Leistenschmerzen

Leistenbrüche, Überlastung im Sport, Hüftleiden, Harnsteine: Das sind häufig Ursachen von Schmerzen in der Leiste – also zwischen Unterleib, Hüfte und Oberschenkel

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.03.2017

Verglichen mit anderen Körperteilen ist es um die Leiste eher still. Doch der Schein trügt. Mehr als 200.000 mal pro Jahr reparieren Chirurgen Schwachstellen, die einem Leistenbruch den Weg bahnten. Damit gehören Operationen von Leistenbrüchen zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in Deutschland.

Gleich vorweg: Leistenbrüche sind im Allgemeinen anhand einer plötzlich auftretenden, schmerzlosen Vorwölbung im Stehen oder beim Pressen in der Leiste sicht- und tastbar. Mitunter verursachen sie ein Ziehen oder Druckgefühl in der Leiste. Ein schmerzhafter Leistenbruch ist ein Alarmzeichen: In den Bruchsack geratenes Gewebe aus dem Bauchraum hat sich mutmaßlich eingeklemmt und kann abgeschnürt werden (Notoperation erforderlich!). Andere Ursachen für Leistenschmerzen sind beispielsweise Sportverletzungen, Harnsteinleiden oder Probleme am Hüftgelenk.

Leistenbrüche gehören also zu den potenziell gefährlichen und damit sehr bedeutsamen Ursachen von Leistenschmerzen.

Leistenschmerzen – Leiden der Männer?

Fest steht: Einen Leistenbruch (Fachbegriff: Hernia inguinalis) haben Männer acht- bis neunmal häufiger als Frauen. Dass die Leiste bei Männern besonders anfällig ist, liegt am Leistenkanal in der unteren Bauchwand. Bleibt er nach der Geburt, wenn die Hoden schon hindurchgetreten sind, offen, oder ist die Muskellücke in der Bauchwand zu locker, entsteht eine natürliche Schwachstelle. Dies kann einen angeborenen Leistenbruch zur Folge haben.

Bei älteren Männern begünstigt vor allem eine Bauchwandschwäche Leistenbrüche. Gibt die Bauchwand zu wenig Halt, genügen manchmal schon viel Husten oder gewohnheitsmäßiges Pressen bei Verstopfung, und schon ist es passiert.

In beiden Fällen besteht eine gewisse Gefahr, dass sich durch die "Bruchpforte" Gewebe aus dem Bauchraum nach außen unter der Haut vorstülpt: Bauchfell und Darm oder – in den selteneren Fällen, bei denen Mädchen oder Frauen betroffen sind – auch ein Teil des Eierstocks. Wird das eingeklemmte Gewebe abgeschnürt und nicht mehr durchblutet, entwickelt sich der zunächst harmlose Bruchsack schnell zur gefährlichen "Falle". Dennoch sehen Ärzte heute bei Erwachsenen nicht mehr zwangsläufig die sofortige Notendigkeit für eine Operation.

Wenn Athleten, etwa Fußballspieler, miteinander reden, geht es bisweilen auch um Probleme wie "Sportlerleiste" oder "weiche Leiste" – allerdings ein umstrittenes Beschwerdebild (mehr dazu im Kapitel "Leistenbruch, Schenkelbruch" in diesem Beitrag). Möglicherweise liegen Männer auch hier vorne, denn bei leistenkritischen Sportarten wie Fußball oder Eishockey dominieren sie weiterhin.

Mit Harnsteinleiden sie schicken gelegentlich heftige Schmerzsignale in Richtung Leiste – plagen sich Männer immerhin doppelt so oft herum wie Frauen.

Auch eine Hüftkopfnekrose, eine Art Infarkt des Hüftgelenkes, betrifft häufiger Männer als Frauen. Ähnlich das sogenannte Impingement der Hüfte, bei dem Bewegungen im Hüftgelenk nicht rund laufen, sodass das Gelenk vorzeitig verschleißen kann. Sport wie Fußball oder Hockey, besonders als Leistungssport, begünstigt das Hüftproblem. In beiden Fällen gehören Schmerzen in der Leiste zu den führenden Symtomen.

Bei Hodenschmerzen stellt sich die Frage, um welches Geschlecht es geht, erst gar nicht. Zudem lassen sich Schmerzen in so sensiblen Bereichen wie Leiste und Hoden nicht immer scharf voneinander trennen. Sind Leistenbeschwerden also ausgemachte Männersache?

Die Antwort lautet Jein: Denn Schmerzen in der Leiste betreffen auch Frauen, meist aber anders und weniger häufig.

Auch Frauen haben mit Leistenschmerzen zu tun, aber anders

Ältere Frauen erleiden mitunter einen Schenkelbruch in der Leistengegend im weitesten Sinne (Schenkelhernie, ebenfalls ein Eingeweidebruch, nicht zu verwechseln mit einem Bruch des Oberschenkelknochens). Zu einem solchen Schenkelbruch kann es aber gelegentlich auch in der Schwangerschaft kommen.

Die schmerzvolle Beckenringlockerung, ebenfalls im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft, betrifft natürlich nur Frauen. Demgegenüber kommen die seltenen Stress- oder Überlastungsbrüche des vorderen Beckenringes, etwa infolge einer Knochenerkrankung namens Osteomalazie, wiederum bei beiden Geschlechtern vor. Einigermaßen ausgeglichen sieht die Geschlechterverteilung bei der Hüftarthrose aus, einer weiteren zentralen Ursache von Leistenschmerzen. Ab etwa 50 Jahren tritt sie zunehmend häufig auf.

Damit stehen bereits wichtige Auslöser von Schmerzen in der Leiste fest – und die Mehrheitsverhältnisse auch: Die Leiste lahmt lieber beim Mann.

Leistenschmerzen – Was kann es sonst noch sein?

Geschwollene Lymphknoten

Normalerweise fühlt man Lymphknoten nicht oder höchstens mal vereinzelt als erbsgroße Knötchen in der Leiste. Lymphknoten sind zentrale Abwehrstationen des Immunsystems. Werden sie vermehrt beansprucht, nehmen sie an Größe zu (Lymphadenitis oder Lymphadenopathie). Bei Infektionen oder bei Entzündungen am Bein zum Beispiel können Leistenlymphknoten anschwellen und mitunter auch schmerzhaft sein.

Ursachen in der Umgebung der Leiste

Nicht selten sind Probleme mit den Gelenken der Grund für Schmerzen in der Leiste und / oder Hüfte. Infrage kommen neben der schon genannten Hüftarthrose, die außer normalem Verschleiß noch andere Ursachen haben kann, Abnutzungen an der Lendenwirbelsäule oder Fehlstellungen der Füße und Knie.

Auch Verletzungen oder Überbelastungen von Muskeln und Sehnen im Bereich des Beckens, der Hüften und Oberschenkel bei sportlich Aktiven ziehen häufig Schmerzen nach sich, die in die Leistengegend ausstrahlen können.

Gelegentlich stößt der Arzt bei einem Patienten, der Beschwerden in der Leiste hat, auf Gefäßveränderungen, etwa eine knotig erweiterte Krampfader (Varixknoten) oder die Aussackung einer Schlagader (Aneurysma).

Leistenschmerzen: Wann zum Arzt?

Schmerzen in der Leiste, auch wenn sie zunächst nur zeitweise da sind, sollte ein Arzt rechtzeitig abklären. Je stärker und akuter die Beschwerden sind, desto dringlicher ist es. Bei Verdacht auf einen eingeklemmten Leisten- oder Schenkelbruch den Notarzt rufen (Tel. Rettungsdienst: 112) oder sich umgehend in eine chirurgische Notaufnahme bringen lassen.

Auch bei einem akut schmerzhaften Hoden ist der Arzt gefragt. Die Schmerzen strahlen häufig in die Leiste oder den Unterbauch aus. Wichtigste Ursache: eine Hodenstieldrehung, Fachbegriff: Hodentorsion. Sie betrifft einerseits häufig jugendliche und junge Männer im Alter von 13 bis 20 Jahren, andererseits Säuglinge im ersten Lebensjahr. Der geschwollene und gerötete, eventuell auch dunkel verfärbte Hoden lässt ahnen, wo die Schmerzursache liegt. Auch die Hodentorsion ist ein Notfall und muss sofort in einer (kinder-)chirurgischen Klinik behandelt werden. Geschieht das rechtzeitig, bleibt der Hoden in der Regel erhalten.

Kolikschmerzen bei einem Harnleiter- oder Blasenstein können geradezu als "vernichtend" erlebt werden. Anlaufstelle hier: eine urologische Klinik.

Notfallcharakter haben zudem akute Schmerzen im Unterbauch oder Bauch mit Ausstrahlung in die Leiste. Infrage kommen hier zahlreiche Ursachen – von der Eileiterschwangerschaft mit Platzen des Eilters oder einer Stiehldrehung des Eileiters (Notaufnahme in der Frauenklinik) über eine akute Darminfektion bis zur akuten Blinddarmentzündung (Chirurgie, Kinderchirurgie).

Auch bei einem Kreislaufkollaps ist sofort der Rettungsdienst zu alarmieren (siehe oben) und bis zu dessen Eintreffen erste Hilfe zu leisten.

Verletzungen der Leistengegend stellen je nach Art und Ausmaß ebenfalls medizinische Akut- oder Notfälle dar, die umgehend in die Hand des Arztes gehören.

! Achtung: Eine Schwellung in der Leiste, auch wenn sie keine Schmerzen bereitet, sollte man immer baldmöglich abklären lassen.

Checkliste Leistenschmerzen

Die nachfolgende Liste gibt Ihnen eine Übersicht über mögliche Ursachen von Leistenschmerzen. Weitere Informationen zu den genannten Krankheiten, Diagnose und Therapie finden Sie in den entsprechenden Kapiteln.

Leistenbruch, Schenkelbruch (siehe Kapitel "Leistenbruch, Schenkelbruch")

  • Leistenbruch: vor allem bei Männern; einschließlich "weicher Leiste", "Sportlerleiste"; siehe auch unten: "Muskeln, Sehnen..."
  • Schenkelbruch: vor allem bei Frauen, am ehesten in der Schwangerschaft oder im höheren Lebensalter

Geschwollene Lymphknoten (Lympadenitis, Lymphadenopathie) (mehr dazu im Kapitel "Lymphknoten")

  • Andere Erkrankungen, zum Beispiel des Lymphsystems

Muskeln, Sehnen, Gelenke (weitere Informationen im Kapitel "Muskeln, Sehnen, Gelenke")

  • Probleme mit der Körperstatik: Muskelungleichgewichte, Fuß- und Beinachsenfehlstellungen, Beinlängenunterschiede, "X-Hüfte", Hüftdysplasie, Impingement der Hüfte
  • Hüftkopfnekrose bei Erwachsenen
  • Bruch des Sitz- und Schambeins bei Osteomalazie
  • Sportlerleiste (Pubalgia) und Leistenzerrung (Sehnenansatzreizungen im Bereich der Oberschenkelmuskeln (der Heranzieher, auch Adduktoren), Entzündung im Schambeinbereich (Osteitis pubis, auch Symphysitis), Kapselreizung des Hüftgelenkes
  • Geschwulsterkrankungen des Knochen- oder Weichteilgewebes

Harnsteine, Hoden & Co. (nachzulesen im Kapitel "Harnsteine, Hoden & Co.")

  • Akute Hodentorsion (Hoden, Samenstrang) und Hydatidentorsion
  • Entzündung des Nebenhodens

Leistenschmerzen und Schwangerschaft: Beckenlockerung und andere Ursachen

(mehr dazu im Kapitel "Leistenschmerzen in der Schwangerschaft")

Abszess, Gefäße
(darüber informiert Sie das Kapitel "Abszess, Gefäße")

  • Psoasabszess
  • Krampfaderknoten
  • Aussackung (Aneurysma) der Oberschenkelarterie

Diagnose und Therapie bei Leistenschmerzen

Die genauen Schritte zur Diagnose richten sich nach dem Beschwerdebild und den mutmaßlichen Ursachen im Einzelfall. Mehr dazu im Diagnose-Kapitel und bei den jeweiligen Krankheitsbildern in den einzelnen Kapiteln dieses Beitrags. Sie enthalten auch Informationen über mögliche Behandlungswege und weiterführende Links.

Wichtig:
Dieser Artikel informiert nur allgemein und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Ärztliches Gespräch und körperliche Untersuchung

Der Arzt lässt sich bei der Untersuchung des Patienten vom Beschwerdebild, beim ersten Patientenkontakt auch von den Angaben zur Krankengeschichte (Anamnese) leiten. Gerade bei Leistenproblemen ist die gründliche körperliche Untersuchung mit den ärztlichen Sinnen – Sehen, Hören, Fühlen, Testen, Messen – besonders wichtig, da sie direkt zur Diagnose führen kann. Dies gilt namentlich für Leisten- oder Schenkelbrüche, aber beispielsweise auch für einige Hodenerkrankungen.

In der Leistengegend, bei Männern auch an den Hoden, schaut der Arzt nach Vorwölbungen. Anschließend tastet er gezielt beide Bereiche einschließlich der "Bruchpforten" ab, und zwar im Liegen und Stehen – im Stehen zudem ohne und mit Pressmanöver des Patienten. Stellt er eine Schwellung fest, prüft er, ob sie sich nach innen schieben lässt, also reponibel ist. Außerdem tastet er die Gefäßpulse an den Beinen und Handgelenken, misst den Blutdruck, hört Herz, Lungen, gegebenenfalls auch bestimmte Gefäße ab, überprüft mittels Klopftest die Nieren und mittels Abtasten auch Leber und Milz.

Kommt nach Ausschluss anderer Ursachen das Bewegungssystem als Auslöser der Schmerzen infrage, tragen im Vorfeld einfache klinische Bewegungstests zur Verdachtsdiagnose bei. Ein hinzugezogener Orthopäde kann dies vertiefen (siehe auch unten, Hüftgelenk).

Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder und Kinder untersucht der Kinderarzt von Kopf bis Fuß – bei kleinen Jungen selbstverständlich auch die Leisten- und Hodengegend – routinemäßg im Rahmen der Kinder- und Jugenduntersuchungen (U1 bis U10, für die 13- bis 14-Jährigen die Jugenduntersuchung J1 und zusäztlich für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren die J2; Letztere wird bislang nicht von allen Krankenkassen bezahlt). Angeborene und bestimmte erworbene Auffälligkeiten werden in der Regel rechtzeitig erkannt.

Zusätzliche technische Untersuchungen

Obwohl die klinische Untersuchung des Arztes bei Leistenschmerzen meist aufschlussreich ist, werden bei Bedarf noch technische Untersuchungen dazukommen, etwa Laboranalysen des Urins und Blutes und bildgebende Untersuchungen, allen voran Ultraschall. 

Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ist heute – auch dank Erweiterungen wie dem farbkodierten Doppler zur Klärung der Durchblutung (Angiodynografie) – oft das Instrument der ersten Stunde. Mittels Ultraschall lassen sich heute viele Verdachtsdiagnosen bestätigen, die Befunde gleich auch im Bild festhalten und versenden. Wenn bei fettleibigen Patienten das Tasten nicht weit führt, kann Ultraschall auf die Sprünge helfen. Auch bei einem akuten, schmerzhaft geschwollenen Hoden leistet die Sonografie wertvolle Dienste. Denn sie hilft erkennen, ob zum Beispiel eine akute Hodenstieldrehung (Hodentorsion), eine Hodenentzündung oder aber ein Leistenbruch vorliegt.

Mit Ultraschall oder Durchleuchtens mit einer Lichtquelle, einer Diaphanoskopie, sondieren Urologen zudem die Hoden- und Leistengegend, wenn zu vermuten steht, dass eine dort festgestellte Schwellung Flüssigkeit enthält. Das könnte zum Beispiel für einen Wasserbruch (Hydrozele) sprechen. Eine Hydrozele macht aber nur selten Beschwerden und wenn, dann eher am Hoden als in der Leiste. Es kann ab und zu ein Druckgefühl auftreten, Schmerzen sind jedoch nicht typisch (mehr zu akuten Erkrankungen der Hoden im Kapitel "Harnsteine, Hoden & Co.").

Auch bei einem mutmaßlichen Harnstein gibt eine Ultraschalluntersuchung dem Arzt eine erste Orientierung. Weitere Informationen liefern Untersuchungen des Urins und Blutes, eventuell auch komplexere bildgebende Verfahren, Röntgenuntersuchungen und endoskopische Techniken (Spiegelungen).

Außerdem ist Ultraschall ein wichtiges Instrument, wenn es um die Diagnose von Gefäßerkrankungen geht, die bei Leistenproblemen selten eine Rolle spielen können. Besondere Fragestellungen können hier noch besondere Untersuchungstechniken erforderlich machen, um die Adern (Arterien, Venen) genauer abzubilden.

Vermutet der Arzt eine Erkrankung im Bereich des Hüftgelenkes, gehen die Untersuchungen meist gleich in diese Richtung. Röntgenbilder spielen dann eine wichtige Rolle, dazu spezielle Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder ein Knochenszintigramm.

Falls sich die Ursache nicht auf Anhieb erkennen lässt, zielen weitere technische Untersuchungen auf die mutmaßliche Grunderkrankung. Dies können sowohl Bluttests als auch spezielle bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder wiederum eine Computertomografie sein. Der MRT stellen Ärzte insbesondere zum Aufspüren verborgener Leistenbrüche ein gutes Zeugnis aus. Insgesamt sind die Anwendungsmöglichkeiten sowohl der MRT als auch der CT sehr vielseitig. Auch die Hauptkomponenten des Bewegungssystems wie Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln bilden diese Verfahren sehr detailgenau ab.

Manchmal muss ein kleiner Eingriff sein

Mitunter ist die Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) zur feingeweblichen Analyse unter dem Mikroskop unerlässlich. Bei Verdacht auf eine Erkrankung des Lymphsystems kann neben Laboruntersuchungen und bildgebenden Verfahren die vollständige Entnahme eines Lymphknotens notwendig sein. Diesen untersucht dann ein spezialisierter Pathologe detailliert.

Welcher Facharzt ist zuständig?

So vielschichtig die Anatomie der Leistengegend ist, so vielfältig sind die Ursachen von Leistenschmerzen, wie auch die Übersicht im Kapitel "Leistenschmerzen: Überblick" zeigt. Demnach können verschiedene Fachärzte gefragt sein. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Er wird den Betroffenen untersuchen und ihn je nach Verdachtsdiagnose an einen Spezialisten weiterleiten. Bei einem Leistenbruch zum Beispiel ist das ein Chirurg. Auch einen Abszess, also eine Eiterabsenkung in der Leistengegend, behandelt der Chirurg. Harnsteinleiden gehören in die Hand des Urologen.

Orthopäden kümmern sich generell um Störungen am Skelett, an Muskeln, Bändern und Gelenken, somit auch um Bein-, Becken- und Fußfehlstellungen. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen unter anderem auch sportmedizinische Probleme.

Für Erkrankungen der Lymphknoten sind Internisten zuständig, die sich auf das Gebiet der Hämatologie und Onkologie (Blutkrankheiten und bösartige Tumorerkrankungen) spezialisiert haben. Mitunter kann hier aber auch ein Infektiologe oder Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) beziehungsweise ein Facharzt für Enddarm-Erkrankungen (Proktologe) zuständig sein.

Gelegentlich entpuppt sich eine (schmerzhafte) Schwellung in der Leiste als Krampfaderknoten (sogenannter Varixknoten) einer Beinvene. Mit Venenerkrankungen beschäftigt sich der Facharzt für Venenkrankheiten (Phlebologe). Aber auch andere Gefäßprobleme, etwa Aussackungen (Aneurysmen) an einer Schlagader am Oberschenkel, kommen gelegentlich vor. Hier ist ein Angiologe beziehungsweise Gefäßchirurg gefragt. Mehr dazu im Kapitel "Abszess, Gefäße".

Leistenbruch: Hintergrund

Männer haben etwa acht- bis neunmal so häufig wie Frauen mit Leistenbrüchen zu tun. Ein wichtiger Grund liegt in der Anatomie. Bis zur Geburt wandern bei männlichen Babys die Hoden aus dem Bauchraum durch den Leistenkanal an ihren endgültigen Ort im Hodensack. Danach schließt sich der Kanal. Gelegentlich holt das Baby diesen Schritt in den ersten Lebensmonaten nach. Manche Kinder behalten einen zu weiten Kanal – und damit eine Schwachstelle, die Leistenbrüche zeitlebens begünstigt.

Bei etwa drei Prozent der männlichen Neugeborenen erreicht zudem der Hoden bei seiner Wanderung nicht rechtzeitig sein Ziel: Er bleibt in der Leiste stecken (Leistenhoden, eine Form des Hodenhochstands; mehr dazu im entsprechenden Beitrag auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de). Der Stillstand bringt verschiedene Risiken mit sich, unter anderem die Neigung zum Leistenbruch. Angeborene Leistenbrüche sind bei Säuglingen und Kleinkindern recht häufig. Treten Leistenbrüche erst im Erwachsenenalter auf, werden sie als "erworben" bezeichnet.

Indirekte Leistenbrüche sind häufiger als direkte

Junge Menschen, insbesondere Männer, die viel Bodybuilding machen oder Gewichte heben, riskieren mitunter eine Hernie. Allerdings sind die körperlichen Kraftakte nur der Auslöser. Die Ursache ist ein von Geburt an zu weiter Leistenkanal. Solchermaßen erworbene Leistenbrüche bei jungen Menschen heißen – wie die angeborenen Leistenbrüche auch – indirekte Hernien, weil sie den Leistenkanal als Weg nutzen. Sie sind die häufigste Form und kommen in eher etwas seitlicher Lage (lateral) zum Vorschein.

Manchmal ereignet sich ein Leistenbruch erst im späteren Erwachsenenalter. Dabei spielen erschlaffte Bauchmuskeln, vorausgegangene Operationen und wiederholte Druckanstiege im Bauchraum eine Rolle – etwa beim Husten (betrifft häufig Raucher und Patienten mit chronischer Bronchitis), Pressen (wegen chronischer Verstopfung) oder Niesen (typisch bei allergischen Atemwegserkrankungen). Dabei müssen Brüche nicht immer den indirekten Weg entlang des Leistenkanals nehmen, sondern können auch an einer Schwachstelle daneben durch die Bauchwand treten. Dann heißen sie direkte Leistenbrüche und liegen mehr zur Mitte hin (medial). Es gibt auch Mischformen.

Spezialfall: Sportlerleiste

Sportlich sehr Aktive haben des öfteren mit einer sogenannten Sportlerleiste zu tun: bei bestimmten Bewegungen treten immer wieder Schmerzen in der Leiste auf. Dabei kommt es möglicherweise durch wiederholte Erhöhung des Bauchinnendrucks (siehe oben) zu einer Reizung von Nerven in der Leisten(kanal)gegend. Besonders bei Fußball- und Eishockeyspieler oder auch Läufern sind bekannt dafür. Der Arzt wird dann einen sich entwickelnden Leistenbruch ausschließen. Mehr dazu im Kapitel "Muskeln, Sehnen, Gelenke").

Die Situation bei Frauen

Bei Frauen ist der Leistenkanal schmäler als beim Mann und enthält nur das "Mutterband", das Halteband der Gebärmutter. Gewebeschwäche, die mit dem Alter zunimmt, Fettleibigkeit und gynäkologische Operationen gehören zu den Faktoren, die bei Frauen das Risiko für Leistenbrüche, vor allem aber Schenkelbrüche (siehe unten), erhöhen. Ist der Leistenkanal vom ersten Tag an weit geblieben, entwickelt sich manchmal in der Schwangerschaft ein Leistenbruch.

Leistenbruch: Komplikationen

Nicht nur, dass sich bei einer Hernie gleich neben dem Intimbereich eine unschöne Beule zeigt, die besonders beim Husten, Heben oder Pressen hervortritt. Mitunter reicht ein Bruch auch bis in den Hodensack, der sich dann deutlich vergrößert (Hodensackbruch oder Skrotalhernie). Mehr noch: Möglicherweise klemmt sich Baucheingeweide mit ein. Das ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern lebensgefährlich und daher ein Notfall: Hat sich zum Beispiel eine Darmschlinge in einem Bruchsack verfangen, droht ein Darmverschluss, bei mangelnder Durchblutung geht Darmgewebe zugrunde, in der Folge kann sich eine bedrohliche Bauchfellentzündung entwickeln. Dann ist eine Notoperation fällig. Auch die Kleinsten sind bei einem Leistenbruch nicht vor Einklemmungen von Darmschlingen (bei Mädchen auch von Eierstockgewebe) gefeit.
! Wichtig: Um diese Komplikationen zu verhindern, sollten Leistenbrüche in jedem Lebensalter rechtzeitig operiert werden.

Symptome bei einem Leistenbruch

Bei Babys oder Kleinkindern werden mitunter die Eltern fündig, wenn der Bruch (falls nicht schon vom Kinderarzt festgestellt) zufällig als "Beule" in der Leiste oder im Hodenbereich in Erscheinung tritt, bei Jungen häufiger auf der rechten Seite. Signalisiert ein betroffenes Kind eine deutliche Berührungsempfindlichkeit oder sogar Schmerzen in dem Bereich, muss es umgehend zum Kinderarzt oder in eine Klinik gebracht werden. Auch bei Erwachsenen kann ein Leistenbruch als zeitweise, ständig oder zunehmende sicht- oder tastbare Vorwölbung in der Leiste oder am Hoden auffallen. Mitunter ist die Stelle unterschwellig oder stechend schmerzhaft, ohne dass sich sonst etwas zeigt. Eine vorhandene Schwellung in der Leiste wird im Stehen oder beim Husten oft besser sichtbar. Achtung: Wenn zunehmende Schmerzen an der Vorwölbung auftreten, sofort zum Arzt, da es sich um eine beginnende Einklemmung handeln kann. Löst allein schon das Berühren der Schwellung Schmerzen aus oder ist die Stelle auffällig gerötet oder dunkler verfärbt, ist Gefahr im Verzug: Ein Bruch, der sich nicht mehr zurückschieben lässt, ist womöglich schon in eine kritische Phase eingetreten. Dabei sind auch Allgemeinsymptome wie beispielsweise Übelkeit und Kreislaufschwäche möglich.

Leistenbruch: So stellt der Arzt die Diagnose

Der Kinderarzt kontrolliert bei den Vorsorgeuntersuchungen ab der Geburt unter anderem den Leisten- und Hodenbereich auf beiden Körperseiten im Hinblick auf eine Vorwölbung. Bei Jungen achtet er zudem auf einen möglichen Hodenhochstand. Bei kleinen Mädchen kann der Schambereich durch einen Bruch verdickt sein. Ein Leistenbruch verstärkt sich oft beim Husten. Sucht also jemand wegen einer "schmerzhaften Beule", einer "Schmerzempfindung" oder eines "komischen Gefühls" in der Leiste den Arzt auf, so testet dieser während der Untersuchung genau dieses Phänomen.

Es gibt bei Leistenhernien mehrere Stadien. Eventuell lässt sich nur eine "weiche Leiste" feststellen. Das bedeutet, dass die Hinterwand des Leistenkanals erschlafft ist, ohne dass sich eine Vorwölbung provozieren lässt. Das ist zwar noch keine Hernie, begünstigt aber die Entwicklung dazu. Dieses Stadium ist jedoch etwas umstritten. Die erste Stufe ist eine beginnende Hernie. Sie ist fühlbar, aber nicht sichtbar: Nur der untersuchende Finger des Arztes spürt die Vorwölbung beim "Druckmanöver" (Pressen oder Husten). Eine komplette Hernie ist im Stehen oder beim Pressen sichtbar. Normalerweise lässt sie sich zurückschieben (reponieren). Ist dies nicht mehr der Fall, zeichnet sich womöglich eine Einklemmung ab (siehe oben, Notfall: Abschnitte "Komplikationen" und "Symptome"). Manchmal sind es aber auch Verwachsungen.

Eine dynamische Ultraschalluntersuchung im Stehen und Liegen mit Pressmanöver und auf beiden Körperseiten (daher die Bezeichnung dynamisch) sichert in der Regel die Diagnose, besonders in schmerzlosen Situationen, weil der Druck durch den aufgelegten Schallkopf hier kein Problem ist. Inzwischen setzen Ärzte häufiger ein bildgebendes Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) ein. Außerdem können verschiedene Laboranalysen notwendig sein.

Therapie: Ein Leistenbruch wird bei Männern im Falle von Beschwerden und Wiederauftreten operiert, bei Frauen und Kindern immer

In Deutschland und auch weltweit gehören Leistenoperationen, auch Hernioplastik genannt, zu den häufigsten Operationen. Insbesondere bei Kleinkindern gilt es, einen unkomplizierten Leistenbruch möglichst innerhalb eines Monats zu beheben. Im Hinblick auf Erwachsene hat sich bei den Ärzten ein gewisser Sinneswandel eingestellt: Männer können bei einem beschwerdefreien und stabilen, nicht größer werdenden Leistenbruch im Normalfall bis auf Weiteres sorgfältig beobachtet werden (engl. watchful waiting). Der Arzt wird die Strategie und mögliche oder nötige Abweichungen davon mit dem Patienten individuell besprechen. Bei Frauen gilt nach wie vor die Operationspflicht eines Leisten- beziehungsweise Schenkelbruchs.

Ärzte operieren entweder, indem sie die Leiste von außen mit einem unterschiedlich tiefen Schnitt eröffnen, oder indem sie eine sogenannte minimal-invasive oder laparoskopische Operationstechnik (sogenannte Schlüsselloch-Chirurgie) anwenden. Ziel der Reparatur ist, verlagertes Gewebe zurückzuverlagern und die Bruchpforte sicher zu verschließen. Das soll erneute Brüche vermeiden helfen. Dazu dienen bestimmte Nahttechniken oder die Verstärkung mit einem Kunststoffnetz (sogenanntes Mesh). Das Netz verwächst allmählich mit der Umgebung, wobei es sich auch teilweise auflösen kann. Es stabilisiert also anfangs den Bruchverschluss. Danach verbleibt nur ein Minimum des Fremdmaterials im Körper. Das Nahtmaterial löst sich ebenfalls mehr oder weniger auf (resorbierbares, teilresorbierbares oder nicht resorbierbares Material).

Aus der Vielfalt möglicher Verfahren und damit auch Betäubungsverfahren wählt der Operateur jeweils das individuell passende. Dabei spielen unter anderem das Alter des Patienten, Anforderungen an seine körperliche Belastbarkeit, die Größe und Lokalisation des Bruches und weitere Begleitumstände eine Rolle, etwa: erstmaliger oder Wiederholungs-Bruch, ein- oder beidseitige Lage, akute Einklemmung, sehr schlaffes Gewebe, Bauchfett. Bei Kindern, jungen Menschen und Sportlern mit kleinen Brüchen gilt zum Beispiel das klassische Vernähen ("minimal repair") oft als gut geeignet.

Leistenbruch-Operationen laufen heute meist ambulant ab. Die Mehrzahl der Patienten sind anschließend wieder mobil und können nach ein bis zwei Tagen ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgehen, zunächst mit körperlicher Schonung.

Diese Komplikationen können nach dem Eingriff auftreten

Mögliche Frühkomplikationen sind Schwellungen und Blutergüsse, Verletzungen von Darm, Blase, Nerven und Gefäßen, sodann Wundinfektionen. Schmerzen nach dem Eingriff wird der Arzt gezielt behandeln.

Zu den Spätkomplikationen ab einigen Monaten nach dem Eingriff gehören chronische Leistenschmerzen durch Nervenreizungen, beispielsweise bei Entzündungsreaktionen des Körpergewebes auf eingenähtes Netzmaterial, sehr selten Schrumpfen oder Verlust des Hodens aufgrund von Durchblutungsstörungen (das kann im Extremfall allerdings auch durch einen großen Bruch in den Hodensack hinein passieren), ein Wiederauftreten des Bruches (Rezidivhernie) und Schmerzen.

Übrigens: Bruchbänder verfehlen das Ziel, Beschwerden zu beheben und Komplikationen wie eine Einklemmung zu vermeiden und sind daher out!

Vertiefende Informationen, insbesondere auch zu den verschiedenen Operationstechniken, finden Sie im Ratgeber "Leistenbruch (Hernie)".

Sonderfall Schenkelbruch (Schenkelhernie)

Mit einem Bruch des Oberschenkelknochens haben Schenkelbrüche nichts zu tun. Diese leistennahe Form des Eingeweidebruches betrifft in erster Linie Frauen. Schenkelbrüche sind eher bei (älteren) Frauen ein Thema als bei Männern. Und: Sie kommen deutlich seltener vor als Leistenbrüche. Mitunter widerfährt Männern aber beides: Nach einer Leistenbruchoperation erhöht sich bei ihnen das Risiko einer Schenkelhernie.

Als Lücke fungiert hier die Durchtrittsstelle für die Gefäße und Nerven, die unter dem Leistenband zum Oberschenkel ziehen. Das Leistenband spannt sich zwischen dem vorderen Beckenknochen und dem Schambein auf. Schenkelbrüche kommen immer unterhalb des Bandes zum Vorschein, sprich: unterhalb der Leiste. Wenn eine Darmschlinge oder ein Teil der Blase mit hineinrutscht, wird das Gewebe aufgrund der Enge der "Bruchpforte" leicht eingeklemmt – jedenfalls ist das entsprechende Risiko hier noch höher als bei Leistenbrüchen.
Symptome: Schenkelbrüche bleiben wie Leistenbrüche zunächst oft unbemerkt. Manchmal zeigt sich im Stehen unterhalb der Leiste am Oberschenkel eine Schwellung oder Beule. Normalerweise verschwindet sie im Liegen oder der Arzt kann sie zurückschieben. Falls das nicht der Fall ist und / oder starke Schmerzen in der Leiste vorhanden sind, deutet das auf eine Einklemmung hin.
Diagnose: Richtungweisend sind die Krankengeschichte, das Beschwerdebild und die körperliche Untersuchung. Bei zu viel Körperfett kann es unmöglich sein, den Bruch zu tasten. Meist hilft dann eine Ultraschalluntersuchung weiter.
Therapie: Schenkelhernien behandelt der Arzt ebenfalls operativ, allemal bei einer Einklemmung. Um die Bauchdecke zu verstärken, näht der Chirurg hier häufig ein Netzmaterial mit ein.

Verdickte Lymphknoten, mit oder ohne Begleitsymptome, kündigen mitunter eine ernsthafte Erkrankung an. Wenn sie gleichzeitig schmerzen, kann das jedoch auch dafür sprechen, dass eine gutartige Veränderung vorliegt. Doch wozu brauchen wir Lymphknoten überhaupt? Vorab das Wichtigste in Kürze. Weitere Informationen im Spezial "Lymphsystem".

Das Lymphsystem – gestaffelte Verteidigung

Die Lymphgefäße bilden mit den zwischengeschalteten Lymphknoten ein weit verzweigtes Netz. Lymphknoten sind reich an "schlagkräftigen" Lymphzellen (Lymphozyten), die spezielle Antikörper gegen Fremdstoffe bilden und sie damit unschädlich machen können. Jeder Lymphknoten überwacht einen bestimmten, manchmal eng begrenzten Körperbereich (Lymphabfluss- oder Drainagegebiet). Dort filtert er Erreger und andere krankmachende Stoffe aus der Lymphe heraus. Außerdem setzt er bei Bedarf "scharf gemachte" Lymphzellen in Marsch, damit sie auch im Körper verborgene Feinde stellen.

In Bereichen wie dem Hals, der Achselhöhle oder Leiste ist die Dichte der Checkpoints sehr hoch. Sonst könnte über die ständigen kleinen Schrammen an Füßen und Händen oder Entzündungen im Mund gleich allerhand Unerwünschtes in den Körper gelangen. Vermehrt aktive Lymphknoten schwellen an (Lymphadenopathie). Manchmal können sie sich dabei auch entzünden, eventuell auch schmerzen (Lymphadenitis), die umgebende Haut gerötet sein.

Lymphknotenschwellungen in der Leiste – was sind die Ursachen?

Infektionen

Örtliche Lymphknotenschwellungen haben meist auch eine örtliche oder regionale Ursache. Bei geschwollenen und schmerzhaften Leistenlymphknoten kommen ursächlich vor allem Entzündungen durch Infektionen im entsprechenden Drainagegebiet in Betracht, besonders an den Beinen und Füßen. Außerdem können die Leistenlymphknoten anschwellen, wenn in der Umgebung ein Abszess schwelt (siehe auch Kapitel "Ursachen von Leistenschmerzen: Abszess, Gefäße" in diesem Beitrag). Hier sind mitunter Infektionen im Darm-, After- oder Gesäßbereich der Ausgangspunkt.

Wenn Keime die äußere Hautbarriere überwinden, können sie das Gewebe darunter leicht infizieren. Dazu kann es bei Hautschäden durch Verletzungen oder einen Fußpilz kommen. Auch über Unterschenkelgeschwüre (Ulcus cruris) aufgrund eines Gefäßleidens oder bei Diabetes mellitus verschaffen sich Bakterien leicht Zutritt. Manchmal führt ein eingewachsener Zehennagel zu einer eitrigen Entzündung des Nagelbettes (Panaritium). Schreitet sie fort, kommt es zu angeschwollenen Lymphknoten in der Leiste und Fieber (siehe unten). Eine Infektion durch Keime namens Streptokokken, die sich entlang der Lymphspalten der Haut ausbreitet und ein schweres Krankheitsbild verursachen kann, heißt Wundrose (Erysipel).
Symptome (allgemein): Neben den Beschwerden durch die Entzündung selbst, die je nach Entzündungsort und -art zu einer Rötung der Haut, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen führt, stellen sich bei ausgeprägten Wundinfektionen häufig auch Fieber und Schüttelfrost ein. Dazu schwellen die Lymphknoten in der Leiste als regionale Abwehrstationen an und können auch schmerzen.
Diagnose und Therapie (allgemein): In der Regel stellt der Arzt hier die Diagnose klinisch (sogenannte Blickdiagnose). Hinweise kann auch die Krankengeschichte geben. Dazu kommen bei Bedarf technische Untersuchungen: Laboranalysen, eventuell Abstriche, eine Gefäßdiagnostik mit Ultraschall. Die Therapie zielt auf die Ursache oder Grunderkrankung und umfasst örtliche Therapiemaßnahmen, Ruhigstellung des erkrankten Bereiches, Behandlungen mit Medikamenten, etwa Antibiotika zum Einnehmen oder auch über die Blutbahn, manchmal einen chirurgischen Eingriff.

Infektionen – zwei Beispiele

Katzenkratzkrankheit (Bartonellose): Mitunter steckt hinter Lymphknotenschwellungen eine Zoonose, das heißt eine Infektion mit einem Erreger, der vom Tier auf den Menschen übergeht und umgekehrt. So kann sich zum Beispiel ein Katzenfreund durch den Biss oder Kratzer seines Kuscheltieres, das den Erreger Bartonella henselae beherbergt, die Katzenkratzkrankheit (Bartonellose) einhandeln – keine Seltenheit. Die Übertragung ist auch über Wund- oder Schleimhauttkontakt mit dem Speichel des infizierten Tieres möglich. Offenbar beherbergen mindestens zehn Prozent der deutschen Hauskatzen die Mikroben, streunende Tiere noch weitaus mehr. An Bartonellose erkranken Erwachsene und Kinder. Kennzeichnend sind meist schmerzhafte Lymphknotenschwellungen in der Nähe der Eintrittspforte, etwa in der Leistengegend.
Symptome: An der Stelle der Verletzung zeigt sich ein rotbraunes Knötchen, etwa zwei Wochen später schwellen die nahegelegenen Lymphknoten an, teilweise schmerzhaft. Sie können wochenlang dick bleiben, sich verfärben, eventuell auch vereitern und aufbrechen. Zu den möglichen Allgemeinsymptomen gehören Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit. Meist verläuft die Infektion ungefährlich. Ausgeprägtere Formen mit Beteiligung der Augen, Gelenke, des Gehirns, Herzens, der Lungen und anderer Organe einschließlich der Haut treten selten auf.
Bei Patienten mit geschwächter Immunabwehr kann es unter Umständen zu einer besonders schwerwiegenden Verlaufsform mit Gefäßwucherungen (bazilläre Angiomatose) in unterschiedlichen Organen – schwerpunktmäßig in der Haut – kommen.

Diagnose: Blutuntersuchungen, ein Ultraschallbefund und die feingewebliche Untersuchung der Lymphknoten zum Ausschluss anderer Ursachen ergeben die Diagnose. Komplikationen erfordern weitergehende Diagnosemaßnahmen.
Therapie: Meistens heilt die Krankheit von selbst aus. Verzögert sich die Heilung, setzt der Arzt Antibiotika ein, bei geschwächter Immunabwehr und/oder schwerem Verlauf unbedingt. Ein vereiterter Lymphknoten wird eventuell entfernt, auch wenn Ärzte mit chirurgischen Maßnahmen eher zurückhaltend sind.
Vorbeugung: Zwar kann der Tierarzt die Katze auf Bartonellen testen und bei positivem Ergebnis mit einem Antibiotikum behandeln. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der Katzenfloh wieder zubeißt und das Tier erneut infiziert, ist hoch. Daher sollten Menschen mit geschwächter Immunabwehr sich besser vom geliebten Vierbeiner trennen oder lieber von vornherein darauf verzichten.

Syphilis (Lues): Für das erste Stadium der Geschlechtskrankheit Syphilis (Lues) sind unter anderem Lymphknotenschwellungen in der Leiste kennzeichnend. Obwohl durchaus existent, in manchen Regionen auch wieder häufiger vorkommend, ist diese Geschlechtskrankheit insgesamt heute bei uns kein Renner mehr. Wen es trotzdem interessiert, findet dazu mehr Informationen im Ratgeber Syphilis (Lues).

Andere Erkrankungen

Verdickte, häufig aber nicht schmerzhafte Lymphknoten sprechen mitunter für eine Krankheit des Lymphsystems. Mehr dazu im Beitrag Lymphdrüsenkrebs. Auch entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder spezielle Infektionskrankheiten lassen nicht selten die Lymphknoten anschwellen. In der Regel betrifft das dann aber jeweils mehrere Körperregionen. Mit dabei sind häufig die Lymphknoten am Hals.

Mitunter kommen Tochtergeschwülste von Tumoren (Metastasen) infrage, etwa bei einem Melanom am Bein oder bei anderen Krebserkrankungen. Die Knoten fühlen sich dann eher derb an. Ganz selten findet sich kein Primärtumor (CUP-Syndrom, engl. "Cancer of Unknown Primary Origin", zu Deutsch: Krebs unbekannter Herkunft).

Um die Diagnose zu stellen, können umfassendere Untersuchungen notwendig sein (siehe auch Kapitel "Leistenschmerzen: Diagnose"), insbesondere wenn andere richtungweisende Symptome und Krankheitszeichen fehlen. Möglicherweise bringt dann die feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien), zunächst aus dem vergrößerten Lymphknoten, mehr Klarheit. Gelegentlich wird ein Lymphknoten komplett entfernt, um ihn eingehend zu untersuchen. Welches Krankheitsstadium vorliegt, ergibt sich dann aus ergänzenden Diagnosemaßnahmen.

Die Therapie richtet sich nach der Grundkrankheit und folgt den dann üblichen Behandlungswegen beziehungsweise Leitlinien. CUP-Erkrankungen behandeln Ärzte meist mit Chemotherapien.

Zwischen dem Bewegungssystem und der Leiste gibt es viele Berührungspunkte. Das Leistenband spannt sich an zwei Eckpunkten des Beckens auf: zwischen dem vorderen Beckenkamm und dem Schambein. Gleich in der Nähe befindet sich das Hüftgelenk. Im Hintergrund: das Becken mit dem Kreuz.

Starke Muskeln und Bänder geben dem Gefüge rundherum Halt. Die Leiste liegt ein bisschen dazwischen und kann daher bei krankhaften Voränderungen in der Umgebung mitreagieren. Was im Einzelfall die Ursache ist, wenn es hier schmerzt, klärt zunächst ein Orthopäde ab.

Leistenschmerzen durch Muskelungleichgewichte, Probleme mit der Körperstatik, Fehlstellungen

Fußfehlstellungen, Beinlängenunterschiede, Muskelungleichgewichte und Haltungsfehler – das sind Entwicklungen, die mitunter auch zu Schmerzempfindungen im Beckenbereich, an der Hüfte und in der Leiste führen. Etwa, wenn der Körper eine Ausgleichshaltung sucht und so bestimmte Muskelpartien einseitig belastet.

Damit verbundene Störungen sind anfangs meist nur funktionell: Sie lassen sich also rückgängig machen. Auf Dauer können sie sich aber festsetzen, und dann ist es schwerer, sie zu korrigieren. Deshalb der Rat, Haltungs- und Statikprobleme so früh wie möglich anzugehen.

Muskelungleichgewichte: Einseitige Über- oder Unterforderung bestimmter Muskelgruppen stört das Zusammenspiel untereinander und von Gelenken. Bei vielen Menschen sind zum Beispiel die Rückenstrecker oder Bauchmuskeln, der berühmte Gesäßmuskel (Glutaeus) oder Muskeln hinten am Oberschenkel schlaff. Dann kippt das Becken nach vorne, es entsteht ein Hohlkreuz.

Der in der Folge ständig angespannte Hüftbeuger (vor allem der Lenden-Darmbein-Muskel, auch Iliopsoas-Muskel) tendiert dazu, sich zu verkürzen. Das forciert die Beckenkippung und belastet die vom Hohlkreuz bereits strapazierte Lendenwirbelsäule noch mehr. Auch ständiges Heben großer Gewichte überlastet Muskeln wie den Hüftbeuger, ebenso Fehlstellungen des Hüftgelenkes (siehe oben).

Symptome: Ein überreizter Lenden-Darmbeinmuskel führt zu Schmerzen im Kreuz- und Bauchbereich, an der Leiste sowie in der Oberschenkel- und Hüftgegend, vor allem bei Belastungen (funktionelle Muskelschmerzen). Die Schmerzen können allerdings auch mit Reizungen an den Sehnen, Schleimbeuteln oder Kreuzdarmbeingelenken zusammenhängen (siehe Beitrag "Schmerzen im Gesäß/Kreuz"). Im letzteren Fall sind plötzliche Blockierungen mit starken Kreuzschmerzen, die auch in die Hüften und Leisten ausstrahlen können, möglich.

Therapie: Bei funktionellen Muskelschmerzen ist gezieltes Dehnen und Aufbautraining der Muskulatur sowie eine Haltungskorrektur mit krankengymnastischer Anleitung vorrangig wichtig. Ein vorübergehend eingenommenes entzündungshemmendes Schmerzmittel, etwa ein nicht steriodales Antirheumatikum, kann die Schmerzen kurzfristig lindern helfen. Bei Rückkehr zur Normalität größere Belastungen überlegt einteilen und regelmäßig Pausen einlegen. Vor der Einnahme sollte man sich genau in der Apotheke beraten lassen. Eine maßgebliche Fehlstellung des Hüftgelenkes macht möglicherweise einen korrigierenden Eingriff notwendig.

Beinlängenunterschied: Kein Bein gleicht dem anderen. Bei zwei Drittel aller Menschen sind sie verschieden lang. Vielen fällt das aber gar nicht auf, da der Unterschied minimal ist. Häufig geben Muskelungleichgewichte oder Haltungsprobleme den Ausschlag. Aber auch nach einer Verletzung oder Krankheit kann sich eine Seite verkürzen, zum Beispiel aufgrund einer Versteifung im Bereich der Hüftmuskeln (sogenannte Adduktorenkontraktur). Alle diese Ursachen sind funktionell.

Außerdem gibt es anatomische Gründe – angeborene wie erworbene. Das Knochenwachstum kann rechts und links unterschiedlich verlaufen sein. Es kann eine Skoliose – es gibt verschiedene Formen – mit Beckenschiefstand vorliegen. Der Längenunterschied der Beine kann auch Folge eines Knochenbruches, einer Knochen- oder Muskelkrankheit, einer Hüftfehlstellung (Hüftdysplasie, Coxa valga und vara, siehe weiter unten), einer eingesetzten Prothese oder einer neurologischen Störung sein. Mitunter führt er zu einem funktionellen Beckenschiefstand mit Folgeskoliose (hier ohne Drehkomponente der Wirbelsäule). Manchmal bleibt die Ursache unklar.

Symptome: Bis zu ungefähr einem Zentimeter gleicht der Körper den Unterschied meist durch geringfügige Schiefhaltung des Beckens aus. Ist es deutlich mehr, so hat das zur Folge, dass der Betroffene mit dem kürzeren Bein auf den Zehenspitzen geht (Spitzfußhaltung) und auf der längeren Seite die Hüfte und das Knie stärker beugt. Es ist klar, dass dies viele Probleme an der gesamten unteren Körperstatik bis zur Hüfte und Leiste nach sich zieht. Sie reichen von Muskelverspannungen und -verkürzungen über Sehenansatz- und Scheimbeutelentzündungen bis hin zum schmerzhaften Verschleiß (Arthrose) an Gliedmaßengelenken wie der Hüfte und kleinen Wirbelgelenken, sodann von Bandscheiben. Mitunter kann die Wirbelsäule bis zu den oberen Etagen belastet sein. Schmerzen, weitere ausgleichende Fehlhaltungen und Gelenkschäden sind mögliche Folgen. Auch die Psyche kann darunter leiden.

Diagnose und Therapie: Die genaue Charakterisierung der Beinlängendifferenz erfordert über das Messen hinaus eine ursachen- und funktionsbezogene Diagnose und Therapie. Dazu stehen dem Orthopäden genügend Instrumente zur Verfügung, angefangen bei klinischen Tests und Röntgenbildern. Für spezielle Grunderkrankungen gelten eigene Therapien.

Im Kindesalter werden schon geringfügige Beinlängenunterschiede frühzeitig mit orthopädischen Zurichtungen ausgeglichen, um einen Schiefstand des Beckens und damit verbundene chronische Schädigungen und Schmerzen in der Leiste, Hüfte und im Kreuz zu vermeiden. Bei Erwachsenen hängen Ausgleichsmaßnahmen auch von der Körpergröße ab. Infrage kommen bis zu einer bestimmten Differenz eine Absatz- oder Schuhsohlenerhöhung oder ein orthopädischer Schuh. Doch stößt das meist nicht auf viel Gegenliebe. Bei maßgeblichen Seitenunterschieden wird heute oftmals der operative Beinlängenausgleich favorisiert. Das längere Bein kann verkürzt werden und umgekehrt, Fachbegriff: Verlängerungs- und Verkürzungsosteotomie. Manchmal ist auch ein korrigierender Eingriff an Muskeln oder Sehnen notwendig.

Gezielte Übungen verbessern in jeder Phase das Zusammenspiel der Muskeln und tragen dazu bei, Schmerzen zu minimieren. Orthopäden beziehungsweise Kinderorthopäden wählen eine altersgerechte Vorgehensweise. Dabei berücksichtigen sie auch, wie weit das Knochenwachstum gediehen ist und welche Endmaße voraussichtlich erreicht werden.

Fußfehlstellungen: Begriffe wie Plattfuß, Senkfuß, Spreizfuß, Knickfuß und ihre Kombinationen kennen viele. Der Spreizfuß ist der häufigste "Fehltritt" überhaupt. Abweichungen von der normalen Fußform gelten nicht nur als Auslöser von Schmerzen am Fuß selbst, sondern auch am Knie, in der Leiste und der Hüfte. Inwieweit eine solche Verkettung zum Beispiel bei einem Knickfuß individuell ausschlaggebend ist und was es im Einzelfall mit der Fußdeformität auf sich hat, weiß wiederum der Orthopäde. Eventuell wird er ausgleichende Einlagen verordnen. Auch hier kommt es auf das Training unterforderter, verkümmerter Muskeln an, beginnend an beiden Füßen. Weitere Tipps im Kapitel "Leistenschmerzen: Vorbeugung" in diesem Beitrag. 

X-Hüfte (Coxa valga), Hüftdysplasie & Co.: Die X-Hüfte ist eine angeborene oder erworbene Fehlstellung des Schenkelhalses. Der Winkel zwischen dem Hals des Oberschenkelknochens und seinem Schaft ist zu groß, häufig ist der Oberschenkelhals auch nach vorne gedreht (Antetorsion). Eine X-Hüfte tritt häufig in Verbindung mit einer angeborenen Hüftdysplasie (siehe unten) auf, auch begünstigt durch eine Beckenendlage des Ungeborenen in der Gebärmutter. Teilweise besteht auch eine Veranlagung. Mit dem Wachstum und / oder Korrektur einer gleichzeitigen Dysplasie (siehe unten) normalisiert sich die Veränderung meist. Als erworbene Fehlstellung kann sich eine X-Hüfte bei verschiedenen krankhaften Störungen im Kindesalter ausbilden, etwa X-Bein, Muskellähmung, Schädigung der Wachstumsfuge (zum Beispiel Perthes-Erkrankung), Rachitis, sodann Verletzungen, etwa ein Bruch. Eine X-Hüfte belastet die Gesäßmuskeln vermehrt, da sie die Hüfte betont nach außen drehen.

Symptome: Leichte (reine) Coxa-valga-Bildung verursacht in der Regel keine Beschwerden und ist bei Kindern ohne weitere Besonderheiten kein Anlass zur Beunruhigung. Bei stärkerer Ausprägung, meist in Verbindung mit einer Hüftdysplasie, sind Schmerzen in der Leiste, Hüftgegend und im Oberschenkel unter Belastungen möglich, eventuell hinken die Betroffenen.

Diagnose und Therapie: Die Geometrie des Hüftgelenkes und Oberschenkelknochens lässt sich in Röntgenbildern nachvollziehen, die Funktion der Hüfte und ihrer Muskeln klinisch prüfen. Ein gezieltes Aufbautraining der Gesäß- und Hüftmuskeln ist besonders wichtig. Eine operative Korrektur ist in der Regel nur in Verbindung mit anderen Störungsbildern an der Hüfte angezeigt, etwa einer Hüft(pfannen)dysplasie.

An deren Folgen haben heute mitunter vor 1980 geborene Menschen zu tragen. Zu den Ursachen vgl. oben: X-Hüfte. Das linke Hüftgelenk ist häufiger betroffen als das rechte, Frauen bringen viermal häufiger eine Hüftdysplasie mit auf die Welt als Männer. Der Hüftkopf wird nur teilweise von der Hüftpfanne überwölbt, ständig fehlbelastet und neigt dazu, sich zur Seite zu verlagern oder zu verrenken. In der Folge entwickelt sich meist frühzeitig eine Arthrose. Bei den nach 1980 Geborenen wurde und wird die Entwicklungsstörung in aller Regel schon bei Neugeborenen im Rahmen der Vorsorge-Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke (U2) erkannt und behandelt. Mehr dazu unter "Hüftdysplasie: Konsequente Therapie hilft" auf www. baby-und-familie.de

Zu den Symptomen gehören deutliche Muskelungleichgewichte, rasches Ermüden oder stechende Schmerzen in der Hüfte und Leiste beim Aufstehen und Gehen, bei fortgeschrittener Arthrose auch stärkere Gehbehinderung.
Zur Diagnose (ältere Kinder, Erwachsene) genügen in erster Linie eine klinisch-orthopädische Untersuchung und Röntgenaufnahmen. Nur bei besonderen Fragestellungen greift der Arzt gegebenenfalls auf weitere Diagnoseverfahren wie eine Magnetresonanztomografie, eventuell auch eine Szintigrafie und Blutanalysen zurück.
Therapie: Frühzeitige Physiotherapie, die Behandlung anderer ursächlich verantwortlicher Gelenk- oder Skeletterkrankungen und eine Hüftoperation zum richtigen Zeitpunkt (zum Beispiel eine Umstellungsoperation oder bei fortgeschrittener Arthrose ein Hüftgelenkersatz) gehören zu den zentralen Behandlungsmaßnahmen. Dies gilt auch für eine gelegentlich mit Hüftdysplasie verbundene Coxa vara (O-Hüfte; der Winkel zwischen Oberschenkelhals und Oberschenkelschaft ist hier zu klein), die sich nicht von selbst "ausgewachsen" hat.

Impingement der Hüfte: Impingement bedeutet so viel wie Anstoßen oder Einklemmung. Formveränderungen an den Gelenkteilen der Hüfte – am Hüftkopf wie an der Hüftpfanne  – können es mit sich bringen, dass der Hals des Oberschenkelknochens beim Beugen und Heranführen des Oberschenkels am vorderen Pfannendach anschlägt. Die zugrunde liegende Formstörung betrifft entweder einen zu wenig verschlankten Übergang vom Hüftkopf zum Schenkelhals des Oberschenkelknochens, eine den Hüftkopf zu stark umgreifende Hüftpfanne oder beides. Betroffen sind häufiger junge Männer im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren. Das Hüftgelenk kann vorzeitig verschleißen, das heißt es kommt zu einer Arthrose.

Symptome sind Schmerzen in der Tiefe der Leiste, zunächst nur nach längerer Belastung wie Radfahren, aber auch beim Treppensteigen, sodann beim Beugen des Hüftgelenkes oder Heranführen des Oberschenkels nach innen.

Die Diagnose stellt der Orthopäde klinisch sowie anhand von Röntgenbildern, meist auch einer Magnetresonanztomografie.

Die Therapie besteht in einer operativen Formkorrektur der Hüfte. Es gibt hier verschiedene klassische oder minimal-invasive OP-Verfahren, sodann arthroskopische Techniken via Gelenkspiegelung (Arthroskopie).

Wenn Gewebe des Hüftknochens zugrunde geht, kommt es ebenfalls zu Leistenschmerzen

Ist die Durchblutung im Hüftkopf gestört, kann Knochengewebe zugrunde gehen, ähnlich wie bei einem Herzinfarkt, bei dem eine unterversorgte Zone im Herzmuskel abstirbt. Mögliche Folgen dieses auch avaskuläre, aseptische oder ischämische Nekrose genannten Krankheitsbildes (Erwachsene): Der Gelenkkopf gibt nach, das Gelenk verformt sich, es kommt zu einer sekundären Arthrose.

Die Ursachen der Hüftkopfnekrose sind überwiegend unklar, bestimmte Risikofaktoren können jedoch die Durchblutungsstörung begünstigen: eine vorausgegangene Verletzung des Hüftgelenkes oder Oberschenkelhalsknochens, Behandlung mit Kortison, Osteoporose, eine Chemo- oder Strahlentherapie, Nierenverpflanzung, Bauchspeicheldrüsenentzündung. Auch Alkoholmissbrauch, angeborene Stoffwechselstörungen wie die Gaucher-Krankheit oder, ganz anders die Taucherkrankheit (Caisson-Krankheit), können eine Rolle spielen. Ebenso bestimmte Bluterkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und damit verbundene Gefäßkrankheiten wie Arteriosklerose, sodann Gefäßentzündungen bei Autoimmunerkrankungen.

Am häufigsten erkranken Männer im Alter zwischen etwa 30 und 50 Jahren – ausgenommen natürlich Begleiterkrankungen, die bei Frauen häufiger vorkommen.

Symptome: Anfangs verläuft das Krankheitsbild eine Zeit lang schleichend. Von den ersten Beschwerden bis zum Gewebeverlust im Hüftkopf können mehrere Monate bis ein Jahr vergehen. Erstes Symptom sind Leistenschmerzen bei Belastungen des Hüftgelenkes. Häufig strahlen sie vorne in den Oberschenkel oder bis ins Knie aus, manchmal ins Gesäß. Später treten sie auch in Ruhelage auf. Sinkt die Hüftkopfkontur ein, verursacht das starke Schmerzen. Im weiteren Verlauf behindern die Schmerzen zunehmend die Beweglichkeit der Hüfte. Wenn die zugehörigen Muskeln, Sehnen und Bänder sich mangels Bewegung verkürzen (Kontrakturen), kann das Gelenk im Extremfall sogar versteifen. Dadurch verkürzt sich auch das Bein auf der erkrankten Seite. Gleichzeitig mit der Hüfte oder später können auch ein oder mehrere andere Knochen erkranken, zum Beispiel der Oberarmknochen oder Fußknöchel.

Diagnose: Die Angaben des Patienten über die Art der Beschwerden und frühere oder bestehende Krankheiten (Krankengeschichte, Anamnese) sowie die sorgfältige klinisch-orthopädische Untersuchung lenken den Verdacht schnell auf das Hüftgelenk. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) zeigt frühzeitig krankhafte Veränderungen auf, deutlich früher als ein Röntgenbild. Eine nuklearmedizinische Untersuchung (Szintigrafie) – sie greift das Skelett insgesamt ab – kann ebenfalls zur Diagnose beitragen.

Therapie: Es gibt keine ursächliche Behandlung. Maßnahmen, die auf mögliche Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren zielen, spielen für die Therapie im Vorfeld eine Rolle, ebenso das Krankheitsstadium. Wenn die Behandlung frühzeitig einsetzt, kann dies die Chancen auf einen Erhalt des Hüftgelenkes verbessern. Die Reichweite konservativer Maßnahmen ist jedoch begrenzt. Dazu gehören vorsichtig und kontrolliert angewandte Schmerzmittel wie nicht steroidale Antirheumatika, Physiotherapie (Krankengymnastik), Gewichtsabnahme, Alkoholverzicht.

Hält sich der Schaden am Knochen noch sehr in Grenzen, kann der Arzt eine Dekompressionsoperation des Knochens durchführen und dabei eventuell ein Knochentransplantat mit einem Gefäßstiel, der an ortsansässige Gefäße angeschlossen wird, einsetzen. Durch ergänzende Anbohrungen können neue Blutgefäße kanalisiert werden. In der Phase der Frühschädigung ist eine Umstellungsoperation, bei der die Stellung des Hüftkopfes verbessert wird, möglich. Im Spätstadium kommt nur noch der Gelenkersatz, also der Einbau einer Hüftprothese, infrage. Grunderkrankungen werden gezielt behandelt.

Hüftgelenkarthrose: Die andere Art von Leistenschmerz

Verschleiß des Hüftgelenkes entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels. Dieser hat eine wichtige Pufferfunktion im Gelenk. Zunehmender Abrieb des Knorpels schädigt die beteiligten Gelenkknochen und damit das Gelenk. Mit der Zeit entwickelt sich eine Arthrose.

Ärzte nennen diesen Ablauf degenerativ und das Ergebnis eine primäre Arthrose. Veranlagung und Alterung sind die Hauptrisikofaktoren. Ab 60 hat fast jeder in irgendeiner Form mit Gelenkverschleiß zu tun, bei übermäßiger Belastung eines Gelenkes womöglich auch schon früher.

Als sekundär wird eine Arthrose bezeichnet, wenn sie Folge anderer Erkrankungen oder Verletzungen ist, etwa von Brüchen am Gelenk, Rheuma (rheumatoide Arthritis), Fehlbelastungen durch angeborene oder erworbene Hüftverformungen und -fehlstellungen. Beispiele: eine angeborene, nicht rechtzeitig oder ausreichend korrigierte Hüftdysplasie (siehe oben).

Erkrankungen des Hüftgelenkes im Kindesalter wie eine Hüftkopflösung (Epiphysiolysis capitis femoris) mit Hüftkopfgleiten, die Perthes-Erkrankung mit einer vorübergehenden Durchblutungsstörung (Osteochondrosis deformans) oder die Schädigung (Nekrose) des Hüftkopfes bei Erwachsenen (siehe weiter oben) können ebenfalls eine Arthrose der Hüfte nach sich ziehen.

Symptome: Bei Hüftarthrose ist ein Leistenschmerz mit Ausstrahlung in den Oberschenkel, manchmal bis zum Knie, typisch, weniger ein "Hüftschmerz" (!). Gelegentlich werden die Schmerzen aber auch im hinteren Hüftbereich, Gesäß und Kreuz empfunden. Anfangs treten Schmerzen nur nach größeren Belastungen auf, nach längerem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen. Als sogenannter Anlaufschmerz verschwindet er schon nach ein paar Schritten wieder.

Mit der Zeit weichen Schmerzen auch in Ruhe nicht mehr oder reißen den Betroffenen plötzlich aus dem Schlaf. Zunehmend treten Schwierigkeiten beim Abwärtsgehen auf, auch treppab, und auch andere Bewegungen im Alltag werden beschwerlich: Die Strümpfe lassen sich kaum noch anziehen, weil das Beugen zu schmerzhaft ist. Gartenarbeit ade: Abspreizen und Heranziehen des Oberschenkels kann man vergessen, somit auch die Hocke. So weit sollte man es lieber gar nicht erst kommen lassen.

Lesen Sie im Beitrag "Arthrose des Hüftgelenks" mehr über die Hintergründe des Krankheitsbildes und die Behandlungsmöglichkeiten.

Schmerzhafte Sportlerleiste: Störung mit Fragezeichen

Chronische Leistenschmerzen bei Sportlern = Sportlerleiste? Oder gar "weiche Leiste"? Dahinter steckt folgendes Problem: Es zieht und zwackt gewaltig beim Sport, aber man sieht nichts Auffälliges. Angesprochen fühlen sich besonders oft Fußball-, Handball-, Eishockey- und Rugbyspieler, Skiläufer und Läufer – Profis mehr noch als Hobbysportler, aber auch sie. Gemeint ist eine Schwäche der Leistenhinterwand mit einem möglicherweise beginnenden, eigentlich aber (noch) nicht wirklich erkennbaren Leistenbruch. Möglicherweise kann der erfahrene Arzt mit viel Fingerspitzengefühl eine verdächtige Stelle im fraglichen Bereich tasten. Bei einem Manöver mit Druckerhöhung im Bauch – Husten, Niesen, Aufstehen oder Zusammenklemmen der Oberschenkel – lässt sich der Schmerz eventuell provozieren. Chirurgen sind allerdings überzeugt, dass das Beschwerdebild einer anatomischen Grundlage entbehrt.

Was sonst noch hinter Leistenschmerzen bei Sportlern stecken kann

Steht ein mehr ein Schmerz am Schambein im Vordergrund, der in die Leisten-, Hüft- und Dammgegend ausstrahlt, bezeichnen Ärzte das als Pubalgie. Ursache können neben der Sportlerleiste auch Überlastungsreaktionen der Schambeinknochen (Osteitis pubis) oder der Fuge dazwischen (Symphysitis) sein, selten ein Ermüdungsbruch in diesem Bereioch des Beckens. Dafür prädestinieren zum Beispiel Sprungsportarten – häufiger bei Frauen als bei Männern.

Die am Schambein ansetzenden Bauch- und Adduktorenmuskeln üben entgegengesetzte Zugkräfte aus. Bei starken gegensinnigen Zugbelastungen kann sich der gesamte Bereich entzünden. Dann ist mitunter von einer Kapselreizung des Hüftgelenkes (Periarthropathia coxae) die Rede. In Betracht kommen hier alternativ manchmal auch Beschwerden im Rahmen eines Fibromyalgiesyndroms.

Wird ein Nerv im Leistenbereich eingeklemmt, sind Missempfindungen oder ein Taubheitsgefühl im Intimbereich, am Oberschenkel vorne, innen oder seitlich (Inguinaltunnelsyndrom) die Folge. Mehr dazu im Beitrag "Hüftschmerzen".

Diagnose bei Schmerzen im Leisten- und Schambeinbereich: Die Angaben des Patienten über Art und Lokalisation der Schmerzen und wann genau sie auftreten, das individuelle Bewegungsprofil beim Sport und den Verletzungsverlauf geben dem Arzt erste Hinweise. Klinische Befunde, etwa eine Druckschmerzhaftigkeit in einem bestimmten Bereich, eine punktuell geschwächte Muskelkraft und Gelenkbeweglichkeit, sodann gezielte Bewegungstests grenzen die Diagnose weiter ein. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Magnetresonanztomografie bringen sie häufig auf den Punkt. Das gilt insbesondere für die Osteitis pubis oder einen Ermüdungsbruch. Auf demselben Wege kann der auch Arzt Verletzungen wie einen Riss des Leistenbandes, einen Bluterguss in der Tiefe der Leiste oder einen verletzungsbedingten Leistenbruch (traumatische Hernie) feststellen.

Therapie bei Schmerzen im Leisten- und Schambeinbereich: Eine Trainingspause, zumindest im Kernsport und bei alternativen Aktivitäten immer unter der Schmerzschwelle, ist – wegen der Schmerzen – nicht nur unerlässlich, sondern oft auch hilfreich. Laufsportler können die Ausdauer-Fitness zum Beispiel mit Radfahren oder Schwimmen aufrecht erhalten. Weitere Linderung bringt die Kombination aus einer Kurzzeittherapie mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel und einer umfassenden physikalischen Therapie: Übungsbehandlung mit Muskelkräftigung und -dehnung, dazu Elektrotherapie, Kälte- oder Kryotherapie (in der Akutphase, später eher Wärmetherapie), Behandlung mit Ultraschall, TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation; die Reizstromanwendungen über die Haut sollen "Schmerzen" überspielen) und Aquatherapie (verschiedene Formen der Wassertherapie, ausgehend vom Wasser-Shiatsu).

Auch Akupunktur und Schmerzbehandlungen mit dem Laser oder Stoßwellen finden teilweise Anwendung. Eine weitere, allerdings sorgfältig abzuwiegende Option ist eine Injektion von Kortison und / oder eines Betäubungsmittels in den Schambeinspalt. Eine operationsbedürftige Verletzung, ein Leistenbruch, eine deutlich schmerzhafte Leistenschwäche, selten auch eine Schambeinentzündung mit hartnäckigsten Schmerzen, die nicht auf die konservativen Maßnahmen ansprechen, sind Aufgaben für den Chirurgen.

Lästig bis langwierig: Leidige Leistenzerrung

Auch Reizungen oder Zerrungen der Sehnen der Adduktoren-Muskeln sind bei Sportlern häufig Ursache von Leistenschmerzen. Mit den großen und kleinen, langen und kurzen Adduktoren, die das Schambein mit den Oberschenkeln verbinden, ziehen wir die Schenkel nach innen und klemmen sie zusammen. Die Muskelansätze innen am Oberschenkel sind bei vielen Sportarten großen Belastungen ausgesetzt. Ein Paradebeispiel ist Fußball – man denke nur an die oft extremen Schuss-, Tritt-, Spreiz- und Grätschbewegungen. Ansonsten können Muskelungleichgewichte nach anderen Verletzungen oder im Zuge mancher Krankheiten wie zum Beispiel Entzündungen, aber auch bei einer Beinverkürzung oder Muskelermüdung, eine Leistenzerrung begünstigen. Ist es zu einem Muskelfaser- oder gar Muskelriss mit Bluterguss gekommen, liegt eine schwerere Verletzung vor.
Symptome: Eine leichte Zerrung hält manche Betroffenen nicht davon ab, mit dem Sport weiterzumachen, da sie die Schmerzen noch als erträglich empfinden. Manchmal ist es nämlich nur ein gewisses Ziehen unter Belastung. Doch das sollten sie keinesfalls tun, denn Heilung erfordert konsequentes Schonen, zumindest anfangs. Weiterbelasten erhöht dagegen das Risiko monatelanger Beschwerden. Bei stärkeren Zerrungen sind Hüftbewegungen ausgesprochen schmerzhaft bis unmöglich: nicht nur Gewichtsbelastungen wie Stehen, Gehen und Laufen, sondern auch Einwärtsdrehen (besonders schmerzhaft gegen Widerstand bei der ärztlichen Untersuchung) und Auswärtsdrehen. Größere Muskelfaserrisse und ein Bluterguss – hier kann die Leiste eventuell anschwellen und schmerzt erheblich – zwingen den Verletzten zu einer Schonhaltung und sofortiger Ruhe.

Über Diagnose und Therapie informiert Sie der Ratgeber "Muskelfaserriss und Muskelzerrung".

Beckenringlockerung in der Schwangerschaft

Unter dem hormonellen Einfluss in der Schwangerschaft lockert sich das Bindegewebe und damit auch die normalerweise sehr feste Bandkonstruktion des Beckens. Besonders in der Zeit vor und nach der Geburt können die Lockerung und damit verbundene Schmerzen manche Frauen belasten. Mehr dazu und zu anderen Ursachen von Leistenschmerzen in der Schwangerschaft im entsprechenden Kapitel dieses Beitrags.

Bruch des Sitz- und Schambeins bei Osteomalazie

Wenn dem Skelettsystem Mineralstoffe fehlen wie Kalzium und Phosphat, die das Knochengewebe härten, führt das am Skelett zu einer allmählichen Knochenerweichung und -verbiegung. Diese Krankheit heißt bei Erwachsenen Osteomalazie. Bei Kindern entspricht sie einer Rachitis. Auslösend ist ein Mangel an Vitamin D. Hier gibt es unterschiedliche Ursachen: Zuwenig Sonnenlicht, ungenügende Aufnahme des Vitamins bei bestimmten Magen-Darmerkrankungen, Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels, darunter auch erbliche, und fortgeschrittene Nierenschwäche. Auch spezielle Defekte an der Niere, die zum Beispiel den Phosphatstoffwechsel beeinflussen, können eine Knochenerweichung nach sich ziehen.

Symptome: Die Knochen geben Druck- und Zugbelastungen nach. In der Folge verbiegen sich besonders die langen Knochen. Ständig belastete Knochen können auch spontan, also ohne Unfallereignis, haarfein brechen. Hinzukommen diffuse Knochenschmerzen und weitere Krankheitszeichen. Die eigentlich seltenen Brüche des Sitz- oder Schambeins sind für eine Osteomalazie recht kennzeichnend; sie lösen typischerweise Leistenschmerzen aus. Ebenfalls typisch sind Schwellungen der Rippen vorne am Brustkorb am Übergang zum Knorpel und entlang des Brustbeins.

Diagnose: Blut- und Röntgenuntersuchungen, gegebenenfalls auch die feingewebliche Analyse einer kleinen Knochenprobe, führen zur Diagnose.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ergibt sich, dass ein Medikament auslösend ist, wird der Arzt es absetzen. Bei älteren Erwachsenen, die selten ins Freie kommen, empfehlen Experten vermehrte Aufenthalte in der Sonne zur Verbesserung der Vitamin-D-Bilanz explizit. Je nach Grundkrankheit lässt sich der Vitamin-D-Mangel durch Einnahme oder eine Injektion von Vitamin D ausgleichen. Bei einer Nierenfunktionsstörung muss der Arzt unter der Vitamin-D-Gabe den Kalziumwert im Blut regelmäßig kontrollieren, um eine sich anbahnende Kalziumüberladung (Hyperkalziämie) rechtzeitig zu erkennen.

Erkrankungen des Hüftknochens und der umgebenden Weichteile

Selten verbirgt sich hinter Leistenschmerzen eine Knochen- oder Weichteilerkrankung am Hüftgelenk oder Oberschenkel. Infrage kommen zum Beispiel die Paget-Erkrankung (Osteodystrophia deformans), gutartige Knochenzysten oder eine Geschwulsterkrankung (Tumor). Tumoren sind ebenfalls oft gutartig, mitunter können sie aber auch entarten. Als Ausgangspunkte kommen praktisch alle Strukturen im Knochen und um ihn herum infrage: der Knorpel (kennzeichnend ist hier der Wortstamm "Chondro-..."), Knochen ("Osteo-...") und Bindegewebe ("Fibro-..."), die Innenhaut (Synovia) von Gelenken, das Knochenmark, Gefäße oder Nerven. Die gelegentlich an der Hüfte auftretenden Chondroblastome sind zunächst meist gutartig. Bei einem Rückfall können sie aggressiver sein. Zu den bösartigen Geschwülsten gehören die Sarkome (Osteosarkome, Chondrosarkome, Synovialsarkome). Sie sind an der Hüfte aber sehr selten. Manchmal siedeln sich auch Tochtergeschwülste (Metastasen) anderer Tumoren in der Hüfte oder am Becken an.
Mögliche Symptome bei einem Tumor: auffällige Schmerzen am Gelenk, Schwellungen, Fieber, Gewichtsabnahme, ein untypischer Knochenbruch (damit kann ein Bruch aus geringfügigem Anlass oder an einer ungewöhnlichen Stelle des Knochens gemeint sein).
Diagnose und Therapie (allgemein): Bei entsprechendem Krankheitsverdacht wird der Orthopäde eine umfangreiche Diagnostik einleiten, die neben Blutanalysen und bildgebenden Untersuchungen – zunächst Röntgen- und Ultraschall (Sonografie), eventuell noch weitere Aufnahmetechniken –, zusätzlich oft eine Gewebeentnahme einschließt. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung. Zentrale Maßnahme ist in der Regel eine Operation.

Unter dem hormonellen Einfluss in der Schwangerschaft verändert sich Vieles im Körper. Das betrifft nicht nur die Geschlechtsorgane. So lockert sich zum Beispiel das Bindegewebe auf. Viele Frauen haben deshalb im Verlauf der Schwangerschaft vermehrt Probleme mit den Venen. Auch die normalerweise sehr straffe Bandkonstruktion des Beckens gibt nach – eine an sich sinnvolle Veränderung, denn das Ungeborene braucht zunehmend Platz, und der natürliche Geburtsweg auch. Manchmal bereiten die Veränderungen jedoch Probleme.

Hormonell bedingte Gewebelockerung: Vor-und Nachteile

Ist der Leistenkanal von Geburt an weit geblieben, entwickelt sich manchmal in der Schwangerschaft ein Leistenbruch (mehr dazu im Kapitel "Ursachen von Leistenschmerzen: Leistenbruch, Schenkelbruch" in diesem Beitrag). Aus einem ähnlichen Grund geben aber auch in der Schwangerschaft mögliche Nierensteine weniger Anlass zu Beschwerden: Sie verabschieden sich meist spontan auf natürlichem Weg, da auch die Harnleiter geweitet sind (mehr zu Nierensteinen als Auslöser von Leistenschmerzen im Kapitel: "Ursachen von Leistenschmerzen: Harnsteine, Hoden & Co.").

Blasenprobleme: Häufige Schwangerschaftsbeschwerden

Blasenentzündungen treten vergleichsweise häufig in der Schwangerschaft auf, da die sich vergrößernde Gebärmutter auf die Blase drückt und deren Kapazität abnimmt. Falls es zu Beschwerden kommt, sind Symptome wie Brennen beim – im Verlauf der Schwangerschaft ohnehin häufigeren – Wasserlassen und Druck in der Blasengegend kennzeichnend. Leistenschmerzen als solche sind weniger typisch, doch lässt sich das Schmerzbild gefühlsmäßig nicht immer genau abgrenzen. Bei den Vorsorgeuntersuchungen Schwangerer wird der Urin regelmäßig überprüft. Mehr dazu unter "Untersuchungen in der Schwangerschaft" (auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de). Dort finden Sie auch Informationen darüber, wie sich Wehen äußern können und was jeweils zu tun ist.

Schmerzen im Unterleib, manchmal bis zur Leiste: Was sonst noch bei Schwangeren Probleme bereiten kann

Eine Eileiterschwangerschaft ist natürlich eine schwangerschaftsbezogene Störung, sie kann sich aber sehr unterschiedlich äußern. Zu den Symptomen gehören zum Beispiel ab der sechsten bis neunten Schwangerschaftswoche auftretende Schmierblutungen und Schmerzen im Unterleib auf der entsprechenden Seite. Nach unten können sie mitunter bis in die Leiste und nach oben bis zur Schulter hin ausstrahlen. Ansonsten sind in der Schwangerschaft auch Erkrankungen möglich, die man sonst eher normalen Zeiten zurechnet.

So gehören Blinddarmoperationen zu den häufigsten nicht-gynäkologischen Eingriffen bei schwangeren Frauen. Einige Krankheiten betreffen in erster Linie den Unterbauch, wobei Schmerzen wiederum durchaus bis in die Leistengegend reichen können: eben eine Blinddarmentzündung, die sich in der Regel auf der rechten Bauchseite abspielt, eine Zyste am Eierstock, selten eine Darmentzündung. Diese kann als Divertikulitis (vorzugsweise links im Unterbauch) oder als chronisch-entzündliche Darmerkrankung auftreten. So ist zum Beispiel das Risiko für einen Krankheitsschub bei Morbus-Crohn-Patientinnen in der Schwangerschaft etwas erhöht. Mitunter kann sich sogar ein Bandscheibenvorfall mit Schmerzen im unteren Bauch- oder Leistenbereich bemerkbar machen. Je nachdem, was im Einzelnen dahintersteckt, kommt es zu deutlichen Begleitsymptomen, etwa Fieber, Erbrechen, ausgedehnten Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall, Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche am Bein. Einen Gesamtüberblick zu Leistenschmerzen geben die anderen Kapitel dieses Beitrags.

Beckenringlockerung in der Schwangerschaft: Meist helfen einfache Therapien

Bis zu einem gewissen Maß – etwa zehn Millimeter – ist eine schwangerschaftsbedingte Beckenlockerung noch normal. Denn das Kind braucht zunehmend Platz im Mutterleib und muss während der Geburt durch den Kanal tief im Becken gleiten. Die Lockerung betrifft unter anderem die Fuge vorne am Schambein (Symphyse), die Verbindung zwischen den beiden Hüftbeinen, und die Kreuzbeindarmbeingelenke hinten im Kreuz. Besonders in der Zeit vor und nach der Geburt können sich eine vermehrte Lockerung und damit verbundene Beschwerden für manche Frauen jedoch zum Problem auswachsen. Besonders wichtig ist eine gute Geburtsvorbereitung. Nehmen Sie bei Schmerzen auf keinen Fall auf eigene Faust ein Schmerzmittel ein, sondern gehen Sie zum Frauenarzt.

Weitere Ursachen einer übermäßigen Beckenringerweiterung sind eine ungewöhnliche spontane Geburtslage des Kindes (etwa die sogenannte Schulterlage, auch Schulterdystokie), überbewegeliche Gelenke und spezielle Bindegewebserkrankungen der (werdenden) Mutter – alles Seltenheiten.

Symptome: Die Beschwerden äußern sich recht unterschiedlich. Manchmal schon im letzten Drittel der Schwangerschaft, manchmal erst kurz vor der Geburt oder aber danach spüren manche Betroffenen zunehmend Beschwerden vorne im Schambereich, mitunter auch in der Leistengegend und innen am Oberschenkel, zudem häufig im schwangerschaftsbedingt ohnehin überlasteten Kreuz. Vor und nach Entbindung können Bewegungen wie Gehen, Treppensteigen, Einbeinstand oder das Umdrehen auf die andere Seite im Liegen mehr oder weniger starke Beschwerden bereiten.

Diagnose: Lassen die Symptome ein stärkeres Auseinanderweichen der Schambeinfuge nach vaginaler Entbindung (sogenannte Symphyseninsuffizienz oder -diastase, es existieren noch weitere Fachbegriffe wie Symphysiolyse oder -ruptur) vermuten, führt ein Orthopäde weitere Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen, eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomografie durch. Eine "regelwidrige" Lage des Ungeborenen lässt sich anhand der Ultraschalluntersuchung rechtzeitig feststellen.

Therapie: Die Behandlung umfasst neben körperlicher Schonung eine behutsame Physiotherapie, vor allem Übungen für die Muskeln des Beckenbodens. Physiotherapeuten können Betroffenen auch Übungen und Kniffe zeigen, um sich im Alltag schmerzvermeidend zu bewegen. Teilweise wird auch Akupunktur eingesetzt. Eventuell ist ein Symphysengürtel, ein spezielles Stützmieder, das die Darmbeine einander annähert, zur Stabilisierung des Beckens und Schmerzlinderung angezeigt. Bei stärkerer Überdehnung der Schambeinfuge – manche Experten setzen bei vier Zentimetern ein Limit – kann eine operative Fixierung notwendig sein. Das soll auch vermeiden helfen, dass die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen chronisch werden.

Selbsthilfe: Nehmen Sie bei anstrengenden Handreichungen und beim Tragen Hilfe an, gehen Sie nicht bis an die Schmerzgrenze. Vermeiden Sie ungünstige Haltungen wie Schneidersitz, langes Stehen oder abruptes Aufstehen aus dem Autositz, vom Sessel oder Bett. Finden Sie die für sich beste Schlafposition, etwa auf der Seite mit leicht angewinkelten Beinen und einem Kissen dazwischen. Machen Sie Ihre Physiotherapie-Übungen regelmäßig.

 

Das kleine Becken beherbergt so empfindliche Gebilde wie die unteren Harnwege, die inneren Fortpflanzungsorgane, den letzten Abschnitt des Darmes, dazu Gefäße, Nerven und Lymphbahnen. Bei Männern sind die Harnwege und das äußere Genitale häufiger Ausgangspunkt für Schmerzen, die bis in die Leiste ausstrahlen können.

Harnleiterstein, Blasenstein: Schmerzen bis in die Leiste möglich

Wenn Salze, die normalerweise im Urin gelöst sind, auskristallisieren und die Kristalle sich verdichten, entstehen Harnsteine. Bestimmte Umstände können das begünstigen. Oft ist zum Beispiel das Gleichgewicht zwischen "steinhemmenden" und "steinbildenden" Stoffen im Urin zugunsten Letzterer verschoben. "Steinbildend" sind Ionen von Salzen wie Kalzium, Phosphat, Oxalat, Urat. "Steinhemmend" wirkt dagegen beispielsweise Zitrat. Das ist das Salz der Zitronensäure, natürlicher Bestandteil in Zitrus- und anderen Früchten.

Daneben spielen noch weitere Faktoren eine Rolle, etwa der Säuregrad des Urins, der Wasser- und Salz-Haushalt, die individuelle durchschnittliche Urinmenge pro Tag, die Ernährung, der Stoffwechsel, Erkrankungen der Nieren, Harnabflussstörungen, Bewegungsmangel bis hin zu Bettlägerigkeit.

Ärzte unterscheiden zwei Hauptgruppen von Steinen: anorganische, zum Beispiel Kalziumoxalatsteine, und organische wie Harnsäuresteine. Abgehende Harnsteine können je nach Größe heftige Koliken auslösen. Winzige Bröckel passieren meist unbemerkt die Harnwege und werden mit dem Urin ausgeschieden, ebenso Grieß. Probleme bereiten eher die sehr beweglichen Exemplare mit einer Zwischengröße von mehreren Millimetern, da sie die Wände des Harnleiters streifen. Dann kommt es zu den gefürchteten Kolikschmerzen (Notfall!). Blut im Urin kann eine Verletzung beim Steinabgang anzeigen. Bleibt ein Stein unterwegs stecken, entwickelt sich ein Harnstau. Größere Steine können das Nierenbecken nicht verlassen. Anzeichen dafür können ziehende Schmerzen in der Flanke sein.

Symptome: Es kommt zu einem anschwellenden Schmerz, der nach wenigen Stunden einen oft als "vernichtend" empfundenen Höhepunkt erreicht, um dann langsam wieder abzuklingen. Je nach Lage des Steines strahlt der Schmerz in den Rücken, seitlich in die Flanke, den Unterbauch, die Leiste oder das Genitale aus. Dazu ist quälender Harndrang möglich. Der Bauch wirkt aufgebläht, und die Betroffenen krümmen sich nahezu vor Schmerzen, ihnen wird übel, sie bekommen Schweißausbrüche, sind extrem blass und bewegen sich unruhig hin und her. Mitunter ist der Urin blutig. Wer so etwas das erste Mal erlebt, befürchtet das Schlimmste. Treten zusätzlich Fieber und Schüttelfrost auf, ist das ein Warnsignal für eine Infektion der Harnwege (Notfall!).

Diagnose und Therapie: Es ist wichtig, sofort einen Arzt hinzuzuziehen – im Zweifel den Notarzt – oder sich in eine Notambulanz zu begeben. Hauptgefahr bei einem Harnsteinleiden ist ein Harnstau mit bakterieller Nierenbeckenentzündung und Übertritt der Keime ins Blut. Ohne Behandlung drohen eine Blutvergiftung (Urosepsis) und ein Kreislaufschock.

Daher geht es neben der sofortigen Schmerzbekämpfung darum, die Ursachen rasch einzugrenzen, um sie ebenfalls so schnell wie möglich zu beheben. Erste richtungweisende Schritte: Ultraschalluntersuchungen sowie But- und Urinanalysen. Mitunter sind noch weitere Diagnosemaßnahmen notwendig, etwa eine Computertomografie (CT) und ein EKG. Denn neben einem Harnstein kommt unter anderem auch eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung oder ein Gefäßverschluss im Bauch infolge einer Herzerkrankung infrage.

Ein sich ausdehnendes Bauchaortenaneurysma (Gefäßwandaussackung der Hauptschlagader), eine Blinddarmentzündung (Schmerzen im Allgemeinen mehr rechts im Unterbauch), eine akute Divertikelentzündung des Dickdarmes (Schmerzen im Allgemeinen mehr links im Unterbauch), bei Frauen außerdem eine akute Unterleibserkrankung, etwa die Stieldrehung einer Eierstockzyste, gehören ebenfalls zu den möglichen Schmerzursachen.

Bei entsprechenden diagnostischen Hinweisen lässt sich die Ursache meist durch einen minimal-invasiven Eingriff sichern und sofort gezielt angehen: an den Harnwegen mittels Endoskopie (Ureterorenoskopie), Punktion des Nierenbeckens von außen (perkutane Nephrolitholapaxie), an den Gefäßen mittels eines Katheterverfahrens, in der Bauchhöhle mittels einer Spiegelung (Laparaskopie) und minimal-invasiven Operation. Unter bestimmten Voraussetzungen lassen Nierensteine sich auch durch Stoßwellen von außen (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, ESWL) behandeln.

Weitere Informationen zu Diagnose, Therapie und Vorbeugung in den Ratgebern "Nierensteine" und "Blasenstein", "Bauchschmerzen" und "Schmerzen im Unterleib".

Akute Hodenschmerzen: Bis zum Beweis des Gegenteils Notfälle!

Die wichtigsten Probleme hier sind allesamt akute Krankheitsbilder, ja Notfälle: die Hoden(stiel)verdrehung (Hodentorsion), eine Hydatidentorsion und ein eingeklemmter Leisten- beziehungsweise Hodenbruch. Auch eine akute Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis) muss sofort behandelt werden. Die jeweils akut auftretenden Schmerzen können in die Leiste ausstrahlen. Weitere mögliche Leitsymptome sind Schwellungen und / oder Verfärbungen des Hodens oder im Leistenbereich. Die Betroffenen wirken häufig sehr krank, wobei sich das je nach Alter und Ursache unterschiedlich äußert.

Hodenstieldrehung (Hodentorsion): Dazu kommt es  am häufigsten im Säuglings- und Kindesalter bis etwa sechs Jahren und bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15 bis 25 Jahren). Der Hoden, der Nebenhoden und der Samenstrang können sich teilweise, komplett und mehrfach um die eigene Achse drehen und die Hodengefäße dabei abschnüren. Ohne schnellstmögliche Wiederherstellung der Durchblutung – etwa nach vier bis sechs Stunden – ist die Gefahr groß, dass das Hodengewebe Schaden nimmt oder abstirbt. Das hat Folgen für den Hormonhaushalt und die Fruchtbarkeit.

Offenbar gibt es eine gewisse Neigung zur Torsion: dabei ist der Hoden unzureichend im Hodensack verankert und tendiert zu einer Querlage. Dann genügt mitunter schon eine falsche Bewegung, und das Malheur ist passiert. Auch bei Hoden, die nicht in den Hodensack gewandert sind (Hodenhochstand), ist das Rotationsrisiko erhöht.

Symptome: Babys reagieren auf die plötzlich sehr starken Schmerzen, auch "Bauchschmerzen", mit großer Unruhe, sie schreien und verweigern die Nahrung. Der Hoden oder die Leiste ist geschwollen und extrem berührungsempfindlich. Meist steht der Hoden etwas höher, ist gerötet oder sogar bläulich verfärbt. Bei Jugendlichen tritt die Torsion meist plötzlich nach einer abrupten Bewegung im Sport, bei einem Unfall, manchmal scheinbar auch aus dem Nichts heraus auf, etwa im Schlaf. Das akute Schmerzereignis löst häufig auch Übelkeit und Erbrechen aus.

Diagnose und Therapie: Der Chirurg/Kinderchirurg untersucht den Patienten sofort gründlich körperlich. Dabei ergibt sich, dass der verdrehte Hoden höher steht und der Kremasterreflex (das heißt, dass sich der Hoden, wenn man über die Innenseite der Oberschenkel streicht, nach oben "bewegt") nicht mehr funktioniert. Entscheidend ist die seitenvergleichende Ultraschallschalluntersuchung mit Durchblutungsmessung (Dopplersonografie). Um den Hoden zu retten, ist eine Operation unerlässlich. Sollte der Arzt sich nicht ganz sicher sein, ob wirklich eine Hodenstieldrehung vorliegt, kann er den Zustand des Hodens und Samenstrangs nach operativer Freilegung unter Sicht beurteilen und das Gewebe gegebenenfalls retten. Bei der Operation rückt der Arzt den verdrehten Hoden gerade und befestigt ihn, sofern die Durchblutung funktioniert. Ist der Hoden jedoch bereits komplett geschädigt, muss er entfernt werden. Vorsorglich wird auch die Gegenseite stabilisiert (Orchidopexie).

Ausführlicher können Sie alles Wichtige im Ratgeber "Hodentorsion" nachlesen.

Hydatidentorsion: Hinter einem akuten Hodenschmerz mit Schwellung kann auch eine Hydatidentorsion stecken. Als Hydatide wird ein Anhängsel des Hodens an seinem oberen Pol bezeichnet, ein Rest aus der Embryonalentwicklung. Die Drehung erfolgt im Stielbereich, also an der Verbindung zum Hoden. Am häufigsten kommt das bei Kleinkindern und Jungen um das zehnte Lebensjahr vor. Manchmal liegt zugleich ein Wasserbruch (eine Hydrozele) vor. Eine Hydatidendrehung gefährdet den Hoden selbst nicht. Die Hydatide kann sich jedoch von der Durchblutung abschnüren, absterben und vernarben. 

Symptome: Es kommt plötzlich zu Schmerzen im Hoden, aber weniger heftig als bei einer Hodenstieldrehung. Meistens lassen die Schmerzen von selbst wieder nach. Mitunter schimmert das dunkel verfärbte Anhängsel des Hodens bläulich durch die Hodenhaut hindurch (sogenanntes "blue dot sign"). Eine vernarbte Hydatide kann als Knötchen tastbar sein.

Diagnose und Therapie: Zentrale Untersuchungsschritte sind der Tastbefund, die Ultraschalluntersuchung mit Durchblutungsmessung (Dopplersonografie). Dabei erkennt der Arzt auch einen begleitenden Wasserbruch. Der Hebereflex des Hodens (Kremasterreflex) ist erhalten (der um seinen Stiel gedrehte Hoden steht meist höher und zeigt den "Bewegungsreflex" dagegen nicht mehr).

Je nach Umstand wird das Krankheitsbild konservativ (Kühlung, Hochlagerung, entzündungshemmendes Schmerzmittel), bei Komplikationen, etwa fortbestehenden Schmerzen, auch operativ behandelt. Die konservative Therapie setzt voraus, dass eine Hodenstieldrehung ausgeschlossen wurde.

Akute Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis): Dass ein Harnwegsinfekt, also eine bakterielle Infektion der Harnröhre, Blase oder Prostata (siehe unten) auf den Nebenhoden übergeht, kommt häufiger bei älteren Männern vor, die einen Blasenkatheter tragen. Dies kann zum Beispiel wegen einer Entleerungsstörung der Harnblase notwendig sein. Eine Nebenhodenentzündung kann auch nach einem urologischen Eingriff oder im Rahmen einer sexuell übertragenen Infektion der Harnröhre oder Prostata auftreten. Bei Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen sind häufig Viren die Auslöser.

Symptome: Es kommt zu einer äußerst schmerzhaften Schwellung des Hodensackes auf der erkrankten Seite. Die Haut ist dort gerötet und überwärmt. Dazu treten je nach Erreger auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit auf. Die Beschwerden entwickeln sich nicht ganz so plötzlich wie zum Beispiel bei einer Hodentorsion (siehe oben). Eventuell verweisen Blasenbeschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang auf die Quelle – eine Harnwegsinfektion (mögliche Ursache: Infektion infolge eines Blasenkatheters).

Diagnose und Therapie: Der Arzt stellt einen stark geschwollenen und (druck-)schmerzhaften Nebenhoden fest, wobei dieser beim Tasten kaum noch vom Hoden unterscheidbar sein kann. Mittels Ultraschall ist das jedoch möglich, und es lassen sich damit auch andere Erkrankungen oder Komplikationen, etwa eine eitrige Einschmelzung (Abszess), ausschließen. Der Urinbefund spiegelt den Harnwegsinfekt wider, eine Blutanalyse bestätigt die Entzündung. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Miktionszysturogramm) ermöglicht, Abflussbehinderungen zur Harnröhre hin zu erkennen. Eine absolut operationspflichtige Hodentorsion (Notfall-OP!) muss der Arzt natürlich vorab ausschließen.

Sofortige Behandlung mit Antibiotika und Maßnahmen zur Beschwerdelinderung stehen an erster Stelle. Der Hoden wird hochgelagert und gekühlt. Eventuell betäubt der Arzt den Samenstrang örtlich. Dazu: Bettruhe, entzündungshemmende Medikamente. Falls die Blasenentleerung Probleme macht, muss der Urin eventuell vorübergehend über einen Katheter durch die Bauchdecke abgeleitet werden. Eine eitrige Einschmelzung macht einen Eingriff erforderlich. Regelmäßige Nachkontrollen sind wichtig, da die Entzündung wieder aufflammen kann.

Im Ratgeber "Nebenhodenentzündung" lesen Sie mehr über das Krankheitsbild.

Hodenkrebs: Schmerzen nicht obligatorisch, Heilungschancen gut

Er macht sich manchmal mit einem Ziehen oder Schweregefühl nicht nur am Hoden, sondern auch in der Leiste bemerkbar. Die insgesamt seltene Krebsform gehört bei jungen Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren immerhin zu den führenden Krebserkrankungen. Nach der feingeweblichen Beschaffenheit unterscheiden Ärzte bei diesen Tumoren sogenannte Seminome und Nicht-Seminome. Letztere sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Ein "greifbarer" Risikofaktor für Hodenkrebs ist ein Hodenhochstand im Kindesalter, ein weiterer die Körpergröße: Auch hoch gebaute Männer haben ein gewisses Risiko. Daneben spielen wohl auch erbliche Faktoren eine Rolle. Vieles liegt hier aber noch im Dunkeln. Ganz überwiegend tritt Hodenkrebs nur auf einer Seite auf.

Symptome: Eine sicht- oder tastbare Veränderung am Hoden, ein Knoten, der aber nicht schmerzen muss, ist immer auffällig. Das gilt auch für eine einseitige Vergrößerung oder Schwellung des Hodens. Manchmal lässt sich auch ein Schweregefühl oder Ziehen am Hoden und / oder in der Leiste verspüren. Gehen Sie in allen diesen Fällen sofort zum Arzt.

Wichtig: Männer sollten sich regelmäßig selbst untersuchen. Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Weiterführende Informationen zur Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Hodenkrebs"

"Was selten ist, ist selten...": So lautet eine Regel in der Medizin. Dennoch: Auch über die Themen dieses Kapitels etwas Bescheid zu wissen, kann manchmal nützlich sein.

Senkungsabszess im Becken (Psoasabszess)

Ein Abszess entsteht meist durch Einschmelzung von Gewebe, das mit Eitererregern infiziert ist. Im Becken kann sich ein Abszess zum Beispiel entlang des Lenden-Darmbeinmuskels – unser stärkster Hüftbeuger, auch Iliopsoas-Muskel oder kurz Psoas genannt – bis in die Leiste ausbreiten.

Ein solcher Senkungsabszess ist zum Glück sehr selten. Er kann zum Beispiel von einer Infektion an der Wirbelsäule ausgehen. Eine vereiterte Hüftprothese ist eine andere mögliche Quelle. Außerdem kommen bestimmte Entzündungen im Darm als Quelle infrage: die Crohn-Krankheit (Morbus Crohn, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung mit Geschwüren), eine fortgeschrittene Blinddarmentzündung oder stark entzündete Ausstülpungen in der Wand des unteren Dickdarms (Sigma-Divertikel; die Entzündung heißt Divertikulitis).

Ein Abzess im Psoas kann auch entstehen, wenn Eitererreger über das Blut in den Muskel gelangen. Das ist zum Beispiel bei einer schweren eitrigen Nierenbeckenentzündung möglich.
Entlang des Muskels kann die abgekapselte Eiterstraße bis zur Leiste ziehen. Bei schmerzhaften Schwellungen in der Leiste im Rahmen einer schweren Infektion wird der Arzt dies als seltene Möglichkeit berücksichtigen.

Symptome: Der Abszess kann die Leiste vorwölben und die Hüftbeweglichkeit schmerzhaft einschränken. Im Becken selbst kann er anfangs noch relativ beschwerdearm sein, da er sich abgekapselt im hinteren Gewölbe zwischen Wirbelsäule und Bauchfell entwickelt, wo etwas Platz ist. Dies gilt insbesondere für einen Abszess bei einer Tuberkulose, die inzwischen selten geworden ist. Welche Symptome auftreten, hängt von der Lage, Größe und möglichen Komplikationen des Abszesses ab, außerdem von der Grunderkrankung. Auf eine ursächliche Darmerkrankung beispielsweise weisen Beschwerden wie krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall (auch blutig), starke Verstopfung oder ein "akuter Bauch" hin.

Eine Wirbelvereiterung auf der entsprechenden Etage der Wirbelsäule kann starke Rücken- oder Kreuzschmerzen verursachen. Die Kreuzschmerzen können wiederum in den Bauch, ins Gesäß oder in die Hüften ausstrahlen. Auch Druckschäden von Nervenwurzeln am Rückenmark sind bei Wirbelvereiterung möglich. Dann kann es zu neurologischen Ausfällen kommen. Betrifft es zum Beispiel Wurzeln des Ischiasnervs, sind Muskelschwäche oder Lähmungen am Fuß oder Bein möglich. Wird ein Wirbel zerstört, verformt sich das Rückgrat.

Häufig treten bei einem Abszess Krankheitsgefühl und Fieber auf. Bei einer Blutvergiftung (Sepsis) kann es zum Kreislaufversagen kommen (septischer Schock, Notfall!). Anzeichen können Schüttelfrost, hohes Fieber und ein sehr schneller Puls sein.

Diagnose: Die Schilderung der Beschwerden und wie sie sich entwickelt haben, dazu Angaben über frühere Erkrankungen können zusammen auf die Quelle  des Abszesses hinweisen. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich eine schmerzhafte, unter leichtem Druck wegsdrückbare (reponible) Schwellung in der Leiste. Ein infizierter Wirbel macht die Wirbelsäule meist hochgradig berührungsempfindlich. Eventuell weist auch sie eine Vorwölbung oder andersartige Verformung auf. Röntgenbilder geben hier schnell weitere Auskunft. Eine Röntgenaufnahme des Bauches kann bei einem (Ilio-)Psoas-Abszess den Muskel als unscharf begrenzten Schatten abbilden. Normalerweise hat er klare Konturen.

Die Diagnose lässt sich meist durch bildgebende Verfahren wie eine Sonografie sowie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) bestätigen. Besonders Letztere informieren häufig auch über den Ausgangspunkt und die Ausbreitung des Abszesses. Eine Probe daraus und aus dem Blut werden auf Erreger hin untersucht. Das Blut weist meist Entzündungszeichen auf. Bei Verdacht auf die Harnwege als Quelle des Übels überprüft der Arzt auch diesen Bereich. Eine wichtige Rolle spielen hier Blut- und Urinbefunde sowie bildgebende und endoskopische Untersuchungen.

Therapie: Entweder räumt der Chirurg den Abszess aus oder er entlastet ihn über eine Saug-Spül-Drainage. Zugleich erhält der Patient Antibiotika. Die Grunderkrankung behandelt der Arzt gezielt. Vereiterte, geschädigte Darmabschnitte müssen entfernt werden. An der Wirbelsäule kommen spezielle operative Maßnahmen in Betracht. So kann es notwendig sein, nach Säuberung einer Eiterhöhle den entstandenen Defekt aufzufüllen und das Rückgrat zu stabilisieren.

Krampfaderknoten

Krampfadern sind erweiterte Venen, häufig an den Beinen. Sie können knotig aus dem Hautniveau hervortreten und sich stark schlängeln. Möglich sind sie auch in der Leiste und am Hoden.

An den Beinen leiten zwei sogenannte Stammvenen – die kleine und große Rosenader (Vena saphena parva und magna) – das Blut in die tiefen Beinvenen. Diese führen es zum Herzen zurück. Wenn die Venenwände zu schwach sind, schließen die Klappen innen, die den Blutfluss lenken, nicht mehr richtig. Dann versackt das Blut im "Gefäßbett", die Stammvenen erweitern sich und werden zu Krampfadern (Varizen, primäre Varikosis). Dabei können an der Vena saphena magna auch sogenannte Varixknoten auftreten. Falls die weichen, gut verschiebbare Krampfaderknoten im Leistenbereich zum Vorschein kommen, verwechseln Betroffene sie mitunter mit einem Leistenbruch. Anhand der klinischen Untersuchung und einer Dopplersonografie wird schnell deutlich, worum es sich handelt.

Symptome: Krampfadern können sich als geschlängelte, stark verzweigte oder knotig vorgewölbte, bläulich verfärbte Gefäße in der Haut zeigen. Auch die in erster Linie kosmetisch störenden Besenreiser, feinste violette, fädchen-, häkchen- oder sternförmig verzweigte Äderchen gehören dazu. Knotig veränderte Partien (Varixknoten) brechen mitunter auf und bluten, etwa bei einer Verletzung, oder sie entzünden sich und verstopfen (Varikophlebitis). Dann schmerzt der betroffene Bereich, ist geschwollen und gerötet. Der Knoten oder Venenstrang fühlt sich verhärtet an und ist druckempfindlich. Dies kommt mitunter auch in der Leistengegend vor.

Typische Beschwerden bei Krampfadern sind ansonsten schwere Beine mit Spannungs- und Druckgefühl vor allem abends und bei Wärme oder langem Stehen sowie Schwellungen. Mit der Zeit können auch Hautveränderungen und Geschwüre am Fuß auftreten.

Weitere Informationen zu den Ursachen, Symptomen, Komplikationen, Diagnose und Therapie im Krankheitsratgeber "Krampfadern".

Aussackung (Aneurysma) der Oberschenkel-Schlagader

Aneurysmen sind Aussackungen von Schlagadern. Bei einem echten Aneurysma wölbt sich die gesamte Gefäßwand nach außen vor. Ein falsches Aneurysma liegt innerhalb der Wand.

Gelegentlich lässt sich eine Schwellung in der Leiste, die mit einem Druck- oder Schmerzgefühl einhergeht, auf ein Aneurysma zurückführen. Ein falsches Leistenaneurysma kann sich beispielsweise nach Anlage einer Gefäßumgehung (Bypass, verläuft am Bein häufig von der Leiste bis in Höhe des Knies) oder einer Gefäßprothese bilden, vorzugsweise im Bereich der Operationsnaht. Die Prothese ersetzt einen verengten Gefäßabschnitt oberhalb der Leiste.

Falls ein echtes Aneurysma vorliegt, finden sich möglicherweise auch Aussackungen in anderen Gefäßen. Hauptursache ist Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).

Symptome: In der Leiste tritt eine pulsierende Geschwulst auf, die an Größe zunehmen und schmerzhaft sein kann (aber nicht muss). Als Folge des Aneurysmas kann es zu Durchblutungsstörungen im Bein mit Blässe der Haut und Schmerzen in Ruhe und bei Belastungen kommen. Drückt die Aussackung auf Nerven, treten Missempfindungen am Bein auf. Ist dieses geschwollen, kann der Lymphabfluss behindert sein.

Diagnose: Die Krankengeschichte und der klinische Befund sind richtungweisend für die Diagnose, die sich anhand einer farbkodierten Doppler-Sonografie (Ultraschalldiagnostik) bestätigen lässt. Dabei kann er andere Ursachen für Durchblutungsstörungen oder eine Komplikation an den operierten Leistengefäßen ausschließen, etwa eine Verbindung (Fistel) zwischen Arterie und Vene. Bei einem echten Aneurysma wird der Arzt einen allgemeinen Gefäßcheck empfehlen.

Therapie: Aneurysmen der Beingefäße werden wenn möglich operativ ausgeschaltet, da sie eine Quelle für Blutgerinnsel wie auch für Blutungen darstellen – beides sind gefährliche Entwicklungen. Standardtherapie ist die Anlage einer neuen Gefäßumgehung (Venenbypass). Das Aneurysma selbst wird verschlossen. Ist es nach Anlegen eines Bypass (siehe oben) entstanden, kann es sich zwar durch Narbengewebe verfestigt haben. Dennoch bevorzugt der Arzt in der Regel eine operative Korrektur.

Die gute Nachricht vorab: Alles das, was Leistenbeschwerden vorbeugen hilft, tut auch dem Körper insgesamt gut. Das heißt, mit denselben Maßnahmen bewegt sich gleich an mehreren Fronten etwas zum Gesunden hin.

Das Leistenbruch-Risiko senken

Übergewicht abbauen, nicht mehr rauchen und einen zu trägen Darm in Schwung bringen, indem Sie die Ernährung umstellen und sich mehr bewegen: So nehmen Sie dauerhaft Druck von der Bauchwand.
Ziele hier:
1. Mindestens dreimal pro Woche eine halbe Stunde körperliche Aktivität (ab 35 sollten Sie sich als Neueinsteiger beim Arzt checken lassen, bevor Sie ihren Puls wieder auf Trab bringen).
2. Normalgewicht. Es ist eine Wunderwaffe gegen fast alles, was unter dem Stichwort Zivilisationskrankheiten läuft. Dazu gehören Harnsteinleiden genauso wie Arthrose oder die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Letztere schädigt die Gesundheit an vielen Stellen, Leistenschmerzen sind nur ein Ausschnitt aus dem Schadenpanorama. Normales Gewicht entlastet auch die Leisten. Die richtigen Maße, etwa den Body-Mass-Index, finden Sie hier.

Und: Vermeiden Sie nach Möglichkeit schweres Heben.

Beim Sport kommt es auf kontrollierte und harmonische Bewegungsabläufe, das passende Trainingsmaß und gute Atemtechnik an. Das ist gerade auch beim Bodybuilding sehr wichtig. Überfordern Sie sich nicht. Eine Serie Übungseinheiten mit einem erfahrenen Coach kann die richtige Richtung vorgeben oder diese festigen, egal, ob Sie sich zu den Neu- oder Wiedereinsteigern oder aber Fortgeschrittenen zählen.

Eventuell verpasste Kinder- und Jugenduntersuchungstermine (U1 bis U10 und J1, J2) unbedingt nachholen. Hat Ihr Kind plötzlich Schmerzen im Leistenbereich, gehen Sie gleich mit ihm zum Arzt, auch wenn Sie gerade erst bei der Vorsorge waren und alles in Ordnung war.

Und: Ein einmal festgestellter Leistenbruch sollte rechtzeitig operiert werden – in jedem Alter.

Gelenkfreundlich leben

Viel bewegen, aber richtig – das tut Ihren Gelenken gut. Kritisch sind Über- und Fehlbelastungen. Dazu kommt es zum Beispiel, wenn Sie zu viele Pfunde auf die Waage bringen oder zu intensiv und einseitig im Sport trainieren. Aber auch Unterforderung des Bewegungssystems ist eine Art Überbelastung, weil das Zusammenspiel der Muskeln aus dem Ruder läuft und wenige Muskelgruppen, etwa die Haltemuskeln am Rückgrat und Becken, Mehrarbeit leisten müssen. Das passiert vor allem bei Bewegungsmangel und Haltungsproblemen.

So weit die Füße tragen ... ja, aber dazu müssen wir sie auch pfleglich behandeln. Entscheiden Sie sich: Den gut sitzenden Treter für den Stadtbummel? Keine Frage. Zum Laufen den dynamischen Querfeldein-(Cross-)Laufschuh überstreifen, Wandern aber im überknöchelhohen Wanderschuh? Und für den alpinen Einsatz womöglich den steigeisenfesten Bergschuh anlegen? Natürlich ist die passende Ausrüstung immer wichtig. Aber die beste Ausstattung sind eigentlich gut trainierte Muskeln und Gelenke.

Gönnen Sie Ihren Füßen auch regelmäßig frische Luft und gute Hygiene. Für Menschen mit Diabetes ist eine professionelle Fußpflege besonders wichtig, um Verletzungen und Infektionen zu vermeiden.

Bei Fehlstellungen und Verformungen am Bewegungssystem tut man sich leichter, wenn man sich an die Ratschläge des Orthopäden hält: zum Beispiel ausgleichende Hilfsmittel wie Absatzerhöhungen bei Fußfehlstellungen benutzen, die begonnene Gymnastik beibehalten, an die richtige Haltung denken.

Harnsteinen vorbeugen

Auch hier dreht sich vieles um Bewegung, natürlich auch die Ernährung. Bewegung kann den Abgang von Steinen fördern. Vor allem tut Bewegung aber dem Kreislauf und Stoffwechsel gut. Ergiebig durchblutete Nieren bewältigen ihre vielfältigen Aufgaben einfach besser. Wenn Sie genügend Flüssigkeit trinken – zwei Liter pro Tag sollten es im Durchschnitt sein – ist der Urin verdünnt und der Gehalt von Schadstoffen und Salzen niedriger. Letztere können bei erhöhter Konzentration leichter zu Steinchen kristallisieren. Das bedeutet auch: Heftiges Schwitzen, zu starkes Abführen oder Durchfall ohne ausreichenden Flüssigkeitsersatz erhöhen das Risiko der Austrocknung und Steinbildung.

Ganz allgemein empfehlen Urologen zudem eine ausgewogene Ernährung und Abbau von Übergewicht.

Gezielte Ernährungsempfehlungen sind dann möglich, wenn ein Harnstein geborgen und chemisch analysiert werden konnte.

Gicht & Co.: Ernährungs-Tipps

Gerade bei Harnsäuresteinen ist der Zusammenhang mit der Ernährung offensichtlich. Eiweißreiche Ernährung mit viel Fleisch und sogernannten Purinen lässt den Urin saurer werden. Harnsäuresteine bilden sich dann leichter. Purinreiche Lebensmittel sind zum Beispiel alle Innereien, Fisch, Fleisch, Brokkoli und Hülsenfrüchte. Alkohol wirkt harnreibend, erhöht die Ausscheidung von Harnsäure und damit deren Konzentration im Urin. Bei Kaffee und schwarzer Tee ist dieser Effekt nicht so deutlich. Dennoch: Wien macht man es richtig: Das Glas Wasser zum Kaffee ist nicht nur geschmacklich sympathisch, sondern gibt dem Körper, was er ohnehin braucht.

Umstellung der Ernährung und Anheben des Säuregrades des Urins (ph-Wert: Alkalisierung) helfen hier, das Wiederholungsrisiko für Harnsteine zu senken.

Diese Ernährungsempfehlungen gelten auch bei der Gicht. Sie beruht zwar in erster Linie auf einem erblichen Stoffwechseldefekt, ist aber durch die Ernährung beeinflussbar. Bei Gicht steigt die Harnsäure im Blut an und tendiert zu Ausfällungen als Kristalle (Urate). Urate lagern sich häufig in Gelenken und den Nieren ab. In den Harnwegen können sich daraus Grieß oder Steine bilden.

Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Gicht (Hyperurikämie).

Bei Oxalatsteinen empfiehlt es sich zum Beispiel, auf Rhabarber, Kakao und Schokolade zu verzichten, bei kalziumhaltigen Steinen auf Milchprodukte.

Was Sie sonst noch beachten sollten

Harnabflusshindernisse sollten möglichst früh beseitigt, Harnwegsinfekte  behandelt werden. Beides hängt eng miteinander zusammen. Infekte verändern zudem das Harnmilieu und erhöhen so das Risiko für Steine (sogenannte Infektsteine). Achten Sie auch darauf, Unterkühlungen im Blasen- und Nierenbereich zu vermeiden, da sie Infekte begünstigen können.

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Gasser Th: Basiswissen Urologie, 5. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2011

Grifka J, Kuster M (Hrsg): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Aufl., Berlin Heidelberg Springer-Verlag 2011

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