Über die eigene Verdauung spricht wohl niemand gerne. Beim Tabuthema Verstopfung stellt Apothekerin Dr. Kerstin Kemmritz noch immer fest, dass sich manche Kundinnen und Kunden genieren: „Es gibt einige, die eine Freundin vorschicken, weil sie selbst Hemmungen haben, darüber zu sprechen.“

Das Apotheken-Team versucht dann, die Scheu vor Abführmitteln zu nehmen. Denn die sind nicht „das Teufelszeug, wie man noch vor 20 Jahren gedacht hat“, erklärt die Präsidentin der Apothekerkammer Berlin. Der befürchtete Gewöhnungseffekt tritt bei korrekter Anwendung in der Regel nicht ein.

Die Ursachen der Verstopfung angehen

Eine akute Verstopfung mit Unwohlsein oder Blähungen lässt sich mit verschiedenen Wirkstoffen bekämpfen. Zunächst muss aber geklärt werden, ob nicht doch ein Notfall vorliegt. Etwa wenn Fieber oder starke Krämpfe hinzukommen. Ärztin oder Arzt sollte eingeschaltet werden, wenn das Verdauungsproblem wochenlang anhält oder sich bei älteren Menschen die Stuhlgewohnheiten plötzlich ändern. Ebenso können manche Arzneien den Darm träge machen.

Oft sind die Ursachen der Verstopfung allerdings einfacher Natur: Zu wenig Bewegung, ballaststoffarme Ernährung oder Flüssigkeitsmangel führen zur Blockade. Es empfiehlt sich, dann, zuerst den Lebensstil zu ändern. Hilft das nicht, bringen Abführmittel auf verschiedene Weise den Darm in Schwung. Bei richtiger Dosierung und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt sind manche auch für die längere Einnahme geeignet.

Quellmittel dehnen den Darm

Pflanzliche Stoffe wie Floh- oder Leinsamen binden sehr viel Wasser und quellen auf. Das größere Volumen dehnt den Darm, der Reiz stimuliert ihn. Erfolgversprechend sind die Quellstoffe vor allem bei leichteren Fällen von Verstopfung. Sie können über längere Zeit eingenommen werden, da ein Gewöhnungseffekt in der Regel nicht eintritt. Zudem sind sie auch für Schwangere geeignet.

Doch nur wer 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nimmt, kann auf die Quellstoffe setzen. Gerade für ältere Menschen, die ein nachlassendes Durstgefühl haben, kann das eine Herausforderung sein. „Man nimmt die Quellstoffe im Normalfall gleich mit einem Glas Wasser oder rührt sie in einen Joghurt“, rät Apothekerin Kemmritz. „Danach ruhig noch ein Glas hinterhertrinken. Zu viel schadet hier nicht.“

Synthetische Mittel mit Dreifach-Effekt

Synthetische Stoffe wie Macrogol, Lactulose oder auch Sorbit können bei hartnäckigerer Verstopfung wirksamer sein als Quellmittel. Sie haben einen doppelten Effekt. Sie ziehen Wasser in den Darm, die Stuhlmenge wird größer, der Stuhl weicher. Bei Lactulose kommt ein dritter Effekt hinzu. Die Bakterien zersetzen den Stoff, Gase bilden sich, die ebenfalls den Darm anregen.

Die Wirkung kann aber mit der Zeit nachlassen, schränkt Apothekerin Kemmritz ein: „Die Bakterien im Darm scheinen sich an die ‚Zusatznahrung‘ zu gewöhnen, sodass die anfängliche Dosis nicht mehr aus­reicht.“ Für eine längere Einnahme empfiehlt sich eher der Wirkstoff Macrogol, da die Patientinnen und Patienten hier normalerweise keinen Gewöhnungseffekt feststellen.

„Abführmittel sind nicht mehr das Teufelszeug, wie man noch vor 20 Jahren dachte“: Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin

„Abführmittel sind nicht mehr das Teufelszeug, wie man noch vor 20 Jahren dachte“: Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin

Stimulierende Stoffe

Pflanzliche Stoffe wie Rizinus, Aloe, Faulbaum, Sennesblätter oder auch chemische wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat kombinieren mehrere abführende Effekte und gelten als besonders wirksam. Sie stimulieren die Darmtätigkeit, führen zugleich dazu, dass im Dickdarm befindliches Wasser dortbleibt und neues einfließt.

Da sie die Darmbewegungen anregen, klagen manche Betroffene über Bauchkrämpfe. Kemmritz empfiehlt die Einnahme von Tropfen, um die Dosis auszuloten: „Wenn ich weiß, 20 Tropfen machen Krämpfe, versuche ich es das nächste Mal mit 19.“ Eine längere Einnahme darf nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

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