Sie sind individuell dosierbar, wirken oft besonders schnell und eignen sich für alle, die Probleme haben, Tabletten oder Kapseln zu schlucken. Flüssige Arzneimittel wie Tropfen sind deshalb wichtige Darreichungsformen – bei deren Einnahme jedoch häufig Fehler passieren. Nicht immer gelingt es beispielsweise, die für die richtige Dosis erforderlichen Tropfen exakt abzuzählen. Dazu braucht der Patient Zeit, Konzentration und gute Augen.

Mitunter fallen die Tropfen viel zu schnell oder zu langsam aus der Flasche. Das passiert meist dann, wenn Flüssigkeit in die feinen Belüftungsröhrchen der Tropfkonstruktion gelangt, etwa weil die Flasche geschüttelt oder liegend aufbewahrt wurde. Was tun?

So tropft die Flasche wieder richtig

Meist genügt ein leichtes Antippen des Flaschenbodens mit einem Finger. Alternativ die aufrecht stehende Flasche mit einem kräftigen Ruck auf die Tischfläche klopfen, um die Belüftungsröhrchen zu leeren. "Keinesfalls die Tropfvorrichtung an der Flasche manipulieren", sagt Nikolai Kupsch, Apotheker in Berlin. Auch ein zu kräftiges Klopfen oder Schütteln kann die Dosierung des Arzneimittels verändern.

Für eine exakte Anwendung rät Kupsch den Patienten, die Anweisungen in der Packungsbeilage zu beachten oder den Apotheker zu fragen. Je nach Konstruktion des Tropfers muss man beispielsweise die Flasche in ­einer bestimmten Position halten. Dabei lassen sich zwei Systeme unterscheiden, die Fachleute als Rand- und Zentraltropfer bezeichnen.

Je nach Art müssen Flaschen beim Tropfen anders gehalten werden

Je nach Art müssen Flaschen beim Tropfen anders gehalten werden

Zentraltropfer senkrecht, Randtropfer schräg halten!

Für Letztere ist ein feines Röhrchen in der Mitte der  Tropfvorrichtung charakteristisch. "Solche Tropfer müssen unbedingt  senkrecht gehalten werden, damit sie die richtige Tropfengröße abgeben",  so Kupsch. Die selteneren Randtropfer dagegen müssen schräg gehalten  werden. Das Volumen der Tropfen hängt nicht nur von der Flüssigkeit,  sondern auch von der Abtropffläche ab.

Wie wichtig die richtige  Tropfengröße ist, betont auch Dr. Wolfgang Kircher, Arzneiformen-  Experte aus dem oberbayerischen Peißenberg: "Das Tropfenvolumen kann bei  einer falschen Anwendung um bis zu 25 Prozent differieren."

Bei  pflanzlichen oder homöopathischen Präparaten sei das für die Therapie  nicht bedeutsam, so Kircher. Sehr wohl aber bei stark wirksamen  Medikamenten, etwa Psychopharmaka. 

Im Zweifelsfall in der Apotheke nachfragen

Auch wer schon länger Tropfen  einnehmen muss, kann plötzlich vor  Problemen stehen – etwa wenn  Patienten aufgrund von Rabattverträgen das Medikament eines anderen  Herstellers bekommen. Dann sind vielleicht  auch die Tropfer anders  konstruiert. In der Apotheke kann man Fragen  dazu beantworten. 

Am  unkompliziertesten ist die Dosierung bei  speziellen Flaschen mit  Dosierpumpen. Einige Pharmafirmen bieten ihre  Medikamente inzwischen  auch in dieser Darreichungsform an. Vor allem  bei starken Schmerzmitteln  wie Opioiden ist das für Patienten eine  wichtige Unterstützung.

Augen- und Ohrentropfen sind leichter zu dosieren

Im  Gegensatz zu Präparaten, die geschluckt werden müssen,  kommt es bei  Augen- und Ohrentropfen nicht unbedingt auf  das exakte  Tropfenvolumen  an. Überschüssige Flüssigkeit spült etwa das  Auge nach  der Anwendung  umgehend wieder durch die Tränenkanäle aus.  Nur etwa 7,5  Mikroliter  beträgt das Volumen des Tränenfilms im Auge.  Zum  Vergleich: Der Tropfen  eines Arzneimittels ist etwa vier- bis  fünfmal  so groß.

Somit genügt es  also, bei jeder Anwendung einen  einzigen  Tropfen ins Auge zu bringen. Am  besten gelingt das über den   Bindehautsack. Manche  Patienten tun sich mit   Tropfaufsätzen leichter, die es in der Apotheke  gibt. Allerdings ist   auch damit etwas Übung erforderlich. Wichtig: Nicht  alle Augentropfen   vertragen sich problemlos mit Kontaktlinsen. Fragen  Sie vorher in der   Apotheke, wenn Sie nicht sicher sind. Oder weichen Sie  für die Dauer   der Therapie auf eine Brille aus.

Schwindel? Ohrentropfen vorab anwärmen!

Ohrentropfen sind  ebenfalls meist   recht unproblematisch  anzuwenden. Apotheker Nikolai  Kupsch empfiehlt,   die Tropfflasche  zuvor in der Hand auf  Körpertemperatur anzuwärmen, um   einen  unangenehmen Kältereiz im Ohr zu  vermeiden. Ein solcher Reiz   könnte  schmerzhaft sein und eventuell sogar  Schwindel hervorrufen.

Beim  Einträufeln gilt: den Kopf leicht auf die  Seite neigen und die    Ohrmuschel etwas nach hinten oben ziehen. Das sorgt  dafür, dass der    normalerweise gekrümmte Gehörgang gerade liegt. So  gelangen die meist    zähflüssigen Tropfen gut an den Wirkort.

Beachten Sie bei Flüssigarzneimitteln die Aufbrauchfrist

  • Nach Anbruch halten die meisten Flüssigarzneimittel nicht mehr lange. Notieren Sie daher das Anbruchdatum auf der Packung.
  • Vor allem Augen- und Ohrentropfen sind trotz Konservierungsmitteln oft nur sehr kurz haltbar.
  • Die Packungsbeilage informiert über Haltbarkeitsdauer und Aufbrauchfrist.
  • Entsorgen Sie das Medikament anschließend mit dem Restmüll, keinesfalls über die Spüle oder die Toilette, um das Abwasser nicht zu belasten.

Lesen Sie auch:

Medikamente

Wie lang sind angebrochene Arzneien ok?

Haltbarkeit von Medikamenten: Zum Beispiel Erkältungsmittel fürs nächste Jahr aufzuheben ist eine schlechte...