Fieber - Was das Symptom bedeutet

38,3 Grad Celsius oder mehr auf dem Fieberthermometer zeigt Fieber an. Meist, aber nicht immer, sind Infektionen schuld. Überblick über Ursachen, Diagnose, Therapie

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2017

Fieber – kurz zusammengefasst

  • Definition: Als Fieber gilt eine Körpertemperatur ab 38,2°C (oder 38,3°C) rektal (im Po) gemessen. Bleibt Fieber länger als drei Wochen bestehen, die Ursache jedoch unerkannt, handelt es sich um Fieber unklarer Herkunft.

  • Wann zum Arzt? Hier ein paar "Faustregeln": Für Säuglinge bis drei Monate gilt: Bei einer Körpertemperatur ab 38°C sicherheitshalber den Kinderarzt hinzuziehen. Kleinkinder unter zwei Jahren sollten zum Arzt, wenn sie länger als einen Tag Fieber haben. Ältere Kinder sollte ein Arzt bei Fieber ab 39°C oder bei Fieber, das länger als drei Tage anhält oder immer wieder auftritt, untersuchen. Erwachsene sollten bei Fieber, das länger als zwei, drei Tage besteht oder wiederholt auftritt, zum Arzt gehen. Wichtig: Wie dringlich der Arztbesuch ist, hängt immer auch vom Einzelfall, von den Symptomen und wie man sich insgesamt fühlt, ab.  

  • Was tun? Bei Temperaturen zwischen 39°C und 40°C (Erwachsene) kann man versuchen, das Fieber mit handwarmen Wadenwickeln oder mit Paracetamol langsam zu senken. Kinder: siehe Text unten.

  • Ärzte setzen häufig Arzneien wie Paracetamol oder einen Entzündungshemmer (nicht steroidales Antirheumatikum) in altersgerechter Dosierung ein. Weitere Untersuchungs- und Therapiemaßnahmen richten sich nach der (mutmaßlichen) Ursache. Eine Infektion mit Bakterien zum Beispiel wird möglichst erregerbezogen behandelt.

Erst noch die leise Hoffnung, nach der heißen Dusche würden die eisigen Glieder wieder wohlig warm sein. Aber dann der Schüttelfrost. Und das Thermometer schon bei 39°C, so etwa ein Grad über der Fieberschwelle: Da heißt es ab ins Bett, sich in die Federn kuscheln und den Arzt zu Rat ziehen, wenn das Fieber nach einem Tag nicht sinkt.

Fieber: Grundsätzlich sinnvoll

Fieber hat zahlreiche Ursachen. Als typisches Symptom einer Infektion signalisiert es oft, dass das Immunsystem sich gerade verstärkt mit einem Krankheitserreger oder Entzündungsfaktor beschäftigt. Dabei bildet der Körper eine Menge Abwehrstoffe. Einige davon, sogenannte Pyrogene, erzeugen Fieber. Wichtige Abwehrreaktionen verlaufen bei höheren Temperaturen beschleunigt ab. Insofern ist Fieber im Bedarfsfall eine sinnvolle Reaktion des Körpers.

Dennoch kennen Ärzte Situationen, in denen es besser ist, Fieber zu senken, etwa wenn hohe Temperaturen dem Betroffenen sehr zusetzen, wenn ein Kind nicht mehr genügend Flüssigkeit trinkt oder zu Fieberkrämpfen neigt (mehr dazu siehe unten, Abschnitt "Wann zum Arzt").

Welche Körpertemperatur ist überhaupt normal?

Eine normale Körpertemperatur – um die 37°C  – ist das Ergebnis eines komplizierten Regelwerks: Der Körper hält die Wärmeproduktion und -abgabe im Gleichgewicht. Ist diese Balance gestört, bedeutet das Unterkühlung (unter 35°C) oder Überwärmung. Dazu muss man wissen: Das Wärmeregulationszentrum im Gehirn kontrolliert die Körpertemperatur rund um die Uhr. Es funktioniert ähnlich wie ein Thermostat. Drehen bestimmte Faktoren den Sollwert des Thermostaten hoch, passt der Körper die Temperatur an.

Die Angaben darüber, welche Körpertemperatur normal ist, sind uneinheitlich. Das liegt unter anderem daran, dass es im Tagesverlauf und auch individuell deutliche Schwankungen gibt. Im Mittel (gesund, Alter 18 bis 40 Jahre) liegt die Temperatur bei etwa 36,8°C + / - 0,4°C. In der zweiten Nachthälfte und morgens ist sie am niedrigsten, zum Abend hin am höchsten. Körperliches Arbeiten heizt auf, aber zum Beispiel auch ein üppiges Essen oder Stress. So oder so kommen wir kräftig ins Schwitzen, das Schweißbad kühlt uns aber wieder runter.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter steigt die Körpertemperatur nach dem Eisprung in der Zyklusmitte um etwa 0,5°C an und bleibt bis zur nächsten Monatsblutung auf dem erhöhten Niveau. Aufzeichnen dieser Basaltemperaturkurve nutzen einige Frauen zur Familienplanung. Als Empfängnisverhütung ist es eine zwar natürliche, aber unsichere Methode.

Wann besteht Fieber?

Als Fieber gilt eine Körpertemperatur von 38,2°C (38,3°C) oder mehr. Erhöhte Temperaturen ab 37,5°C bis zur Fiebergrenze nennen Ärzte subfebril, wobei hier unterschiedliche Limits existieren. Leicht erhöhte Temperatur kommt häufiger bei einer Erkältung vor, während das Thermometer bei Grippe meist höher klettert. Ab 39°C ist ein Fieber hoch. Steigt das Fieberthermometer gar auf über 41°C (genauer: 41,2°C), spricht man von Hyperthermie. Da der Körper dem Fieber nach oben meist eine Grenze setzt, ist die Überhitzung selten (siehe unten: maligne Hyperthermie).

Das innere Glühen: Wie entsteht Fieber?

Krankheitserreger und Entzündungsstoffe im Körper können bewirken, dass unser innerer Themostat im Gehirn den Sollwert der Körpertemperatur anhebt. Um dies umzusetzen, hat der Körper mehrere Möglichkeiten: Er drosselt die Wärmeabgabe über die Haut. Daher ist sie anfangs trocken, blass und kalt. Zugleich vermittelt er uns das Gefühl, zu frieren, und lässt die Muskeln zittern. Der Schüttelfrost erhöht die Wärmeproduktion. Wir helfen gerne mit und packen uns gleich schichtweise in wärmespendende Textilien ein. Selbst die Leber wird aktiv, indem sie den Stoffwechsel ankurbelt, sodass mehr innere Wärme erzeugt wird. Allmählich glüht die Haut, die Wangen sind rot, Puls und Atmung ziehen an.

Wenn Entfiebern angesagt ist, gibt die Haut wieder vermehrt Wärme ab, sie ist gerötet, feucht oder schweißgebadet. Dazu kommt großer Durst, besonders wenn man vorher zu wenig getrunken hat. Auch wenn das Fieber wieder vorbei ist, fühlen sich manche noch eine Weile schlapp oder haben wenig Appetit.

Wann ist Fieber gefährlich?

Eine der Gefahren bei hohem oder anhaltendem Fieber ist Austrocknung durch Flüssigkeitsmangel, was wiederum vor allem die ganz Kleinen und ältere Menschen gefährden kann. Herz- und Kreislaufprobleme sowie das Risiko einer Thrombose (Bildung eines Blutgerinnsels, das zum Beispiel eine Beinvene verstopft) können zunehmen. Auch drohen Schwindel und andere Störungen des zentralen Nervensystems, körperliche Schwäche, Kollaps- und Sturzgefahr.

Lebensgefährlich sind unter anderem auch Infektionskrankheiten, die unter dem Begriff hämorrhagisches Fieber, das heißt Fieber mit Blutungen, laufen. Verantwortlich sind verschiedene Virusarten, darunter die gefürchteten Ebola- und Marburg-Viren (virales hämorrhagisches Fieber). Aber auch bei einigen bakteriellen Infektionen, etwa mit Rickettsien, sind schwere Verläufe unter anderem mit Blutungen möglich.

Gefährlich werden kann es natürlich auch bei Überhitzung des Körpers (Hyperthermie).

Nicht wirklich Fieber: Hyperthermie und Hitzschlag

Bei einer Hyperthermie ist der Sollwert des Temperaturzentrums nicht verschoben. Vielmehr steigt die Temperatur infolge einer äußeren oder inneren Überhitzung unkontrolliert über 41,2 °C an. Der Körper kann nicht gegensteuern. Ausbleibendes Schwitzen führt zu einem unter Umständen lebensbedrohlichen Wärmestau. Zum Beispiel kann große körperliche Anstrengung in Kombination mit starker Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit (auch in Innenräumen) die Temperaturregelung außer Gefecht setzen, etwa beim Sport. Dann kommt es zum Hitzschlag, der bekanntesten Form der Hyperthermie.

Weitere Hyperthermie-Ursachen: eine "innere Fehlsteuerung" durch Arzneimittel, speziell sogenannte Neuroleptika (neuroleptisches malignes Syndrom). Mitunter kommen auch Drogen, Hormone, Verletzungen und Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Entzündungen, Tumoren) als Auslöser infrage. Ganz selten kommt eine schwere (maligne) Hyperthermie unter Narkose aufgrund eines erblichen Stoffwechseldefektes der Muskeln kommt nur sehr selten vor.

Anzeichen für einen Hitzschlag sind oft Krämpfe und Bewusstseinstrübungen. Es kommt aber auch vor, dass der Betroffene nur völlig ermattet ist.

Soforthilfe: Eine Hyperthermie spricht in der Regel nicht auf fiebersenkende Mittel an. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Zustand des Betroffenen. Erstmaßnahmen, zum Beispiel bei Hitzschlag: langsames Kühlen und Flüssigkeitszufuhr, das heißt, den Betroffenen umgehend in eine kühlere Umgebung bringen. Ist er ansprechbar, sollte er mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden und kalte, aber keine eiskalte Flüssigkeit trinken. Feuchte Tücher leiten über Verdunstungskälte Wärme ab. Rufen Sie auf jeden Fall einen Arzt.

Atmet der Betroffene, ist aber bewusstlos, sollten Sie ihn nach derzeitiger Empfehlung in die stabile Seitenlage bringen. Atmet er nicht, sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen, insbesondere Herzmassage (Lagerung auf dem Rücken; siehe Bild). Ein zweiter Helfer alarmiert indessen den Notarzt.

Fieber: Wann zum Arzt?

Die Temperaturregelung ist kompliziert, bei Babys muss sie sich erst noch einspielen. Sie reagieren einerseits stärker auf hohe Temperaturen in der Umgebung. Andererseits entwickeln sehr kleine Babys – Früh- und Neugeborene – bei einem Infekt oft noch gar kein Fieber. Klein- und Schulkinder fiebern dagegen rasch.

Für die Kleinsten gilt: Bei einer Körpertemperatur ab 38°C sicherheitshalber kurzfristig den Kinderarzt rufen. Aber auch wenn ein Säugling zum Beispiel "nur" auffallend müde oder schläfrig, schlapp und teilnahmslos ist und schlecht trinkt, muss der Arzt nachschauen, was los ist. Unverzüglich gilt das, wenn ein Baby oder (Klein-)Kind stark erbricht, Durchfall, Anzeichen von Atemnot, deutliches Bauchweh, Kopfschmerzen oder erstmals einen Fieberkrampf hat. Ältere Kinder sollten bei Fieber ab 39°C von einem Arzt untersucht werden oder wenn ein Fieber länger als zwei, drei Tage anhält. Ist der Arzt nicht erreichbar, rufen Sie bei hohem Fieber den Notarzt oder bringen Sie das Kind sofort in die nächste Kinderklinik.

Auch Erwachsene sollten bei hohem oder sehr hohem Fieber, das länger als einen Tag anhält, oder bei Fieber mit dringendem Infektionsverdacht oder aber unklarer Ursache zum Arzt gehen. Begleitende Krankheitszeichen, ihre Art und Stärke und wie man sich insgesamt fühlt, sind ebenfalls ausschlaggebend dafür, ob und wie dringlich der Arzt gefragt ist. Eilig ist das zum Beispiel bei einem Hautausschlag, notfallmäßig dringlich bei neurologischen Störungen wie Benommenheit, Bewusstseinstrübung oder Bewusslosigkeit mit (und ohne!) Fieber oder Krämpfen (siehe auch weiter oben: Erste Hilfe). Tritt Fieber nach einem Auslandsaufenthalt auf, dann sollten Sie ebenfalls sofort zum Arzt gehen.

Fieberkrampf bei Kindern: Was tun?

Bei manchen Kindern kann Fieber das Auftreten eines Krampfes begünstigen – für die Eltern ein erschreckendes Erlebnis. In den meisten Fällen sind Fieberkrämpfe aber harmlos. Sie bedeuten auch keinesfalls, dass die Kinder ein Krampfleiden (Epilepsie) entwickeln. Klären Sie mit dem Kinderarzt, ob Sie bei Ihrem Kind beim nächsten Mal das Fieber frühzeitig senken sollten. Bei Neigung zu Fieberkrämpfen (mehr dazu im Kapitel "Fieber bei Kindern") raten Ärzte häufig ab 38°C bis 38,5°C dazu.

In anderen Fällen, vor allem, wenn es dem Kind einigermaßen gut geht, kann man bei nicht zu hohem Fieber auch erst einmal abwarten und es mit handwarmen Wadenwickeln und einem ebenfalls lauwarmen Lappen auf der Stirn (das heißt natürlich auch: vorübergehend gilt Bettruhe!) probieren. Sie werden meist als wohltuend empfunden.

Hauptursachen von Fieber

Infektionskrankheiten

  • Bei Kindern: Zum Beispiel Infektionen wie eitrige Mandelentzündung durch Bakterien namens Streptokokken oder Mittelohrentzündung durch Pneumokokken (Streptokokkus pneumoniae), natürlich auch die typischen sogenannten Kinderkrankheiten wie auch Infektionen mit Hämophilus influenzae B (gegen Letztere wie auch weitere wichtige Kinderkrankheiten gibt es einen Impfschutz), seltener eine Tuberkulose.

    Bei Erwachsenen: Beispielsweise häufige Infektionen wie komplizierter Harnwegsinfekt mit Übergang in eine Nierenbeckenentzündung. Lungenentzündung, etwa durch Grippeviren, Pneumokokken, seltenere wie das Q-Fieber, Tuberkulose, Legionellose. Sodann das sehr seltene, ernste Lemierre-Syndrom (Abszessbildung im Bereich der Mandeln, von dort Streuung der Bakterien über die Drosselvene in den Körper). Ebenfalls unter anderem mit Lymphknotenschwellungen: eine eher seltene Epstein-Barr-Virusinfektion (auch infektiöse Mononukleose oder Pfeiffersches Drüsenfieber genannt), Zytomegalievirusinfektion (CMV), Toxoplasmose. Meist durch Zeckenbisse übertragen: Borreliose, Rikettsiose. Sodann: Katzenkratzkrankheit und Tularämie. In Erreger-Endemiegebieten in Europa, den Subtropen oder Tropen erworbene spezielle Infektionen, darunter beispielsweise in Asien Tollwut. Sexuell übertragen: Gonorrhö (Tripper). Sexuell oder unter anderem über Spritzen übertragen: infektiöse Hepatitis B, Hepatitis C, HIV-Infektion.
  • Fieber bei gestörter Immunabwehr
  • Fieber durch einen Krankenhauskeim, nach Bluttransfusionen oder durch Infektionen nach Eingriffen (zum Beispiel Abszess, nekrotisierende Fasziitis)

Fieber (zunächst häufig) unklarer Ursache

  • Erbliche Fiebererkrankungen (autoinflammatorische Erkrankungen)
  • Autoimmunerkrankungen (Kollagenosen), Rheuma
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitis-Erkrankungen)
  • Arzneimittel ("drug fever")
  • Tumoren (Krebserkrankungen verschiedener Organe, des Lymphsystems, Blutes)
  • Hormone & Co.
  • Psychisches ("habituelles") Fieber

Diagnose bei Fieber

Die ausführliche Krankengeschichte, eine gründliche körperliche Untersuchung, Beobachten des Fieberverlaufes, dazu bildgebende Untersuchungen der inneren Organe, des Hals-Nasen-Ohrenbereiches, Bewegungs- und Nervensystems, Analysen des Blutes: So lassen sich häufig die möglichen Ursachen einengen, bis schließlich die Diagnose steht. Gelingt es, den mutmaßlichen Erreger zum Beispiel unter dem Mikroskop zu erkennen, aus dem Blut anzuzüchten (Blutkulturen, siehe Kapitel "Diagnose") oder sein Erbmaterial zu identifizieren, so ist das neben Antikörpertests und einem sogenannten Hauttest auf Tuberkulose (Tuberkulintest) oft der Durchbruch bei schwierigen Fällen. Doch leider findet sich die Ursache trotz aller Bemühungen nicht immer. Bleibt sie unerkannt, das Fieber aber länger als drei Wochen mit Werten von mindestens 38,2°C (38,3°C) bestehen, handelt es sich um Fieber unklarer Herkunft.

Fieber: Therapie

Sie richtet sich nach der Ursache, falls bekannt. Um hohes Fieber zu senken, setzt der Arzt häufig Substanzen wie Paracetamol oder einen Entzündungshemmer (ein nicht steroidales Antirheumatikum) ein. Als zusätzliches Hausmittel sehr beliebt, sofern der Patient nicht gerade friert und bibbert: leicht kühlende, lauwarme Wadenwickel (siehe auch oben, Abschnitt: "Wann zum Arzt?"). Eine Infektion wird der Arzt, wenn möglich, gezielt, das heißt erregerbezogen, behandeln. Dies insbesondere dann, wenn es an weißen Blutkörperchen, den maßgeblichen Abwehrkämpfern gegen Krankheitserreger, mangelt. Zum Einsatz kommen Antibiotika, Mittel gegen Viren, Parasiten. In ausgeprägten Fällen muss die Antibiotika-Therapie sofort beginnen (kalkulierte Therapie, neuerdings erleichtert ein bestimmter Labortest die Entscheidung) und wird bei Bedarf an den ausgetesteten Erreger angepasst.

Mehr zu den meisten hier gelisteten, teilweise auch zu weiteren Ursachen, sowie zu den Diagnose- und Therapiemöglichkeiten jeweils in den einzelnen Kapiteln dieses Beitrags.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Leichtes Fieber, Halsweh, Schnupfen – da wird jeder zunächst mal auf einen sogenannten grippalen Infekt tippen und sich entsprechend wappnen. Meistens gibt die Natur ihm recht, und das Ganze vergeht bald wieder. Andernfalls ist der Arzt gefragt.

Das heißt: Immer wenn es Hinweise gibt, dass mehr als ein unkomplizierter Atemwegs- oder Harnwegsinfekt (Hauptbeschwerden hier: Brennen beim Wasserlassen) zur Debatte steht, wird der Arzt eine gezielte Diagnostik einleiten. Zunächst wird er sich ein genaues Bild von der Krankengeschichte des Patienten machen und davon, welche Art des Fiebers vorliegt. Dazu wird erst einmal sorgfältig Fieber gemessen.

Fiebermessen: Kinderleicht

Mit den heute verwendeten elektronischen Geräten geht es einfach und schnell. Halten Sie sich stets an die Gebrauchsanleitung Ihres Thermometers, dann sind Sie beim Fiebermessen auf der sicheren Seite.

Bewährt, aber unbeliebt: die klassische Temperaturkontrolle rektal. In Körperhöhlen wie dem After ist das Thermometer der "Kerntemperatur" am nächsten. Daher ist zum Beispiel bei rektaler Messung die Gefahr gering, Fieber zu unterschätzen – es ist einfach in jedem Lebensalter die genaueste Methode und kann manchmal als Zweitkontrolle sinnvoll sein. Im Vergleich zu den anderen Methoden liegen die Messwerte um etwa 0,5°C höher. Bei Mangel an weißen Blutkörperchen wird geraten, auf eine andere Messmethode auszuweichen. Der Arzt wird Sie dazu genauer beraten.

Auch die Infrarotthermometer fürs Ohr (aurikulär beziehungsweise tympanal) eignen sich für Jung und Alt, sind aber nur zur Anwendung am Ohr bestimmt. Seitenunterschiede beim Messen können durchaus vorkommen, Ohrenschmalz kann das Ergebnis beeinflussen. Bei einer Ohrerkrankung zum Beispiel am besten die gesunde Seite nehmen. Wichtig: Den Gehörgang durch sanftes Ziehen am Ohr etwas begradigen und die Sondenspitze vollständig einführen. Gemessen wird hier die Temperatur des Trommelfells, daher die Bezeichnung tympanal.

Oral unter der Zuge (sublingual) messen – bei Kindern funktioniert das erst im Alter ab vier bis fünf Jahren. Unmittelbar vorher keine heißen oder kalten Flüssigkeiten und Speisen zu sich nehmen. Bei Schnupfen, Asthma und Atemwegsinfekten ist die Methode nicht empfehlenswert, da man unter Umständen nicht genügend Luft über die Nase bekommt (der Mund muss während des Messens geschlossen bleiben).

Mess-Streifen für Stirn oder Schläfe, Messungen unter der Achsel (axillar) oder in der Leiste, und Schnullerthermometer in Babys Mund geben zwar eine Orientierung, liefern aber wohl eher ungenaue Ergebnisse. Berührungsfreie Infrarotthermometer bewähren sich unter anderem bei Kontrollen im öffentlichen Bereich, etwa auf Flughäfen.

Fragen zur Krankengeschichte

Bei vielen Krankheiten gibt es Fragen ohne Ende. Der Arzt wird das Gespräch und mit dem Patienten zunächst auf die mutmaßlich auslösende Situation fokussieren. Sollte die Ursache für das Fieber im Laufe der ersten Untersuchungen unklar bleiben, wird er die Suche ausweiten und die Diagnostik entsprechend fortführen.

Aufschlussreich könnten zum Beispiel folgende Fragen an einen Patienten mit Fieber sein:

  • Gibt es richtungweisende Begleitbeschwerden?
  • Hat der Betroffene Kontakt zu anderen Fieberkranken (gehabt)?
  • Hat er beruflich oder privat Kontakt zu Tieren, etwa Vögeln, Kühen, Schafen, Ziegen? Ist er mit Tierprodukten, zum Beispiel Tierfellen, in Berührung gekommen?
  • Sind sonstige Faktoren am Arbeitsplatz zu berücksichtigen, etwa Arbeiten in Gewässern?
  • Betreibt der Betroffene Wassersport?
  • Ist der Betroffene innerhalb der letzten drei bis vier Wochen in einem Krankenhaus behandelt worden?
  • Nimmt er ein neu verordnetes Medikament ein?
  • Hat er rohe Milch, Rohmilchprodukte oder andere Speisen verzehrt, die eine Lebensmittelinfektion oder Pilzvergiftung nahelegen könnten?
  • Gibt es Anhaltspunkte für eine Abwehrschwäche?

  • Hat der Betroffene Diabetes (Zuckerkrankheit)?
  • Könnte eine sexuell übertragene Infektion vorliegen?
  • Bestehen Hinweise auf Drogenmissbrauch?
  • War der Betroffene kürzlich oder vor einiger Zeit im Ausland, vor allem in den Tropen oder Subtropen?

Fiebertypen

Auch die Art, der Rhythmus und die Dauer des Fiebers, der Fiebertyp, kann aufschlussreich sein. Ärzte teilen Fieber zunächst einmal in eine subfebrile und febrile Kategorie ein, sodann in Unterformen. Hier nur ein paar Beispiele, da das Ganze recht kompliziert ist und teilweise unterschiedliche Angaben existieren.

Subfebrile Temperaturerhöhung

Je nach Literaturquelle liegen subfebril erhöhte Werte bei unter 38,0°C beziehungsweise reichen je nach Alter bis knapp unter 38,5°C (rektal). Mäßige Temperaturerhöhungen sind zum Beispiel recht typisch für bakterielle Infektionen wie eine Nierenbeckenentzündung, eine Herzinnenhautentzündung (sogenannte subakute Endokarditis lenta; subakut bedeutet mäßig stark ausgeprägt, zwischen akut und chronisch) oder eine Tuberkulose. Manchmal steckt auch ein Arzneimittel, eine hormonelle Störung, etwa eine Funktionsstörung der Schilddrüse, oder eine rheumatische Erkrankung dahinter. Seltener stellt sich eine Tumorerkrankung, zum Beispiel der Lymphknoten oder des Magen-Darm-Traktes, heraus.

Febrile Temperaturen

Febrile Temperaturen erreichen je nach Literaturangabe Werte über 38,2°C (38,3°C) beziehungsweise 38,5°C (rektal). Hier können Aspekte wie Verlauf und Rhythmus  der Fieberkurve weiteren Aufschluss geben.

Kontinuierliches Fieber: Es weist höchstens Schwankungen von bis zu 1°C tagsüber auf und besteht tagelang oder länger. Typisch ist das zum Beispiel für akute Infektionen durch Viren oder Bakterien, etwa Lungenentzündungen. Wobei die Behandlung mit Antibiotika im Erfolgsfall das Fieber verkürzt.

Schwankende Fieberkurven, zum Beispiel intermittierend: Das heißt, es bestehen starke Schwankungen (über 2°C) tagsüber. Abends steigt die Temperatur deutlich an. Morgens kann sie normal sein. Manche Betroffenen neigen auch zu Schüttelfrost (sogenannter septischer Verlauf). Das kann zum Beispiel bei einer Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) vorkommen, außerdem bei Infektionskrankheiten wie Brucellose (siehe unten: periodisches Fieber) oder Malaria vor, sodann bei Salmonellenerkrankungen und bestimmten Formen der Herzinnenhautentzündung (Endokarditis).

Doppelgipfliges Fieber: Nach dem ersten Temperaturabfall steigt das Fieber erneut (diphasisch). Typisch ist das zum Beispiel für Viruserkrankungen wie Grippe oder Masern. Ein solcher Verlauf kann außerdem auf einen "Rückfall" oder eine Organbeteiligung im Rahmen einer Infektion hinweisen. Dann kann das Fieber auch noch höher sein als zuvor. Auch bei der eher seltenen Leptospirose (siehe unten), die zunächst mit hohem Fieber und Schüttelfrost beginnt, kann ein zweiter Fiebergipfel vorkommen.

Wechselfieber: Fieber mit einer regelmäßigen oder unregelmäßigen Folge fieberfreier Tage dazwischen: Das ist zum Beispiel charakteristisch für verschiedene Malaria-Formen.

Periodisches Fieber: Das Fieber wiederholt sich in gewissen zeitlichen Abständen, dabei steigt es langsam an und fällt dann wieder ab. Dazwischen sind die Temperaturen normal (sogenannter Pel-Ebstein-Typ). Einen solchen Verlauf gibt es zum Beispiel bei der Hodgkin-Krankheit, eine Form von Lymphknotenkrebs. Auch Infektionskrankheiten wie die Brucellose weisen manchmal diesen Fiebertyp auf, wobei das Fieber dabei innerhalb eines Tages auch stark schwanken kann (siehe oben: intermittierender Fiebertyp), außerdem einige seltene, erbliche Fiebererkrankungen. Mehr zu den Fiebertypen im Kapitel "Fieber–Überblick")

Kleiner Fieber-Check: Dauer des Fiebers und Begleitsymptome

Manchmal gibt die Dauer eines Fiebers bereits Anhaltspunkte für mögliche Ursachen. Wichtig sind aber auch weitere Krankheitszeichen, obwohl sie nicht immer zur Diagnose verhelfen. Jeder kennt das wohl bei Fieber: die typischen, aber uncharakteristischen Begleitbeschwerden wie Muskel- und Gliederschmerzen. Meist werden auch sie durch die am Fieber beteiligten Entzündungsstoffe ausgelöst.

  • Zwei bis drei Tage Fieber

- Nur kurz anhaltendes Fieber lässt häufig keine Rückschlüsse auf die Ursache zu. Umso wichtiger sind mögliche Begleitsymptome. Steigt die Fieberkurve steil an und geht mit Schüttelfrost einher, kann das durchaus für eine Lungenentzündung sprechen. Hier sind häufig Viren im Spiel, etwa Grippeviren. Ein ebenso plötzlicher Fieberabfall kann nach hohem Fieber durchaus vorkommen, wenn die Temperaturregelung des Körpers noch etwas Zeit braucht, um sich wieder einzupendeln, und daher zunächst etwas "sprunghaft" verläuft. Eine Untertemperatur kann je nach Umstand und Ausmaß aber auch kritisch sein. Der Arzt wird das im Blick behalten.

- Kurze Fieberattacken kommen auch bei der Malaria, bei einer "Blutvergiftung" mit Erregern (Sepsis) oder beim familiären Mittelmeerfieber vor.

  • Fieber über fünf bis sieben Tage

- Verläuft Fieber über mehrere Tage, lässt sich die Kurve meist besser deuten. Auch kann das zeitliche Auftreten von Begleitsymptomen hier aufschlussreich sein: etwa ein typischer Hautausschlag bei Masern am vierten bis fünften Fiebertag, bei Röteln oft schon am ersten Fiebertag, bei Scharlach am Tag eins bis drei mit Fieber.

- Husten, Auswurf und andere Atemwegssymptome, etwa auffällige Atemgeräusche, zeigen zusammen mit Fieber eine Atemwegs- oder Lungeninfektion an. Mitunter liegt aber auch eine Lungenembolie oder eine andere Form der Lungenerkrankung vor.

- Fieber mit geschwollenen Lymphknoten und Halsschmerzen aufgrund einer Mandelentzündung können für ein Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose durch das Epstein-Barr-Virus) sprechen. An der eher seltenen Infektion erkranken in erster Linie jugendliche und junge Menschen. Es gibt hier die verschiedensten Verlaufsformen, darunter auch mit hartnäckigem Fieber (siehe unten, Abschnitt "Fieber über zwei Wochen").

- Daneben können verschiedene andere Infektionskrankheiten die Lymphknoten anschwellen lassen. Die entsprechenden Erreger dringen mitunter über Hautverletzungen ein, so etwa bei der Katzenkratzkrankheit (mehr dazu im Kapitel "Lymphknoten", Abschnitt: "Infektionen", im Beitrag "Leistenschmerzen").

- Zusammen mit Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Fieberschüben sind geschwollene Lymphknoten mitunter auch Warnzeichen für eine bösartige Lymphknotenerkrankung.

- Schmerzhafte Nackensteifigkeit bei Fieber deutet zum Beispiel auf eine Hirnhautreizung hin.

- Fieber plus Herzbeschwerden wie Brustschmerz und Pulsunregelmäßigkeiten lassen an eine Herzentzündung (Myokarditis) denken. Häufig sind Viren auslösend.

- Bei einer akuten bakteriellen Herzinnenhaut- beziehungsweise Herzklappenentzündung (Endokarditis) ist der Puls beschleunigt, es kommt zu Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und ohne Therapie schnell zu akutem Versagen lebenswichtiger Organe. Ein Indiz bei der ärztlichen Untersuchung sind Herzgeräusche.

- Muskelschmerzen (Myalgien) können verschiedene Infektionen begleiten. Manchmal sind sie aber auch Ausdruck einer rheumatischen Erkrankung, etwa einer Polymyalgia rheumatica. Bauchschmerzen mit Fieber eröffnen ein Krankheiten-Panorama von der Gallenblase bis zum Genitaltrakt.

  • Fieber über zwei Wochen

- Plagt man sich länger als zwei Wochen mit Fieber herum, kann bei gleichzeitig  vorhandenen Magen-Darm-Beschwerden zum Beispiel eine Salmonellenerkrankung dahinterstecken (siehe oben: intermittierender Fiebertyp).

- Auch chronische Entzündungen der Leber, der Gallenwege (Cholangitis) oder einen Abszess im Bauchraum sind hier möglich.

- Bei zusätzlichen Atemwegsbeschwerden kommen besondere Formen von Lungenentzündungen infrage, darunter ein Q-Fieber. Der Erreger, ein Bakterium namens Coxiella burnetii (gehört zu den sogenannten Rikettsien), kann von Tieren – etwa Rindern, Schafen, Ziegen und anderen Vierbeinern – auf den Menschen übergehen, meist über infizierte Staubpartikel. Risikogruppen sind zum Beispiel Landwirte, Tierfelllverarbeiter oder Tierärzte. Die Erkrankung kann plötzlich mit hohem Fieber und Schüttelfrost beginnen und Tage andauern. Auch Kopf- und Gelenkschmerzen fehlen selten. Ein Teil der Erkrankten entwickelt eine Lungenentzündung mit trockenem Husten und Brustschmerzen. So oder ähnlich zeigen sich übrigens sogenannte untypische (atypische) Lungenentzündungen, die sich eher langsam und hauptsächlich im Bindegewebe der Lungen entwickeln.

- Auch beim Pfeifferschen Drüsenfieber (EBV-Infektion, siehe oben, Abschnitt "Fieber über fünf bis sieben Tage") kann das Fieber mitunter länger dauern.

- Das gilt ebenso für eine chronische bakterielle Herzinnenhaut- beziehungsweise Herzklappenentzündung (Endokarditis lenta), die meist schleichend verläuft. Eventuell tritt gelegentlich Schüttelfrost auf. Unbehandelt kann sich eine Herzschwäche entwickeln.

- Infrage kommen bei anhaltendem oder wiederkehrendem Fieber außerdem Infektionen wie Brucellose, Malaria oder Leptospirose, die jeweils ihre eigenen Merkmale haben. Letztere fällt mitunter anfangs neben plötzlichem hohem Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Bindehautentzündung der Augen durch sehr unangenehme  Wadenschmerzen und Kopfschmerzen auf (diese schwerwiegende Verlaufsform heißt Morbus Weil).

- Auf eine Gehirnentzündung durch Zecken (Zeckenenzephalitis) können nach Aufenthalten in einem entsprechenden Risikogebiet unter anderem Lähmungen bei wiederholten Fieberschüben hindeuten. Krankheitszeichen, die generell auf eine Gehirnentzündung und damit auf einen Notfall hinweisen können, sind eine veränderte Bewusstseinslage, Krämpfe, Verwirrtheit, Delir.

- Der Arzt wird ansonsten unter anderem an eine Bindegewebserkrankung (Kollagenose) oder eine Gefäßentzündung denken, die mitunter auch zu neurologischen Störungen führen können.

- Ausschließen wird er bei entsprechenden Anhaltspunkten allerdings auch ein Tumorleiden bis hin zu einer Leukämie.

  • Monatelanges Fieber

- Dauert Fieber über Monate, kommen im Prinzip dieselben Ursachen in Betracht wie zuvor unter "länger als zwei Wochen" beschrieben.

- Bei jungen Patienten werden Ärzte auch an ein familiäres Mittelmeerfieber oder andere erbliche Fiebersyndrome, bei Männern an eine Entzündung der Prostata oder Nebenhoden denken.

- Nicht völlig abwegig ist manchmal auch ein psychisches Fieber (siehe Kapitel "Psyche")

Diagnostik nach Augenmaß

Nach der genauen Temperaturkontrolle und Einordnung des Fiebers untersucht der Arzt den Betroffenen in aller Regel sorgfältig "auf Herz und Nieren", erhebt also anhand der körperlichen Untersuchung einen genauen körperlichen Befund.

Daran schließen sich verschiedene Standarduntersuchungen des Blutes an. Dazu gehören ein großes Blutbild sowie verschiedene chemische Blutwerte. Eine klassische Suchmethode neben einem ersten Malaria-Schnelltest der "dicke Tropfen", um Parasiten wie Malaria-Erreger oder bestimmte Bakterien in eingetrocknetem und angefärbtem Blut unter dem Mikroskop zu erkennen. Häufig wird auch der Urin untersucht. 

Röntgenaufnahmen des Brustkorbs sowie Ultraschallaufnahmen (Sonografie) der Bauchorgane und Nieren gehören praktisch immer zum Basisprogramm. Die Doppler-Ultraschalluntersuchung der Beinvenen und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) sind wichtig, um Thrombosen in den Venen oder Veränderungen an den Herzklappen als mögliche Quelle kleinerer Lungenembolien zu erkennen. Die sind manchmal der Grund für anhaltendes oder wiederkehrendes Fieber und können ansonsten wenig Symptome verursachen.

Je nach Fragestellung können spezielle Untersuchungen weiterhelfen:

Bei hartnäckigem Fieber können zudem spezielle Antikörpertests hinsichtlich bestimmter Erreger, Analysen des Blutes auf Rheumafaktoren und andere Immunphänomene oder ein Tuberkulinhauttest auf Tuberkulose richtungweisend sein.

Oder mikrobiologische Analysen des Blutes (unter anderem Blutkulturen), des Urins oder des Auswurfs. Eventuell wird der Arzt eine endoskopische Untersuchung (Spiegelung) eines Hohlorgans im Verdauungstrakt oder Harntrakt mit der Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) empfehlen. Bei entsprechenden Anhaltspunkten kann die Punktion eines Gelenkes, die Entnahme von Hirnwasser zur näheren Untersuchung (Liquorpunktion) oder die Punktion eines Abszesses notwendig sein. Bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), eine Szintigrafie mit radioaktiven Markern oder die Kombination aus MRT oder CT und Szintigrafie sind ebenfalls spezielle Diagnoseverfahren.

Kinder machen bis ins Jugendalter mit zahlreichen Krankheitserregern Bekanntschaft. Die empfohlenen Schutzimpfungen können sie vor dem Schlimmsten bewahren. Trotzdem ist die Immunabwehr ständig auf Trab: allein schon durchschnittlich sechs Erkältungen im Jahr sind bei Kindern ganz normal. Sie fiebern häufig, schnell und deutlich.

Allerdings wird Fieber unterschiedlich definiert. Dabei spielen sowohl das Alter eines Menschen, die Tageszeit als auch die Messmethode eine Rolle (siehe auch Kapitel "Fieber: Überblick". Bei Neugeborenen (in den ersten vier Lebenswochen) wird in verschiedenen Quellen eine Temperatur ab 37,8°C (rektal, im Po gemessen) als Fieber angegeben.

Aber Fieber oder erhöhte Temperatur ist nur ein mögliches Hinweiszeichen für eine eventuelle Erkrankung, insbesondere im Säuglingsalter. So können sehr junge Säuglinge auch ohne Fieber zum Beispiel eine Infektion haben. Aber sie zeigen dann häufig andere Auffälligkeiten, etwa ungewöhnliche Trinkunlust, Trägheit, vielleicht Hautveränderungen.

Kinderärzte empfehlen im Allgemeinen, bei einem Kind, das jünger als drei Monate ist, ab einer Körpertemperatur von 38°C (rektal gemessen) den Kinderarzt aufsuchen. Aber das sind alles nur Faustregeln, da die Messungen tagsüber und von Tag zu Tag schwanken können und auch altersbezogene Angaben zu Messwerten von Körpervorgängen Durchschnitts- und Erfahrungswerte sind.

Wenn Eltern sich also unsicher fühlen, weil sie wiederholt bei ihrem Kind eine nicht normale Temperatur messen und befürchten, dass es sich nicht normal entwickelt oder womöglich krank sein könnte, solten sie mit ihm zum Kinderarzt gehen.

Wichtige Ursachen von Fieber bei Kindern und mögliche Begleitsymptome

  • Infektionen der oberen Atemwege und der Ohren: Atemwegsinfektionen werden häufig durch Viren und Bakterien verursacht. Dabei kommt es zu Fieber, Halsschmerzen, Schnupfen, Ohrenschmerzen, Husten, oft auch zu Bauchweh. Bei Entzündungen im Kehlkopfbereich, die auch die unterhalb gelegene Luftröhre und Bronchien (Pseudokrupp: Notfall!) erfassen können, treten neben Fieber ein bellender Husten besonders abends und nachts, eine kloßige Sprache und pfeifende oder röchelnde Geräusche beim Einatmen auf. Das löst Unruhe, Angstgefühle und einen sehr schnellen Puls aus.
  • Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis): Erreger sind Viren, darunter zum Beispiel Rotaviren, oder Bakterien wie verschiedene Escherichia-Coli-Arten einschließlich sogenannter EHEC-Bakterien (EHEC = Enterohämorrhagische Escherichia (E.) coli) oder der Keim Campylobacter. Leitsymptome sind Bauchweh, wässriger, eventuell auch blutiger Durchfall, und Erbrechen. Teilweise tritt Fieber auf. Bei Säuglingen, Kleinkindern, aber auch alten oder abwehrgeschwächten Menschen kommen häufiger schwere Krankheitsverläufe vor. Dies gilt insbesondere auch für EHEC-Infektionen.
  • Harnwegsinfekte: Erreger sind vor allem Escherichia-Coli-Bakterien, die aus dem Darm stammen. Sie verursachen Fieber und Schmerzen beim Wasserlassen. Dies führt dazu, dass die betroffenen Kinder weinen, schreien oder sich weigern, die Blase zu entleeren.
  • Bakterielle (septische) Knochen- (Osteomyelitis) und Gelenkinfektionen (Arthritis): Septisch bedeutet: Ausgehend von einer infektiösen Grunderkrankung, etwa einem Eiterherd, streuen Krankheitserreger über das Blut (hämatogen) und setzen sich in anderen Organen fest, etwa im Knochen. Von dort aus erreichen sie bei Säuglingen und Keinkindern auch leicht ein benachbartes Gelenk, weil die Blutgefäße vom Knochenschaft aus noch bis in den Gelenkkopf hinein reichen. Mit zunehmender Verknöcherung schließt sich der Übergang allmählich. Eine septische Knochinfektion breitet sich dann meist vermehrt im Knochenschaft aus. Meistens sind Bakterien wie Streptokokken, Staphylokokken oder Hämophilus influenzae im Spiel. Betroffen sein können Kinder aller Altersgruppen, bis hin zu Jugendlichen. Am ehesten erkrankt das Hüftgelenk, in absteigender Häufigkeit das Schultergelenk, Ellenbogengelenk, Kniegelenk, Sprunggelenk. Als Komplikationen sind Abszesse möglich. Bei Säuglingen, deren Immunabwehr oft noch zu schwach ist, können schwere Krankheitsbilder aufgrund starker Streuung der Erreger (Sepsis, Notfall, sofortige Therapie in der Klinik!) vorkommen. Eine andere Art der Knochen- oder Gelenkinfektion ist diejenige nach einem orthopädischen Eingriff im betroffenen Bereich oder aber nach einer andersartigen großen Operation.
    Symptome
    : Bei einer Gelenkentzündung ist die Beweglichkeit schmerzhaft eingeschränkt oder das Kind weigert sich sogar, sich aufrecht zu halten und die erkrankte Gliedmaße (meist das Bein) zu belasten. Ein betroffenes Gelenk ist stark geschwollen und gerötet. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes, wobei unter anderem das Alter eine Roll spielt, kommt es zu Fieber (zum Beispiel intermittierender Fiebertyp, siehe Bild im Kapitel "Diagnose") und weiteren Symptomen.
  • Rheumatisches Fieber: Dabei handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf sogenannte Streptokokkeninfektionen. Streptokokken sind Bakterien, die Infektionen wie Scharlach, Mandelentzündungen (Streptokokkenangina) und Mittelohrentzündungen verursachen können. Krankmachend sind beim rheumatischen Fieber aber die vom Körper gebildeten Antikörper, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten – den Herzmuskel, die Nieren, Bindegewebe der Gelenke, Nervengewebe im Gehirn. Die Krankheit kommt heute eher selten vor.
    Symptome:
    Etwa drei Wochen nach dem Streptokokkeninfekt tritt plötzlich hohes Fieber auf, verschiedene Gelenke schwellen nacheinander an, sind überwärmt und schmerzen. Weitere Symptome betreffen das Herz, die Haut und das Gehirn. Das bei uns selten gewordene Krankheitsbild heilt unter der Behandlung mit Penicillin und entzündungshemmenden Medikamenten einschließlich Kortison meistens aus. Es kann jedoch ein Herzklappenfehler zurückbleiben.
  • Dreitagefieber (Exanthema subitum, Roseola infantum): Das ist eine vorübergehende Viruserkrankung mit hohem Fieber über drei Tage (Fieberkrampfgefahr!), danach zeigt sich für wenige Tage ein Hautausschlag: kleine und mittelgroße rötliche Flecken.
  • Andere fieberhafte Kinderkrankheiten mit Ausschlag: siehe jeweils unter Masern, Mumps, Röteln, Scharlach, Windpocken auf unserem Partnerpotal www.baby-und-familie.de
  • Hand-Fuß-Mundkrankheit: Infektion mit bestimmten Enteroviren (Coxsackieviren), vor allem Vorschul- und Schulkinder erkranken.
    Symptome: Zu Beginn Fieber, Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Halsschmerzen, dann Hautausschlag mit kleinen Bläschen an den Händen, Füßen, im Mund- und Intimbereich, aber auch an Knien und Ellenbogen. Meist milder Verlauf.
    Seltene Komplikation ist eine Hirnhautentzündung.
    Wichtig: Gute Händehygiene (gründlich, mit Wasser und Seife) nach jedem Toilettengang hilft das Infektionsrisiko zu senken.
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis): Am häufigsten erkranken Kinder zwischen zehn und fünfzehn Jahren an einer Blinddarmentzündung. Typisch sind hier Bauchschmerzen, zunächst um die Nabelgegend. Dann verlagern sich die Schmerzen meist in den rechten Unterbauch. Dazu treten Fieber – manchmal nur leicht –, Übelkeit und Erbrechen auf.
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Erreger von Gehirnhautentzündungen sind unter anderem Bakterien wie Meningokokken, Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae. Als dringend meningitisverdächtig gelten Symptome wie ein rasch ansteigendes, hohes Fieber mit Erbrechen, erhebliche Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit. Dabei legt sich das erkrankte Kind instinktiv auf die Seite und streckt den Kopf nach hinten, da es zu starke Schmerzen hat, wenn es ihn nach vorne beugt. Es kann auch benommen sein und eine sehr berührungsempfindliche Haut haben.
  • Kindliches Rheuma: Entweder entzünden sich bei den betroffenen Kindern einzelne große Gelenke (Mono- oder Oligoarthritis), etwa das Knie oder Ellenbogengelenk. Oder das Rheuma zielt auf mehrere große und kleine Gelenke symmetrisch auf beiden Körperseiten (Polyarthritis), beispielsweise Ellbogen, Knie, dazu häufig die Fingergrundgelenke. Die erkrankten Gelenke schmerzen, sind überwärmt, geschwollen und morgens mehr als eine Stunde lang auffallend steif. Außerdem sind Hautausschläge, eventuell auch Augenentzündungen, Fieber über mehrere Wochen und eine Blutarmut möglich. Manchmal erkranken auch innere Organe (Still-Syndrom). Dabei kann es zu Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen, Rippenfell- und Bauchfellentzündungen kommen.
  • Knochentumoren: Der Begriff Tumor bedeutet zunächst nur, dass sich eine Geschwulst gebildet hat. Die gute Nachricht: Knochentumoren sind im Kindesalter häufiger gut- als bösartig. Mögliche Symptome, mitunter das Leitsymptom, sind wechselnd ausgeprägte, schließlich zunehmende Schmerzen und Schwellungen des betroffenen Bereiches sowie erhöhte Bruchanfälligkeit. Da für diese Beschwerden verschiedenste Knochenerkrankungen infrage kommen können, sollte ein (Kinder-)Orthopäde sicherheitshalber zügig die Ursache abklären. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Fieber und Gewichtsverlust auftreten sollten.
  • Leukämien: Bei Kindern kommen vor allem sogenannte akute lymphoblastische Leukämien (ALL) vor.
    Mögliche Symptome sind erhöhte Temperaturen oder Fieber, Müdigkeit, blasse Haut, die auch stippchenartige kleinste Blutungen aufweisen kann, Infektanfälligkeit, geschwollene Lymphknoten, Bauchschmerzen.
  • Kawasaki-Syndrom: Das Krankheitsbild gehört zu den Vaskulitis-Erkrankungen. Dabei entzünden sich aus unklarer Ursache bestimmte Blutgefäße (siehe auch entsprechendes Kapitel "Vaskulitis"). Diese Vaskulitis-Form betrifft überwiegend Kleinkinder unter fünf Jahren.
    Symptome:
    Kennzeichnend sind hohe Fieberschübe (Typ intermittierend, siehe Kapitel "Fieber: Diagnose") mit Schüttelfrost, die nicht auf Antibiotika ansprechen, eine Entzündung in Mund und Rachen nebst scharlachähnlicher "Erdbeerzunge". Tatsächlich besteht eine gewisse Gefahr, die Krankheit mit Scharlach zu verwechseln. An den Handinnenflächen und Fußsohlen finden sich Rötungen, und es entsteht ein schuppender Ausschlag. Häufig schwellen auch die Halslymphknoten an. Manchmal gehen von den erkrankten Gefäßen Komplikationen aus. So können geschädigte Herzkranzgefäße einen Herzinfarkt auslösen.
    Diagnose, Therapie
    : Die Gefäßveränderungen zu erkennen – möglich durch eine Magnetresonanz-(MRT)-Angiografie –, ist neben anderen Kriterien für die Diagnose und die Therapie äußerst wichtig. Denn ausnahmsweise spielt hier neben Immunglobulinen auch Acetylsalicylsäure, die Kinder normalerweise bei Fieber nicht erhalten dürfen, eine wichtige Rolle.
    Weitere Infos im Ratgeber "Kawasaki-Syndrom".

Über die seltenen erblichen Fiebererkrankungen informiert Sie das Kapitel "Erbliche Fiebererkrankungen" dieses Beitrages.

Was ist ein Fieberkrampf?

Etwa drei Prozent aller Kinder im Alter von drei Monaten bis fünf Jahren erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf. Dabei führen schon mäßige Temperaturanstiege zu Entladungen bestimmter Nervenverbände im Gehirn. Das Kind verdreht dabei die Augen, atmet für kurze Zeit nicht, bekommt blaue Lippen und ist nicht mehr ansprechbar. Arme, Beine und Gesichtsmuskeln können zucken (in der Fachsprache: generalisierter Krampf) und erschlaffen anschließend. Kurz danach kommt das Kind langsam wieder zu Bewusstsein. Der Krampf dauert normalerweise höchstens Sekunden bis zwei, drei Minuten. Das erscheint den Eltern, besonders wenn sie es das erste Mal erleben, wie eine Ewigkeit, in der sie sich sehr hilflos fühlen. Dennoch: Fieberkrämpfe, die so verlaufen, stufen Ärzte meist als unkompliziert ein.

Wichtig zu wissen:

  • Unkomplizierte Fieberkrämpfe sind im Allgemeinen ungefährlich. Sie beeinträchtigen die spätere geistige Leistungsfähigkeit des Kindes in der Regel nicht und sind auch nicht automatisch Vorläufer eines späteren Krampfleidens (Epilepsie).
  • Die meisten Kinder bekommen nur einmal einen Fieberkrampf. Im Schulalter ist überwiegend Schluss damit. Häufigster Auslöser ist das nur einmal auftretende Dreitagefieber (siehe oben)
  • Die Veranlagung zu Fieberkrämpfen ist genetisch bedingt und aktuell genauer beschrieben worden (siehe Kapitel "Fieber: Fachliteratur"). Das Risiko für einen Fieberkrampf ist erhöht, wenn auch bei den Eltern oder Geschwistern schon einmal ein Fieberkrampf vorgekommen ist.
  • Ein erhöhtes Wiederholungsrisiko besteht möglicherweise, wenn der erste Krampf im Alter unter zwölf Monaten aufgetreten ist und das Fieber dabei nicht sehr hoch war.
  • Ein komplizierter Fieberkrampf dauert länger als fünfzehn Minuten oder wiederholt sich während einer Fieberperiode beziehungsweise innerhalb von 24 Stunden. Es kommt zu Krampferscheinungen in Teilen des Körpers, zum Beispiel nur auf einer Seite (fokaler Krampfanfall).

So helfen Sie Ihrem Kind:

  • Bewahren Sie Ruhe, schützen Sie Ihr Kind vor einer Verletzung, in dem Sie es weich lagern, vor allem den Kopf
  • Noch besser: Bringen Sie es in die stabile Seitenlage (siehe Bild), damit Erbrochenes und Speichel abfließen können
  • Lockern Sie die Kleidung des Kindes
  • Rufen Sie den Not- oder Kinderarzt, wenn ein Fieberkrampf das erste Mal auftritt, ebenso im Wiederholungsfall, wenn Sie sich unsicher sind, ob es ein solcher ist. Bei deutlichem Fieber sollte der Kinderarzt das Kind sicherheitshalber sehen.
  • Beobachten Sie, wie lange der Krampf dauert. Rufen Sie den Arzt im Wiederholungsfall auch, wenn der Krampf länger anhält.
  • Möglicherweise verschreibt der Arzt für den Wiederholungsfall ein Fieberzäpfchen. Halten Sie sich stets an die angegebene Dosis. Zusätzlich können Sie Ihrem Kind gegebenenfalls handwarme Wadenwickel anlegen.

Mehr dazu unter Ratgeber "Fieberkrämpfe" auf www.baby-und-familie.de

Fieber tritt im Zuge vieler verschiedener Infektionskrankheiten auf. Sie alle aufzulisten, da käme am Ende ein Buch heraus. Bei einem unkomplizierten Krankheitsverlauf wertet der Arzt Fieber als Symptom, das entweder spontan oder im Zuge der Behandlung wieder vergeht. Etwas anderes ist es, wenn das Fieber erstmal nicht weicht und die Ursache trotz eingehender Diagnostik unklar bleibt. Meistens entpuppt sie sich schließlich doch – etwa als eine seltene Infektion. Bei 25 Prozent der Betroffenen bleibt die Ursache indes unbekannt. Trotzdem klingt das Fieber auch dann öfter irgendwann von alleine ab.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, ist rechtzeitig die enge Zusammenarbeit von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen gefragt, die sich speziell der einzelnen Organe, Organsysteme oder Körperregionen als vermutlicher Fieberquelle annehmen: Brustraum (Atemwege: Pneumologe; Herz: Kardiologe), Bauch (Gastrooenterologe), Gefäße (Angiologe), Gelenke, Knochen und Weichteile (Orthopäde / Rheumatologe), Blut und Lymphsystem (Hämatologe / Onkologe), Hormone (Endokrinolge), Hals-Nase-Ohren (Oto-Rhinologe), Kieferbereich, Nieren (Nephrologe), Harnwege (Urologe), Fortpflanzungsorgane (Mann: Urologe, Androloge / Frau: Gynäkologe), Gehirn (Neurologe). Koordiniert wird das Ganze vom Hausarzt, der im Vorfeld meist schon die ersten Untersuchungen eingeleitet hat.

Der Ursprung eines Fiebers wird gerne "Focus", also Brennpunkt oder Herd, genannt. Hier ein paar Beispiele.

Ursachen für Fieber: Brustraum

Im Brustraum kommen unter anderem seltenere infektiöse Lungenerkrankungen in Betracht. Auslöser können verschiedene Viren sein, sodann zahlreiche Bakterien, darunter auch Legionellen und der Tuberkuloseerreger oder mit ihm verwandte Mykobakterien, schließlich Pilze. Legionellen finden sich in Wasserreservoirs, Kühlsystemen, Klimaanlagen (auch von Krankenhäusern) und Whirlpools. Erkrankungen durch Legionellen sind besser bekannt unter dem Namen Pontiac-Fieber und Legionärskrankheit. Während das Pontiac-Fieber einer mäßig fieberhaften Grippe ähnelt, die nach einigen Tagen wieder abklingt, ist die Legionärskrankheit mit ihrer untypischen, hochfieberhaften Lungenentzündung und anderen Problemen die weitaus gefährlichere Variante.

Auch im Rahmen einer Lungenembolie kann Fieber auftreten. Es weist hier auf eine Lungenentzündung, eine sogenannte Infarktpneumonie, hin.

Zum anderen ist manchmal ist eine chronische Herzinnenhautentzündung (Endokarditis lenta) Ausgangspunkt von Fieber. Auslösend sind meist Bakterien, seltener Pilze. In wiederholt angelegten Blutkulturen lässt sich unter Umständen der Erreger anzüchten. Außerdem macht sich der Kardiologe mittels Ultraschall ein Bild von den Herzklappen. Am genauesten geht das mit der sogenannten transösophagealen Technik. Dabei bildet der Schallkopf das Endstück eines dünnen Schlauches. Das Gerät wird in die Speiseröhre eingeführt. Sie liegt gleich neben dem Herzen, sodass die Bildgebung per Schall durch die Wand der Speiseröhre hindurch gelingt (transösophageale Echokardiografie).

Ursachen für Fieber: Bauchraum

Akute Entzündungen: Gallenwege, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm

  • Akute Entzündung der Gallenwege (akute Cholezystitis, Cholangitis): Auslösend  ist in über 90 Prozent der Fälle die (eventuell vorübergehende) Blockade des Gallengangsystems durch Gallensteine. In der Folge kommt es zur bakteriellen Entzündung und einem akuten Krankheitsbild mit Schmerzen im rechten Oberbauch, Gelbsucht und Fieber (Charcot-Trias). Mögliche Komplikationen sind verschiedene Formen des Durchbruchs, Eiterbildung, Leberabszess, Blutvergiftung.
    Mehr dazu unter Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)
  • Akute Leberentzündung (Akute Virus-Hepatitis): Verantwortlich sind mehrheitlich sogenannte Hepatitis-Viren (fünf Virustypen: A bis E) , daneben andere Viren wie das Epstein-Barr- oder das Cytomegalievirus, Coxsackie- und Herpes-Simplex-Viren oder eine Toxoplasmose. Die Hepatitis B und D (Hepatitis D setzt eine Hepatitis B voraus) sowie C können durch Blut und Blutprodukte sowie bei der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden, Hepatitis B und D außerdem sexuell. Hepatitis A und E sind Schmierinfektionen. Häufig verläuft eine aute Virus-Hepatitis so: Sie beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden: erhöhten, subfebrilen Temperaturen (unter 38°C) und Abgeschlagenheit.  Dann folgen Magen-Darmbeschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Druckgefühl im rechten Oberbauch. Schließlich kann eine Gelbsucht (Gelbfärbung des Augenweiß, dann der Haut, dunkler Urin, heller Stuhl) mit Juckreiz auftreten.
    Hier lesen Sie mehr über die verschiedenen Arten und Verlaufsformen der Hepatitis.
  • Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis): Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse geht meist mit plötzliche, sehr starken Schmerzen im Oberbauch einher, die oft gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen. Weitere mögliche Symptome sind eine (meist vorübergehende) Darmlähmung, Erbrechen, Fieber, schneller Puls. Typische Ursachen sind Gallengangserkrankungen und Alkoholkonsum, daneben gibt es viele weitere Auslöser. Problematisch sind Komplikationen wie eine Gewebezerstörung mit Infektion, die Entstehung sogenannter Pseudozysten und ein vorübergehendes oder unwiderrufliches Versagen wichtiger Organe. Außerdem kann sich eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse entwickeln. Weitere Informationen gibt Ihnen der Ratgeber "Akute Pankreatitis".
  • Akute Entzündung des Darmes, zum Beispiel Colitis ulcerosa, aber auch zahlreiche infektiöse Durchfallerkrankungen: Leitsymptome sind Bauchschmerzen und Durchfälle: bei Colitis ulcerosa eher schleimig-blutig, bei Darminfektionen je nach Ursache wässrig bis blutig. Jeweils können auch mäßiges oder hohes Fieber (zum Beispiel bei den verschiedenen Verlaufsformen von Salmonellen-Infektionen) sowie zahlreiche weitere Symptome auftreten. Die Ratgeber "Durchfall", "Bauchschmerzen" und "Colitis ulcerosa" informieren Sie genauer.
  • Abszesse: Abszesse können auf verschiedenen Wegen zustande kommen. Falls zum Beispiel bakteriell infizierte Gerinnsel (septische Embolien) aus dem Herzen über den Kreislauf in Bauchorgane gelangen, können sich dort eitrige Einschmelzungen (Abszesse) entwickeln, zum Beispiel in der Leber oder Milz.

    Auch infolge einer Verletzung oder bakteriellen Entzündung vor Ort kann Gewebe vereitern und einschmelzen, sodass ein Abszess entsteht. In den Gallenwegen ist das bei Steinen möglich, die zu einem Gallenstau und dann zu einer eitrigen Entzündung und Gelbsucht führen. Im Blinddarm kann es bei einer akuten oder fortgeschrittenen Entzündung zur Vereiterung kommen, im Darm bei der Crohn-Krankheit oder einer Divertikelentzündung (Divertikulitis). Ähnlich an der Niere, an der Bauchspeicheldrüse, am Eierstock, an der Prostata oder am Nebenhoden, jeweils als Folge einer Infektion mit Bakterien.

Ursachen für Fieber: Hals-Nasen-Ohren-Bereich, Gehirn

Im Hals- und Kopfbereich gibt es vielfältige Arten von Entzündungen, die mit Fieber und mehr oder weniger charakteristischen Begleitsymptomen einhergehen können. Sie reichen von Mandel-, Mittelohr- und Nasennebenhöhlen-Entzündungen über Infektionen der Weichteile am Hals oder eines bestimmten Knochens hinter dem Ohr, dem sogenannten Warzenfortsatz (Mastoiditis) bis hin zu Entzündungen der Gehirnhaut oder des Gehirns.

Weitere, eher seltene Ursachen

Ein Abszess kann auch in die nähere Umgebung vordringen, etwa von einem vereiterten Lendenwirbel im Zuge einer Knochenentzündung ausgehend in die Lendenmuskulatur. Das verursacht dann neben Fieber örtliche Beschwerden – im genannten Fall etwa Hüft- oder Leistenschmerzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass natürlich die Grunderkrankung selbst oder weitere Begleitsymptome auf die Spur führen können.

Zu den selteneren Infektionen mit Bakterien gehören auch Erkrankungen mit exotisch klingenden Namen wie die Brucellose, Tularämie, der Morbus Whipple, Aktinomykose und Nokardiose. Eine gewisse Rolle spielen ferner Parasiten, etwa Amöben oder ein Bandwurm (Fuchs- oder Hundebandwurm, Echinokokkus) (siehe auch im Beitrag "Durchfall", Kapitel "chronisch 1", Abschnitte "Whipple-Krankheit" und "Chronische Darminfektionen").

Im Krankenhaus erworbene Infektionen

Dass man sich im Krankenhaus Fieber einfängt, ist keineswegs ungewöhnlich. Nicht so selten sind Katheter, Sonden und Prothesen die Quelle einer Infektion. Oder aber Druckgeschwüre der Haut, die sich in die Tiefe hinein infizieren. Nach Operationen kann es im Wundgebiet zu Infektionen mit bestimmten Hautkeimen namens MRSA kommen (die Abkürzung bedeutet: Staphylokkus aureus mit Resistenz gegen Methicillin und andere Antibiotika). Diese sehr virulenten Erreger dringen leicht über Lücken in der Haut- und Schleimhautbarriere in die Tiefe ein und setzen sich im Gewebe fest. Ein weiteres Problem sind Darmentzündungen nach Antibiotika-Therapie (Clostridien-Colitis, siehe auch im Beitrag "Durchfall", Kapitel "akut 2", Abschnitt "Medikamente") mit Fieber und Durchfällen, wobei Letztere mitunter zunächst auch fehlen können.

Geschwächte Immunabwehr

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Bei manchen Patienten, etwa nach einer Organverpflanzung, wird das Immunsystem aus therapeutischen Gründen unterdrückt (siehe auch Kapitel "Fieber bei Kollagenosen" und "Fieber durch Gefäßentzündungen"). Andere Patienten haben krankheitsbedingt a priori ein geschwächtes Immunsystem. Das betrifft häufiger Patienten mit HIV / Aids oder Antikörpermangel. Beide Gruppen neigen zu Infektionen, die sonst beim Menschen selten vorkommen. Hier sind Fachärzte für Infektionserkrankungen (Infektiologen), auch in Zusammenarbeit mit Immunologen (Immunspezialisten) gefordert, die richtige Therapie zu finden.

Fieber bei Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie)

Nicht jeder Infekt verursacht Fieber. Wenn aber die Zahl weißer Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten) im Blut unter 500 pro Mikroliter sinkt, ist das Risiko hoch. Ärzte sprechen bei diesem Blutwert von einer schweren Neutropenie. Es gibt allerdings verschiedene Schweregrade der Neutropenie. Mögliche Ursachen sind Blutkrankheiten, Knochenmarkschädigungen, seltene Erbkrankheiten, bestimmte Medikamente und Tumortherapien. Kommt es bei den Betroffenen zu Fieber, müssen sie sofort mit Antibiotika behandelt werden. Denn meistens sind Bakterien die Ursache, wobei deren Ausgangspunkt häufig nicht erkennbar ist. Bei Neutopenie können außerdem Erreger wie Viren und Pilze zum Problem werden.

Nicht nur exotisch: Ebola, Malaria & Co.

Was weit weg scheint, kann schnell ganz nah sein: Importierte Erreger stellen uns teilweise auf eine ernste Probe. Die Globalisierung macht es möglich. Aber nicht nur das: Manche Erreger besitzen eine hohe Anpassungsfähigkeit, profitieren erst vom Tier und dann vom Menschen, schießen sich geradezu auf ihn ein.

  • Beispiel Ebolafieber: Das Krankheitsbild wird auch als virales, sogenanntes hämorrhagisches Fieber bezeichnet. Auslöser der Ebola-Form ist ein Virus aus der Gruppe der Filoviren. Auch das gefährliche Marburg-Virus reiht sich hier ein. Bislang haben drei Typen von Ebola-Viren größere Infektionsausbrüche in Afrika verursacht. Die Übertragung erfolgt von infizierten Tieren (etwa Buschfleisch) auf den Menschen und weiter von Mensch zu Mensch (virushaltiges Blut und andere Körperflüssigkeiten Erkrankter, enger Kontakt mit Erkrankten, auch Pflege: Risikokontakte) oder über infiziertes Material wie zum Beispiel Spritzen; Ansteckung über die Atemluft bislang nicht erwiesen. Solange Krankheitssymptome bestehen, ist eine infizierte Person ansteckend. Urin und Samenflüssigkeit Betroffener erwies sich noch einige Zeit nach Genesung als virushaltig.
    Zeit von der Infektion bis zu ersten Symptomen (Inkubationszeit): 2 bis 21 Tage.
    Symptome: Fieber über 38 °C oder erhöhte Temperatur und Begleitsymptome wie Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, teilweise Blutungen innerlich, zum Beispiel Schleimhautblutungen, und sichtbare "Blutergüsse"; Organversagen und tödlicher Verlauf häufig. Je nach Virustyp, medizinischer Versorgung und Krankheitsentwicklung ist auch eine Genesung möglich (siehe auch Kapitel "Fieber: Überblick", und unter: "Ebola- und Marburg-Fieber").
    Therapie:
    Impfstofftests am Menschen zeigen vielversprechende Ergebnisse. Ein erster Impfstoff könnte bald zugelsssen werden. Auch für verschiedene Arzneistoffe sind klinische Studien im Gange oder in Vorbereitung. Therapie derzeit im Allgemeinen symptomatisch.
  • Etwas anders verhält es sich mit der Tropenkrankheit Malaria: 500 von Reiserückkehrern eingeschleppte Fälle werden jährlich in Deutschland in den letzten Jahren registriert, größtenteils aus Afrika. Todesfälle weltweit 2010: 1,2 Millionen. Die direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. In der Regel bedarf es eines Stiches der blutsaugenden weiblichen Anopheles-Mücke, was bestimmten Zonen der Tropen oder Subtropen vorbehalten ist. Vereinzelt landet die eine oder andere Malaria-gefährliche Anopheles-Mücke versehentlich auf europäischen Flughäfen und wird so zur importierten Infektionsquelle. Vor Jahrhunderten grassierte das Sumpffieber in den Mittelmeerländern. Doch auch heute ist Europa nicht gänzlich malariafrei: Es gibt in Südeuropa immer wieder einmal "lokal" eworbene (sogenannte autochthone) Fälle. Für den Menschen sind derzeit vier Erreger, sogenannte Plasmodien, krankmachend. Ein fünfter Typ ist – auch wenn es einen mittlerweile hellhörig werden lässt – derzeit wohl vor allem für südostasiatische Makaken ein Problem.
    Symptome:
    Hohes, wiederkehrendes Fieber (Wechselfieber, nicht bei Malaria tropica, der gefährlichsten Form) oder auch periodisches Fieber (Fieberformen: siehe dazu Kapitel Fieber: Überblick), Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Störungen, eventuell Krämpfe und Koma. Unbehandelt kann die Infektion tödlich verlaufen. Reisende können mit Medkamenten vorbeugen.
    Mehr Infos unter: "Malaria (Wechselfieber, Sumpffieber, siehe Hinweis unten)".

Weitere, keineswegs nur tropische Fieberkrankheiten, womit die Liste noch nicht zu Ende ist, sind zum Beispiel das "Westnil-Fieber", das "Denguefieber", und, tatsächlich tropisch (Afrika, Südamerika), das "Gelbfieber".

Erbliche Fiebersyndrome, wie diese Krankheiten auch genannt werden, umfassen verschiedene Krankheitsbilder. Einige machen sich schon in der frühen Kindheit bemerkbar, andere bis etwa zum 20. Lebensjahr. Vererbt werden bestimmte Genveränderungen (Mutationen), die unkontrollierte Abwehrreaktionen in Gang setzen. Ärzte sprechen von sogenannten autoinflammatorischen Syndromen. Spezielle Immunveränderungen im Blut lassen sich hier nicht nachweisen. Dennoch kommt es zu Entzündungen im Körper mit Fieber, teilweise auch Lymphknotenschwellungen und vielfältigen anderen Symptomen.

Sie rühren daher, dass sich ganz verschiedene Organe entzünden können – von der Haut über die Schleimhäute und Auskleidungen ("Felle") der Brust- oder Bauchhöhle, sodann Hirnhaut, Augen, Muskeln, Gelenke bis hin zu inneren Organen wie Milz und Leber. Außerdem sind Komplikationen möglich, die unter dem Begriff Amyloidose zusammengefasst werden. Darunter versteht man Eiweißablagerungen, die die erkrankten Organe zusätzlich schädigen.

Forscher vermuten, dass es bei den erblichen Fiebersyndromen auch Überschneidungen mit bestimmten chronisch-entzündlichen Erkrankungen gibt. Beispiele dafür sind Erkrankungen des Darmes wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, bei denen neben den Leitsymptomen wie (blutiger) Durchfall und Bauchschmerzen ebenfalls Fieber auftreten kann, außerdem Autoimmunerkrankungen (siehe entsprechendes Kapitel in diesem Beitrag) und die Gicht. Übrigens: Akute Gichtanfälle verursachen neben heftigsten Gelenkschmerzen häufig auch Fieber.

Familiäres Mittelmeerfieber

Diese häufigste Form der insgesamt seltenen angeborenen Fiebererkrankungen – mittlerweile werden immer mehr genetische Varianten entdeckt – betrifft in erster Linie Menschen, die im östlichen Mittelmeerraum leben. Es gibt verschiedene Verlaufsformen:

  • Ohne Krankheitszeichen
  • Mit typischen kurzen, periodischen Fieberschüben und Begleitbeschwerden
  • Ohne Fieberschübe, aber mit krankhaften Eiweißablagerungen (Amyloidose). Sie finden sich zum Beispiel in den Nieren, am Herz oder in Verdauungsorganen und können diese erheblich schädigen.

Symptome (Verlauf mit Fieberschüben): Es kommt zu kurzen Fieberepisoden von ein bis drei Tagen, die sich in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen wiederholen. Mitunter werden sie durch körperliche Anstrengung oder Stress, Infektionen oder bei Frauen durch die Menstruation ausgelöst. Dazu können während des Krankheitsschubes Hautausschläge an den Unterschenkeln und am Fußrücken auftreten. Vielfach plagen sich die Betroffenen zudem mit Schmerzen an einem (oder mehr als einem) großen Gelenk herum, das sich akut entzündet (Knieschmerzen, Ellbogenschmerzen). Entzündungen treten auch am Rippen- und Bauchfell auf, was zu merklichen oder sehr starken Brust- und Bauchschmerzen führen kann. Letztere sind mitunter sogar so heftig, dass der Arzt einen "akuten Bauch" feststellt und den Betroffenen in eine Klinik einweist.

Diagnose: Der Arzt stellt die Verdachtsdiagnose anhand der Familiengeschichte und der klinischen Befunde. In Speziallabors lassen sich im Blut einzelne Gendefekte, teilweise auch andere richtungweisende entzündliche Eiweißstoffe, feststellen.

Therapie: Gegen das familiäre Mittelmeerfieber setzen Ärzte Colchicin ein, ein pflanzlicher Wirkstoff aus der Herbstzeitlosen, außerdem Wirkstoffe gegen Entzündungseiweiße wie Etanercept oder Anakinra. Anakinra ist ein Gegenspieler (Antagonist) des sogenannten Interleukin-1-(IL-1-)Rezeptors oder des Interleukin-6-(IL-6-)Rezeptorsund wirkt auch bei anderen erblichen Fiebersyndromen. Bei einem weiteren Krankheitsbild aus dieser Gruppe, der sogenannten zyklischen Neutropenie, hilft ein Arzneistoff, der die Bildung weißer Blutkörperchen anregt (G-CSF, etwa der Stoff Filgrastim). Selten kann dieser neben anderen unerwünschten Wirkungen selbst Fieber auslösen (siehe Kapitel "Arzneimittelfieber" in diesem Beitrag).

Aufgabe des Immunsystems ist es, Krankheitserreger und andere krankmachende Fremdstoffe zu erkennen und zu bekämpfen. Manchmal reagiert das Immunsystem überzogen und richtet sich gegen den Körper selbst. Die Folge sind mitunter den ganzen Körper umfassende Entzündungsvorgänge.

Mediziner sprechen dann von Autoimmunerkrankungen, im weiteren Sinn auch von Systemerkrankungen. Dazu gehören vielfältige Krankheitsbilder. Nicht alle gehen mit Fieber einher, Kollagenosen, Rheuma oder bestimmte Entzündungen der Schilddrüse (siehe Kapitel "Hormone & Co.") aber schon.

Kollagenosen spielen sich im Bindegewebe ab. Das ist praktisch in allen Organen vorhanden, einschließlich Gefäßen. Daher können sich bei diesen Krankheiten auch nahezu alle Organe entzünden. Und der Name? Ein Grundbaustein von Bindegewebe ist das Kollagen. Ursprünglich nahmen Mediziner an, dass diese Kernsubstanz des Bindegewebes Kollagenosen auslöst. Oft gibt es hier auch eine genetische Veranlagung.

Schließlich gehen bestimmte Zellen des Immunsystems (Lymphozyten) gegen den Körper vor. Das bedeutet, dass das Immunsystem teilweise die natürliche Toleranz dem eigenen Körper gegenüber aufgibt. In der Folge treten bestimmte Stoffe (Antikörper, teilweise auch sogenannte Immunkomplexe) auf. Es kommt zu Entzündungen – häufig in Gelenken, Gefäßen, Nieren, Nerven, Augen, Schleimhäuten, am Rippenfell, Herz und in der Haut.

Zu den Kollagenosen, bei denen unter anderem regelhaft Fieber auftreten, gehören der systemische Lupus erythematodes (SLE) und die Polymyositis / Dermatomyositis.

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Überwiegend erkranken an SLE Frauen im gebärfähigen Alter, manchmal auch nach dem 55. Lebensjahr. UV-Strahlen und starke hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft) können das Krankheitsbild begünstigen. Eine meist milde verlaufende "Lupus"-Form entsteht manchmal unter dem Einfluss bestimmter Medikamente wie Schilddrüsenblocker, einige Antiepileptika und Antiarrhythmika  (etwa Chinidin). Werden sie abgesetzt, verschwindet das Phänomen wieder.

Symptome: Die Betroffenen haben Fieber, verlieren an Gewicht und fühlen sich abgeschlagen. Auffällig und störend sind die Hautveränderungen: eine schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht, rote, schuppige Papeln in anderen Körperbereichen, zum Beispiel am Rücken und an den Armen, sodann die äußerst lichtempfindliche Haut. Möglich sind auch Beschwerden seitens des Herzens, zum Beispiel Angina pectoris, der Lungen oder des Rippen- und Lungenfells (etwa deutliche Schmerzen beim Atmen, Reizhusten ohne Auswurf, eventuell Übergang in Atemnot). Außerdem kann es zu Nierenschädigungen ("Lupus-Nephritis") mit Schwellungen am Körper und neurologischen Störungen kommen: Gedächtnisprobleme, Kopfschmerzen, psychische Veränderungen.

Diagnose: Die Diagnose ergibt sich aus der Kombination von Befunden, die das amerikanische Rheuma-College zu diagnostischen Kriterien erhoben hat. Dazu gehören zum Beispiel ein schmetterlingsförmiger Ausschlag im Gesicht (Erythem) ebenso wie Beschwerden an zwei oder mehr Gelenken, eine äußerst lichtempfindliche Haut (Photosensibilität) und vieles mehr. Richtungweisend sind zudem Immunphänomene im Blut wie Anti-DNS-Antikörper und sogenannte antinukleäre Faktoren (ANA gegen Zellkernbestandteile).

Therapie: Wichtig ist guter Lichtschutz. Je nachdem, wie aktiv die Krankheit ist, behandelt der Arzt den Patienten mit Arzneimitteln wie Antirheumatika,  Hydroxychloroquin, Kortison oder speziellen Substanzen, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) wie Azathioprin oder Cyclosporin A. Auch sogenannte Biologicals, also biotechnisch erzeugte Antikörper wie Rituximab, oder aber der Stoff Mycophenolat-Mofetil haben ihren Platz, vorläufig aber noch in Studien. Mycophenolat-Mofetil wird auch eingesetzt, wenn die Nieren miterkrankt sind. Das gilt außerdem für sogenannte ACE-Hemmer, die den Eiweißverlust über die Nieren sowie den Blutdruck in Schranken halten können. Der Arzt achtet außerdem auf eine gute Einstellung des Blutdrucks. Er empfiehlt, nicht zu rauchen, und verordnet bei Kortisonbehandlung Kalzium und Vitamin D, um die Knochen gegen Osteoporose zu schützen.

Polymyositis / Dermatomyositis

Polymyositis bedeutet Entzündung vieler Muskeln. Dermatomyositis heißt, dass sich Muskeln und die Haut entzünden. Es gibt zahlreiche Ausprägungen der Erkrankung. Sie kann auch schon bei Kindern auftreten. Gelegentlich ist sie Begleiterscheinung einer Tumorerkrankung, zum Beispiel bei Eierstockkrebs.

Symptome: Sehr typisch sind Muskelschmerzen, teilweise wie bei Muskelkater. Sie lassen sich aber nicht durch einen entsprechenden "Einsatz" erklären. Außerdem kommt es zu Muskelschwäche. Die Beschwerden betreffen vor allem die Schultern und das Becken. Teilweise tritt auch Fieber auf. Auffallend sind zudem Hautveränderungen wie violett-rote Ringe an den Lidern, hellrosafarbene Knötchen an den Streckseiten der Fingergelenke, Nagelveränderungen, rissige Haut an den Handflächen und Fingerkuppen. Erkranken innere Organe mit, macht sich das entsprechend bemerkbar: Versteift die Speiseröhre, kommt es zu Schluckstörungen. Veränderungen am Herzen führen zu Rhythmusstörungen. Eine Verhärtung (Fibrose) der Lunge verursacht Atemnot (vgl. Ratgeber "Atemnot", Kapitel "Ursachen – Lungenerkrankungen").

Diagnose: Die Leitsymptome – Muskelschmerzen, Muskelschwäche und Fieber – können den Arzt auf die Spur führen, stehen aber auch für viele andere Erkrankungen. Richtungweisend sind erhöhte Muskelenzyme, vor allem die Kreatinkinase (CK) im Blut. Die der elektrophysiologische Untersuchung der Muskulatur (Elektromyogramm) und eine Gewebeprobe von einem schmerzenden Skelettmuskel (Muskelbiopsie) liefern weitere Anhaltspunkte. Im Rahmen der Diagnostik wird der Arzt auch eine Tumorerkrankung ausschließen.

Therapie: Mit verschiedenen Medikamenten wie Kortison oder speziellen Stoffen, die das Immunsystem blockieren (Immunsuppressiva), etwa des Typs Azathioprin, außerdem Methotrexat lässt sich die Krankheit häufig vollständig oder teilweise beherrschen. Manchmal schreitet sie jedoch voran. Dann setzen Ärzte unter Umständen Medikamente wie Ciclospoprin A ein, über einen begrenzten Zeitraum auch Cyclophosphamid, sodann – derzeit noch in Studien – bestimmte Antikörper (Biologicals) oder Tacrolimus. Letzteres ist ein sogenannter Immunmodulator, der bestimmte Immunzellen abblockt. Hat ein Tumor die Krankheit ausgelöst, so bessert sie sich oft, nachdem er entfernt wurde.

Bei beiden Kollagenosen kommt es auch zu Gefäßentzündungen. Diese betrachten Ärzte gesondert. Mehr dazu im entsprechenden Kapitel in diesem Beitrag.

Zu den Autoimmunerkrankungen gehören auch die verschiedenen rheumatischen Gelenkentzündungen. Hier stehen Gelenkschmerzen und -schwellungen sowie die Tendenz zu Gelenkverformungen in der Regel klar im Vordergrund. Bis auf das Still-Syndrom bei Kindern (siehe Kapitel "Fieber bei Kindern") tritt eher kein Fieber auf, allenfalls gelegentlich erhöhte Temperatur. Somit stellen diese Erkrankungen weniger eine Fieberproblematik als vielmehr eine Gelenkproblematik dar und werden daher hier nicht weiter thematisiert.

Im Spezial "Rheuma" finden Sie dazu viele Informationen.

Ein bekannter Mediziner sagte einmal: "Der Mensch ist so gesund wie seine Gefäße." Damit meinte er vor allem das Herz. Aber nicht nur dieses, sondern eigentlich alle Körperorgane wollen gut durchblutet werden. Ihr Wohlergehen hängt davon ab, ob die Gefäße gesund sind und genug Sauerstoff und Nährstoffe anliefern.

Bei Gefäßerkrankungen kann diese Versorgung auf dem Spiel stehen. Als Folge sind Organschäden möglich. Am bekannten sind Engpässe aufgrund einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Sie können sogar zu einem Infarkt führen, also zum Untergang von Gewebe. Aber auch Gefäßentzündungen wie etwa die sogenannten Vaskulitis-Erkrankungen können die Blutversorgung empfindlich stören und so die Organe schädigen.

Im Einzelnen hängt das davon ab, welche Gefäßbereiche betroffen sind – im Prinzip können es alle Abschnitte sein, von der großen Körperschlagader (Aorta) bis zur kleinsten Kapillare oder Vene – und wie stark die Veränderungen sind.

Ärzte unterscheiden eine primäre Form der Vaskulitis von einer sekundären Form. Letzterer liegen entweder andere Erkrankungen zugrunde, etwa eine Kollagenose oder chronische Infektion. Oder es sind Medikamente im Spiel. Bei der primären, eigentlichen Vaskulitis entzünden sich große, mittelgroße oder kleine Gefäße – in der Regel ohne bekannte Ursache.

Vaskulitis großer Gefäße

Bekannteste Vaskulitis überhaupt ist die Arteriitis temporalis (cranialis, Horton). Sie ist auch der Prototyp einer Vaskulitis der großen Gefäße. Zur Hälfte geht sie mit sogenannten Riesenzellen einher und wird dann auch als Riesenzellarteriitis bezeichnet.

Zudem gibt es in dieser Rubrik ein Krankheitsbild namens Polymyalgia rheumatica. Ein Teil der davon Betroffenen hat zusätzlich eine Arteriitis temporalis. Bei beiden Ausprägungen treten neben den jeweils vorherrschenden Beschwerden auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und psychische Veränderungen auf.

Ein weiteres Krankheitsbild aus der Gruppe der Vaskulitiserkrankungen großer Gefäße ist die Takayasu-Arteriitis, auch Aortenbogensyndrom genannt.

  • Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis Horton, Arteriitis cranialis): Diese Vaskulitis-Form betrifft überwiegend ältere Frauen.
    Leitsymptome
    sind Fieber, Kopfschmerzen im Schläfenbereich, Augenschmerzen und Sehstörungen. Das hängt damit zusammen, dass die Entzündung sich schwerpunktmäßig im Bereich derjenigen Gefäße abspielt, die die Augen versorgen. Es sind Gefäßäste, die von der Schläfenarterie abzweigen. Das Stammgefäß ist die äußere Halsschlagader. Sie zieht zum Kopf, was den Zusammenhang mit der Bezeichnung Arteriitis cranialis erklärt. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat übrigens auch eine Polymyalgia rheumatica (siehe unten).

    Diagnose:
    Die Schläfenarterie erscheint optisch verdickt und kann bei der Tastuntersuchung verhärtet und druckschmerzhaft sein. Die zeitnah auftretenden Hauptbeschwerden wie starker Schläfenkopfschmerz und Fieber, dazu eventuell Sehstörungen, lenken die Verdachtsdiagnose meistens schnell in die richtige Richtung. Zur Diagnose tragen außerdem Laboruntersuchungen (stark erhöhte Blutsenkung), ein Check beim Augenarzt zum Ausschluss anderer Ursachen der Augenbeschwerden, eine Ultraschalluntersuchung beziehungsweise Farbduplexsonografie der Schläfengefäße und gegebenenfalls im Anschluss daran – besonders bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis – eine Gewebeprobe aus der Schläfenarterie bei.
  • Polymyalgia rheumatica: Es liegt hier eine Kombination aus Gefäß- und Gelenkentzündung vor, oft von Schleimbeutelentzündungen begleitet. Das Krankheitsbild spielt sich vor allem im Schulter- und Beckengürtelbereich ab. Dort kommt es zu Muskelschmerzen und Morgensteifigkeit der Gelenke. Dazu treten Allgemeinsymptome wie Fieber auf und bei gleichzeitiger Arteriitis temporalis das entsprechende Beschwerdebild (siehe oben).

    Diagnose:
    Bildgebende Verfahren wie Sonografie lassen entzündliche Veränderungen der Gelenke, Sehnen und Schleimbeutel erkennen. Schlagartige Besserung unter Kortison sehen Ärzte nicht nur als Therapieerfolg an, sondern finden damit auch die Diagnose bestätigt.

    Therapie (Riesenzellarteriitis, Polymyalgia rheumatica)
    : Wegen der Gefahr der Erblindung bei einer Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis /cranialis) ist eine sofortige Behandlung mit Kortison in relativ hoher Dosis notwendig. Wenn sich die Beschwerden bessern, senkt der Arzt die Dosis langsam. Um Kortison einzusparen, setzt er mitunter zusätzlich Methotrexat ein. Falls die Beschwerden bei einer Arteriitis canialis unter Kortison nicht in kurzer Zeit deutlich nachlassen, muss die Diagnose überprüft werden. Liegt die Sonderform einer Riesenzellarteriitis vor, hilft Einnehmen niedrig dosierter Acetylsalicylsäure, Gefäßverschlüssen vorzubeugen. Eine reine Polymyalgia rheumatica spricht in der Regel ebenfalls gut und meist sofort auf Kortison an (siehe auch oben, Diagnose). Es genügt hier eine mäßig hohe Startdosis.

Vaskulitis mittelgroßer Gefäße

Zwei Krankheitsbilder kennen Ärzte hier: die Polyarteriitis nodosa und das Kawasaki-Syndrom, das überwiegend Kleinkinder betrifft (mehr dazu im Kapitel "Fieber bei Kindern"). Beide führen unter anderem zu Fieber. Stellvertretend für diese Gruppe hier ein kurzer Blick auf das Krankheitsbild der Polyarteriitis nodosa.

  • Polyarteriitis nodosa: Diese Gefäßentzündung spielt sich vor allem in den Gefäßen mittelgroßen Kalibers ab, die Muskeln, Nieren und Bauchorgane versorgen. Auslösend kann eine Leberentzündung durch Infektionen mit dem Hepatitis B-Virus, mitunter auch das Hepatitis C-Virus sein. Ansonsten ist die Ursache, wie bei Autoimmunerkrankungen meist "üblich", unbekannt.

    Symptome
    : Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Muskel- und Gelenkschmerzen. Kolikartige Bauchschmerzen können durch einen Gefäßverschluss im Bauchraum bedingt sein. Auch ein Anstieg des Blutdrucks (Bluthochdruck), Herzschmerzen und Herzinfarkte wie auch Schlaganfälle kommen vor. Bei jüngeren Betroffenen fallen sie als ungewöhnliche Ereignisse besonders aus dem Rahmen und lassen schon deshalb den Arzt aufhorchen. Nervenschädigungen, Muskelschwäche, epileptische Anfälle oder psychische Symptome weisen auf eine Beteiligung des zentralen Nervensystems hin.

    Diagnose
    : Der Arzt stützt sich bei der Diagnosestellung auf die klinischen Befunde und Laboruntersuchungen. Richtungweisend sind unter anderem der Nachweis einer Hepatitis, Gewebeproben aus einem erkrankten Muskel und Hautgebiet sowie Röntgenbilder (Angiografie) von Gefäßen des Bauchraumes, die bestimmte Gefäßveränderungen aufzeigen.

    Therapie
    : Liegt eine Hepatitis B zugrunde, wird ein Plasmaaustausch durchgeführt. Außerdem setzt der Arzt kurzfristig Kortison und für einige Monate die Substanz Lamivudin ein. Patienten mit Hepatitis C erhalten eine Therapie, die gegen die Infektion gerichtet ist. Lässt sich kein Zusammenhang zu einer Hepatitis herstellen, behandelt der Arzt zeitlich begrenzt mit Kortison, je nach Schweregrad zusätzlich mit speziellen immununterdrückenden Medikamenten wie Cyclophophamid, Methotrexat oder Azathioprin.

Vaskulitis kleiner bis mittelgroßer Gefäße

Ärzte unterscheiden hier Krankheitsbilder mit und ohne bestimmte Antikörper (ANCA, steht für antineutrophile cytoplasmatische Antikörper). Mit ANCA verläuft zum Beispiel die Granulomatose mit Polyangiitis, früher Wegener-Granulomatose genannt. Daneben gibt es in beiden Gruppen noch weitere Formen. Alle haben ihre besonderen Merkmale. Hier beispielhaft einige Informationen zur Granulomatose mit Polyangiitis (GPA).

  • Granulomatose mit Polyangiitis (GPA): Granulomatose bedeutet entzündliche Knötchenbildung in bestimmten Geweben, die dadurch geschädigt werden. Bei der Wegener-Granulomatose sind das zum Beispiel die oberen Atemwege (Nasenschleimhaut, Nasennebenhöhlen, Lungen), eventuell auch das Nierengewebe.

    Symptome:
    Im ersten, örtlich begrenzten Stadium der Erkrankung zeigt sich eine dauernd verstopfte Nase mit borkig-blutigem Schnupfen (siehe auch Beitrag Nasenbluten). Die Nase kann sich verformen ("Sattelnase"), im Mund- und Rachenbereich können sich Geschwüre bilden. Auch sind Schädigungen durch Granulome am Kehlkopf, im Bereich der Hauptbronchien und der Lungen möglich. Dann treten Husten und Atembeschwerden auf. Schreitet die Krankheit fort, drohen Lungenblutungen. Nierenschäden können ein Nierenversagen auslösen. Augenprobleme wie ein rotes Auge mit Bindehaut- und Lederhautentzündung oder ein entzündeter Sehnerv beeinträchtigen womöglich das Sehen. Begleitsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Muskel- und Gelenkbeschwerden sind ein Anzeichen dafür, dass sich die Krankheit sich ausgedehnt hat.

    Diagnose
    : Die klinischen Befunde, Gewebeproben, Blutanalysen und bildgebenden Verfahren, die die Granulome und Gefäßveränderungen erkennen lassen, ergeben zusammen die Diagnose.

    Therapie
    : Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und Schweregrad. Mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) und mit Zytostatika wie Methotrexat und Cyclophosphamid kann sich das Krankheitsbild anfangs oft zurückbilden. Dann schließt sich eine sogenannte Erhaltungstherapie an. Dabei kann zum Beispiel Kortison schrittweise etwas niedriger dosiert und auch mit einem anderen Immunsuppressivum kombiniert werden. Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf werden in der Klinik behandelt. Mitunter kommen spezielle Medikamente, beispielsweise bestimmte biotechnisch hergestellte Antikörper (Biologicals), zum Einsatz. Ein Nierenversagen zwingt zum Austausch des Blutplasmas (Plasmapherese). Manchmal kann jedoch auch eine Nierenverpflanzung aussichtsreich sein, wenn die Krankheit ansonsten unter Kontrolle ist.

Es gibt unterschiedlichste Mechanismen, die ein Arzneimittelfieber auslösen können. Sie reichen von Allergien über eine angeborene Überempfindlichkeit bis zu unmittelbaren pharmakologischen Wirkungen des Arzneistoffes selbst. Auch die Dosis des Medikamentes spielt eine Rolle. Manchmal tritt auch ein Hautausschlag auf. Bei einer immunologisch bedingten Unverträglichkeit kann das Fieber aufgrund einer plötzlichen Abnahme (Neutropenie) oder kompletten Zerstörung der weißen Blutkörperchen (Agranulozytose) entstehen und ist dann in der Regel sehr hoch. Je nach Schweregrad des Mangels an weißen Blutkörperchen und der damit verbundenen Abwehrschwäche drohen außerdem eine akute Mandelentzündung, Mundfäule und Blutvergiftung (Sepsis).

Folgende Arzneimittel sind zum Beispiel als mögliche Auslöser von Fieberreaktionen bekannt:

  • Antibiotika
  • Chemotherapeutika, etwa Bleomycin, Cisplatin, Cytarabin
  • Anti-Pilzmittel wie Amphotericin B
  • Schilddrüsenmedikamente
  • Weitere Arzneistoffe, darunter Metamizol (Schmerzmittel), Procainamid (ein Reservemittel aus der Gruppe der Antiarrhythmika), sehr selten auch Ranitidin (ein Magensäureblocker), eventuell auch einige sogenannte Biologika wie monoklonale Antikörper

Diagnose und Therapie: Bei entsprechendem Verdacht, der sich aus einem engen zeitlichen Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme und Temperaturanstieg ergibt, wird der Arzt ein verdächtiges Medikament in der Regel absetzen. Falls eine alternative Therapie zur Verfügung steht, umso besser. Falls nicht, wird der Arzt den Zusammenhang eingehend prüfen, einen erneuten Therapieversuch allerdings sehr kritisch abwägen, da unter Umständen Gefahren durch eine noch stärkere Reaktion nicht auszuschließen sind. Kommen mehrere Medikamente als Auslöser infrage, kann eine solche Prüfung, am besten in der Klinik, unerlässlich sein.

Manche Tumoren erzeugen verschiedene "Pyrogene", die den Sollwert der Körpertemperatur im Wärmeregulationszentrum des Gehirns verstellen (siehe auch Kapitel "Fieber – Überblick: Was das Symptom bedeutet"). Dann kommt es zu Fieber. Dieses kann zudem anzeigen, dass der Körper sich gegen den Tumor wehrt.

Am häufigsten verursachen Tumoren des Lymphsystems Fieber, insbesondere sogenannte Hodgkin-Lymphome, Non-Hodgkin-Lymphome und akute Leukämien. Oft wird das Fieber hier von Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Schwächegefühl begleitet. Mitunter bringen Ärzte ein unklares Fieber mit Nierenkrebs, Krebs der Bauchspeicheldrüse, Leber, Gallenblase oder auch mit Darmkrebs in Verbindung.

Allerdings lässt ein Fieber sich nicht immer zweifelsfrei der Tumorerkrankung selbst zuordnen, besonders während einer Chemotherapie. Mitunter kommt es als Nebenwirkung nämlich zu einem Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie). Die Blutzellen sind für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig. Ist die Neutropenie ausgeprägt, entwickelt sich leicht ein "neutropenisches Fieber"(siehe Kapitel "Fieber durch Infektionen"). Andererseits kann es auch ein Arzneimittelfieber sein (siehe entsprechendes Kapitel).

Auch weitere mögliche Ursachen – von der Kollagenose bis zur Vaskulitis (darüber informieren die jeweiligen Kapitel) – im Zusammenhang mit einem Tumorleiden sind als Fieberursachen auszuschließen. Dabei kommen dem Arzt meist die Krankengeschichte, die körperlichen Befunde, Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren zu Hilfe.

Wichtig ist stets auch eine ausreichende Trinkmenge, um Flüssigkeitsverluste, etwa auch durch zwischenzeitlich auftretende Durchfälle, auszugleichen. Diese können ebenfalls eine Nebenwirkung der Chemotherapie sein.

Ansonsten wird der Arzt eine weitere Behandlung mit anderen Antibiotika vorschlagen und die Fahndung nach der Ursache fortsetzen.

Über sogenannte neuroendokrine Tumoren (NET) lesen Sie mehr im Kapitel "Hormone & Co".

Schilddrüsenerkrankungen

Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)

Verschiedenste Ursachen, darunter Entzündungen können die Schilddrüse aus dem Lot bringen und in eine Überfunktion treiben. Dabei schüttet die Drüse zu viel Hormone – die zentralen Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin (T4) und Trijodthyronin (T3) – aus. Das zieht vielfältige Beschwerden nach sich, unter anderem eine Störung der Temperaturregelung, da die Schilddrüsenhormone unter anderem den Energieumsatz steuern.

Energieverbrauch erzeugt Wärme, bei Schilddrüsenüberfunktion ist der Verbrauch erhöht. Die Körpertemperatur kann auf 38 °C ansteigen. Die Betroffenen haben eine warme, feuchte Haut, schwitzen vermehrt, sind sehr empfindlich gegenüber Wärme oder vertragen sie schlecht (Wärmeintoleranz). Weitere Informationen zu Diagnose und Therapie im Ratgeber "Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)".

Entzündungen der Schilddrüse

Akute eitrige Schilddrüsenentzündung, akut-subakute Thyreoiditis de Quervain: Diese Bezeichnungen stehen für zwei völlig unterschiedliche Arten von Entzündungen der Schilddrüse. Gemeinsam ist ihnen, dass es jeweils zu hohem Fieber kommt, außerdem zu Schmerzen oder starker Berührunsempfindlichkeit vorne am Hals, wo die Schilddrüse sitzt. Eventuell entwickelt sich dort auch eine Schwellung.

  • Eine akute, eitrige Entzündung der Schilddrüse entsteht durch Bakterien. Bei dem sehr seltenen Krankheitsbild können auch die umgebenden Lymphknoten anschwellen. Die Hormonlage der Schilddrüse bleibt normal. Die Erkrankung muss zügig festgestellt und mit geeigneten Antibiotika behandelt werden, da sonst die Gefahr der Vereiterung droht. Da müsste dann der Chirurg eingreifen. Richtungweisende Parameter sieht der Arzt im Blut, im Ultraschallbild und in einer feingeweblichen Untersuchung der Schilddrüse.
  • Bei der akut-subakuten Thyreoiditis de Quervain ist der Hergang unklar. Oft geht ein Virusinfekt der Atemwege voraus. Veranlagung spielt wohl ebenfalls eine Rolle. Die Diagnose ergibt sich ähnlich wie zuvor beschrieben aus dem Blut, Ultraschallbefunden, einer feingeweblichen Analyse und zusätzlich aus einer Szintigrafie der Schilddrüse. Anfangs kann es zu einer Überfunktion kommen, die im Verlauf dann manchmal in ihr Gegenteil umschlägt, sich aber anschließend meist wieder normalisiert. Es gibt hier nur eine symptomatische Behandlung, was bedeutet: Fieber und Schmerzen mit einem entzündungshemmenden Medikament senken. Bei starken Schmerzen durch die Entzündung im Halsbereich setzt der Arzt vorübergehend Kortison ein.

Erkrankungen der Nebennieren

  • Nebennierenunterfunktion (Insuffizienz): Die Nebennieren sitzen wie kleine Kappen auf den Nieren. Es sind Hormondrüsen, die so wichtige Stoffe bilden wie Kortisol, eines der körpereigenen Steroidhormone, und Aldosteron, den Regler des Salz- und Flüssigkeitshaushalts sowie des Blutdrucks. Diese Hormone werden in der Rindenzone der Nebennieren gebildet. Weiter innen, in der Markzone, entstehen Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin, die Botenstoffe des autonomen (vegetativen) Nervensystems. Ärzte unterscheiden bei einer Unterfunktion der Nebennieren eine primäre und sekundäre Form.

    Im Hinblick auf Fieber ist vor allem die primäre Unterfunktion der Nebennierenrinde, die Addison-Krankheit (Morbus Addison), relevant. Sie entsteht am häufigsten durch immunologische Störungen. Bei der Erkrankung kann es durch Kortisolmangel zu Fieber kommen. Im Vordergrund der Symptome stehen eine ausgeprägte körperliche Schwäche und Muskelschwäche, bräunliche Hautverfärbungen im Bereich von Operationsnarben, an der Handinnenfläche und Mundschleimhaut, Kreislaufbeschwerden und Gewichtsverlust. Bei akuten Belastungen kann die Hormonschwäche sich zur sogenannten Addison-Krise steigern. Dabei tritt häufig Fieber auf (Austrocknungsfieber durch extremen Flüssigkeitsverlust), und es kann ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen folgen.

    Diagnose: Der Arzt stellt eine Schwäche der Nebennierenrinde fest, indem er den Kortisolspiegel im Blut vor und nach Gabe des Hormons ACTH bestimmt (ACTH-Stimulationstest). ACTH regt normalerweise die Nebennierenrinde dazu an, vermehrt Kortisol zu bilden. Bei der Addison-Krankheit bleibt der Anstieg aus.
  • Phäochromozytom: Schwitzattacken, Herzrasen, Kopfschmerzen, Blutdruckkrise: Das sind mögliche Zeichen einer Überfunktion des Nebennierenmarks, die insgesamt aber nur selten vorkommt. Meist ist ein hormonproduzierender Tumor die Ursache. Mit Fieber sollten die Schwitzattacken allerdings nicht verwechselt werden. Auch hier handelt es sich ähnlich wie bei einer Überfunktion der Schilddrüse um eine thermoregulatorische Störung. Mehr zu der Erkrankung im Ratgeber "Bluthochdruck", Kapitel Diagnose"

Wechseljahre: Hitzewallungen, Flush

Hitzewallungen in der Zeit des hormonellen Umbruchs: Die haben natürlich nichts mit Fieber zu tun, auch wenn die "fliegende Hitze" betroffenen Frauen ganz schön ins Schwitzen bringen kann. Ursache ist wiederum eine veränderte Temperaturregulation im entsprechenden Zentrum im Gehirn – dieses Mal sind die sinkenden Blutspiegel der weiblichen Geschlechtshormone am Beginn des Klimakteriums schuld, vor allem der Östrogenentzug. Dabei wird der Sollwert der Körpertemperatur kurzfristig verstellt.

Der Körper folgt den Kommandos gezwungenermaßen und gibt zunächst vermehrt Wärme ab. Dazu erweitern sich die Blutgefäße der Haut der Arme, am Brustkorb, Hals und im Gesicht. Der gesamte Bereich entspricht dem Ausbreitungsgebiet des Sympathikus-Nervensystems, das hier den Ausschlag gibt. Es kommt zu einem sogenannten Flush. Anschließend verengen sich die Gefäße, da der Sollwert wieder steigt, die Betroffenen frieren oder haben leichten Schüttelfrost.
Symptome: Typisch sind eine minutenlang, selten bis zu einer Stunde anhaltende anfallsartige Rötung der Haut im Bereich der oberen Körperhälfte. Die Wallungen werden als eine am Kopf oder Hals beginnende Woge der Wärme empfunden. Es folgen heftige Schweißausbrüche, die entweder nur an einzelnen Stellen (Achselhöhlen) oder großflächig auftreten können. Die Anfälle geschehen zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit. In der Nacht stören sie den Schlaf meist empfindlich. Möglich sind im Zuge der Wallungen auch Schwindelgefühle und ein beschleunigter Herzschlag. Nach dem Flush setzt, wie schon erwähnt, ein vermehrtes Kältegefühl ein. Es kann zu Beginn der Wechseljahre manchmal auch ohne Hitzewallungen auftreten.

Vorsicht: Auch Stress, Kaffee und Alkohol können das Blut in Wallung bringen. Hier die besten Tipps, wie Sie Wechseljahrbeschwerden in den Griff bekommen.

Neuroendokrine Tumoren (NET)

Hitzewallungen (Flush), also die plötzliche Erweiterung von Blutgefäßen der Haut im Bereich der oberen Körperhälfte, verbunden mit dem Gefühl der Hitzeüberflutung, Herzrasen und starkem Schwitzen – gibt es das etwa auch außerhalb der Wechseljahre und / oder auch bei Männern? Durchaus. Zuvor war ja schon vom Phäochromozytom, das durchaus gewisse Ähnlichkeiten aufweist, die Rede. Ein weiterer, seltener Ursprung von Flush-Symptomen sind bestimmte Geschwulsterkrankungen im Verdauungstrakt oder in den Bronchien, sogenannte neuroendokrine Tumoren.

Früher hießen sie Karzinoide, was für tumorähnliche Geschwülste steht. Der Begriff neuroendokrin verweist darauf, dass diese Tumoren sich biologisch von Nervengewebe ableiten lassen und zusätzlich Hormone bilden können. Da Nervengewebe praktisch überall im Körper vorkommt, treten sie an vielen Stellen auf. Bilden sie Hormone, kann das zu unterschiedlichen, aber typischen Beschwerden führen, darunter die oben genannten Flush-Erscheinungen. Dazu kommt es vor allem in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn der Abbau des verantwortlichen Hormons, hier vor allem Serotonin, in der Leber gestört ist. Zu weiteren möglichen Symptomen gehören unter anderem Asthmaanfälle, Durchfälle, Gewichtsverlust, schwere Hautveränderungen.

Zur Diagnostik dienen neben Laboranalysen (Serotonin im Blut, 5-Hydroxyindolessigsäure, ein Abbauprodukt von Serotonin im Urin) und bildgebenden Verfahren vor allem spezielle szintigrafische Techniken, darunter eine Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie (sogenannter Octreotid-Scan). Zur Behandlung gehören unter anderem operative Verfahren. Außerdem werden bestimmte Medikamente eingesetzt, darunter Somatostatinanaloga. Somatostatine sind körpereigene "Gegenhormone", die im Regelsystem der Hormone eine wichtige Rolle spielen. Sie hemmen zum Beispiel die Ausschüttung verschiedener Verdauungsenzyme. Somatostatinanaloga sind künstliche Kopien, die arzneilich wirken.

Um Fieber bei anderen Tumoren geht es im Kapitel "Fieber bei Tumoren"in diesem Ratgeber.

Psychisches "Fieber" – und zwar nicht der Partyrausch, sondern ein krankhafter Zustand – das gibt es tatsächlich. Meistens leiden die Betroffenen noch unter weiteren Störungen des Befindens. Sie fühlen sich vor allem ständig müde und erschöpft. Das verwundert im Zusammenhang mit einer erhöhten Körpertemperatur eigentlich auch nicht. Aber: Dieses "Fieber" reagiert weder auf fiebersenkende Mittel noch auf behutsame Kühlung, etwa durch Wadenwickel.

Gestörte Konfliktbewältigung?

Dahinter stehen meist psychische Belastungen, die nicht adäquat verarbeitet werden. Manchmal zeichnet sich schon in der Kindheit eine entsprechende Reaktionsbereitschaft auf seelischen Ballast ab. Bei Erwachsenen stellen sich meist Konflikte in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz heraus.

Körperliche Ursachen ausschließen

Es ist wichtig, dass der Arzt einerseits körperliche Ursachen der erhöhten Temperatur und Begleitbeschwerden sorgfältig ausschließt. Dazu gehört zum Beispiel auch, eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen im Blutbild richtig einzuordnen. Dazu kann es nämlich auch bei starkem emotionalem Stress kommen, wobei weitere Auffälligkeiten im Blut allerdings fehlen.

Zugleich muss er die Möglichkeit haben, intensiver auf die persönliche Lebenssituation des Patienten eingehen zu können. Das hängt natürlich davon ab, inwieweit der Patient sich hier zugänglich zeigt. Nur so ist es möglich, einen psychischen Hintergrund nicht zu übersehen und adäquate Therapievorschläge zu machen. Dabei kann auch ein Psychotherapeut oder psychiatrisch geschulter Arzt helfen, falls der Betroffene damit einverstanden ist.

Sogenannte somatoforme Störung

Ein älterer Begriff für diese Fieberart ist "habituelles (vegetatives) Fieber" oder "Statuts subfebrilis bei vegetativer Dystonie". Teilweise sind auch Verbindungen zwischen einem zierlichen Körperbau (asthenisch) und Neigung zu vegetativem Fieber angenommen worden. Heutzutage wird es eher dem Problemkreis "chronische Körperbeschwerden ohne Organbefund und ohne andere psychische Störungen", kurz: den somatoformen Störungen zugerechnet. Die im Zuge der damit verbundenen Krankheitsängstlichkeit empfundenen Beschwerden umfassen neben Fieber auch Hitzewallungen, Herzklopfen, Bauchschmerzen und vieles andere mehr. Sie werden nicht etwa absichtlich "erzeugt". Vielmehr sind es Leidensinhalte, die die Betroffenen fest im Klammergriff haben und ihren Alltag erheblich beeinträchtigen können.

Bei der psychologischen Aufarbeitung und Therapie kommt es darauf an, nicht nur mögliche psychische Ursachen zu identifizieren. Auch das persönliche Krankheitsverhalten sowie die Erwartungen an den Arzt und das soziale Umfeld sind Themen. Hier liegen auch Ansatzpunkte für Lösungen.

Fachliteratur zu diesem Ratgeber
Herold G, et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2017
Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten. Herausgegeben von Edouard Battegay. Stuttgart, Georg Thieme Verlag KG, 21. vollst. überarb. und erw. Aufl. 2017

Longo, Fauci, Kasper, Hauser, Jameson, Loscalzo: Harrisons Innere Medizin, Herausgegeben von Dietel M, Suttorp N, Zeitz M, Dtsche Ausg. i. Zus.arb. mit der Charité Berlin, Berlin McGraw-Hill ABW Wissenschaftsverlag, 2012

Der Internist, Organ des Berufsverbandes Deutscher Internisten, Bd. 54, Heft 8, August 2013, Springer Medizin, Springer-Verlag GmbH Berlin Heidelberg 

Internisten im Netz (Berufsverband Deutscher Internisten,
BDI e.V.): Online:
http://www.internisten-im-netz.de/de_was-ist-fieber_1661.html

http://www.internisten-im-netz.de/de_fieber-unbekannter-ursache-fuo_1665.html
Abgerufen am 07.09.2017

Nach Kowalzik F, Zepp F: Das fiebernde Kind. Monatsschrift Kinderheikunde, 2013/3, 196-203, springermedizin.de. DOI: 10.1007/00112-012-2780-8. Abgerufen am 07.09.17


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