Infantiles Hämangiom (Blutschwämmchen)

Ein Blutschwamm tritt insbesondere bei Babys auf und kann sich als rasch wachsender intensiv-roter Knoten äußern

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von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 15.11.2016

Was ist ein infantiles Hämangiom (Blutschwamm)?

Unter einem Hämangiom (griechisch aima "Blut", aggeion "Gefäß") versteht man ganz allgemein einen gutartigen Tumor, der von den Blutgefäßen ausgeht. Der häufigste Hämangiom-Typ ist das infantile Hämangiom (Säuglingshämangiom, Erdbeerangiom, Blutschwämmchen; lateinisch infans "Kind"). Es stellt den häufigsten gutartigen Tumor des Kindesalters dar und tritt bei ungefähr zehn Prozent aller Neugeborenen und Säuglinge auf. Mädchen sind drei- bis fünfmal so häufig betroffen wie Jungen. In der Gruppe der Frühgeborenen kommt das infantile Hämangiom sogar bei bis zu 20 Prozent der Kinder vor.

Ein infantiles Hämangiom kann entstehen, wenn während der Frühschwangerschaft die Regulation der Gefäßbildung gestört ist. Bei Geburt ist die Veränderung in der Regel noch nicht oder kaum sichtbar. Im Laufe der ersten vier Lebenswochen macht sich das Hämangiom als rasch wachsender, intensiv geröteter Knoten bemerkbar. Dieser erreicht in den meisten Fällen eine Größe von mehreren Millimetern bis zwei Zentimetern, kann im Extremfall aber auch zehn Zentimeter oder mehr messen. Nach einigen Monaten hört der Knoten auf zu wachsen und bildet sich anschließend langsam zurück. Zumeist haben die betroffenen Kinder keine Beschwerden. Blutungen aus Hämangiomen kommen nur extrem selten vor.

Allerdings können Hämangiome an bestimmten Körperstellen wie beispielsweise den Augenlidern zu Komplikationen führen. Daher sollten Blutschwämmchen in solchen Problembereichen so früh wie möglich behandelt werden. Hierzu kommt vor allem eine Vereisung mit flüssigem Stickstoff (Kryotherapie) oder eine Lasertherapie in Betracht.

Ganz wichtig: Ein roter Fleck oder ein roter Knoten an der Haut eines kleinen Kindes kann zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer handelt es sich um ein infantiles Hämangiom. Veränderungen an der Haut deshalb grundsätzlich vom Arzt abklären lassen!

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Ein infantiles Hämangiom zeigt sich als rasch wachsendes, intensiv gerötetes Knötchen an der Oberfläche der Haut oder als hellroter bis blauroter flacher Knoten in tieferen Schichten. Häufig sind diese Veränderungen auch miteinander kombiniert. Die Entwicklung eines infantilen Hämangioms verläuft in drei Phasen. Diese sind: Wachstumsphase, Stillstandsphase, Rückbildungsphase (Regressionsphase).

Bei den meisten Betroffenen ist das infantile Hämangiom zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht sichtbar. Erst im Laufe der folgenden vier Wochen macht es sich bemerkbar. In der Hälfte der Fälle geht dem typischen Hämangiom-Knoten ein weißlicher, rötlicher oder bläulich-weißlicher Fleck voraus, in dessen Mitte sich ein erweitertes Blutgefäß befindet.

Feingeweblich setzen sich die meisten infantilen Hämangiome aus kleinsten Haargefäßen (Kapillaren) zusammen. Diese sogenannten kapillären infantilen Hämangiome liegen sehr oberflächlich in der Haut. In Form regelmäßig begrenzter, prall-elastischer Knoten wölben sie die Hautoberfläche vor. Aufgrund ihrer intensiv roten Farbe werden sie auch Erdbeerangiome genannt. Ihre Größe liegt zumeist zwischen einigen Millimetern und zwei Zentimetern. Im Extremfall können sie jedoch auch zehn Zentimeter und mehr messen.

Ein kleinerer Teil der infantilen Hämangiome besteht aus großen, unregelmäßig geformten blutgefüllten Hohlräumen (Kavernen). Diese sogenannten kavernösen infantilen Hämangiome liegen zumeist tiefer innerhalb der Haut und / oder im Unterhautfettgewebe. Sie zeigen sich als weiche, hellrote bis blaurote flache Knoten von einem oder mehreren Zentimetern Größe oder schimmern bläulich und unscharf begrenzt durch die Haut.

Kombinationen aus beiden feingeweblichen Typen kommen häufig vor. Dann sieht man einen bläulichen flachen Knoten von mehr als einem Zentimeter Größe, in dessen Mitte ein kleiner intensiv roter Knoten die Hautoberfläche noch stärker vorwölbt.

Hämangiome meistens auf die Haut begrenzt

Insgesamt sind 60 Prozent aller infantilen Hämangiome auf die Haut begrenzt. 15 Prozent der Veränderungen befinden sich ausschließlich im Unterhautfettgewebe, und die restlichen 25 Prozent setzen sich aus einem oberflächlichen und einem tiefen Anteil zusammen.

60 Prozent der Blutschwämmchen treten am Kopf und / oder am Hals auf, 25 Prozent am Oberkörper und 15 Prozent an einem Arm oder einem Bein. Nachdem es sich in den ersten vier Lebenswochen erstmals bemerkbar gemacht hat, wächst ein infantiles Hämangiom drei bis vier Monate lang sehr schnell. In den folgenden sechs Monaten wächst es zwar etwas langsamer weiter, aber immer noch überproportional im Vergleich zum Körperwachstum. Dadurch unterscheidet es sich deutlich von einer anderen häufigen Veränderung: Bei einem Naevus flammeus entspricht die Größenzunahme lediglich dem allgemeinen Wachstum des Kindes.

Im Anschluss an die Wachstumsphase bleibt ein infantiles Hämangiom für einige Monate bis wenige Jahre unverändert bestehen (Stillstandsphase). Dann ändert es allmählich seine Farbe von intensiv rot über grau-rötlich und grau zu hautfarben. Gleichzeitig wird es weicher und flacher. Diese Rückbildungsphase (Regressionsphase) dauert bei tief liegenden Hämangiomen länger als bei überwiegend oberflächlichen Blutschwämmchen. Bis zum fünften Geburtstag haben sich etwa 50 Prozent aller infantilen Hämangiome spontan zurückgebildet, bis zum siebten Geburtstag 70 Prozent und bis zum neunten Geburtstag 90 Prozent. Allerdings ist diese spontane Rückbildung nur bei etwa 50 bis 60 Prozent der Betroffenen vollständig: Vor allem größere Hämangiome hinterlassen oft Hautfalten, die zum Teil fetthaltiges Bindegewebe enthalten, erweiterte Blutgefäße sowie eine verstärkte oder verminderte Pigmentierung der Haut.

In bestimmten Bereichen des Körpers kann ein infantiles Hämangiom zu ernsten Komplikationen führen. So kann ein großer Blutschwamm in der Nähe des Auges auf den Augapfel drücken, diesen verformen und eine einseitige Kurzsichtigkeit verursachen. Wird der Augapfel aus seiner ursprünglichen Lage verdrängt, schielt das Kind. Dann unterdrückt das Gehirn die störenden Bilder, und die Gehirnstrukturen, die für das Sehen auf dem betroffenen Auge erforderlich sind, können sich nicht richtig entwickeln. Die Folge ist eine einseitige funktionelle Erblindung (Amblyopie). Diese bleibt auch dann bestehen, wenn der ursächliche Blutschwamm sich bereits wieder zurückgebildet hat. Auch eine Sichtbehinderung durch ein großes Hämangiom am Augenlid kann zur Amblyopie führen.

In der Nähe des Mundes kann ein Blutschwamm die Lippen verformen, das Trinken erschweren und zusätzlich Anomalien der Unterkiefer- und der Zahnstellung verursachen. Etwa 50 Prozent der Kinder mit einem Hämangiom an Unterlippe, Kinn, Hals oder Brust leiden gleichzeitig an einem Blutschwamm im Bereich der oberen Atemwege oder der Luftröhre. Dieser kann ebenso wie ein Hämangiom an der Nase die Atmung behindern. Außerdem kann ein Blutschwamm an der Nase das Nasenskelett verformen, und während der Rückbildungsphase lagert sich hier besonders häufig Fettgewebe ein. An der Ohrmuschel kann ein Hämangiom den Ohrknorpel verändern. An der Fingerspitze kann es den Tastsinn beeinträchtigen. Im Anal- und Genitalbereich sowie in Regionen, in denen Haut auf Haut liegt (Leisten, Achselhöhlen, Halsfalten) wird ein Blutschwamm gelegentlich wund gescheuert. Dann kann es zu Schmerzen, Blutungen und Infektionen kommen.

Von einer Hämangiomatose spricht man, wenn an der Haut zahlreiche kleine knotige Blutschwämmchen bestehen. Dann liegen häufig auch innerhalb der Leber, der Milz und der Bauchspeicheldrüse kleine Hämangiome vor. Riesenhämangiome von mehr als zehn Zentimetern Größe können hingegen das Herz überlasten und im Laufe der Zeit zu einer Herzschwäche führen. Insbesondere in großen infantilen Hämangiomen vom kavernösen Typ bleibt der Blutfluss oft stehen, sodass das Gerinnungssystem aktiviert wird. Gerinnungsfaktoren und Blutplättchen (Thrombozyten) werden verbraucht, und es drohen spontane Blutungen in inneren Organen.

Indem er die Eltern des betroffenen Kindes genau befragt und die Haut mit dem bloßen Auge untersucht, stellt der Arzt die Diagnose eines infantilen Hämangioms. Weitere Untersuchungen dienen dazu, die genaue Entwicklungsphase des Blutschwamms zu ermitteln, die exakte Größenausdehnung festzustellen und mögliche Komplikationen auszuschließen.

Der Arzt erkundigt sich bei den Eltern des betroffenen Kindes, in welchem Lebensalter sich die Veränderung erstmalig bemerkbar gemacht hat. Außerdem fragt er, ob der Blutschwamm im Vergleich zum übrigen Körperwachstum überproportional an Größe zugenommen hat und ob er in letzter Zeit weiter gewachsen ist. Anschließend untersucht er die Haut des Kindes mit dem bloßen Auge. Indem er das Hämangiom und dessen Umgebung vorsichtig abtastet, gewinnt er Hinweise darauf, wie weit sich der Gefäßtumor in die Tiefe erstreckt. Außerdem misst er den Blutschwamm aus und führt eine Fotodokumentation durch.

Bei einem ausgedehnten infantilen Hämangiom veranlasst der Arzt zusätzlich Ultraschalluntersuchungen, um die genaue Tiefenausdehnung zu ermitteln und um eine Mitbeteiligung innerer Organe auszuschließen. Im Falle einer Hämangiomatose mit zahlreichen kleinen Hämangiomen an der Haut lässt er gezielt die Bauchorgane mittels Ultraschall untersuchen. Wenn ein infantiles Hämangiom mehr als zehn Zentimeter durchmisst, schließt er eine begleitende Herzschwäche mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) aus. Zusätzlich lässt er Blutbild und Gerinnungswerte bestimmen.

Da sich ein infantiles Hämangiom in der Regel von selbst zurückbildet, ist bei vielen Betroffenen keine Therapie erforderlich. In besonderen Fällen ist es aber ratsam, frühzeitig zu behandeln. Dann wird das Hämangiom zumeist mit flüssigem Stickstoff vereist (Kryotherapie) oder mit einem Laser verödet. Seltener ist eine chirurgische Entfernung erforderlich. In besonders schwierigen Fällen behandelt der Arzt innerlich mit einem Kortisonpräparat (Glukokortikoid) oder mit dem Betablocker Propranolol.

Bei einem kleinen infantilen Hämangiom am Oberkörper, an einem Arm oder einem Bein kann zumeist die spontane Rückbildung abgewartet werden. Sicherheitshalber führt der Arzt regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch, um nicht ein unerwartet rasches Wachstum zu übersehen.

Auch wenn die Eltern berichten, dass der Knoten bereits aufgehört hat zu wachsen, verzichtet der Arzt in der Regel auf eine Therapie. In der Stillstandsphase verbessert eine Behandlung das zu erwartende Endergebnis nämlich nicht. Auch wenn das Kind sechs Monate alt ist, kann davon ausgegangen werden, dass das Wachstum des Hämangioms abgeschlossen ist.

In einigen besonderen Situationen muss ein infantiles Hämangiom jedoch zeitnah behandelt werden:

  • Ein Hämangiom an einer problematischen Stelle:
    • Augennähe
    • Lippen, Nase, Ohrmuschel
    • Finger
    • Analbereich, Genitalbereich
    • Hautfalten: Hals, Achselhöhlen, Leisten
    • Bei Mädchen: Brust, Dekolleté
  • Ein besonders ausgedehntes oder besonders schnell wachsendes Hämangiom
  • Ein Hämangiom, das bereits zu Komplikationen geführt hat oder bei dem akute Komplikationen zu befürchten sind

Dabei wird grundsätzlich nicht angestrebt, das Hämangiom sofort zu beseitigen. Vielmehr zielt die Therapie darauf ab, ein weiteres Wachstum zu verhindern und vorzeitig die Stillstandsphase und anschließend die Regressionsphase einzuleiten.

Ein flaches Hämangiom mit einer Oberfläche von bis zu drei Quadratzentimetern und einer Tiefenausdehnung bis zu vier Millimetern wird in den meisten Fällen vereist (Kryotherapie). Dazu kühlt der Arzt einen Stempel aus Metall mit flüssigem Stickstoff und drückt diesen anschließend für einige Sekunden auf den Blutschwamm. Bei Hämangiomen von größerer Fläche und einer Dicke von bis zu zwei Millimetern kann ein gepulster Farbstofflaser eingesetzt werden. Auch bei dickeren Blutschwämmen kann eine Vereisung oder eine Behandlung mit dem Farbstofflaser zunächst versucht werden, da in vielen Fällen die oberflächliche Behandlung auch das Wachstum des tiefen Anteils stoppt. Beide Verfahren können ohne Betäubung angewandt werden. Häufig sind mehrere Behandlungen im Abstand von einigen Wochen erforderlich.

Sehr tief reichende Hämangiome werden mit Hilfe des Neodym:YAG-Lasers verödet. Aufgrund der Schmerzhaftigkeit kann diese Behandlung bei kleinen Kindern nur in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt werden. Speziell bei tief reichenden Hämangiomen im Bereich von Nase und Lippen kommt auch eine chirurgische Entfernung in Betracht, mit oder ohne vorherige Volumenreduktion durch den Neodym:YAG-Laser.

Ein besonders rasch wachsendes, extrem großes oder an einer problematischen Stelle befindliches Hämangiom kann für einige Wochen innerlich mit einem Kortisonpräparat (Glukokortikoid) behandelt werden. Sobald der Blutschwamm aufhört zu wachsen, reduziert der Arzt die Dosis langsam. Mit dem Betablocker Propranolol steht seit einigen Jahren eine Alternative zu Glukokortikoiden zur Verfügung. Dieses Medikament wird für einige Monate innerlich gegeben und ist bei infantilen Hämangiomen sehr gut wirksam. Allerdings ist es noch nicht offiziell für die Behandlung dieser Erkrankung zugelassen. Arzt und Eltern des betroffenen Kindes müssen also gemeinsam ausführlich besprechen, ob die Therapie im Einzelfall trotzdem infrage kommt, welche Risiken bestehen und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Wenn sich ein infantiles Hämangiom zurückgebildet hat, bleiben gelegentlich Restzustände zurück, vor allem bei größeren Blutschwämmen. Diese Hämangiomreste sollten beseitigt werden, noch bevor das betroffene Kind eingeschult wird. Bindegewebige Lappen, insbesondere solche mit Einschlüssen von Fettgewebe, entfernt der Arzt operativ. Verbliebene erweiterte Äderchen verödet er mit Hilfe eines Lasers.

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Quellen:

Höger, P.: Kinderdermatologie. Schattauer, Stuttgart 2005

Kutzner, H.: Gefäßtumoren der Haut. In: Kerl, H., Garbe, C., Cerroni, L., Wolff H.H. (Hrsg.): Histopathologie der Haut. Springer

Hohenleutner, U., Landthaler, M., Hamm, H., Sebastian, G.: Leitlinie: Hämangiome im Säuglings- und Kindesalter. JDDG 2007; 5: 334-338

Cremer, H.: Hämangiome im Kindesalter: Neue Klassifikation, bewährte und neue Therapieformen. Der Deutsche Dermatologe 2010; 58: 388-397

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2012

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.