstalt in Bochum.

Eine Vollnarkose dürfe aber nicht immer die Lösung sein. "Wenn der Patient schläft, müssen wir oft Zähne ziehen, die wir ansonsten durch eine Wurzelbehandlung erhalten könnten", so Jöhren. Man kann mit dem Betroffenen in dem Augenblick kein beratendes Gespräch dazu führen. Zudem gehe es nicht nur um ­eine einmalige Zahnsanierung – sondern im Idealfall um lebenslange Versorgung.

Rasche Erfolge mit kognitiver Verhaltenstherapie

Damit das trotz der Ängste gelingt, raten Experten zuvor zu einer kognitiven Verhaltenstherapie. Oft genügen schon drei Sitzungen, und die Erfolgsrate scheint beachtlich: Rund 70 Prozent der Patienten beginnen anschließend eine Behandlung beim Zahnarzt – und führen sie bis zum Ende durch.

Unterstützung mit Hypnose?

Eine Hypnosebehandlung sieht Experte Jöhren teils kritisch: "Es ist keine Verhaltenstherapie. Sie kann bei ängstlichen Patienten unterstützend wirken, aber echte Phobiker mit Hypnose zu behandeln ist wenig sinnvoll." Zudem sei dies ebenso wie Behandlungen mit Vollnarkose oder Lachgas meist keine Kassenleistung.