Gehirnhautentzündung (Meningitis): Symptome und Therapie

Die Hirnhautentzündung ist eine ernstzunehmende Krankheit. Sie wird meistens durch Viren, aber auch durch Bakterien ausgelöst. Die Meningitis beginnt oft mit grippeähnlichen Symptomen

aktualisiert am 01.06.2017

Was ist eine Gehirnhautentzündung?

Bei der Meningitis kommt es zu einer Entzündung der Hirn- und /oder Rückenmarkshäute (Meningen). Die virale Meningitis, die durch Viren verursacht wird, ist die häufigste Form. Deutlich seltener tritt die bakterielle Gehirnhautentzündung auf. Ursache dieser wesentlich gefährlicheren Meningitis-Variante sind Bakterien, vor allem Pneumokokken, gefolgt von Meningokokken. Aber auch andere Krankheitserreger, zum Beispiel Pilze, können die Hirnhaut befallen. Greift die Entzündung auf das Gehirn über, sprechen Mediziner von einer Meningoenzephalitis.

Symptome: Grippeähnliche Beschwerden und steifer Nacken

Erste Anzeichen, die für eine Meningitis sprechen, sind grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber und starke Kopfschmerzen. Neben diesen unspezifischen Beschwerden weisen eine plötzliche Nackensteifigkeit sowie charakteristische Verfärbungen auf der Haut gezielter auf eine Meningokokken-Meningitis hin. Die virale Meningitis lässt sich von der bakteriellen im Anfangsstadium oft nicht sicher unterscheiden, meist verläuft eine durch Viren ausgelöste Meningitis jedoch milder.

Notfall: bakterielle Meningitis

Eine bakterielle Gehirnhautentzündung ist ein absoluter Notfall, der sofort in einem Krankenhaus behandelt werden muss. Wenige Stunden können hier über das Leben des Betroffenen entscheiden. Die virale Meningitis ist zwar akut weniger gefährlich. Da sie sich aber zumindest zu Beginn der Erkrankung ähnlich äußern kann wie die bakterielle Gehirnhautentzündung, sollten Erkrankte in jedem Fall unverzüglich einen Arzt aufsuchen oder noch besser in ein Krankenhaus mit neurologischer Abteilung gehen. Zudem kann auch eine virale Gehirnhautentzündung einen ernsthaften Verlauf nehmen, wobei dies selten ist.

Ist die Hirnhautentzündung ansteckend?

Wer mit einem Mensch, der an einer Meningokokken-Meningitis erkrankt ist, in Kontakt kommt, kann sich leicht anstecken. Es gilt, solche Personen zu identifizieren und gegebenenfalls antibiotisch zu behandeln. 

Schutzimpfungen gibt es in Deutschland derzeit gegen Meningokokken von den Typen C, B, A, W und Y sowie gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae – also gegen bestimmte Erreger einer bakteriellen Meningitis. Gegen die viral verursachte Gehirnhautentzündung existiert (mit Ausnahme der Frühsommermeningoenzephalitis) kein Impfstoff.

Die bakterielle Meningitis tritt gehäuft im Winter und Frühling auf. 30 bis 40 Prozent aller Fälle ereignen sich in den ersten drei Monaten des Jahres. Vor allem betroffen sind Kleinkinder und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. Glücklicherweise kommt die bakterielle Meningitis in Industrieländern nur noch selten vor; die Erkrankungshäufigkeit liegt bei unter 0,5 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Auch die virale Gehirnhautentzündung kommt gehäuft im Herbst und Frühjahr vor. Eine Ausnahme bildet die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), die vor allem im Frühsommer und Sommer auftritt.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Bestimmte Viren können in das Gehirn gelangen und dort eine virale Meningitis hervorrufen. Dazu zählen unter anderem Enteroviren (z.B. Coxsackieviren), Mumps- und Herpesviren (z.B. Herpes-simplex-, Varizella-zoster- und Epstein-Barr-Viren).

Früher stellte das Bakterium Haemophilus influenzae den Hauptauslöser einer bakteriellen Meningitis dar. Doch durch konsequentes Impfen wurde diese Bakterienart weitgehend zurückgedrängt. Heutzutage sind Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) die häufigsten Verursacher einer bakteriellen Meningitis. Danach schließen sich Meningokokken (Neisseria meningitidis) an, die sich je nach äußerer Struktur in unterschiedliche Unterarten – sogenannte Serogruppen – unterteilen lassen. Meist lösen die Serogruppen B und C eine Meningitis aus.

Gehirnhautentzündung ist oft ansteckend

Übertragen werden die Erreger, egal ob Bakterien oder Viren, meistens von Mensch zu Mensch. Und zwar vorwiegend durch eine Tröpfcheninfektion, das heißt beispielsweise durch Küssen, Husten oder Niesen. Wer mit einem Erkrankten in engen Kontakt kommt, kann sich leicht anstecken.

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (zum Beispiel durch einen angeborenen Immundefekt), haben ein erhöhtes Risiko für eine Gehirnhautentzündung. Anfällig für eine Meningitis sind auch Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Bei ihnen tritt die Krankheit am häufigsten auf.

Sonderfall Neugeborenen-Meningitis

Die sogenannte Neugeborenen-Meningitis, die bei Säuglingen unter einem Monat auftritt, ist ein Sonderfall. Sie wird in den meisten Fällen durch Darmbakterien wie Escherichia coli verursacht. Dabei siedeln sich die Bakterien von einem Entzündungsherd, zum Beispiel dem Nabel, in die Hirnhäute ab.

Auch FSME-Viren können zu einer Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns (Frühsommermeningoenzephalitis, kurz FSME) führen. Bei der Lyme-Borreliose, die durch Borrelien verursacht wird, können sich ebenfalls Hirn und Hirnhäute entzünden. Beide Krankheiten werden durch Zecken übertragen.

Wer sich mit einem Erreger einer viralen oder bakteriellen Meningitis infiziert hat, bemerkt meist erst nach drei bis vier Tagen erste Symptome (Inkubationszeit). Diese ähneln einer Grippe. So kann es zu hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen.

Daneben gibt es charakteristische Beschwerden, die sich direkt auf eine Entzündung der Hirnhäute zurückführen lassen (Meningismus). Typischerweise wird der Nacken steif. Und zwar so, dass der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, den Kopf auf die Brust zu beugen. Bewegungen zur Seite bereiten weniger Probleme.

Auch neurologische Störungen, zum Beispiel epileptische Anfälle, Schwindel, Hörstörungen oder Schläfrigkeit können auftreten.

Risiko Blutvergiftung

Kleine rote oder braune Flecken auf der Haut, die sich zu großen, dunkelroten Stellen und Blutbläschen entwickeln können, weisen auf eine Sepsis (Blutvergiftung) hin. Diese lebensbedrohliche Komplikation kann bei einer Meningokokken-Meningitis auftreten. Dabei vermehren sich die Meningokokken rasch im Blut und befallen weitere Organe. Die Sepsis kommt bei etwa einem Drittel der durch Meningokokken bedingten Meningitis-Fälle vor.

Erkranken Babys oder Kleinkinder an einer Gehirnhautentzündung, sind die auftretenden Beschwerden häufig weniger charakteristisch als bei Erwachsenen. Statt der typischen Nackensteifigkeit äußerst sich die Meningitis eher durch Fieber und Erbrechen, manchmal auch durch Schläfrigkeit und Krämpfe. Zudem kann sich die Fontanelle nach außen wölben.

Eine virale Meningitis verläuft meist unproblematisch, die bakterielle Gehirnhautentzündung stellt jedoch eine ernste Krankheit dar.

Eine bakterielle Gehirnhautentzündung lässt sich vom Laien nicht von einer viralen unterscheiden. Insbesondere die bakteriell bedingte Form kann lebensgefährlich werden. Deshalb gilt in jedem Fall: Sprechen die Symptome für eine Meningitis, muss der Betroffene unverzüglich einen Arzt beziehungsweise ein Krankenhaus aufsuchen.

Um die Diagnose zu sichern und zu bestimmen, ob die Auslöser Bakterien, Viren oder andere Erreger sind, nimmt der Arzt Blut ab und führt schnellstmöglich eine Liquorpunktion durch. Dabei wird "Nervenwasser" im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen und anschließend Aussehen und Zusammensetzung des Liquors untersucht sowie der Erreger bestimmt.

Gelegentlich muss vor der Entnahme des Nervenwassers eine Computertomografie (CT) des Schädels zum Ausschluss eines erhöhten Hirndrucks vorgenommen werden.

Liegt eine bakterielle Meningitis vor, ist dies ein absoluter Notfall! Je schneller die Krankheit erkannt wird, umso besser lassen sich lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Blutvergiftung (Sepsis) vermeiden.

Deshalb verabreicht der Arzt schon bei begründetem Verdacht auf eine durch Bakterien bedingte Gehirnhautentzündung – ohne, dass die Diagnose bestätigt wurde – ein Antibiotikum. In der Regel gibt er ein Penicillin oder ein anderes Breitbandantibiotikum, das gegen viele verschiedene Bakterienarten wirkt. Zusätzlich wird häufig der Kortison-Abkömmling Dexamethason gegeben.

Treten Komplikationen wie eine Sepsis oder ein Schockzustand auf, wird eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus notwendig.

Wer mit dem Erkrankten engen Kontakt hatte, erhält eine Chemoprophylaxe – also vorsorglich Antibiotika, um sich vor einer bakteriellen Meningokokken-Meningitis zu schützen.

Virale Hirnhautentzündung heilt meist von alleine ab

Sind Viren an einer Gehirnhautentzündung schuld, gibt es nur in bestimmten Fällen die Möglichkeit einer speziellen Therapie. Liegt beispielsweise der Verdacht vor, dass Herpesviren der Auslöser sind, geben Ärzte ein Mittel gegen die Viren, zum Beispiel Aciclovir.

Eine viral bedingte Meningitis heilt normalerweise innerhalb von etwa zwei Wochen meist von alleine ab, ohne dass Komplikationen auftreten. Wichtig ist: Bettruhe. Gegebenenfalls können fiebersenkende oder schmerzstillende Mittel die Symptome lindern.

Greift die virale Entzündung von der Hirnhaut auf das Gehirn über (Enzephalitis), kann dies lebensbedrohlich werden und muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.

Zu den Bakterienarten, die eine Gehirnhautentzündung auslösen können, gehören Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae. Gegen alle drei Erreger gibt es Impfstoffe.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, dass Babys innerhalb der ersten 14 Lebensmonate die Impfungen gegen Haemophilus influenzae sowie gegen Pneumokokken erhalten. Ab 12 Monaten empfiehlt die STIKO eine Immunisierung gegen Meningokokken. Dieser Impfstoff richtet sich gegen Meningokokken vom Typ C.

Die Pneumokokken-Impfung wird auch Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Mumpsviren können eine virale Meningitis auslösen. Die Mumpsimpfung – meist eine Kombination gegen Mumps, Masern und Röteln – kann deshalb vor einer Gehirnhautentzündung, die durch Mumpsviren verursacht wird, schützen. Die Impfung wird für Babys ab dem Alter von elf Monaten empfohlen.

Gegen die Frühsommermeningoenzephalitis steht die FSME-Impfung zur Verfügung. Sie wird allen Menschen empfohlen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten.

Dr. med. Frank Huber ist Facharzt für Neurologie sowie Arzt für Nervenheilkunde und trägt die Zusatzbezeichnung Chirotherapie. Er ist Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum St. Marien in Amberg und sitzt auch im Ethikkomitee des Krankenhauses. Huber ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und referiert regelmäßig in der Öffentlichkeit , unter anderem über das Thema Schlaganfall.

Quellen:

Robert Koch Institut

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Meningokokken.html

http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2016/Ausgaben/34_16.pdf?__blob=publicationFile

 

Leitlinien

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-089l_S2k_Ambulant_erworbene_Meningoenzephalitis_2016-08.pdf

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-100l_S1_Virale_Meningoenzephalitis_2014-10.pdf