Stirnhöhlenentzündung: Nur leicht schnäuzen

Oft entwickelt sich eine Stirnhöhlenentzündung aus einem Schnupfen. So verschaffen Sie sich Linderung

von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 02.12.2020

Stirnhöhlenentzündung - was ist das?

Bei einer Entzündung der Stirnhöhle (Sinusitis frontalis) entzünden sich die Schleimhäute, welche die Stirnhöhle auskleiden. Häufig fängt es mit einem Schnupfen an, im Verlauf kann es zu stechenden und pulsierenden Schmerzen hinter der Stirn kommen, welche sich beim Bücken, Husten oder Niesen deutlich verstärken. Diese durch Erreger bedingte Stirnhöhlenentzündung tritt meist akut (plötzlicher und schneller Beginn) auf. Von einer chronischen Sinusitis (frontalis) ist die Rede, wenn es zu immer wieder kehrenden Beschwerden in der Stirnhöhle kommt.

Die Nasennebenhölen bestehen aus: Stirnhöhlen, Kieferhöhlen, Siebbeinhöhlen und Keilbeinhöhlen (siehe auch Nebenhöhlenentzündung).

Ursachen: Wie kommt es zu einer Stirnhöhlenentzündung?

Häufigster Grund für eine Stirnhöhlenentzündung ist ein Virusinfekt der Nasenschleimhaut. Durch die Erkältung produziert die Nasenschleimhaut vermehrt Sekret, um die Erreger wieder auszuspülen. Die Nasenschleimhaut schwillt an. Sowohl die Schwellung der Nasenschleimhaut als auch die vermehrte Sekretbildung führen zu einem Verschluss der Verbindungsgänge zwischen Nasen- und Nasennebenhöhlen (siehe Grafik). Dies führt zu einem Rückstau des Sekrets in die Nasennebenhöhlen. "Dieser Sekretstau bildet einen Nährboden für Erreger, welche über den Nasenraum aufsteigen können", erklärt der Präsident des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Dr. Dirk Heinrich.

Bei manchen Menschen begünstigen zudem anatomisch bedingte Engstellen in der Nasenhöhle eine Entzündung – etwa verkrümmte Nasenscheidewände, vergrößerte Nasenmuscheln oder neu gebildete Nasenpolypen. "Diese verlegen die Eingänge zu den Nebenhöhlen und verursachen zunächst akute Infekte, die schnell chronisch werden können", sagt der Hamburger HNO-Arzt Heinrich. Aus einem Heuschnupfen kann sich eine allergisch bedingte Nebenhöhlenentzündung entwickeln.

Therapie: Wie lässt sich eine Stirnhöhlenentzündung behandeln?

Zunächst ist entscheidend, was zur Entstehung einer Sirnhöhlenentzündung beigetragen hat. Treten Schmerzen und Druckgefühl erstmals auf, rät Heinrich, zum HNO-Arzt zu gehen.

  • Beengte Verhältnisse

"Dieser kann bei einer Nasenspiegelung feststellen, ob Eng­­stellen vorliegen, die Entzündungen begünstigen." Auch durch eine Ultraschall­untersuchung seien die Stirnhöhlen gut zu beurteilen. Bei anatomischen Veränderungen können weiterführende Untersuchungen wie Computer- oder Kern­spintomografie notwendig werden. 

Die Behandlung orientiert sich an der jeweiligen Ursache: "Bei Nasenpolypen helfen kortisonhaltige Sprays", sagt Experte Heinrich. Manchmal müssen sie aber auch operativ entfernt werden. Bei einer allergischen Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) ­behandeln Ärzte zunächst die Allergie.

  • Infektionen behandeln

Belüften

Die wichtigste Maßnahme bei akuter Sinusitis besteht für HNO-Arzt Heinrich in ­einer ausreichenden Belüftung der Stirnhöhlen: Abschwellende Nasentropfen erleichtern die Atmung und verhindern einen Sekretstau in den Nebenhöhlen. Wegen der Gewöhnungsgefahr sollten sie aber höchstens eine Woche lang verwendet werden. Sonst schwillt die Schleimhaut umso stärker an, sobald die Wirkung nachlässt. Außerdem trocknen die Präparate bei längerer Anwendung die Nasenschleimhaut aus.

Befeuchten

Um die Nasenschleimhaut feucht zu halten, empfiehlt Experte Heinrich, viel zu trinken – am besten Wasser, Kräutertee oder Saftschorle. Auch Inhala­­tionen mit Wasserdampf befeuchten die Schleimhäute. Als Zusätze eignen sich Salzlösungen und antimikrobielle ätherische Öle aus Eukalyptus oder Thymian. Ob sie einen zusätzlichen Effekt haben, konnte aber in Studien bislang nicht eindeutig gezeigt werden. Mit feuchten Tüchern über der Heizung lässt sich die Luftfeuchtigkeit im Raum erhöhen.

Spülen

Nasenspülungen und -duschen mit physiologischer Kochsalzlösung zeigten in Stu­dien positive Effekte: Sie lassen die Schleimhaut abschwellen, fördern den Abfluss des Sekrets und spülen Krankheitserreger weg. Allerdings empfinden manche Anwender die Prozedur als unangenehm.

Lösen

Pflanzliche Schleimlöser verflüssigen das Nasensekret, sodass es besser abfließen kann. Zudem töten sie Keime, hemmen Entzündungen und verkürzen so den Krankheitsverlauf. "Antibiotika sind dagegen nur selten erforderlich, weil die Infekte zunächst meistens durch Viren bedingt sind", betont HNO-Arzt Heinrich. "Bevor der Arzt ein Antibiotikum verordnet, sollte er durch einen Abstrich oder andere Tests sicherstellen, dass tatsächlich Bakterien im Spiel sind."

Richtig Nase putzen

Es entspricht nicht ganz unserer Vorstellung von guter Kinderstube – doch für Heinrich ist die Sache klar: "Naseputzen begünstigt Nebenhöhlen- und Mittel­ohrentzündungen." Statt kräftig ins Taschentuch zu schnäuzen, empfiehlt er: "Hochziehen oder das heraustropfende Sekret vorsichtig abtupfen." Klingt eklig – aber Heinrichs Erklärung leuchtet durchaus ein: "Beim Schnäuzen verengt sich die Nasenöffnung, wodurch Druck aufgebaut wird. Deshalb wird das Sekret nicht nur ins Taschentuch, sondern auch nach oben in die Nebenhöhlen gedrückt." Beim Hochziehen entstehe dagegen ein Unterdruck, sodass das Sekret eher aus den Nebenhöhlen gezogen wird und über den Rachen in den Magen läuft. "Und dort werden sämtliche Keime durch die Magensäure vernichtet."