Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Informationen zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten – von Brille über Kontaktlinsen bis Laser

aktualisiert am 16.05.2013

Sicherlich kennen Sie das: Ältere Menschen können in der Nähe nicht mehr so gut sehen und halten die Zeitung, das Buch oder das Etikett weit von sich weg, um die Worte und Zahlen besser lesen zu können. Diese Alterssichtigkeit ist eine ganz normale Veränderung der Augenlinse, die im Alter zwischen 40 und 50 Jahren beginnt und mit 65 abgeschlossen ist. Augenärzte sprechen dann von einer Presbyopie.

Der normale Abstand zum Lesen beträgt 35 Zentimeter. Um in diesem Nahbereich scharf sehen zu können, muss sich die Linse wölben. Dafür zieht sich ein Ringmuskel im Ziliarkörper des Auges zusammen, wodurch sich der Aufhängeapparat der Linse zugleich entspannt und die Linse kugelförmiger wird. Diese Naheinstellung ist bei der Alterssichtigkeit reduziert, weil sich die Linse verhärtet hat. Die Folge: Die Bereiche, auf die das Auge scharf stellen kann, rücken immer weiter in die Ferne. So erklärt sich auch, warum ältere Menschen die Arme zum Lesen ausstrecken, um noch scharf sehen zu können.

Das Auge ist dabei für die Ferne immer noch normalsichtig, weil es das Bild weiterhin scharf auf der Netzhaut abbilden kann – aber eben nur bei der passenden Distanz zum Objekt. Genau genommen ist die Alterssichtigkeit also keine Krankheit und auch keine Fehlsichtigkeit, weil der natürliche Prozess der Linsenverhärtung bei allen Menschen eintritt und sich nicht durch ein spezielles Augentraining aufhalten lässt.

Die Presbyopie als Altersweitsichtigkeit zu übersetzen ist deshalb nicht korrekt. Denn die Ursache einer Weitsichtigkeit ist ein Brechungsfehler des Auges, der bei einer Alterssichtigkeit nicht gegeben ist.

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Normaler Alterungsvorgang: Die allmählichen Veränderungen des Auges haben keine genetischen, also erblichen Gründe. Denn die Presbyopie ist ein ganz normaler Alterungsvorgang, der jeden Menschen betrifft und auch durch ein spezielles Augentraining nicht aufgehalten werden kann.

Für die Naheinstellung muss sich die Linse wölben: Der Augenmuskel zieht sich zusammen, gleichzeitig entspannen sich die Aufhängebänder der Linse, sodass sie kugelförmiger wird. Im Laufe des Lebens "altert" das Auge jedoch:

Starre Linse: Bei unserer Geburt ist die Linse noch sehr elastisch. Über die Jahre wird sie immer dicker und härter, weil sich das Gewebe verdichtet. Die Folge: Die Linse lässt sich nicht mehr so flexibel wölben.

Verschwommenes Bild: Da die Linse nicht mehr so elastisch und der Ziliarmuskel im höheren Lebensalter nicht mehr so kräftig ist, kann das Auge die von nahen Objekten einfallenden Lichtstrahlen nicht mehr richtig bündeln. Die so genannte Brechkraft der Linse nimmt also ab und die Gegenstände im Nahbereich bilden sich nur noch verschwommen auf der Netzhaut am Augenhintergrund ab.

Die Folge: Der Bereich, auf den das Auge scharf stellen kann, verschiebt sich von der normalen Lesedistanz (35 Zentimeter) immer weiter in die Ferne – im Alter von etwa 65 Jahren liegt er bei etwa zwei Metern.

 

Probleme beim Lesen: Da das Sehen in der Ferne weiterhin klappt, halten die Betroffenen die Zeitung, das Buch, das Preisschild oder das Nadelöhr weiter weg und stellen fest, dass das Bild dann wieder schärfer wird. Doch irgendwann reicht die Länge der Arme nicht mehr aus, um alles gut erkennen zu können – dann ist die Alterssichtigkeit so weit fortgeschritten, dass das Lesen kaum noch möglich ist.

Bei der Presbyopie handelt es sich um einen ganz normalen Alterungsprozess: Während ein zwei Jahre altes Kind ein kleines Bild in fünf Zentimeter Entfernung scharf sehen kann, kann ein Siebenjähriger Buchstaben auf sieben Zentimeter fokussieren. Mit Zwanzig funktioniert das nur noch bei einer Entfernung von zehn Zentimetern, mit 40 sind es schon 25 Zentimeter, bei einem 50-Jährigen sogar 50 Zentimeter, mit 65 klappt die Naheinstellung nur noch auf zwei Meter – in diesem Alter sind die Veränderungen im Auge dann aber auch abgeschlossen.

Eine zusätzliche Alterssichtigkeit entwickeln auch kurzsichtige und weitsichtige Menschen:

Kurzsichtigkeit entsteht meist durch einen zu langen Augapfel oder wegen eines Fehlers bei der Brechung des einfallenden Lichts. Die Folge: Die Strahlen werden zu stark gebündelt, sodass der Schnittpunkt nicht auf der Netzhaut am Augenhintergrund liegt, sondern davor. So kommt es, dass kurzsichtige Menschen in der Ferne nicht scharf sehen. Eine zusätzliche Alterssichtigkeit, die ab dem 40. Lebensjahr einsetzt, ist für viele Kurzsichtige kein Problem, da die Kurzsichtigkeit die entstehende Alterssichtigkeit ausgleicht – nur der nötige Abstand zum fixierten Objekt ändert sich.

Weitsichtigkeit kommt durch einen zu kurzen Augapfel oder eine veränderte Brechung von Hornhaut oder Linse zustande. Die Folge: Der Schnittpunkt des einfallenden Lichts liegt nicht auf der Netzhaut, sondern dahinter. Bei jungen Menschen kann das Auge diesen Brechungsfehler durch die Aktivität des Ziliarmuskels weitgehend ausgleichen, sodass viele Menschen gar nicht bemerken, dass sie weitsichtig sind. Wenn dann aber die Alterssichtigkeit einsetzt, können sie erst in der Nähe und später auch in der Ferne nicht mehr scharf sehen. Der Prozess macht sich etwas früher als beim Normalsichtigen – nämlich bereits im Alter zwischen 35 und 45 Jahren – bemerkbar.

Da sich die Alterssichtigkeit (Presbyopie) im Alter ab 40 Jahren durch erste Probleme mit dem Nahsehen bemerkbar macht, empfiehlt es sich, zum Augenarzt zu gehen und dort die Brechkraft und die so genannte Akkomodationsfähigkeit der Augen untersuchen zu lassen. Als Akkomodation bezeichnen Ärzte die Fähigkeit des Auges, sich auf verschiedene Entfernungen flexibel einzustellen.

Die Sehschärfe des Auges lässt sich mit Hilfe von Sehproben-Tafeln leicht feststellen: Der Augenarzt fordert Sie dann auf, Zahlen oder Buchstaben vorzulesen, die schwarz auf weißem Grund in verschiedenen Größen abgebildet sind. Jedes Auge wird einzeln getestet.

Phoropter: Um die bestmögliche Sehschärfe für die Ferne und die Nähe noch genauer bestimmen zu können, wiederholt der Augenarzt den Test: Im zweiten Durchlauf schauen Sie durch ein Gerät, in dem der Augenarzt verschieden starke Korrekturgläser einstellen kann, und Sie geben nochmals an, welche Buchstaben und Zahlen Sie erkennen können. Eine Alternative zu einem solchen Phoropter ist die Messbrille, die Ihnen der Arzt aufsetzt und die er auch mit unterschiedlich starken Gläsern versehen kann. Wenn der Augenarzt das richtige Glas für die Ferne und die Nähe ermittelt hat, erreichen Sie in allen Entfernungen Ihre bestmögliche Sehschärfe. Anschließend kann Ihnen der Augenarzt die entsprechende Brille verordnen.


Mit Hilfe eines Refraktometers lässt sich die Lichtbrechung im Auge messen, ohne dass Sie selbst etwas tun müssen. Sie setzen sich lediglich vor das Gerät und schauen durch ein optisches System. Das Refraktometer schickt Lichtstrahlen ins Auge, die von der Hornhaut und der Linse gebündelt werden und schließlich auf die Netzhaut treffen. Das Gerät kontrolliert die Lichtbrechung und errechnet, welche Brillenstärke optimal wäre, um im Fern- und Nahbereich wieder gut sehen zu können.

Dioptrie: Die Brechkraft des alterssichtigen Auges lässt sich durch spezielle Brillengläser ausgleichen. Die Stärke wird in der Einheit Dioptrien angegeben. Bei einer Lesebrille mit Sammellinsen liegen die Dioptrie-Werte im positiven Bereich, weil die Gläser leicht nach außen gewölbt (konvex) sind. Man sagt dann zum Beispiel: "Ich habe auf dem linken Auge plus 1,5 Dioptrien und rechts plus 2 Dioptrien."

Lesebrillen

Um einen Text im Abstand von 35 Zentimetern lesen zu können, brauchen normalsichtige Menschen im Alter von 45 Jahren eine Lesebrille mit etwa +0,75 Dioptrien. Die Fähigkeit des Auges, sich auf den Nahbereich einzustellen, lässt jedoch im Laufe des Lebens weiter nach.

Die Fähigkeit des Auges, sich auf verschiedene Entfernungen flexibel einzustellen (Akkomodation), verändert sich alle fünf Jahre um weitere +0,75 Dioptrien, sodass es folgende grobe Anhaltspunkte gibt:

45 bis 50 Jahre: Lesebrille mit +0,75 Dioptrien
50 bis 55 Jahre: Lesebrille mit +1,5 Dioptrien
55 bis 60 Jahre: Lesebrille mit +2,25 Dioptrien
60 bis 65 Jahre: Lesebrille mit +3,0 Dioptrien

Bei Weitsichtigen, die bislang eine Korrekturbrille mit beispielsweise +2,0 Dioptrien trugen, müssen die Werte für die Alterssichtigkeit addiert werden. Eine 50 bis 60 Jahre alte Person bräuchte also eine Lesebrille mit +2,0 Dioptrien zur Korrektur der Weitsichtigkeit und zusätzlich für die Alterssichtigkeit +2,25 Dioptrien, also insgesamt +4,25 Dioptrien.

Bei kurzsichtigen Personen mit beispielsweise -3,0 Dioptrien gleicht die Kurzsichtigkeit die Alterssichtigkeit aus: Im Alter von 50 bis 60 Jahren ergäbe sich nämlich folgende Rechnung: -3,0 Dioptrien +3,0 Dioptrien = 0,0 Dioptrien. Sie können also ohne Brille lesen.

Die meisten älteren Menschen brauchen zwei Brillen, eine Korrekturbrille für die Ferne und eine Lesebrille.

Bifokal-Brillen

Das lästige Wechseln der Brillen für den Nah- und für den Fernbereich lässt sich erfreulicherweise mit Bifokal-Brillen vermeiden. Sie sind im oberen Glasbereich auf die Fernsicht eingestellt und im unteren Glasbereich beim Lesen auf die Nahsicht. Bei herkömmlichen Zweistärken-Brillen trennt eine sichtbare Kante die beiden Bereiche. Nachteil: Der abrupte Übergang von Fern- und Nahsicht kann als störend empfunden werden.

Gleitsichtbrillen

Bei Gleitsichtbrillen ist das Glas so geschliffen, dass die beiden Zonen für die Ferne und die Nähe allmählich ineinander übergehen. Vorteil: Alterssichtige können damit nicht nur in der Ferne und in der Nähe scharf sehen, sondern auch im Mittelbereich – beispielsweise beim Arbeiten am Bildschirm. Nachteile: Einige Menschen haben anfangs Probleme bei der Eingewöhnung, weil das Tragen der Gleitsichtbrille einen leichten Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen kann. Manche Brillenträger haben auch das Gefühl, dass sich der Boden im seitlichen Gesichtsfeld nach oben wölbt. Die anfänglichen Probleme vergehen meist nach einigen Wochen.

Sie können sich für harte oder weiche Kontaktlinsen entscheiden – hinzu kommt, dass es drei verschiedene Prinzipien gibt, um die Sicht im Nahbereich zu verbessern:

1. Prinzip der Monovision

Die meisten Menschen haben ein dominantes Auge. Auf dieses sogenannte Führungsauge setzt man eine Kontaktlinse für die Fernsicht, auf das andere Auge eine Linse für die Nahsicht. Das Gehirn verarbeitet dann beide Seheindrücke so, dass mit einem Auge Bilder in der Ferne und mit dem anderen Auge Bilder in der Nähe scharf sind. Übrigens: Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe hatte von Kindheit an ein kurzsichtiges und ein normalsichtiges Auge – sein Gehirn war von klein auf an die Monovision gewöhnt. In Erinnerung daran spricht man auch vom "Goethe-Blick".

Nachteil: Bei der Monovision ist nur ein reduziertes räumliches Sehen (Stereosehen) möglich. Sie können Abstände beispielsweise beim Eingießen des Kaffees oder beim Treppensteigen nicht mehr so präzise wahrnehmen, auch beim Autofahren kann es Probleme geben. Für junge Menschen und für Personen, die berufsbedingt hohe Anforderungen an ihr räumliches Sehen stellen müssen, sind diese Verfahren deshalb eher nicht geeignet.

2. Bifokale Kontaktlinsen

Beim Geradeaus-Schauen blicken Sie durch den oberen Teil der Kontaktlinse und können in der Ferne gut sehen. Bei gesenktem Blick beispielsweise fürs Lesen schauen Sie durch den unteren Teil für die Nahsicht. Damit sich solche bifokalen Linsen im Auge nicht drehen, wenn sich die Lider bewegen, sind sie unten etwas schwerer als oben – damit dieser "Trick" funktioniert, muss der Arzt die Linsen aber sehr gut anpassen. Es gibt auch formstabile, also harte Kontaktlinsen, die einen unteren Nahsichtbereich haben, der wie ein Tortenstück aussieht, wobei der mittlere Bereich vor der Pupille ausgespart bleibt.

3. Simultanes Prinzip

Beim simultanen Prinzip haben die Kontaktlinsen um den Mittelpunkt angeordnete konzentrische Ringe, deren Zonen die unterschiedlichen Seh-Entfernungen scharf abbilden. Das Gehirn braucht eine Weile, um sich an das simultane Prinzip zu gewöhnen, denn es muss lernen, das gewünschte Bild – sei es in der Ferne oder in der Nähe – auszuwählen und das zweite ebenfalls scharfe Bild zu unterdrücken. Für den korrekten Sitz der Kontaktlinsen ist es wichtig, dass sich der zentrale Bereich nur minimal verschieben darf.

4. Mischformen

Da das Gehirn lernen kann, Bilder vom rechten Augen mit denen des linken Auges zusammenzusetzen, lässt sich das Prinzip der Monovision auch mit dem simultanen Prinzip kombinieren. Eine Variante ist dann, auf das führende Auge eine Linse mit einem inneren Nahsichtbereich zu setzen, und für das andere Auge eine "normale" Linse für die Fernsicht zu nehmen. Die Alternative dazu: Die Linsen für beide Augen haben in der mittleren Zone den Nahsichtbereich, beim Führungsauge ist der Kreis jedoch größer. Möglich ist es aber auch, Kontaktlinsen für den Fernbereich zu tragen und zum Lesen eine Brille für den Nahbereich aufzusetzen.

Wichtig: Der Arzt muss die Augen genau ausmessen, damit die Kontaktlinsen richtig sitzen. Der Durchmesser und der Krümmungsradius sind dabei ebenso entscheidend wie der Kunststoff, aus dem sie gefertigt sind – das Material kann hart oder weich sein. Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt oder Ihrem Optiker über die Pflege der Kontaktlinsen und tragen Sie sie nicht länger als empfohlen, denn die Hornhaut braucht auch am Tage einige Stunden Zeit, um optimal mit Sauerstoff versorgt werden zu können.

Starre Kunstlinsen

Das Implantat besteht aus einem festen Kunststoffmaterial. Auf der vorderen Oberfläche sind mehrere Ringe mit unterschiedlicher Brechkraft eingearbeitet, sodass im Auge zwei Schärfezonen entstehen – eine für den Nahbereich und eine für die Ferne. Im Zwischenbereich sieht das Auge meist nicht ideal scharfe Bilder, was beispielsweise das Arbeiten am Computer erschwert. Ein weiterer Nachteil für Autofahrer: Bei Dunkelheit können Reflexe um punktförmige Lichtquellen – beispielsweise um die Rücklichter der vorausfahrenden Autos – entstehen. Die noch nicht gänzlich gelösten Probleme der Multifokal-Linsen führen dazu, dass sie in Deutschland noch keinen großen Marktanteil haben.

Verformbare Kunstlinsen

Verformbare Kunstlinsen ändern ihre Position hinter der Pupille und damit die Brechkraft des Auges durch die noch vorhandene Restaktivität des Ziliarmuskels. Diese akkomodierenden Interokularlinsen sollen ein Sehen in die Nähe und in die Ferne ermöglichen – aber auch sie befinden sich noch in der Erprobungsphase.

Monovision

Wenn Sie wegen einer Alterssichtigkeit (Presbyopie) in der Nähe nicht mehr scharf sehen, bietet sich als Alternative zur Lesebrille auch eine operative Korrektur an. Ziel ist es, eine so genannte Monovision zu schaffen: Ein Auge wird auf den Leseabstand eingestellt, das andere bleibt scharf für die Ferne. Nachteil: Bei der Monovision ist nur ein reduziertes räumliches Sehen (Stereosehen) möglich. Sie können Abstände beispielsweise beim Eingießen des Kaffees oder beim Treppensteigen nicht mehr so präzise wahrnehmen, auch beim Autofahren kann es Probleme geben. Für junge Menschen und für Personen, die berufsbedingt hohe Anforderungen an ihr räumliches Sehen stellen müssen, sind diese Verfahren deshalb eher nicht geeignet.

Kontaktlinsen als Test

Da sich diese Operation nur schwer wieder rückgängig machen lässt, wird das erwartete Ergebnis mittels Probierbrille oder Kontaktlinsen simuliert, um zu testen, ob das Gehirn mit dem Prinzip der Monovision zurecht kommt. Das Sehzentrum muss nämlich lernen, das jeweils scharfe Auge zu benutzen.

Es gibt zwei unterschiedliche Verfahren, die Augen zu behandeln:

Die LASIK-Methode

Bei der LASIK-Methode hebt der Arzt zuerst eine hauchdünne Lamelle von der Hornhautoberfläche ab und schiebt sie für die Operation zur Seite. Danach wird das Relief der verbliebenen Hornhaut mit einem hochpräzisen Kaltlichtlaser (Excimer-Laser) neu gestaltet und die Lamelle anschließend zurückgelegt. Die Lamelle wirkt wie ein körpereigenes Pflaster, was eine Abheilung innerhalb weniger Tage ermöglicht.

Die Lamelle kann mit zwei unterschiedlichen Verfahren gebildet werden: entweder mit einem Präzisionsmesser (Keratom) oder mit dem Femto-Sekunden-Laser. Die moderne Lasermethode gilt als schonender, sicherer und für den Patienten meist angenehmer.

Die Conduktive Keratoplastik (CK)

Sie eignet sich für Alterssichtige, die in der Ferne gut sehen, und für Weitsichtige mit einem Sehfehler von maximal +1,5 Dioptrien. Der Augenarzt markiert entsprechend seinen zuvor erfolgten Berechnungen mehrere Punkte auf der Hornhaut. Die Behandlung erfolgt anschließend in den markierten Arealen durch hochfrequente Wellen, die mit Hilfe einer kleinen Sonde auf das Gewebe der Hornhaut einwirken. Durch die Behandlung zieht sich das Gewebe zusammen, ähnlich dem Engerschnallen eines Gürtels. Der Patient sieht nach der Behandlung mit dem behandelten Auge in die Nähe, mit dem nicht behandelten Auge in die Ferne scharf.

Es gibt noch zwei weitere Verfahren, die viel versprechend sind, sich jedoch noch in der Experimentalphase befinden:

Weichlasern der Linse

Für das Sehen im Nahbereich ist es wichtig, dass sich die Linse nach vorn wölben kann. Im Laufe des Lebens verliert sie jedoch zunehmend ihre Elastizität. Zurzeit erforschen Wissenschaftler, wie sich starre Linsen mit Hilfe von Laserimpulsen aufweichen lassen könnten. Tierversuche waren erfolgreich, aber es kam in den behandelten Linsen häufig dazu, dass sich ein grauer Star bildete. Inwieweit sich die Ergebnisse verbessern und in Zukunft auf den Menschen übertragen lassen, ist bisher noch offen.

Hornhaut-Implantat

Diese neue, in den USA entwickelte Operationsmethode, eignet sich für alterssichtige Menschen, die in der Ferne gut sehen können. Ähnlich wie bei der LASIK-Methode wird dabei eine Lamelle geschnitten, dann aber nicht gelasert, sondern ein Implantat eingelegt. Dabei handelt es sich um ein Plastikscheibchen mit einem Durchmesser von beispielsweise 3,8 Millimetern, das in der Mitte eine Öffnung von einem Millimeter aufweist. Die kleine Scheibe funktioniert wie eine Lochblende bei einer Kameralinse. Das heißt, die Tiefenschärfe erhöht sich, sodass bei gutem Licht Objekte in der Nähe scharf abgebildet werden können. Das Implantat lässt sich wieder entfernen, falls das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist. Auch diese Methode wird noch mit klinischen Studien überprüft, um die erzielbaren Ergebnisse genauer vorherbestimmen zu können.

Professor Dr. Klaus G. Riedel ist Facharzt für Augenheilkunde und war vom 1.10.1993 bis zum 31.12.2014 als Leitender Arzt an der Augenklinik Herzog Carl Theodor in München tätig. Seine Weiterbildung zum Augenarzt und seine Habilitation erfolgten an der Augenklinik der LMU München. Während seiner Facharztausbildung absolvierte er ein zweijähriges Forschungsstipendium an der Augenklinik der Harvard Universität in Boston. Professor Riedel ist Mitglied der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Während seiner klinischen Zeit betreute er vor allem Patienten mit Grauem Star, mit Grünem Star und mit Erkrankungen der Netzhaut und der Augenlider. Sein operativer Schwerpunkt war die plastische und wiederherstellende Chirurgie der Augenlider.

Quellen:

- Grehn: Augenheilkunde, Springer Verlag, 30. Auflage

- Patienteninformationen des Berufsverbandes der Augenärzte zur Alterssichtigkeit

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.